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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 58
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Kinderkrankheiten

Der Vorzug der Homöopathie vor der allopathischen Heilmethode hat sich besonders auch bei Kinderkrankheiten herausgestellt; denn es ist nicht nur der schnelle und sichere Erfolg, der für die Homöopathie spricht, sondern auch die angenehme Art und Weise der Behandlung. – Sind es doch gerade die lieben Kleinen, deren ganze Natur sich gegen bittere und scharfe Arzneien sträubt, was sie denn auch durch Schreien und Zappeln mit Händen und Füßen deutlich kundgeben, sobald man sich ihnen mit solchen Arzneien naht; wie leicht aber und wie willig wird das homöopathische Pülverchen oder der Schluck Wasser genommen, in dem dieses aufgelöst worden ist; ja die Kleinen verlangen oft sogar danach. Das haben denn auch verständige Eltern eingesehen und preisen die Homöopathie und ihren unsterblichen Begründer.

Es gibt eine große Menge Schädlichkeiten, die zwar die Gesundheit eines Kindes bedrohen, aber vermieden werden können, wenn ein naturgemäßes äußeres und inneres Verhalten für jede Lage des jungen Lebens beobachtet wird; oft genug ist die Unkenntnis der Eltern an dem Erkranken der Kinder schuld. – Da es nun bekanntlich weit besser und leichter ist, Krankheiten zu verhüten, als zu heilen, so lohnt sich's wohl, die Wege kennenzulernen, auf denen dies geschieht. Zur Entstehung einer Krankheit gehört zweierlei: die Ursache, die sie erregt, und dann die Fähigkeit des Körpers, durch die Ursache ergriffen zu werden. Es gibt folglich auch nur zwei Wege, auf denen wir Krankheiten verhindern können: entweder, indem wir die einwirkenden Ursachen entfernen, oder, wo dies nicht geschehen kann, dem Körper die Empfänglichkeit dazu benehmen.

In bezug auf das erstere sehen wir leider noch zu oft, wieviel schädliche Sachen den Kindern aus Irrtum und Unkenntnis gegeben werden; vor allem verdienen hier Tadel die Wurmmittel, die Rhabarbertränkchen, der Kamillentee und vieles andere. Und besonders sind es die genannten Mittel, mit denen noch der größte Unfug und Mißbrauch getrieben wird. So sind z. B. die oft bei Kindern anzutreffenden Krämpfe und die Neigung dazu häufig durch den Mißbrauch des Kamillentees hervorgerufen worden, und unzählige Säuglinge sterben noch heute dadurch. Die erste Nahrung des Kindes soll nicht Tee u. dgl. sein, sondern die Mutterbrust, an die das Kind 6 Stunden nach der Niederkunft oder auch, unbeschadet, 12 Stunden danach gelegt werden muß. Ist noch keine Milch eingetreten, so wird durch das Saugen des Kindes die Milchabsonderung befördert und das oft sehr schmerzhafte Spannen der Brust verhütet. Sollte eine Wöchnerin aus irgendeinem Grunde das Kind nicht gleich an die Brust legen können, so gebe man dem Kind frische, gute Kuhmilch (Säuglingsmilch) mit 2 Teilen Wasser verdünnt und etwas, nicht viel, mit Milchzucker versüßt; jedoch niemals Tee.

Ferner sorge man für frische Luft im Schlafzimmer des Kindes und der Wöchnerin.

Es ist leicht erklärlich, daß die Beschwerden der Geburt, die Veränderung im Kreislaufe (durch die Trennung der Nabelschnur und die Respiration), der plötzliche Übergang aus der Temperatur des warmen Fruchtwassers in die der kälteren atmosphärischen Luft und die neue Erscheinung mehrerer vor der Geburt gar nicht vorhandener Verrichtungen das Kind sehr geneigt machen müssen, von Krankheiten befallen zu werden.

Nach der Lösung des Kindes von der Nabelschnur lege man es in vorher erwärmte weiche Leinwandwindeln und bade es in lauwarmem Kleienwasser von nicht über 26 °R (aber nicht mit Seife) und einem weichen Schwamme. In einem Bade von solcher Temperatur kann das Kind ohne Nachteil 2 Minuten verweilen, worauf es behutsam, ohne die feine Haut zu reizen, abgetrocknet und in warme, weiche Windeln gelegt werden muß. Zur Herstellung der Kleienbäder bedient man sich eines mit Roggenkleie gefüllten Säckchens, das mit siedendem Wasser überbrüht und darin mehrmals herumgeschwenkt werden muß. Ist das Wasser bis zu dem nötigen Grade erkaltet, dann kann das Bad benutzt werden.

Das übermäßige Einwickeln in Flanell und Binden ist zu vermeiden. Das Wickeln des Kindes soll vielmehr so einfach wie möglich geschehen. Sooft ein Kind schreit, muß es aufgewickelt werden. Festes Einschnüren ist sehr schädlich; nur der Leib werde durch Einwicklung unterstützt; die Füße müssen lose in ein Tuch geschlagen werden, damit das Kind die Beinchen bequem an den Leib ziehen kann, wie es das im Leibe der Mutter gewöhnt war; das Tuch muß durch die um den Leib gelegte Binde festgehalten werden. Die Arme lasse man so, daß das Kind sie frei bewegen kann. Stets nehme man bei der Bekleidung des Kindes auf die Jahreszeit Rücksicht und sorge, daß es weder zu warm, noch zu kalt gehalten werde. Übrigens härte man den Körper des Kindes soviel wie möglich ab, um ihm, wie schon oben bemerkt, die Empfänglichkeit für schädliche Einflüsse zu nehmen; denn in unseren gesellschaftlichen Verhältnissen ist es nicht immer möglich, alle Krankheitsursachen zu vermeiden; und je mehr man den Körper verzärtelt, desto mehr erkältet man sich. Doch müssen bei der Abhärtung oder bei der Gewöhnung des Körpers an die Einwirkungen der Atmosphäre stets das Alter und die Konstitution des Kindes berücksichtigt werden; denn man würde einem schwachen Kinde oder einem mit hektischen Anlagen sehr schaden, wollte man es in rauher Luft atmen oder ein älteres Kind unverhältnismäßige Körperanstrengungen vollbringen lassen. – Man bade das Kind anfangs täglich 2mal; die Wärme des Bades ist mit einem Badethermometer genau zu bestimmen und soll in den ersten Lebensmonaten höchstens 26 °R betragen; allmählich muß die Temperatur des Wassers auf 24 bis 22° verringert werden, weil warme Bäder äußerst nachteilig sind, da diese die Hauttätigkeit herabsetzen und die Nerven schwächen. Nie darf das Kind länger als ½  Minute in einem derartigen Bade verweilen, da ihm sonst zu viel Lebenswärme entzogen wird. Jedes Tier schützt instinktiv sein Junges gegen die Einwirkungen der Kälte und sonstigen Witterungserscheinungen; nur der kleine Mensch wird gnadenlos mit allen möglichen Abhärtungsmethoden gepeinigt. Schwache Kinder dürfen nicht gebadet, sondern müssen mit einem Badeschwamm abgewaschen werden, da solche Kinder nach jedem Bade matter werden. Beim Baden tauche man den ganzen Körper auf einmal ins Wasser, doch so, daß Augen, Mund und Nase frei bleiben; auf diese Weise wird der Blutlauf am wenigsten gestört und Erkältung verhütet. Schon die erste Erziehung kann Krankheitsanlagen erzeugen, hauptsächlich durch ein Zuwarmhalten, wodurch die Anlage zum Schwitzen und eine schlaffe Haut erzeugt wird, die leicht den Körper zu Erkältungen und rheumatischen Krankheiten geneigt machen. Zu frühe Geistesanstrengung erzeugt Nervenschwäche und deren Folgen.

Mitunter kommt ein Kind scheintot zur Welt. Die Zeichen des Scheintodes stimmen sehr mit denen des wirklichen Todes überein, weswegen auch jedes neugeborene Kind, das kein Zeichen des Lebens von sich gibt (es sehe nun blaurot oder ganz blau aus), höchstens für scheintot zu halten ist, es müßte denn allgemeine Fäulnis den wirklichen Tod außer Zweifel setzen. Fachmännisches Urteil ist u. E. nicht nur ratsam, sondern sogar erforderlich. Die Wiederbelebung muß nach einem bestimmten Plane, den Ursachen des Scheintodes angemessen, und nicht zu stürmisch vorgenommen, auch längere Zeit fortgesetzt werden. Sehr unpassend ist es, bei blauroter Farbe des scheintoten Kindes gleich eine Quantität Blut aus dem Nabelstrange zu lassen. Bis zum Eintreffen des Arztes oder einer gewissenhaften Hebamme helfe man sich auf folgende Weise:

Man bringe das Kind gleich in ein warmes Bad, so daß alle Teile, ausgenommen das Gesicht, vom Wasser bedeckt werden; liegt die Plazenta gleich nach der Geburt des Kindes getrennt im Muttermunde, so bringt man sie, mit ununterbundener Nabelschnur, mit dem Kinde zugleich ins Bad; ist der Mutterkuchen aber nicht gelöst, so trennt man das Kind erst auf die gewöhnliche Weise von der Nabelschnur. Man bewege das Kind im Bade hin und her, nehme es auch zuweilen heraus und reinige den Mund durch Hineingreifen mit dem kleinen Finger von Schleim u. dgl., worauf dann unmittelbar entweder durch Auflegen des Mundes auf den Mund des Kindes, durch einen Federkiel, oder durch ein kleines Rohr Luft eingeblasen werden muß. Dabei drücke man behutsam und allmählich nach jedem Einblasen den Brustkasten, um so das Atmen zu befördern. Es kommt dabei alles auf die Zeit an, wie lange dieses Lufteinblasen fortgesetzt wird, was wenigstens mehrere Stunden lang geschehen muß; es wird dieses Verfahren, das man oft zu früh aufgibt, von keinem anderen Mittel übertroffen. Dabei hauche man von Zeit zu Zeit auf die Magengrube und reibe Brust, Rücken und Fußsohlen mit weichen, erwärmten Tüchern. Zeichen des zurückkehrenden Lebens sind folgende: Die bläuliche oder blasse Gesichtsfarbe wird röter, die schlaffen Glieder werden steifer, die Kinnlade schließt sich; zurückkehrender Herzschlag und Pulsieren der Nabelschnur, beginnendes Atmen. Ist durch dieses Verfahren das Kind ins Leben zurückgerufen, so kann man, wenn es von Schleim röchelnd atmet, Tartarus emeticus geben. Man schüttet entweder einige Körner davon auf die Zunge des Kindes oder löst 12 Körnchen in einem Weinglase mit 2 Eßlöffel voll Wasser auf und benetzt die Zunge alle 5 Minuten mit einigen Tropfen der Lösung (Dilution).

Tartarus emeticus gebraucht man ferner, wenn das Kind gar kein Leben zeigt oder nur ein schwaches Klopfen in der Nabelschnur bemerkt wird; die Glieder sind schlaff, das Gesicht ist blaß oder blaurot angeschwollen; die Luftwege sind mit Schleim verstopft.

Opium, wenn das Gesicht bläulich oder schmutziggelb aussieht. – Hingegen China bei blassem Gesicht, auch wenn das Atmen schon angefangen hat.

Aconitum paßt, wenn das Kind zu leben angefangen hat und das Gesicht sich mit einer flüchtigen oder bläulichen Röte überzieht.

Zur ersten Nahrung ist nichts tauglicher als die Muttermilch, und es sollte sich keine Mutter nehmen lassen, der heiligen Mutterpflicht des Selbststillens nachzukommen. Es ist betrübend, zu sehen, wie in den letzten 20 bis 25 Jahren in erschreckender Weise die Zahl der selbststillenden Mütter sich vermindert hat. Es wäre wohl ein Frevel an dem Heiligsten der Menschheit, der Mutterliebe, wollte man annehmen, daß das jetzige Geschlecht der Mütter ihre Kinder weniger liebte als früher.

Daran liegt es auch nicht.

Die meisten Frauen sagen: Meine Milch ist mir vergangen in den ersten Wochen, das Kind hat nicht saugen wollen, oder es wurde nicht satt. Die Schuld liegt aber in der Behandlungsweise der Brüste und des Kindes in der ersten Zeit nach der Geburt. Man beobachte einmal: Kaum ist das Kind geboren und gebadet, so erhält es 1 Löffel Zuckerwasser, angelegt wird es fast nie vor 12 bis 24 Stunden. Schreit es, so hat es Hunger und bekommt wieder Tee o. dgl. So soll nun das Kind mit vollem Magen trinken.

Solch ein Kindermagen ist, wie man sich bei Sektionen neugeborener Kinder überzeugen kann, winzig klein, er faßt kaum einen Eßlöffel. Außerdem bringt er eine Portion eiweißhaltiger Flüssigkeit mit zur Welt, so daß er ganz gut die erste Zeit ohne alle Nahrung aushalten kann.

So bedarf das Kind in der ersten Zeit wenig Nahrung, und die Mutterbrust hat genug und vollauf dafür. Je mehr aber das Kind angelegt wird, je mehr es durch Saugen die Brust reizt, desto mehr liefert die Brust Milch. Je weniger die Brust durch Saugen gereizt und entleert wird, desto weniger Milch liefert sie und trocknet schließlich ein. – Ein Kind aber, dem der Magen, weil es nicht gleich saugen will, voll Tee, Milch oder Zuckerwasser gepumpt ist, hat nicht das Gefühl des Hungers und saugt nicht; denn nur der leere Magen, d. h. der Hunger zwingt es zum Trinken. Wenn dem Kinde mühelos die Nahrung durch Flasche usw. geboten wird, wird es sich instinktmäßig hüten, sich mühevoll die Milch tropfenweise aus der Brust zu holen. Dabei erlahmen seine kleinen Kinnbacken zu leicht. So kommt aber die Brust nie zur ergiebigen Entwicklung und Milchabsonderung. Auf diese Weise geht die Brust dann ein, und die Mutter klagt: Ich habe keine Nahrung, mein Kind wird nicht satt, ich muß es künstlich ernähren. Alle künstlichen Ernährungsmittel sind aber traurige Surrogate der Muttermilch. Darum lege man das Kind gleich an die Brust und bedenke, daß es nicht lange hintereinander trinken kann, da sich seine Kinnbacken ausruhen müssen, und daß es auch anfangs wenig bedarf. – Je mehr man anlegt, desto mehr Nahrung liefert die Brust, je mehr man die Flasche zugibt, desto weniger.

Nur in den seltenen Fällen, wo gar keine Milch in der Mutterbrust vorhanden oder wo die Mutter schwindsüchtig oder skrofulös ist, muß das Kind von einer Amme aufgezogen werden; doch sei man in diesem Falle ja vorsichtig in der Wahl. Die Amme muß frisch und gesund sein, von sanftem Gemüte und wohlwollendem Sinne gegen Kinder. Bei dem Stillen muß das Kind schon nach 8 bis 14 Tagen an eine gewisse Ordnung gewöhnt werden und darf nachts nie die Brust bekommen, auch nicht immer gleich, wenn es vielleicht schreit (was oft von ganz anderen Dingen als von Hunger veranlaßt wird), sondern es soll etwa nur alle 3 bis 4 Stunden an die Brust gelegt werden. – Bekommt das Kind keine Mutter- oder Ammenmilch (selbst ein 1- bis 2monatliches Stillen trägt sehr zum Gedeihen des Kindes bei), dann ist, in Ermangelung dieser, wie sich durch die Erfahrung herausgestellt, die Kuhmilch als die normalste Kindernahrung zu betrachten. Alle anderen Surrogate, wie Kindermehl u. dgl., treten vor der Kuhmilch in den Hintergrund. Am vorteilhaftesten ist es, ungekochte Milch zu verabreichen, da durch zu langes Kochen (Sterilisieren) die Eiweißkörper und Nährsalze der Milch zerstört und ihr die Schutzkörper entzogen werden. Man hat die Gefahr der Infektion mit Tuberkelbazillen perlsüchtiger Kühe überschätzt und durch das ¼ bis ½ Stunden lange Kochen der Kuhmilch viel Unheil angerichtet (Barlowsche Krankheit, Rachitis). Auf dem Lande und in kleinen Städten ist es meist nicht schwer, einwandfreie Kindermilch zu erhalten, und in Großstädten sorgen fast überall Institute für roh zu verwendende Kindermilch. Freilich ist dafür ein höherer Preis anzulegen. Nur in zweifelhaften Fällen empfiehlt es sich, die Milch 5 bis höchstens 10 Minuten lang abzukochen.

Auch die Annahme, daß im Sommer spontan gesäuerte Milch zur Säuglingsernährung untauglich sei, hat sich nach den Versuchen in der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg und dem Kinderhospital in Lübeck als revisionsbedürftig erwiesen.

Was wir dem Säuglinge geben, ist eine Mitgift fürs Leben. Die gute, kräftige Konstitution ist teilweise von den Eltern ererbt, teilweise in der ersten Jugend durch rationelle Ernährung begründet. Die Fehler, die da begangen werden, sind in den seltensten Fällen später gut zu machen.

Spezielle Ratschläge für gesunde Kinderernährung findet man in dem Buche »Die Grundlagen einer richtigen Ernährung« von Dr. W.  Vogel und R.  Berg, Dresden.

Das Kind bedarf nach der Geburt weder eines abführenden, noch eines anderen Arzneimittels; im Gegenteile geben die gewöhnlichen Säftchen und Tränkchen häufig zu manchen Nachteilen Veranlassung. – Wenn das Kind wohl ist, so hat es auch täglich einige Male Stuhlentleerung; fehlt sie aber, und fängt das Kind an, wegen der Unterdrückung dieser Ausleerung unruhig zu werden, so gebe man ihm ein Klistier von lauwarmem Wasser, nie aber mehr als ¼ Tassenkopf voll Wasser auf einmal; man kann, sobald keine Wirkung erfolgt, dies nach einigen Stunden wiederholen. In hartnäckigen Fällen tue man ein klein wenig Salz, nie aber, wie manche raten, Zucker hinzu, da dieser sehr oft Leibschmerzen und ruhrartige Stühle bewirkt und von manchen Kindern gar nicht vertragen wird. Ein sehr gutes Mittel bei Stuhlverstopfung ist Nux vomica oder Bryonia, wenn man einige Körnchen in Wasser auflöst und den Kindern davon alle 2 Stunden 1 Teelöffel voll gibt; in hartnäckigen Fällen Opium oder Plumbum. Ist der Mastdarm durch eine äußerlich befindliche Haut verschlossen, so muß man recht bald bei einem Arzt Hilfe suchen, der durch einen zweckmäßigen Kreuzschnitt den Mastdarm öffnen wird. Die Blutung ist durch Arnicawasser leicht zu stillen, auch kann man nachher etwas Öl einreiben. Oft kann auch der Mastdarm selbst verwachsen sein oder gar unten fehlen. – Eine verschlossene Mutterscheide läßt man ebenfalls bald nach der Geburt operieren; man schiebe es nicht auf bis zum mannbaren Alter des Mädchens. Eine verschlossene Harnröhre ist zu vermuten, wenn das Kind in den ersten 12 bis 24 Stunden keinen Urin läßt.

Verschiebung der Schädelknochen und Geschwulst am Kopfe (Cephalhaematom) bemerkt man oft nach langsamen und schweren Geburten. Sie verschwinden von selbst, weshalb nur in seltenen Fällen dagegen Arzneien verordnet werden. Arnica, innerlich gebraucht, etwa alle 4 Stunden, ist in schlimmen Fällen sehr gut. Auch kann man bei mechanischen Verletzungen des Kindes äußerlich Umschläge von Arnicawasser anwenden. (Man nimmt auf 1 Eßlöffel voll Wasser 4 Tropfen Arnica-Tinktur.)

Das Kindspech oder Meconium ist die erste Stuhlentleerung des Kindes nach der Geburt. Sie ist von dunkelgrüner Farbe und schmieriger Beschaffenheit. Wo die Entleerung nicht gleich vonstatten geht, braucht man nicht zu gewaltsamen Mitteln zu greifen, sondern man wartet ruhig ab, selbst wenn 24 Stunden darüber vergehen. Nur wenn das Kind unruhig wird, gebe man ihm und auch der Mutter Nux vomica, täglich 3mal einige Streukügelchen; nach einigen Tagen verabreiche man Sulfur ebenso.

Will ein Kind die Brust nicht nehmen, und weigert es sich zu saugen, so untersuche man den Mund und sehe, worin dies seinen Grund hat. Oft ist die Ursache das zu kurze Zungenband oder kleine, zur Seite der Zunge befindliche Bändchen. Das Kind kann dann die Zunge weder an den Gaumen, noch an die Lippen bringen; es kann daher wenig oder gar nicht saugen, und da die Zunge das Hinunterschlucken dann nicht begünstigt, so hustet das Kind stets beim Schlucken. Muß die Zunge gelöst werden, so rufe man dazu einen geschickten Arzt, der ohne große Mühe die kleine Operation vollziehen wird. Nach der Operation wird der Mund mit etwas Arnicawasser ausgewaschen, und die Schnittstelle wird von Zeit zu Zeit mit etwas Honig bestrichen. Kann das Kind wegen Hasenscharte oder gespaltenen Gaumensegels nicht saugen, so muß es die Milch mit dem Löffel erhalten. Das Schlucken geht bei aufrechter Stellung des Kindes am besten vonstatten. – Kann man keinen Grund des Nichtsaugenwollens auffinden, so gebe man dem Kinde und auch der Mutter einige Male Mercurius, oder wenn große Schwäche daran schuld ist: China. Wenn das Kind die Milch sogleich wieder ausbricht, so gebe man Aethusa Cynapium oder Silicea. Oft ist die Milch selbst schlecht; in diesem Falle gebe man, wenn die Milch zu gelb und bitter ist, der Stillenden Rheum in Wasserauflösung, täglich 3mal 3 Tage hindurch, und warte 8 Tage die Nachwirkung ab. Ist die Milch zu blau: Lachesis. Ist sie zu fett: Pulsatilla. Wenn die Milch leicht gerinnt: Borax oder Lachesis. – Silicea paßt besonders dann, wenn das Kind sich auf das Saugen erbricht und die Brust nicht mehr nehmen will. Sonst sind noch zu versuchen: Chamomilla, Cina, Mercurius.

Erbrechen der Neugeborenen ist oft durch Diätabänderung zu beseitigen, sonst durch Ipecacuanha. – Veratrum ist in hartnäckigen Fällen und namentlich dann, wenn Durchfall zugegen ist, sehr hilfreich. In organischen Leiden (siehe Magenerweichung): Kreosotum oder Arsenicum. Erbrechen nach Husten mit vielem Schleimauswurfe beseitigt Ipecacuanha; hilft diese nicht, so gebe man Tartarus emeticus.

Gemütsbewegungen der Stillenden, z. B. Ärger oder Schreck, üben sehr nachteiligen Einfluß auf die Milch aus. Daher muß sich jede stillende Frau vor Gemütsbewegungen hüten. Gegen die Folgen solcher Gemütsaffekte besitzen wir in der Homöopathie viele brauchbare Mittel. Fand Ärger oder Schreck statt, so verabfolge man Aconitum. Bei Ärger: Chamomilla, Freude: Coffea, Kränkungen: Ignatia. – Übrigens muß sich die Stillende vor Gemütsaufregungen jeder Art hüten und auch in der Wahl ihrer Speisen vorsichtig sein, denn diese üben einen ebenso großen Einfluß auf die Milch aus, wie Gemütsaffekte. Die Stillende vermeide daher Tee und Bohnenkaffee, desgleichen auch blähende und schwerverdauliche Speisen, um dem Säugling Schlaflosigkeit und Schmerzen zu ersparen. Eindringlich zu warnen ist vor dem Genuß alkoholischer Getränke (Wein, Bier, Likör), weil der Alkohol in die Milch übergeht und das zarte Gehirn des Kindes dadurch geschädigt wird. Die Kinder schlafen danach, weshalb gewissenlose Ammen durch Schnapsgenuß sich ruhige Kinder zu verschaffen suchen. Frauen, die auf sich achten und Schädlichkeiten vermeiden, werden sich über unruhige Nächte, veranlaßt durch das schmerzvolle Geschrei des Kindes, nicht zu beklagen haben.

Der Schlaf ist für ein Kind unentbehrlich; ein neugeborenes Kind schläft die größte Zeit des Tages und soll im Schlafe nicht gestört werden; nie darf man durch künstliche Mittel, durch Wiegen, Schaukeln u. dgl., ein Kind in den Schlaf zu bringen suchen, es auch nie daran gewöhnen. Am schädlichsten aber sind für das Kind Mohnabkochungen, Opiate und andere einschläfernde Mittel; man bewirkt dadurch viele später zum Vorschein kommende Siechtümer und besonders Verstandes- und Gedächtnisschwäche. – Man forsche zunächst nach den schlafstörenden Hindernissen und suche diese zu beseitigen. Sind solche nicht aufzufinden, dann verabfolge man Coffea, sehe aber darauf, daß die Stillende keinen Kaffee trinkt. Nach den jeweils obwaltenden Umständen können auch Belladonna, Gelsemium, Opium oder auch Calcium carbonicum hilfreich sein. Übrigens gewöhne man das Kind an eine bestimmte Schlafenszeit.

Die körperliche Entwicklung ist nicht maßgebend für die Entwicklung seiner Nerven. Das Hauptorgan unseres Nervensystems, das Gehirn, ist dermaßen fein gebaut, daß für die Abnutzung immer Ersatz geschaffen werden muß. Das kann aber nur dann geschehen, wenn die Reibungen des Gemüts, die Sinnesreize, möglichst fortfallen. Dazu dient der Schlaf. Während des Schlummers ruht das Hirnleben bis auf das wenig Leistungen beanspruchende Traumleben. Schwer sündigen die Eltern, die ihre Kinder noch abends mit zum Vergnügen nehmen; denn das Gehirn wächst bis zum 16. Jahre, und jedes Kind braucht täglich 9 bis 10 Stunden Schlaf.

Schreit ein Kind zur Nachtzeit ungewöhnlich stark, so forsche man nach der Ursache des Schreiens; nicht immer ist Hunger die Ursache, sehr oft ist Schmerz daran schuld; oder auch, besonders wenn die Stube sehr warm ist (die Temperatur sollte nie über 18 °R sein und stets eine Schüssel mit Wasser in der Nähe des Ofens stehen), Trockenheit des Mundes, die durch einige Teelöffel voll Wasser beseitigt wird. Um zu erfahren, ob das Kind Schmerzen empfindet, entkleide man es. Findet man keinen Druck von festanliegenden Binden u. dgl., so ist ein inneres Leiden zu vermuten. Zieht das Kind die Füße an den Leib und stößt sie wieder weg, so hat es Leibweh (Kolik); es schreit dann abwechselnd auf und wird auf kurze Zeit wieder ruhig. Blähungen sind gewöhnlich daran schuld. Geht eine Blähung ab, so werden die Kinder ruhig, schreien aber bald wieder von neuem. Am häufigsten leiden an diesen Beschwerden Kinder, die ohne Mutterbrust aufgezogen werden. Man reibe den Leib sanft mit warmen, weichen Tüchern und gebe innerlich Belladonna, Colocynthis oder Nux vomica. Bei mit säuerlich riechenden Durchfällen verbundenem Leibweh reichen wir Jalapa oder Rheum. Helfen die genannten Mittel nicht, schreien die Kinder infolge heftiger Schmerzen Tag und Nacht, dann verabfolgen wir ungesäumt sehr kleine Gaben Codein.

Sehr oft kommt es vor, daß Kinder kürzere oder längere Zeit nach dem Einschlafen plötzlich in die Höhe fahren, aufschreien und gar nicht zu beruhigen sind. Vernachlässigt man solche Fälle, so können sie einen sehr üblen Ausgang nehmen (in Krämpfe, Blödsinn usw.). Ursache ist eine Stauung des Blutes im verlängerten Mark, bzw. Blutüberfüllung des Gehirns, durch Liegen und Bettwärme begünstigt. Hier hilft Belladonna in kürzester Zeit, oft sogar schon nach der 1. Gabe. Man sehe übrigens darauf, daß man das Kind mehr auf die Seite, besonders auf die rechte Seite, als auf den Rücken legt, lagere es nicht hoch mit dem Kopfe und schütze es durch Vorhänge vor dem hellen Lichte. In dem Bette der Mutter kann das Kind leicht erdrückt werden, daher sollte es sein eigenes Lager haben.

Um das Wundwerden der Haut des Kindes zu verhüten, ist nichts besser als öfteres Waschen der verunreinigten faltigen Hautstellen und vor allem reine Wäsche; daher müssen stets viele Windeln vorrätig gehalten werden, die man aber nicht in die Stube hänge, in der das Kind schläft, was, da die Wäsche stets einen widrigen Geruch verbreitet, für die zarten Kopfnerven höchst schädlich ist. Finden sich trotz aller Reinlichkeit doch wunde Stellen vor, so wende man etwas reines Pudermehl an und verabfolge innerlich Chamomilla oder Sulfur. Das Auflegen von Bleiwasser, Zinksalbe u. dgl. ist aber entschieden schädlich und daher ganz und gar verwerflich. Nur in hartnäckigen Fällen versuche man Hydrastis canadensis äußerlich, wie auf Seite 96 angegeben.

Die Gelbsucht der Kinder (Ikterus neonatorum) zeigt manche Verschiedenheiten von der der Erwachsenen und ist so allgemein (besonders in Findelhäusern oft epidemisch), daß man sie für eine notwendige Erscheinung nach der Geburt gehalten hat. Das ist sie aber ebensowenig, als zurückgetretenes Kindspech die Ursache davon ist. Sie beginnt gegen den 3. oder 4. Tag nach der Geburt mit Gelbfärbung der Haut (nicht immer der Augenbindehaut), wird dann allgemein und verschwindet etwa in der 2. Woche. Der Urin ist nicht braun; die Stühle oft noch gallenhaltig, durchfällig. Als Ursache der Krankheit bezeichnet man die mit der Unterbindung und Lösung des Nabelstranges verknüpften Funktionsstörungen der Leber, insbesondere eine Entzündung der Nabelgefäße, die auch wohl in Pyämie und Erysipel übergeht. So gefährlich das Kind oft dabei aussieht, so wenig hat gewöhnlich die Krankheit zu bedeuten; das Kind befindet sich meistens sehr wohl. Nur in gefährlichen Fällen schreite man zur Behandlung mit Mercurius oder China, welche Mittel man alle 2 bis 3 Stunden im Wechsel verabfolgen kann; sind Fieber und Hitze zugegen, noch Aconitum. Sind Rhabarbersäftchen gegeben worden, so paßt Nux vomica. Ist Erkältung die Ursache: Chamomilla, in sehr hartnäckigen Fällen: Sulfur.

Die Blausucht der Neugeborenen (Cyanosis) beruht meist auf einem Herzfehler und ist dann unheilbar. Es bleibt nämlich jene Öffnung zwischen der rechten und linken Herzkammer, das Foramen ovale, noch nach der Geburt offen, oder es fehlen die Scheidewände u. dgl. Diese Zustände kommen aber auch, ohne Blausucht zu erzeugen, vor. Oft ist die Ursache der blausüchtigen Erscheinung eine Verzögerung des Blutlaufes in den Haargefäßen, wie schon das Blauwerden der Extremitäten beim Frost oder nach fester Umschnürung zeigt. Ein allgemein cyanotischer Zustand beruht meist auf einer mangelhaften Entleerung der beiden Hohladern, und diese wieder auf einer Störung des kleinen Kreislaufes. Man hat Sulfur, Calcium oder auch Digitalis dagegen vorgeschlagen.

Der Grindkopf, Tinea capitis, ist eine Krankheit, von der sehr oft Kinder befallen werden. Die Kopfhaut schwillt an, und es entsteht Hitze mit einem lästigen Jucken; darauf bilden sich kleine Bläschen auf dem Kopfe, die eine unangenehme, oft übelriechende Feuchtigkeit absondern, die zu Schorfen und Krusten antrocknet, unter denen sich das Übel weiter ausbildet. (Siehe Bläschenausschlag bei Flechten.) Man unterscheidet den feuchtenden oder gutartigen Grind, das gemeine Ekzem, und den bösartigen Honigwaben- oder Erbgrind: Favus. Bei ersterem bilden sich kleine Bläschen, die kleine weißliche Schörfchen bilden. Er ergreift nicht nur den Haarkopf (Porrigo), sondern erstreckt sich auch oft auf die Stirn, das Gesicht und auf das äußere Ohr, Milchschorf, Ansprung (Crusta lactea). Bei dem Grindkopf, Tinea capitis, verabfolgen wir Arsenicum: bei Jucken und Brennen und scharfer Absonderung, die die Umgebung wund macht; Calcium carbonicum: dicke Schuppen mit gelbem Eiter darunter, bei fetten, schwammigen Kindern mit skrofulösem Habitus; Dulcamara: bei mehr trockenem Ausschlag, mit dicken, braunen Krusten im Gesicht, mit gerötetem Rand, die leicht bluten; Graphites: bei nässendem Ausschlag, der eine wasserhelle, klebrige Flüssigkeit ausschwitzt, besonders am Kinne und hinter den Ohren; Hepar sulfuris: bei nässendem Ausschlag, bei dem sich immer neue Bläschen in der Umgebung bilden; Mezereum: bei heftigem, juckendem Ausschlag, so daß das Kind die Schorfe, besonders nachts, wegkratzt; Rhus Toxicodendron bei nässendem Ausschlag mit roten entzündeten Rändern und starkem Jucken; Staphisagria: wenn unter den Schorfen eine gelbliche, scharfe Flüssigkeit hervorsickert; Viola tricolor: bei juckendem Ausschlag, besonders nachts, und wenn der Urin wie Katzenharn riecht. In Nux juglans besitzen wir ein sehr wirksames Mittel, wenn der Ausschlag auf dem Kopfe oder hinter den Ohren auftritt, mit argem Jucken, das kaum schlafen läßt. In sehr hartnäckigen Fällen machen wir von Hydrastis canadensis Gebrauch und verweisen auf die bei diesem Mittel aufgeführten Symptome. – Bei dem Erbgrinde, Favus, bilden sich keine Bläschen, er enthält keinen Eiter und besteht auch nicht aus Eiterkrusten, sondern aus Pilzen, die sich zu rundlichen Scheiben gruppieren, die zuletzt große, borkige Massen bilden und den Haarbalg gänzlich zerstören. Die stets trockenen und spröden Borkenmassen lassen sich leicht abheben und lassen eine von Haaren entblößte, glänzend weiße Haut zurück. Da dieser Pilzwucherung immer ein inneres Siechtum zugrunde liegt, so verabfolgen wir auch hierbei neben der äußeren Behandlung homöopathische Mittel, und zwar mit dem besten Erfolge. Reinlichkeit, Waschungen, Aufweichen der Borken durch Kakaobutter, milde Öle; selbst warme Breiumschläge sind oft zur Unterstützung der Kur notwendig. Die Krankheit ist ansteckend.

Der Favus kann übrigens sehr leicht mit dem Ansprunge oder Milchschorfe, der zu den sog. ekzematösen Ausschlägen gehört (siehe diese bei Flechten), verwechselt werden. Der Favus läßt jedoch, sobald es uns gelungen ist, die Borken abzuheben, eine vertiefte, mit einer dünnen Epidermis bedeckte Hautstelle zurück, während bei Ekzem, d. h. beim Ansprung, nach Abnahme der Borken nässende oder excoriierte Hautstellen zurückbleiben. Haben wir uns von dem Bestehen des Favus überzeugt, dann lassen wir nach Beseitigung der Pilzborken jeden Morgen den Kopf tüchtig mit warmem Seifenwasser abwaschen, während wir ihn abends mit Sublimatwasser (0,06 g auf 80 g Wasser) gut einreiben und die Stellen zur Nacht mit Watte überdecken. Innerlich verabfolgen wir Sulfur mit Mercurius im Wechsel mehrere Tage hintereinander und warten dann ruhig mehrere Wochen die Nachwirkung dieser Mittel ab, worauf wir später Arsenicum, Graphites oder Thuja verabfolgen; letztere sofort, und zwar mit Sulfur im Wechsel, sobald der Ausschlag, d. h. die Pilzbildung, sich nach der zwangsläufigen Pockenimpfung eingefunden haben sollte. Es gilt hier hauptsächlich, die Konstitutionsverhältnisse zu bessern; vermögen wir dies, dann hört die Pilzwucherung, die nur auf krankem, für sie geeignetem Boden stattfinden kann, von selbst auf. Immer aber sehen wir darauf, daß sich nicht neue Favusscheiben bilden, und beseitigen die entstandenen schnell durch Abheben und Betupfen der Stellen mit Sublimatwasser. Die vollständige Beseitigung des Übels geht immer langsam vor sich. Auch sorge man dafür, daß die abgestorbenen Haare herausgezogen und beseitigt werden.

Sollte Ungeziefer auf dem Kopfe entstehen, das sehr leicht bei Kopfausschlägen, wenn vorher nur einige Läuse vorhanden waren, überhandnimmt, so wasche man täglich den Kopf mit lauwarmem Wasser und etwas gewöhnlicher weißer Seife und sorge dafür, daß sich das Ungeziefer nicht ferner vermehrt. Man kann auch einige Tropfen Anisöl auf dem Kopf verreiben. – Noch weit lästiger ist die Kleider- oder Zeuglaus, die sich in den feinen Falten der Wäsche, wo diese besonders eng am Körper anliegt, vorfindet und ein Kind vor Beißen und Jucken nicht schlafen läßt. Hier sehe man die Wäsche gehörig nach und wechsle sie oft, auch kann man mit einem heißen Bolzen (Plätteisen) die Wäsche ausbügeln oder ausplätten, wobei das Ungeziefer zugrunde geht. Hat die Magd (Kindermädchen usw.) Läuse, so sehe man darauf, daß sie sich reinige und häufig die Wäsche wechsle. – Schließlich wollen wir noch der Filzläuse gedenken. Diese haben einen abgerundeten, breiten Körper, ein kurzes, fest mit dem Hinterteile verwachsenes Bruststück und vorn lange, scherenähnliche Vorderfüße, mit denen sie sich tief in die Haut einbohren, so daß man äußerlich nur einen schwarzen erhabenen Punkt wahrnehmen kann. Diese Schmarotzer finden sich hauptsächlich an behaarten Stellen des Körpers, sogar in den Augenbrauen, und können zur schrecklichen Plage werden. Das zuverlässigste Mittel gegen dieses Ungeziefer ist graue Quecksilbersalbe, und wenn diese nicht anwendbar erscheint, eine Salbe von 1 Teil persischem Insektenpulver mit 5 Teilen Vaseline.

Anschwellen der Brüstchen entsteht gewöhnlich durch unvernünftiges Drücken und Quetschen der Wärzchen; ist dies der Fall, so hilft Arnica, die man täglich mehrmals eingibt; mitunter hilft auch Chamomilla und, bei bedeutender Entzündung, Belladonna oder Bryonia. Ist jedoch schon eine Eiterbeule vorhanden, so gebe man Hepar sulfuris so lange, bis sie offen ist, und dann Silicea in einigen Gaben.

Das Schluchzen oder der Schlucker (Singultus) kommt oft bei kleinen Kindern vor und beruht auf einer plötzlichen unwillkürlichen Zusammenziehung des Zwerchfellmuskels, wobei die Luft mit lautem Geräusch durch die Stimmritze eindringt. Häufig wird das Schluchzen durch Erkältung oder zu schnelles Trinken hervorgerufen und vergeht gewöhnlich von selbst wieder, am schnellsten aber, wenn das Kind in warme Tücher eingeschlagen und ihm die Brust gereicht wird; man kann auch dem Kinde 1 Messerspitze voll gepulverten Zucker in den Mund tun; sollte es nicht helfen, so gebe man Nux vomica oder Belladonna und in sehr hartnäckigen Fällen Gelsemium oder Ignatia.

Halsweh kommt bei Kindern besonders nach Erkältungen vor und hindert sehr beim Saugen, denn sobald die Kinder die Milch hinunterschlucken wollen, schreien sie, auch kommt das Getränk nicht selten wieder zurück. Ist der Hals entzündet, dann schreien die Kinder mit rauhem, heiserem Tone. Bei vorhandenen Fieberregungen gebe man sofort Aconitum in Wasser, stündlich einen kleinen Teelöffel voll. Bessert dieses Mittel in 8 bis 10 Stunden den Zustand nicht, dann reichen wir Belladonna in gleicher Weise. Bei Geschwulst der Gaumensegel und Mandeln empfiehlt sich Mercurius solubilis.

Die Schwämmchen, Soor oder Mehlhund, bestehen bei Kindern aus kleinen weißlichen Pünktchen, Pilzbildungen, an den inneren Lippen, der Zunge, den Wangen, um den Gaumen, die sich bei unzweckmäßiger Behandlung nach und nach über die ganze Mundschleimhaut und sogar durch den Schlund, Magen- und Darmkanal bis zum After verbreiten. Das Epithel ist stark entzündet; auch kommt es bei nicht gehöriger Reinigung des Mundes zur Fäulnis des von den Schimmelpilzen ergriffenen Epithels, wodurch die Schleimhaut zerstört und eine Art Mundfäule erzeugt wird; es schwellen dann gewöhnlich auch die Halsdrüsen an, der Atem wird stinkend und faulriechend, die Kinder speicheln stark. Später fängt das Zahnfleisch an zu bluten, es wird schwammig, und die Geschwüre, die eine blutige, jauchige Absonderung entleeren, greifen um sich. Bei älteren Kindern werden die Zähnchen locker. Die Krankheit verursacht den Kindern einen brennenden Schmerz und erschwert ihnen das Saugen und Schlucken. Die Folge ist ein Fieberzustand, verbunden mit Unruhe und Schlaflosigkeit, Diarrhöe und starker Urinabsonderung, wodurch zuletzt die Kinder abzehren und häufig dem Leiden erliegen. – Nicht selten ist mit diesem Übel die Unannehmlichkeit verbunden, daß die Brustwarzen, woran die mit Schwämmchen geplagten Kinder saugen, wund, schmerzhaft und schwärend werden.

Der Soor verläuft gewöhnlich innerhalb einiger Tage gefahrlos. Bei Erwachsenen trifft man ihn häufig im Verlaufe schwerer Krankheiten, wie bei Typhus und in den Endstadien der Tuberkulose, des Carcinoms, und er ist in allen diesen Fällen Vorbote des Todes.

Das beste Mittel gegen die Schwämmchen ist Mercurius sublimatus corrosivus. Dieses Heilmittel paßt besonders, wenn, wie sehr häufig, Durchfälle von schleimiger, grünlicher Beschaffenheit zugegen sind; wenn große Hitze und Fieber vorhanden sind, mit Aconitum im Wechsel. Auch Capsicum oder Acidum sulfuricum werden empfohlen. Empirisch bewährt sich bei älteren Kindern Borax, in Wasser, zum öfteren Auswaschen des Mundes. Erscheint die Krankheit nach einiger Zeit wieder, so ist Sulfur, täglich 3mal, einige Tage lang zu brauchen. Große Reinlichkeit und häufiges Auswaschen des Mundes ist sehr zu empfehlen, wenn sich dieses lästige Leiden nicht in die Länge ziehen soll. Namentlich sind die Zulpe oder Nutschbeutel ganz zu vermeiden. – Nimmt die Krankheit einen bösartigen Charakter an, was selten vorkommen dürfte, dann verabfolge man sofort Acidum nitricum, was auch bei der eigentlichen Mundfäule angewandt zu werden verdient. Übrigens hat die Mundfäule (Stomacace) mit dem Soor nichts gemein. Die Stomacace besteht in einem faulig-eiterigen Zerfalle des Zahnfleisches und der mit diesem in unmittelbarer Berührung stehenden Gewebe. Sie kommt nie bei zahnlosen Greisen und Säuglingen vor. Zahnfleisch sehr gerötet und locker; es bildet sich am Zahnfleischrande ein weißlicher Saum, der sich in ein flaches, gezacktes Geschwür verwandelt, das Zahnfleisch zerstört und die Zähne lockert. Dabei entsetzlicher Mundgeruch. Die Krankheit geht in 2 bis 3 Wochen in Genesung über; wird selten chronisch, noch seltener, bei schlecht ernährten Individuen, tödlich. Heilmittel außer Acidum nitricum oder Mercurius sublimatus corrosivus auch Arum triphyllum, in sehr bösartigen Fällen: Arsenicum. Diese Krankheit darf nicht mit Skorbut verwechselt werden.

Rote, erhabene Muttermale, mit denen das Kind geboren wird, vergehen fast ohne Ausnahme, wenn das Kind richtig homöopathisch behandelt wird. Die wichtigsten Mittel sind Sulfur, Calcium, Silicea. Man gibt zuerst Sulfur, 8 Tage lang; nach 6 Wochen Calcium ebenso; desgleichen Silicea, bis das Kind alle Zähne hat. Auch verdient noch größte Beachtung Acidum hydrofluoricum. Sehr gut bewährt hat sich bei Feuermälern und Blutschwamm kleiner Kinder Ferrum phosphoricum D10, 3mal täglich 3 Tropfen in ½ Eßlöffel voll Wasser.

Stockschnupfen und verstopfte Nase hindern die Kinder sehr am Saugen. Man reibe den Nasenrücken mit Mandelöl ein und verabfolge innerlich Nux vomica oder Mercurius solubilis. Hilft dies nicht innerhalb von 8 bis 10 Tagen, so gebe man Sulfur oder Hepar sulfuris, und fließt Wasser aus der Nase: Chamomilla; verschlimmert sich das Übel in freier Luft, so hilft Dulcamara. Bei Katarrh der Luftwege: Ipecacuanha, Hepar sulfuris oder Tartarus emeticus, und wenn Fieber damit verbunden ist, dann verabfolge man eins dieser Mittel im Wechsel mit Aconitum.

Nicht selten kommt es vor, daß sich in der Nase dicke Schorfe oder Borken bilden. Diese Borkenbildung geht oft sehr schnell vor sich, so daß nach Entfernung der alten Schorfe sofort wieder neue entstehen, die die alten Qualen des Verstopftseins erneuern. Da solche Kinder nicht verständig genug sind, um mit offenem Munde zu atmen, so hat eben diese Affektion durchaus etwas zu sagen. Hier ist nun Mercurius bijodatus fast spezifisch und von unschätzbarem Werte. Natürlich sind diejenigen Fälle von Verstopfung der Nase ausgeschlossen, die (ohne Borkenbildung) als Folge von Erkältung vorkommen. Man nehme von der frisch angefertigten 3. Decimalverreibung des genannten Mittels eine Messerspitze voll, verreibe diese mit einigen Tropfen Olivenöl in einem Uhrglase zu einer dicklichen Salbe und lasse, nach Entfernung der Borken, die Naseneingänge, so gut es geht, sanft bestreichen. Man wiederhole nach einigen Tagen die Prozedur, und der Erfolg ist überraschend. Ein Widerspruch mit den Prinzipien der homöopathischen arzneilichen Technik ist wohl kaum in diesem Verfahren zu erblicken, dessen Erfolg, wie gesagt, ein ausgezeichnet befriedigender ist (Dr.  Goullon, Homöopathische Rundschau).

Gegen Harnverhaltung oder schmerzhaftes Harnen hilft gewöhnlich Aconitum. Sollte ein Druck auf die Blasengegend stattgefunden haben: Arnica; ist die Blasengegend schmerzhaft: Pulsatilla; schreit das Kind beim Harnlassen, und kommt der Harn tropfenweise, so gebe man Cantharis.

Bettnässen oder Bettpissen ist fast etwas Alltägliches bei kleinen Kindern; denn da sie nur Flüssigkeiten genießen, so geben sie diese auch wieder reichlich von sich. Doch harnen auch oft ältere Kinder ins Bett, und man glaubt, es sei Faulheit der Kinder, die schon groß genug sind, um sich zur Zeit melden zu können; dem ist aber nicht so. In den sorglosen Jahren der Kindheit ist der Schlaf gesund und fest, die Kinder träumen oft sehr lebhaft; dazu kommt, daß der Blasenschließmuskel bei vielen noch sehr schwach ist, daher das häufige Einnässen, wofür aber ein Kind weder beschämt noch bestraft werden darf, was auch vernünftige Eltern nie tun werden. Die Mutter nehme das Kind, trockne es behutsam ab und lege es auf neue Windeln, damit es nicht in der Nässe liegen bleibe, da dies für das arme Kind eine Qual ist. Jedes ältere Kind vermeidet schon soviel wie möglich von selbst das Bettnässen; wo es aber vorkommt, trage man das Übel mit Einsicht und Geduld. Die Homöopathie besitzt viele brauchbare Mittel, die, richtig angewandt, das krankhafte Einnässen beseitigen.

Belladonna: Bei vollblütigen Kindern und jungen Leuten, die auch bei Tage häufigen Drang zum Harnlassen haben. – Calcium carbonicum: Bei dicken, schwammigen Kindern. – China: Bei großer Schwäche. – Ferrum: D2, morgens und abends 1 Pulver, leistete in mehreren Fällen die besten Dienste bei bleichsüchtigen Individuen. – Causticum: Wenn der Harn scharf ist und dadurch häufigen Reiz zum Urinieren verursacht. – Gelsemium: Ein sehr schätzbares Mittel, wenn die Kinder auch bei Tage nicht gut den Harn halten können und häufiges Bedürfnis haben zum Urinieren. – Nux vomica: Bei großer Schwäche des Blasenschließmuskels, wo dann auch bei Tage der Harn nicht gehalten werden kann. Ebenso auch Sabal serrulata. – Sepia: Wenn das Bettnässen im ersten Schlafe stattfindet. – Acidum benzoicum: Bei unerträglich stinkendem Harn. – Opium: Soll sich bewähren, wenn Schreck das Leiden verursacht haben sollte. – Bei vorhandenen Wurmbeschwerden leite man sofort die an Ort und Stelle angegebene Behandlung ein.

Der Ohrenschmerz, bei dem nicht selten auch Ohrenfluß vorhanden, ist ein sehr lästiges und qualvolles Leiden. Die Kinder rollen dabei den Kopf auf dem Kissen hin und her, schreien und wachen schreiend aus dem Schlafe auf. Oft erfährt man den Grund dieser Schmerzen nicht eher, als bis Eiter aus den Ohren fließt. Bei einer einfachen Entzündung der inneren Gehörorgane, die nicht selten nach Erkältung vorkommt, verabfolgen wir sofort Aconitum und Belladonna in stündlichem Wechsel. Tritt innerhalb 12 Stunden keine Besserung ein, dann greifen wir zu Mercurius solubilis und reichen dieses Mittel im Wechsel mit Belladonna. Tritt Ohrenfluß ein, wonach die Schmerzen bald nachzulassen pflegen, dann geben wir Mercurius im Wechsel mit Hepar sulfuris so lange, bis der Ausfluß nachläßt. Auch lassen wir mittels einer Ohrenspritze täglich mehrmals Ausspritzungen machen; wir nehmen dazu auf 1 Eßlöffel voll lauwarmen Wassers 4 Tropfen Hydrastis-Tinktur. Tritt nach 4wöchigem Gebrauche dieser Ausspritzung keine merkliche Besserung ein, dann greifen wir zur Echinacea-Tinktur, die wir in gleicher Weise anwenden, fahren aber mit dem innerlichen Gebrauche von Mercurius und Hepar sulfuris fort. Man wende nach jeder Ausspülung den Kopf zur Seite, damit die Flüssigkeit ablaufen kann. In hartnäckigen Fällen, und wenn zu befürchten ist, daß die Gehörknochen angegriffen werden könnten, rufen wir einen gewissenhaften Fachmann zu Hilfe und geben bis zu dessen Erscheinen Silicea, auch Calcium jodatum. Ein böser Umstand ist es, wenn, besonders im Sommer, durch den Geruch angezogen, Schmeißfliegen Eier in die Ohren legen. Fühlt der Kranke das Kribbeln der Maden, so gieße man süßes Mandelöl ins Ohr, bis es voll wird; dies ist das beste Mittel zur Tötung aller Insekten, die ins Ohr kommen. Das Öl entferne man nach ¼ Stunde durch Auf-die-Seitewenden des Kopfes. So richtig es nun auch ist, zur Verhütung so übler Eventualitäten etwas Schafwolle ins Ohr zu stecken oder noch besser ein rund geschnittenes Stückchen Badeschwamm, das man mit einem langen Frauenhaare durchnäht, daß es rund wie eine Kugel wird, die das Ohr, ohne lästig zu werden, verschließt, so gefährlich ist es, wenn bei nicht gehöriger Vorsicht derlei Sachen in den Gehörgang kommen, wo sie oft schwer zu entfernen sind. Man reinige fleißig, täglich mehrmals, das Ohr, weil der Eiter das innere Ohr wund frißt, es entzündet und namenlose Schmerzen verursacht.

Nabelbrüche kommen oft bei Kindern vor; sie sind entweder angeboren oder werden durch heftiges Schreien und Überbiegen des Kindes auf dem Arme erzeugt. Der Nabel tritt stark hervor, und wenn die Kinder weinen oder schreien, wird das Übel verschlimmert. Um das Heraustreten des Nabels zu verhüten, mache man von Wachs eine Kugel, drücke diese in der Hand flach und höhle sie etwas aus, wie ein Uhrglas, dann nähe man sie in eine von weichem, altem Leinenzeug gemachte Binde und lege diese, nachdem man den Nabel sanft etwas zurückgedrückt hat, so um den Leib, daß die glatte Wachsscheibe mit der ausgehöhlten Seite auf den Nabel zu liegen kommt. Sollte die Binde sich leicht verschieben, so befestige man sie mit etwas Heftpflaster und sehe öfter nach. Nie lege man Bleikugeln, Kupferplatten u. dgl. auf. Innerlich gebe man Nux vomica, 6 bis 8 Tage hindurch, und warte dann ruhig die Nachwirkung ab. Bei skrofulösen, mit Hautausschlägen behafteten Kindern verabfolge man zuerst Sulfur und nach 14 Tagen Nux vomica; auch sorge man soviel wie möglich dafür, daß die Kinder nicht schreien. Nabelbrüche, bei denen bereits Eingeweide aus der Bauchhöhle in die Umhüllung der Nabelschnur getreten sind, führen gewöhnlich zum Tode.

Konvulsionen, Krämpfe oder Gichtern, auch Schierken oder Jammer, Gefraisel genannt, sind Zuckungen der Muskeln in verschiedenen Körperteilen, die oft bei kleinen Kindern vorkommen und ohne Gefahr vorübergehen, wenn sie nicht schon als Zeichen des nahen Todes erscheinen, wo dann meistens alle Hilfe zu spät kommt; sie gesellen sich zu den verschiedensten Krankheiten und sind besonders häufig in der Zahnperiode zugegen. Belladonna ist ein Hauptmittel bei Krämpfen mit bedeutendem Fieber, vollem, schnellem Pulse, großer Hitze und Andrang des Blutes nach dem Kopfe, plötzlichem Auffahren aus dem Schlafe. Auch in der Zahnperiode, wo Gehirnhautentzündung zu befürchten ist. – Chamomilla ist oft sehr hilfreich nach Erkältung bei konvulsiven Zuckungen der Arme und Beine, besonders wenn Leibschmerzen zugegen sind und die eine Backe rot, die andere blaß aussieht. – Ignatia bei Zuckungen und Krämpfen in verschiedenen Körperteilen, auch in den Gesichtsmuskeln, bei geringem oder fehlendem Fieber; besonders bei schwächlichen, leicht zu Krämpfen geneigten Kindern. – Opium, wenn plötzlicher Schreck die Krämpfe verursachte. – Wo Wurmreiz die Ursache der Krämpfe ist, da verabfolge man Cina oder Mercurius und appliziere vor- und nachmittags ein Klistier aus 6 Eßlöffel leichtem Wermuttee und 1 Eßlöffel voll Essig. Einige magnetische Striche, vom Kopfe nach den Füßen oder über die befallenen Körperteile geführt, mildern oder beseitigen oft sehr schnell die Krämpfe.

Der Kinnbackenkrampf, ein krankhaftes Verschließen des Kiefergelenkes, erscheint bei Neugeborenen meist dann, wenn der Nabel verheilt, wobei die Krankheit durch die entzündliche Reizung, die vom Nabel ausgeht, entsteht. Die Kinder werden zuerst unruhig, jammern laut, ziehen die Beine an den Leib; der Unterleib ist bei der leisesten Berührung empfindlich, und dann erst tritt der Kinnbackenkrampf ein, woran die meisten Kinder sterben. Man versuche Aconitum mit Chamomilla oder Belladonna in ½stündlichem Wechsel.

Fieberhafte Zustände erscheinen bei Kindern nicht selten teils durch Erkältung, teils durch Magenüberladung u. dgl. Sie beginnen meistens mit Frost, dem eine brennende, über den ganzen Körper verbreitete Hitze folgt, wobei das Gesicht meist hochrot, der Puls voll, hart und schnell ist. Die Zunge ist entweder sehr rot oder ist weiß belegt, die Lippen sind trocken. Zur Stillung des Durstes gebe man den Kindern reines, abgekochtes Wasser oder noch besser Brotwasser, das leicht herzustellen ist. – Man vermeide Milch, da diese im Magen zu Käse wird und Verdauungsfieber erzeugt. Ebenso vermeide man Fruchtsäfte, da sie den Magen versäuern. – Aconitum ist in den meisten Fällen, besonders bei Erkältung, zu empfehlen. Es erzeugt Schweiß und mäßigt dadurch das Fieber bald. Hilft dieses Mittel nicht bald, dann reiche man ungesäumt Belladonna, und bei bedeutender Leibesverstopfung: Nux vomica, auch im Wechsel mit Aconitum.

Asthmatische Zufälle ( Brustkrämpfe, Blauwerden) kleiner Kinder mit Krämpfen, Schleimrasseln, Erstickungsgefahr und bläulichem Gesichte werden meist durch Ipecacuanha beseitigt, die in Wasserauflösung gegeben und öfters wiederholt werden muß. Bei bedeutendem Schleimrasseln auf der Brust und infolge von großer Schwäche schwer sich lösendem Auswurfe verabfolgen wir Tartarus emeticus. – Treten die Anfälle während des Schlafens auf, mit Schreien, trockenem, dumpfem Husten, kongestiertem Kopfe und Beängstigung, dann hilft Belladonna oder oft noch besser Gelsemium. Auch hauche man einige Male auf die Herzgrube und den Kehlkopf des Kindes. Bleibt den Kindern nach heftigem Ärger der Atem aus, so gebe man Chamomilla oder Ignatia. – Übrigens erkennen wir in dem hier beschriebenen und unter Asthma (Millarsches Asthma) abgehandelten Krankheitsbilde weiter nichts als den Krampf der Stimmritze, Glottiskrampf. Diese Erscheinung wird verursacht durch krampfhaftes Zusammenziehen der Kehlkopfmuskeln; die Stimmbänder werden gespannt, und die Stimmritze schließt sich. Den geringsten Grad des Anfalles bildet das Ausbleiben oder Steckenbleiben der Kinder beim Weinen oder das Sichverfangen nach Einwirkung kalter Luft. Die Krankheit kommt meist in der ersten Zeit der Kindheit vor; nach dem dritten Jahre gehört sie zu den Seltenheiten. Sie ist häufiger bei Knaben als bei Mädchen und scheint in manchen Familien erblich zu sein.

Durchfälle bei Säuglingen sind nicht immer als ein Symptom zu betrachten, sondern sind häufig eine Krankheit für sich, die, wenn man nicht rechtzeitig sachgemäß dagegen einschreitet, eine bedeutende Höhe erreichen und den Tod herbeiführen kann.

Der Zusammenhang des Zahnens mit diarrhöischen Anfällen ist nicht zu leugnen, doch darf man diese nicht etwa als nützlich ansehen und deshalb gar vernachlässigen. Häufig ist unzweckmäßige Ernährung oder Erkältung Ursache des Leidens. Besonders in den Sommermonaten sterben die Kinder, namentlich im Säuglingsalter, an den herrschenden Darmkatarrhen. In der größten Mehrzahl der Fälle sind es aber nur die künstlich aufgezogenen Kinder, fast nie sterben mit der Muttermilch ernährte in diesem Alter an obiger Krankheit. Wichtig ist die Beschaffenheit der Ausleerungen. Anfangs sind sie reichlich, dünn, wässerig oder breiig, mit unverdauten Nahrungsresten vermischt, übelriechend, von brauner oder grüner Farbe. In späteren Stadien werden sie zähschleimig und sind blutstreifig, wie bei der Ruhr. Die Kinder werden sehr matt, welk und magern zusehends ab, was man durch tägliche Wägungen am sichersten zu kontrollieren vermag. Häufig tritt Eiweiß im Urin auf, was immer von schlechter Bedeutung ist. Bei der Behandlung sehe man hauptsächlich auf eine zweckmäßige Diät und Pflege des Kindes. Die Kinder müssen anfangs oft und in regelmäßigen Zeiträumen kleine Quantitäten Nahrung erhalten; erst später seltener und mehr auf einmal. Die Zahnperiode erfordert die größte Aufmerksamkeit. Tritt der Anfall nach frühzeitigem Entwöhnen auf, so ist, wenn irgend möglich, wieder zur ausschließlichen Brustnahrung zurückzugreifen. Vom 6. Monate an kann man neben der Milch eine Suppe von leicht geröstetem Weißbrot verabfolgen. Vom 8. Monate an etwas Reis-, Sago- oder Gräupchensuppe mit Butter; Fleisch oder Fleischsuppe ist für Kinder nicht empfehlenswert. Man sollte jedem Kinde eine Flanellbinde um den Leib legen, teils um es vor Erkältungen zu schützen, teils um etwaige Leibesauftreibungen (Meteorismus) zu bekämpfen. Bei leichten Durchfällen mit Leibschmerzen, von Erkältung herrührend, verabfolgen wir Chamomilla, auch wenn die Ausleerungen wie gehackte Eier oder grünlich aussehen. – Durchfälle mit Säuregeruch, Leibschmerzen und Stuhlzwang: Rheum. – Sind die Stühle schaumig, mit argem Pressen und Drängen, oder sind sie grün oder gar blutstreifig, so verabfolgen wir sofort Mercurius solubilis. – Bei breiartigen Durchfällen mit Poltern im Unterleibe, besonders bei zahnenden Kindern, ist Calcium carbonicum, und wenn die Kinder sehr matt sind oder viel Durst haben, auch im Wechsel mit Arsenicum sehr zu empfehlen. Überhaupt sind bei Zahndurchfällen Calcium carbonicum und Arsenicum die Hauptmittel. – Große Aufgetriebenheit des Leibes erfordert Carbo vegetabilis oder China. – Treten die Leibschmerzen sehr in den Vordergrund, mit argem Krümmen und Schreien: Colocynthis. – Ist der Durchfall wässerig mit vielem Durste, großer Unruhe, blassem, verfallenem Gesichte: Arsenicum und bei denselben Symptomen, aber kaltem Schweiße und Kälte der Gliedmaßen: Veratrum. – Ferner sind zur Bekämpfung des Durchfalles schleimige Klistiere von Stärkemehl, Hafergrütze oder alter Semmelkrume, die man nach jedem Durchfalle appliziert, sehr zu empfehlen.

Akute Magen- und Darmkatarrhe, die mit Diarrhöe verbunden sind, kann man fast niemals heilen, wenn man die Milchkost beibehält. An Stelle der letzteren muß entweder eine Abkochung von Salep oder Arrowroot oder auch abgezogenes Eigelb, etwas mit Zucker gesüßt, verabreicht werden, bis das Leiden behoben ist.

Die Sommerdurchfälle der Kinder, die gewöhnlich im 2. und 3. Lebensjahre erscheinen, verhütet man sehr gut, wenn die Kinder im Kühlen gehalten, doch vor Erkältung bewahrt werden. Säuglinge gehen leicht an den Durchfällen, die gewöhnlich auch mit Erbrechen verbunden sind, zugrunde. Um das Eintreten solcher Brechdurchfälle zu vermeiden, hüte man sich, die Kinder, besonders zur Mittagszeit, den glühenden Sonnenstrahlen auszusetzen. Am besten ist es, man bringt die Kinder früh, etwa von 7 bis 9 Uhr, an kühle, schattige Orte, deckt sie leicht mit dünnen, nicht weißen Decken zu; weiße Decken sind für die Augen sehr schädlich; man wäscht – oder, wenn sie kräftig sind, badet man die Kinder – nach der Rückkehr, läßt sie dann den Tag über bis nachmittags 5 oder 6 Uhr im kühlsten Zimmer der Wohnung und bringt sie schließlich bis gegen 8 Uhr an die Luft. Sobald sich die ersten Anzeichen von Durchfall kundgeben, verabfolge man dem Kinde die Milch mit gleichen Teilen frisch gekochten Haferschleimes gemengt. Sollten die Durchfälle nicht nachlassen, dann gebe man den Kindern nur schleimige Abkochungen von Reis, Hafergrütze, Graupen usw. Ipecacuanha ist im Anfange oft hilfreich. Sind aber die Kinder sehr matt, die Durchfälle sehr wässerig, schmerzlos, mit viel Kollern im Leibe und Windeabgang verbunden, dann gebe man sofort Argentum nitricum, und bei sehr großer Schwäche und vielem Durste Arsenicum D6 oder Carbo vegetabilis. – Sinken die Kräfte schnell, werden Hände und Füße kalt, stellen sich Krämpfe ein, dann hilft bis zum Erscheinen herbeigerufener fachmännischer Hilfe: Veratrum. – Äußert sich der Durchfall jedesmal, sobald sich die Witterung abkühlt, so ist Dulcamara angezeigt. – Arsenicum ist das Hauptmittel, wenn die Kinder abmagern, wenn sie sehr schwach, bleich und kraftlos werden. Bleiben sie sehr schwach, wenn der Durchfall nachläßt, so gebe man China. – Bei galligen oder blutig-schleimigen Stühlen mit heftigen Kolikschmerzen leistet Colchicum oft Vorzügliches; bei wirklich ruhrartigen Erscheinungen: Mercurius corrosivus. – Sommerdurchfälle mit lautem, schmerzlosem Kollern im Leibe, bei höchster Erschöpfung und kalter Haut, ohne daß sich die Kinder bedecken lassen wollen, ohne alle Affektionen des Mastdarmes, beseitigt Secale cornutum.

Sind die Kinder schon sehr schwach, so hilft oft noch frische, ungesalzene Butter, die man in der Wärme zergehen läßt und teelöffelweise eingibt. Auch kann man nach jedem Durchfalle ein Klistier von Semmelgallerte geben. Man nimmt dazu 1 Eßlöffel voll pulverisierten alten Weißbrotes und läßt dieses mit 1½ Kaffeetasse voll Wasser 1 Stunde lang kochen, dann seiht man das Ganze durch und läßt es erkalten, wonach es wie Gallerte oder Gelee wird. Hiervon gibt man kleine Klistiere, höchstens ½ Obertasse auf einmal. Durch dieses Verfahren sind oft noch ganz schwache und elende Kinder gerettet worden.

Mastdarmvorfall kommt bei Kindern häufig vor, und zwar infolge von langwierigen Durchfällen und Ruhren oder in Begleitung der Abzehrung, die ein sehr gewöhnliches Lebensende der ohne Mutterbrust aufgezogenen und schlecht ernährten Kinder ist. Auch bei Erwachsenen kommt er als Folge ermattender Krankheiten vor. Erwachsene können den Mastdarm leicht selbst wieder behutsam zurückdrücken, Kinder legt man dagegen auf ein Bett, so daß der Rücken nach oben gerichtet ist, und zwar mit Kopf und Füßen etwas hoch, mit dem Bauch dagegen tief, worauf sich der Mastdarm von selbst wieder zurückzieht. Geschieht das nicht, so taucht man ein Stückchen Leinwand in Lein- oder Baumöl und drückt behutsam den Rand des Mastdarms zurück und hierauf nach und nach den ganzen Umkreis. Die besten Mittel dagegen sind: Ignatia, Mercurius, Nux vomica, Sulfur. – Bei Kindern besonders Ignatia oder Nux vomica, auch abwechselnd Belladonna und Calcium carbonicum.

Das Gehenlernen fällt manchen Kindern oft sehr schwer. Doch darf man es bei solchen schwächlichen Kindern nicht zu beschleunigen suchen durch Aufstellen an einen Stuhl, durch die verderblichen und zwecklosen Laufstühle, durch Herumlaufen mit den Kindern, indem man sie unter die Arme faßt, wodurch die Schultern heraufgezogen und die Kinder schief werden. Regt sich im Kinde der Trieb zum Gehen, so richtet es sich von selbst auf, darf aber nicht viertelstundenlang an Stühle gestellt werden, denn dadurch entstehen Zittern in den Füßen und Schwäche der Muskeln. Oft kommt es vor, daß Kinder, die zu gehen anfingen, nicht mehr ihre Beine brauchen wollen, diese anziehen und schreien, wenn man es versucht, sie aufzurichten. Der Grund hierzu ist eine plötzliche Schwäche in den Beinmuskeln, die zuweilen beim Zahnen eintritt. Da gebe man dann anfangs China und später Arsenicum. Ist das Kind aber skrofulös, hat es schwammiges, aufgedunsenes Fleisch, dicken Bauch, großen Kopf usw., so gebe man als Hauptmittel Calcium carbonicum oder Calcium phosphoricum, die man aber viele Monate hindurch verabfolgen muß.

Das Fallen der Kinder ist, da hierdurch der zarte Körper und das Gehirn des Kindes oft merklich erschüttert werden, häufig von großem Nachteil. Einmal kam es vor, daß ein Kind nach einem Falle von der Fußbank die Verstandeskräfte und die Sprache gänzlich verlor, und erst dann, als nach verschiedenen monatelangen, fruchtlosen Versuchen dem Kinde 1 Gabe Arnica verabfolgt wurde, genas es bald wieder. Stets ist Arnica bei Fall und Erschütterung des Körpers das Hauptmittel, und wenn noch Schreck mit dem Fallen verbunden ist, mit Opium im Wechsel.

Die Skrofelkrankheit (Skrofulosis) ist vorzugsweise eine im Kindesalter auftretende chronische Ernährungsstörung, die sich durch eigentümliche und weitverbreitete Lymphdrüsenveränderungen charakterisiert. Sie findet ihren Ursprung teils in erblicher Disposition, teils, und wohl hauptsächlich, ist sie erworben durch schlechte Nahrung (Überfüttern oder schlechte Kost, Kartoffeln, saures Brot, Zulpe, Mehlpappen); auch dumpfige, enge, feuchte Wohnungen, Mangel an Licht und frischer Luft usw. sind nicht selten Ursachen oder Begünstigungsmomente der Krankheit.

Die peinlichste Aufmerksamkeit müssen wir auf die Milch, besonders wenn sie zur Nahrung für Säuglinge dienen soll, verwenden. Stammt sie von perlsüchtigen Kühen (bei denen der Übergang des Krankheitsprozesses auf die Milchdrüsen schon längst nachgewiesen wurde) oder von tuberkulösen Müttern oder Ammen, so enthält sie gewiß in vielen Fällen Schwindsuchtskeime. Wenn dann, sagt Dr.  Albert Haupt, Kinder solche Milch trinken, so mögen wohl die Bazillen (d. i. die Vegetativform dieser Parasiten) durch die Einwirkung der Verdauungssäfte und der im Darme stets vorhandenen Fäulnisbakterien zugrunde gehen, die Sporen (d. i. die Dauerform) bleiben jedoch intakt, werden von den Chylusschläuchen der Darmzotten aufgenommen und durch die Chylusgefäße in die Lymphdrüsen übergeführt. Dort wachsen sie zu Stäbchen (Bazillen) aus, die sich durch Spaltung riesig vermehren und jene Krankheit hervorrufen, die man Skrofulose nennt, viel richtiger aber als Vorläuferstadium der Tuberkulose bezeichnen würde.

Interessant ist es jedenfalls, daß die Homöopathie, schon seitdem Hahnemann mit seinen »antipsorischen Heilmitteln« heraustrat, zur Beseitigung der Skrofulöse ganz dieselben Mittel benutzte wie zur Bekämpfung der Tuberkulose. Wir sehen daraus wieder, daß unser »similia similibus« den besten und sichersten Wegweiser zur Auffindung der passendsten Arzneien bildet.

Die skrofulöse Anlage zeigt sich oft schon frühzeitig bei Kindern durch den sog. Habitus scrofulosus. Wichtig ist das Erkennen der skrofulösen Anlage, weil dieser Zeitraum für die ärztliche Behandlung am geeignetsten ist. Die Kinder haben eine zarte, pigmentarme, weiße, gleichsam durchscheinende Haut, meist blaue Augen und blondes oder rötliches, seidenartiges Haar, einen etwas starken Schädel, breite Kiefer, dicke Nasenflügel, aufgeworfene Oberlippen mit deutlicher und tiefer Mittelrinne; der Unterleib ist aufgetrieben, das Fleisch schlaff, die Zahnung langsam und zögernd, das Gehenlernen geschieht schwer. Schon hier findet man bei solchen Kindern gewöhnlich die Zeichen der Blutarmut: bleiche Mundschleimhaut, violette und dünne Hautvenen nebst Nonnengeräusch in den Halsadern usw. Die Kinder schwitzen leicht, besonders am Kopfe.

Die neuere Forschung sieht in der skrofulösen Dyskrasie, der immer eine verminderte Alkaleszenz des Blutes zugrunde liegt, nichts anderes als die Tuberkulose des Kindesalters, die sich vorzugsweise in den Lymphdrüsen, besonders in den Mesenterialdrüsen lokalisiert, sodann auch die Lungen, Milz, Bronchialdrüsen, Augenliddrüsen, sowie Knochen ( skrofulöse Rachitis, siehe »Englische Krankheit«) und Gelenke heimsucht.

Die Praktiker unterscheiden einen floriden skrofulösen Habitus – erethische Skrofulosis –, der sich durch zarten, schlanken Körperbau, lebhaften Geist, blühendes Aussehen, hellrote Lippen und Wangen, durch die Haut schimmernde Venenzweige und ein bläulich durchscheinendes Weiß der ausdrucksvollen Augen von dem torpid skrofulösen Habitus mit gedunsenem Körper, trägem Geiste, groben Gesichtszügen, geschwollener Lippen- und Nasengegend, bleichfahler Gesichtsfarbe und großem, oft eckigem Schädel kennzeichnet.

Im allgemeinen beobachten wir bei skrofulösen Kindern zunehmende Ausdehnung des Unterleibes, Verdauungsstörungen und Säurebildung; starke Eßlust, besonders Verlangen nach groben, festen, mehligen Speisen (Brot, Kartoffeln usw.), sauren Geruch aus dem Munde, Flatulenz, Verschleimung, Würmer, unordentlichen Stuhl mit abwechselnder Diarrhöe und Verstopfung, trüben Harn. Verschiedene Hautausschläge, nässende Hautstellen. Ödeme, Augenlidentzündungen, große Neigung zu Erkältungen und Katarrhen. Häufige Anschwellungen der lymphatischen Drüsen am Halse, im Nacken, in den Achseln und Weichen usf. Oft entzünden sich die Drüsen, gehen in jauchige Vereiterung über und bilden das skrofulöse Geschwür. Auf ähnliche Weise, wie die äußeren Drüsen, werden auch oft die Gekrösdrüsen und andere innere Drüsen infiltriert (oft entschieden tuberkulös), woraus verschiedene Folgeübel und endlich Abzehrung (siehe diesen Artikel ), die sog. Drüsendarre, hervorgehen können. Die Krankheit kann jahrelang bestehen, bis eine allgemeine Hinfälligkeit den Kranken dem Tode zuführt. Bei rechtzeitiger und zweckmäßiger Anwendung homöopathischer Mittel ist jedoch eine Aussicht auf Heilung nicht ausgeschlossen. Die moderne Wissenschaft klassifiziert die verschiedenen Formen der Skrofulosis noch nach anderen Gesichtspunkten, besonders nach dem Zustande des vegetativen Systems. Dabei spielt der Begriff der exsudativen Diathese eine große Rolle.

Die diätetische Behandlung ist bei dieser Krankheit vorwiegend wichtig. Bei Säuglingen ist ein Wechsel der Amme oder das sofortige Aufgeben der künstlichen Auffütterung gewöhnlich die wichtigste Maßregel. Wo dies nicht geschehen kann, da sorge man wenigstens für eine gesunde, nicht zu fette und nicht versäuerte Kuhmilch. Überhaupt verabfolge man den Kindern ihrem Alter und ihrer Konstitution entsprechende, nicht zu schwer verdauliche und überkräftige Nahrungsmittel. Man bedenke, daß bei schwächlichen, entkräfteten Kindern auch die Verdauungsorgane schwach und kraftlos sind, weshalb diese durch zu nahrhafte Kost, wie sie oft von unwissenden Ärzten verordnet wird, beschwert werden; die Speisen gehen unverdaut ab, und es wird nun gerade das Gegenteil von dem erzielt, was man beabsichtigt. Das beste Nahrungsmittel ist in jedem Falle, besonders für skrofulöse und rachitische Kinder, die Milch, die außer ihrem reichen Gehalte an phosphorsaurem Kalk, also einem wesentlichen Bestandteile der Knochen, alle jene Zusätze enthält, die zur Erhaltung und Reorganisation des Körpers beitragen. Bei kleinen und sehr schwächlichen Kindern verdünne man die Milch noch etwas mit abgekochtem Wasser, und größeren, kräftigeren Kindern, im 2. Lebensjahre, mit guter Verdauung, gebe man auch etwas Gemüsesuppe ohne Fleisch, Obst, Obstsäfte (ein ausgezeichnetes Nährmittel ist sterilisierter Traubensaft, Wormser Nektar), Semmel usw. Wesentlich und Hauptbedingung für die Gesundheit der Kinder sind eine trockene, sonnige Wohnung, gute, gesunde Schlafzimmer, die im Winter geheizt werden müssen; frische Luft, Sonnenschein usf. Auch sorge man dafür, daß der Geist nicht zu früh angestrengt wird. Darum schicke man schwächliche, blutarme Kinder nicht vor dem 7. Lebensjahre in die Schule; sie holen alles viel besser ein, wenn sie erst gesund sind.

Das Hauptmittel bei Skrofeln ist Sulfur. Besonders, wenn Ausschläge, Flechten, Geschwülste, Verhärtungen oder Eiterungen der Drüsen vorhanden sind; leichtes Erkälten, Schnupfen und Schleimflüsse; leicht erregtes Schwitzen; krankhafte Ernährung; welkes, aufgedunsenes und schwammiges Fleisch; körperliche und geistige Schwäche, schwieriges Laufenlernen; Entzündungen der Augen und Augenlider, Ohrenfluß usw.

Man löst 10 bis 15 Streukügelchen in einem Trinkglase mit 4 Eßlöffel voll Wasser auf und verabfolgt davon tagsüber 3mal einen Schluck, so daß die Lösung einen Tag reicht; diese Gabe wiederholt man längere Zeit hindurch und wartet dann mehrere Wochen die Nachwirkung ab, worauf später Calcium carbonicum, oder Calcium phosphoricum oder ein anderes passendes Mittel gereicht werden kann.

Calcium besonders bei folgenden Symptomen: großer Kopf mit offenen Fontanellen, Knochenverkrümmungen und rachitische Leiden; Flechten und Ausschläge; Drüsenanschwellungen, Verhärtungen und Eiterungen; dicker Bauch infolge von Gekrösdrüsenanschwellung; starke Abmagerung mit Gefräßigkeit; mageres und runzeliges Gesicht mit matten Augen, schwieriges Laufenlernen; schweres Zahnen; Geschwulst der Oberlippe; rote Geschwulst der Nase; trockene und welke Haut; bleiches, aufgedunsenes Gesicht, Ohrenfluß, häufiges Nasenbluten usf. Hat dieses Mittel, wie Sulfur, längere Zeit gewirkt, dann verabfolge man in gleicher Weise Silicea und Calcium fluoratum. Außerdem kann man, wo es erforderlich ist, noch in Anwendung bringen: Mercurius, Belladonna, Arsenicum, Arsenum jodatum, Lycopodium, Jodum, Aurum, Baryum, Hepar sulfuris oder Phosphorus. Doch haben wir gewöhnlich schon nach Anwendung der ersten zwei oder drei Mittel, besonders nach Calcium carbonicum, die besten Erfolge gesehen; selbst bei Kindern, deren Schienbeinknochen so verkrümmt waren, daß die Füße sich nach innen umbogen, haben wir mit Calcium carbonicum in seiner Nachwirkung, gewöhnlich schon nach 6 bis 8 Monaten, vollständige Heilung erzielt. Ebenso sind auch ganz abgemagerte und dickleibige Kinder, deren Aufkommen von allopathischen Ärzten für unmöglich gehalten wurde, bei diesem wahrhaft naturgemäßen Verfahren geheilt worden. Treten Zwischenfälle von Fieber, Verdauungsbeschwerden, Kräfteverfall usw. ein, dann unterbreche man die erste Kur und verabfolge die den jedesmaligen Umständen entsprechenden Mittel: Aconitum, Belladonna, Nux vomica, Ipecacuanha, China, Acidum phosphoricum usw. und wiederhole, wenn die Zwischenfälle beseitigt sind, das vordem verabfolgte Mittel.

In der ausgebildeten Skrofulose entsprechen dem sog. torpiden Habitus hauptsächlich: Calcium carbonicum, Sulfur, Hepar suljuris, Graphites. – Dem erethischen: ebenfalls Calcium carbonicum, außerdem Mercurius, Jodum, Lycopodium. – Arsenicum und Ferrum haben, wie Calcium carbonicum, zu beiden Typen gleich nahe Beziehungen. Alle übrigen Antiscrofulosa, unter ihnen auch Sulfur, entsprechen mehr dem schon lokalisierten Leiden.

Das hier Gesagte zeigt nur ein in allgemeinen Zügen entworfenes Bild der Skrofelkrankheit, die sich in den mannigfaltigsten Lokalisationen und Komplikationen kundgibt. In ihrer vollständigen Entwicklung äußert sich die Skrofulöse auf die verschiedenste Weise in besonderen Graden:

Als Verdauungsstörungen: durch Magenkatarrhe, Säurebildung, Heißhunger, Verlangen nach groben Speisen, Kartoffeln, Brot usw., oder nach ungenießbaren Dingen, wie Kalk, Kreide u. dgl. Hier passen am besten als Radikalmittel: Arsenicum, Lycopodium, Calcium carbonicum, Natrium muriaticum, Pulsatilla, Sulfur. Bei Verstopfung: Nux vomica, Natrium muriaticum. Vgl., was gesagt ist bei Darmkatarrh oder bei Magenleiden.

Als Drüsenanschwellungen: Lymphskrofeln in den Achseln, am Halse, im Nacken, am Ohre, in den Weichen, im Bauche, Anschwellungen der Leber und Milz, Verhärtungen, Drüsengeschwülste. Diese kommen und gehen, stehen einzeln oder perlschnurartig gereiht, erbsen- oder bohnengroß, sind anfangs weich und verschiebbar, werden dann hart, größer, klumpenartig, taubeneigroß und bleiben in diesem Zustande, oder sie entzünden sich, eitern und bilden langwierige Geschwüre mit schlechter Absonderung, die schwer heilen und schlecht vernarben. Vorzüglich bei schlechter Konstitution kommt auch eine völlige Schmelzung des Exsudates vor, ehe sich die Drüse öffnet, und dann erfolgt die Entleerung rasch; aber es werden auch um so gewisser in rascher Folge andere Drüsen ergriffen und die Kräfte durch Hektik untergraben. – Am Halse und Nacken findet sich der krankhafte Prozeß gewöhnlich zuerst und am ausgebildetsten. Wir verabfolgen bei allen skrofulösen Drüsenkrankheiten zunächst Sulfur. Dieses Mittel muß 6 bis 8 Wochen hindurch verabfolgt werden. Tritt in dieser Zeit keine bedeutende Besserung ein, dann wäre Calcium carbonicum in gleicher Weise zu reichen. Bei sehr harten Drüsengeschwülsten ziehen wir Calcium fluoratum dem Calcium carbonicum vor. Auch verdient Kalium chloratum hier einige Berücksichtigung; denn das Mittel wirkt günstig auf die Funktionen des Magen-Darmkanals und verschafft dem Patienten infolgedessen eine bessere Verdauung und frischere Gesichtsfarbe. Kommen wir mit diesen Mitteln zu spät, erweichen die Drüsen und gehen in Eiterung über, dann müssen diese durch sachgemäßen Einschnitt geöffnet werden, damit der Eiter schnellen Abfluß hat, und wir verabfolgen dann Hepar sulfuris im Wechsel mit Mercurius solubilis.

Die Anschwellung der Rachenmandel (Nasenschleimdrüse), eines normalerweise schon am Dache des Schlundkopfes befindlichen Gebildes, ist ein bei Kindern häufig vorkommendes Leiden, das die Nasenatmung verhindert, so daß die Kinder durch den Mund Luft holen müssen. Nicht selten besteht noch Anschwellung der Mandeln (Tonsillen). Die Folgen davon sind chronische Katarrhe der oberen Luftwege, Mittelohrkatarrhe, näselnde Sprache, unruhiger Schlaf und lautes Schnarchen. Mit der Zeit kann die geistige Entwicklung schwer leiden; auch das Gesicht nimmt einen stupiden Ausdruck an. – Man versuche hierbei Calcium fluoratum, täglich, 8 Wochen hindurch. Hilft dieses Mittel nicht, dann entschließe man sich zur Operation, die sehr einfach ist und in der Narkose vom Munde aus vorgenommen wird.

Als Schleimflüsse, besonders an den Augen. Hierbei ist große Reinlichkeit und stündliches, ja noch öfteres Auswaschen der Augen mit warmem Wasser oder Fencheltee zu empfehlen. Außer Sulfur, Mercurius, Belladonna oder Apis nützt oft auch Euphrasia oder Hydrastis canadensis. Bei starker Geschwulst der Augenlider und ihrer Ränder: Apis, Mercurius oder Aethiops antimonialis, früh und abends 1 Gabe.

Ohrenflüsse: Sie heilen oft sehr schwer und erfordern ebenfalls die größte Reinlichkeit. Hauptmittel sind: Mercurius, Hepar sulfuris, Belladonna, Pulsatilla, und bei dünnflüssigem, sehr stinkendem Eiterausfluß, Zerstörung des Trommelfells und Knochenfraß: Mercurius, Silicea, Aurum. Sonst siehe das Nähere unter: »Ohrenschmerzen und Ohrenausfluß«.

Schnupfen und Katarrhe der Luftwege: siehe, was in diesem Abschnitte bei Stockschnupfen gesagt ist.

Als Hautkrankheiten: Flechten, Kopfausschläge (siehe bei Kinderkrankheiten: Grindkopf); außerdem vgl. den Abschnitt: »Flechten«, Seite 230.

Als Knochenleiden: Entzündungen, Anschwellungen, Verkrümmungen, Zweiwuchs (Rachitis) – »Englische Krankheit« genannt. Sie beruht auf allgemeiner Ernährungsstörung, Erkrankung der Lymphdrüsen und schlechter Ernährung der Knochen. Das Fleisch ist schwammig anzufühlen, die Haut ist welk, die Muskeln schlaff, die Kinder leiden bald an Verstopfung, bald an Diarrhöe. Das Zahnen wird ihnen schwer, das Gehenlernen unmöglich oder, wenn sie schon zu gehen angefangen haben, so verlernen sie es wieder und kriechen auf der Erde herum. Der Kopf ist verhältnismäßig dick, das Stirnbein fängt an hervorzuragen, wodurch das Gesicht ein altes Aussehen bekommt. Die Kinder schlafen unruhig, gekrümmt oder auf dem Bauche. Die Kopfknochen (Fontanelle) schließen sich nicht oder, wenn sie sich geschlossen haben, trennen sich die Nähte wieder. Endlich beginnt, meistenteils an den Handgelenken und an den Röhrenknochen der Arme und Beine, sich die Krankheit zu zeigen: die Knochen treiben auf oder werden biegsam und krumm, und wenn die nötige Hilfe versäumt wird, erreicht die Krankheit bald einen hohen Grad. Die Muskeln werden nach und nach so schwach, daß der Kranke das Bett nicht zu verlassen vermag, es gesellt sich Zehrfieber hinzu, und eine allgemeine Abmagerung stellt sich ein, auch wohl Engbrüstigkeit, die die Kranken zu ersticken droht. Endlich macht der Tod dem Jammer ein Ende. – Bei weitem größer ist der Nachteil, wenn von der Rachitis die Knochen des Beckens, des Rückgrats, die Rippen usw. befallen werden. Das Becken kann dadurch so verunstaltet werden, daß ein weibliches Kind unfähig wird, einst Mutter zu werden. Oft werden die Knochen der Brusthöhle durch Rachitis verunstaltet, was immer geschieht, sobald die Wirbelsäule des Rückgrats »abweicht«, wodurch sich dann auch stets der Brustknochen ausbiegt und wölbt ( Hühnerbrust), oft zeigen die Rippen dort, wo sich der knorpelige Teil ansetzt, knotenförmige Verdickungen ( rachitischer Rosenkranz).

In dieser Krankheit verdient vor allen anderen Mitteln Calcium carbonicum und Calcium phosphoricum, die sämtlichen Erscheinungen der Rachitis entsprechen und schon bei der Skrofelkrankheit ausführlich charakterisiert worden sind, die größte Beachtung. Verabfolgt man diese Mittel 4 bis 6 Wochen hindurch, dann warte man einige Zeitlang ruhig die Nachwirkung ab. Bei Durchfällen mit vielem Durste, Abmagerung der Glieder, besonders der Beine, dickem Bauche usw. verabfolgen wir Calcium carbonicum im Wechsel mit Arsenicum. und fahren mit dem Gebrauche dieses letzteren Mittels so lange fort, bis die Durchfälle nachlassen. In derartigen Fällen beeinträchtigt Arsenicum die Nachwirkung vom Calcium nicht. – Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum und Arsenicum sind bei diesen Krankheitserscheinungen die Hauptmittel, und nur selten werden noch andere Mittel passend erscheinen. Im übrigen verweisen wir auf den Artikel » Knochenkrankheiten«.

In höherem Grade entwickelt sich die Skrofulöse zur Tuberkelkrankheit (Lungenschwindsucht), Bleichsucht, Zehrkrankheit und zur Drüsendarre oder Bauchschwindsucht.

Man bezeichnet mit diesem Namen die dem Säuglings- oder Kindesalter eigentümliche Art von Abzehrung, die auf Tuberkulose der Gekrösdrüsen (Mesenterialdrüsen) beruht, wobei aber oft auch zugleich tuberkulöse Darmgeschwüre, rohe oder eiternde Tuberkel der Lungen und Bronchialdrüsen, der Milz und anderer Organe vorhanden sind. Der Unterleib ist stark aufgetrieben, bisweilen bei tieferem Drucke schmerzhaft, und manchmal fühlt man die vergrößerten und verhärteten Gekrösdrüsen wie ein Knäuel durch die Bauchdecken hindurch. Dabei sind die Arme und Beine gewöhnlich auffallend mager und dürr, die Muskeln sind schlaff, die Haut welk und dürr. Oft finden sich auf ihr, namentlich am Rücken, auf der Brust, den Armen und Oberschenkeln kleine, dunkle, etwas erhabene Punkte, die aus angeschwollenen Talgdrüsen entstehen, und aus welchen sich, besonders nach einem erweichenden Bade, madenähnliche Wülste herausdrücken lassen, die nichts anderes sind als angehäuftes Hautsmegma, Mitesser oder Zehrwürmer (Comedones) genannt. Beim Laien gelten diese als die Ursache der Krankheit, während sie offenbar die Folge sind. – Das Gesicht bekommt frühzeitig ein zusammengeschrumpftes, altes, greisenhaftes Ansehen, weshalb man auch im Volke diese Krankheit das Altern genannt hat. Der Appetit ist entweder gesteigert, oder es besteht eine Abneigung gegen alle Speisen. Die Kinder haben viel Durst. Die Stuhlausleerung ist unordentlich, bald flüssig, hellgelb, wie gehackt, sogar eiterhaltig; bald fest, weiß, tonartig, zäh, wohl auch hart, mit öfterer Leibesverstopfung; nicht selten leiden die Kinder auch an Wurmbeschwerden. Die Geisteskräfte bleiben lange Zeit gut, selbst frühreif; nur wenn sich zugleich Wasserkopf ausbildet, wird das Kind stumpfsinnig.

Bei der Gekrösdrüsenschwindsucht oder Unterleibsskrofulose ist Arsenicum das Mittel, das in den meisten Fällen, besonders bei schleimig-eiterigen, sehr stinkenden Durchfällen, vielem Durste, Abmagerung der Gliedmaßen, welker Haut, sehr dickem Leibe, zuerst gebraucht werden muß. Ferner verdient noch Calcium carbonicum die größte Beachtung. Auch kann man dieses Mittel geeignetenfalls im Wechsel mit Arsenicum verabfolgen – ein sehr praktisches Verfahren, das oft die besten Dienste geleistet hat. Bisweilen verläuft die Krankheit mehr in akuter Form, mit Fieber, wobei man auch dann und wann Aconitum einschalten kann. Bei den Mitessern ist Sulfur das Hauptmittel, dem sich später Calcium carbonicum, Graphites und Selenium anreihen können. Bei Schrunden und tiefen Einsprüngen in der Lippe, wie auch bei Geschwürigkeit der Mundwinkel ist Antimonium crudum sehr hilfreich. Dann: Calcium carbonicum.

Oft haben sich bei skrofulösen Kindern sehr vorteilhaft die Salzbäder (Solbäder) mit oder ohne Zusatz von Malz bewährt. Wir lassen auf jeden Eimer voll Wasser ½ Pfund Staßfurter Salz oder auch Kochsalz nehmen und die Kinder 8 bis höchstens 10 Minuten im Bade verweilen. Stets muß man dabei genau die Temperatur des Bades mit dem Thermometer feststellen, da das Gefühl mittelst der Hand sehr trügerisch ist. So kannten wir eine Hebamme, deren Hand sehr unempfindlich für Wärmeunterschiede war; durch Anwendung zu heißen Badewassers hat sie eine Anzahl Neugeborener geopfert. – Die Bäder müssen eine Temperatur von nicht über 28 °R haben.

Der chronische Wasserkopf der Kinder ist am häufigsten angeboren (Hydrocephalus congenitus). Nach der Geburt vergrößert sich der Kopf auffallend schnell, so daß die Nähte immer mehr auseinanderweichen, die Knochen dünn werden, die Fontanellen sich nicht schließen, wobei das Gesicht auffallend klein und ältlich erscheint, Stirn und Schläfe hervorgetrieben sind und die nach unten gedrängten Augen sich entweder darunter verbergen oder glotzend hervorragen. Dabei magert das Kind gewöhnlich an den Gliedmaßen ab, ist geistesschwach, immer schläfrig, lernt nicht gehen und kaum aufrecht sitzen, verliert oft zuletzt den Gebrauch der Sinne, muß endlich ganz liegen und stirbt gewöhnlich noch vor der Pubertät. Der Sitz der Wasseransammlung ist meist in den Gehirnhöhlen. Sulfur, Calcium carbonicum und Silicea können versucht werden. Man verabfolge diese Arzneien in höheren Potenzen und warte, nachdem ein Mittel 6 bis 8 Wochen verabfolgt worden, mehrere Wochen die Nachwirkung ab.

Die essentielle oder spinale Kinderlähmung ist eine plötzlich, und zwar meist mit Fieber, auch zuweilen mit Konvulsionen auftretende Lähmung eines oder beider Unterschenkel, seltener der Arme. Die Muskeln werden welk und magern ab, sind fettig entartet. Die Krankheit hat ihren Grund in einer akuten Entzündung der Vorderhörner des Rückenmarks und setzt sich von hier auf die peripheren Nerven und Muskeln fort. Die Lähmungserscheinungen werden erst unmittelbar nach dem Fieberstadium bemerkbar, und da häufig in diesem Stadium konvulsivische Zuckungen einzelner Extremitäten aufzutreten pflegen, so verabfolgen wir zuerst Belladonna, ohne jedoch mit diesem Mittel der Lähmung vorbeugen zu können. Ein prognostisches Urteil läßt sich übrigens nicht eher fällen, als bis sich die Lähmung begrenzt und fixiert hat. Gegen diese verabfolgen wir Nux vomica und Phosphorus und lassen diese Mittel, die wir in 2stündlichem Wechsel mehrere Wochen hindurch verabfolgen, mindestens 4 Wochen nachwirken. Außerdem wären noch zu versuchen: Rhus Toxicodendron, Plumbum oder Sulfur. In bezug auf ihre Symptome vergleiche man, was bei Lähmung gesagt ist. – Die Prognose ist von vornherein sehr zweifelhaft, und sind bereits die gelähmten Teile sehr abgemagert, die Muskeln welk und fettig entartet, dann besteht die Lähmung lebenslänglich.

Der Wasserkrebs (Noma, Cancer aquaticus) ist eine fast nur bei Kindern vorkommende, brandige Entzündung der Weichteile an den Lippen und Wangen, die dabei schnell in eine graue, bräunliche oder schwärzliche breiige Brandmasse übergehen. Die Krankheit beginnt meist in den Mundwinkeln mit einer kleinen Brandblase, schreitet dann unter bedeutender glänzender Anschwellung der Umgebung, von innen nach außen, fort und richtet so große Zerstörungen in der Mundhöhle und im Gesichte (sogar in den Knochen daselbst) an, daß sie fast stets tödlich endet.

Diese Krankheit erscheint gewöhnlich bei kachektischen Kindern und führte in allen bis jetzt beobachteten Fällen zum Tode. Will man noch Arzneimittel versuchen, dann schlagen wir Acidum sulfuricum und Secale cornutum vor.

Blasenausschlag, Pemphigus, kann bei Kindern, sobald er sich über einen großen Teil des Körpers verbreitet, sehr gefährlich werden. Man lese das Nähere darüber bei Flechten.

Würmer, wenn sie in großer Zahl im Darmkanale vorhanden sind, verursachen bei Kindern oft sehr gefährliche Zufälle, weshalb für ihre möglichst schnelle Beseitigung gesorgt werden muß.

Es sind besonders zwei Arten von Würmern, die häufig im Darmkanale der Kinder vorkommen: der Madenwurm oder Pfriemenschwanz (Springwurm), Oxyuris vermicularis, und der Spulwurm, Ascaris lumbricoides.

Die Madenwürmer sind kleine, weiße, fadenförmig aussehende Würmer, höchstens 6 bis 10 mm lang (die Männchen noch kleiner). Sie bewohnen den Dünndarm und Dickdarm, die geschlechtsreifen Würmer wandern nach dem Mastdarm, wo sie oft in unglaublicher Menge vorkommen. Sie verursachen heftiges, brennendes Jucken, ja selbst Entzündung im Mastdarme. Die Weibchen verlassen den Mastdarm und legen ihre zahllosen Eier außerhalb ab, wonach sie zugrunde gehen; nicht selten wandern sie auch in die Geschlechtsteile ein, was gar oft bei kleinen Mädchen zur Onanie Veranlassung gibt. Die Eier können durch die Finger, durch Nahrungsmittel oder sonstige Zufälligkeiten in den Magen gelangen, so daß die Entwicklung von neuem beginnt, und auf andere Menschen übertragen werden. Es ist daher größte Reinlichkeit geboten: Abwaschungen der Umgebung des Afters, Wechsel der Leib- und Bettwäsche, um die Weiterverbreitung der lästigen Parasiten zu vermeiden. Dabei empfiehlt es sich, die Umgebung des Afters abends mit Unguentum praecipitatum album einzusalben. – Die Kinder sehen gewöhnlich blaß aus, der Schlaf ist unruhig, mit Gliederzucken oder auch mit Zähneknirschen; die Kinder bohren häufig mit den Fingern in der Nase, magern ab und bekommen leicht Krämpfe. Die Stühle sind gewöhnlich, jedoch nicht immer, hart. Die Würmer pflegen sich auf dem ausgeleerten Darmkote herumzuwinden.

Daß bei manchen Personen, besonders bei skrofulösen Kindern, diese Würmer in erstaunlicher Menge vorkommen, scheint von einer abnormen Beschaffenheit der Verdauungssäfte und des Darmschleimes abhängig zu sein. Bei zunehmendem Mondlichte verursachen die Madenwürmer erfahrungsgemäß die meisten Beschwerden.

Eine momentane Erleichterung gewähren Klistiere von einem schwachen Knoblauch-Absud oder von Wermuttee mit etwas Essig. Man kocht etwas Wermut in Wasser und nimmt auf 3 Eßlöffel von diesem Wermut-Absud etwa 1 Eßlöffel voll Essig. Derartige Klistiere appliziert man täglich zwei und fährt damit mehrere Tage fort. Zum innerlichen Gebrauche, was uns eine Hauptsache zu sein scheint, empfehlen wir ganz besonders Cina, Mercurius solubilis oder Sulfur. Diese Mittel eignen sich unserer Erfahrung nach am besten, um die Bedingungen zu beseitigen, unter denen diese lästigen Insassen zu existieren vermögen. – Wollen diese trotzdem nicht weichen, dann raten wir zur Anwendung von Klistieren mit Pyrethrum-Tinktur, 20 Tropfen in 60 bis 80 g Wasser oder besser: Milch. Auch Wurmsalbe aus Mercurius praecipitatus ruber leistet gute Dienste. Man bestreicht damit den Finger und führt ihn mit Vorsicht, aber so tiefes angeht, in den After hinein. Wiederholt man diese Prozedur täglich mehrmals einige Tage hindurch, dann kann man des Erfolges sicher sein; jedoch muß dies öfters wiederholt werden, da immer neue Würmer in den Mastdarm hinabwandern.

Die Spulwürmer leben im Dünndarme, wo sie mitunter sehr zahlreich vorkommen, und sehen den Regenwürmern in Gestalt und Größe sehr ähnlich. Sie wandern teils durch mit Spulwurmbrut verunreinigtes Wasser, teils durch Fallobst, wenn solches damit besudelt ist, in den Körper. Im Darmkanale vermehrt sich der Spulwurm nie. Die Eier dieser Tiere werden aber zu Millionen durch den Kot entleert, kommen auf die Felder oder ins Wasser, verwandeln sich dort in mikroskopisch kleine Tierchen, sog. Ammen (die sich als solche wieder vermehren), und werden so durch den Genuß roher Feldfrüchte, besonders Fallobst usw., in den Körper gebracht, wo sie sich entwickeln. Daher ihr Vorkommen bei Kindern meist im Spätsommer.

Die Spulwürmer sind an beiden Enden zugespitzt und erreichen eine Länge bis zu 20 cm. Der Kopf hat einen zwischen zwei knötchenförmigen Erhabenheiten liegenden Mund mit feingezähnten Lippen. Am anderen Ende befindet sich der After, der beim Männchen zugleich Geschlechtsöffnung ist und neben sich hakenförmige Ausläufer hat, während beim Weibchen die Geschlechtsöffnung in der Mitte der Bauchhöhle liegt. Bei letzterem sind die fadenförmigen Geschlechtsorgane mit einer Unmenge von ovalen, mikroskopisch kleinen Eiern gefüllt.

Wir treiben am sichersten diese Tiere, die jedoch nie länger als etwa 6 Wochen im Darme verweilen, durch Zitwersamentee, den wir mehrere Tage hintereinander trinken lassen, ab. Leichter einzunehmen, besonders für kleinere Kinder, ist das aus dem Zitwer bereitete, fast geschmacklose Alkaloid Santonin, das jedoch nur auf ärztliche Verordnung und Anweisung angewandt werden soll. – Der Bandwurm kommt bei kleinen Kindern selten vor; man lese darüber im Text den Artikel Wurmbeschwerden.

Der Durchbruch der Zähne bei Kindern ist an und für sich ein physiologischer Entwicklungszustand und kann daher ebensowenig als eine krankhafte Wirkung der Natur angesehen werden, wie die weibliche Periode, die Schwangerschaft und die Geburt dafür gelten können; auch überstehen ihn die meisten Kinder ohne merkliches Leiden; demungeachtet befindet sich doch ihr Körper in einer größeren Reizbarkeit gegen äußere Einwirkungen, und es muß daher zu dieser Zeit jeder Diätfehler, jede Erkältung usw. sorgfältig vermieden werden. Bei manchen Kindern kommen die ersten Zähne schon mit dem dritten Monate zum Durchbruche, bei anderen wieder nicht vor dem achten oder zwölften Monate. Unstreitig ist bei dem Zahndurchbruche die Witterung von großem Einflüsse; besonders nachteilig ist die heiße Jahreszeit, wenn Darmleiden und epidemische Krankheiten herrschen.

Etliche Wochen vor dem Durchbruch des Zahnes fängt die obere Fläche des Zahnfleisches an, breiter, eckig und heiß, rot und an der Kante weißlich zu werden. Die Kinder führen instinktmäßig alles, was sie erfassen können, nach dem Munde, um daran zu beißen, und machen Bewegungen des Kauens mit den Kinnbacken; auch lassen sie sich gern das Zahnfleisch mit dem Finger gelinde reiben. Es ist gewöhnlich Brauch, dem Kinde während des Zahnens einen Gegenstand zum Daraufbeißen zu geben, doch vermeide man dabei alles Metall und die geschwefelten Gummiringe; man gebe vielmehr dem Kinde ein knöchernes Stäbchen oder einen knöchernen Ring, wie man solche in den Läden zu kaufen bekommt, oder Veilchenwurzel (das Rhizom von Iris florentina). Weiterhin pflegt das Zahnfleisch schmerzhaft zu werden, und das Kind scheut jede Berührung daran. In schweren Fällen treten Fieber, unruhiger Schlaf mit Aufschrecken, Anschwellen der Mandeln, ja selbst Gehirnaffektionen ein. Das Einschneiden ist ein schlechtes Mittel, und man wendet es daher nur dann an, wenn der Durchbruch sehr lange zögert und die Zähne durch den Kiefer hindurch gefühlt werden können; geschieht es aber früher, so vernarbt die Wunde wieder, wodurch der Zahndurchbruch erst recht erschwert wird. Verzögert sich der Durchbruch der Zähne zu lange, so sind in den meisten Fällen Calcium oder Sulfur die passendsten Mittel, um die Arbeit der Natur zu erleichtern; Calcium hilft auch, wenn zu viele Zähne auf einmal durchbrechen. Speichelfluß und ein mäßiger Durchfall pflegen jeden Zahndurchbruch zu begleiten, und dagegen wird nichts getan, außer es würden die Durchfälle allzu arg; dann helfen besonders Arsenicum oder Calcium. Bei Brechdurchfällen: Ipecacuanha, und bei grünlichen Durchfällen: Mercurius solubilis. – Bei großer Aufgeregtheit und Schlaflosigkeit: Coffea. – Gegen Fieberzustände hilft am sichersten Aconitum in Wasserauflösung, und davon 1- bis 2stündlich 2 Teelöffel voll. – Bei heftigen, mit Blutandrang nach dem Kopfe, nervöser Aufgeregtheit und Schlaflosigkeit vergesellschafteten Fieberregungen und wechselnder, bald blasser, bald roter Gesichtsfarbe: Gelsemium. – Bei starken Kongestionen zum Kopfe, rotem, gedunsenem Gesichte, wildem, unstetem Blicke und erweiterten Pupillen: Belladonna. – Fühlt sich der Hinterkopf sehr heiß an, und bohren ihn die Kinder in das Kissen, dann lege man kalte oder in kaltes Wasser getauchte, aber gut ausgewrungene Unterlagen, die häufig erneuert werden müssen, unter den Kopf. Man vergleiche die Kapitel »Gehirnhautentzündung« und »Gehirnhöhlenwassersucht«.

Die vollständige Zahl der ersten Zähne des Kindes ist 20, obwohl während der ersten 2 Jahre meistens nur 16 erscheinen. Bei Kindern kommen die beiden unteren Schneidezähne gewöhnlich zuerst zum Vorschein, darauf brechen die beiden entsprechenden oberen Schneidezähne durch, dann folgen die 4 Backenzähne (Mahlzähne). Die Eckzähne und Augenzähne kommen zuletzt zum Vorschein. Stets erscheinen die zwei entsprechenden an beiden Seiten zu gleicher Zeit. – Wenn die Mutter imstande ist, ihr Kind allein durch die Brust zu ernähren, so wird das Zahnen bei den meisten Kindern ein verhältnismäßig leichter und ungefährlicher Prozeß sein; denn obgleich während dieser Periode das Gefäßsystem in größter Aufregung ist, so wird doch dieser Umstand keine Gefahr bringen, wenn das Kind kühl gehalten und dem Zustande des Magens und Darmkanales die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein gesunder Zustand dieser beiden Organe wird die Natur in ihrem Bestreben unterstützen, die mit dieser Übergangsperiode verknüpften Übel abzuwenden oder zu überwinden.

Das Entwöhnen des Kindes hängt von zwei Umständen ab: von dem Zustande und der Gesundheit der stillenden Mutter und dem Alter des Kindes. Wenn der Zustand der Mutter derart ist, daß sie ihr Kind nicht säugen kann, ohne sich selbst oder ihrem Kinde zu schaden, so muß das Entwöhnen natürlich sofort stattfinden; doch im allgemeinen tritt die geeignete Zeit dafür ungefähr im 9. oder 10. Monate ein, wenn die ersten 4 Zähne zum Vorschein gekommen sind. Das Kind darf jedoch nicht plötzlich von der Brust abgesetzt werden, sondern ihm muß allmählich immer seltener die Brust gereicht und dann andere leichte Nahrung gegeben werden. Das plötzliche Absetzen von der Brust hat sowohl für die Stillende als auch für das Kind die nachteiligsten Folgen. Die Entwicklung der Zähne kann als ein Wink der Natur betrachtet werden, daß der Körper jetzt andere Nahrung erfordert. Wenn sich daher ihr Erscheinen verzögert, so kann die Entwöhnung in den meisten Fällen hinausgeschoben werden, da das späte Erscheinen der Zähne häufig mit einer schwächlichen Körperbeschaffenheit zusammenhängt, die es wünschenswert macht, das Kind länger an der Brust zu halten. Kinder, die mit 6 Monaten entwöhnt werden, besonders wenn sie nicht sehr kräftig sind, werden fast unmittelbar von Störungen des Magens und des Darmkanals zu leiden haben. Die Mutter, der das Wohl des Kindes am Herzen liegt, wird nie dem Kinde zu früh die Brust entziehen, wenn nicht besondere Umstände das Entwöhnen notwendig machen. Die Zeit, in der das Kind entwöhnt werden darf, wird also immer von besonderen Umständen bedingt werden. Als Regel indessen kann gelten, daß, wenn Mutter und Kind gesund sind, das Entwöhnen nie früher als im 8. Monate und nie später als im 10. stattfinden sollte.

Am Schlusse dieser Abhandlung wollen wir schließlich der einst und z. T. auch noch heutzutage so hochgeschätzten und als segensreich gepriesenen Schutzpockenimpfung (Vaccination) gedenken. Diese wurde zuerst von dem schottischen Chirurgen Eduard Jenner im Jahre 1796 versucht und empfohlen; sie ist jedoch, bei Licht betrachtet, eine grobe Täuschung, sogar eine Vergiftung. Daß sie noch heute besteht, zeigt nur, wie lange Torheit und Aberglauben, wenn sie einmal im Menschenhirn Platz gefunden haben, allen Vernunftgründen und Gegenbeweisen trotzen. Um den Jennerschen Impfhumbug zu verstehen, dürfen wir nicht vergessen, daß auch Jenner ein Kind seiner Zeit war. Der scheußlichen Vergiftung mit Menschenpockengift, der schon im 18. Jahrhundert viele Gegner erwuchsen, trat Jenner mit dem Kuhpockengift entgegen, und siehe da, Jenner fand bei Ärzten und Laien einen fruchtbaren Boden für seine Mystik. Die Impflanzette paßte ja so vorzüglich zu der damals die Welt beherrschenden Aderlaßlanzette, beide waren Geschwisterkinder.

Nun hat in neuerer Zeit Dr.  Oidtmann aufs unwiderleglichste aus mehr als 30 Orts-Pockenlisten deutscher Städte nachgewiesen, daß Geimpfte und Revaccinierte bei der Pockenseuche stets den Reigen eröffneten, ja daß die ungeimpften Kinder auffallend von den Pocken verschont blieben. In sehr verdienstlicher Weise haben die bis jetzt nicht widerlegten Statistiker C. F.  Kolb und Carl Löhnert aufs handgreiflichste den Beweis geführt, daß durch das Impfen die Pocken erzeugt und verbreitet werden. Die Tierärzte sind schon längst zu dieser Einsicht gekommen und haben bei den Regierungen ein Verbot der Pockenimpfung bei den Schafen erwirkt, da durch diese die Seuche tiefer in die Herden eingeschleppt wird.

Staatsrat Dr. med.  Walz in Frankfurt a. d. Oder äußerte in einem am 11. Oktober 1881 zu Köln gehaltenen Vortrage:

»Die wissenschaftliche Deputation sagt in ihrem Gutachten vom 27. Februar 1872, daß keine verbürgte Tatsache für den nachteiligen Einfluß der Impfung auf die Gesundheit der Menschen vorliege, mit diesem Ausspruche hat sie ihrem Wissen ein unauslöschliches Armutszeugnis ausgestellt; es gibt Zeiten, wo man sich seines Standes als Arzt schämen muß

Bekanntlich war einer der entschiedensten Impfgegner der nunmehr leider verstorbene Professor Dr.  Germann in Leipzig, der die Impferei einen schädlichen Aberglauben nannte. Und Dr.  Paul Niemeyer sagt: »Wie ihr dem Typhus, der Cholera nicht mit Schutzmitteln am Leibe der Erkrankten entgegentretet, sondern durch Desinfektion, Kanalisation usw. die Ursachen zu diesen Krankheiten wegschafft, so macht es auch mit den Pocken! Denn die Erfindung der Schutzpocken gehört zu jenen unglaublichen Einfällen, auf die der Mensch verfällt, wenn er sich auf den Kopf stellt und mit den Hühneraugen denkt, und es läßt sich auf das Impfen das Wort Scheffels anwenden: ›Ist der Unsinn, den der einzelne Kopf ausheckt, einmal gebucht, so verbrennen sich noch hundert andere das Hirn daran.‹« – Nicht die Schutzpocken haben die Epidemien verringert, sondern die besseren Verhältnisse, in denen sich heutzutage die Menschen in bezug auf Kleidung, Wohnung und Nahrung befinden. Die Impfung hat die Seuche nicht nur nicht beseitigt, sondern künstlich erhalten.

Wer Näheres über die Schädlichkeit der Schutzpockenimpfung erfahren will, lese die von Dr. med.  Oidtmann in den Jahren 1876 bis 1880 veröffentlichten Schriften und den Hilferuf an den Hohen Deutschen Reichstag von Dr. med.  Meyner in Chemnitz in Sachsen (Verlag von H.  Reinhardt in Dresden). Bekanntlich sind jetzt Bestrebungen im Gange, den Impfzwang aufzuheben; hoffentlich sind diese von Erfolg gekrönt.

Den nachteiligen Folgen der Impfung kann, da jetzt der Impfzwang leider noch herrscht, vorgebeugt werden, wenn man sofort nach der Impfung innerlich Sulfur und Mercurius oder Thuja, einige Tage lang verabfolgt. Bei Verschwärungsprozessen nach der Pockenimpfung hilft Echinacea, Kalium muriaticum und Silicea.

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