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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 54
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Husten. Tussis

Der Husten ist selten ein für sich bestehendes Leiden, sondern meistens Symptom eines andern, besonders Brust- und Halsleidens; daher richtet sich seine Behandlung nach den ihm zugrunde liegenden Ursachen. Ein einfacher Husten ist an sich gerade nichts Gefährliches, kann aber bei Vernachlässigung leicht in schlimmere Übel ausarten, daher es immer ratsam ist, beizeiten etwas dagegen zu tun.

Gewöhnlich erscheint der Husten infolge einer Erkältung und ist Begleiter des Katarrhs der Nase und des oberen Teiles der Luftröhre; in diesem Falle mit vielem Schleimauswurfe und leichten Fieberregungen verbunden. – Der sog. trockene, mit wenig oder gar keinem Auswurfe auftretende Husten beruht auf lokalem Reize der Kehlkopfsschleimhaut, ist gewöhnlich sehr hartnäckig und äußerst quälend, von Rauheitsgefühl und Kitzel im Halse begleitet; das Sprechen ist erschwert. Am häufigsten kommt der Husten bei rauher, feuchtkalter Witterung, im Herbste oder Frühjahre zur Beobachtung.

Gegen den oben beschriebenen Husten, dem kein tieferer Krankheitsprozeß des Kehlkopfes, der Luftröhre oder der Lunge zugrunde liegt, sind die gebräuchlichsten Heilmittel folgende:

Antimonium sulfuratum aurantiacum: Rauher, trockener Husten mit Heiserkeit oder mit Auswurf zähen Schleimes; Katarrh des Kehlkopfs. Erschwertes Atmen. Auch wichtig bei derartigen Erscheinungen nach Influenza. Vgl. Antimonium crudum, Seite 61.

Arsenicum: Bei trockenem, sehr angreifendem Husten, mit äußerster Atembeengung, zum Aufsitzen nötigend, besonders abends nach dem Niederlegen oder nachts. Verschlimmert durch kaltes Getränk oder durch Einatmen kalter Luft. Bei großer Schwäche und Hinfälligkeit. (Vgl. Asthma.)

Belladonna: Bei trockenem, auch rauhem, bellendem Husten mit Blutandrang nach dem Kopfe, Kitzel in der Luftröhre, Durst, beengtem Atmen mit abendlicher und nächtlicher Verschlimmerung.

Bryonia: Trockener oder mit geringem Auswurfe verbundener Husten mit Kitzel im Halse; Druckschmerz im Kopfe, Stechen in der Seite, Verschlimmerung beim Eintritt in die warme Stube, Besserung in der Rückenlage.

Chamomilla: Trockener Husten von Kitzel im Halsgrübchen, nachts aus dem Schlafe weckend und durch Sprechen verschlimmert. Ist bei diesen Symptomen Heiserkeit zugegen: Hepar sulfuris.

Cimicifuga: Trockener oder nur wenig feuchter Kratzhusten, besonders nachts mit Brustmuskelschmerz; oder Husten von Kitzel im Kehlkopf, abends, und Heiserkeit früh schon beim Aufstehen.

Dulcamara: Erkältungshusten mit Schleimauswurf oder Auswurf hellen Blutes. Stechen in der Brust, Angst und Vollheitsgefühl in der Magengrube. Die Anfälle verschlimmern sich im Liegen und in der Stube.

Hyoscyamus: Trockener Husten mit Kitzeln in der Luftröhre, besonders nachts und im Liegen, beim Aufsitzen nachlassend. Sehr empfehlenswert ist hierbei auch Rumex crispus.

Ipecacuanha: Sehr anstrengender, krampfhafter Husten mit Blauwerden im Gesicht; Schleimrasseln und Erbrechen von Schleim; auch bei trockenem Kitzelhusten, besonders bei Kindern. Oft nach Belladonna oder im Wechsel damit.

Mercurius: Trockener, sehr erschütternder Husten, besonders nachts, oder kitzelnder Husten vor dem Einschlafen; bei Kindern oft mit Nasenbluten oder Zersprengungsschmerz im Kopfe. Fließschnupfen, Durchfall und Schweiß ohne Erleichterung.

Nux vomica: Husten mit Rauheitsgefühl im Halse oder mit Kitzel am Gaumen; trockener, angreifender Husten mit Kopfweh zum Zerspringen oder mit Zerschlagenheitsschmerz im ganzen Unterleibe, frühmorgens aus dem Schlafe weckend. Bei Schnupfen und Halskatarrh eines der besten Mittel, wenn sofort verabfolgt, und bei fieberhaftem Zustande mit Aconitum in 1stündlichem Wechsel. (Vgl. Schnupfen.)

Pulsatilla: Bei leicht lösendem Husten mit vielem weißlichgelben Schleimauswurfe von bitterem, ekelhaftem Geschmacke, mit Heben und Würgen oder Kratzen im Halse; der Hustenanfall verschlimmert sich abends im Bett.

Rumex crispus: Unaufhörlicher nächtlicher Kitzelhusten, vom Kehlkopf nach dem Brustbein sich erstreckend. Auch mit Stechen in der linken Brustseite. Schlimmer bei Temperaturwechsel und abends nach dem Niederlegen. Das Einatmen kalter Luft wird nicht vertragen.

Senega: Chronischer Bronchialkatarrh ohne allen oder mit zähem, glasigem Auswurf; besonders bei Greisen sehr quälender, nächtlicher Husten. Oft noch besser: Acidum nitricum.

Tartarus emeticus: Husten mit Schleimrasseln, Wundsein im Halse und in der Brust; Atembeengung, die durch Auswerfen von Schleim besser wird.

Verbascum: Die gelbe Königskerze oder Wollblume ist ein auch in der Volksmedizin gern empfohlenes Hustenmittel, dessen wir uns bedienen bei hartem, rauhem, bellendem, von katarrhalischem Reiz im Kehlkopf und in der Luftröhre herrührendem Husten; bei heiserer, tiefer Stimme, auch bei starkem Schnupfen und Tränenfluß.

Wir bereiten aus der Blumenkrone und den Blättern der im Juni und Juli an steinigen Flußufern und auf sonnigen Hügeln blühenden, majestätischen Pflanze die Tinktur.

Wenn der Husten bei jeder geringen Erkältung wiederkehrt, dann liegen ihm chronische Katarrhe, Tuberkulose oder Emphysem der Lunge zugrunde. Sehr ernste Beachtung verdient der Bluthusten, da er gewöhnlich aus tieferliegenden Erkrankungen der Respirationsorgane hervorgeht; auch versetzt das abgelagerte Blut die Lunge leicht in einen chronisch-entzündlichen Zustand. Wir verweisen hierbei auf das bei Lungenblutsturz Gesagte.

Eine Zusammenstellung sämtlicher bei Husten in Frage kommender Mittel gibt Michael: »Hundert Hustenmittel«, aus dem Amerikanischen übersetzt von Dr. Paul Klien. Leipzig O 29 1917, Verlag Dr. Willmar Schwabe.

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