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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 44
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Gesichtsschmerz. Fothergillscher Schmerz. Prosopalgia. Tic douloureux

Diese Gesichtsneuralgie kommt bei beiden Geschlechtern, selten jedoch vor den höheren Lebensjahren vor und entsteht häufig, besonders bei empfindlichen Personen, aus einer Erkältung der Gesichtshaut, einer rheumatischen Entzündung der Weichteile des Gesichts, die sich auf die Nerven, besonders über viele Äste des Trigeminus, verbreitet. Zuweilen hängt der Schmerz mit Zahnkrankheiten, Gicht und mit Unterleibskrankheiten zusammen; er geht oft mit Hypochondrie und Hysterie, sehr oft mit Blutarmut und Nonnengeräuschen Hand in Hand.

Der Gesichtsschmerz befällt fast immer nur eine Seite und ist von heftiger, reißender, bohrender, folternder Art, zum Teil sogar elektrischen Schlägen ähnlich. Der Schmerz bleibt selten auf einer Stelle, sondern wechselt, zum Schrecken des verzweifelten Kranken, öfters plötzlich seinen Sitz. Der Schmerz ist bald auf der Stirn, bald in der Gegend vor dem Ohre auf der Wange, bald unter dem Auge, wo er seinen Sitz in den Verzweigungen des Trigeminus am Nasenflügel hat, besonders aber am Jochbein, in den Zähnen und auch in der Augen-, Nasen- und Mundhöhle. Die Krankheit ist von intermittierender Natur, so daß die Schmerzanfälle in deutlichen Zwischenräumen, von unbestimmter Dauer, eintreten. Der Schmerz wird meist durch Sprechen, Lachen, Kauen, Niesen, sowie durch Berührung hervorgerufen, tritt sehr plötzlich ein und hört ebenso schnell wieder auf. Die schmerzhaften Teile sind meistens hyperämisch, rot und heiß, oft ist aber auch das Gesicht blaß und kalt; gewöhnlich tritt Zucken oder Erstarren der Gesichtsmuskeln während des Anfalles ein. Der Schmerz ist schrecklich und oft nahe an Verzweiflung bringend.

Die Dauer des Anfalles ist verschieden, bisweilen nur wenige Minuten, bisweilen stundenlang; oft geht der Krankheit ein Spannen, Jucken oder Brennen der befallenen Teile voraus, das zum Reiben und Kratzen nötigt.

Die alte Schule vermag gegen dieses schmerzhafte Leiden nur sehr wenig zu tun; doch die Homöopathie hat sehr oft mit gutem Erfolge dagegen operiert, wobei sie sich folgender Mittel bedient:

Bei Gesichtsschmerzen von Blutandrang(kongestiver Gesichtsschmerz): Aconitum, Belladonna, Gelsemium, Mercurius, Nux vomica.

Bei nervösen Gesichtsschmerzen: China, Mezereum, Phosphorus, Platinum, Rhus Toxicodendron, Spigelia, Stannum.

Bei entzündlichen Gesichtsschmerzen: Belladonna, Mercurius.

Bei rheumatischen Gesichtsschmerzen: Belladonna, China, Colocynthis, Mercurius, Nux vomica, Pulsatilla, Rhus Toxicodendron, Spigelia.

Bei Knochenleiden: Mercurius, Mezereum.

Nach den speziellen Symptomen sind sodann zu brauchen:

Aconitum: Von Erkältung herrührende, meist ziehende, reißende und stechende Gesichtsschmerzen mit heftigen Fieberregungen und entzündlicher Geschwulst der ergriffenen Gesichtspartie.

Arsenicum: Eines der wirksamsten Mittel, besonders wenn die Schmerzen rein nervöser Art sind oder Folgen miasmatischer Einflüsse. – Periodische Anfälle von brennenden, stechenden, reißenden Schmerzen um die Augen, auch in den Schläfen; schlimmer in der Kälte und für eine Weile durch Wärme gemildert. Verfallenes Gesicht, außerordentliche Ruhelosigkeit. Eintritt der Schmerzen vor Mitternacht.

Belladonna: Schmerzen, die sich über sehr viele Äste des Trigeminus verbreiten, besonders in der rechten Gesichtshälfte, beginnend mit lästigem Kitzeln auf dem rechten Wangenbeine und der Nase, verschlimmert durch Berührung der kranken Stelle. Schmerzen in der Nähe des Auges, mit Röte und Tränen im Auge; auch bei stechenden Schmerzen in den Gelenken des Unterkiefers, die das Öffnen des Mundes erschweren.

Causticum: Meist rechtsseitige, spannende oder klopfende Schmerzen, besonders in den Gesichtsknochen, auch Jucken unter den Augen, mit Lähmungsempfindung in den Gesichtsmuskeln; oder bei ziehenden Schmerzen in den Kinnladen.

China: Bei anämischen, bleichsüchtigen und nervösen Personen; bei prickelnden, brennend und durchzuckend-stechenden Schmerzen, mit großer Gesichtsblässe, zu bestimmten Stunden, oder nachts sich erneuernd; verschlimmert durch Druck und im Liegen, sowie auch durch Feuchtigkeit, hingegen durch Essen gebessert.

Colocynthis: Reißende, spannende und stechende Schmerzen, besonders auf der linken Gesichtshälfte in dem Augenlid, in der Augenhöhle, in der oberen Kinnlade, in der linken Nasenhälfte und im Ohre, mit bis in die Zähne derselben Seite sich verbreitendem Pochen; Gesichtsgeschwulst mit Hitze im ganzen Körper, häufig von Erkältung herrührend. Verschlimmerung der Schmerzen durch Bewegung und bei der geringsten Berührung.

Conium: Stechende, reißende und nagende Gesichtsschmerzen, alle 2 bis 5 Minuten blitzschnelle Risse in der rechten Hälfte, auch mit Ziehschmerzen in den Zähnen verbunden, besonders dann, wenn sich die Schmerzen nachts einfinden.

Hepar sulfuris: Wenn die Schmerzen hauptsächlich in den Gesichtsknochen (den Jochbeinen) sitzen und sich bis in die Ohren und in die Schläfe erstrecken, verschlimmert durch Berührung.

Lycopodium: Reißende, drückende oder spannende Schmerzen im Ober- und Unterkiefer; auch krampfhafte Zuckungen einzelner Gesichtsmuskeln. Ziehen und Reißen im Gehörgange und hinter den Ohren.

Mercurius: Reißende oder stechende, die ganze Seite des Kopfes einnehmende, von den Schläfen bis zu den Zähnen sich erstreckende Schmerzen, mit Speichelfluß, Schweiß am Kopfe, Schlaflosigkeit usw. Die Schmerzen werden des Nachts in der Bettwärme schlimmer.

Mezereum: Schmerzen, die das linke Jochbein einnehmen; von außen nach innen bohrende, zur Verzweiflung bringende Schmerzen, die blitzschnell nach anderen Körperteilen überspringen und beim Genusse von Warmem oder beim Zurückkommen aus der freien Luft in die Stube schlimmer werden oder neu anfangen. Bei Knochenleiden, auch mit Steifigkeit der Kaumuskeln, Speichelfluß, Brennen im Halse und Rachen.

Nux vomica: Bei Liebhabern von Kaffee, Wein und Spirituosen, oder wenn sich der Schmerz nach derlei Genüssen, sowie auch durch Nachdenken, Kopfarbeiten und Nachtwachen verschlimmert. Röte des Gesichts, auch mit Geschwulst des Backens; reißende und ziehende Schmerzen, die sich bis ins Ohr erstrecken

Phosphorus: Reißende Schmerzen in der linken Kinnlade, empfindliche Schmerzen beim Öffnen des Mundes; Jucken und Spannen im Gesichte; Schmerzen, die sich von den Kinnladen bis in die Nasenwurzel oder ins Ohr erstrecken. Verschlimmerung der Schmerzen durch jede Bewegung der Gesichtsmuskeln, z. B. beim Kauen, Sprechen usw.

Platinum: Kribbelnde Schmerzen mit Kälte und Taubheitsgefühl der ergriffenen Seite; oder bei Krampfschmerz und spannendem Drücken in den Jochbeinen und Backenknochen; wenn die Schmerzen zunehmen oder sich erneuern des Abends und in der Ruhe; dabei Gesichtsröte mit Durst, Weinerlichkeit usf.

Pulsatilla: Besonders bei nervösen Personen oder bleichsüchtigen Frauen; zuckende, stechende Schmerzen bis ins Auge und Ohr, dabei Frösteln, Herzklopfen usw. Verschlimmerung durch Wärme, besonders abends und nachts in der Bettwärme, hingegen Besserung durch Kälte, in freier Luft, durch kaltes Wasser.

Sepia: Sehr hartnäckige, sich oft erneuernde Gesichtsschmerzen der verschiedensten Art. Auch besonders bei Gesichts- und Zahnschmerzen blutarmer Frauen gewährt dieses Mittel erfahrungsgemäß die beste Hilfe.

Spigelia: Ein sehr wichtiges Mittel, sowohl bei rheumatischen als auch bei nervösen Schmerzen im Gesichte, wie sie gewöhnlich bei hysterischen Frauen vorkommen. Bei zuckendem Reißen, Brennen und Druck in den Jochbeinen und Backenknochen. Die sehr heftigen Schmerzen vertragen nicht die leiseste Berührung oder Bewegung, sind meist auf eine, besonders auf die linke Gesichtsseite beschränkt und mit Herzangst und Unruhe verbunden.

Staphisagria: Bei drückenden, stechenden oder andersartigen Schmerzen, die von hohlen Zähnen ausgehen und bis ins Auge schießen, mit Geschwulst der ergriffenen Gesichtsseite.

Stannum: Hat sich in einem Falle von Gesichtsschmerz, wo Mezereum und verschiedene andere Mittel nur teilweise besserten, höchst hilfreich bewiesen. Herr Maler J.  Momberger in Baltimore, von schwächlicher, nervöser Konstitution, klagte über einen äußerst heftigen, ihn Tag und Nacht nicht schlafen lassenden Gesichtsschmerz in der rechten Gesichtshälfte; der Schmerz schien aus den Zähnen zu kommen, mit drückendem Schneiden, wie von Glassplittern, im rechten Unterkiefer. Stannum in einer Gabe beseitigte in einigen Stunden gänzlich den qualvollen Schmerz.

Verbascum: Drückende oder spannende, in Pausen eintretende und besonders das linke Jochbein ergreifende Schmerzen; auch reißendes Stechen in den Backenzähnen bis ins Ohr, mit Spannen im Kinn und in den Kaumuskeln; verschlimmert durch Essen, Aufdrücken und durch Zugluft.

Außerdem sind noch angezeigt: bei auseinanderpressenden Schmerzen: Belladonna, Ignatia, Platinum, Spigelia; bei krampfhaften: Acidum nitricum, Mezereum, Stannum; bei klopfenden: Aconitum, Belladonna, Mercurius, Platinum, Staphisagria; bei kribbelnden: Nux vomica, Platinum; bei reißenden: China, Hepar sulfuris, Lycopodium, Rhus Toxicodendron, Spigelia, Staphisagria; bei schneidenden: Belladonna, Staphisagria; bei stechenden: Arsenicum, Belladonna, Lycopodium, Mercurius, Rhus Toxicodendron, Staphisagria; bei Taubheitsgefühl der ergriffenen Teile: Mezereum, Platinum; bei wühlenden Schmerzen: Colocynthis, Platinum; bei ziehenden Schmerzen: Arsenicum, Hepar sulfuris, Rhus Toxicodendron, Stannum; bei zuckenden: China, Nux vomica, Spigelia. Ferner vergleiche Kopfschmerzen, Zahnschmerzen (im Repertorium) usw.

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