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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 41
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Gelbfieber. Febris flava

Diese in den heißen Tropenländern vorkommende, hauptsächlich den nicht akklimatisierten Europäer befallende Infektionskrankheit wird durch eine Spirochaete, Leptospira icteroides Noguchi, hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt durch eine Stechmücke, die Stegomyia calopus. Die Krankheit kommt weit häufiger in den Städten als auf dem Lande und in Gebirgsgegenden vor, wo auch die Kranken rascher als in den Städten genesen. Besonders setzen die dem neu angekommenen Europäer ungewohnten klimatischen Verhältnisse, der jähe Witterungswechsel in den tropischen Küstenländern, die Tageshitze und nächtliche Kälte und Feuchtigkeit, namentlich aber auch die Kost und der Genuß schwerverdaulicher Früchte die Widerstandskraft herab.

Die Krankheit beginnt fast stets plötzlich mit einem mehr oder weniger heftigen Fieberanfalle (Frost, Pulsfrequenz, nachfolgender Hitze, großem Durst). Selten sind gewisse Vorboten: die Patienten zeigen dann ein träumerisches, ernstes oder in sich gekehrtes Wesen; ihr Blick ist stier und gläsern; sie klagen über Kopfbenommenheit oder duseligen Kopfschmerz; über Schmerzen in den Gliedern, im Rücken und in den Lenden. Zwei Kranke, die wir in diesem Stadium übernahmen, klagten über ein eigentümliches Gefühl beim Gehen, als hätten sie keinen festen Boden unter den Füßen, schwebten oder gingen über Wellen. Diesen Vorboten, die aber häufig auch ganz fehlen, gesellt sich nun nach einigen Stunden oder in der nächsten Nacht das Fieber mit heftigem Froste hinzu. Diesem folgt sehr bald andauernde Hitze mit gastrischen Beschwerden: Erbrechen, Magenschmerzen, Durchfall oder Stuhlverstopfung und Ekel vor allen Speisen, fauliger Mundgeruch. Hierzu kommen Unruhe, Schlaflosigkeit, Kopfweh, Zerschlagenheitsschmerzen in den Gliedern. In den ersten Tagen finden gewöhnlich noch Nachlässe statt, die eine Besserung hoffen lassen, aber bald wieder einer Verschlimmerung Platz machen. Nach dem dritten oder vierten Tage wird die Krankheit immer anhaltender und bedenklicher, die Haut färbt sich gelb, und es treten nun die der Krankheit eigentümlichen charakteristischen Magen- und Darmblutungen ein, auch Blutungen aus den Harnorganen, aus der Nase usw., an leicht verletzten Stellen der Haut Blutunterlaufungen und Blutungen. Das durch den Stuhl entleerte Blut ist bräunlich, wenig gerinnbar, von schmieriger Beschaffenheit, auch übelriechend. Der Magen entleert kaffeesatzähnliche, schwarzwässerige Flüssigkeit. Die Haut wird nun kühl, das Angesicht bleich und eingefallen, der Puls ist jetzt oft ruhig, aber schwach und klein, und der Tod erfolgt durch Erschöpfung, meist vor dem siebenten, bisweilen aber schon vor dem dritten Tage. – Jedoch zeigt diesem allgemeinen Verlaufe gegenüber die Krankheit im einzelnen mannigfaltige Abweichungen. – Zirka 75 % Sterblichkeit.

Bei der Behandlung dieser Krankheit sind zu empfehlen: In der ersten Periode: Aconitum, Baptisia, Belladonna, Camphora, Nux vomica. In der zweiten: Acidum nitricum, Baptisia, Mercurius solubilis. In der dritten: Arsenicum, Carbo vegetabilis, Crotalus, Phosphorus, China, Leptandra.

Im Beginne der Krankheit, bei heftigen Fieberregungen, trockener Haut und belegter Zunge, verabfolgen wir Aconitum, das wir auch mit Belladonna, in ¼- bis ½stündlichem Wechsel, geben, sobald sich bedeutende Kongestionen nach dem Gehirne mit Pulsieren der Temporalarterien und Schlaflosigkeit zeigen. Sind die Patienten apathisch, hat die Zunge einen dicken, gelben Belag, sind der Mundgeruch und Atem stinkend, treten durchfällige, stinkende oder blutige Stühle ein, dann ist Baptisia am Platze. Nehmen neben diesen Symptomen die Haut und das Augenweiß eine gelbliche Farbe an, zeigt sich auch bedeutender ermattender Schweiß, dann verabfolgen wir Mercurius solubilis. Bei Aufgetriebenheit der Herzgrube, Stuhlverstopfung und Steifigkeit des Kreuzes: Nux vomica. Stellen sich jedoch durchfällige Stühle und heftiges Erbrechen ein: Ipecacuanha, und wenn Bluterbrechen mit Kollapsus eintritt: Acidum nitricum. Bei wässerigen Durchfällen mit heftigem Erbrechen, kaltem Schweiße und großer Schwäche: Veratrum; ist jedoch unerträglicher Durst mit steter Trockenheit des Mundes und der Zunge vorhanden, sind die Durchfälle von teerartiger, schmieriger Beschaffenheit: Arsenicum; oder bei mäßigem Durste: Carbo vegetabilis. Treten Zeichen der Blutzersetzung ein, Petechien, Ekchymosen, Blutungen aus verschiedenen Organen, dann geben wir Crotalus, China oder Arsenicum, und bei Nierenblutungen Acidum phosphoricum. Bei aufgetriebenem Leibe, Zittern des ganzen Körpers, der mit klebrigem Schweiß bedeckt ist: Crotalus oder Carbo vegetabilis.

Nachlaß des Fiebers und Schweißes, Feucht- und Reinwerden der Zunge, dicke Niederschläge im Urin sind günstige Zeichen, die auf baldige Genesung des Kranken deuten. Bei anhaltender Schwäche reichen wir China oder Acidum phosphoricum und bei nach überstandener Krankheit zurückbleibender schmutzig-gelblicher Hautfarbe hat man Millefolium empfohlen, einige Tropfen der Tinktur in Wasser.

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