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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 37
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Gastrisches Fieber. Gallenfieber. Saburralfieber. Febris gastrica catarrhalis, mucosa et biliosa

Allen diesen mit so verschiedenen Namen bezeichneten Krankheiten liegt eine katarrhalische Affektion der Magenschleimhaut zugrunde. Ursachen sind: Magenüberladung, verdorbene, schwer verdauliche oder mit Ekel genossene Speisen, Erkältung, Durchnässung, Erkältung des Magens durch kalte Getränke, Mißbrauch von Spirituosen, Gemütsaffekte.

Bei dem einfachen Gastrizismus klagen die Kranken nur über Appetitlosigkeit, Druckschmerzen in der Stirn und Ekel vor Speisegenuß. Die Zunge ist gelblich belegt, der Geschmack fade, pappig oder bitter, der Mundgeruch sehr übel. Die Magengegend ist aufgetrieben, schmerzhaft und gegen Druck empfindlich. Nicht selten entwickeln sich Herpes an den Lippen und Aphthen an Zunge und Lippen. Im höheren Grade der Krankheit erscheint das Augenweiß gelblich, desgleichen bekommt auch die Haut des Gesichts, besonders um Nase und Mundwinkel, einen gelblichen Anflug. Es besteht große Übelkeit, Brechneigung oder Erbrechen von galligem Schleim ( biliös-gastrisches Fieber). Der Urin ist feurig, von harnsauren Salzen stark saturiert. Gewöhnlich besteht Stuhlverstopfung; nur wenn die Schleimhaut des ganzen Verdauungstrakts von dem Katarrh ergriffen ist, treten Durchfälle ein ( katarrhalisch-gastrisches Fieber).

Ist das Fieber sehr intensiv, dann sind auch die Störungen des Allgemeinbefindens in hohem Grade vorhanden. Der Puls ist beschleunigt, der Durst oft sehr groß, das Fieber und der Kopfschmerz verschlimmern sich abends bedeutend, der Schlaf ist unruhig oder ganz fehlend; nicht selten sind auch Delirien vorhanden, und die Erscheinungen sehen einem beginnenden Typhus nicht unähnlich. Doch tritt dieser entweder schleichend auf oder mit einem starken, eine Stunde währenden Frostanfalle und nimmt in seinen siebentägigen Perioden, besonders aber in seinen nervösen Erscheinungen allmählich zu, während das gastrische Fieber unter heftigen und plötzlichen Erscheinungen zu beginnen pflegt und die Haut nicht trocken, sondern zu Schweißen geneigt ist.

Übrigens ist mit Nachlaß des nicht selten wiederkehrenden Fiebers noch keineswegs die Rekonvaleszenz eingetreten, denn ein intensives Krankheitsgefühl fesselt die Kranken noch ans Bett, und die Schwäche tritt erst jetzt recht hervor. Auch bleibt die Zunge belegt, und der Appetit fehlt noch. Die früheren Verschlimmerungen und Wiederholungen des Fiebers zeigen sich noch in dem verschlechterten Befinden am Abend. – Vermehrte Hauttätigkeit und stark absetzender Urin sind die beiden sichersten Zeichen wirklich beginnender Genesung. Die Wiederkehr des Appetits zögert aber oft noch lange Zeit. – Die Behandlung und die Mittelwahl wird sich nach den Gelegenheitsursachen und den Symptomen richten, die nach den dabei ergriffenen Organen oft sehr verschieden sind.

Gleich zu Anfang bei eintretendem Fieber, trockener Hitze, großem Durste, bitterem Mundgeschmack, gelbem Zungenbelag ist Aconitum zu empfehlen, besonders wenn die genannten Erscheinungen durch Erkältung oder Ärger veranlaßt worden sind. Bei bedeutendem Andrang des Blutes nach dem Kopfe, erhöhter abendlicher Hitze, Stirnkopfschmerzen mit heftigem Pulsieren der Schläfenarterien und vielem Durste verabfolgen wir Belladonna. Wurden die Erscheinungen durch Magenerkältung oder durch den Genuß saurer Früchte veranlaßt, ist die Zunge dick belegt, der Geschmack fade und bitter, ist Galleerbrechen oder stete Übelkeit zugegen, dann geben wir Bryonia. Bei ähnlichen, jedoch durch Gemütsbewegungen hervorgerufenen gastrischen Erscheinungen mit Blutandrang nach dem Kopfe, Schlaflosigkeit und häufigen Frostschauern hilft Gelsemium. Bei biliös-gastrischen Fiebern mit gelblichem Anfluge der Haut und des Augenweiß, unerträglichen, des Nachts sich steigernden Kopfschmerzen, Galleerbrechen, Empfindlichkeit der Magen- und Lebergegend, auch bei etwa vorhandenen grünlichen oder schleimigen, sehr stinkenden Durchfällen ist Mercurius solubilis das Hauptmittel. Sind die Erscheinungen, besonders bei Frauen, nach heftigem Ärger entstanden, der Mundgeschmack sehr bitter, die Zunge belegt, Durchfall und Fieber mäßig, dann nützt Chamomilla. Ist bei den biliös-gastrischen Erscheinungen die Magengegend aufgetrieben und gegen Druck sehr empfindlich, sind Übelkeit oder Galleerbrechen und hartnäckige Stuhlverstopfung zugegen, dann verabfolgen wir Nux vomica. Sind die gastrischen Beschwerden von fetten Speisen oder frischem Backwerk verursacht worden oder durch Erkältung des Magens, ist der Mundgeschmack fade und pappig, verbunden mit öfterem fettig-ranzigem Aufschwulken, Fieber und Durst mäßig, der Stuhl weich und schleimig, frösteln die Patienten, dann nützt Pulsatilla. Sind bei diesen Symptomen vorwaltend Erbrechen und Ekel vor Speisegenuß zugegen, die Zunge pelzig-weiß überzogen, dann ist Ipecacuanha das Hauptmittel. Bei gastrischen Beschwerden mit geringem Fieber, bohrenden und pressenden Kopfschmerzen, Schwindel und Brechübelkeit beim Bewegen des Kopfes, Aufgetriebenheit des Leibes mit häufigem, leerem Aufstoßen, pappigem Geschmack und schleimig-belegter Zunge, verabfolgen wir Cocculus. Bei heftigem Durste mit steter Trockenheit des Mundes und der Lippen, fauligem Mundgeschmack, Übelkeit, häufigen, sehr erschöpfenden Durchfällen von wässeriger, galliger oder schleimiger Beschaffenheit, drückenden Stirnkopfschmerzen und großer, besonders abendlicher Unruhe ist Arsenicum angezeigt. Bei gastrischen Fiebern mit vorwaltender Gehirndepression, dick belegter Zunge, üblem Mundgeschmack, stinkenden Durchfällen und sonstigen, den typhösen Fiebern verwandten Erscheinungen verabfolgen wird Baptisia. – Außerdem sind noch zu berücksichtigen: Tartarus emeticus, Veratrum, Rhus Toxicodendron. Nehmen die Erscheinungen einen vorwiegend nervösen Charakter an, dann vergleiche man, was bei »Nervenfieber« gesagt ist.

Die Medikamente sind, wie bei allen akuten Krankheiten, in 1- bis 2stündlicher Wiederholung zu verabfolgen; auch können zwei passende Mittel, wenn es erforderlich ist, im Wechsel gegeben werden.

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