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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 34
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Fingergeschwür. Fingerwurm. Akelei. Nagelgeschwür. Panaritium

Es gibt eine Nagelgliedentzündung, ein Panaritium, aus äußerer Verletzung und eins aus bereits im Innern des Organismus andauernden Folgen äußerer Ursachen. Das oft sehr schmerzhafte Leiden tritt am heftigsten in dem unter der Fingerhaut liegenden Zellgewebe auf, kann sich aber auch auf die Sehnen und Sehnenscheiden und auf die Knochenhaut erstrecken. – Der sog. gutartige Nagelwurm entsteht meist bei skrofulösen Personen oder auch nach einer leichten Verletzung, besonders durch Stiche am Rande der Nagelwurzel, wo sich die Oberhaut zu einer Blase erhebt, die mit gelbem, dünnem Eiter gefüllt ist. Die Fingerspitze schwillt etwas an, die anfangs unbedeutenden Schmerzen werden klopfend, und der Eiter entleert sich nach 6 bis 8 Tagen, worauf baldiger Nachlaß der Beschwerden und Heilung folgt. Bildet sich der Eiter unter der Nagelmutter, so veranlaßt dies oft das Absterben des Nagels, der, oft verkrüppelt, wieder wächst.

Die Entzündung des Unterhautzellgewebes ist die gewöhnliche Form des Fingergeschwüres. Sie entsteht nach leichten Verletzungen durch Splitter, Nadeln und durch Quetschung, oft aber auch infolge eines inneren Schärfestoffes (wie man sagt: aus heiler Haut). Die Entzündung beginnt meist in der Beugeseite des Fingers und breitet sich unter stechenden und klopfenden Schmerzen rasch über den Finger aus, der oft um das Dreifache anschwillt und glänzendrot oder bläulichrot erscheint. Das Fieber ist dabei oft sehr beträchtlich, auch gesellt sich nicht selten Appetitlosigkeit hinzu. Nach etwa 8 bis 10 Tagen öffnet sich die Haut über dem sog. Eiterherde, und unter Nachlaß der Schmerzen entleert sich ein dicker Eiter und abgestorbenes Zellgewebe (Eiterpflock), worauf die Heilung langsam erfolgt. Sind die Sehnen und Sehnenscheiden der Fingerbeugemuskeln Ausgangsstellen der Entzündung, so wird das Übel viel bedeutender, der Arm und die Achseldrüsen schwellen an, und die Schmerzen sind unerträglich; oft ist die Rückseite der Hand blaurot und wie ein Kissen angeschwollen. Die Sehnen werden mit ergriffen und sterben ab, und der Finger bleibt unheilbar steif. Ist die Knochenhaut die Ausgangsstelle der Entzündung, so sind die Schmerzen sehr tiefsitzend, bohrend und ungemein heftig, und der Knochen wird bald brandig; nach Wochen und Monaten erfolgt oft erst die Heilung unter Ausstoßung der abgestorbenen (nekrotischen) Knochen, und das Fingerglied verkürzt sich, wird krumm und steif.

Bei rechtzeitiger homöopathischer Behandlung wird die Krankheit bedeutend milder und rascher verlaufen und nie die Verkrüppelung des Fingers zur Folge haben. Man gibt gleich zu Anfang Hepar sulfuris und Mercurius in 1stündlichem Wechsel, bis sich die Stelle öffnet; der Finger wird mehrmals des Tages in lauem Wasser, dem man etwas Kalilauge zusetzt (auf 100 g Wasser 10 Tropfen Lauge), gebadet, und die Hautlappen werden vermittelst einer Schere entfernt. Innerlich gebe man dann noch Silicea einige Tage lang allein.

Myristica sebifera: Ist ein vorzügliches Mittel beim Finger- oder Nagelgeschwür. Es begrenzt schnell die Entzündung und ist ein zuverlässiges Mittel bei allen Zellgewebsentzündungen. Es beschleunigt die Eiterung und verkürzt ihre Dauer. – Auch bei tiefgehender Entzündung, die die Sehnenscheide und die Synovialmembranen befällt, ist es neben Sulfur oder Hepar sulfuris ein vorzügliches Mittel, um den Abszeß zur Reife zu bringen. Es ist wie Arsenicum ein erstklassiges Mittel bei weitreichenden Vereiterungen oder gar Verjauchungen, wenn die Aufnahme von Eiter in das Blut zu befürchten ist. Auch bei starker Mitergriffenheit und Geschwulst der Hand und des Armes bis zu den Achseldrüsen, ähnlich wirkend wie Rhus Toxicodendron. Auch kann man Myristica sebifera in 1stündlichem Wechsel mit Rhus Toxicodendron oder Arsenicum verabfolgen. – Natrium sulfuricum empfiehlt Dr. v.  Grauvogl gegen Panaritien bei blaß aussehenden, schlecht ernährten Leuten, die leicht frösteln, in feuchten, dumpfigen Wohnungen sich aufhalten und oft von diesem lästigen Leiden heimgesucht werden. In diesem Falle macht Natrium sulfuricum jedes andere Mittel entbehrlich und kann durch kein anderes ersetzt werden. Silicea ist bei Entzündungen der Knochenhaut in 3- bis 4stündlicher Wiederholung zu gebrauchen; hilft es nicht, so empfehlen wir noch: Calcium oder Sulfur im Wechsel mit Silicea. Tritt Brand ein, so paßt Arsenicum.

Endlich wollen wir hier noch eines Mittels gedenken, das das Vorwärtsschreiten des beginnenden Nagelgeschwürs (auch Umlauf genannt, weil dieses Leiden nicht selten einen Finger nach dem andern ergreift) verhindert und sehr schnell die Entzündung beseitigt. Sobald sich nämlich die den Nagel hufeisenförmig, von einer Seite zur andern, umkreisende Hautstelle zu entzünden beginnt und zu schmerzen anfängt, nehme man einen Holzspan von der Größe eines Streichhölzchens, tauche diesen in reine Salpetersäure, doch so, daß kein Tropfen daran hängen bleibt, und befeuchte damit gelinde die entzündete Stelle mehrmals – was man nach einer Stunde wiederholen kann – und umwickle dann den Finger mit einem Läppchen. Schon am nächsten Tage wird die lästige Entzündung beseitigt sein. War schon ein Eiterstreifen vorhanden, so vertrocknet dieser und stößt sich ganz schmerzlos ab.

Die Allopathie vermag gegen diesen, bei homöopathischer Behandlung stets gut verlaufenden Krankheitsprozeß gar nichts zu tun oder verursacht durch zweckwidrige chirurgische Eingriffe häßliche Verunstaltungen der Finger. Oder sie schreitet bei eintretendem Brande zur Amputation des Gliedes, die in diesem Falle den Tod nicht einmal abzuwehren imstande ist.

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