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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 24
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Bräune. Häutige Bräune. Krupp. Angina membranacea

Die häutige Bräune oder der Krupp ist eine Entzündung des Kehlkopfes, wobei entweder ein schleimiges (beim Pseudokrupp) oder ein fibrinhaltiges Exsudat (Pseudomembran, beim wahren Krupp) im Kehlkopf oder auch in der Luftröhre abgesondert wird und Erstickungsgefahr hervorruft. Die Krankheit tritt mitunter epidemisch auf und befällt meist zarte, sehr reizbare, besonders blonde, gemeinhin aber vollsaftige Kinder zwischen dem zweiten und siebenten Lebensjahre, d. h. der Periode zwischen erster und zweiter Dentition, und zwar weit häufiger Knaben als Mädchen. – Anfänglich ist meist ein leichter Erkältungshusten mit Schnupfen oder gelindes Katarrhalfieber vorhanden; bald aber beklagen sich die Kinder über beengten Atem, über Zusammenschnüren des Halses, Stechen und Drücken im Kehlkopfe, und der Husten nimmt nun einen eigenen heiseren und zugleich pfeifenden, bellenden oder krähenden Ton an. Der Anfall beginnt meist in den ersten Stunden der Nacht, um Mitternacht, wo die Kinder mit jenem der Bräune eigentümlichen Husten erwachen, der sich nach jedem Sprechen oder Trinken einfindet und aus einzelnen heftigen Stößen besteht, wobei sich Fieber, Unruhe und Angst steigern. Die Kinder fassen auch oft mit der Hand nach der Kehlkopfgegend, die ihnen einen empfindlichen Schmerz verursacht. Bei den periodisch wiederkehrenden und immer heftiger werdenden Hustenanfällen steigert sich das Fieber, die Stimme wird rauh, heiser und tonlos, ähnlich dem Krähen junger Hähne, zugleich verändert sich der Ton der Sprache und schnappt über, das Atemholen wird immer mühsamer, mit ängstlichem, zischendem oder pfeifendem Tone. Die Erstickungsgefahr tritt näher und näher, die Kinder biegen den Kopf nach hinten, wodurch das Einatmen noch etwas erleichtert wird, das Gesicht wird bläulich, aufgedunsen, und der Erstickungstod ist unabweislich, wenn nicht fachkundige Hilfe zur rechten Zeit einschreitet, was denn auch meist bei richtiger Anwendung unserer vortrefflichen Arzneien gelingt.

Einige Linderungsmittel seien genannt:

Aconitum verabfolgen wir bei heftigem Fieber, kurzem, trockenem Husten, schnellem (nicht pfeifendem oder sägendem) Atem. Wir lassen von diesem Mittel ½- bis ¼stündlich je 1 Gabe verabreichen. Hat nach dem Gebrauch von Aconitum, bei dem man sich übrigens nicht zu lange aufhalten darf, das Fieber nachgelassen, oder wird ein rauher, krähender Husten oder ein pfeifender und sägender Ton beim Atmen bemerkbar, dann reichen wir sofort Spongia in der obigen Weise oder, wenn erforderlich, in ¼stündlichem Wechsel mit Aconitum. Wir haben mit Spongia, selbst bei schon begonnener Exsudation, bei Schweratmigkeit und zischendem Inspirationsgeräusch oft wahrhaft überraschende Erfolge erzielt.

Treten die Anfälle mit weniger Heftigkeit auf, ist die Respiration noch frei und nur von Schleimrasseln begleitet, der Husten locker und lösend, dann haben wir in Hepar sulfuris ein wahrhaftes Spezifikum, das wir bei fortdauerndem Fieber auch mit Aconitum im Wechsel verabfolgen. Wir haben bei beginnendem Krupp, bei Gegenwart der vorerwähnten Erscheinungen, dieses Mittel als höchst zuverlässig erprobt und damit stets befriedigende Resultate erzielt. Nur bei eintretender Schweratmigkeit (Dyspnöe) greifen wir sofort zur Spongia und können versichern, daß wir bei diesem milden, mit Ruhe und Besonnenheit geleiteten Verfahren nur befriedigende Resultate zu verzeichnen gehabt haben.

Kommen wir mit Hepar sulfuris oder Spongia zu spät, oder schreitet trotz rechtzeitiger Anwendung dieser Mittel die Krankheit vorwärts, steigert sich die Schweratmigkeit bis zur wirklichen Atemnot, wird der Inspirationston laut und zischend, Zeichen dafür, daß sich bereits Ausschwitzungsprodukte im Kehlkopf und in der Luftröhre gebildet und diese erfüllt haben, dann reichen wir sofort Jodum. Steigt jedoch die Gefahr höher und höher, wird das Gesicht bläulich, die Stirn mit kalten Schweißen bedeckt, die Haut kühl, der Puls schwach, dann verabfolgen wir ungesäumt Phosphorus oder Tartarus emeticus, ebenso Aconitum. Unter denselben Umständen wie Jodum kann man auch Bromum anwenden.

Um der Wiederkehr der Bräune, besonders bei dazu disponierten Kindern, vorzubeugen, hüte man sie nach überstandenem Anfalle vor Erkältung und lasse sie, besonders bei rauhem, stürmischem oder feuchtkaltem Wetter, nicht aus der Stube. Anderseits aber verzärtle man die Kinder nicht, da gerade hierdurch der Körper sehr leicht für Erkältungen empfänglich gemacht wird. Man fange daher mit der Abhärtung in milder Jahreszeit an und wasche den Körper, besonders Brust, Hals und Rücken, täglich mit frischem Flußwasser.

Gegen die nach überstandener Bräune oft zurückbleibenden katarrhalischen Beschwerden, namentlich gegen die Heiserkeit, empfehlen wir Hepar sulfuris oder Phosphorus. Beide Mittel sind auch von Nutzen, um die Disposition zu Bräuneanfällen bei Kindern zu beseitigen. Das von Kafka empfohlene Kalium jodatum D2, zu täglich 2 bis 3 Gaben, gegen die zurückbleibende Heiserkeit hat sich weniger bewährt.

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