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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 21
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Blutharnen. Hämaturie

Das Blut ist mit dem Urin mehr oder weniger innig vermischt, geht in größeren oder geringeren Quantitäten ab und kann aus der Blase, den Nieren (dem Nierenparenchym und den Nierenbecken), den Harnleitern, ja selbst aus der Prostatadrüse kommen. – Entspringt das Blut aus der Blase (gewöhnlich durch scharfkantige Blasensteine, Geschwüre oder durch Stoß auf die Blase verursacht), dann ist das Blut meist reichlich im Harne vorhanden, der zuletzt abfließende Harn ist fast reines Blut, das nicht innig mit dem Urin vermischt ist; der Urin enthält mitunter, auch außerhalb der Zeit der Blutung, Eiter oder gallertartige Sedimente. Formelemente aus den Nieren fehlen stets. Zuweilen sind Blasenkrämpfe, Harnzwang und Brennen in der Harnröhre vorhanden; noch häufiger Steifigkeit im Rücken und Stuhlverstopfung; bei starken Blutungen große Schwäche bis zur Ohnmacht. – Nierenblutungen treten nach traumatischen Einwirkungen auf die Nierengegend auf, ferner bei Blutstauung in den Nieren bei Skorbut, Typhus und infolge Gebrauchs scharfer, harntreibender Mittel ( Cantharidinum, Terpentinöl) oder bei Hyperämie der Nieren. Stammt das Blut aus dem Nierenparenchym, dann ist die Blutmenge im Urin nur gering, aber innig mit ihm vermischt und bildet eine rötliche Flüssigkeit, die mitunter Nierenzylinder mit anhaftenden Blutkörperchen durch das Mikroskop erkennen läßt. Häufig werden Schmerzen in der Nierengegend empfunden, bei Nierenabszessen Schüttelfrösten und Eiter im Urin. – Stammt das Blut aus den Nierenbecken, so kommt es zum Abgang von Steinfragmenten und kolikartigen Schmerzen; diese dritte Art Blutung ist eine Begleiterscheinung der Nierenbeckenentzündung. – Spezialistische Behandlung ist geboten. Als Linderungsmittel können (unverbindlich) gelten:

Acidum nitricum: Oft von ganz vorzüglicher Wirkung.

Aconitum: Blutharnen von Blutüberfüllung der Nieren nach Erkältung; Steifigkeit im Kreuz und Druckgefühl in der Nierengegend. Der häufig, aber in geringen Mengen und oft auch unter großen Schmerzen gelassene und viel Urate enthaltende Harn ist innig mit Blut vermischt. – Bei Nierenhyperämie der Biertrinker ist Nux vomica angezeigt.

Argentum nitricum: Bei häufigem Drängen und krampfhaften Schmerzen erfolgender Harnabgang mit Blut; bei großer Hinfälligkeit, Schwäche und Mutlosigkeit.

Arsenicum: Nierenblutungen mit brennenden Schmerzen beim Urinlassen; der Harn sieht wie Fleischwasser aus. Große Schwäche, eingefallenes, erdfahles Gesicht, bei steter Unruhe und Angst.

Cantharis: Abgehen blutigen Harns unter anhaltendem Drange und Brennen im Blasenhalse nach der Harnröhre zu. Cantharis ist bei Nierenhyperämie das Simillimum.

Colchicum: Blutiger, trüber, wie Tinte aussehender Harn von hohem spezifischen Gewicht und starkem Gehalt an harnsaurem Ammoniak, auch eiweißhaltig; bei Blasenkrampf, großem Drang zum Urinieren und Harnzwang. Besonders bei gichtischen Konstitutionen.

Echinacea: Dieses Mittel hat die ersprießlichsten Dienste geleistet bei sehr hartnäckigen, gänzlich entkräftenden Nierenblutungen, die durch andere Mittel nicht beseitigt werden konnten. Wir verabfolgten 12 Tropfen in 6 Eßlöffel Wasser verrührt, auf 4mal tagsüber zu verbrauchen.

Hamamelis: Soll sich in tiefen Potenzen mitunter bei Nierenblutungen, verursacht von Nierensteinen, bewährt haben.

Ipecacuanha: Bei Blutharnen oft äußerst hilfreich, besonders wenn zugegen: große Angegriffenheit und Mattigkeit, Brechneigung, Schwindel, Kreuzschmerz. Der unter häufigem Drängen sparsam gelassene Harn ist mehr oder weniger innig mit Blut vermischt und geht unter schneidenden Schmerzen ab.

Mercurius: Blutharnen mit brennenden Schmerzen längs der Harnröhre. Das Blut kann sowohl aus der Blase, mit vielem Schleim- und Eitersediment im Urin (auch außerhalb der Zeit der Blutung), als auch aus dem Nierenparenchym entspringen; im letzteren Falle werden spannende Schmerzen über den Hüften und Druck in der Nierengegend empfunden.

Millefolium: Blutharnen mit Schmerzen in der linken Nierengegend, Frostigkeit und öftere Neigung zum Harnlassen. Ähnlich Hamamelis bei passiver Hämaturie.

Terebinthina: Wenn beim Blutharnen brennende Schmerzen in den Nieren empfunden werden und krampfhaftes Drängen in der Blasengegend, das beim Sitzen vermehrt, bei Bewegung aber gebessert wird.

Ferner verdienen noch Beachtung: Arnica, wenn das Blutharnen durch äußere Gewalttätigkeit veranlaßt worden ist; Nux vomica, wenn Mißbrauch geistiger Getränke stattfand; auch vorzüglich bei kongestiver Hyperämie der Nieren. Erigeron, Blutharnen infolge von Blasensteinen. China bei Schwäche, und Mezereum bei Klemmen auf der Blase vor dem Harnen. Lycopodium und Uva ursi haben sich ebenfalls sehr oft hilfreich bewährt; besonders Lycopodium bei chronischer Pyelitis (Entzündung des Nierenbeckens und der Kelche), wenn Steinfragmente abgehen und stark sedimentierender Urin; auch bei Gicht-Dyskrasie. Hier raten wir zu dem Gebrauch der Salzbrunner Kronenquelle. Gewöhnlich werden schon nach den ersten Flaschen eine Menge Harnkonkremente, Steinchen und Sand entleert, so daß sich der Patient schon in den ersten Tagen, vom Beginn der Kur, bedeutend wohler fühlt. Wir lassen täglich 1 bis 2 Flaschen, mehrere Monate hindurch, trinken. Auch bei Gichtkranken, mit Anfällen von Nierensteinkolik, sahen wir bei dem Gebrauch der Kronenquelle sehr günstige Resultate. Es scheint, als ob die Quelle teils durch Entsäuerung des an Harnsäure überschüssigen Urins wirkt, teils, daß sie durch die schleimlösende Eigenschaft des Lithiums die Konglomeration des Harnsandes verhindert. Das Wasser hat keinen üblen Geschmack, läßt sich gut trinken und erfordert keine besondere Diät. Aus dem Quellsalz der Kronenquelle werden auch Pastillen bereitet, die das Wasser einigermaßen ersetzen können.

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