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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 20
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Bluterbrechen. Hämatemesis

Es ist dies eine Entleerung von Blut aus dem Magen und den Gedärmen, die sowohl durch Erbrechen wie auch durch den Stuhlgang vor sich geht. Die meistenteils der Krankheit vorangehenden Vorboten sind hauptsächlich Appetitlosigkeit, Magenleiden, Aufstoßen, Eingenommenheit des Kopfes. Dazu gesellt sich oft noch das Gefühl, als würde etwas Warmes in den Magen gegossen. Auftreibung der Magengegend, Übelkeit und Erbrechen von hellem oder dunklem, stückigem Blute. Danach große Mattigkeit, Schwindel, Herzklopfen und, bei großem Blutverluste, Ohnmachten. Ehe man gegen die Krankheit einschreitet, muß zuerst festgestellt werden, ob das Blut wirklich aus dem Magen kommt (sehr oft von Magengeschwüren) oder ob es aus anderen Teilen des Körpers stammt, z. B. aus der Mundhöhle, aus den Luft- und oberen Verdauungswegen.

Gegen die den Magenblutungen oft lange vorausgehenden katarrhalischen oder dyspeptischen Magenerscheinungen verabfolgen wir jene Mittel, die wir beim Magenkatarrh erwähnt haben; unter diesen verdienen besondere Beachtung: Arsenicum, Belladonna, Carbo vegetabilis, Ipecacuanha, Nux vomica, Veratrum; mitunter auch Natrium muriaticum, Sepia oder Sulfur. Dabei dürfen nur leichte Speisen ohne Gewürz genossen werden; desgleichen muß jede Magenüberladung, Gemütsaufregung und körperliche Anstrengung vermieden werden.

Tritt Bluterbrechen ein, dann verabfolgen wir, wenn es infolge aufregender Gemütsaffekte verursacht wurde, bei gleichzeitigem Fieber, Durst und Herzklopfen Aconitum in ¼- bis ½stündlicher Wiederholung. In gleicher Weise und mit oft überraschendem Erfolge geben wir Ipecacuanha, Hamamelis-Extrakt, 10 bis 15 Tropfen, auch teelöffelweise, wenn bei dem sich häufig wiederholenden Erbrechen größerer Blutmassen anhaltende Übelkeit, bitterer Geschmack und dicker Zungenbelag vorhanden sind. In ähnlichen Fällen, wo jedoch die Übelkeit und die gastrischen Beschwerden nicht gerade hervortretende Symptome sind, verordnen wir Hamamelis. Bei starkem Andrang des Blutes nach dem Kopf, heftigen Magenschmerzen und Aufgetriebenheit der Magengegend, anhaltendem Durste und konvulsivischen Muskelbewegungen ist Belladonna das passendste Mittel. Da, wo traumatische Einwirkungen, Fall oder Stoß das Bluterbrechen veranlaßt haben, leistet Arnica vortreffliche Dienste; außerdem lassen wir noch kalte Aufschläge auf die Magengegend machen und bei heftigem Durste kleine Eisstücke verschlucken. Gingen dem Bluterbrechen chronische Magenkatarrhe, Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden lange voraus, ist die Magengegend aufgetrieben und sehr empfindlich gegen äußere Berührung, dann leistet oft Nux vomica das meiste, bei großer Hinfälligkeit, heftigem Brennen im Magen und sehr bedeutendem Durste Arsenicum oder Phosphorus.

Blutungen von Varicositäten der Magenvenen, von Aneurysmen, von Morschheit und Rigidität der Magenarterien oder – was sehr häufig der Fall ist – von Arrosion und Verletzung der Magengefäße durch korrosive Geschwüre, Krebs usw. treten plötzlich, stürmisch und ohne Vorboten auf und sind nicht ohne Lebensgefahr. Hier gilt es, der Blutung so schnell wie möglich Einhalt zu tun, was uns durch kalte Kompressen auf den Magen, Verschlucken von kleinen Eisstückchen und durch den innerlichen Gebrauch sehr verdünnter Mineralsäuren, besonders durch Acidum nitricum am besten gelingt, weil dadurch schnelle Gerinnbarkeit des Blutes, Thrombusbildung und Verstopfung der Gefäße zustande kommen (Erscheinungen der Primärwirkung der Säuren). Man verabfolgt von 10 zu 10 Minuten 5 Tropfen des Mittels, oder Hamamelis-Extrakt, ½stündlich 1 Teelöffel. Man hüte sich übrigens, den Magen durch größere Quantitäten von Flüssigkeit auszudehnen, weil dadurch die Blutungen begünstigt werden. Treten die Erscheinungen der Blutleere auf: große Hinfälligkeit, Kälte der Extremitäten und Ohnmächten, dann verabfolgen wir von Secale cornutum oder Ergotinum 15 bis 20 Tropfen in 6 Eßlöffel voll Wasser, wovon wir ¼- oder ½stündlich 1 Kinderlöffel voll verabfolgen, oder wir geben Phosphorus in gleicher Weise und suchen gleichzeitig durch Moschus die Kräfte zu beleben, indem wir davon alle 1 bis 2 Stunden 1 Gabe verabfolgen. – Die Kranken müssen in horizontaler Lage ruhig verharren und dürfen sich während des Erbrechens nicht aufrichten, da jede Bewegung des Körpers neuen Brechreiz hervorruft. – Fachmännische Hilfe ist übrigens Erfordernis.

Ist das Bluterbrechen gestillt, dann gilt es, die in hohem Grade erschöpften Kranken wieder zu kräftigen und die darniederliegenden Lebensgeister wieder anzuregen. Zu dem Zwecke lassen wir dem Kranken jede Viertelstunde 1 Eßlöffel voll lauwarmer Rind- oder Hühnerfleischbrühe oder eine dünne Graupenabkochung, mit etwas Eiweiß abgerührt, einflößen (vgl. auch das bei Blutarmut Gesagte). Sobald die Kräfte allmählich wieder zunehmen, verbessert sich auch die Verdauung, und die Kranken erholen sich wieder. China, Nux vomica oder Phosphorus (in mittleren Potenzen), dann und wann verabfolgt, unterstützen oft noch die Rekonvaleszenz bedeutend. Um der Neigung zu späteren Rezidiven vorzubeugen, könnte man Echinacea versuchen.

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