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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 17
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Bauchwassersucht. Ascites

Man versteht hierunter eine Ansammlung von Wasser im Bauchfellraum. Der Unterleib schwillt von unten nach oben an; stehen die Kranken, so findet sich die Anschwellung nach unten oder vorn, liegen sie auf dem Rücken, so ist sie in der Weichengegend. Bei zunehmender Flüssigkeit wird der Unterleib immer stärker; Undulation (Wellenbewegung) des Wassers wird bemerkt, wenn man dem sich in gebückter Stellung befindenden Kranken die eine Hand auf den Bauch legt, während man mit der anderen an die entgegengesetzte Seite des Bauches anschlägt. Bei zunehmender Wassersucht Beschränkung der Sekretionen, Engbrüstigkeit und Durst, große Kraftlosigkeit und Hinfälligkeit, zuletzt allgemeine Hautwassersucht. Die Krankheit, der sehr verschiedene Ursachen zugrunde liegen können, hat stets chronischen Verlauf. Bei Krankheitsprozessen, die konsekutiv den Hydrops zur Folge haben, z. B. die Krankheiten des Herzens, der Lunge, der Arterien, der Nieren, bei der Hydrämie, entstehen immer früher Ödeme an verschiedenen Körperstellen, und die Bauchwassersucht gesellt sich erst später dazu. Bei Krankheiten der Leber, der Pfortader und des Bauchfelles geht die Bauchwassersucht den Ödemen voran.

Der Ausgang in Genesung ist selbstverständlich von der Grundkrankheit abhängig. In der Mehrzahl der Fälle zeigt die Bauchwassersucht den weit vorgerückten Grad der sie bedingenden Krankheit an; ist diese unheilbar, so führt jene zum Tode.

Die Prognose ist im allgemeinen eine ungünstige, da der Verlauf der einen Ascites erzeugenden Krankheit gewöhnlich letal ist. Besserung erfolgt durch Resorption des Transsudates unter profusen Ausscheidungen, entweder durch die Nieren, durch den Darmkanal oder durch die Haut.

Nur bei fieberhaften Zuständen können wir mittelst Aconitum oder Bryonia oder Mercurius eine reichliche Transpiration hervorrufen, wonach sich dann, gemeinhin vorübergehend, die Transsudate vermindern. Wo keine Fieberregungen zugegen sind, da bedienen wir uns, um einen reichlichen, allgemeinen Schweiß hervorzubringen, des Dunstbades. Der Kranke wird nämlich in eine Badewanne gesetzt, die mit doppeltem Boden versehen ist. Der Boden, auf dem der Kranke sitzt, muß gut befestigt und mit zahlreichen Löchern versehen sein. Zwischen diesem und dem Boden der Badewanne wird eine angemessene Menge warmen Wassers von 36 °R ausgegossen. Die Wanne wird mit einem gut passenden Holzdeckel bedeckt, der mit einem Ausschnitt für den Kopf des Kranken versehen ist und mit warmen Wolldecken belegt wird. Durch die Löcher des zweiten Bodens, auf dem der Kranke sich befindet, entwickelt sich der Dampf, der den Körper dicht umgibt, wodurch ohne die geringste Belästigung eine sehr reichliche Transpiration eintritt. Der Kranke bleibt 20 bis 40 Minuten oder noch länger im Dunstbade, in dem er sich sehr behaglich und erleichtert fühlt. Nach Ablauf der für das Bad bestimmten Zeit wird er vorsichtig aus der Wanne gehoben, schnell abgetrocknet, in erwärmte Leintücher gehüllt und ins Bett gelegt, wo gewöhnlich die Transpiration noch mehrere Stunden anhält, worauf der Atem freier und auch die übrigen Krankheitssymptome gemildert werden. Diese Manipulation wird wiederholt, bis die Wassersucht, unter gleichzeitiger Anwendung einer roborierenden Kost, gänzlich verschwindet. Eine bequeme Möglichkeit, solche Bäder im Hause zu gebrauchen, ist durch das »Kreuz-Thermalbad« gegeben.

In anderen Fällen, wenn keine Erkältung stattgefunden hat, die Dyspnöe und der Katarrh infolge des Gebrauches der obengenannten Mittel sich gebessert haben und dennoch die Cyanose, die Ödeme und der Hydrops unverändert fortbestehen, ist der Seitendruck in den Unterleibsvenen zu groß und infolgedessen die Abnahme des Transsudates unmöglich. Dann versuche man Apocynum, Arsenicum, China, Nux vomica oder Sulfur, um vermehrte Darmsekretion zu erzielen, worauf Besserung eintritt. Lassen diese Mittel im Stich, so lasse man von einem Arzte Gummi gutti in der 1. Decimalverdünnung verordnen; hiervon 20 Tropfen in 60 g Wasser. Von dieser Solution alle 2 Stunden 2 Kaffeelöffel voll dem Patienten verabfolgt, bringen gewöhnlich schon am zweiten Tage reichliche Stuhlentleerungen hervor, die bei kräftiger Kost nicht schwächen und, 8 bis 10 Tage fortgesetzt, Ödeme und Ascites auffallend vermindern. Ist die Wirkung nicht genügend, so gebe man alle 2 bis 4 Stunden 2 Tropfen dieses Mittels auf Zucker oder in 1 Eßlöffel voll Wasser. Am gründlichsten (sagt Dr.  Kafka) zeigt sich die Wirkung dieser Behandlungsmethode beim Ascites, der infolge des Lungenemphysems eingetreten ist. Die Besserung ist freilich nur eine palliative, weil wir das Emphysem nicht zu heilen imstande sind.

Von Arzneien haben sich in einzelnen Fällen noch bewährt:

Apisinum – am besten Dilution D4 – (auch Prunus spinosa, Scilla und Terebinthina) bei Bauch- und Hautwassersucht; bei Nierenaffektionen mit sehr sparsamem Harn. – ( Apocynum siehe Seite 62.)

Arsenicum: Hauptmittel bei Ascites im Verlaufe von Lungen- und Herzleiden, auch bei der Wechselfieberkachexie (desgleichen bei Leberkrebs), wenn heftiger Durst, große Kraftlosigkeit und Engbrüstigkeit vorhanden sind; auch bei verminderter Harnabsonderung. Gewöhnlich tritt bald reichliches Urinieren und Abnahme der Geschwulst ein.

Aurum muriaticum: Bei Leber- und Herzkrankheiten, namentlich wenn sich sehr bald allgemeine Wassersucht entwickelt.

Cainca: Bei heftigem Spannen oder Reißen im Unterleibe, Kurzatmigkeit, hartnäckiger Harnunterdrückung, Aufgetriebenheit in der Lebergegend, ziehenden Schmerzen in den Nieren. Auch soll sie nach akuten Ausschlägen und Leberentzündungen wirksam sein.

China: Ein ganz vorzügliches Mittel bei Bauchwassersucht nach Aderlässen und sonstigem Blut- und Säfteverlust. Schweratmigkeit, lästiger Husten, Harnunterdrückung.

Digitalis: Ist von entschieden günstigem Erfolge, wenn bei der Bauchwassersucht ein länger bestehendes Herzleiden vorhanden und Lungenödem droht. Ähnlich Arsenicum, Helleborus, Kalium carbonicum.

Helleborus: Oft hilfreich bei Bauchwassersucht nach Scharlach mit zeitweiligem Kneipen im Leibe, ödematöser Haut- und Zellgewebsanschwellung, besonders an den Fußknöcheln, und Entleerung sehr geringer Mengen dunklen und trüben Harnes.

Lycopodium: Bauchwassersucht nach vorangegangener wassersüchtiger Anschwellung der Füße und Unterschenkel. Leberleiden, Stuhlverstopfung usw.

Mercurius solubilis: 2- bis 3stündlich 1 Gabe, wenn die Bauchwassersucht durch ein Leberleiden entstanden ist.

Da bei Wassersuchten die Reaktion sehr darniederliegt, so muß in dieser Krankheit von höheren Potenzen abgesehen werden; auch lasse man bald einen Wechsel der Mittel eintreten, wenn nicht nach einigen Tagen Besserung bemerkt wird.

Lediglich fachmännische Behandlung greift zur künstlichen Entleerung des Wassers, zur Punktion, die dann eine momentane große Erleichterung bringt, aber leider oft bald wiederholt werden muß. Nie wird mehr als die Hälfte des Transsudates entleert. Gewöhnlich nimmt nach der Punktion die Kraftlosigkeit des Patienten mit Riesenschritten zu, weil das Transsudat größtenteils sehr reich an Eiweiß ist. Die Wiederbildung der eiweißreichen Flüssigkeit bewirkt eine immer mehr zunehmende Verarmung der Blutmasse und erschöpft die Kräfte vollends. Sehr günstig wassertreibend wirkt der Gebrauch des Koemis Koetjing-Tees von Dr. Willmar Schwabe, Leipzig O 29 (3mal täglich 1 Tasse, zu der 1 Teelöffel Tee auf Wasser aufgebrüht wird).

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