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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 111
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Scharbock. Skorbut. Septische Blutkrase Blutzersetzung. Hämatosepsis

Der Skorbut ist eine Erkrankung, die auf fehlerhafte Ernährung zurückzuführen ist, also eine Inanitionskrankheit. In Gefängnissen, auf Schiffen, bei Expeditionen, überall da, wo die Beteiligten auf einseitige Konservennahrung angewiesen waren und Vitamine in der Nahrung fehlten, entwickelte sich Skorbut. Somit sind Ernährungsschäden und Mangel an Licht und Luft für diese Krankheit verantwortlich zu machen. Es hat sich gezeigt, daß durch hygienische Maßnahmen (Unterbringung der Kranken in hellen, luftigen Räumen, gute Kleidung, Körperpflege usw.) und vitaminreiche Ernährung (besonders geschabte rohe Mohrrüben, Apfelsinen, Zitronensaft) die Erkrankung schnell ausgeheilt wird. Die Erscheinungen sind:

Im ersten Zeitraume: Ungewöhnliche Mattigkeit, Schwere in den Füßen, Atmungsbeschwerden, Niedergeschlagenheit. Bleiches, gelbliches, aufgedunsenes Gesicht, mit blau-grünen Augenrändern. Bläuliche Lippenfarbe. Dunkelrote oder bleifarbene Flecken von der Größe der Linsen bis zu der einer Hand, besonders an den Waden, Schenkeln, Armen, am Unterleibe, höchst selten im Gesicht, Geschwulst um die Knöchel. Jucken, Anschwellen und leichtes Bluten des aufgelockerten und schwammigen Zahnfleisches, mit stinkendem Mundgeruche und fauligem Geschmacke. Verlangen nach grünen Gemüsen und säuerlichen Getränken. Der Puls ist weich, schwach, fieberlos.

Im zweiten Zeitraume: Verstärkung der bisherigen Zustände. Härte in den Muskeln, angeschwollene Kniegelenke, wie im Gliedschwamm, bis in die Knochen dringende Schmerzen in den Schenkeln, in den Lenden oder im Rücken und besonders auch am Kniegelenke. Schweratmigkeit, Bruststiche, Blutunterlaufungen. Eine stinkende Jauche absondernde Geschwüre an den Schenkeln und Waden. Brauner, trüber Urin. Blutungen des Zahnfleisches, Nasenbluten, Bluthusten, Blutbrechen, blutige Durchfälle, Blutharnen und andere Blutflüsse, wobei ein entartetes, schwarzes, aufgelöstes Blut entleert wird. Brandigwerden des Zahnfleisches, Schwarzwerden, Wackeln und Ausfallen der Zähne, Zerbrechlichkeit der Knochen. Ohnmachten bei leichter Bewegung.

Im dritten Zeitraume: Äußerste, an Lähmung grenzende Schwäche, sehr große Atmungsbeschwerden, erschöpfende Blutflüsse, Lähmungen der Gliedmaßen, stinkende Atmosphäre um die Kranken; Auszehrung, Gelbsucht, Wassersucht, heftige Grade von Faulfiebern, mit nur wenig beschleunigtem Pulse. Tod.

Die Untersuchung des Blutes hat ganz verschiedene, ja sich widersprechende Resultate ergeben, und die Ansicht, daß ein Übermaß von Salzen (Natron) die Ursache dieser Blutentartung sei, hat sich nicht bestätigt.

Der Blutfleckenkrankheit (Morbus maculosus Werlhofii) scheint allgemeine Schwäche, Verdünnung der Blutmasse, Schlaffheit der arteriellen und aufsaugenden Gefäße und venöse Beschaffenheit des Blutes zugrunde zu liegen. Sie kann als eine Modifikation des Skorbuts, und zwar für einen anfangenden Skorbut erklärt werden.

Die Symptome der Blutfleckenkrankheit sind: Es entstehen auf der Haut größere oder kleinere Flecken und Blutstriemen von bläulicher oder schwärzlicher Farbe, ohne Jucken, ohne Zeichen von Entzündung, ohne Schuppen- oder Borkenbildung. Sie verschwinden unter dem Drucke des Fingers nicht und vergehen ohne Abschuppung. Die Eruption (Durchbruch) geschieht nicht auf einmal, sondern allmählich, oft wochenlang hindurch. Das Zahnfleisch lockert sich auf, blutet, ebenso Blutungen aus anderen Teilen. Die Krankheit befällt oft junge Leute und verläuft meist günstig, kann aber auch gefährlich werden.

Die Behandlung des Skorbuts muß auf Entfernung sowohl seiner Gelegenheitsursachen, als aller ihn unterhaltenden oder verschlimmernden Schädlichkeiten gerichtet sein. Reine, frische, trockene, sauerstoffreiche Luft, reines, frisches Wasser, frische, besonders vegetabilische Nahrung (rohes Obst und Gemüse), fleißige Bewegung, heitere Gemütsstimmung. Zum Getränk sind Fruchtsäuren, Bier und Malztrank zu empfehlen. Die Bierhefe, äußerlich zu Umschlägen und zugleich innerlich alle Stunden 1 Eßlöffel voll genommen, soll spezifisch äußerst schnell den Scharbock heilen. Der Skorbut soll da weniger sich zeigen, wo das Wasser kalihaltig ist, man soll daher den Kranken Kalium carbonicum reichen. Bordeauxwein lobt man als Schutzmittel gegen Skorbut. Recht gutes Bier leistet dasselbe.

Die Homöopathie empfiehlt beim Skorbut: Acidum muriaticum, Acidum sulfuricum, Ammonium muriaticum, Ferrum muriaticum, Mercurius, Nux vomica, Staphisagria. Bei fauliger Blutentartung: Arsenicum. – Med.-Rat Dr.  Trinks will im Morbus maculosus Werlhofii Acidum sulfuricum als Spezifikum angewendet wissen. Auch uns hat dieses Mittel Vortreffliches geleistet, sowohl bei jüngeren, als auch bei älteren Personen.

Bei der Werlhofschen Blutfleckenkrankheit leistet Bryonia viel, wenn der Körper ganz mit Petechien überzogen ist. – Rhus Toxicodendron bei großer Mattigkeit, linsengroßen, bläulichen Flecken über den Körper, Blutungen aus Mund und Nase; oder Gesicht und Hände blutunterlaufen, wie nach einer Schlägerei. – Silicea, wo sich die Werlhofsche Blutfleckenkrankheit am Fuße zeigt. Außerdem sind noch zu empfehlen: Ferrum phosphoricum und Hamamelis.

In hochgradigen Fällen, zumal bei eintretenden Gefäßzerreißungen, wie solche z. B. sehr oft im Auge – mit zeitweiliger Blindheit des ergriffenen Auges – vorkommen, ist Phosphorus D4, in 2stündlichen Dosen, unentbehrlich. (Dr.  Stens.)

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