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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 108
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Schwär. Blutschwär. Furunculus. Follikular- oder Furunkularentzündung. (Karbunkel. Anthrax)

Die Follikularentzündung hat keinen typischen Verlauf, ist auf eine kleine umschriebene Stelle, gewöhnlich auf den Umkreis einiger Haar- und Talgfollikel, beschränkt, wird durch eine Infektion mit Staphylokokken verursacht und führt fast immer zur Eiterung. Der Furunkel oder Blutschwär ist eine auf eine scharf umgrenzte Stelle beschränkte Entzündung der Lederhaut (Cutis) und des Unterhautzellgewebes, die ein eiterig schmelzendes Faserstoffexsudat setzt. Beim Aufbruche des Eiterherdes wird neben flüssigem Eiter noch ein sog. Pfropf, größtenteils aus abgestorbenem Bindegewebe bestehend, ausgestoßen. Der Karbunkel unterscheidet sich vom Furunkel nur dadurch, daß er eine größere Stelle einnimmt, daß sich mehrere Eiterherde bilden und der brandige Zerfall des Gewebes ausgedehnter ist. – Anthrax oder Pustula maligna (Milzbrandpustel) besteht in einer heftigen, umschriebenen, phlegmonösen Hautentzündung mit rasch folgender Vereiterung, Verjauchung und Brand. Oben auf der Mitte des Entzündungsknotens erhebt sich die Epidermis als Brandblase, und das Exsudat im Innern nimmt eine brandige Beschaffenheit an.

Wir bedienen uns bei dem gewöhnlichen Blutschwär der Arnica, die entweder Zerteilung oder eine gutartige Eiterung herbeiführt. Zur Beförderung der Eiterung ist Hepar sulfuris ein vorzügliches Mittel. Ist die Umgebung sehr rot und schmerzhaft entzündet, dann ist Belladonna angezeigt; und wenn der Schwär mehr flach- als tiefsitzend ist, dann verabfolgen wir Mercurius solubilis Hahnemanni, auch mit Hepar sulfuris im Wechsel. Bei bläulicher Färbung der entzündeten Hautpartie wird Lachesis empfohlen. – Wir verabfolgen von dem angezeigten Mittel 8 bis 10 Tropfen in 6 Eßlöffel voll Wasser und lassen davon 1- bis 2stündlich 1 Eßlöffel voll nehmen. Wir fahren so lange mit der Darreichung der Gaben fort, bis der Schwär aufgeht, was gewöhnlich innerhalb einiger Tage geschieht.

Feuchtwarme Breiumschläge (Kataplasmata) von Leinsamen- oder Hafergrützabkochungen befördern oft das Aufkommen eines Abszesses. Findet jedoch eine Abszeßbildung in der Milchbrust statt, dann sehen wir von der Anwendung solcher Umschläge ab, da diese stets größere Partien der Brust in Mitleidenschaft zieht, wodurch der Verschwärungsprozeß größere Ausbreitung annimmt. Bei tiefsitzenden Eiterherden und da, wo die Oberhaut schwer einen Durchbruch des Eiters gestattet, muß rechtzeitig ein Einschnitt behufs Entleerung des Eiters gemacht werden.

Eine besondere Beachtung wegen ihres häufigen Vorkommens verdienen die Abszesse an den Fingern, der sog. Fingerwurm oder das Nagelgeschwür, siehe » Fingergeschwür«.

Der Karbunkel erfordert anfangs Arnica. Wir verabfolgen dieses Mittel (8 Tropfen in 6 Eßlöffel voll Wasser) 8 bis 10 Tage hindurch. Verzögert sich der Aufbruch des Karbunkels, dann verabfolgen wir dieses Mittel in 1 stündlichem Wechsel mit Hepar sulfuris. Später geben wir Silicea, besonders auch, wenn der Karbunkel auf der Knochenhaut aufsitzt. Bei Neigung zu brandigem Zerfall der Gewebe Arsenicum in Wasserauflösung, in 1stündlicher Wiederholung. Nach Wolf ist Apis das schnellste und sicherste Heilmittel bei Furunkeln und Karbunkeln. Es verwandelt bei Furunkeln, die zum Karbunkel hinneigen, die hier sich zuerst bildende jauchenartige Materie schnellstens in guten Eiter und verhütet dadurch den gefahrdrohenden jauchigen Übergang. Bei Anthrax ist besonders Arsenicum, Apis oder Lachesis zu empfehlen, und zwar in 1- bis 2stündlicher Wiederholung. Außerdem haben sich bei der Pustula maligna noch folgende Mittel bewährt:

Belladonna: Wenn sich an einer Stelle des Körpers ein helles Bläschen bildet, von dem aus sich ein heftiger Schmerz nach den benachbarten Teilen verbreitet. Muskeln und Zellgewebe schwellen rasch an. Das Bläschen wird blau, dann schwarz, und darunter werden die Weichteile durch Brand zerstört; doch bleibt das Corium (Lederhaut) in der Peripherie verschont.

Secale cornutum: Rotlaufartige Anschwellung, auf der ein Bläschen aufschießt, das nach wenigen Stunden zusammensinkt und einen Schorf bildet. Um diesen Brandschorf entsteht ein ringartiger Wall von Blasen, die oft die Größe einer Haselnuß erreichen, sich mit Blutwasser füllen und die darunterliegenden Weichteile zerstören. Das Corium schwillt an und wird am schnellsten vernichtet. Hierbei klagen die Patienten über Taubheit in den Gliedmaßen, Kribbeln in den Fingern und ein rasches Sinken der Kräfte.

Außer baldigst herbeizuholender sachkundiger Hilfe ist sehr große Aufmerksamkeit nötig, wenn sich dieses Leiden im Gesicht und besonders in der Nähe der Augen bildet, da hier furchtbare Zerstörungen vorkommen können. Reicht man jedoch die passenden Mittel gleich bei Entstehung der Geschwulst, so verhüten diese die Ausbildung des Karbunkels, nützen oft noch dann, wenn schon der Brand eingetreten ist, und erhalten das so sehr bedrohte Leben.

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