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Handbuch der Homöopathie

Adolph von Gerhardt: Handbuch der Homöopathie - Kapitel 100
Quellenangabe
typetractate
authorAdolph von Gerhardt
titleHandbuch der Homöopathie
publisherVerlag Dr. Willmar Schwabe
printrunZwölfte, vollständig neu bearbeitete Auflage
year1929
firstpub1869
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141110
projectid9f902f02
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Rückenmarksentzündung. Myelitis

Es ist dies eine nach den bisherigen Beobachtungen selten vorkommende Krankheit, die am häufigsten durch erlittene Gewalttätigkeiten am Rückgrat, seltener durch andere Ursachen entsteht. Die Krankheit tritt immer nur an einzelnen Stellen als Entzündungsherd auf und ist meist mit anhaltendem, gewöhnlich heftigem Fieber und mit unregelmäßigem Pulse verbunden. Es bestehen brennende Schmerzen in irgendeiner Gegend des Rückgrats, besonders im Lenden- und Halsteile, die weniger durch Berührung und Druck auf die Wirbelsäule als durch Bewegung und Beugung des Körpers sich erhöhen, ja oft unerträglich werden; dabei Hitze und Gefühl von Ameisenkriechen (Formicatio) längs des Rückgrats. Ferner werden nach dem Grade und dem verschiedenen Sitze der Entzündung Lähmungserscheinungen des einen, dann des anderen Beines, der Blase, des Mastdarmes mit Verhaltung oder unwillkürlichem Abgange des Stuhles und Urins, schmerzhafte Steifigkeit im Nacken, Schlingbeschwerden und krampfhafte Zusammenziehungen der Schlundmuskeln, öftere Zuckungen der Glieder, Krampf, Opisthotonus wahrgenommen; Schwäche und Lähmungszustände der Lungen, der Extremitäten, Kribbeln in den Fingern und Fieber. Der Verlauf der Myelitis ist gewöhnlich nicht so rasch wie jener der Gehirnhautentzündung; sie zerteilt sich entweder in 8 bis 14 Tagen unter Schweißen, Blutfluß aus den Mastdarmvenen usw. oder geht in Wassersucht, Verhärtung, Eiterung, Verschwärung über, von denen Lähmungen, Knochenfraß der Wirbel, Steifigkeit und Krümmungen des Rückgrats, Schwund der oberen und unteren Gliedmaßen, allgemeine Abzehrung mit Fieber die Folgen sind, die allmählich, sowie der Brand, den Tod herbeiführen. Bei der chronischen Entzündung sind gar keine Schmerzen vorhanden, es stellen sich indessen allmählich Lähmungen der Gliedmaßen, Störungen in den Verrichtungen der Harnblase und des Darmes ein. Bei jungen, skrofulösen, rachitischen und bei chlorotischen Individuen ist vor allem eine zeitige Erkennung der Erkrankung mit bald eingeleiteter Behandlung wichtig.

Therapie: Aconitum und Belladonna im Wechsel werden in akuten Fällen das Wesentlichste zur Beseitigung der Krankheit beitragen. Arnica im Wechsel mit einem der vorher genannten Mittel wird da angezeigt und von spezifischer Wirkung sein, wo eine Verletzung der Wirbelsäule die Ursache der Entzündung ist. Nux vomica in chronischen Fällen und bei lähmungsartiger Schwäche der Gliedmaßen und Stuhlverstopfung. Sonst verdienen noch Beachtung: Argentum nitricum, Calcium carbonicum, Cocculus, Ergotinum. Die im Verlaufe der Wirbelentzündung sich entwickelnde Myelitis erfordert zunächst Phosphorus oder Jodum zu ihrer Bekämpfung. Bei Erweichung und Abszeßbildung: Silicea oder Aurum. Wo rheumatische Ursachen dem Übel zugrunde liegen, besonders wenn Erkältung durch Nässe es verursacht haben sollte: Rhus Toxicodendron. Der Stuhlverstopfung wird am besten durch regelmäßig zu verabfolgende Klistiere begegnet. Abreibungen des Rückens mit kaltem Wasser sind oft sehr zweckmäßig und verhüten auch das häufig vorkommende Durchliegen. Man sorge aber für ganz glatte, faltenlose Unterlage. Auch ein gegerbtes Rehfell ist sehr empfehlenswert. Der Patient muß auf die behaarte Seite des Felles gelegt werden. Das Fell lege man nach dem Striche, also das Kopfende nach oben. Luft- oder auch Wasserkissen verdienen den Vorzug. Rote Körperstellen reibe man mit Lanolin ein, das sich selbst bei schon abgeschürften Hautstellen bewährt hat. Man wasche jedoch vorher die Stellen mit warmem Wasser und trockne dann gut ab. Man nehme nicht reines Lanolin, sondern verreibe es mit etwas Olivenöl zu einer geschmeidigen Salbe.

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