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Hand und Ring

Anna Katherine Green: Hand und Ring - Kapitel 41
Quellenangabe
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typefiction
authorAnne Kathrine Green
titleHand und Ring
publisherVerlag von Robert Lutz
seriesDetektiv-Gryce-Seríe
printrunFünfzehnte Auflage
year1921
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierzigstes Kapitel.

Gryce wußte recht gut, daß er keine leichte Aufgabe vor sich hatte. Mochte er selbst auch noch so fest von Orkutts Schuld überzeugt sein, der Welt gegenüber genügte das nicht. Es galt, den Beweggrund aufzuhellen, der den Rechtsanwalt zu der Missetat getrieben hatte, und ihn mit unumstößlicher Sicherheit darzulegen. Doch ließ der Detektiv den Mut nicht sinken. Er rief seine beiden Gehilfen zu sich, um mit ihnen über Mittel und Wege zu beratschlagen, die zum Ziele führen könnten.

Frau Klemmens muß jedenfalls in Orkutts Leben eine wichtigere Rolle gespielt haben, als sich bei einer so einfachen Frau vermuten läßt, begann er. Sollte ihr vielleicht eine unehrenhafte Handlung aus seiner früheren Zeit bekannt gewesen sein und sie dadurch Gewalt über ihn erlangt haben? Ist Ihnen nichts der Art zu Ohren gekommen?

Ich habe mit verschiedenen Leuten über den Rechtsanwalt gesprochen, entgegnete Byrd. Zu meinem Erstaunen hörte ich manches abfällige Urteil; er scheint sich keiner besonderen Zuneigung erfreut zu haben, aber seinen guten Ruf hat niemand angetastet. Dem weiblichen Geschlecht gegenüber soll er sehr zurückhaltend gewesen sein und niemals die Absicht bezeugt haben, sein Junggesellenleben aufzugeben, bis er Imogen Dare kennen lernte.

Sonderbar, murmelte Gryce. Wie lange wohnt Frau Klemmens wohl schon in hiesiger Stadt?

Seit fünfzehn Jahren.

Und Orkutt? – Wann ist er hergezogen?

Ungefähr um dieselbe Zeit wie sie.

Von wo kam er denn?

Aus einer Stadt in Nebraska.

Und sie?

Auch aus Nebraska, ob aber aus demselben Ort weiß ich nicht.

Das müssen wir erfahren, sagte Gryce. Wissen Sie nicht, Byrd, wo er seine Studien gemacht hat und ob er schon einen bedeutenden Ruf genoß, ehe er nach Sibley kam?

Ich glaube, er hat erst hier seine Praxis angefangen. Haben Sie nichts davon gehört, Hickory?

Ja, Herr Ferris sagte mir heute morgen, Orkutt habe den Anwaltsberuf erst hier ergriffen. Er soll früher Schullehrer in einem kleinen Orte im Westen gewesen sein. Als aber der Sohn des alten Stephan Orkutt starb, trat er an dessen Stelle hier bei seinem Onkel ins Bureau.

Der alte Orkutt war ein guter Anwalt.

Aber nichts im Vergleich zu seinem Neffen; dem ging gleich alles mit der größten Leichtigkeit von der Hand, in kürzester Zeit hatte er sich einen Namen gemacht.

Gryce versank in Nachdenken. Mich soll's nicht wundern, sagte er, wenn das Geheimnis, nach dem wir suchen, aus alter Zeit stammt, vielleicht noch von seinem Aufenthalt im Westen. Seit zehn Jahren legt Frau Klemmens jede Woche eine Summe Geldes in die Bank. Wo hat sie es her? Von Orkutt natürlich. Und wofür? Etwa als Bezahlung für sein Mittagessen? Nein, um ihr Schweigen zu erkaufen über einen Umstand, der geheim bleiben sollte.

Aber sie ist seit fünfzehn Jahren hier, und erst seit zehn Jahren machte sie die Einzahlungen.

Vielleicht war er im Anfang in seinen Mitteln zu beschränkt, um ihr größere Summen zu bieten.

So handelt es sich also darum, sein früheres Leben im Westen zu erforschen?

Das ist IhreAufgabe; die meinige soll indessen sein, über Frau Klemmens Näheres aus jener Zeit zu erfahren. Das verbindende Glied zwischen beiden wird sich dann von selbst ergeben. Orkutts letzte Worte: »alles um deinetwillen, Imogen,« müssen eine besondere Bedeutung gehabt haben.

Ohne Aufschub begab sich Gryce nach Orkutts Hause, um die Privatpapiere des Verstorbenen einer genauen Durchsicht zu unterwerfen und womöglich irgendeinen Hinweis auf das Vorleben des Verstorbenen zu entdecken. Aber seine Bemühung war umsonst. Auch in der Wohnung der Witwe war er nicht glücklicher. Aus ihren Briefen schöpfte er nur die Gewißheit, daß sie ihre Vergangenheit ängstlich vor aller Augen verhüllte, weil sie irgendein gefährliches Geheimnis barg.

Gryce blieb als letztes Auskunftsmittel jetzt nur noch übrig, Emilie Firman zu Rate zu ziehen, die einzige Person, von der er wußte, daß sie Frau Klemmens gekannt hatte, ehe diese nach Sibley kam. Zwar hatte Fräulein Firman schon vor dem Coroner alles ausgesagt, was sie wußte, aber Gryce war der Ansicht, kein Brunnen sei so leer, daß er nicht noch ein paar Tropfen Wasser hergebe, wenn man nur recht zu pumpen verstehe.

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