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Hand und Ring

Anna Katherine Green: Hand und Ring - Kapitel 24
Quellenangabe
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typefiction
authorAnne Kathrine Green
titleHand und Ring
publisherVerlag von Robert Lutz
seriesDetektiv-Gryce-Seríe
printrunFünfzehnte Auflage
year1921
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Ganz Sibley war in Aufregung. Die Große Jury hielt Sitzung, und der Mord der Witwe Klemmens stand auf der Tagesordnung. Die Beratung fand bei geschlossenen Türen statt, und draußen vor dem Gerichtsgebäude drängte sich eine dichte Menschenmenge, die unter allerlei Mutmaßungen und Meinungsäußerungen ungeduldig harrte, daß der Name des Angeklagten an die Öffentlichkeit dringen sollte.

Währenddessen war im Darlingschen Haus des Professors Tochter liebevoll um Fräulein Dare bemüht.

Imogen, flehte sie in zärtlicher Besorgnis, sage mir nur einWort, vertraue mir an, was dich so schwer bekümmert. Warum bist du heute früh mit Papa nach dem Gerichtshof gegangen und dann halbtot vor Unglück und Enttäuschung wiedergekommen? Sage es mir oder ich sterbe vor Angst. Seit jenem Tage, als du mir bei dem Hochzeitskleide halfst, lastet ein furchtbarer Druck auf deiner Seele; sprich es aus, das wird dir Erleichterung gewähren.

Laß mich, Helene, seufzte das unglückliche Mädchen, mein Kummer wird nicht durch Worte leicht. Es gibt Leiden, die der Mensch am besten allein trägt. Dein Weg ist sonnig und heiter, was weißt du von hoffnungslosem Seelenschmerz? Geh' und sei glücklich! Nur noch kurze Zeit, und ich weiß das Aergste. Habe Dank für deine Liebe, aber verlaß mich jetzt, vielleicht kann ich ruhiger werden.

In tiefer Betrübnis entfernte sich das junge Mädchen, und Imogen blieb allein in ihrer entsetzlichen Spannung und Qual.

Jetzt kam eine Botschaft.

Ein Herr ist unten und wünscht Sie zu sprechen, meldete der Diener.

Sie fand Orkutt im Empfangszimmer – ein Blick, und sie wußte alles.

Wer ist es? – keuchte sie.

Mansell! –

Mehrere Minuten lang lehnte Imogen schon in sprachlosem Schmerz am Fenster. Jetzt trat Orkutt zu ihr heran.

Hören Sie, Imogen! sagte er, ich muß eine Frage an Sie stellen, die der Antwort bedarf.

Sie wandte sich nach ihm um, stumme Verzweiflung im Blick.

Liegt es nach dem, was vorgefallen ist, noch im Bereich der Möglichkeit, hub er an, seine innere Bewegung gewaltsam niederkämpfend, daß von einer Heirat zwischen Ihnen und Craik Mansell die Rede sein kann, wie auch der Spruch der Geschworenen fallen mag?

Sie zuckte zusammen, als hätte eine rauhe Hand ihre schmerzhafte Wunde berührt.

Nein, klang es von ihren Lippen, wie können Sie fragen?

Orkutts verstörte Züge erhellten sich.

Dann darf ich Ihnen auch gestehen, sagte er, daß ich Sie nie heißer geliebt habe als heute, daß ich alles opfern würde, selbst meinen Stolz, um das Leid, das Sie erdulden, von Ihnen zu nehmen. Kann ich irgend etwas zu Ihrem Trost, Ihrer Beruhigung tun, Imogen, so sprechen Sie es aus.

Wollen Sie ihm eine Botschaft von mir überbringen? stammelte sie.

Selbst dazu bin ich bereit, erwiderte er düster.

O, rief sie, dann sagen Sie ihm, daß ich um den Unschuldigen zu retten, gezwungen war, den Schuldigen zu verraten, aber dabei auch meiner nicht geschont habe. Ich werde das Verhängnis teilen, dem er entgegengeht, und sollte es der Tod sein. Bringen Sie ihm diese Botschaft, seien Sie barmherzig!

Erst sagen Sie mir, was sie bedeutet, Imogen, rief Orkutt, sie mit wilden Blicken durchbohrend, wollen Sie sich das Leben nehmen?

Ich fühle, ich werde es nicht überstehen, sagte sie und preßte die Hand aufs herz.

Er starrte entsetzt vor sich nieder.

Und wenn er freigesprochen wird? fragte er in heiserm Ton.

Dann – werde ich versuchen, mein Geschick zu ertragen.

Das also ist die Wahl, vor die Sie mich stellen? Ich muß Sie zugrunde gehen sehen, oder den Mann befreien? – Sei es drum; ich will seine Sache führen und ihm die Freiheit verschaffen, wenn er selbst es zuläßt.

Ein Freudenstrahl blitzte in ihren Augen auf.

Und Sie werden meine Botschaft ausrichten?

Das kann ich nicht, wenn ich als sein Anwalt zu ihm komme.

So sagen Sie ihm doch, daß Imogen Dare Glück und Leben auf das Spiel setzt, um den Unschuldigen zu retten.

Ich will ihm berichten, wie Sie leiden, will ihm Ihr Mitgefühl kundtun.

Schon diese Zusage war für Imogen ein Trost; von der neuen, unerwarteten Hoffnung belebt, reichte sie Orkutt die Hand und murmelte ihren Dank für die versprochene Hilfe

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