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Hand und Ring

Anna Katherine Green: Hand und Ring - Kapitel 18
Quellenangabe
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typefiction
authorAnne Kathrine Green
titleHand und Ring
publisherVerlag von Robert Lutz
seriesDetektiv-Gryce-Seríe
printrunFünfzehnte Auflage
year1921
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Siebzehntes Kapitel.

Oho! wir sind also zu zweien. Das dachte ich mir gleich, als ich Sie in Buffalo zu Gesicht bekam!

Dieser Ausruf des Fremden riß Byrd aus seiner grenzenlosen Bestürzung. Er sah sich den Mann genauer an, der in Größe, Gestalt, Haar und Gesichtsfarbe das wahre Ebenbild dessen schien, den er so meisterlich dargestellt hatte. Jener ließ sich die Prüfung gleichmütig gefallen, er lächelte sogar.

Ich sehe, Sie erkennen mich nicht, sagte er.

Byrd fuhr unwillig zurück.

Was – Sie sind der Hans in allen Gassen – Brown!

Zu dienen; auch Frank Hickory genannt.

Bei diesem so unerwarteten Namen errötete Byrd vor Ueberraschung und Entrüstung.

Und Sie, fuhr der andere fort, sind wohl der Herr, der mir bei dieser Klemmensgeschichte behilflich sein sollte? Daran hatte ich gar nicht gedacht, sonst wäre ich Ihnen nicht hinderlich gewesen. Zwar, ich wollte die Sache lieber allein besorgen; – und das habe ich auch getan, wie Sie mir zugeben werden, falls Sie sich schon seit einiger Zeit an diesem Orte befinden.

Der selbstgefällige Hinweis auf einen Auftritt, bei dem dieser Mensch eine so unwürdige, kaum zu rechtfertigende Rolle gespielt hatte, erfüllte Byrd mit einem Widerwillen, den er nicht zu verbergen vermochte. Er warf einen vielsagenden Blick in den Wald hinaus und fragte in scharfem Ton:

Wußten Sie wirklich kein anderes Mittel, um sich von Craik Mansells Schuld zu überzeugen, als diese verächtliche Posse zu spielen? Sie haben sich die Liebe des Mädchens für jenen Mann zunutze gemacht, um sie in die Falle zu locken. Ihr Gewissen wird Ihnen ewig Vorwürfe machen.

Ueber das Gesicht des hartgesottenen Detektivs flog ein leichtes Rot der Scham, wie es Frank Hickorys Wangen wohl nicht eben häufig färbte.

Sie braucht es ja nicht zu erfahren, sagte er unwirsch und stieß mit dem Fuß gegen den Holzblock, auf dem er gesessen. Es war ein schlechter Streich, das gebe ich zu, aber unsereins darf nicht allzu zimperlich sein. Was nützt es auch, noch viel darüber zu klagen? Was geschehen ist, ist geschehen. Jedenfalls wissen wir beide jetzt, wer die Witwe Klemmens umgebracht hat.

Um Byrds Lippen zuckte es spöttisch. Ich dachte, Sie hätten schon früher keinen Zweifel darüber gehegt, bemerkte er. Waren Sie nicht vor kurzem ganz überzeugt, daß Valerian Hildreth der Täter sei?

Freilich, freilich, gab der andere gutmütig zu. Auch der Klügste gerät manchmal in die Irre, wenn er den Verbrechern auf ihren dunkeln Wegen folgt. Ich bekam zum Glück einen Wink mit dem Zaunpfahl, der mich auf die rechte Spur brachte – Sie vielleicht auch?

Wann erhielten Sie den Wink und von wem? fragte Byrd.

Hickory schlug die Arme unter, lehnte sich gegen die Hüttenwand und sah den Frager schweigend an.

Ja, sagte er endlich, da müßte ich doch zuerst wissen, ob wir gemeinsame Sache machen, oder ob Sie mich nur ausholen wollen, um dann auf eigene Rechnung weiterzuarbeiten.

Byrd hatte bisher seine ferneren Schritte noch nicht überlegt, er mußte einen Entschluß fassen. Schwer beunruhigt ging er in dem Raume auf und ab, was bei seinem völlig durchnäßten Zustand jedenfalls zweckmäßig war.

Den Ruhm, welchen Ihnen Ihr heutiges Unternehmen einbringt, mögen Sie allein ernten, entgegnete er nicht ohne Bitterkeit; ist aber jener Craik Mansell wirklich schuldig, so wird es wohl meine Pflicht sein, Ihnen zu helfen, die nötigen Beweise gegen ihn zu sammeln.

Gut, sagte Hickory, am Tische Platz nehmend, dann frisch ans Werk. – Sagen Sie mir vor allem, wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, gegen Mansell Verdacht zu schöpfen?

Byrd blieb vor ihm stehen. Sollte er ihm reinen Wein einschenken? Nein, er konnte sich nicht überwinden, nach dem was vorgefallen war, diesem Menschen gegenüber Imogen Dares Namen auch nur auszusprechen. –

Ich hielt Hildreth für unschuldig, versetzte er, und als ich überlegte, wer denn sonst der Täter sein könne, verfiel ich auf den unglücklichen Mann in Buffalo. Leider scheint sich meine Vermutung zu bestätigen.

Und mir hat ein abscheuliches altes Weib die richtige Fährte gewiesen. Sally Perkins nennt sich die Holde, glaube ich.

Ein altes Weib? – Byrd setzte sich ihm gegenüber. Was hat sie Ihnen anvertraut? Lassen Sie mich's wissen.

Gleich, gleich! Nur ist hier nicht gerade ein angenehmer Ort zu längerer Unterhaltung; zudem sind Sie ganz durchnäßt. Wir wollen's uns wenigstens etwas gemütlicher machen.

Geschäftig trug Hickory Holzstücke und trockene Reiser zusammen, die in der Hütte verstreut lagen, und bald prasselte ein lustiges Feuer auf dem Herde. Nun streckte er sich der Länge nach auf den Boden, zog eine wohlgefüllte Likörflasche heraus, reichte sie seinem Gefährten hin und sagte in bester Laune: So, jetzt machen Sie sich's auch gemütlich, und wenn Sie nichts dagegen haben, sagen Sie mir, wie Sie eigentlich an diesen Ort gekommen sind?

Byrd, der die behagliche Wärme durch seine erstarrten Glieder strömen fühlte, ward mitteilsamer und sagte:

Ich war zu dem Schluß gekommen, daß der Mörder der Frau Klemmens nicht auf der Straße, sondern durch die Hintertür entkommen sein müsse. Schon neulich fand ich den Pfad und die Hütte, und heute suchte ich sie wieder auf, um womöglich irgendein Anzeichen zu entdecken, daß der Flüchtling wirklich hier gewesen ist. Sein weiterer Weg durch den Wald auf die Landstraße und zu der Zwischenstation am Steinbruch bei Monteith, von wo er nach Buffalo zurückfuhr, ist mir schon völlig klar.

Hickory hörte aufmerksam zu und ließ sich den Weg genau beschreiben. Der Beweis, daß Craik Mansell hier gewesen ist, läßt sich vielleicht beibringen, sagte er trocken. Sehen Sie einmal hier den Haufen Tannenzweige in der Ecke; sie liegen noch gerade so, wie ich sie vorfand.

Die haben einem Mann als Kissen gedient; man meint noch den Abdruck der Gestalt in dem Staub am Boden zu sehen, rief Byrd und beugte sich nieder, um den Haufen zu betrachten. Die Zweige sind mit einem Messer abgeschnitten, fuhr er fort und nahm einen in die Hand; hier an der Rinde sind ein paar schwarze Haare hängen geblieben: er hat nicht einmal daran gedacht, sein Taschentuch unter den Kopf zu breiten.

Hickory lachte. Sie verstehen Ihr Geschäft, wie ich sehe. Nun kommen Sie einmal hier an den Tisch, vielleicht bemerken Sie da auch etwas.

Byrd suchte lange, dann nahm er ein winziges Holzstückchen von der rohbehauenen Platte auf. Es war von einem Stift geschnitten, dessen blaue Farbe sich sogar erkennen ließ.

Hier sind noch mehr solche Abfälle, sagte Hickory: Steinhauer, Holzknechte und Kohlenbrenner spitzen sich selten Blaustifte, sollte ich meinen.

Haben Sie mir sonst noch etwas zu zeigen? fragte Byrd.

Nur noch diesen Zeitungsfetzen, den der Wind unter die Büsche geweht hatte. Vielleicht ist's ein Stück vom Buffalo-Tageblatt – wer weiß? Man muß einmal nachsehen.

Byrd blickte gedankenvoll vor sich hin. –

Das sind so allerhand Kleinigkeiten, sagte der andere, aus denen man seine Schlüsse zieht. Aber was haben Sie denn eigentlich in Buffalo erfahren?

Nicht viel. Ein gewisser Brown war mir überall im Wege, sowohl in Frau Harts Hause als in der Fabrik. Hätte mir Herrn Goodmans Töchterchen nicht erzählt, daß Craik Mansell von Monteith aus an ihren Vater geschrieben, ich wäre fast so klug wieder fortgegangen wie ich kam. Es war der reinste Zufall.

Ich wußte gar nicht, daß mir's so gut gegangen war, lachte Hickory. Wäre ich meiner Sache gewiß gewesen, ich hätte, wie gesagt, einen andern Weg eingeschlagen; aber ich kannte Sie ja nicht. Die Wirtin bekam einen Todesschrecken, als ich ihr sagte, Sie seien ein Detektiv. Bei den Herren Chamberlain und Harrison gab ich mich zu erkennen, ließ mir alles mitteilen, was sie wußten, bat sie, gegen jedermann von der Sache zu schweigen und warnte sie davor, sich mit dem andern Mann einzulassen, welcher Mansells Spur verfolgte. Nach Goodmans Haus bin ich aber nicht gekommen.

Und was war denn schließlich das Ergebnis Ihrer Forschung in Buffalo? fragte Byrd.

O, ich erfuhr allerlei, lautete die Antwort. Erstens, daß Mansell am Tage vor der Mordtat abgereist war, um, wie er angab, mit einem Neuyorker Herrn über seine wunderbare Erfindung zu verhandeln. Zweitens, daß er gar nicht nach Neuyork ging, sondern am nächsten Abend mit seinem Modell wieder zurückkam und furchtbar elend und verstört aussah. Drittens, daß es schon seit einem Jahr sein Lieblingswunsch und sein größtes Streben gewesen ist, das Modell auszuführen. Er glaubt so felsenfest an seine Erfindung, daß er sein Herzblut darum gäbe, auch die Welt von ihrer Vortrefflichkeit überzeugen zu können. Dazu fehlt ihm aber das Geld, und er kann keinen Menschen finden, der genug Vertrauen in ihn setzt, um ihm die nötigen fünftausend Dollars vorzustrecken.

Fünftausend Dollars! Soviel beträgt ja gerade die Erbschaft seiner Tante, warf Byrd ein. Und viertens? –

Viertens? – nun als er am Mittwoch wieder in der Fabrik war, las zufällig einer der Herren aus der Zeitung die Mordgeschichte in Sibley vor; Mansell wurde weiß wie die Wand, und geriet so außer Fassung, daß er das Geschäft verlassen und nach Hause gehen mußte. Er sagte, die Schreckensnachricht habe ihn krank gemacht, auch schlich er umher wie ein Schatten: erst vorgestern kam er zum erstenmal wieder in die Fabrik. Auf die Todesnachricht hin hätte er zur Leichenschau und zum Begräbnis nach Sibley reisen sollen; er entschuldigte sich aber damit, daß er stark erkältet sei und Fieber habe. Zwar soll er an jenem Mittwoch die Stadt verlassen haben, gleich nachdem er die Nachricht erhielt; er kann aber nicht lang fortgewesen sein, denn gegen Abend lag er, wie gesagt, krank im Bette. Fünftens –

Nun fünftens?

Ja, das wird Ihnen schwerlich gefallen, da Sie so zartfühlend und bedenklich sind. Ich kramte etwas in Herrn Mansells Sachen und fand ein zusammengebundenes Päckchen Briefe von Damenhand – Liebesbriefe von Fräulein Dare natürlich, die ich mir die Freiheit nahm, etwas näher anzusehen. Da stellte sich denn heraus, daß der Ehrgeiz nicht die einzige Triebfeder des jungen Mannes war. Er hoffte von dem Erfolg seiner Maschine auch die Erfüllung seiner heißesten Liebeswünsche. – Sie sehen, meine Reise nach Buffalo war nicht ganz vergeblich.

Selbstgefällig blickte Hickory seinen Kollegen an. Bei Fräulein Dare fällt mir übrigens ein, fuhr er fort, daß ich Ihnen noch nicht gesagt habe, was ich von Sally Perkins weiß. Sie hätten das boshafte Weib nur sehen sollen, wie sie förmlich zitterte vor Freude darüber, das schöne stolze Mädchen ins Unglück zu stürzen. – Als die alte Hexe vor kurzem, es war am Tage vor dem Morde, im Walde war, um Kräuter zu suchen, hat sie auf einem Baumstumpf einen jungen Herrn neben einem Mädchen sitzen sehen, das sie kannte. Neugierig, was die beiden zu verhandeln hätten, versteckte sie sich im Gebüsch und lauschte auf das Gespräch. Der Herr sprach in höchster Entrüstung von der Selbstsucht und dem Eigensinn seiner Tante, und Fräulein Dare, statt ihn zu besänftigen, stimmte ihm völlig bei, bis er zuletzt voll Bitterkeit ausrief: »Es ist unerträglich. Sie brauchte mir nur die Summe vorzustrecken, die sie einst für mich bestimmt hat, dann wäre mir geholfen. Ich würde ihr Glück machen, so gut wie meines, und wir beide könnten einander angehören. Soll der Mensch nicht wahnsinnig werden, wenn er mit Händen greifen könnte, wonach er in dieser Welt einzig und allein trachtet, und ihm doch alles entrissen wird, selbst die letzte Hoffnung, auf die er noch baute.« Er war aufgesprungen; das Mädchen trat zu ihm, murmelte einige unverständliche Worte und schlug zornig mit der Faust gegen einen Baum. »Kennte ich nur Frau Klemmens,« rief sie dann, »ich ginge sogleich zu ihr, um sie zu bereden.« Das alles sah und hörte die alte Sally in ihrem Versteck; dann traten die Liebenden etwas abseits und flüsterten miteinander. Die Alte vernahm nur die bittenden Worte: »Nimm ihn doch, mir scheint das Leben weniger trübe, wenn du mir den einen Wunsch gewährst,« und des Mädchens Antwort: »Nein, nein, es ist ja doch alles vergebens; mein Ehrgeiz ist nicht geringer als der deine und das Schicksal ist nun einmal wider uns.« – Einen Moment hielt er ihre Hand in der seinen, dann entzog sie ihm dieselbe wieder. »Tu es nicht,« rief sie, »ich kann es nicht; warte wenigstens bis morgen.« – »Warum bis morgen?« – »Ueber Nacht wird leicht vieles anders« – und wieder schlug sie mit der Faust gegen den Baum wie in hellem Zorn. »Wohl wahr!« gab er zurück.

Ihr Wort ist in Erfüllung gegangen, fuhr Hickory fort, wie dies auch die alte Hexe mir gegenüber betonte: kaum vierundzwanzig Stunden später war Frau Klemmens eine Leiche, und Mansell Eigentümer der fünftausend Dollars, die er begehrte, um sich ein Vermögen zu erwerben und seine Braut heimzuführen.

Byrd hatte mit abgewandtem Gesicht dagesessen; jetzt stand er langsam auf. Sie wollen damit andeuten, das Mädchen habe jenen Mann zu dem Morde angestiftet? sprach er mit mühsam unterdrückter Bewegung. Davon will ich nichts hören; lassen Sie sich das gesagt sein, Hickory! – Wie kommt es denn aber, wenn ich fragen darf, daß die Alte ihre Weisheit nicht bei dem Zeugenverhör ausgekramt hat? Da wäre sie am Platze gewesen.

Sie meint, es gehöre nicht zu ihren Liebhabereien, mit dem Coroner und den Geschworenen etwas zu tun zu haben. Auch mir hatte sie nur so von ungefähr einen Wink zugedacht. Sie schob dies Briefchen unter meine Stubentür im Gasthaus und war fast die Treppe wieder hinuntergeschlichen, aber ich kam ihr zuvor und hielt sie fest. Nun mußte ich mich doch überzeugen, ob ihre Geschichte keine bloße Erfindung sei und habe zum Teil deshalb das Mädchen hierhergelockt.

Sie sind doch nicht ganz so schlecht, als ich dachte, versetzte Byrd. Mir ist nur ein Rätsel, wie Sie es überhaupt zu dieser Zusammenkunft gebracht haben.

Das war kein Kunststück. Als ich in Buffalo Mansells Papierkorb durchsah, fand ich einen Zettel an Fräulein Dare, welcher sie nach dieser Hütte bestellte, dem Ort, wo sie sich gewöhnlich trafen. Er war nicht abgeschickt worden und trug keine Unterschrift, aber für meine Zwecke erwies er sich doch als brauchbar. Den Zettel sandte ich ihr, das war alles.

Byrd staunte über den Gleichmut, mit dem er sprach. Sie sind ein würdiger Schüler des großen Gryce, sagte er.

Meinen Sie? rief jener geschmeichelt und hocherfreut. Ihre Hand, Kollege – was, Sie wollen sie mir nicht geben? – Aber wenn ich Ihnen verspreche, daß ich gegen jedermann schweigen will von dem, was sich hier zugetragen, selbst gegen unsern Chef – wie dann? – Das Geheimnis bleibt zwischen uns, das Mädchen soll nie erfahren, daß es nicht ihr Geliebter war, mit dem sie die Unterredung gepflogen hat.

Versprechen Sie das wirklich? fragte Byrd.

Mein Wort darauf, rief jener. Es liegen ja ohnedies genug Beweise vor, um den armen Menschen zu überführen. Hier meine Hand – der Vertrag ist besiegelt.

Byrd schlug schweigend ein in die dargebotene Rechte.

Der Regen hatte aufgehört, und sie schickten sich an, die Hütte zu verlassen. Merkwürdig, wie Sie Craik Mansell gleichen, sagte Byrd, den anderen nochmals von Kopf zu Fuß betrachtend, ich muß mich jetzt noch besinnen, mit wem ich eigentlich spreche. Wie man eine so täuschende Verkleidung zustande bringen kann, ist mir ein Rätsel.

Ja, lachte Hickory, das ist aber auch mein besonderes Fach, in dem ich Vorzügliches leiste. Diesmal war es nicht schwer, denn Mansell und ich sind einander im Wuchs wirklich sehr ähnlich, wie Sie bemerkt haben werden, als Sie uns in Buffalo zusammen sahen. Das brachte mich eigentlich zuerst auf den Gedanken, ihn darzustellen. Mein Gesicht hatte ich schon vorher dunkel gefärbt, und um die andern Nebensachen – Haar, Stimme, Bewegung, Kleidung – nachahmen zu können, brauche ich mein Modell nur fünf Minuten lang zu betrachten; obendrein kam mir heute auch noch das Gewitter zu Hilfe, es ließ sich ja nichts unterscheiden bei der Finsternis, und das Gesicht zu zeigen hatte ich sowieso nicht nötig.

Aber das wußten Sie doch nicht zum voraus! rief Byrd, der nicht begriff, wie ein Mensch um solchen Unternehmens willen seinen ganzen Ruf gefährden könne.

Ich verließ mich eben auf mein Glück und meinen Verstand – die haben mir schon oft gute Dienste geleistet. – Aber gesetzt auch, das Mädchen hätte mein Spiel durchschaut – was dann? Ein Weib wie sie schwatzt nichts aus.

Byrd fand hierauf keine Entgegnung; er überließ sich wieder den trüben Gedanken über Imogen Dare und die Enthüllungen, zu welchen sie auf so hinterlistige Weise veranlaßt worden war. Schweigend schritt er neben seinem Genossen hin, der sich wohl hütete, ihn in seinen Betrachtungen zu stören.

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