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Hand und Ring

Anna Katherine Green: Hand und Ring - Kapitel 16
Quellenangabe
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typefiction
authorAnne Kathrine Green
titleHand und Ring
publisherVerlag von Robert Lutz
seriesDetektiv-Gryce-Seríe
printrunFünfzehnte Auflage
year1921
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünfzehntes Kapitel.

Da man Valerian Hildreth nach seiner Verhaftung in Sibley allgemein für den Mörder der Frau Klemmens hielt, so konnte Byrd bei seiner Rückkehr die Nachforschungen ungehindert fortsetzen, ohne fürchten zu müssen, anderweitigen Verdacht zu erregen.

Bald hatte er festgestellt, daß an jenem verhängnisvollen Dienstag keine Person, die mit Craik Mansell Aehnlichkeit hatte, auf dem Bahnhof gesehen worden sei. Dies erregte sein Erstaunen, zumal auch seine Erkundigungen auf der Pferdebahn, welche doch seiner Ansicht nach der Täter zur Flucht benutzt haben mußte, gleichfalls ohne Erfolg blieben. Kein Schaffner erinnerte sich, daß in der letzten Woche auf der Endstation ein Mann eingestiegen sei, wie ihn Byrd beschrieb.

Nach dieser ersten Enttäuschung dachte er die Sache von einer andern Seite anzugreifen, sich nach Monteith zu begeben und die Fährte von dort aus zu verfolgen. Zuvor aber wollte er den Wald noch einmal durchstreifen, in welchem der Mörder nach verübter Tat zuerst Zuflucht gesucht haben mußte. Diesmal wählte er nicht wieder den Weg über den Sumpf hinter Frau Klemmens' Haus, sondern begann am entgegengesetzten Ende. Die Pferdebahn brachte ihn bis an den Saum des Waldes, und bald hatte er die Hütte auf der Lichtung erreicht. Jetzt untersuchte er auch den inneren Raum; ein paar Holzblöcke, ein Herd aus Backsteinen, auf dem noch ausgebrannte Kohlen lagen, Bank und Tisch, roh gezimmert, das war alles, was er enthielt. Als Byrd nun in der Lichtung umherspähte, entdeckte er hinter der Hütte einen verborgenen Pfad, der durch das Dickicht führte und zwar in einer entgegengesetzten Richtung von der bisher eingeschlagenen. Bergauf, bergab zog sich der schmale Weg in vielfachen Windungen hin, bis er sich endlich in einer mit Blaubeerkraut bestandenen, offenen Stelle des Gehölzes verlor. Erst nach längerem Suchen fand Byrd in dem dichten Gebüsch, das den Platz umgab, einen engen Durchgang, der sich an einer Felsenkante hinschlängelnd, tiefer in den Wald hineinführte und zuletzt in einen breiten Holzweg mündete.

Der Wanderer stand still; sollte er sich nach rechts oder links wenden? Nach einigem Ueberlegen entschloß er sich, den steinichten Weg, der wohl nur zur Holzabfuhr benutzt wurde, nach rechts weiter zu verfolgen, wo sich die Spuren von Wagenrädern, Pferde- und Ochsenhufen kreuzten. Bald gelangte er ins Freie und erkannte, daß er sich auf einer Anhöhe befand, von der man das Tal überblickte, in welchem Monteith lag. In etwa einer halben Stunde mußte er auf der Landstraße die kleine Zwischenstation erreichen können, die hauptsächlich von den Arbeitern im nahen Steinbruch benutzt wurde.

Byrd zweifelte nicht daran, daß er jetzt die richtige Spur entdeckt habe. Auf diesem und auf keinem andern Weg mußte Mansell damals entkommen sein. Aber Mutmaßungen genügten ihm nicht mehr, er mußte Gewißheit haben. Rasch eilte er die Anhöhe hinab, um sich auf der Landstraße nach dem Bahnhof zu begeben, den er in geringer Entfernung vor sich sah. Da stieß er jedoch auf ein unerwartetes Hindernis; ein breiter Fluß, den er vom Gipfel des Hügels kaum bemerkt hatte, rauschte zu seinen Füßen und trennte ihn von der Straße. Erst nachdem er eine weite Strecke zurückgewandert war, fand er eine Brücke, die ihn ans andere Ufer brachte. Es war ein langer und mühseliger Weg, aber alle Beschwerde war vergessen, als er endlich an dem kleinen Bahnhof, dem Ziel seiner Forschung stand.

Eben war ein Zug abgegangen, der hier Anschluß hatte, und der Bahnwärter, im Augenblick unbeschäftigt, ließ sich gern mit Byrd in ein Gespräch ein.

Es steigen hier wohl nicht viele Leute in den Zug, außer den Steinhauern? fragte der junge Detektiv.

Man könnte sie an den Fingern herzählen, lautete die Antwort, höchstens alle Jubeljahre einer.

Dann wissen Sie vielleicht, ob ein junger Mann von dunkler Gesichtsfarbe, mit großem Schnurrbart kürzlich von hier nach Monteith gefahren ist. Er muß in ziemlich erregter Gemütsverfassung gewesen sein; wahrscheinlich hatte er einen grauen Ueberzieher an.

Der Blick des Alten erhellte sich.

Ja, ja, ich erinnere mich; er sah stark gerötet aus und trug einen merkwürdig geformten Sack so vorsichtig, als wäre es ein Kind; ich sah ihn schon, ganz in Gedanken vertieft, auf der Straße herkommen; er fiel mir gleich auf. Was ist denn los mit ihm?

Ach nichts. Seine Verwandten sind in Sorge. Er ist schwermütig und hat sich von zu Hause entfernt, ohne zu sagen wohin. Glauben Sie, daß Sie ihn nach seinem Bilde wieder erkennen würden?

Das will ich meinen. Es war der einzige Fremde, der an dem Nachmittag hier in den Zug stieg.

Wissen Sie noch, an welchem Tag es war?

Freilich, wir hatten gerade die große Ladung Steine fortgeschafft – am Dienstag war es.

Byrd atmete tief auf. Jener Sack enthielt gewiß das Modell der Maschine. Er hatte endlich gefunden, was er suchte, aber es war ein trauriger Triumph, den er feierte.

Besten Dank, sagte er; jetzt wird der Herr leicht aufzufinden sein. Hier ist auch sein Bild.

Er zog sein Taschenbuch heraus und zeigte dem Bahnwärter seine Skizze von Mansell, die ihn völlig naturgetreu darstellte.

Ja, ja, das ist er, rief der Alte. –

Alles weitere Fragen wäre überflüssig gewesen.

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