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Hammerschläge

Heinrich Lersch: Hammerschläge - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorHeinrich Lersch
titleHammerschläge
publisherVerlagshaus Bong & Co.
year1930
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071015
projectid0bb8b285
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Nun war ich Arbeiter

Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof.

Um Mitternacht fuhr der Zug, gegen sieben Uhr war ich in meiner Vaterstadt. Das Kistchen auf der Schulter, kam ich heim, ging gleich in die Werkstatt und packte die Arbeitsbrocken aus.

»Verdammt leer, ist denn gar nichts zu klopfen?« fragte ich enttäuscht.

»Wir haben einmal aus- und aufgeräumt!« lachte Paul, »heut oder morgen gibt es dicke Brocken, drei Teerdestillierkessel für Peter Genenger in Viersen! Fünf Meter lang, eins-komma-fünfzig Durchmesser. Ein Waggon Platten ist unterwegs!«

Vier Mann hoch kamen wir zu Mittag in die erstaunte Familie marschiert: Hein, Paul, Karl, Leo, der soeben seine Lehre als Kaufmann beendet und keine Lust hatte, länger Tapeten und Borden zu verkaufen.

»Die Platten sind schon bezahlt, die Böden sind bezahlt, die Nieten sind bezahlt, mein Gott, und nun kommst du heil wieder? Jetzt brauchen wir keinen Lohn für den versoffenen Kesselschmied, dem man nachlaufen muß und bitten, komm arbeiten!« Die Mutter fiel mit dem Gesicht auf den Tisch und weinte, weinte und schluchzte vor Glück. Dann stand sie auf, schüttelte mich an den Schultern und rief meinen Namen. Die Nachbarn kamen vom Flur herein, sahen den Vielgenannten und freuten sich mit der Mutter.

Am selben Nachmittag noch mußten wir mit Winden und Holz dem Wagen mit den Platten entgegenfahren, er war im Dreck stecken geblieben. Drei Pferde und 2000 Kilo, das war eigentlich Regel; aber vom Bahnbau her war die Straße noch mit Lehm bedeckt. Wir hoben die Räder, legten Eisenplatten unter und dann ging es mit dem Höhögebrüll von sechs Mann geradeaus den Hügel hinan. Das gab einen Klang, als die schon gerundeten Platten vom Wagen abgeworfen wurden. Der ganze nächste Tag ging mit Fahren und Winden vorüber, mit Abladen und Transportieren. Paul machte inzwischen die Vorzeichnerarbeit. Das war ein Gepolter und Gehämmer, die Stutzenlöcher wurden ausgekreuzt, die Nietlöcher mit der Duplexlochstanze an den Lang- und Rundnähten ausgestanzt. In drei Tagen war der erste Kessel zusammengeschraubt. Inzwischen hatte Paul nach dem gleichen Schema die andern vier Platten angezeichnet; Karl und ich stanzten, Leo verputzte die Löcher. Nun war auch Edgar, der Jüngste, gekommen, er brauchte noch nicht regelmäßig zu arbeiten, denn er sollte nicht Kesselschmied, sondern auch Kaufmann werden. Nun aber mußte er uns ein paar Wochen helfen.

Sogar der Vater betrug sich menschlich, er war ordentlich stolz auf die große Bestellung, die er »herausgemault« haben wollte, weil der Herr Genenger ein »alter Freund« von ihm war. Wir klopften ihm auf die Schulter und kauften ihm ein halb Pfund echten AB-Tabak, fragten ihn auch einmal nach Schmiedemethoden, die wir natürlich selber wußten; er warf sich in die Brust, als er unsere angebliche Dummheit hörte. »Sagen soll ich euch das? Ne! Sagen ist Luft! Ich mach euch das! Na, ihr Jungen, jetzt habt ihr den Alten nötig, jetzt kommt ihr gekrochen!«

Er nahm mich beim Ohr und zog mich aus Schmiedefeuer, erlegte nach alter Sitte einen Lehmklumpen auf die zu erwärmende Blechstelle und ließ mich den Helmstutzen auf die Richtplatte schmeißen. Dann krempte er mit wilden Schlägen den Bordflansch um, eine Hitze nach der anderen. »Da hat man noch keine Maschinen für, das muß man in der größten Fabrik noch von Hand machen? Hä, du vielgereister Fachmann, das lernst du auf keiner andern Bude hä! Das behalten die alten Schmiede für sich!«

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