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Hamlet, Prinz von Dännemark. (Übersetzer Wieland)

William Shakespeare: Hamlet, Prinz von Dännemark. (Übersetzer Wieland) - Kapitel 6
Quellenangabe
typetragedy
titleHamlet, Prinz von Dännemark. (Übersetzer Wieland)
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20157-3
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug.

Erste Scene.

(Ein Kirch-Hof.)

(Zween Todtengräber mit Grabscheitern und Spaten treten auf.)

1. Todtengräber. Kan sie denn in ein Christliches Begräbniß gelegt werden, wenn sie eigenmächtig ihre Salvation gesucht hat?

2. Todtengräber. Ich sage dir's ja, sie kan; mach also ihr Grab unverzüglich; die Obrigkeit hat es durch einen Commissarius und Geschworne untersuchen lassen, und gefunden, daß sie wie andre Christen begraben werden soll.

1. Todtengräber. Das kan nicht seyn, sie müßte sich denn zu ihrer Selbstvertheidigung ertränkt haben?

2. Todtengräber. So hat sich's eben befunden.

1. Todtengräber. Es muß se offendendo geschehen seyn, anders ist's nicht möglich. Denn da stekt der Knoten: Wenn ich mich selbst wissentlich ertränke, so zeigt das einen Actum an; ein Actus aber hat drey Zweige: Beginnen, thun und vollbringen; ergel, ersäufte sie sich selbst wissentlich.

2. Todtengräber. Nein, hört mich nur an, Gevatter – –

1. Todtengräber. Mit Erlaubniß; seht einmal, hier liegt das Wasser, gut; hier steht der Mann, gut: Wenn nun der Mann zu diesem Wasser geht und ertränkt sich, so muß er eben, woll' er oder woll' er nicht, dran glauben; gebt wol Acht auf das: Aber wenn das Wasser zu ihm kommt und ertränkt ihn, so ertränkt er sich nicht selbst; ergel, hat der, der keine Schuld an seinem eignen Tode hat, sich das Leben nicht selbst abgekürzt.

2. Todtengräber. Aber sagt das Gesez das?

1. Todtengräber. Sapperment, ja wohl, sagt es: Das müssen ja die Geschwornen verstehen, die es untersucht haben – –

2. Todtengräber. Willt du wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt? Wenn sie kein Gnädiges Fräulein gewesen wäre, sie würde gewiß ihre Lebtage in kein Christliches Grab gekommen seyn.

1. Todtengräber. Wie, du magst mir wol recht haben. Aber desto schlimmer, daß die vornehmen Leute in der Welt mehr Recht haben sollen, sich zu hängen oder zu ersäuffen als ihre Neben-Christen! Komm, meine Spate, her! es sind doch keine ältere Edelleute als Gärtner, und Todten-Gräber; sie haben ihre Profession von Adam her.

2. Todtengräber. War der ein Edelmann?

1. Todtengräber. Der erste, der jemals armirt gewesen ist.

2. Todtengräber. Wie so, das?

1. Todtengräber. Wie, bist du denn ein Heid? Verstehst du die Schrift nicht? Die Schrift sagt, Adam habe gegraben: Hätt' er graben können, wenn er keine Arme gehabt hätte? Ich will dir noch eine Frage vorlegen; wenn du mir die rechte Antwort darauf giebst, so bekenne – –

2. Todtengräber. Was ist's dann?

1. Todtengräber. Wer ist der, der stärker baut als Maurer und Zimmermann?

2. Todtengräber. Das ist der Galgen-Macher; denn dessen sein Gebäu überlebt tausend Innhaber.

1. Todtengräber. Dein Einfall gefällt mir nicht übel, in der That; der Galgen schikt sich wol: Aber wie schikt er sich wol? Er schikt sich wol für diejenigen die Uebels thun; nun thust du übel zu sagen, der Galgen sey stärker gebaut als die Kirche; ergel, mag sich der Galgen wol für dich schiken. Zur Sache, komm.

2. Todtengräber. Wer stärker baue als Maurer und Zimmermann?

1. Todtengräber. Ja, wenn du mir das sagen kanst, so will ich dich gelten lassen.

2. Todtengräber. Beym Element, nun kan ich dir's sagen.

1. Todtengräber. Nun, so sage – –

2. Todtengräber. Nein, Sakerlot, ich kan nicht.

(Hamlet und Horatio treten in einiger Entfernung von den Todtengräbern auf.)

1. Todtengräber. Gieb's lieber auf, dein Esel wird doch nicht schneller gehen, du magst ihn schlagen wie du willt; und wenn dich einer einmal wieder fragt, so sage, der Todtengräber. Denn die Häuser, die er macht, dauren bis zum jüngsten Tag: Geh einmal zum rothen Roß, und hol mir ein Glas Brandtwein.

(Der 2te Todtengräber geht ab.)

(Der erste Todtengräber gräbt und singt ein Liedchen dazu.)

Hamlet. Hat dieser Bursche kein Gefühl von seinem Geschäfte, daß er zum Grabmachen singen kan?

Horatio. Die Gewohnheit hat ihn so verhärtet, daß er bey einer solchen Arbeit gutes Muths seyn kan.

Hamlet. (Indem der Todtengräber immer singend einen Schedel aufgräbt.)
Dieser Schedel hatte einst eine Zunge, und konnte singen – – wie ihn der Schurke in den Boden hinein schlägt, als ob es Cains des ersten Mörders Kinnbaken wäre! und doch war der Schedel mit dem dieser Esel izt so übermüthig zu Werke geht, vielleicht der Hirnkasten eines Staatsmanns, eines von diesen Herren, die unserm Herrn Gott selbst einen Nebel vormachen möchten; nicht so?

Horatio. Es ist möglich, Gnädiger Herr – –

Hamlet. Oder eines Höflings, der sagen konnte: Guten Morgen, mein liebster Lord; wie befindet sich Euer Herrlichkeit? Es kan Milord der und der gewesen seyn, der Milord dessen seinem Pferd eine Lobrede halten konnte, wenn er's ihm gerne abgebettelt hätte; nicht so?

Horatio. Ja, Gnädiger Herr.

Hamlet. Nicht anders; und nun ist Milady Wurm von allen ihren Anbetern verlassen, und muß sich von eines Todtengräbers Spate aus dem Boden herausschlagen lassen. Hier ist eine hübsche Revolution, wenn wir den Verstand hätten sie zu sehen – – Hier ist ein andrer: Kan das nicht der Schedel eines Rechtsgelehrten gewesen seyn? Wo sind nun seine Quidditäten und Qualitäten? Seine Casus? Seine Tituls? Seine Ränke? Warum leidet er, daß ihn dieser grobe Geselle mit seiner kothigen Schaufel aus seiner Retirade herausklopfen darf, ohne eine Action gegen ihn anzustellen? – – Hamlet sezt im Original diese kühlen Betrachtungen noch länger fort, indem er sich vorstellt, daß es der Schädel eines reichen Landsässen gewesen sey; man hat es aber unmöglich gefunden, diese Stelle, deren gröster Nachdruk in etlichen Wortspielen besteht, zu übersezen; und man würde diese ganze Scene eben sogern ausgelassen haben, wenn man dem Leser nicht eine Idee von der berüchtigten Todtengräber-Scene hätte geben wollen. Ich muß mit diesem Burschen reden. Wessen Grab ist das, Bursche?

Todtengräber. Meines, Herr – – (er fängt wieder an zu singen.)

Hamlet. Ich denk' es ist dein, denn du lügst darinn.

Todtengräber. Und ihr lügt daraus, Herr, und also ist es nicht euers – (Hier folgen noch etliche elende Reden, wovon das sinnreiche in dem Wortspiel mit lie, welches Liegen und Lügen bedeutet, liegt.)

Hamlet. Ich frage, wie der Mann heißt, für den du das Grab machst?

Todtengräber. Ich mach es für keinen Mann, Herr.

Hamlet. Für was für eine Frau dann?

Todtengräber. Auch für keine Frau.

Hamlet. Wer soll dann darinn begraben werden?

Todtengräber. Eine die in ihrem Leben ein Weibsbild war, aber, Gott tröst ihre Seele! nun ist sie todt.

Hamlet. Was für ein determinierter Schurke das ist! In was für einer Sprache müssen wir mit ihm reden, daß er uns nicht mit Zweydeutigkeiten stumm mache? Bey Gott, Horatio, ich habe diese drey Jahre her beobachtet, daß die Welt so spizfündig worden ist, daß der Bauer seinen plumpen Wiz eben so hoch springen und so seltsame Gambaden machen läßt, als der wizigste von unsern Hofschranzen – – Wie lange bist du schon ein Todtengräber?

Todtengräber. Unter allen Tagen im Jahr kam ich an dem Tag dazu, da unser verstorbner König Hamlet über den Fortinbras Meister wurde.

Hamlet. Wie lang ist das?

Todtengräber. Könnt ihr das nicht sagen? Das kan ein jeder Narr sagen: Es war auf den nemlichen Tag, da der junge Hamlet auf die Welt kam, der närrisch wurde, und nach England geschikt worden ist.

Hamlet. Was, zum Henker! und warum wurde er nach England geschikt?

Todtengräber. Warum? weil er närrisch worden ist; er soll dort seine fünf Sinnen wieder kriegen; oder wenn er sie nicht wieder kriegt, so hat es dort nicht viel zu bedeuten.

Hamlet. Warum das?

Todtengräber. Man wird es nicht an ihm gewahr werden; denn dort sind die Leute eben so närrisch als er.

Hamlet. Wie wurde er dann närrisch?

Todtengräber. Auf eine gar seltsame Art, sagt man.

Hamlet. Wie so, seltsam?

Todtengräber. Sapperment, er wurde eben ein Narr, weil er seinen Verstand verlohr.

Hamlet. Aus was für einem Grund?

Todtengräber. Wie, hier, in Dännemark. Ich bin hier Todtengräber gewesen, von meinen jungen Jahren an bis izt, diese dreissig Jahre.

Hamlet. Wie lange kan wol ein Mensch in der Erde liegen, bis er verfault?

Todtengräber. Wenn er nicht schon faul ist, eh er stirbt (wie wir denn heut zu Tag manche Leichen haben, die kaum so lange halten, bis sie unterm Boden sind) so kan er euch acht bis neun Jahre dauren; ein Loh-Gerber dauert euch seine neun Jahre.

Hamlet. Warum ein Loh-Gerber länger als andre Leute?

Todtengräber. Warum, Herr? weil seine Haut von seiner Profession so gegerbt ist, daß sie das Wasser länger aushält. Denn es ist nichts das einem todten Körper eher den Garaus macht als Wasser. Hier ist ein Schedel, der nun bereits drey und zwanzig Jahre im Boden liegt.

Hamlet. Wessen war er?

Todtengräber. Es war ein vertrakter Bursche, dem er gehörte; wer denkt ihr daß es war?

Hamlet. Ich weiß es nicht.

Todtengräber. Daß die Pestilenz den Schurken! Er goß mir einmal eine Flasche mit Rheinwein über den Kopf. Dieser nemliche Schedel, Herr, war Yoriks Schedel, des Königlichen Hofnarrens.

Hamlet. Dieser?

Todtengräber. Dieser nemliche.

Hamlet. Ach der arme Yorik. Ich kannte ihn, Horatio, es war der kurzweiligste Kerl von der Welt; von einer unvergleichlichen Einbildungs-Kraft: Er hat mich viel hundertmal auf seinem Rüken getragen: Und nun, was für ein grausenhafter Anblik! Mein Magen kehrt sich davon um. Hier hiengen diese Lippen, die ich wer weiß wie oft küßte. Wo sind nun deine Scherze? Deine Sprünge? Deine Liedchen? Wo sind die schnakischen Einfälle, welche die Tafel mit brüllendem Gelächter zu erschüttern pflegten? Ist dir nicht ein einziger übrig geblieben, um über dein eignes Grinsen zu spotten? Nun geh mir einer in Mylady's Schlaf-Zimmer, und sag ihr; und wenn sie sich einen Daumen dik übermahle, so müß' es doch zulezt dazu mit ihr kommen – – Ich bitte dich, Horatio, antworte mir nur auf Eine Frage – –

Horatio. Was ist es, Gnädiger Herr?

Hamlet. Denkst du, Alexander habe auch so im Boden ausgesehen?

Horatio. Eben so.

Hamlet. Und so gerochen? Fy!

(Er riecht an dem Schedel.)

Horatio. Ja, Gnädiger Herr.

Hamlet. Zu was für einer unedeln Bestimmung können wir endlich herabsinken, Horatio! Können wir nicht in unsrer Einbildung Alexanders edlem Staube folgen, bis wir ihn an einem Ort finden, wo er ein Spund-Loch stoppt?

Horatio. Eine solche Betrachtung wäre gar zu spizfündig.

Hamlet. Nein, gar nicht, im geringsten nicht: Die Betrachtung ist ganz natürlich: Alexander starb, Alexander wurde begraben, Alexander wurde zu Staub; der Staub ist Erde; aus der Erde machen wir Laim; und konnte mit diesem Laim, worein er verwandelt wurde, nicht eine Bier-Tonne gestoppt werden? Und so kan der Welt-Bezwinger Cäsar eine Spalte in einer Mauer gegen den Wind gestoppt haben. Aber sachte! Sachte eine Weile – – da kommt der König – –

Zweyte Scene.

(Der König, die Königin, Laertes, und ein Sarg mit einem Trauer-Gefolge von Hofleuten, Priestern, u.s.w.)

Hamlet. Die Königin – – ein Gefolge von Hofleuten – – Was ist das, was sie begleiten? und warum mit so wenig Ceremonien? Das zeigt, daß die Leiche, so sie begleiten von jemand ist, der gewaltthätige Hand an sich selbst gelegt hat – – Es muß eine Person von Stande gewesen seyn – – wir wollen uns ein wenig entfernt halten und acht geben.

Laertes. Die übrigen Ceremonien?

Hamlet. Das ist Laertes, ein sehr edler junger Mann: gieb acht – –

Laertes. Die übrigen Ceremonien?

Priester. Ihre Obsequien sind so weit ausgedehnt worden, als wir ermächtigst sind; ihr Tod war zweifelhaft; und hätte der Königliche Befehl die Ordnung nicht übermocht, so sollte sie in einem ungeweihten Boden bis zum Schall der lezten Trompete ihr Lager gehabt haben; statt mildherziger Fürbitten sollten Scherben, und Kieselsteine auf sie geworfen worden seyn; nun wird sie mit jungfräulichen Ehrenzeichen, unter Gesang und Gloken-Geläut bestattet.

Laertes. Und ist das alles was gethan werden soll?

Priester. Es ist alles was gethan werden kan; es würde Entheiligung seyn, ihr ein requiem zu singen und ihr die lezte Ehre die nur Seelen die im Frieden abgeschieden sind, gebührt, zu erstatten.

Laertes. Legt sie in die Erde; und aus ihrem schönen und unbeflekten Fleisch mögen Violen hervorkeimen! Ich sage dir, hartherziger Priester, meine Schwester wird ein Engel des himmlischen Thrones seyn, wenn du heulend im Abgrund liegst.

Hamlet. Wie? die schöne Ophelia?

Königin. Das lezte lebe wohl, angenehme Schöne! Ich hoffte, du solltest meines Hamlets Weib werden; ich dachte einst dein Braut-Bette zu deken, holdes Mädchen, nicht dein Grab mit Blumen zu bestreuen.

Laertes. O dreyfaches Weh falle zehnfältig dreymal über das verfluchte Haupt, dessen gottlose That dich deiner schönen Vernunft beraubte. Haltet noch ein, bis ich sie noch einmal in meine Arme geschlossen habe. (Er springt in das Grab.) Nun werft euern Staub über den Lebenden und Todten, bis ihr aus dieser Ebne ein Gebürge gemacht habt, das den alten Pelion und den Himmelberührenden Olimpus übergipfle.

Hamlet, (der sich zu erkennen giebt.)
Wer ist der, dessen Schmerz sich so emphatisch ausdrukt? Dessen Trauer-Töne die irrenden Sterne beschwören und sie zwingen, von Erstaunen gefesselt, stille zu stehn und zu horchen? Der bin ich, Hamlet, der Dähne.

(Er springt in das Grab.)

Laertes. Der Teufel hole deine Seele!

(Er ringt mit ihm.)

Hamlet. Du betest nicht schön. Ich bitte dich, deine Finger von meiner Gurgel weg! – – Wenn ich gleich nicht splenetisch und jähzornig bin, so hab ich doch etwas gefährliches in mir, wovor du dich hüten magst, wenn du klug bist. Deine Hand zurük.

König. Reißt sie von einander – –

Königin. Hamlet, Hamlet – –

Horatio. Mein gnädigster Prinz, halltet euch zurük – –

(Die Umstehenden machen sie von einander loß.)

Hamlet. Was, ich will über diese Materie mit ihm fechten, bis meine Auglider nicht länger niken können.

Königin. O mein Sohn! was für eine Materie?

Hamlet. Ich liebte Ophelien; vierzigtausend Brüder könnten mit aller ihrer Liebe zusammen genommen die Summe der meinigen nicht aufbringen. Was willt du für sie thun?

König. O er ist rasend, Laertes – –

Königin. Um Gottes willen, habt Geduld mit ihm.

Hamlet. Komm, zeig mir, was du thun willt. Willt du weinen? Willt du fechten? Willt du fasten? Dich selbst zerfezen? Willt du Wein-Essig trinken, ein Crocodil verschlingen? Ich will es thun – – Kamst du nur hieher, zu weinen? Vor meinen Augen in ihr Grab zu springen? Laß dich lebendig mit ihr begraben; ich will es auch; und wenn du von Bergen schwazest, so laß sie Millionen Jaucharten auf uns werfen, bis die auf uns liegende Erde, den Ossa zu einem Maulwurfs-Hauffen macht! Wahrhaftig! Wenn du großsprechen willt, so kan ich das Maul so voll nehmen wie du.

Königin. Er spricht in tollem Muth, und so wird der Paroxismus eine Weile auf ihn würken; aber auf einmal wird, so geduldig als die weibliche Daube, eh ihre goldbehaarten Jungen ausgekrochen sind, sein Stillschweigen brütend sizen.

Hamlet. Hört ihr, Herr – – was ist die Ursache, daß ihr mir so begegnet? Ich liebte euch allezeit: Aber es hat nichts zu sagen. Laßt den Hercules selbst thun was er kan, die Kaze muß mauen und der Hund seinen Lauf haben – –

(Er geht ab.)

König. Ich bitte euch, guter Horatio, habet acht auf ihn. (Horatio geht ab.) (zu Laertes.) Stärket eure Geduld durch unsre lezte Abrede. Wir wollen uns nicht länger säumen, die Hand an die Ausführung zu legen – – Liebe Gertrude, gebet eurem Sohn einige Hüter zu – – Dieses Grab soll ein würdiges Denkmal bekommen – – Und nun wollen wir unsrer Ruhe eine Stunde schenken.

(Sie gehen ab.)

Dritte Scene.

(Verwandelt sich in eine Halle im Palast.)

(Hamlet und Horatio treten auf.)

Hamlet erzehlt seinem Vertrauten, auf was Weise er den Inhalt der königlichen Commission, womit Rosenkranz und Güldenstern beladen waren, entdekt und vereitelt habe. Da diese ganze Scene nur zur Benachrichtigung der Zuhörer dient, so wären zwey Worte hinlänglich gewesen, ihnen zu sagen was sie ohnehin leicht erraten könnten. Hamlet hatte Ursache ein Mißtrauen in die Absichten des Königs bey seiner Versendung nach England zu sezen. Er schlich sich also während daß die beyden Gesandten schliefen, in ihre Cajute, fingerte ihr Pakett weg, zog sich damit in sein eigenes Zimmer zurük, erbrach das königliche Sigel und fand einen gemeßnen Befehl an den Englischen König, vermöge dessen dem Hamlet sobald er angelangt seyn würde, der Kopf abgeschlagen werden sollte – – Er stekte dieses Papier zu sich, und sezte sich hin, eine andre Commission zu schreiben, worinn der König aufs ernstlichste beschwohren wurde, so lieb ihm die Freundschaft Dännemarks (von welchem England damals abhängig war) sey, die Ueberbringer dieses Schreibens unverzüglich aus dem Wege räumen zu lassen. Zu gutem Glüke hatte er seines Vater Signet in der Tasche; und zu noch grösserm Glük war es dem grossen dähnischen Sigel vollkommen gleich; er faltete also dieses Schreiben eben so wie das erste, unterschrieb und sigelte es, und legte es so geschikt an die Stelle des andern, daß Rosenkranz und Güldenstern die Verwechslung nicht gewahr wurden, und also bey ihrer Ankunft in England wie Bellerophon, ihr eigenes Todesurtheil überlieferten. Horatio findet hiebey bedenklich, daß dieser mißlungene Ausgang des Königlichen Bubenstüks nicht lange verborgen bleiben könne. Hamlet beruhigst sich hierüber daß doch die Zwischen-Zeit sein sey, und nicht mehr als ein Augenblik erfordert werde, dem Leben eines Menschen ein Ende zu machen. Indessen bedaurt er, daß er sich durch den Affect habe hinreissen lassen, den Laertes zu beleidigen, und nimmt sich vor, daß er sich bemühen wolle, seine Freundschaft wieder zu erlangen. Man kan hieraus schliessen, daß Hamlet Absichten gegen den König gehabt habe; es war aber doch nichts bestimmtes, kein Entwurf, wobey er sich seiner eignen Sicherheit und eines glüklichen Ausgangs hätte versichert halten können – – Hamlet soll und will seinen Vater rächen – – Dieser Wille beherrscht ihn vom ersten Actus des Stüks bis zum Ende, ohne daß er jemals selbst weiß, oder nur daran denkt wie er dabey zu Werke gehen wolle – – Allein wir haben längst gesehen, daß die Anlegung der Fabel, die Verwiklung und die Entwiklung derselben gerade die Stüke sind, worinn unser Poet schwerlich jemand unter sich hat. Indessen gefällt doch dem Englischen Parterre kein Stük ihres Shakespears mehr als dieses. Man sollte sagen, es simpathisiere mit ihnen. Der Humor des Hamlet (Denn das was ihn in dem ganzen Lauf des Stüks beherrscht, ist viel weniger Leidenschaft als Laune,) diese kalte, raisonnirende oder richtiger zu reden, phantasirende Melancholie, die nur dann und wann in plözliche und eben so schnell wieder sinkende Wind-Stösse von Leidenschaft ausbricht, diese Gleichgültigkeit gegen sein eigens Leben, welche das grosse Vorhaben der Rache, wovon seine Seele geschwellt ist, dem ungefehren Zufall überlaßt, und es nicht der Mühe werth hält einen Plan anzulegen oder Präcautionen zu nehmen, um nicht selbst in den Fall seines Feindes verwikelt zu werden – – Alles dieses sind Züge, worinn Engländer ihr eignes Bild zu sehr erkennen, um nicht weit stärker davon interessiert zu werden, als durch die idealischen Charakters und die starken soutenierten Leidenschaften der Helden des Corneille. Shakespears Helden, zumal seine Lieblings-Helden, sind alle Humoristen, und vermuthlich ist dieses eine Haupt-Ursache, warum ungeachtet Sprache, Sitten und Geschmak sich seit seiner Zeit so sehr verändert haben, dieser Autor doch für seine Landsleute immer neu bleibt, und etwas weit anzügelichers für sie hat, als alle die neuern, welche nach französischen Modellen gearbeitet haben.

Vierte Scene.

(Oßrik des Königs Hofnarr, kommt dem Hamlet zu melden, der König habe eine Wette mit Laertes angestellt, daß ihm Hamlet im Fechten überlegen sey. Diese Scene ist mit der unübersezlichen Art von Wiz, Wortspielen und Fopperey angefüllt, worinn unser Autor seine damaligen Rivalen eben so weit als an Genie und an wahren Schönheiten hinter sich ließ. Nach einem langen Ball-Spiel mit Wiz, unter welchen einige Satyrische Züge gegen die gezwungene und precieuse Hof-Sprache der damaligen Zeit mit einlauffen, fertigt Hamlet den Narren mit der Antwort an den König ab, daß er auf der Stelle bereit sey, den Wett-Kampf mit Laertes zu unternehmen. Bald darauf tritt ein Herr vom Hofe auf, und kündigt an, daß der König, die Königin, und der ganze Hof im Begriff seyen zu kommen und dem Wett-Kampf beyzuwohnen. Er sezt hinzu: Die Königin ersuche den Prinzen, vor Anfang des Gefechts sich eine Weile mit Laertes auf einen freundschaftlichen Fuß zu unterhalten. Hamlet verspricht es zu thun, und der Höfling geht ab.)

Horatio. Ich besorge ihr verliehret die Wette Gnädiger Herr.

Hamlet. Ich glaub es nicht; ich bin, seit dem er nach Frankreich gieng, in beständiger Uebung gewesen, ich halte mich des Siegs gewiß. Aber du kanst dir nicht vorstellen, wie übel mir allenthalben hier ums Herz ist – – Allein das hat nichts zu bedeuten.

Horatio. Ich denke nicht so, mein liebster Prinz.

Hamlet. Es ist nichts, blosse Kinderey; und doch wär es vielleicht genug, um ein Weibsbild unruhig zu machen.

Horatio. Wenn euch euer Herz eine geheime Warnung giebt, so folgt ihm. Ich will ihnen entgegen gehen, und sagen, ihr seyd izo nicht disponiert.

Hamlet. Nein, nein, ich halte nichts auf Ahnungen; die Vorsehung erstrekt sich bis über den Fall eines Sperlings. Ist es izt, so ist es nicht ein andermal; ist es nicht ein andermal, so ist es izt; und ist es nicht izt, so wird es ein andermal seyn – – Alles kommt darauf an, daß man bereit sey.

Fünfte Scene.

(Der König, die Königin, Laertes und eine Anzahl Herren vom Hofe, Oßrik und einige Bedienten mit Rappieren und Fecht-Handschuhen. Ein Tisch und Flaschen mit Wein darauf.)

König. Kommt, Hamlet, kommt, und nemmt diese Hand von mir. (Er giebt ihm des Laertes Hand.)

Hamlet. Ich bitte um eure Vergebung, mein Herr, ich habe euch bleidiget; aber vergebet mirs und versichert mich dessen als ein Edelmann. Alle Gegenwärtigen wissen, und ihr müßt es gehört haben, mit was für einer unglüklichen Gemüths-Krankheit ich gestraft bin. Was ich gethan habe, das in euch Natur, Ehre und Rache gegen mich aufreizen möchte, hat, ich erklär' es hier öffentlich, meine Raserey gethan; Es war nicht Hamlet der euch beleidigte – – Hamlet war nicht er selbst, da er es that, er verabscheut die That seiner Raserey; sie ist der Beleidiger, er auf der Seite der Beleidigten; seine Raserey ist des armen Hamlets Feind. Laßt also meine feyerliche Erklärung daß ich keinen Vorsaz hatte, übels zu thun, mich so fern in euern edelmüthigen Gedanken frey sprechen, als ob ich meinen Pfeil über ein Haus geschossen, und meinen Bruder verwundet hätte.

Laertes. Ich bin befriedigt, in so fern ich Sohn und Bruder bin, Namen, die in diesem Fall mich am meisten zur Rache auffordern; Aber als ein Edelmann, kan und will ich keine Versöhnung eingehen, bis ich von einigen ältern und bewährten Richtern dessen was die Ehre fodert, die Versicherung erhalten habe, daß ich es ohne meinen Namen zu entehren thun könne. Inzwischen nehme ich, bis dahin, eure angebotene Freundschaft als Freundschaft an, und will sie nicht mißbrauchen.

Hamlet. Ich bin zufrieden, und auf diesen Fuß bin ich bereit, diesen freundschaftlichen Wett-Kampf zuversichtlich zu bestehen. Gebt uns die Rappiere.

Laertes. Kommt, eins für mich.

Hamlet. Ich werde eure Folie seyn, Laertes; eure Kunst wird aus meiner Unwissenheit desto feuriger hervorstralen, wie ein Stern aus der Finsterniß der Nacht; in der That.

Laertes. Ihr scherzet, mein Herr.

Hamlet. Nein, bey dieser Hand.

König. Gebt ihnen Rappiere, Oßrik. Hamlet, ihr wisset, worauf ich gewettet habe?

Hamlet. Ich weiß es, Gnädigster Herr; Eure Majestät hat sich in Gefahr gesezt, zu verliehren.

König. Ich besorge nichts; ich habe euch beyde fechten gesehen, weil er aber indessen stärker worden ist, so haben wir das Gewette angestellt.

Laertes. Dieses Rappier ist zu schwer, laßt mich ein anders sehen.

Hamlet. Das meine ist mir ganz recht; diese Rappiere haben alle die rechte Länge.

König. Füllt mir diese Dekel-Gläser mit Wein! Wenn Hamlet den ersten oder zweyten Stoß beybringt, oder bis zum dritten sogleich erwiedert, so laßt alle Canonen loßfeuren; der König wird auf Hamlets bessern Athem trinken, und in den Becher soll eine Perle geworfen werden, reicher als die kostbarste die jemals ein dänischer König in seiner Crone getragen hat. Gebt mir die Becher: Und laßt es die Kessel-Pauken den Trompeten kundmachen, die Trompeten den Canonieren draussen, die Canonen dem Himmel, die Himmel der Erde, daß der König auf Hamlets Gesundheit trinke – Komt, fangt an, und ihr Herren Richter, habt gute Acht.

Hamlet. Kommt dann, mein Herr.

Laertes. Wohlan, Gnädiger Herr – –

(Sie fechten.)

Hamlet. Einer – –

Laertes. Nein – –

Hamlet. Thut den Ausspruch – –

Oßrik. Ein Stoß, und das ein ziemlich fühlbarer.

Laertes. Gut – – Noch einmal – –

König. Haltet ein – – zu trinken! Hamlet, diese Perle ist dein – – Auf deine Gesundheit! – – Gebt ihm den Becher – –

((Trompeten und Pauken und mit Salve von Geschüz.)

Hamlet. Ich will diesen Gang erst ausfechten – – Sezt ihn indessen hin – – (sie fechten) – – Wohlan – – wieder einen Stoß – – was sagt ihr?

Laertes. Gestreift, gestreift, ich gesteh' es.

König. Unser Sohn wird gewinnen.

Königin. Er ist zu fett und von zu kurzem Athem. Hier Hamlet, nimm mein Schnupftuch und wische dir die Stirne – – Die Königin trinkt dirs zu, Hamlet, auf dein gutes Glük! – –

((Sie trinkt aus dem Becher, der für Hamlet bestimmt war.)

Hamlet. Gütige Mutter – –

König. Gertrude trinkt nicht – –

Königin. Ich will, mein Herr; ich bitte euch um Vergebung.

König (vor sich.)
Es ist der vergiftete Becher; nun ist's zu spät – –

Hamlet. Ich darf noch nicht trinken, Gnädige Frau; eine kleine Geduld – –

Königin. Komm, laß mich dein Gesicht abwischen.

Laertes. Diesesmal will ich ihm gewiß eins anbringen.

König. Ich glaub es nicht.

Laertes (bey Seite.)
Und doch ist es fast gegen mein Gewissen.

Hamlet. Kommt, den dritten Gang, Laertes; ihr tändelt nur; ich bitte euch, gebraucht euch eurer äussersten Stärke; ich sorge ihr wollt mich nur zu sicher machen.

Laertes. Sagt ihr das? Wohlan dann.

(Sie fechten.)

Oßrik. Es hat noch keiner nichts – –

Laertes. Da habt es dann – –

((Laertes verwundet Hamleten; hernach verwechseln sie in der Hize des Gefechts die Rappiere, und Hamlet verwundet den Laertes.)

König. Trennet sie, sie gerathen in Hize.

Hamlet. Nein, noch einmal – –

Oßrik. Seht zu der Königin hier, ho!

Horatio. Sie bluten beyde – – Wie geht's euch, Gnädigster Herr?

Oßrik. Wie steht's um euch, Laertes?

Laertes. Wie eine Schneppe in meiner eignen Schlinge, Ossrik; billig sterb' ich durch das Werkzeug meiner schnöden Verrätherey.

Hamlet. Was macht die Königin – –

König. Es ist nur eine Ohnmacht, weil sie Blut gesehen hat.

Königin. Nein, nein, der Trank, der Trank – – O mein theurer Hamlet! der Trank, der Trank – – Ich bin vergiftet – –

(Die Königin stirbt.)

Hamlet. O Abscheulichkeit! he! laßt die Thüren verrigelt werden: Verrätherey! wer ist der Thäter – –

Laertes. Hier ist er; Hamlet, du bist des Todes, kein Arzneymittel in der Welt kan dich retten. Du hast für keine halbe Stunde mehr Leben in dir, das verräthrische Werkzeug ist in deiner Hand, ohne Knopf und vergiftet; der schändliche Kunstgriff ist mein eignes Verderben worden. Sieh, hier lieg ich, um nicht mehr aufzustehen; deine Mutter ist vergiftet; ich kan nicht mehr – – Der König, der König hat die Schuld.

Hamlet. Und diß Rappier auch vergiftet? Nun, Gift, so thu was du kanst – –

(Er ersticht den König.)

Alle. Verrätherey! Verrätherey!

König. O helft, meine Freunde, vertheidiget mich, ich bin nur verwundet – –

Hamlet. Hier, du blutschändrischer, mördrischer, verdammter Dähne, trink diesen Becher aus – – ist die Perle hier? Folge meiner Mutter – –

(Der König stirbt.)

Laertes. Er hat empfangen was er verdient hat. Er selbst mischete das Gift. Laß uns einander verzeihen, edler Hamlet; mein und meines Vaters Tod komme nicht über dich, noch deiner über mich!

(Er stirbt.)

Hamlet. Der Himmel mög' ihn dir nicht zurechnen! Ich bin des Todes, Horatio – – Unglükliche Königin, Adieu! – – Ihr, die ihr mit erblaßten Gesichtern umhersteht, und vor Entsezen über diesen Vorfall zittert; ihr, die ihr nur die stummen Personen oder die Zuhörer bey diesem Trauerspiel seyd – – hätte ich nur Zeit – – aber der Tod liegt zu hart auf mir – – oh, ich könnte euch Dinge sagen – – laß es seyn! – – Horatio, ich sterbe; du lebst, dir überlaß ich meine Ehre und meine Rechtfertigung bey den Unberichteten.

Horatio. Das glaubt nicht, daß ich leben werde – – Ich bin mehr ein alter Römer als ein Dähne – – Hier ist noch von dem Trank übrig.

Hamlet. Wenn du ein Mann bist, so gieb mir den Becher; laß gehen; beym Himmel, ich will ihn haben. O mein redlicher Horatio, was für einen verwundeten Namen, werd' ich bey diesen Umständen hinter mir lassen! Wenn du mich jemals in deinem Herzen getragen hast, so verbanne dich selbst noch eine Weile von der Glükseligkeit, und schleppe dich noch so lange in dieser mühseligen Welt, bis du mein Andenken gerechtfertiget hast. (Man hört einen Marsch und bald darauf ein Salve hinter der Scene.) Was für ein kriegrisches Getöse ist das?

Sechste Scene.

(Oßrik tritt auf.)

Oßrik. Der junge Fortinbras, welcher siegreich von Pohlen zurük kommt, beehrt die Abgesandten von England mit diesem kriegerischen Gruß.

Hamlet. O ich sterbe, Horatio; die Stärke des Gifts überwältigt meinen Geist: Ich kan nicht so lange leben, die Nachrichten aus England zu hören. Aber ich sehe vorher, daß die Wahl auf Fortinbras fallen wird; er hat meine sterbende Stimme: Das sag ihm mit allen den Umständen, die diesen Ausgang – – Es ist vorbey – –

(Er stirbt.)

Horatio. Nun bricht ein edles Herz; gute Nacht, liebster Prinz, und Engels-Schwingen mögen dich zu deiner Ruhe tragen! – – Wie, die Trummeln kommen näher?

(Fortinbras und die Englischen Gesandten, mit Trummeln, Fahnen, und Gefolge treten auf.)

Fortinbras. Was für ein Anblik ist das?

Horatio. Der kläglichste und ausserordentlichste, den eure Augen jemals sehen werden.

Fortinbras. Vier fürstliche Leichen, todt und in ihrem Blut liegend – – O stolzer Tod, was für ein Gastmal giebst du in deiner höllischen Grotte, daß du so viele Prinzen mit einem Streich geschlachtet hast.

Abgesandten. Der Anblik ist entsezlich, und unsre Commission aus England kommt zu späte. Die Ohren sind fühlloß, die uns Audienz geben sollten. Wir sollten ihm melden, daß sein Befehl an Rosenkranz und Güldenstern vollzogen worden: Von wem werden wir nun unsern Dank erhalten?

Horatio. Nicht von diesem Munde (des Königs), hätte er noch das Vermögen zu reden: Denn er gab niemals keinen Befehl daß sie sterben sollten. Allein, nachdem es sich nun gefüget hat, daß ihr beyderseits so schiklich, ihr von dem Polnischen Krieg und ihr von England, zu dieser blutigen Scene angekommen seyd; so gebet Befehl, daß diese Leichen auf einem erhöheten Gerüste ausgesezt werden, damit ich der Welt, für welche alles noch ein Geheimniß ist, sagen könne, wie diese Dinge sich zugetragen haben. Ihr werdet dann von grausamen, blutigen und unnatürlichen Thaten hören, wie einige durch verrätherische Ränke, andre durch den blossen Zufall, und wie am Ende die mißlungenen Anschläge auf ihrer Erfinder eignen Kopf gefallen sind. Von allem diesem kan ich umständliche und echte Nachricht geben.

Fortinbras. Mich verlangt es zu hören – – Die Anstalten sollen gemacht, und der Adel zusammen beruffen werden. Was mich betrift so umarme ich mein Glük mit traurigem Herzen; ich habe einiges Recht an dieses Königreich, welches ich durch diese Zufälle nun geltend zu machen veranlaßt bin.

Horatio. Auch hievon hab ich zu reden, und aus einem Munde, dessen Stimme manche andre nach sich ziehen wird: Aber lasset die Anstalten unverzüglich gemacht werden, izt, da die Gemüther noch bestürzt und unfähig sind Entwürfe zu machen, die zu neuen Verwirrungen Anlaß geben könnten.

(Fortinbras giebt Befehl, daß Hamlets Leiche unter kriegerischer Musik, von vier Hauptmännern auf das Gerüste getragen werde – – (Sie marschieren ab, und das Stük hört mit einem abermaligen Salve aus dem kleinen Geschüz auf.)

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