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Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt

Verschiedene Autoren: Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt - Kapitel 5
Quellenangabe
typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleHalali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt
publisherGeorg Müller
editorRolf Bongs
year1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Höhlenjagd in den westlichen Bergen

Von Friedrich Gerstäcker.

An einem klaren, bitterkalten Nachmittag des Monats Februar, als die Sonne, von dünnen Nebelschleiern umzogen, nicht Kraft genug hatte, die aus den nordwestlichen Prärien herüberwehende schneidende Luft zu mildern, und selbst an den fließenden Wassern ein starker Eisrand hing – etwas in Arkansas sehr Ungewöhnliches, kletterten an den steilen Abhängen, welche die Quellen des » Spirit creeks« einschließen, drei Männer über die rauhesten und unwegsamsten Stellen hinweg, die in der ganzen Gegend nur gefunden werden konnten. Obgleich oft kurze Strecken offenen, ebenen Bodens vor ihnen lagen, umgingen sie doch stets diese und suchten wieder die schroffsten, wildesten Wände aus, an denen abgebrochene Felsblöcke und toll und bunt durcheinander geworfene Steinmassen ihr Fortschreiten fast zu einer Unmöglichkeit machten.

Die drei Jäger – denn andere Leute konnten in solchem Felschaos nichts zu suchen haben – hielten sich einige hundert Schritt voneinander entfernt, aufmerksam dabei den Boden und die Pflanzen, über dem und an denen sie hingingen, untersuchend, und nur sehr langsam bewegten sie sich vorwärts. Da lenkte plötzlich der Ruf des am tiefsten Dahinkletternden – eines Indianers – (die anderen beiden Jäger waren Weiße) – die Aufmerksamkeit seiner Gefährten dorthin, und sie stiegen, auf sein Winken und seine Bewegungen, die ihnen zeigen sollten, daß er etwas gefunden habe, zu ihm hinab, um seine Entdeckung zu untersuchen.

Der Indianer war noch ein junger, rüstiger Mann, etwa dreißig Jahre alt und schlank, aber kräftig gebaut, wenigstens verriet der nackte Arm, den er aus seiner wollenen Decke hervorstreckte, um den anderen das Zeichen zu geben, außerordentlich starke Sehnen und Muskeln. Seine Beine waren mit ledernen Leggins, seine Füße mit Moccasins aus demselben Stoff bekleidet, sein Jagdhemd aber, aus dünnem buntfarbigem Kattun leicht zusammengeheftet, wurde eigentlich nur noch durch den Gürtel gehalten, denn in Streifen hing es ihm von den Schultern herunter. Sein Kopf war bloß, und die schwarzen langen Haare flatterten ihm über Stirn und Schläfe herab, auch zeigte sein Gesicht keine der sonst bei seinem Volk so gebräuchlichen entstellenden Farben, sondern nur seinen eigenen dunkeln, kupferfarbenen Teint, aus dem ein paar feurige Augen kühn hervorblitzten. Auf der linken Schulter lag ihm die lange Büchse, und sein Gürtel hielt unter der Decke Messer, Tomahak und einen Blechbecher.

Seine beiden Gefährten waren auf ähnliche Art wie er gekleidet, nur trugen sie lederne Jagdhemden, die Decken fest zusammengerollt auf dem Rücken, und der eine von ihnen, ein schlanker, hochgewachsener Mann, dessen blondes Haar den Nordländer verriet, hatte eine rauhhaarige, aus dem Fell eines Waschbären roh zusammengeheftete Mütze tief in die Stirn gedrückt, während sein Kamerad, dem eine kurze deutsche Büchse an einem Riemen über die Schultern hing, eine wollene gewebte Mütze als Kopfbedeckung trug.

An den rauhen Weg gewohnt, sprangen sie mit Leichtigkeit den steilen Abhang, von Fels zu Fels, hinunter und waren bald an des Indianers Seite, der, als er sah, daß seinem Ruf Folge geleistet wurde, sich fest in seine Decke einhüllend sie erwartete. Als sie aber den Platz, wo er stand, erreichten, streckte er wieder seine eine Hand aus der Umhüllung hervor und rief, auf den Boden um sich herum und viele abgebissene kleine Büsche zeigend: »Der Bär liebt den Sassafras, denn er macht ein weiches Lager – wenn das Wetter warm wird, führt eine Fährte von hier nach dem Bach hinunter.«

»Wenn wirs nicht unter der Zeit vereiteln, Tessakeh!« rief der schlanke Jäger, indem er aufmerksam die Zeichen, die den nahen Aufenthaltsort eines Bären verrieten, musterte. »Wo steckt aber der schwarze Bursche? er muß seinen Eingang hier irgendwo in der Nähe haben, und doch sehe ich keine Höhle.«

» Wah!« sagte der Indianer, als er auf ein Loch zeigte, das gerade da, wo er stand, senkrecht in den Boden hineinlief und kaum groß genug war, einem starken Mann den Eingang zu verstatten.

»Und wie kämen wir da hinunter?« fragte der Deutsche, indem er seinen Kopf dicht an die Öffnung hielt und hinabzuschauen versuchte. »Hols der Henker, es scheint tief zu sein und ist stockfinster drunten.« – Mit diesen Worten warf er einen kleinen Stein hinein, und dessen hohles Klatschen und Plätschern verriet, daß er in Wasser gefallen sei.

»Wasser unten?« rief der Engländer, indem er sich vorbeugte und lauschte – »wahrhaftig, und etwa zwanzig Fuß tief! – hol mich der Böse, wenn ich da einsteige, und läge das fetteste Bärenfleisch dorten, das je in den Wäldern von Arkansas sich von Eicheln nährte. Da wird aber auch kein Bär sein, denn so dumm sind die alten Burschen doch nicht, sich ein nasses Lager zu wählen, wo es so viele trockene im Überfluß gibt.«

»Der Bär ist schlau,« erwiderte Tessakeh, indem er nochmals einen Stein hinabwarf und dabei dem Laut horchte – »sehr schlau; er weiß den Platz zu finden, wo er sicher und trocken liegt, aber der weiße Mann hängt mit seinen Augen an den Wolken, wenn er seine Füße betrachten sollte – hat er den Zweig abgetreten, auf dem er steht!«

»Wahrhaftig!« rief Redham, indem er einen kleinen verdorrten Sassafraszweig, der dicht am Rand der Öffnung lag, aufhob und betrachtete – »den muß der Bär hergeschleppt haben, und das ist ein ziemlich sicherer Beweis, daß er darin steckt; aber wir werden ihn da unten schwerlich belästigen – Stück für Stück könnten wir ihn auch nur, wenn wirklich erlegt, heraufschaffen, und ich glaube, wir müßten uns selber ebenso hinunterschicken.«

Ohne weiter etwas zu erwidern, schaute Tessakeh einen Augenblick scharf umher, und stieg dann zu einem jungen, schlanken Hickorystamm hinauf, der einige fünfzig Schritt über ihnen am Berge, gerade und schlank, wohl vierzig Fuß hoch und nur einige Zoll stark, in die Höhe stieg, fällte denselben mit wenigen Schlägen seines Tomahaks, so daß er dicht neben den zwei anderen Jägern niederschlug, befreite ihn von den Ästen, die er jedoch noch einige Zoll vom Stamm daran ließ, um einen Haltepunkt für die Füße zu bilden, und hob dann mit des Deutschen Hilfe, der bald begriff, zu welchem Zweck der junge Stamm benutzt werden sollte, die schnell fabrizierte Leiter in die Höhle hinab.

Da der Stamm länger als nötig war, nahmen sie ihn noch einmal heraus, schlugen etwa acht Fuß von dem unteren glatten und astlosen Ende ab, und hatten sich nun, wenigstens in diesen Schacht, einen Eingang gebildet.

»Nun, Redham, wollt Ihr nicht mit hinunter?« fragte der Deutsche, als er seine Decke und Kugeltasche abwarf, und das Pulverhorn mit einem kleinen Riemen dicht an seinem Körper befestigte – »wir werden viel Spaß haben, und es wäre wirklich schade, wenn Ihr hier so ganz allein –«

»Ich gönne Euch all den Spaß, Werner, den Ihr Euch da unten machen könnt, ich gönne ihn Euch von ganzem Herzen!« unterbrach ihn Redham, indem er Feuer anschlug. – »Geht nur hinab und bringt mir wenigstens noch vor Abend ein Stück von dem Bären herauf, denn ich bin wirklich hungrig, und wir haben unser letztes Fleisch schon heute morgen verzehrt. Ich will unterdessen ein gutes Feuer unterhalten und den Eingang bewachen.«

Tessakeh hatte ebenfalls seine Decke abgeworfen und ein kurzes, dickes Stück Wachslicht, roh aus den gelben Zellen eines wilden Bienenstocks zusammengeknetet, aus seiner Kugeltasche genommen, während Werner ein ähnliches, aber bedeutend längeres aus seiner Decke herauswickelte. Der Indianer gürtete dann sein langes Jagdmesser fester und legte die Büchse nahe beim Feuer nieder, das schon, von Redhams geschickter Hand erweckt, hoch emporloderte.

»So soll ich allein meine Büchse mitnehmen?« sprach Werner, als er sah, wie sich Tessakeh bereit machte, ohne die seinige den Weg anzutreten.

»Tessakeh hat ein langes Rohr, und wenn der Ladestock herausgezogen wird, ist sie vier Fuß länger«, erwiderte der Indianer.

»Nun, wenn diese Höhle so eng ist als die vorige, in die wir zusammen hineinkrochen,« lachte Werner, »so möchte die meinige zum Wiederladen ebenfalls zu lang sein; aber vorwärts, Tessakeh, vorwärts! Wir wollen diesem guten Mann hier oben zeigen, daß wir uns nicht vor einem tiefen Loch und Wasser im Grunde fürchten – ist ein Bär darin, so haben wir heut abend Fleisch, und das ist ein Gegenstand, den wir höchst nötig brauchen.«

Mit diesen Worten wollte er, die Büchse auf dem Rücken zuerst hinab. Tessakeh hielt ihn aber zurück und sagte, als er auf die Mündung der Waffe zeigte, mit dem Kopf schüttelnd: »Weiße Mann hat das sichere Ende – Tessakeh wird voransteigen, und hat mein Bruder dann unten noch Lust, so mag er sein Wachslicht dem Bären zuerst zeigen.«

Ohne weiter eine Antwort abzuwarten, ließ er sich dann in die Öffnung hinab und war in wenigen Augenblicken verschwunden, während Werner schnell seinem Beispiel folgte. Redham hatte nur noch Zeit ihm zuzurufen:

»Habt acht, Werner, habt acht! Schießt nicht, wenn Ihr nicht Eurer Sache gewiß seid, und bedenkt, daß die Kugel in solcher Höhle außerordentlich leicht und schnell aus dem Lauf fährt, verdammt schwer aber wieder mit einer gehörigen Ladung hineinzubringen ist, besonders wenn man dabei eine verwundete Bestie abzuwehren hat.«

Werner nickte ihm noch einmal zu, rief ihm ein fröhliches »viel Vergnügen« zurück, und verschwand ebenfalls in der engen Höhlung, aufmerksam auf seine Büchse achtend, daß diese nicht, unvorsichtig getragen, sich von selbst entladen möchte.

Mit Leichtigkeit kletterten die beiden Männer an dem Stamme nieder, und bald stand Tessakeh am Fuße desselben im Wasser, das er vorher untersuchte und nicht tiefer als sechs bis sieben Zoll fand. Werner war an seiner Seite, und ihre Lichter emporhaltend, die einen matten Schein umherwarfen, beschauten sie forschend den Raum, in dem sie sich befanden. Es war eine Art Gewölbe, etwa neun Fuß hoch und sechzehn bis achtzehn Fuß weit, nach den Seiten zu abgedacht, wo sowohl oben, etwa fünf Fuß vom Boden, als unten im Wasser ein Seitenzweig der Höhle in den Berg hineinlief.

Tessakeh erklomm mit Hilfe Werners die obere Öffnung, und dort Spuren von Bären und anderen wilden Tieren findend, kroch er darin weiter, um zu erfahren, ob der Bewohner der Höhle sich in dem trockenen oder nassen Gange einquartiert habe. Werner mußte zurückbleiben, da er ohne andere Hilfe den engen, hoch vom Boden gelegenen Eingang nicht mit der Büchse erreicht haben würde, und stand bis über die Knöchel im kalten Wasser, in einer keineswegs angenehmen Stellung. Endlich, nach langem Harren, als ihn der Frost schon zu schütteln anfing, erschien Tessakeh wieder am Eingang des oberen Ganges und versicherte, derselbe liefe so eng und spitz aus, daß unmöglich ein großer Bär sich darin aufhalten könne; der alte Bursche müsse deshalb auf jeden Fall den tieferliegenden nassen Weg gewählt haben, um zu irgendeinem anderen trockenen Platze zu gelangen.

Höchst unbehaglich aber sah der Eingang zu der zweiten mutmaßlichen Höhle aus, denn wenn auch der Gang etwa zwanzig Zoll hoch sein mochte und einen Menschen bequem hindurchgelassen hätte, so war er doch fünf bis sieben Zoll tief mit Wasser gefüllt, und dunkel gähnte die schwarze Öffnung den beiden Jägern entgegen.

»Ein Bär ist darin,« brach endlich Tessakeh das Schweigen, nachdem beide bedenklich den Eingang einige Minuten lang betrachtet hatten, – »ein Bär ist darin, will aber mein Bruder sein Leben daran setzen, das Tier in seiner wohlverwahrten Festung anzugreifen? Es ist kalt, der Hirsch sucht die Eicheln, die an der Südseite der Berge liegen, und Redham ist ein großer Jäger, – er wird Fleisch haben, ehe die Sonne wieder im Mittag steht.«

»Es ist wahr, Tessakeh,« sagte Werner, nachdenkend den gefährlichen, unbequemen Eingang betrachtend, – »wir sind aber einmal hier, und aller Wahrscheinlichkeit nach können wir auch, mit ein wenig Ausdauer, die Bestie finden und erlegen; willst du mir also folgen, wenn ich vorangehe und Bahn breche, oder hier warten? – denn versuchen muß und werde ich es!«

»Mein Bruder ist brav und mag den Versuch wagen; wenn er aber seinen Kopf wendet, wird er, wo er auch sei, in die Augen Tessakehs sehen,« antwortete der Indianer, und ohne weiter ein Wort zu verlieren, kniete Werner im Wasser dicht an der Öffnung der Höhle nieder und leuchtete hinein. Kein besonderes Hindernis schien ihm entgegenzustehen, und die Büchse, den Lauf nach vorn, auf der linken Schulter mit der linken Hand, in der er das Licht trug, haltend, legte er sich auf den rechten Ellbogen nieder und kroch langsam in die schmale Mündung, von Tessakeh gefolgt, der sich, da er seine Flinte zurückgelassen hatte, leichter fortbewegen konnte. Wohl ragte nur Werners Kopf und der linke Arm mit der Schulter aus dem Wasser hervor und er war genötigt, die Schnüre des Pulverhorns zwischen die Zähne zu nehmen, um dieses trocken zu halten; doch verfolgte er mutig und unerschrocken seinen gefährlichen dunkeln Weg und erreichte, nachdem er etwa dreißig bis vierzig Schritt auf solch unbequeme Art fortgekrochen war, zwar ganz durchnäßt und vor Frost zitternd, aber doch wohlbehalten den trockenen Teil der Höhle, die sich hier in die Höhe zog und in drei verschiedene Mündungen auslief. Tessakeh war in demselben Augenblick, als Werner sich erhob und den offenen Raum betrat, an seiner Seite und schüttelte sich wie ein Hund, der eben dem Wasser entstiegen ist; dann vorsichtig mit seinem Lichte umherleuchtend, betrachtete er mit vieler Aufmerksamkeit den weichen Boden, in dem eine Unmasse verschiedener Fährten eingedrückt waren, und wandte sich nun lächelnd zu dem weißen Freunde, der seinen Gürtel abgelegt hatte, sein Jagdhemd auszog und ausrang, und seine Büchse untersuchte, ob sie nicht trotz aller Vorsicht durch eine unbeachtete Bewegung feucht geworden wäre.

»Die Jäger haben oft die Höhle gefunden, aber mein Bruder und Tessakeh waren nie unter ihnen; sie haben ihre Feuer am Eingange angezündet, aber bis hierher hat keiner einen Funken getragen; sie sind wie der Wolf, der das Lager des schlafenden Jägers umschleicht – sie wittern das aufgehangene Wild, aber sie fürchten den Blick des Menschen.«

»In welcher von den drei Höhlen mag die Bestie nur stecken?« frug Werner, indem er das ausgerungene Jagdhemd wieder anzog und den Gürtel mit dem Messer darin umschnallte – »sie sehen eine wie die andere aus und scheinen, hols der Henker, alle drei gleich unbequem.«

Tessakeh hatte unterdessen seine Beobachtungen fortgesetzt, und jetzt auf eine breite Fährte zeigend, die in die linke Öffnung hineinlief und wo die eingehenden Spuren in die der ausgehenden eingedrückt waren, rief er, indem er genau die Tapfen beleuchtete und die Knöchel seiner rechten Hand darauf hielt, um die Größe des Feindes danach zu erkennen:

»Hier!« und die gebogenen Finger der Rechten, nach dem Maß der Fährte gespreizt, seinem Kameraden entgegenhaltend, fuhr er fort: »Er ist groß und schwer, seine Ballen sind tief eingedrückt und er wird schlafen!«

»Nun, wenn er schläft, Tessakeh«, entgegnete Werner, der jetzt mit seinen Zurüstungen fertig geworden war und eben ein neues Zündhütchen aufsetzte, um seines Schusses gewiß zu sein, »dann haben wir leichtes Spiel, und es wird mehr Mühe kosten, den alten Burschen ans Tageslicht zu schaffen, als ihn zu erlegen. Aber«, fuhr er fort, indem er sein Licht vom Boden aufnahm, »wir dürfen keine Zeit mehr verlieren, Redham wird da oben schreckliche Langweile haben und ich hätte doch gern, daß wir noch zum Abendessen ein tüchtiges Stück Fleisch am Feuer braten sähen.«

»Zum Abendessen?« sagte Tessakeh lächelnd – »unser Bruder wird die Sonne wieder über die Gebirge kommen sehen und immer noch am Feuer liegen und auf uns warten. Die Höhle ist eng, und hart werden wir arbeiten müssen, ehe wir die Last hinaufschaffen können.«

»Das sind schlechte Aussichten,« murmelte Werner vor sich hin, dem die nassen Kleidungsstücke, die Tessakeh gar nicht zu beachten schien, eben nicht behaglich am Körper saßen, »hier gibts aber keinen anderen Weg als vorwärts, frisch darauf zu, denn – je länger wir hier zögern, desto später kommen wir zu Ende – und nun, Tessakeh, go ahead!«

»Will mein Bruder mir die kurze Büchse anvertrauen und meiner Fährte folgen?« fragte der Indianer, stehen bleibend.

»Nein, nein, so war es nicht gemeint,« entgegnete dieser, »ich krieche voran, und verdammt will ich sein, wenn du Furcht bei mir spüren sollst; nein, wenn mir auch für einen Augenblick die Aussicht auf ein langes Fasten nicht recht behagen wollte, so war das keineswegs aus Furcht oder sonstiger Besorgnis! – Hab' acht auf das Licht, daß wir im Hellen bleiben, und nun – mit Gott!«

Bei den letzten Worten hatte er sich dem Eingang der linken Höhle genähert und kroch, die Büchse vor sich herschiebend, das Licht in der linken Hand haltend, vorwärts, von Tessakeh gefolgt, der, als er jenen entschlossen sah, den engen Raum zuerst zu betreten, kein Wort weiter erwiderte und ganz zufrieden damit schien, daß der junge Mann die größte Gefahr freiwillig und gern übernahm.

Die Höhle war im Anfang so geräumig, daß beide Männer wenigstens auf den Knien fortkriechen konnten; nach etwa fünfzig Schritten aber wurde sie mit jedem Fuß, den sie vorrückten, niederer und der obere Teil senkte sich zuletzt bis auf zwölf Zoll herab, so daß Werner, der eine kräftige, starke Brust und breite Schultern hatte, kaum hindurch konnte; dennoch kroch er vorwärts, da er im weichen Boden sah, daß der Bär ebenfalls durch diesen Engpaß gekommen war, und erreichte wieder einen, um einige Zoll höheren Teil. Hier aber stellte sich ihnen eine neue Schwierigkeit entgegen, denn obgleich die Höhle geradeaus und weiter in den Berg hinein lief, öffnete sich doch dicht vor ihnen eine brunnenartige Kluft, die, wenn auch nicht breiter als der Gang, in dem sie fortgekrochen waren, doch wohl fünf Fuß lang und Gott weiß wie viele tief sein mochte, denn Werner, obgleich er auf Armeslänge sein Licht hinunterhielt, konnte nichts als dichte Finsternis erkennen.

»Hört mein Bruder den Bär?« fragte Tessakeh leise, als er bemerkte, daß jener sich nicht weiter bewegte.

»Nein, aber eine Schlucht ist hier,« flüsterte der Deutsche, »von der ich gern erst wissen möchte, wie tief sie ist, ehe ich mich hinüber wage; ich weiß freilich nicht, auf welche Art, denn ich kann den Boden nicht sehen und habe auch keinen Stein hier zum Hinabwerfen.«

»Auch keine Kugel in der Tasche?« erwiderte lakonisch der Indianer.

»Recht, Tessakeh, an die dachte ich nicht, fünf werde ich hier unten nicht verschießen,« erwiderte Werner und nahm zu gleicher Zeit eine derselben aus einer kleinen, mit einer Klappe versehenen Tasche im Jagdhemd, die er in die Schlucht fallen ließ. Diese mußte aber wohl einige dreißig Fuß tief sein, denn lange dauerte es, ehe der dumpfe Fall ins Wasser heraufschallte. Durch den Erfolg keineswegs beruhigt, brummte er: »Hallo – das sind böse Aussichten, denn wenn ich auch wirklich durch Anklammern an beiden Seiten hinüberkomme, wie zum Henker wollen wir den Bären zurückbringen? Ich weiß in der Tat jetzt nicht, was ich tun soll.«

»Vorwärts, wenn es irgend möglich ist,« erwiderte Tessakeh; »es ist schwer, einen Vogel zu wiegen, wenn er in der Luft schwebt: wenn Tessakeh das Blut des erlegten Wildes sieht, wird er auch wissen, wie es ans Tageslicht gebracht werden kann.«

»Gut, wenn du meinst,« sagte Werner, »ich bin dabei, du sollst es aber zu verantworten haben, wenn all unsere Mühe und Arbeit umsonst war.« Mit diesen Worten preßte er, die Büchse sich um den Hals hängend, beide Ellbogen und Knie gegen die rauhen Wände der Höhle, und fast in der Luft schwebend, den tiefen Abgrund unter sich, in den ihn das Nachlassen einer Sehne gestürzt haben würde, vorsichtig Zoll für Zoll fortrückend, erreichte er den andern abgerissenen Teil oder vielmehr die Fortsetzung des Ganges, die so eng war, daß er sich kaum umdrehen konnte, um den Weg zu besehen, den er zurückgelegt hatte. Ohne auf den Indianer zu warten, den er hinter sich glaubte, kroch er weiter und folgte der Fährte, die auch hier deutlich im nicht ganz harten Boden abgedrückt war, wohl auf hundert Schritt, als er plötzlich einen leisen, winselnden Laut vernahm, den der Bär, an seinen Tatzen saugend, im Winterschlafe hören läßt.

»Tessakeh«, flüsterte er jetzt, den Kopf zurückwendend, da der Gang etwas geräumiger wurde, »Tessakeh, ich höre den Bären.«

Keine Antwort ward ihm von seinem Begleiter – dichte Finsternis lag hinter ihm.

»Tessakeh,« rief er lauter, da er glaubte, daß der Indianer noch etwas weiter zurück sei, und wieder lauschte er, die antwortende Stimme seines Gefährten zu hören; – nur das ferne Winseln des Tieres unterbrach die totenähnliche Stille, und mißmutig warf er sich, für einen Augenblick ausruhend, auf die linke Seite, um zu überlegen, ob er seinen Weg allein fortsetzen und den Kampf wagen, oder wieder umkehren solle, um zu sehen, ob seinem Kameraden ein Unglück zugestoßen sei.

»Hm!« murmelte er zuletzt leise vor sich hin, »wäre er in die Schlucht gefallen, so hätte er um Hilfe gerufen, und ist er auf der anderen Seite geblieben, um mir zu überlassen, allein mit dem schwarzen Burschen fertig zu werden, wohl, so will ich ihm doch zeigen, daß ich ihn nicht dazu brauche, eine Büchse abzudrücken, der Bär kann nicht mehr tun als mich fressen.«

Mit diesem Troste, der etwas unleugbar Vernünftiges hatte, begann er sich wieder nach vorn zu bewegen und näherte sich mehr und mehr dem Winseln, das jetzt immer deutlicher wurde.

Die Höhle war zwar nicht mehr so eng, aber eine solche Masse Tropfstein hing überall an den Wänden herunter und ragte aus dem immer steiniger werdenden Boden hervor, daß das Vorrücken ungeheuer erschwert wurde und Werners Knie und Ellbogen fürchterlich schmerzten.

In diesem Teil der Höhle hingen auch eine Menge Fledermäuse an den Hinterbeinen von der Decke herab und hielten hier ihren Winterschlaf, oft durch das etwas zu nahe unter ihnen weggehende Licht aufgestört und beunruhigt, was sie durch einen schrillen, zischenden Laut kundtaten. Wenig aber beachtete der kühne Jäger dieselben, und er war eben im Begriff, sich um eine kleine Biegung der Höhle zu drehen, hinter der der Bär unfehlbar liegen mußte, als er dicht vor sich, etwas zu seiner Rechten, und zwar so, daß, wenn er vorbeikroch, er sie fast berühren mußte, eine aufgerollte ungeheure Klapperschlange liegen sah, die, durch seine Nähe gestört, die kleinen blitzenden Augen öffnete, aber, durch das Licht geblendet, augenblicklich wieder schloß und den Kopf zurückbiegend, aus dessen zusammengepreßten Rachen die spitzige doppelte Zunge dann und wann hervorzuckte, den Schwanz erhob und die warnende Klapper ertönen ließ.

Werner fuhr unwillkürlich zurück und war unschlüssig, was er tun solle, denn obgleich er die Schlange nicht fürchtete, war ihm doch ihre Nähe nichts weniger als erfreulich, noch dazu, da er nicht wagen durfte, sie zu schießen, weil es in dem niederen Raume eine Unmöglichkeit gewesen sein würde, wieder zu laden.

Als er noch unschlüssig dalag, sah er zu seiner ungemeinen Beruhigung das Licht Tessakehs sich langsam nähern, und bald war der Indianer dicht bei ihm und frug, warum er zögere. Werner machte ihn durch wenige Worte mit seiner Lage bekannt.

»Zeigt sie die Fänge?« flüsterte leise der Indianer.

»Nein – aber sie hat gewarnt.«

»Sie ist wie ein hound auf der Fährte eines Bären! Sie warnt, aber wenn der Feind naht, zieht sie sich zurück – mein Bruder mag dreist an ihr vorbeikriechen, sie wird ihre Augen schließen und schlafen.«

Werner folgte, obgleich höchst ungern, dem gegebenen Rat, und vorsichtig die Büchse voranschiebend, war er bald an der Seite der Schlange, die mehrere Male die kleinen Augen zu öffnen versuchte und stärker und drohender klapperte. Jetzt lag er dicht neben ihr, und obgleich er sich fest an die entgegengesetzte Wand schmiegte, war doch der Raum so eng, daß sein rechter Arm fast die zusammengerollte Gestalt des Feindes berührte.

Langsam zog er die Knie herauf und streckte sich weiter nach vorn, da öffnete die Schlange aufs neue die Augen, und dicht vor sich die helle Flamme erblickend, sperrte sie weit, mit zum Sprunge zurückgebeugtem Kopf, den Rachen auf, in dem, weiß und glänzend, die giftgefüllten Fänge an beiden Seiten der spielenden Zunge lagen, während ihre Augen in grünem Feuer funkelten.

Entsetzt riß Werner das Messer aus der Scheide, in demselben Augenblick aber fühlte er Tessakehs Arm auf seiner Hüfte, und dessen Tomahak zischte, mit sicherer Hand geführt, zur Schlange hinüber, die sich in ihrem Blute wand.

Zwar wußte Werner, daß sie jetzt unschädlich war, dennoch schauderte er, als sie in ihren letzten Todeszuckungen sich in dem engen Raum umherschnellte und ihre kalten Schuppen seine heiße Wange berührten. Mit rascher Hand drückte er sie von sich, Tessakeh aber erfaßte den zuckenden Körper und schnitt ihm bedächtig die Klappern ab, die er an seinem Gürtel befestigte.

Das beendigt, wollte Werner seinen Weg fortsetzen, als er sich plötzlich durch die Hand Tessakehs gehalten fühlte, der ihm leise zuflüsterte:

»Hab' acht – ich höre kein Winseln mehr – der Bär ist erwacht und seine Augen sind offen. – Wenn er uns wittert, wird er sich hören lassen, aber der Rauch unserer Lichter zieht zurück.«

»Wahrhaftig, du hast recht, Tessakeh,« erwiderte Werner, der alte Bursche muß aufgewacht sein und wird eben kein freundliches Gesicht schneiden, wenn er die Lichter sieht. Die verwünschte Schlange hatte meine Aufmerksamkeit so in Anspruch genommen, daß ich gar nicht mehr an den Bären dachte. »Du warst gerade ...«

» Hst,« rief der Wilde, die Hand erhebend, »ich höre den Bären – er wird unruhig!«

Beide Männer lauschten ein paar Minuten, aber Totenstille herrschte und kein Laut war vernehmbar, Werner jedoch sah nach seiner Büchse, ob das Zündhütchen noch richtig saß und das Korn nicht verschoben und glänzend sei, reinigte das Visir von Lehm, der sich hineingesetzt hatte, und rückte, von seinem Gefährten gefolgt, leise vor.

Da tönte ein leises Brummen an sein Ohr, und gleich darauf trat aus der dichten Finsternis der Höhle die dunkle Gestalt des Bären hervor, dessen Augen wie ein paar glühende Kohlen im Lichte funkelten. Brummend zog er die Luft ein und hob die Nase, um die Natur der neuen Ankömmlinge zu erforschen; obgleich aber der Luftzug zurückging und er nicht recht die Witterung von seinen Feinden bekommen konnte, waren sie ihm doch zu nahe, als daß er nicht hätte Unrat merken sollen, und schnaubend und blasend zog er sich wieder zurück, ehe Werner Zeit hatte, den immer beweglichen Kopf des schwarzen Gesellen aufs Korn zu nehmen.

Beide Jäger wußten, daß jetzt der Augenblick zum Handeln gekommen war, und schoben sich lautlos über den rauhen Boden hin, der zurückweichenden Bestie nach, die sie auch bald wieder erreichten, und zwar, wie Werner zu seinem Entsetzen bemerkte, am Ende der Höhle, die hier wohl so geräumig wurde, daß er sich auf seinen Knien emporrichten konnte, aber auch nirgend mehr einen Ausweg als da bot, wo sie mit ihrem Körper dem zum Äußersten getriebenen Bären jeden Weg zur Flucht abschnitten.

» Wah!« sagte Tessakeh, als er sich neben Werner aufrichtete, der sich eben bemühte, das Korn seiner Büchse mit dem funkelnden Auge des unruhigen Tieres in eine Richtung zu bringen.

» Wah! ein bequemer Wigwam, aber ein schlechter Kampfplatz«, – und dann die Richtung von Werners Büchse bemerkend, flüsterte er diesem zu:

»Schieß nicht nach dem Kopf; wenn du fehlst, sind wir beide verloren, die Bestie ist nicht einen Augenblick ruhig – ziel' auf den Brustknochen, wenn auch die Kugel das Herz nicht trifft, so wird sich der tödlich Verwundete zusammenkauern und uns weniger gefährlich sein – aber warte! ich will den Schwarzen einen Augenblick ruhig halten, und möge mein weißer Bruder schnell zielen und gut treffen!«

Kaum hatte Tessakeh diese Worte beendet, als er täuschend den Ruf des Hirschkalbes nachahmte. Hoch aufhorchend richtete sich der Bär, als er den schrillen, unerwarteten Laut hörte, empor, und in demselben Moment donnerte auch das massive Gewölbe den Krach der Büchse nach. Wie von einem elektrischen Schlag aber getroffen, und ehe noch der Rauch der Mündung des Rohres fortziehen konnte, stürzte sich der Bär auf den Schützen, dem nicht einmal Zeit blieb, die Büchse hinzuwerfen und sein breites Messer zu ziehen, sondern zurückgeschleudert durch die fürchterliche Gewalt und Kraft des Untiers, traf er mit dem Kopf an die Felsenwand neben sich und brach bewußtlos zusammen.

Tessakeh jedoch, der, auf dem Bauche liegend, die scharfe Klinge in der Hand, unter dem Rauch hinweg das Anprallen des Verwundeten noch zur rechten Zeit bemerkte und wohl vermutete, daß der Bär weniger eine feindliche Absicht als den Wunsch, das Freie zu erreichen habe, schmiegte sich dicht an den Boden und stieß mit dem scharfen gezückten Stahl nach der über ihn hinwegsetzenden und gleich darauf im Dunkel der Höhle verschwindenden Bestie.

Werner war zwar durch den Schlag betäubt worden, erholte sich aber augenblicklich wieder; doch konnte er sich nicht gleich besinnen, wo er war, denn rabenschwarze Nacht umgab ihn. Da hörte er das Anschlagen eines Messers an den Feuerstein, und das Bewußtsein seiner Lage kehrte ihm zurück.

»Tessakeh,« rief er, »wo sind unsere Lichter?«

»Wenn sie der Bär nicht mitgenommen hat, müssen sie neben uns liegen,« antwortete lakonisch der Indianer; »aber mein Gesicht ist naß und ich schmecke Blut. Tessakehs Stoß ist sicher, und der Bär wird nicht zurückkehren, um zu sehen, ob der Feind in seinem Lager ruhe.«

Er hatte unterdessen etwas Schwamm entzündet, riß ein Stück von seinem Jagdhemd herunter, und bald leuchtete ihnen wieder eine freundliche Flamme entgegen. Sie untersuchten nun den Platz, wo er gelegen hatte, und fanden dicke schwarze Blutstropfen bis zu der Stelle, wo ihn Tessakeh verwundete, und von dort aus das Blut überall in der Höhle umhergespritzt; der Indianer war ganz bedeckt davon. Werner wollte jetzt die Büchse wieder laden, Tessakeh hinderte ihn aber daran.

»Der Schuß war gut,« sagte er, »und wenn das Blut nicht gleich floß, öffnete ihm mein Messer den Weg; wir werden nicht weit zu suchen brauchen.«

»Warum hattest du aber dein Licht ausgeblasen, Tessakeh? Die übermäßige Helle wird dir doch wahrhaftig nicht die Augen geblendet haben!«

»Weiß mein Bruder, wie lange wir noch in der Höhle zubringen werden? Wenn der Bär in dem engen Gange liegen geblieben ist, der sich zwischen hier und der Schlucht hindehnt, so wird der ›schlanke Mann‹ am Feuer draußen die Sonne auf und untergehen sehen, ehe wir zu ihm zurückkehren können.«

»Verwünscht!« rief Werner, »daran habe ich gar nicht gedacht – wenn er dort steckt, so sind wir hier eingesperrt. Ha! mir ists jetzt schon, als ob die Luft dichter würde – komm, Tessakeh, laß uns eilen, mir ist nicht wohl, bis ich weiß, was wir zu fürchten haben.«

Lautlos krochen die beiden Männer nun den Weg, den sie gekommen waren, zurück und erreichten, ohne auf den Bär gestoßen zu sein, die Schlucht; immer aber bewies das dicke, geronnene Blut auf ihrem Wege, daß er, schwer verwundet, nicht mehr weit konnte geflohen sein.

»Es wäre doch schändlich,« murmelte Werner, der jetzt hinter dem Indianer zurückkroch, »wenn er unten in der Schlucht läge, da hätten wir den ganzen Spaß umsonst gehabt, denn der Henker soll mich holen, wenn ich ihm freiwillig da hinunterfolge!«

» Wah!« rief Tessakeh, der mit Werners Licht in der Hand, da er das seinige als das kürzere noch aufsparen wollte, einen Augenblick in die Schlucht hinuntergeleuchtet hatte und jetzt gegenüber dahin sah, von wo sie mit Lebensgefahr herübergekommen waren, – » Wah!«

»Liegt er unten?« frug der Deutsche hastig.

»Ich wollte er läge,« murmelte der Indianer vor sich hin, »unsere Lichter werden niederbrennen und wir werden hungern und dursten, aber nicht die andere Seite der Schlucht erreichen.«

»Aber, Tessakeh, was ist denn im Wege? Warum sollen wir nicht die andere Seite erreichen?« frug Werner ängstlich, indem er sich bemühte, an des Indianers Seite heranzukriechen und die Ursache seiner Furcht zu sehen. Dieser schmiegte sich dicht an den Felsen an, und sein Licht über die Schlucht haltend, daß sich die Strahlen an der anderen Seite brachen, rief er: »Hier ist die Schlucht, aber wo ist der Ausgang?«

Einen Schreckensruf stieß jetzt selbst der ruhigere Deutsche aus, als er den gegenüberliegenden Gang so mit dem Körper des wahrscheinlich verendeten Bären ausgefüllt sah, daß auch nicht die geringste Aussicht blieb, hinüberzukommen, ohne in die Schlucht zu stürzen, da nicht ein Zoll breit fester Boden dort war, auf den sich Hand oder Arm hätte stützen können.

»Tessakeh,« brach endlich Werner das peinlich werdende Schweigen, »hier können wir nicht liegen bleiben, und von Redham dürfen wir auch keine Hilfe erwarten, da er kein Licht weiter hat und nie im Dunkeln den Weg durch das Wasser finden oder, wenn er ihn wirklich fände, antreten würde, wären auch sechs Menschenleben damit zu retten – und verdenken kann ichs ihm nicht, denn mir hat es mit dem Lichte gegraut. – Hier aber wird unsere Lage mit jedem Augenblick schwieriger, denn unsere Lichter brennen nieder; so will ich denn mit Gott den Versuch wagen. Kann ich mich nicht neben dem Bären in die Höhe zwängen und stürze ich in die Schlucht, dann sieht es freilich traurig aus und wir sind ein paar Lebendigbegrabene; gelingt es mir aber, dann will ich den alten Burschen schon aus dem Wege rücken.«

Der Indianer erwiderte kein Wort, und Werner legte seine Büchse und das Pulverhorn ab, zog die noch immer nassen schweren Leggins aus, um nichts zu haben, was seine Bewegung hindern konnte, und wieder wie früher Ellbogen und Knie gegen beide Seitenwände der Höhle pressend, schwebte er über der dunkeln Schlucht und erreichte in wenigen Minuten die andere Seite. Vergebens aber suchte er hier den schweren, unbehilflichen Leichnam des erlegten Bären zu bewegen und sich Eingang zu verschaffen; regungslos lag das Ungetüm da, den ganzen Raum vollkommen ausfüllend und noch im Tode seinen Mördern schrecklich.

Mit aller Kraft, die ihm die Natur verliehen und die die Todesangst noch steigerte, machte er jetzt mit dem rechten Arm einen letzten Versuch, weil er den linken nicht von dem Felsen wegnehmen durfte, indem er befürchten mußte, den Anhaltspunkt zu verlieren. Da glitt sein rechter Fuß von einem der hervorstehenden Tropfsteinzacken ab; die Stütze vermissend, rutschte der Körper nach, und unfehlbar wäre er in die Tiefe gestürzt, hätte er nicht noch zur rechten Zeit mit beiden Händen den Felsen gefaßt und sich am Rande der Höhle gehalten.

Wenig Trost bot ihm das freilich und schien nur den gewissen Sturz um wenige Minuten zu verzögern, denn lange hätte er es in der Lage, seine Kräfte schon vor Hunger und Anstrengung erschöpft, nicht aushalten können. Tessakeh aber, seine Gefahr mit schnellem Blick übersehend, rief ihm zu, sich wenige Minuten nur noch zu halten, er hoffe ihn zu retten – und dann das Licht auf die Erde, an den Rand der Schlucht setzend, daß es nicht ausgehe und sie in völlige Finsternis begrabe, begann er den Übergang über die Kluft, jedoch – durch Werners Unfall gewarnt – rückwärts. Es gelang ihm auch, an der Seite des Bären seine beiden Beine hineinzupressen. Hierdurch war er wenigstens vor dem Hinunterstürzen gesichert und arbeitete nun mit der Kraft der Verzweiflung, seinen Körper, der bei weitem schlanker und geschmeidiger als der des Deutschen war, neben den des Bären einzuzwängen.

Die Höhle war fürchterlich eng und die verendete Bestie stark und dick, dennoch gelang es ihm nach mehreren Minuten fast übermenschlicher Anstrengung, und bald befand er sich an der anderen Seite des Erlegten. Fast ebenso schwierig jedoch war es jetzt, diesen von der Stelle zu bewegen und nach sich hinzuziehen, denn nicht ein Augenblick blieb ihm zum Ausruhen, wenn er seinen Gefährten retten wollte. Doch kam ihm jetzt der vorragende Tropfstein sehr zustatten, gegen den er seine Füße stemmte und das schwere Tier an sich zog.

Der Schweiß floß in Strömen an ihm herab, und eben hielt er, nur um Atem zu schöpfen, einen Augenblick inne, da tönte die matte Stimme Werners an sein Ohr, der ihm versicherte, daß er seine Lage keine halbe Minute mehr aushalten könne.

»Mut, Mut,« rief Tessakeh, »das Tier bewegt sich und mein Bruder wird in kurzer Zeit frei atmen können, – Mut!« und mit erneuter Kraft versuchte er den Koloß zu rücken. Da gab er etwas nach – jetzt noch etwas – einen frischen Halt nahm er, und nun zog er die leblose Gestalt des erlegten Feindes wohl einen Fuß lang zu sich hin. Mit Blitzesschnelle preßte er sich jetzt wieder an dem Leichnam vorbei und erfaßte mit seiner Rechten das Handgelenk Werners.

»Schwing dich herauf – nur soweit, daß ich den Gürtel fasse«, rief er ihm zu. Werner war es aber nicht möglich und hauchte nur: »Ich kann nicht mehr – ich muß loslassen.«

Seine Kräfte waren geschwunden – und Tessakeh sah es; keine weitere Zeit deshalb mit Worten verlierend, ließ er das Gelenk des Weißen fahren, schnitt mit schneller Hand ein Loch in das Fell des Bären, in das er mit der Linken hineingriff, um einen festen Halt zu haben, bog sich dann hinunter und faßte mit der Rechten in Werners Gürtel. Dieser fühlte kaum seine Arme, die ihm zu erstarren drohten, durch die kräftige Hilfe erleichtert, als er zu einem letzten Versuch noch einmal die Sehnen anstrengte – er hob sich und lag bald, durch den Indianer unterstützt, mit dem Oberkörper in der Höhle.

Weiter konnte er nicht hinein, denn der Leichnam des Bären versperrte noch immer die Öffnung; aber in dieser Stellung vermochte er wenigstens etwas auszuruhen und brauchte nicht mehr zu fürchten, in den Abgrund zu stürzen. Tessakeh begann unterdes aufs neue seine Versuche, den Bär zu einem geräumigeren Platze zu rücken.

Endlich gelang es ihm, und Werner schwang sich nun ganz hinauf. Beide Männer waren aber zu Tode erschöpft, und besonders der Deutsche lag, nicht allein durch körperliche Anstrengung, sondern auch durch Seelenangst abgespannt, fast besinnungslos wohl eine halbe Stunde lang neben dem Indianer.

Tessakeh, der zwar selbst, wenigstens für eine kurze Zeit, der Ruhe bedurfte, war der erste, der sich wieder erholte, und seinen Gefährten ermunternd, warnte er ihn davor, sich dem Gefühl der Erschöpfung zu sehr hinzugeben.

»Unser Weg ist lang und beschwerlich,« sagte er, »und mein Bruder wird nicht lange mehr den nagenden Hunger aushalten – möchte er das Fleisch roh essen? Vor der Höhle lodert ein Feuer, und ein warmes Lager ladet uns zu Ruhe und Erholung ein. Hier ist die Luft feucht, und Finsternis wird uns in kurzer Zeit umgeben – unsere Lichter sind niedergebrannt!«

Werner, der selbst einsah, wie wenig sie zaudern durften, wenn sie nicht ihren Weg in völliger Dunkelheit suchen wollten, wo er nur mit Grausen an die mit Wasser gefüllte Höhle dachte, ermannte sich, und durch die vereinten Anstrengungen beider schafften sie jetzt die schwere, unbeholfene Fleischmasse, indem Werner schob und Tessakeh zog, mehr nach vorn, wo die Höhle sich eine kurze Strecke lang so erweiterte, daß sie doch aufrecht sitzen konnten.

Hier nun verließ der Indianer den Weißen, der mehr als er der Ruhe bedurfte und kroch zu der Schlucht zurück, um jenes abgelegte Kleidungsstück, die Büchse und die Lichter von der anderen Seite herüberzuschaffen. Das Licht war fast niedergebrannt, doch hatte er selbst noch ein kurzes Stück aufbewahrt, das ihnen bei ihrem weiteren Fortgang leuchten sollte, und schnell kehrte er zu dem Deutschen zurück, um das schwierige Geschäft, den unbehilflichen Körper des Bären in dem engen Raum fortzubewegen, zu beendigen.

Werner schlug nun zwar vor, ihn abzustreifen und bloß die Keulen und Rippen, in das Fell geschlagen, mit hinauf ans Tageslicht zu nehmen; davon wollte aber Tessakeh nichts wissen und behauptete, nicht ganz ohne Grund, daß sie des niederen Platzes wegen den Bären in eben der Zeit an den Ausgang der Höhle schaffen, als abstreifen und zerteilen könnten.

»Wie aber wollen wir ihn hinaufbringen?« wandte Werner ein, »es wird uns nachher nichts übrigbleiben, als das jetzt verschobene Geschäft mitten im Wasser vorzunehmen; selbst wir alle drei könnten das schwere Untier unzerlegt unmöglich zutage fördern.«

»Mein weißer Bruder soll sehen, wie leicht wir unsere Beute in Sicherheit bringen und er wird sagen: Tessakeh hat recht«, erwiderte der Indianer; und ohne weiter ihre Zeit mit Unterhandlungen zu verlieren, begannen sie ihre Arbeit, nachdem Werner erst wieder seine Leggins angezogen und befestigt hatte.

Langsam, sehr langsam rückten sie vor, doch erreichten sie nun den etwas geräumigeren Teil der Höhle und waren bald, ohne auch nur weiter ein Wort zu wechseln, dort, wo das Wasser begann und wo sie, um wieder zum Tageslicht zu gelangen, erst ihren Weg durch dasselbe verfolgen mußten.

Bis hierher hatte ihnen auch ihr Wachslicht getreulich ausgehalten, jetzt aber war es niedergebrannt, flackerte noch einmal hell auf und verlöschte. – Dichte Finsternis umgab die Jäger und einige Minuten lang wagte keiner ein Wort zu sprechen; endlich brach Tessakeh das Schweigen und sagte: »Es ist gut! wir hätten das Licht doch müssen zurücklassen, denn mein Bruder hat nicht drei Hände, daß er mit zweien den Bären zieht und mit der dritten die Kerze hält – wir wollen an die Arbeit gehen.«

»Aber hols der Teufel, Tessakeh, in das dunkle, mit Wasser gefüllte Loch hier, noch dazu bei gänzlicher Finsternis einzutauchen, ist doch wahrhaftig keine Kleinigkeit«, entgegnete etwas niedergeschlagen der Deutsche.

»Besann sich mein Bruder die Felswand zu erfassen, als er im Begriff war, in die Schlucht zu stürzen?« fragte der Indianer.

»Besinnen? Da war auch Zeit zum Besinnen,« lachte Werner, »was hätte ich anderes tun wollen?«

Der Indianer ging auf keine weiteren Auseinandersetzungen ein.

»Die Höhle ist gerade«, sagte er, »und es führt kein Seitenzweig ab, es wird meinem Bruder kein Raum gelassen sein, vom rechten Pfade abzuweichen und bald wird uns das erwärmende Feuer des ›schlanken Mannes‹ entgegenleuchten.«

Werner war vorangekrochen, und seinen Weg fühlend, zog er mit Tessakehs Hilfe den Bären ins Wasser.

Dunkle, rabenschwarze Nacht umgab die beiden Männer, und ihre Lage, in einer engen, nicht zwei Fuß hohen Höhle, zum dritten Teil mit Wasser gefüllt, gehörte keineswegs zu den beneidenswerten; doch waren beider Herzen in den freien Wäldern unter immerwährenden Gefahren und Entbehrungen gestählt, und ohne einen Klagelaut setzten sie langsam aber sicher ihren Weg fort.

So unangenehm übrigens der Aufenthalt im Wasser war, so viel leichter ließ sich auch die Last darin fortbewegen, die ihnen fast gar keine Schwierigkeit mehr machte, und nach kaum viertelstündiger Anstrengung glänzte ihnen, zum Lohne ihres kräftigen Ausharrens, das liebe Tageslicht von oben, durch die enge, schornsteinähnliche Öffnung herab, entgegen, als sie am Fuße des als Leiter dienenden Stammes ankamen.

»Hallo!« schrie Werner aus voller Kehle und hielt die Hände trichterförmig an den Mund, daß der Schall so viel lauter emporstieg. »Hallo da oben!«

In demselben Augenblick fast verdunkelte sich auch der Eingang und die fröhliche Stimme Redhams rief herunter: »Soll mich der Teufel holen, wenn ich nicht froh bin, daß ihr endlich da seid – ich glaubte schon, ihr wolltet da unten wohnen bleiben.«

»Nicht einen Augenblick länger, als nötig,« rief Werner, indem er mit der Gewandtheit einer Katze an dem rauhen Stamm hinaufstieg und bald das heitere Sonnenlicht begrüßte – aber »Hallo!« rief er noch einmal aus, und zwar diesmal vor Erstaunen, denn um ein gewaltiges Feuer herum lagerten fünf kräftige backwoodsmen Hinterwäldler, der gebräuchliche Name für die den fernen Westen bewohnenden Jäger und Landleute. – Pferde wieherten, Hunde schlugen an und die Männer sprangen empor, ihn zu bewillkommnen.

Schnell kletterte er heraus aus dem finsteren Loche und stand hoch aufatmend wieder in Gottes freier, herrlicher Natur. Tessakeh war fast in demselben Augenblicke an seiner Seite und beide Männer sahen sich ebenso schnell von allen anderen umringt, die ihnen herzlich die Hand schüttelten und wissen wollten, wie die Jagd abgelaufen sei, denn der Indianer sowohl als der Deutsche waren mit Blut fast überzogen. Werner aber hob sich auf die Zehen, und über die Schultern der ihn Umgebenden nach dem Feuer hinschauend, wo er einige delikate Hirschrippen und gewaltige Stücke saftigen Truthahnfleisches braten sah, schob er die ihm im Wege Stehenden beiseite, zog, sich am Feuer niederlassend, sein Messer heraus und begann nun vor allen Dingen den Lebensmitteln zuzusprechen, indem er mit vollen Backen versicherte, daß er, bis er nicht seinen wütenden Hunger gestillt habe, stumm wie ein Fisch sein würde.

Lachend folgten die übrigen seinem Beispiel, und erst nach einer vollen Viertelstunde, als alles am Feuer Bratende ganz verzehrt war und frische Stücke wieder, auf frische Hölzer gespießt, eine zweite Mahlzeit versprachen, löste sich das Band seiner Zunge, und einen Becher heißen Kaffees leerend, den Redham für ihn gekocht hatte, begann er den hoch aufhorchenden Männern ihre Mühseligkeiten und Gefahren zu schildern und ihnen zu erzählen, wie ihm Tessakeh zweimal das Leben gerettet habe. Dabei reichte er dem braunen Sohn der Wildnis, der an seiner Seite noch sehr behaglich an einem Truthahnknochen nagte, die Rechte hinüber und drückte die fettige Hand des Indianers, die dieser sich nicht erst Mühe nahm abzuwischen, warm und herzlich, indem er sagte:

»Tessakeh, du hast mich dir auf ewig verpflichtet und es soll nicht meine Schuld sein, wenn ich es nicht einmal mit einem gleichen Liebesdienst zu vergelten suche.«

»Mein weißer Bruder spricht gut,« antwortete der also Angeredete, indem er seine Hand wieder aus der des Deutschen nahm und in seiner Beschäftigung fortfuhr – »es ist aber nicht die erste Fährte, der wir zusammen gefolgt sind und soll nicht die letzte sein. Wo Tessakeh am Abend sein Lager aufschlägt, wird das Rindendach immer zwei Männer vor dem Regen schützen. Tessakeh und sein weißer Bruder sind eins.«

»Und haben denn eure Lichter ausgereicht?« frug Redham, »hols der Henker, ihr seid ja über achtzehn Stunden in dem Loche gewesen.«

»Aus sind sie gegangen und in der Dunkelheit mußten wir uns durchquälen,« entgegnete Werner; »ich sage Euch, Redham, die Finsternis war so dicht da unten, daß man mit einem Messer kaum durchstoßen konnte, und dazu die Wasserpartie – brrr – mich schauderts jetzt noch, wenn ich daran denke, daß ich noch einmal durch muß, um meine Büchse zu holen.«

»Habt Ihr denn den Bär dicht unter dem Eingang?« fragte einer der Jäger.

»Er liegt an dem Stamm, der hinunterreicht.«

»Was zum Henker lagern wir denn hier und schauen ins Blaue?« rief ein anderer – »wenn kaum hundert Schritt von uns entfernt so herrliche Bärenrippen zu finden sind! Give us a lift, my lads!« fuhr er fort, indem er aufsprang und vom Halse seines Pferdes, das wenige Schritte davon ruhig graste, einen langen Strick losband, der um denselben befestigt war. »Werner mag noch einmal hinuntergehen und das Seil hier um den Leib des Bären befestigen – er ist doch einmal naß – und während er dann seine Büchse holt, fördern wir den alten Burschen zutage!«

»Gut,« rief Werner, »ich bins zufrieden; hat aber keiner von euch ein Licht mehr? Denn lieber mache ich doch die Partie im Hellen, da ich überdies nicht weiß, ob ich die Öffnung im Dunkeln wiederfinden könnte.«

»Hier ist ein Licht!« rief einer der hinzugekommenen Jäger, indem er eine starke Kerze aus seiner Decke herauswickelte – »und wenn Ihr Gesellschaft haben wollt, so begleite ich Euch.«

»Danke, danke,« sagte Werner, als er das Licht anzündete und sich der Höhle näherte, »das wäre unnötig und Ihr würdet Euch ganz zwecklos durchnässen; der Weg ist kurz und ich lege ihn schnell zurück – werft mir nur das Ende der Leine hinunter.«

Damit verschwand er wieder in dem engen Loch und gab bald darauf das Zeichen zum Aufziehen; Tessakeh jedoch, der fürchtete, daß das einfache Seil von dem bedeutenden Gewicht reißen möchte, ließ noch ein anderes hinab, das Werner auf seinen Ruf unter den Vordertatzen um den Leib der Bestie schlang, und mit vereinten Anstrengungen und unter dem Zuruf und dem fröhlichen Jauchzen der Jäger lag bald die so mühsam erworbene Beute neben dem Feuer, von lautem Knurren und Bellen der Meute Hunde begrüßt, die sich schnobernd um den Erlegten herumdrängten und ihn beleckten. Bald darauf nachdem die aus dem Stegreif verfertigte Leiter wieder hinabgelassen war, die sie, um den Bär bequemer zu Tage zu fördern, hatten herausnehmen müssen, erschien auch Werner mit seiner Büchse und fand in den schmorenden Bärenrippen den, wenn auch etwas schwachen Lohn für die überstandenen Gefahren; jedoch war er sowohl als Tessakeh der Meinung, daß sie, und wenn zwanzig Bären darin steckten, in die Höhle nicht mehr hineingingen, denn es wäre, wie der Indianer gar nicht unrichtig bemerkte: »Zu viel Mühe und zu wenig Fleisch.«

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