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Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt

Verschiedene Autoren: Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt - Kapitel 32
Quellenangabe
typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleHalali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt
publisherGeorg Müller
editorRolf Bongs
year1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141107
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Epilog. (Wald und Steppe.)

Von Iwan Turgenjew.

Wald und Steppe.

... Allmählich sich zu sehnen fing er an
Nach seinem alten Heim, nach seinem Garten,
Wo kühlen Schatten beut ein Dom von Linden,
Jungfräulich duftet Maienglöckchens Flor,
Vom Damm herab der Weiden runde Wipfel
In langen Reihn dem Wasser zu sich neigen;
Wo Hanf und Nessel jeden Luftzug würzen,
In kräft'gem Boden stolz die Eiche wächst:
Dahin, dahin! nach breit gedehnten Fluren,
Wo schwarz wie Samt die Ackerkrume glänzt,
Die Roggensaat, so weit das Auge reicht,
In sanft bewegten, weichen Wellen flutet,
Wo heiß und schwer ein goldner Sonnenstrahl
Die weiß getürmte Wolkenburg durchbricht –
Dort wohnt sichs gut! – ...

(Aus einem Gedicht, das zum Verbrennen bestimmt ist.)

 

Die Jagd mit der Flinte und dem Hunde ist »an und für sich« schön, wie man in alten Zeiten zu sagen pflegte; aber gesetzt, ihr seid nicht zum Jäger geboren, so liebt ihr doch die Natur; folglich könnt ihr nicht umhin, uns Jäger zu beneiden ... So höret also:

Kennt ihr zum Beispiel den Genuß, im Frühling vor Sonnenaufgang auszufahren? Ihr tretet auf die Freitreppe hinaus ... am dunkelgrauen Himmel blinken hie und da noch einzelne Sterne; zuweilen weht euch ein feuchter Wind wie eine leichte Welle entgegen; man hört das verhaltene, undeutliche Geflüster der Nacht, die Bäume rauschen leise, von Schatten umflossen. Man breitet einen Teppich über die Telega und stellt die Kiste mit dem Samowar zu euren Füßen hin. Die Seitenpferde schnauben, schütteln sich und heben zierlich ihre Beine; ein paar weiße Gänse, die eben erwacht sind, watscheln still und langsam über den Weg. Hinter der Hecke im Garten schnarcht friedlich der Nachtwächter; jeder, selbst der leiseste Ton scheint in der durchkühlten Luft unbeweglich und wie gebannt stehenzubleiben. Ihr steigt aus; die Pferde ziehen mit einem Ruck an, und die Telega rasselt dahin ...

Man fährt, fährt an der Kirche vorüber, vom Berge rechts hinab über den Damm ... der Teich fängt eben an zu dampfen. Es fröstelt einen ein wenig; man schlägt den Mantelkragen in die Höhe, man ist noch schlaftrunken. Die Pferde stampfen durch die Pfützen, daß es platscht; der Kutscher pfeift leise.

Schon hat man vier oder fünf Werst zurückgelegt – da bedeckt sich der Himmelsrand mit mattem Purpurschein; in den Birken erwachen die Krähen und flattern schwerfällig in den Zweigen umher; die Sperlinge umzwitschern die dunklen Heuschober; die Luft wird heller, der Weg sichtbarer, der Himmel klarer, die Wölkchen werden weißer, grüner die Wiesen ... In den Hütten brennt schon der Kienspan mit rotem Scheine; hinter den Pforten der Häuser werden Stimmen schlaftrunkener Menschen hörbar. Allmählich glüht die Morgenröte auf, schon verbreiten sich goldene Streifen über den Himmel und in den Schluchten ballen sich die Nebel; hoch in der Luft schmettern die Lerchen; der erste Morgenwind erwacht – langsam steigt der rotglühende Sonnenball am Horizont empor. Ein Strom von Licht ergießt sich über alles, und das Herz in der Brust jauchzt auf. O der Frische, der Helle, der Freudigkeit! Weithin läßt man die Blicke schweifen. Dort, hinter jenem Walde liegt ein Dorf; weiterhin noch ein anderes mit einem weißen Kirchlein; da auf dem Berge erhebt sich ein Birkenwäldchen und dahinter liegt der Sumpf, wohin man fährt ... Lustig, Pferde, lustig! In starkem Trabe vorwärts! ... Es bleiben nur noch drei Werst, nicht mehr. Die Sonne steigt schnell herauf; der Himmel ist klar ... Das Wetter wird herrlich! Eine Herde zieht euch aus dem Dorfe entgegen. Ihr habt den Gipfel des Hügels erreicht ... welch wundervolle Aussicht! Mattblau, durch den Nebel schimmernd, schlängelt sich ein Fluß wohl zehn Werst weit zwischen grünen Wiesen hin; hinter ihm liegen sanft abfallende Hügel; in der Ferne kreisen Kiebitze schreiend über dem Sumpfe: im feuchten Glanz der Luft wird die Ferne klar und deutlich ... ganz anders als im Sommer! Wie frei atmet die Brust, wie elastisch bewegen sich die Glieder, wie fühlt sich der ganze Mensch vom frischen Frühlingshauche gestärkt und belebt!

Und ein Julimorgen im Sommer! Wer, außer dem Jäger, empfindet, welch ein Genuß es ist, in der Morgendämmerung im Gebüsch umherzuschweifen? Wie ein grüner Streifen zieht sich die Spur der Tritte über das betaute weißschimmernde Gras dahin. Ihr biegt einen nassen Strauch auseinander – und der angesammelte feuchte Nachtduft schlägt euch aus ihm entgegen; die Luft ist ganz durchtränkt von der frischen Bitterkeit des Wermuts, von dem honigsüßen Geruch des Buchweizens und des Wiesenklees; in der Ferne erhebt sich wie eine Mauer der Eichwald und glitzert und glüht der Sonne entgegen. Noch ist es frisch, aber man empfindet schon die nahende Hitze des Tages; einem schwindelt der Kopf, der von der Überfülle des Duftes benommen ist. Das Buschwerk will kein Ende nehmen. Nur hie und da glänzt gelb in der Ferne der reifende Roggen, oder ziehen sich die rötlichen Streifen des Buchweizens hin. Eine Telega knarrt, langsamen Schrittes folgt ihr ein Bauer und stellt sein Pferd in den Schatten ... Ihr habt ihm guten Tag gesagt und seid weitergegangen – der laute Klang vom Wetzen einer Sense schallt euch nach. Die Sonne steigt höher und höher. Das Gras trocknet schnell. Schon ist es heiß geworden. Eine Stunde vergeht und noch eine ... Der Himmel verdunkelt sich am Horizont. Die regungslose Luft drückt mit stechender Schwüle. – Wo könnte ich hier wohl trinken, Bruder? fragt man den Schnitter. – Dort, in jener Schlucht ist eine Quelle. Durch dichtes Nußholzgesträuch und verwickelte Schlingpflanzen steigt ihr in die Schlucht hinunter; richtig, ganz unten am Fuß des Abhanges verbirgt sich ein stilles Wässerchen; ein Eichengebüsch streckt gierig sein vielarmiges Gezweige über das Wasser hin; große silberne Blasen steigen zitternd von dem Grunde auf, der mit einem samtartigen Moose bedeckt ist. Ihr werft euch auf den Boden, trinkt, und es kommt eine Trägheit über euch, daß ihr euch nicht rühren mögt. Ihr liegt im Schatten, atmet den feuchten Duft ein, euch ist wohl, während die Sträucher geradeüber förmlich verschmachten, und jedes Blatt wie aus Metall gegossen erscheint.

Aber was ist das? Ein Windstoß fährt plötzlich daher und zieht vorüber; die Luft erzittert ringsumher: ist das nicht Donner? Ihr tretet aus der Schlucht heraus. Welch ein bleierner Saum am Horizonte! Wird es mit der Glut schlimmer? oder zieht ein Gewitter heran? ... Jetzt zuckt ein schwacher Blitz ... Ja, das ist ein Gewitter! Ringsum leuchtet noch die Sonne: noch kann man jagen. Allein die Wolke wächst: ihr vorderer Rand streckt sich wie ein Arm vor und biegt und wölbt sich ... Gras und Sträucher verdunkeln sich plötzlich ... schnell! Dort winkt ein Heuschuppen ... schnell ... Ihr habt ihn erreicht und seid eingetreten ... Welch ein Regen! Welche Blitze! Hie und da tropft das Wasser durch das Strohdach auf das duftende Heu ... aber die Sonne blickt schon wieder durch die Wolken. Das Gewitter ist vorübergezogen. Ihr tretet hinaus. Ah! wie freudig erglänzt alles rings um euch herum, wie frisch und klar und feucht ist die Luft ... wie duftet es nach Erdbeeren und Pilzen ...

Und nun naht der Abend! Wie ein ungeheurer Brand nimmt die Abendröte den halben Himmel ein. Die Sonne geht unter. In der Nähe ist die Luft ganz durchsichtig, wie Kristall; in der Ferne aber senkt sich ein weicher Dunst herab, der einem warm erscheint, und mit dem Tau zugleich fällt ein Schimmer auf die soeben noch mit Strömen flüssigen Goldes übergossene Ebene. Die Bäume, die Sträucher und die hohen Heuschober werfen lange Schatten ... Die Sonne ist untergegangen. Schon glänzt ein Stern inmitten des Feuermeeres im Westen ... Aber allmählich erbleicht dieses flammende Meer, der Himmel färbt sich wieder blau. Die einzelnen Schatten verschwimmen, die Luft erfüllt sich mit Dunkelheit. Es ist Zeit, nach Hause zu gehen, ins Dorf, in die Hütte, in der ihr übernachten wollt. Die Flinte über die Schulter geworfen, geht ihr trotz der Ermüdung rasch vorwärts ... Und jetzt ist die Nacht hereingebrochen; auf zwanzig Schritte seht ihr nichts mehr, ihr könnt eure Hunde kaum mehr im Dunkel erkennen. Doch da über jenen schwarzen Sträuchern hellt sich der Himmelsrand auf ... Was ist das? Eine Feuersbrunst? ... Nein, es ist der aufgehende Mond. Und dort unten rechts blinken schon die Lichter des Dorfes. Endlich seht ihr auch eure Hütte. Durch die Fenster gewahrt ihr den Tisch, der mit einem weißen Tischtuche bedeckt ist, ein brennendes Licht, das Abendessen ...

Aber an einem anderen Tage laßt ihr die Renndroschke anspannen und fahrt in den Wald auf die Haselhühnerjagd. Wie lustig ist es, sich zwischen zwei Kornfeldern auf einem schmalen Pfade durchzuarbeiten. Die Ähren schlagen euch sanft ins Gesicht; die Kornblumen heften sich an eure Füße; die Wachteln schlagen ringsumher, und das Pferd läuft in schwachem Trab. Nun sind wir im Walde ... Wie schattig und still ist es! Schlanke Espen flüstern hoch über euren Häuptern, die langen, hängenden Äste der Birken bewegen sich kaum; die mächtige Eiche steht wie ein Kämpfer neben der schönen Linde. Ihr fahrt auf einem grünen, schattengesprenkelten Wege dahin; große, gelbe Fliegen hängen unbeweglich in der goldigen Luft und steigen dann plötzlich auf; kleine Schwärme von Insekten heben und senken sich in einer beweglichen Säule, die im Schatten hell und in der Sonne dunkel erscheint; friedlich zwitschern die Vögel. Das silberne Stimmchen der Grasmücke klingt in unschuldiger, geschwätziger Freude; es paßt zu dem Dufte der Maiblumen. Weiter! weiter! tiefer in den Wald hinein! ... Der Wald wird dichter: eine unbeschreibliche Stille senkt sich in eure Seele: alles umher ist so träumerisch und stumm. Doch horch! Ein Wind erhebt sich; es geht durch die Wipfel wie flutende Wellen. Zwischen den vorjährigen, schwarzbraunen Blättern wachsen hie und da hohe Gräser hervor, Pilze stehen einzeln unter ihren Hütchen. Da springt plötzlich ein Hase hervor, und der Hund stürzt ihm mit lautem Bellen nach ...

Und wie schön ist dieser Wald im Spätherbst, wenn die Waldschnepfen ziehen! Sie halten sich nicht im Dickicht auf; man muß sie am Waldessaume suchen. Es ist windstill: kein Sonnenschein, kein Schatten, kein Licht, keine Bewegung, kein Lärm. Die weiche Luft ist von jenem Weingeruch erfüllt, der dem Herbst eigen ist; ein feiner, durchsichtiger Nebel lagert unbeweglich in der Ferne über der gelben Flur; durch die kahlen, schwarzbraunen Baumzweige blickt der bleiche, milchweiße Himmel, an dem sich nichts bewegt; an den Lindenästen hängen noch einzelne goldige Blätter. Die feuchte Erde erscheint elastisch unter den Füßen. Die hohen, trockenen Gräser bewegen sich nicht, lange Fäden glänzen auf dem verblichenen Rasen. Die Brust atmet ruhig, aber eine seltsame Bewegung bemächtigt sich der Seele. Da geht man am Waldessaume hin, sieht nach seinem Hunde, und währenddessen ziehen geliebte Bilder, teure Gesichter von Toten und Lebenden an uns vorüber, längst schlummernde Eindrücke erwachen plötzlich und unerwartet wieder. Die Phantasie schwingt sich auf und fliegt dahin, wie ein Vogel; alles steht und bewegt sich so deutlich und klar vor den Augen. Bald erbebt das Herz im leidenschaftlichen Drange nach der Zukunft, bald taucht es in der unwiederbringlichen Vergangenheit unter. Das ganze Leben entrollt sich vor unseren Augen leicht und schnell; seine ganze Vergangenheit, alle Gefühle, alle Kräfte, seine ganze Seele beherrscht dann der Mensch. Und nichts stört ihn – kein Sonnenschein, kein Wind, kein Geräusch ...

Und dann ein heller, etwas kalter Herbsttag, der am Morgen schon Frost hat, wenn die Birke sich märchenhaft zierlich, silbern und golden vom Hintergrund des hellblauen Himmels abzeichnet, wenn die niedrigstehende Sonne nicht mehr wärmt, aber heller als im Sommer glänzt, wenn das kleine Espenwäldchen ganz durchsichtig ist und aussieht, als wäre ihm froh und leicht, so nackt dazustehen; wenn Reif noch auf dem Boden der Ebene liegt und ein frischer Wind die dürren, vertrockneten Blätter vor sich her treibt, wenn der Fluß freudig seine blauen Wogen dahinwälzt und die Gänse und Enten, die gruppenweise auf ihm schwimmen, abwechselnd hebt und senkt; in der Ferne klappert die in den Weiden halb versteckte Mühle und bunte Tauben kreisen in der klaren Luft herum ...

Schön sind auch die nebeligen Sommertage, obgleich die Jäger sie eigentlich nicht lieben. An solchen Tagen kann man nicht schießen: ein Vogel, der euch unter den Füßen auffliegt, verschwindet sofort im weißlichen Düster des unbeweglichen Nebels. Aber wie still, wie unaussprechlich still ist alles ringsumher! Alles ist erwacht und alles schweigt. Ihr geht an einem Baume vorüber – er regt sich nicht, wie in Trägheit versunken. Durch den feinen Dunst, der gleichmäßig die Luft erfüllt, seht ihr einen langen, schwarzen Streifen vor euch. Ihr haltet ihn für einen Wald; ihr tretet näher – und der Wald verwandelt sich in einen hohen Streifen Wermut am Raine. Über euch, um euch her – überall Nebel. Doch jetzt erhebt sich ein leichter Wind – ein Fleckchen blaßblauen Himmels tritt matt durch den immer dünner werdenden, wie Rauch sich aufrollenden Dunst hervor; ein goldiger Strahl dringt hinein, wogt in langem Lichtstrome hin und her, streift über die Felder hin, bricht sich an dem Walde – und siehe, plötzlich ist wieder alles umflort. Lange dauert dieser Kampf; aber wie unsagbar herrlich und klar wird der Tag, wenn das Licht nun endlich siegt und die letzten Wellen des erwärmten Nebels sich entweder senken und wie ein Tuch ausbreiten, oder sich heben und in der blauen, sanft glänzenden Hitze verdunsten.

Ein anderes Mal fährt man durch das bebaute Land in die Steppe. Zehn Werst weit habt ihr euch auf Feldwegen durchgearbeitet; – jetzt endlich seid ihr auf der großen Landstraße. Ihr fahrt an endlosen Wagenzügen vorüber und kleinen Herbergen, unter deren Schutzdach ihr den zischenden Samowar und durch deren weit geöffneten Tore ihr Brunnen seht, von einem Dorfe zum anderen, über unabsehbare Wiesen, an grünen Hanffeldern entlang; lange, lange fahrt ihr. Die Elstern fliegen von einem Weidenbaum auf den anderen; Weiber, mit langen Rechen in der Hand, ziehen aufs Feld; ein vorübergehender Reisender im abgetragenen Nanking-Rocke, das Felleisen auf dem Rücken, schleicht ermüdeten Schrittes dahin; ein schwerbeladener, herrschaftlicher, mit sechs abgejagten Pferden bespannter Wagen schleppt sich euch langsam entgegen; aus dem Fenster guckt der Zipfel eines Kissens hervor und auf dem Tritte hinter dem Wagen sitzt auf einem Sacke aus Lindenbast seitwärts ein Diener in einem Mantel und hält sich an einem Stricke fest. Der Straßenkot hat ihn bis hoch an den Kragen bespritzt. Hier ist ein Kreisstädtchen mit seinen hölzernen, schiefen Häuserchen, unzähligen Zäunen, unbewohnten steinernen Gebäuden von Kaufleuten und einer hinfälligen Brücke über die tiefe Schlucht ... Weiter! weiter! ... Jetzt liegen die kleinen Steppen vor uns! Vom Hügel herab – welch ein Anblick! Runde, niedrige, bis obenhin beackerte und besäte Hügel laufen wie breite Wogen auseinander; zwischen ihnen ziehen sich bewaldete Schluchten hin; kleine Wäldchen sind wie längliche Inseln ausgestreut; von Dorf zu Dorf winden sich schmale Pfade; weiße Kirchen schimmern in der Ferne; zwischen dem Weidengesträuch glänzt ein an vier Stellen eingedämmtes Flüßchen. Weit im Felde sieht man Trappen in langer Reihe stehen. Ein altes herrschaftliches Haus, mit seinen Nebengebäuden, seinem Obstgarten und seiner Tenne schmiegt sich an einen Teich. Aber ihr fahrt weiter, weiter! Die Hügel werden immer niedriger und niedriger, die Bäume immer seltener. Da ist sie endlich – die unbegrenzte, die unabsehbare, die große Steppe!

An Wintertagen gehts über die hohen Schneehaufen auf die Hasenjagd; man atmet die frostige, scharfe Luft ein, man zwinkert unwillkürlich vor der Blendung, durch das feine Blitzen des weißen Schnees, man erfreut sich an der grünlichen Farbe des Himmels über dem rötlichen Walde! ... Und die ersten Frühlingstage, wenn alles rings erglänzt und zu neuem Leben erwacht, wenn durch den schweren Dunst des geschmolzenen Schnees schon der Duft der erwärmten Erde empordringt, und auf schneefreien Stellen unter den schrägen Strahlen der Sonne die Lerche vertrauensvoll ihr Lied anhebt, und mit freudigem Gebrause das dunkle Schneewasser von Schlucht zu Schlucht niederstürzt. – Doch ich muß schließen; zu rechter Zeit erwähnte ich den Frühling: im Frühling wird der Abschied leicht, im Frühling treibts auch die Glücklichen hinaus in die Ferne. So lebt denn wohl, meine Leser. Ich wünsche euch Wohlergehen immerdar.

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