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Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt

Verschiedene Autoren: Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt - Kapitel 20
Quellenangabe
typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleHalali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt
publisherGeorg Müller
editorRolf Bongs
year1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Vom Wolf- und Bärenfang

Von Johan Turi.

Vom Wolffang.
Von dem Töten der Wölfe auf Schneeschuhen.

Auf Schneeschuhen tötet man so, daß man auf Schneeschuhen läuft, wenn der Schnee fest ist und die Kufen trägt, wenn es ein leichter und schneller Lappe ist. Und wenn man den Wolf eingeholt hat, schlägt man ihn mit dem Stab auf den Kopf oder in den Nacken, unter die Ohren oder über die Schwanzwurzel oder auf die Schnauze, gerade auf die schwarze Nasenspitze; da ist er sehr empfindlich. Anderswo fühlt er nichts, selbst wenn man ihn noch so hart schlüge. Aber schnell muß der sein, der seinen Stab und seine Schneeschuhe nicht verliert; der Wolf ist sehr darauf erpicht, mit dem Maul nach dem Stab zu schnappen, er schnappt auch in die Schneeschuhe und schüttelt so, daß man von den Schneeschuhen geschleudert wird; wenn man von den Schneeschuhen herunterfällt, dann springt der Wolf zu und beißt, wo er fassen kann. Aber der Lappe hat das Messer als Zuflucht, er greift nach dem Messer und sticht augenblicklich; aber doch kann er irgendwo beißen, zuweilen schlimmer und zuweilen nicht so schlimm. Da ist ein Rat: wenn der Wolf den Arm gepackt hat, dann soll man die Hand in den Rachen des Wolfes stecken, bis an den Schlund hinab, und dann den obersten Teil des Schlundes zusammenpressen, so daß der Wolf nicht beißen kann, und mit der anderen Hand soll man mit dem Messer stechen, und nun ist da keine Gefahr. Aber wenn es dem Wolf gelingt, mit den Zähnen in einen Fuß oder mitten in den Arm zu fassen, – in den Ellbogen ist es gefährlich, wenn der Wolf da zu fassen kriegt, – dann beißt er; durch den Arm gehen die Zähne, und wenn er ein Bein zu fassen kriegt, dann ist das auch sehr gefährlich, wenn man da von dem Wolf gebissen wird, der so lange Zähne hat, daß sie durch das Bein gehen, und dann wird das Bein so steif, daß es sich nicht biegen läßt. Es ist oft geschehen, daß Leute so arg gebissen worden sind, daß sie fast starben; sehr krank werden sie auf alle Fälle und lange, zuweilen einen Monat und zuweilen den ganzen Winter, und die Narben werden so, daß sie so lange währen, wie einer lebt.

Sie haben auch einen Spießstab benutzt; aber deswegen kann der Wolf doch beißen, obgleich es ja eine große Hilfe ist, wenn man einen Spießstab hat.

Auf Schneeschuhen hinter dem Wolf dreinlaufen, ist das allerschlimmste, um die Gesundheit der Leute zu zerstören. Da muß man so laufen, daß das Blut in den Mund kommt, und man wird so erhitzt, daß man gezwungen ist, die Brust ganz nackend zu entblößen. Und wenn man den ganzen Tag auf Schneeschuhen gelaufen hat, da ist man so schweißig, daß alle Kleider auf der Haut naß sind, und dann ist man so müde, daß es nicht gut möglich ist, wieder zurückzukommen. Aber wenn man es so trifft, daß man weit in den Wald hineinkommt, und wenn fester Schnee ist, passend, nicht allzu hart und auch nicht zu weich, und da keine Spur in der Richtung des Hochgebirges ist, da ist es zuweilen leicht, ihn einzuholen; wenn man nur nicht gebissen ist, holt man ihn gleich ein.

Aber wenn der Wolf eingeholt ist, dann heult er und sperrt den Rachen weit auf, daß er, wenn es sein sollte, einen Menschenkopf aufnehmen könnte; wenn er von der großen Art ist. Und wenn es ein furchtsamer Mensch ist, so wird er bange und kehrt um. Aber da ist ein Rat für einen schwachen Menschen: wenn da Bäume auf der Stelle sind, er fängt den Wolf mit der Fangschnur, und dann schleudert er die Schnur in einen Baum hinauf, und dann kann der Wolf die Schnur nicht durchbeißen; aber er muß schnell sein. Und mit dieser Kunst kann auch ein schwacher Mensch einen Wolf töten.

Und wenn es ein mutiger Mann ist, wenn er in die Nähe kommt, dann ruft er dem Wolf zu: »Nun nicht weiter, du kommst doch nicht weiter!« und dann wendet der Wolf sich augenblicklich um und geht vorwärts und heult und bellt und sperrt den Rachen so weit auf, wie er kann, aber wenn es ein kühner Mann ist, dann fürchtet er sich nicht, wie er sich auch anstellen mag.

Aber das ist der allerschlimmste, der die Ohren zurücklegt und den Schwanz bewegt; doch ist einer mutig und schnell, dann hat er zwei Stäbe in Bereitschaft, und den einen sticht er in den Rachen des Wolfes und mit dem anderen schlägt er. Und wenn er ihn halb tot bekommen hat, dann fängt er an zu beschwören und zu fluchen und sagt: »Du hast meine Zugrenntiere und meine Renntierkühe aufgefressen, friß nun auch weiter, verfluchter Same! Wag du jetzt nur die Zähne zu zeigen! Aber das sollst du auch nicht mehr, verfluchte Brut! meine Renntierkühe und Zugrenntiere zu fressen! Die letzte Nacht hast du mein bestes Fahrrenntier zerrissen, Birru, Bärkalak, Hölle, Satanas, Großmaul, Langzahn! Aber du sollst meine Herde hinfort nicht mehr zerstören, verfluchter Same! Wenn du selbst nicht meine Renntiere getötet hast, dann haben doch deine verfluchten Genossen es getan!« Und dann schlägt er wieder wie der Blitz und sticht ihn auch gleichzeitig.

Aber nun ist es schwer, ihn auf Schneeschuhen zu fangen, und schwer auf jede Weise, da die Renntiere sich so vermehrt haben, daß sie überall den ganzen Winter auf dem Hochgebirge sind, und an der Baumgrenze in den Tälern, so daß der Wolf so viele Renntiere bekommen kann, wie er mag. Und darum braucht er keine Nahrung im Walde zu suchen. Aber selbst wenn er in den Wald gegangen ist, so ist er auch da nicht in Not, da dort überall Spuren sind. Wenn man auf Schneeschuhen ausgeht, so sind da überall gefrorene Renntierspuren, so daß man nicht so viele ganze Schneeflächen findet, daß man ihn auf Schneeschuhen einholen könnte. Und daher ist es ebenfalls schlimm, ihn mit anderen Jagdmethoden zu fangen, weil da so viele Menschen und Renntiere hier in der Jukkasjärvi-Gemeinde sind. Im Jahre 1908 gingen die Wölfe in die südlichen Wälder hinab, und die Leute liefen überall auf Schneeschuhen, wo sie noch hinkamen; aber sie bekamen sie nicht, weil die ganze Gegend aufgewühlter, gefrorener Schnee war. Zwischen Herde und Menschen kann man nicht jagen. Aber abseits ist es das beste; wenn da möglicherweise abseits von den anderen Sidas eine Sida liegt, und wenn da gute Weide ist, dann könnte man ihn wohl bekommen; wenn nicht unbewachte Renntiere auf dem Hochgebirge sind, dann ist er gezwungen, nur um diese eine Sida herumzukreisen. Und wenn es ein solcher Jäger ist, der mit dem Eisen und mit Gift fangen kann, dann mag er schon Wölfe und andere Tiere bekommen, Vielfraße und Polarfüchse und Füchse.

Den Wolf muß man mit dem Eisen und auf der Spur fangen. Die eigene Spur des Wolfes ist gut, aber man muß eine solche Stelle wählen, wo er geradeaus und in Sprüngen gelaufen ist, damit er das Eisen nicht riecht, wenn er schnell dahin läuft. Das Eisen stellt man so auf: zuerst macht man ein Loch von der Große, die das Eisen hat, und dann muß man es gerade da anbringen, wo er hintritt, und es mit dünnen flachen Föhrenspänen überdecken, und dann wieder die Späne mit Schnee bedecken. Und sie müssen so fein bedeckt werden, daß man nicht sehen kann, daß der Schnee angerührt ist. Und die eigene Spur verdeckt man so, daß sie nirgends sichtbar ist; man muß den feinen Schnee in die Höhe werfen, und wenn er niederfällt, da ist es, als hätte es eben geschneit. Und durch diese Kunst verdeckt man alle Menschenspur und das Eisen, und dann merkt das wilde Tier nichts, und dann geht es leicht in das Eisen.

Und auf einer Schlittenspur ist es auch gut, wenn da Renntiere gelaufen sind, und hinterher wieder Leute mit Schlitten. Und es wird da auch auf diese Weise aufgestellt, wie es oben beschrieben ist.

*

Svonni lief auf Schneeschuhen in der Wildnis, und er hatte einen Spießstab mit. Und da sah er, daß die Wölfe über einen See gingen. Und da blieb er stehen und wartete, bis die Wölfe an das Ufer kamen. Und als die Wölfe an den Seerand kamen, da lief er hinterdrein. Und als er sichtbar wurde, da ging der größte ihm entgegen, und ging unter einen großen Tannenbaum. Und er wollte ihn mit dem Spießstab erstechen, aber er wartete nicht, er lief wieder weg. Und er wurde böse. Und als der größte durch die anderen hindurchjagte, da lief er auch hinterher, die anderen sprangen jeder nach seiner Seite. Und als er sie einholte, da stach er den großen mit dem Spießstab; und ein anderer war gerade auf der entgegengesetzten Seite von dem Rücken des großen. Und dieser andere fiel ihn an und biß ihn ins Knie, und er biß so scharf, daß die Zähne durch das Bein gingen. Und dann stach er ihn ins Auge, so daß das Messer ganz durch das Auge ging, und dann ließ er ihn los, und er sprang fort und fing an zu taumeln. Und der andere Wolf war noch auf der Spießspitze, er wagte nicht, ihn loszulassen, er war bange, daß sie beide über ihn herfallen konnten; dann hätten sie ihn ja getötet. Aber er drückte den Spießstab gegen einen Busch, und der Wolf zappelte und kratzte dort im Todeskampf, und dann sind alle Tiere darauf erpicht, zu beißen, und der Wolf ganz besonders, der das gehässigste Tier ist, das man hier findet. Er ließ ihn jedoch nicht los, bis er sah, daß der Wolf die Kräfte verlor; da ließ er ihn los. Und dann setzte er sich daneben hin; und da wurde sein Bein steif, so daß es sich nicht biegen ließ, nicht im geringsten, auch konnte er es nicht ertragen, es wurde so schmerzhaft. Und da dachte er, daß er nun dort auf der Stelle stürbe. Aber da kamen zwei Finnen, die auf Schneeschuhen hinter demselben Wolf her waren, aber sie waren weit zurückgeblieben. Und sie wußten nichts voneinander, aber sie begegneten sich hier. Und als sie hörten, daß er einen Wolf halbtot hatte laufen lassen, da wollten sie hin, um ihn zu verfolgen; aber Svonni ließ sie nicht von sich, er sagte: »Wenn ich hier allein zurückbleibe, dann sterbe ich auf der Stelle.« Da versprachen sie, zu helfen, womit sie nur konnten. Und er bat sie, den Wolf abzuhäuten. Und als sie das Fell abgezogen hatten, da bat er sie, den Magen des Wolfes zu öffnen, und das taten sie. Und da bat er sie, die Galle zu nehmen und die Nierenfetthaut. Und da goß er erst die Galle in die Wunde und wickelte die Nierenfetthaut um das Bein über die Wunden. Und das nahm den Schmerz augenblicklich weg. Und als eine ganz kleine Zeit vergangen war, da hörte die Qual auf, und er versuchte, das Bein ein wenig zu biegen. Und im Anfang konnte er nicht ertragen, es weiter als ungefähr einen Millimeter zu biegen, und dann versuchte er immer ein wenig mehr, bis er das Bein geradegebogen kriegte. Und als er das Bein geradegebogen kriegte, da versuchte er gleich auf Schneeschuhen zu laufen, und dann versuchte er, ob das Bein mit den Schneeschuhen folgen könne. Und da fing es an, sich zu biegen und es ertragen zu können. Und da sagte er zu seinen Kameraden: »Ihr könnt gerne den Wolf verfolgen, ich sehe, daß ich nach Hause kommen kann.« Und Svonni zog heimwärts. Und als er sich auf das Bärbmed Zwei abgehauene Baumstämme, die vor der Tür zum Herd liegen; sie werden zum Sitzen benutzt; zwischen ihnen liegt das eingeholte Brennholz. Sie dienen auch dazu, die beiden Seiten der Kote abzugrenzen, damit das Fußbodenreisig nicht zerstreut wird. setzte, und sie dann anfingen, Kaffee zu kochen, da, ehe der Kaffee fertig war, war sein Bein wie Holz, es war gar nicht zu biegen. Die Leute waren gezwungen, ihn von da nach der Loaiddo Der geräumigste Platz in der Kote, zu beiden Seiten der Feuerstätte dient sowohl als Arbeitsplatz wie als Schlafplatz. zu einem Ruheplatz zu helfen. Und da lag er drei Wochen, ehe er aus der Kote hinauskam. Und die Wunden fühlt er noch bis zum Tode. Und er lebt noch und ist die Polizei der Lappen (eine Art Dorfschulze).

*

Vom Bärenfang.

Wenn man sieht, wo der Bär ist, dann geht man hin und schleicht, und so vorsichtig muß man schleichen, daß man nicht einmal einen Zweig abbrechen darf. Und man muß gegen den Wind anschleichen, damit er nicht die Fährte bekommt. Und wenn einer mutig ist und nicht furchtsam, dann schießt er ihn wie ein Schneehuhn; aber wenn er ihn nicht totschießt, dann ist es gefährlich, dann wird er ja böse und springt auf ihn zu. Aber dann soll er von der Stelle, wo er geschossen hat, nach der Seite hin laufen. Der Bär springt dahin, wo er die Büchse knallen hörte. Und wenn er dahin kommt, wo er die Büchse knallen hörte, so steht er da und sieht, wo der Mensch ist, und wenn er ihn dann sieht, dann zerreißt er ihn augenblicklich; aber wenn er ihn nicht sieht, so geht er seiner Wege, falls er nicht tödliche Wunden bekommen hat. Und das hat man auch gehört, wenn der Bär angeschossen ist, dann kann er nicht mehr sterben. Es ist, als sei er kugelkundig; wenn die Kugel kommt, dann schnappt er nur mit dem Maul dahin, wohin die Kugel kommt, und selbst wenn das Blut da herausspritzt, wo die Kugel trifft; aber wenn er mit dem Munde schnappt, dann stillt er das Blut und nimmt den Schmerz weg. Das haben Bärenjäger ganz deutlich gesehen. Aber mit den Büchsen von heutzutage ist das nicht mehr so gefährlich wie mit denen von früher, die nicht so schnell geladen werden konnten, wie die jetzigen Büchsen, die von dem hinteren Ende der Büchse geladen werden, und die man ein Gewehr nennt.

Eine Fangkunst für den Bärenfang. Man muß einen Spieß haben, womit man den Bären sticht, und er muß auf die Weise gestochen werden, daß der Spieß unter dem Arm verborgen ist und der Schaft des Spießes ganz hinten hinter dem Rücken, und wenn der Bär auf einen losgeht, dann muß man sich hintenüberwerfen. Dann fällt der Bär in den Spieß, und dann muß man ihn herumdrehen und den Spieß in den Bären hineintreiben und ihn gegen die Erde drücken.

Zuweilen findet man den Bären, wenn er sich in den Winterschlaf zur Ruhe begeben hat. Und dann sucht man ihn so: Wenn man im Herbst bei dem ersten Schnee die Spur des Bären bemerkt und danach geht, bis er anfängt, eine gewundene Spur zu bilden, dann muß man daran herumgehen. Und wenn man rund um die Spur herumgelangt ist, dann muß man es an diesem Tag so lassen, und am nächsten Tage begibt man sich hin und geht wieder um die Spur herum. – Und wenn man rund um das Tier herumgekommen ist, das man fangen will, dann ist das Tier viel sicherer oder mutiger, man kann viel besser dazu kommen, zu schießen. – Und wenn der Bär nicht seiner Wege gegangen ist, dann schläft er da, und dann muß man jedesmal rundherum gehen, bis man sieht, wo die Öffnung ist, wo er hineingegangen ist. Und dann soll man ihn wieder in Ruhe lassen, und nach Verlauf einer Woche hingehen, um zu untersuchen, und dann soll man ein Zeichen vor die Öffnung setzen, damit man sehen kann, ob er noch darin ist, wenn man später kommt, um ihn zu töten. Und wenn der Schnee fest geworden ist, dann soll man hingehen und ihn töten, und dann müssen dazu drei sein. Zwei stecken Stangen kreuzweise vor die Öffnung der Bärenhöhle, und der dritte muß bereit sein, ihn auf den Kopf zu hauen, wenn der Bär herauskommt, um zu sehen, wenn sie ihn herausrufen. Und wenn er den Kopf heraussteckt, dann untersucht er, wie viele da sind, und wenn man dann nicht dazu kommt, zu hauen, so ist der Bär, wenn er zum zweitenmal herauskommt, wie Feuer, daß man nicht mehr dazu kommen kann, zu hauen. Aber dann, wenn er zum erstenmal kommt, um zu untersuchen, da ist es leicht, seinen Zweck zu erreichen, wenn man da nicht zu furchtsam ist. Und die Männer mit den Stangen sind da, damit sie ihn zurückhalten sollen, damit der Bär nicht so schnell hinwegschlüpft, ehe er auf den Kopf geschlagen worden ist. Dann schlüpft er ja hinaus, und wenn er eben hinaus geschlüpft ist, dann stirbt er. Und dann ziehen sie ihm die Haut ab und bereiten viele Heilmittel aus dem Körper des Bären. Die Galle ist gut für Herzkrankheit und für Wunden, auch für andere inwendige Krankheiten. Und die Luftröhre ist gut dazu, wenn Schwamm kommt (bei kleinen Kindern), dann muß die Milch dreimal dadurchgegossen werden, und dann müssen sie sie trinken. Und Bärenfett ist eine ganz besonders gute Sehnensalbe, für Gichtkrankheit und für Stiche und für Blasen.

Man fängt Bären auch mit der Schlinge. Und er bleibt hängen, wenn es einer ist, der sich auf Schlingenlegen versteht. Und die Schlinge soll eine viertel Elle vom Boden ab sein, und dann hängt er daran fest. Und er hat Zähne; und doch beißt er den Strick nicht durch, sondern wirft Urin auf den Strick, und dann versucht er immer, ihn da zu zerreißen, wo der Urin den Strick verbrannt hat. Und es bedarf keiner langen Zeit, bis der Strick mürbe geworden ist, so daß er zerreißt. Aber der, der fängt, der soll die Schlinge oft nachsehen. Und auf diese Weise sind viele Bären getötet worden. Und der Strick soll gegerbt sein, damit der Bär den Strick nicht riechen kann. Und man muß einen Zaun quer davor machen, wo der Bär seinen Wechsel hat, und dann eine Öffnung und da hinein die Schlinge.

*

Man muß wissen, wo der Bär seinen Wechsel hat. Dann muß man Branntwein in einer blauen tönernen Schale in einen Wacholderbusch oder zwischen Zwergbirken stellen. Und wenn der Bär an die Stellen kommt, so riecht er ihn schon aus weiter Ferne und geht gleich hin, um ihn zu suchen. Und wenn er ihn findet, trinkt er das Ganze, wieviel es auch ist. Und dann wird er so betrunken, daß er von nichts mehr weiß, und er schreit und gebärdet sich auf alle Weise. Und dann hört man es weithin. Und man geht in der Morgen- und Abenddämmerung, um zu lauschen; und wenn man ihn hört, dann geht man hin und erschießt ihn, da hört und wittert er auch nicht. Und er kann auch soviel trinken, daß er ohnmächtig wird. Und da ist auch das, wenn er einmal Branntwein findet und trinkt und wieder nüchtern wird, dann macht er sich sehr oft daran, zu suchen. Und das ist überaus leicht, wenn man ihn erst einmal dazu gebracht hat, daß er was trinkt, dann setzt man wieder was hin und fängt an aufzupassen, er wird schon regelmäßig kommen, um nachzusehen, auch geht er nicht weit von den Stellen, wo er einmal Branntwein gefunden hat.

Die Renntiere verscheuchen den Bären auch von seiner Schlafstelle im Winter. Und dann können die, die Büchsen haben, ihn wohl bekommen; aber ohne Büchse bekommt man ihn doch nicht, nicht einmal im Winter. Aber es kann auch so geschehen, daß man mit schlechter Büchse jagt und schießt; und wenn es eine allzu kleine Büchse ist, kann der Bär sehr wohl das Leben behalten und Reißaus nehmen, und da geht er in das Hochgebirge, und dann verliert man die Spur.

Das Hochgebirge ist auch für viele in der Vergangenheit die Festung gewesen, und ist es auch noch für diesen oder jenen. Wenn der Lappe bange wird, dann geht er in die Berge, und dann findet man nicht das geringste da oben. Da ist der Rat, daß man ein Loch in den Schnee macht und da hineingeht und die Öffnung zudeckt. Und da unten ist es sehr warm. Und dies tut der Lappe oft, wenn er im Hochgebirge ist und nicht zu den Koten zurück kann, und wenn dann Schneetreiben kommt. Und wenn sie dabei sind, die Herde zu hüten, dann gehen sie auch in den Schnee hinab, wenn es kalt ist, aber nicht ganz, nur die Füße steckt man in den Schnee hinein, und da ist es sehr warm.

*

Der Bär ist ein merkwürdiges Tier, das den ganzen Winter lebt, ohne zu fressen. Und er wird nicht böse auf den Menschen, der zu ihm hinkommt und ihm nichts tun will. Er hat versprochen, daß er ihm nichts tun will, der zu ihm in die Höhle kommt, wenn er auch dem Savolacen den Kopf abriß, als er anfing, ihn zu binden, und ihm die Augen mit krummen Fingern kratzte, da wurde er böse und riß dem Savolacen den Kopf ab. Und die Savolacen sind nun auch eine eigene Art von Volk. Aber andere, die nach der Kote des Bären kommen, zuweilen vor den Ruosas fliehend, denen tut er nichts, auf die wird der Bär nicht böse, selbst wenn sie den ganzen Winter dableiben. Und ich habe gehört, daß sich ein Mädchen einen ganzen Winter in der Kote des Bären aufgehalten hat, und die Uldas ernährten das Mädchen auch – die Bären und die Uldas wohnen im Winter zusammen, der Ulda bringt dem Bären Nahrung, und der Bär kann nicht auf andere Weise leben, als daß der Ulda ihn ernährt – und sie schlief außerordentlich gut in dem Winter, so wie der Bär. Und der Bär war ein Männchen, und er schwängerte das Mädchen. Und das Kind war ein Junge, und die eine Hand wurde eine Bärentatze und die andere eine Menschenhand. Und die Hand war niemals unbedeckt. Und ein Mann wollte, daß er sie vorzeigen sollte, obwohl er sagte, daß er sie nicht zeigen könne, es sei gefährlich, doch der Mensch glaubte das nicht, sondern wollte, daß er sie zeigen sollte. Und da zeigte er sie denn endlich. Und als er sie dem Mann aufdeckte, da konnte er sich nicht zügeln, sondern zerriß das Gesicht des Mannes. Und da sahen die Leute, daß es wahr war, was er von seiner Hand erzählte.

*

Wenn man sich aufmacht, um den Bären zu verfolgen, und wenn man der Spur folgt, da ist das gefährlich auf diese Weise: Wenn der Bär entdeckt, daß Leute hinter ihm her sind, so geht er und bildet eine gewundene Spur, und dann geht er hin und legt sich neben die Spur, und wenn man an der Spur entlang kommt, dann wacht er neben der Spur, und dann fällt er den Menschen an und zerreißt ihn. Und das ist oft geschehen, wenn die Leute ausgegangen sind, um die Spur zu verfolgen.

Erzählung von einem Menschen, der ausging, um den Bären im Frühling zu verfolgen, und ihn viele Male einholte und ihn immer nicht sah, und da scheuchte er ihn auf, und der Bär wurde böse und ging unter eine Schneewehe, die über einen kleinen Elf hinaushing. Und als der Mann auf Schneeschuhen über die Schneewehe glitt, da fiel ihn der Bär an und zerriß ihn auf der Stelle, riß die Haut von dem Gesicht ganz über den Kopf, und die Beine riß er ganz nach beiden Seiten. Und der Name des Menschen war Maunos. Und der kleine Elf hat noch den Namen, selig Maunoskluft oder -elf. Und die Stelle ist in Norwegen östlich von Raisa, die Ostseite von Malesjokka, die Südseite von dem kleinen Elf, dessen Name oben genannt ist. Und es liegt nicht mehr als achtzig Jahre zurück von 1908.

Das Gesetz des Bären ist so: Wenn der Bär einen Menschen tötet, dann hat er keine Ruhe, im Winter zu schlafen. Und das haben die früheren Lappen begriffen, daß der Bär ein Gewissen hat. Und zweitens, wenn die Uldas seine Versorger im Winter sind, so wollen sie sich seiner nicht mehr annehmen, wenn er sich mit Menschenblut besudelt hat.

Und eine andere Begebenheit war um dieselben Zeiten, und dieselbe Art von Ereignis ist in Karesuando vorgefallen.

Als die Lappen in dem oberen Kirchdorf von Karesuando die frischen Spuren des Bären fanden, da gingen sie, um ihn aufzuspüren. Und sie waren sieben Lappen, und der Name ihres Anführers war »der starke Morto«. Und sie hatten keine Büchse und auch keinen Spieß, aber eine Axt hatten sie, womit sie ihn zu töten gedachten, da die Schneekruste so beschaffen war, daß der Schnee den Bären nicht trug, aber Menschen trug er wie Schneehühner. Und als sie den Bären fanden, da fiel er sie an, da er wußte, daß sie keine Brüder waren, welche der Bär am ärgsten fürchtet; er weiß, daß die einander helfen; aber wenn es keine Brüder sind, so weiß der Bär, daß sie furchtsam sind und einen zurücklassen, daß er totgebissen wird. Und darum griff er sie an, obgleich er sah, daß sie viele waren, und weil er obendrein sah, daß sie sich schon fortscheuchen ließen. Aber der starke Morto war nicht bange, und noch einer, der Morto zu Hilfe kommen sollte; aber er wagte nicht, doch floh er auch nicht fort, sondern sah zu, wie es ging. Und der Bär fuhr auf Morto ein, und Morto sagte: »Ringe mit mir!« Und dann fing der Bär an, mit ihm zu ringen, und der Bär drohte, wütend zu werden, weil Morto so stark war. Und da fing der Bär an zu beißen; Morto sagte zu dem Bären: »Komm mir nicht mit Hundekünsten!« Und dann rangen sie, und Morto rief seinen Genossen zu Hilfe. Und als der Bär das hörte, ging er zu dem Burschen hin und packte ihn und trat ein großes Loch in den Schnee, und dann legte er den Burschen in das Loch hinein und deckte ihn mit Schnee zu. Und er tat ihm nicht das geringste weiter, doch berührte er mit der Spitze der Tatze das Gesicht ein wenig. Morto wagte nicht, wegzugehen, obwohl er sah, daß der Bär jetzt ja tun konnte, wozu er Lust hatte. Und als der Bär mit dem Burschen fertig war, nahm er Morto wieder in Angriff, und da rangen sie wieder miteinander; und da bekam der Bär Morto unter sich, und da stellte Morto sich wie tot an. Und da ließ der Bär ihn los und ging eine kleine Strecke weg und kam wieder zurück, um sicher nachzufühlen, ob er tot war. Und er befühlte mit der Schnauze die Nasenlöcher, und er fühlte unter den Armen. Und der Mann stellte sich so tot, er atmete nicht im geringsten, während der Bär dabei war, zu untersuchen. Und der Bär befühlte auch den Hintern mit der Schnauze, aber als der Mann sich nicht rührte, da meinte er, tot, das ist er, und da ging er weg. Und als er ging, sah er beständig nach, ob er sich rührte. Und als er ihn sich nicht rühren sah, ging er seiner Wege. Und Morto blieb liegen, bis er sah, daß der Bär ging. Und dann grub er den Burschen aus dem Schnee heraus, und die beiden gingen nach Hause. Doch hatte der Bär Morto die Nase und die Lippen abgebissen, so daß die Zähne bloß saßen. Aber er lebte ja noch lange nachher.

Und als ein alter Bärenjäger hörte, daß ein Bär da in der Nähe gewesen war – er hatte viele Bären getötet, und er hatte den Namen Bären-Mikkel bekommen – und als er von dannen zog, da verbot seine eigene Frau ihm das: »Geh nicht hinter einem bösen Bären her, das ist gefährlich!« Aber der alte Bärentöter verstand nicht, sich zu fürchten. Er zog von dannen und ging der Spur nach. Und der Bär war neben der Spur hergegangen, um aufzupassen, so wie das ja die Sitte eines bösen Bären ist. Und wie der Mann an der Spur entlang ging, da, als er den Mann sah, fiel er ihn an und zerriß ihn augenblicklich.

*

Erzählung davon, wie zwei Männer ausgegangen waren, um die »Pelzgreise« aufzusuchen.

Und sie waren alle beide stark, und der eine hatte viele Bären getötet, aber der andere hatte noch keinen Bären gejagt, er war bange und ungeübt. Und als sie den Bären fanden, da war er so wütend, daß er sie augenblicklich anfiel, und sie liefen hinter einen großen Föhrenbaum, und der Bär lief auf die Föhre zu und umschlang den Baum mit den Tatzen oder den Vorderbeinen. Und der alte Jäger hielt die Tatzen des Bären fest und rief dem andern zu: »Komm heran und töte ihn!« Aber der kam nicht, sondern ging nach Hause. Und nach Verlauf von vierundzwanzig Stunden ging er hin, um nachzusehen. Und er sah, daß sein Kamerad noch am Leben war; er glaubte, daß er getötet wäre. Und als er näher kam, sagte der, der den Bären festhielt: »Komm du jetzt und halte, hier ist keine Gefahr, der Bär ist schon müde, und seine Tatzen sitzen so tief drin in der Föhre, daß man nur ein ganz klein wenig gegen die Föhre zu drücken braucht.« Und da kam er und fing an zu halten, und der andere sagte: »Halt' du jetzt auch vierundzwanzig Stunden; wenn du nicht festhältst, dann wirst du aufgefressen!« Da wagte er nicht loszulassen, da der andere ihn auch ebenso lange halten ließ, wie er selbst gehalten hatte. Und als vierundzwanzig Stunden verstrichen waren, da kam der andere und tötete den Bären. Und dann sagte er: »Ist es gut, wenn der eine den anderen in Lebensgefahr allein läßt?«

*

Erzählung davon, wie der Bär einen Mann anfiel.

Er war allein, und er lief hinter einen Föhrenbaum, und der Bär umschlang die Föhre, und da hingen die Tatzen in dem Baume fest, und der Mann hieb beide Tatzen des Bären ab. Und der Bär riß sich los und zog auf zwei Beinen von dannen, und der Mann lief ihm nach und schlug ihn auf den Kopf, und der Bär fiel zur Erde und starb. Und er kriegte ihn mit einer Axt, und das hat man noch nie gehört, daß jemand den Pelzgreis mit einer Axt getötet hat.

*

Im Fauros-orda war es sehr grasreich und schön nach Ansicht der Leute, und daher wurde es »der schöne Waldrand« genannt. Und da war viel von allerlei Grasarten und Sauerampfer. Und da lebten viele Bären. Und da war es gefährlich für die Sauerampfersammler; aber wenn die Hunde mit dabei waren, dann fürchteten sich die Bären doch. Wenn der Bär angriff, dann fingen die Hunde an, den Bären am Hintern zu zwicken, und da mußte er fliehen. Einmal war da einer mit einer Sauerampferlast hinaufgegangen, und da kam der Bär auf dem Steig vor ihm. Und der Mensch konnte nicht laufen mit der schweren Last, und er legte sich geduckt auf den Steig. Und der Bär hatte nicht gesehen, daß es ein lebender Mensch war, er wanderte rund um ihn herum und schnüffelte überall, und er schnüffelte ihm auch am Hintern, und der Mann ließ einen Wind fahren, und der Bär erschrak und lief davon; und als er sich ein wenig entfernt hatte, da kam ein anderer Bär, auch er schnüffelte und wanderte langsam umher, und da kratzte er an der Last des Mannes – der Sauerampfer war in einem abgetragenen, steifen Pelzmantel gesammelt. Und als der Bär mit den Tatzen dran kratzte, da raschelte er, und da wurde der Bär so bange und lief davon und rannte in den Wald, wie ein Stein hinunterfällt, es war ein Poltern und Krachen. Und als der Mann hörte, daß er wegging, machte er sich auf und ging nach Hause. Aber er war noch bange, als er nach Hause kam, so erschreckt war er.

Der Bär hat den Sinn eines Mannes und die Stärke von neun Männern, und darum fürchtet er nicht viele Menschen, aber vor zwei Brüdern fürchtet er sich, weil ein Bruder sein Leben nicht mehr liebt als des Bruders Leben.

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