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Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt

Verschiedene Autoren: Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt - Kapitel 18
Quellenangabe
typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleHalali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt
publisherGeorg Müller
editorRolf Bongs
year1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Hasenjagd

Von Pierre Mille.

An der Seite einer hübschen, blonden, elegant und sehr fein aussehenden Dame, die er am Arm führte, schritt ein noch ziemlich junger Mann an uns vorüber. Er war sehr schön, hatte eine bräunliche Haut, sanfte und dabei doch feurig blickende Augen, und in seiner ganzen Haltung und der Art, wie er seinen Kopf trug, lag ein gewisses Etwas, das sofort den Offizier verriet. Er blickte Barnavaux an und ich sah sofort, daß dieser ihn erkannte. Aber er unterließ es, ihn mit dem vorgeschriebenen militärischen Gruß zu ehren, diesem Gruß, der dem Soldaten so im Blute steckt, daß er ihn meist selbst dann gewohnheitsmäßig ausführt, wenn er seinem Vorgesetzten in Zivil begegnet, und er nicht dazu verpflichtet ist. Aber Barnavaux nahm nicht die geringste Notiz von dem Offizier, im Gegenteil vertiefte er sich mit erheuchelter Aufmerksamkeit in den Anblick irgendwelcher im Schaufenster eines Ladens ausgestellten Gegenstände. Und der Offizier setzte ruhig seinen Weg fort, vielleicht ohne etwas Besonderes an dieser Szene zu finden.

»Ja,« sagte Barnavaux in Beantwortung meiner Frage, »ja, er ist in meinem Bataillon, aber da er gerade in Zivil ist, brauche ich ihn ja nicht zu kennen, nicht wahr?«

»Habt ihr irgend etwas miteinander gehabt?« frug ich, wohl wissend, daß es nicht so leicht sei, mit Barnavaux fertig zu werden.

»Niemals auch nur das geringste. Aber er ist ein Bounioul: ein Neger, wenn Sie wollen.«

»Dummes Zeug,« sagte ich, »der ist so weiß wie Sie und ich.«

»Das tut nichts,« behauptete Barnavaux eigensinnig; »es fließt doch noch etwas schwarzes Blut in ihm.«

Ich hätte niemals vermutet, daß in der Seele Banavaux dieselben Vorurteile nisten, wie in derjenigen der Nordamerikaner, und ich sagte ihm dies mit deutlichen Worten und im Tone gerechter Entrüstung.

»Er ist ein Mensch wie Sie es sind, und jedenfalls sieht er viel besser aus und ist auch besser erzogen als Sie.«

»Nein,« antwortete Barnavaux in schroffem Tone, »nein, er ist kein Mensch, wie ich es bin. Was Sie da vorbringen, ist Philosophenweisheit und folglich Aufschneiderei und nichts als das! Die Wahrheit ist, daß die Weißen seit vielen tausend Jahren auf Bahnen wandeln, die nicht die der Schwarzen sind. Die Weißen haben ihren Kopf, ihr Herz und ihre ganze Kraft daran gesetzt, um sich immer weiter zu bilden und besonders auch um Erfindungen zu machen. Manchmal fiel das zum Guten aus, manchmal auch zum Schlechten. Aber es ist doch wohl viel mehr Gutes wie Schlechtes dadurch bewirkt worden, nicht wahr? Sonst gäbe es heute in den Straßen keine elektrischen Bahnen und die weißen Frauen würdens heute wohl noch machen wie die Weiber des Kongos, sie würden ihre Kinder säugen, bis sie fünf Jahre alt sind, und ihnen dann die Oberzähne spitz zufeilen, damit sie wie Hundezähne werden, weil man damit besser Menschenfleisch essen kann. Nun wohl, wenn man Mestizen in die Welt setzt, da bringt man zusammen, was immer voneinander getrennt bleiben sollte, und sehen Sie, das ist ein großer Irrtum. Und die Amerikaner, von denen Sie reden, haben vollständig recht, diejenigen zu bestrafen, die einen solchen Irrtum begehen, aus demselben Grunde, wie man auch das Recht hat, Soldaten zu bestrafen, die irrtümlich und ohne jeden bösen Willen einen Fehler begehen; es geschieht, damit der Armee kein Unglück passiert.«

»Aber was könnte der Armee, ich meine den Weißen in diesem Falle, für ein Unglück begegnen? Das eben ist die Frage.«

»Es könnte sich ein Unglück ereignen«, erwiderte Barnavaux, »und das genügt. Man muß es zu verhindern suchen, ein solches Risiko zu wagen. Wenn Sie derartige Experimente machen wollen, so tun Sie es anderswo. Aber nicht hier; es würde Ihnen teuer zu stehen kommen, wenn es schlecht ausfiele.«

Nach den richtigen Ausdrücken suchend, fuhr er fort:

»Ich gebe zu, daß es schwer ist, so zu denken, wenn man nicht die Schwarzen bei sich zu Hause gesehen hat, man weiß wirklich vorher nicht, wie und was sie sind. Wenn Sie so einem schwarzen Kerl in Paris begegnen, so denken Sie, daß das ein Mensch sei wie Sie selbst, nur daß er eine andere Farbe habe. Ich aber stelle mir dann ihr Leben in den Lehm- oder Strohhütten vor, erinnere mich, wie die beschnittenen Männer dort abends vor aller Welt tanzen und dabei Gesten machen, die Sie sich, selbst in verschlossenem Zimmer und vor der Ihnen angehörigen Frau niemals erlauben würden. Den Negerinnen aber gefällt das und sie reagieren auf so ein unzüchtiges Gebaren. Ich denke an das, was sie essen und wie sie es essen, ich denke an alles, was sie tun, was sogar meine Kameraden, die senegalischen Soldaten, mit ihren getöteten Feinden tun würden, wenn wir sie nicht daran hinderten. Und dennoch sind diese in ihrer Weise gut, sie sind tapfer, gelehrig und fügsam, man muß sie lieben und sie nur richtig zu leiten wissen. Aber sich einzubilden, daß sie unseresgleichen seien, zu glauben, daß sich in die aus ihrer Rasse stammenden Mestizen nicht viel von ihrer wahren, wilden Natur übertragen habe – wahrlich, man muß nie aus seiner Heimat herausgekommen sein, um so etwas annehmen zu können.

Ich erinnere mich, daß in Rochefort, oder vielmehr in der Umgegend von Rochefort, ein solcher ›sogenannter‹ Weißer lebte, d. h. ein Weißer, in dessen Adern nicht ganz reines weißes Blut fließt, obgleich es den Anschein hat und man sich, wenn man ihn zuerst sieht, sehr leicht darüber täuschen könnte. Der junge Mann, von dem ich spreche, war von seinen Großeltern adoptiert und anerkannt worden, und sie hatten alle notwendigen Schritte getan, um ihn gesetzlich zu ihrem Erben einsetzen zu können. Was wollen Sie? Er war der Sohn ihres Sohnes, der keine Zeit mehr dazu gehabt hatte, ihnen einen Enkel aus einer ebenbürtigen Verbindung zu schenken, weil er in Afrika gestorben ist, just dort, woher ich komme. Die alten Herrschaften waren aus einer sehr vornehmen hochadligen Familie, und sie waren stolz auf ihre Ahnen und galten sogar für hochmütig, aber sie wollten doch unter allen Umständen ihr Haus und ihren Namen nicht aussterben lassen, und um sich quasi zu entschuldigen, sagten sie, daß ihr Enkel nicht nur als Sohn seines Vaters dem Adel angehöre, sondern auch als Kind seiner Mutter. Diese sei nämlich eine Signora, das heißt, sie entstamme einer jener Verbindungen, die die Ersten nach dem Senegal gekommenen Weißen – hohe Offiziere, die alle ein von vor ihrem Namen gehabt – mit den Töchtern der Häuptlinge geschlossen hätten. Und dann, um der Wahrheit die Ehre zu geben, konnte man wirklich weit und breit keinen schöneren und tapfreren jungen Mann finden, wie er war.

Alle Menschen liebten ihn und vielleicht noch mehr, als wenn er ein wahrer Weißer gewesen wäre, denn er war sehr freigebig. Er gab und gab, – jetzt freilich weiß ich, daß er aus demselben Grunde schenkte wie die Häuptlinge vom Níger und von Faleme es tun, weil Geben als ein unumstößlicher Beweis des Reichtums gilt und auch des Lobes wegen.

Wo eine Jagd, ein Fischzug oder ein Trinkgelage war, mußte er stets mit dabei sein, und immer tat er es allen anderen zuvor. Wenn es ihm schon gelang, die Gunst der Männer zu erringen, denken Sie, welches Glück er bei den Frauen haben mußte. Verstehen Sie wohl, da war auch nicht eine, der er nicht den Kopf verdreht hätte, sobald er nur ein Auge auf sie geworfen. Selbst angekleidet schien er nackt zu sein, man glaubte unter den Kleidern seine ebenmäßig gebildeten Glieder, das Spiel seiner Muskeln und das schöne Heben und Senken seiner Brust zu erkennen, wenn er mit jedem Atemzuge Freude und Lebenslust einzusaugen schien. Gekleidet war er wie ein Prinz, hatte jedoch eine besondere Vorliebe für leuchtende, etwas auffallende Farben und suchte seinen stets korrekten Anzug durch eine bunte Krawatte usw. zu beleben.

Zu alledem hatte dieser Bouniol ungewöhnlich schöne blaue Augen, – Augen, die Blumen gleich unter den dunklen Brauen mit den langen seidenen Wimpern hervorschauten und einen so zärtlichen Blick hatten, daß die Frauen natürlich Lust hatten ihm zu sagen: ›Sieh mich noch einmal an, oh, sieh mich an und sage mir, wohin ich gehen soll und zu welcher Stunde – ich werde zu dir kommen –‹ Er hat sie besessen – – – er hat alle Frauen genossen, die er begehrte: Die Bäuerinnen, die Sandträgerin, die Mädchen, die in den Singhallen und am Theater sind, aber auch verheiratete Frauen, die sich heimlich und mit verhülltem Antlitz zu ihm schlichen. Vielleicht hat ihr Ehemann sie ihm freiwillig geliehen; das passiert ja oft. Die allgemeine Meinung war jedenfalls, daß keine ihm widerstehen könne.

Und das ist sicher, daß niemand ihm weniger widerstanden hat, als die Tochter des Obersten Andral. Wenn ich das sage, dürfen Sie mich nicht mißverstehen. Sie war eine gute Kleine, ehrbar und treu wie Gold und dachte nicht daran, sich ihm zu schenken, wenn er sie nicht erst zu seiner Frau gemacht, es sei denn, es sei denn ... nun ja, man weiß es niemals ... die Frauen sind eben Frauen. Aber was ganz sicher ist, das ist, daß sie toll verliebt in ihn war und fest darauf rechnete, ihn zu heiraten. Was ich Ihnen hier erzähle, liegt weit, weit zurück. Ich war noch nicht lange im Dienst, hatte meinen ersten Urlaub bekommen und ich war dem Oberst als Ordonnanz zugesellt. Ich wußte damals noch nicht, was ich heute weiß, ich war ein Grünschnabel, und daß Andral diesem schönen Teufel, der so jung, so lebendig und frisch war, die Hand seiner Tochter verweigerte, war etwas, was ich nicht zu begreifen vermochte; es erschien mir blödsinnig und empörend, besonders wenn das arme Mädchen weinte, und die arme Kleine weinte jetzt alle Tage. Wenn ich es nur gewagt hätte, ich glaube, ich hätte die größten Dummheiten begangen, um ihr zu ihrem schönen Liebsten mit den blauen Augen zu verhelfen.

Das Fräulein fühlte es sehr wohl, daß ich auf ihrer Seite war. Sie war mir auch gewogen, und wenn ich die Ehre hatte, sie auf ihren Spazierritten begleiten zu dürfen, wußte sie, daß ich es nie zu Hause mit einem Wort verraten würde, wenn der andere sich unterwegs zu uns gesellte und die beiden dann im Galopp davonjagten. Aber eines Tages war die Charente ausgetreten, gerade wie die Seine hier im vorigen Jahre. Das Land ringsum glich einem großen See, die Bäume standen beinahe bis zur Krone im Wasser und deuteten die Richtung an, wohin sich, wenn alles in der natürlichen Ordnung war, die Landstraßen hinzogen. Höhergelegenes Land ragte wie kleine Inseln aus dem Wasser hervor. Wohin das Auge blickte, sah man nichts als die flache graue Wasserfläche, die fast ganz ohne Strömung war, ausgenommen in der Mitte, im Bett des tückisch gewordenen Flusses, und das Ganze glich einer ungeheuren Platte von trübem Zink.

Einmal sagte das Fräulein zu mir:

›Barnavaux, wir wollen ein Boot nehmen und dann müssen Sie mich zu der kleinen Insel, die dort unten liegt, hinrudern. Ich möchte sie gern sehen.‹

Ich war ganz damit einverstanden und antwortete: ›Ja, mein Fräulein‹, und dann ging ich gleich, um aus dem ganz nahe beim Einschiffungsplatz liegenden Schuppen die Ruder zu holen.

Als ich zurückkam, war es unterdessen gerade so gekommen, wie ich es mir gedacht hatte. Er war da, der junge Mann, und er stieg in das Boot mit einer Selbstverständlichkeit, als ob das eine von Ewigkeit her vereinbarte Sache sei. Zu mir sagte er nur:

›Guten Tag, Barnavaux.‹

Und ich antwortete ihm: ›Guten Tag, Herr Graf.‹ Heute würde ich es lächerlich finden, einen Bounioul Herr Graf anzureden, aber ich wiederhole es, daß ich zu jener Zeit noch ein Grünschnabel war. Dann machte ich unser Boot von den Tauen los und wir stießen vom Lande ab. Ich ruderte und hatte meinen Passagieren den Rücken zugewandt. Ich vernahm jedoch, wie sie sich ein wenig küßten. Und das war ja auch ganz in der Ordnung. Wenn ich an der Stelle des anderen gewesen wäre, ich hätte es unbedingt ebenso gemacht.

Ich legte an der Insel an und sprang mit der Kette, an deren Ende ich einen schweren Stein befestigt hatte, an Land, um unser Boot festzulegen. Als die junge Dame ihrem Freunde die Hand reichte, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein, sah ich sofort, daß diese beiden sich vollkommen einig waren und daß sie alles zu tun bereit sei, was er von ihr fordern würde, gleichviel was und zu welchem Preise.

Und oh, es ist immer schön, ein junges Mädchen zu sehen, das seinen Entschluß gefaßt hat, ein Mädchen, das wirklich liebt mit Kopf, Herz und Körper, mit allem, was sie hat. Ja, das ist sehr schön, selbst dann, wenn man selbst nichts davon hat. Das erhellt die Landschaft und bringt Sonnenschein hinein, selbst wenn, wie an jenem Tage, die Sonne nicht scheint. Mit verschlungenen Armen und so fest aneinandergedrückt, daß sie nur eins zu sein schienen, schritten die beiden dann vor mir her, und sie schritten leicht und wie im Tanze dahin.

Ich blieb bei meinem Boot, um sie nicht zu stören.

Da plötzlich hörte ich, wie Fräulein Aimée einen Schrei ausstieß. Es hatte sich irgend etwas unter ihren Füßen erhoben und war dann rasch wie eine Kugel davongeschossen; es war ein Hase, ein unglücklicher Hase, der durch die Überschwemmung zum Gefangenen gemacht, dort geruht hatte. Das hatte das Fräulein überrascht, sie hatte sich erschrocken; aber da sie ein tapferes kleines Mädchen war, fing sie gleich darauf an, herzlich zu lachen. Dann aber sah ich, wie sich ihr Gesicht zum zweitenmal entfärbte, und ich verstand weshalb; es war wegen des anderen.

Er hatte sich vorangestürzt, und ich hätte es niemals geglaubt, daß ein menschliches Antlitz sich so jäh verwandeln und ein völlig tierisches, wildes Aussehen gewinnen könne. Die Lippen erschienen völlig aufgeschürzt und enthüllten sein Zahnfleisch und seine Zähne, und ich vernahm – es war zum ersten Male, daß ich es vernahm – jenes dumpfe ›Heuh, Heuh‹, das die Neger ausstoßen, wenn sie zufrieden sind, oder wenn ihnen der Befehl erteilt wird, ein Dorf anzugreifen und es der Erde gleich zu machen. Der Hase lief davon und war schon sehr weit entfernt, mit nach hinten gestreckten Ohren, und auf so raschen Läufen jagte er dahin, daß es aussah, als ob sie überhaupt den Boden nicht berührten; und bald sah man überhaupt nichts mehr von ihm; nur eine leichte Furche im feuchten Grase verriet seine Spur.

›Heuh! Heuh!‹ ertönte es wieder; es war der junge Mann der hinter dem Tier herjagte. Er hatte es vollständig vergessen, daß er sich in Gesellschaft einer Frau befand, die bereit war, ihm anzugehören, wann und wo er wollte. ›Heuh! Heuh!‹ erklang sein Ruf, der einen triumphierenden und zugleich schrecklichen Klang hatte. Er kam dem Hasen rasch näher, dieser, in einen Jagdhund verwandelte Mann; er würde ihn bald erreichen mit seinen langen Beinen, deren Füße er so leicht aufsetzte, daß man ihren Schritt nicht vernahm. Und wenn noch immer sich das furchtbare Heuh! Heuh! seiner Brust entrang, so war es jetzt ein Freudenruf, denn er war keineswegs außer Atem, im Gegenteil, je näher er dem Tiere kam, um so mehr schien seine Kraft und das Vergnügen zu wachsen, das ihm diese Jagd bereitete, und er lief immer schneller. Als er am Ende der Insel angekommen war, machte der Hase Halt. Ist er gefangen? Der Mann hatte es geglaubt und war mit ausgestreckten Händen auf ihn zugesprungen. Aber nein, der Hase hatte plötzlich die Richtung verändert und lief nun nach der anderen Seite davon. Und das dauerte! Das dauerte länger als eine Stunde, ich sah sie kaum zwei Meter von mir entfernt vorüberjagen. Dem Hasen lief das Blut aus der Nase und den erschrockenen Augen, in denen keine Farbe mehr zu erkennen war, sie sahen trübe aus wie das schmutzige Wasser der Charente, das das Land überschwemmt hatte. Der Jäger war, ich weiß nicht wie oft, gefallen, seine Kleider sahen beschmutzt und zerrissen aus, und seine Hände waren verletzt. ›Heuh! Heuh!‹

Wenn er nur einigermaßen vernünftig gewesen wäre, würde er jetzt innegehalten haben, denn er war nun auch erschöpft. Aber nein, er war verrückt, vollständig verrückt, und das hielt ihn aufrecht.

Zuletzt kam der Hase zu dem Punkte der Insel zurück, wo er zuerst aufgesprungen war. Zweifellos war er von dorther gekommen, und er hoffte vielleicht, jetzt freie Bahn zu finden. Aber vor ihm war nur das Wasser. Der Hase konnte nicht mehr. Er versuchte sich hineinzuwerfen, vielleicht um es zu durchschwimmen oder auch nur um sich zu erfrischen. Ich weiß es nicht. Aber sieh da! Sein Verfolger stürzt sich ihm nach und nun schließen sich seine Hände mit eisernem Griff um den Hals des armen Tieres. Es stieß nur einen schmerzvollen Schrei aus, jenen seltsamen Klagelaut des Wildes, wenn der Jagdhund es erreicht und seine Flanken zerreißt – und das war alles.

Zu denken, daß ich ihn noch vor kurzem Herr Graf genannt hatte – diesen furchtbaren Menschen, der jetzt mit dem erdrosselten Tiere in den Händen zurückkehrte. Der arme Hase war noch nicht ganz tot, er zitterte krampfhaft und hauchte dann erst unter dem Drucke dieser grausamen Finger sein Leben aus. Es war gut, daß er mit Staub und Schmutz bedeckt war, denn man hatte die Empfindung, als müsse er nackt sein. Und er wußte nicht mehr, wo er war. Er wollte lächeln und wußte es nicht, daß er die Zähne fletschte und das Zahnfleisch zeigte, daß sein Mund einer Schnauze glich, sein ganzes Gesicht sich verwandelt und einen furchtbaren, wilden Ausdruck angenommen hatte.

Aber Fräulein Aimée sah es und sie rief entsetzt:

›Ein Wilder! Ein Wilder! Sie sind ein Wilder!‹

Er hörte es kaum, er stand da und starrte uns an. Fräulein Aimée stürzte auf mich zu: ›Barnavaux, bringen Sie mich nach Hause‹, rief sie.

Und ich führte sie zurück, so schnell, wie ich nur konnte. Ich hatte den Bounioul gesehen, ich hatte kennen gelernt, was es bedeutet, wenn auch nur einige Tropfen schwarzen Blutes in den Adern des Menschen kreisen, ich habe es kennen gelernt, noch ehe ich in das Land der Bouniouls gegangen bin ... Nicht wahr, jetzt werden Sie mich verstehen.«

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