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Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt

Verschiedene Autoren: Halali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt - Kapitel 15
Quellenangabe
typenarrative
authorVerschiedene Autoren
titleHalali! Die schönsten Jagdgeschichten der Welt
publisherGeorg Müller
editorRolf Bongs
year1914
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Der König der Paviane

Von Perceval Gibbon.

Der alte Hauspavian, der an einem Pfahl im Hofe angekettet war, hatte die gefährliche Angewohnheit, mit Steinen zu werfen. Er pflegte einen Block mit beiden Händen zu packen, sich aufzustellen und um seine eigene Achse zu drehen, bis der beste Schwung erreicht war, und dann – los! Das Geschoß sauste wie eine Flintenkugel durch die Luft, und wehe dem, der im Wege stand. Der Vorgang schloß jedes Ziel aus; der Stein wurde aufs Geratewohl geschleudert; und es war gewiß mehr Pech als Böswilligkeit, was einen drei Pfund schweren Block durch das Fenster und die Küche in ein Porträt von Judas de Beer dirigierte, das kaum sechs Fuß weit von der schlummernden Vrouw Grobelaar an der Wand hing.

Sie schnellte von ihrem Stuhle auf und flog zur Tür, mit einer stillen, raschen Behendigkeit, die bei einer Dame, ihrer weitläufigen Bauart höchst überraschend, zu sehen war, und nicht ein Ton kam über ihre Lippen. Sie war ja aus gutem, altem Kriegerstamm, der nie früher schreit, als bis er verwundet ist, und es war sogar etwas wie Mitleid in ihren Zügen zu lesen, als Frikkie mit einer neunschwänzigen Peitsche in der Hand, von der Stoep herabsprang. Schließlich war es wohl der Pavian, der am meisten zu leiden hatte, wenn man aus seinem Geheul irgendwelche Schlußfolgerungen auf seine Gefühle ziehen durfte. Frikkie konnte auf zehn Fuß Entfernung eine Fliege mit einer Peitschenspitze treffen, und alle empfindlicheren Teile des begabten Tieres fanden daher bei ihm die eingehendste Würdigung.

»Erschießen sollte man ihn«, war Frikkies Schlußbemerkung, als er nach beendeter Exekution die Peitsche zusammenrollte. »Ein Pavian ist nicht abzurichten, wenn er schlechte Gewohnheiten hat. Er ist mehr wie ein Mensch, als wie ein Tier!«

Vrouw Grobelaar setzte sich in den Stoep-Lehnstuhl, der nach allgemeiner Verabredung für ihren Gebrauch reserviert war, und schüttelte den Kopf.

»Paviane sind unheimliche Geschöpfe.« sagte sie langsam, »wenn du sie erschießt, kannst du nie sicher sein, wieviel von einem Mord darin liegt. Es ist eine alte Geschichte, manche von ihnen haben eine Seele und manche nicht; und es steht ganz fest, daß sie sprechen können, wenn sie wollen. Ihr habt sie gewiß manchmal nachts weinen gehört. Fragt nur einen Kaffer, was das bedeutet. Fragt einen alten, klugen Kaffer, nicht einen jungen, der die Weisheit der schwarzen Leute vergessen und von den Weißen nur die Torheiten gelernt hat.«

»Nun, was bedeutet es, Tante?«

Ich war es, der die Frage stellte. Katje schien übrigens auch neugierig zu sein.

Die alte Dame musterte mich nachdenklich.

»Wenn du ein ansässiger Bure wärst und nicht so eine Art Schulmeister,« erwiderte sie, »würdest du eine solche Frage nicht stellen. Aber ich will es dir sagen. Ein Pavian kann böse sein – sieh nur den da draußen an, wie er die Zähne fletscht und flucht – aber er ist nicht blind und nicht unvernünftig. Er läuft auf den Hügeln herum und stiehlt und beißt und kratzt, aber dabei hat er doch all die Klugheit eines Menschen und doppelt so viel Kraft, gerade nur, daß er hinten einen Schwanz hat und den ganzen Körper voll Zotteln. Und so ist es nur natürlich, daß er manchmal darüber trauert, ein so niedriges Geschöpf wie ein Pavian zu sein, wo er doch ein nützlicher Mensch sein könnte, wenn die Leute ihn nur ließen. Und namentlich nachts, wenn ihre Truppe im Lager ist, und die Jungen auf den hohen Felsen Wache halten, da fällt es den besten von ihnen schwer aufs Herz, und sie schluchzen und weinen wie junge Witwen, und sagen, daß sie innerliche Schmerzen haben, damit die anderen es nicht übelnehmen und sich nicht gegen sie stellen. Jeder kann sie in einer windstillen Nacht in den Kopjes (Felsen) hören, und ich kann euch sagen, daß ihre Klagen herzzerreißend klingen.«

Katje warf den Vorschlag hin, sie durch eine Schrotladung zu trösten, und Vrouw Grobelaar nickte vielsagend.

»Paviane zu hassen, steht der Frau eines Burghers immer gut an«, bemerkte sie freundlich. »Ich freue mich, zu sehen, daß du so weiblich und vernünftig geworden bist, da du ja doch natürlich dein ganzes Leben auf einer Farm verbringen wirst.«

Katjes Erröten war ein Notsignal. Vrouw Grobelaar aber beachtete es nicht.

»Die Paviane«, fuhr die alte Dame fort, »gehören zu den schlimmsten Feinden eines Landwirts. Sie stehlen und zerstören und bedrohen alles, das ganze liebe Jahr, aber dennoch gibt es viele Farmer, die sie nicht erschießen oder in Fallen fangen wollen. Und merkt wohl, das sind immer gereifte Männer, die durch Erfahrung klug geworden sind. Die wissen Bescheid, das könnt ihr glauben. Der erste Mann meiner Stiefschwester, Shadrach van Guelder, schoß einmal nach Pavianen und bekam nachher solche Angst, daß er sich fürchtete, in der Dunkelheit allein zu bleiben.«

Das sah sehr nach einer Geschichte aus, und niemand rührte sich.

»Er hatte viele Kaffern auf seiner Farm, die ihr nicht kennt,« fuhr Vrouw Grobelaar fort, indem sie ihre Stimme dem Erzählerton anpaßte. »Sie lag am Fuße des Drakensberg, und viele Hügelausläufer, von tiefen Kloofs wie von Wunden durchschnitten, lagen nahe daran. So kam reichlich Wasser hinab, und das Vieh brauchte nicht in den Felsen herumzustreifen, wenigstens nicht auf der einen Seite. Die Kaffern hatten ihre Krals überall im Lande verstreut; und da sie von arbeitsamer Natur waren, erlaubte ihnen der Mann meiner Stiefschwester, zu bleiben und ihre kleinen Erdfleckchen zu bestellen, während sie zwischendurch für ihn arbeiteten. Er war natürlich ein Viehzüchter, wie alle aus unserer Familie es immer gewesen sind, aber hier waren so viele Kaffern umsonst zu haben, daß er bald anfing, große Landstriche zu pflügen und wertvolle Ernten auszusäen. Es war alle Aussicht vorhanden, daß die Farm ihm viel Geld einbringen würde, denn Korn verkauft sich immer, selbst wenn man das Rindvieh für nur sieben Pfund das Stück hergeben muß, und Shadrach van Guelder war froh und voll Zuversicht.

Aber wenn ein Landwirt seine Saat abschätzt, dann werdet ihr finden, daß er immer irgend etwas nicht in Rechnung zieht. Er zählt das Wetter und das Land und die Kaffern und das Wasser an seinen Fingern ab und vergißt den Daumen einzuziehen, für Gott – oder die Vorsehung. Shadrach van Guelder schlug seine Augen zu den Hügeln auf, von denen das Wasser kam, doch erst, als das Korn sechs Zoll hoch stand, sah er, daß mit dem Wasser auch die Paviane kamen. Ganze Armeen und Republiken, mehr Paviane, als er überhaupt in der Welt geglaubt – sie stürzten sich auf seine keimenden Felder und fraßen und schwelgten und wühlten und trampelten, mit jener unverschämten Niedertracht, wie sie nicht einmal ein Kaffer nachahmen kann. In einer Nacht vernichteten sie all seine Arbeit auf fünf Morgen besäten, guten Landes, und mit dem ersten Sonnenstrahl im Osten waren sie wieder in ihren Kopjes, Verwüstung und Unrat überall zurücklassend, wo sie vorüberkamen.

Da stand der Mann meiner Stiefschwester nun da und fluchte. Er war wütend wie ein Holländer, der Wasser getrunken hat, und was ihn nicht versöhnlicher stimmte, war die Tatsache, daß kaum irgend etwas auf der Welt seine Ländereien schützen konnte. Denn er wußte, daß jetzt, wo die Paviane einmal die Süßigkeit des jungen Kornes gekostet hatten, sie, natürlich solange nur etwas für sie übrig blieb, in den Kloofs über der Farm kampieren, und wieder und wieder kommen würden. Aber er hatte natürlich nicht die geringste Absicht, sie da nach Herzenslust plündern zu lassen.

Das Geringste, was man einem unwillkommenen Gaste tun kann, ist, ihm das Leben sauer zu machen; und so ließ er sich zwei alte Kaffern, die ihm aufgefallen waren, weil sie das Aussehen von klugen alten Männern hatten, aus ihren Kraals kommen.

Sie kamen und hockten sich vor ihm nieder, und drehten und krümmten sich, wie Kaffern es tun, wenn ein weißer Mann zu ihnen spricht. Der eine war ein ganz gewöhnlicher Kaffer, vom Alter ein bißchen angegraut, mit einem Büschel weißer Wolle am Kinn, und kleinen Zotteln hier und dort auf dem Kopfe. Aber der andere war ein kleiner gelber Mann, ganz haarlos, mit Augen, wie kleine Feuerfünkchen auf einem verkohlenden Holz; und seine Arme waren so lang und knorrig und dürr, daß er ein ganz unmenschliches Aussehen hatte, wie ein emsiges Tier.

»Die Paviane haben die Ernte auf den Feldern zerstört«, sagte Shadrach, indem er sich mit seinem Sjambok über das Bein schlug. »Wenn man sie nicht verjagt, werden sie das ganze Korn auf diesem Gut zugrunde richten! Was ist da zu tun?«

Der kleine gelbe Mann biß sich auf die Lippen, drehte einen Strohhalm zwischen den Fingern hin und her und gab keine Antwort; aber der andere sprach:

»Ich bin aus dem Shangaan-Land«, sagte er. »Und wenn uns dort die Paviane plagen, haben wir ein Mittel gegen sie, ein sehr gutes Mittel.«

Er schielte von der Seite nach seinem gelben Gefährten hinüber, während er sprach, und der Blick, den ihm dieser zurückgab, hatte etwas Erschreckendes.

»Was ist das für ein Mittel?« fragte Shadrach.

»Du mußt einen Pavian einfangen«, erklärte der alte Kaffer. »Einen Leitpavian, der großen Einfluß auf die Truppe hat. Und dann mußt du ihm die Haut abziehen und ihn wieder laufen lassen. Wenn die anderen ihn dann sehen, rennen sie Meilen und Meilen weit und kommen nie wieder zurück.«

»Es macht mich krank, nur daran zu denken«, sagte Shadrach. »Du weißt doch gewiß ein anderes Mittel, sie zu verscheuchen.«

Der alte Kaffer schüttelte langsam den Kopf, aber der gelbe Mann hörte auf zu lächeln und mit seinem Strohhalm zu spielen und sprach:

»Ich halte nichts von diesem Mittel, Baas. Ein Shangaan-Pavian« – er grinste seinen Gefährten an – »ist leichter zu erschrecken, als ein Pavian vom Drakensberg. Ich bin von den Buschmännern, und ich weiß Bescheid. Wenn du einen von diesen hier schindest, dann werden dir die anderen den Krieg erklären, und wo früher einer kam, werden dann jede Nacht zehn kommen. Ein Pavian ist nicht wie ein dicker, fauler Kaffer; man muß sehr behutsam mit ihm umgehen.«

»Nun, und wie würdest du sie vertreiben?« fragte Shadrach.

Der gelbe Mann schaufelte, auf den Fersen kauernd, mit seinen Händen im Staube. – Seht! dort! seht, der Pavian im Hofe macht es geradeso.

»Wenn ich der Baas wäre,« sagte der gelbe Mann, »würde ich die jungen Neger nachts in den Feldern herumgehen lassen, und sie müßten mit Stöcken auf Blecheimer schlagen, um einen rechten Lärm zu machen. Und ich – nun, ich gehöre zu den Buschmännern« – er kratzte sich und lächelte ausdruckslos.

»Ja, ja«, sagte Shadrach. Er wußte, daß die Buschmänner manche Tiere ganz wunderbar zu behandeln wissen.

»Ich weiß nicht, ob sich etwas tun läßt,« sagte der gelbe Mann, »aber wenn der Baas einverstanden ist, kann ich in die Felsen hinaufgehen und es versuchen.«

»Wie willst du es anfangen?«

Aber er konnte nichts sagen. Keiner dieser Hexenmeister, die Zaubermittel besitzen, um die Tiere zu unterjochen, kann etwas darüber sagen. Ein Hottentotte schnuppert einfach in die Luft und sagt, was für Vieh in der Nähe ist, aber wenn du verlangst, daß er dir erklärt, wie er das macht, so kichert er nur wie ein Verrückter und schämt sich.

»Ich weiß nicht, ob sich etwas tun läßt«, wiederholte der gelbe Mann. »Ich kann es dem Baas nicht versprechen, aber ich kann es versuchen.«

»Nun wohl, versuche es«, entschied Shadrach und ging fort, um die notwendigen Vorkehrungen dafür zu treffen, daß die jungen Kaffern die Nacht in den Feldern verbrachten.

Sie taten das, was er ihnen befahl, und der Lärm war ganz furchtbar, – genug, um alles zu erschrecken, was nur Ohren am Kopfe hatte. Die Kaffern hatten sich zuerst nicht auf die Nachtwache gefreut, aber als sie sahen, daß ihre ganze Aufgabe nur darin bestand, zu trommeln und zu heulen, legten sie sich mit Feuereifer hinein und brüllten und tosten, bis man glaubte, das Jüngste Gericht sei nahe. Die Paviane hörten es natürlich auch und kamen nach einer Weile, um zu sehen, was da los sei. Sie setzten sich abseits von dem Kreis der Kaffern auf ihre Schwänze, ganz ruhig, wie Leute in einer Kirche, und sahen zu, wie die Niggers trommelten und herumsprangen, als wäre dies ein Schauspiel zu ihrer Belustigung. Dann kehrten sie zurück und ließen die Felder unberührt, aber sie rissen im Vorübergehen alle Hütten eines Krals ein. Es war der Kral des alten weißzotteligen Shangaan, wie Shadrach später erfuhr.

Shadrach war sehr froh, daß die Expedition sein Korn beschützt hatte, und am nächsten Tage gab er dem gelben Mann eine Prise Kautabak. Der Mann schob sie in die Backe und lächelte, wobei er die Nase runzelte und zu Boden sah.

»Hast du gestern abend die Paviane in den Felsen zum Sprechen gebracht?« fragte Shadrach.

Der andere schüttelte grinsend den Kopf. »Ich bin alt«, sagte er. »Sie merken nicht auf mich, aber ich werde es noch einmal versuchen. Vielleicht werden sie doch über kurz oder lang auf mich hören.«

»Wenn sie das tun,« sagte Shadrach, »sollst du fünf Pfund Tabak und fünf Flaschen Branntwein haben.«

Der Mann hockte die ganze Zeit auf den Fersen, zu Shadrachs Füßen, und seine harten Finger scharrten wie Klauen im Sande. Jetzt streckte er eine Hand aus und begann an den Schuhschnüren des Farmers mit einer raschen, krabbelnden Bewegung zu fingern, die Shadrach mit einem Schauer des Entsetzens empfand. Es war genau der Griff eines Pavians, eine völlig tierische und unmenschliche Bewegung.

»Du bist selber ein halber Pavian,« rief er, »laß meinen Fuß los! Loslassen, sage ich! Hol' dich der Teufel, packe dich fort – packe dich fort von mir!«

Der Mann hatte Shadrachs Knöchel mit beiden Händen umklammert, die harten schaufelförmigen Finger preßten sich in das Fleisch.

»Loslassen!« schrie Shadrach noch einmal und schlug mit seinem Sjambok nach dem Mann.

Dieser sprang auf alle viere, um dem Schlag auszuweichen, aber er traf ihn doch noch am Schenkel, und im Augenblick war er wieder Mensch – oder Kaffer – und rieb sich und winselte ganz natürlich.

»Daß du mir nicht noch einmal mit deinen Paviankünsten kommst«, toste Shadrach, um so wütender, weil er wirklich erschrocken war. »Hebe sie dir für deine Freunde in den Felsen auf. Und jetzt marsch fort in deinen Kral.«

In dieser Nacht zogen die Kaffern wieder trommelnd durch die grünen Felder und sangen im Chor das Lied, das die Bergkaffern singen, wenn der Neumond wie der goldene Rand eines Fingernagels vom Himmel leuchtet. Es ist ein langes und sehr lautes Lied. Und wieder kamen die Paviane herunter, um zu sehen und zuzuhören. Die Kaffern sahen sie, viele hunderte krummer schwarzer Gestalten, und sie sangen immer lauter, während der Kreis der Tiere immer dichter wurde, weil neue Gruppen sich ihm zugesellten. Gegenüber den Felsen, auf denen sie saßen, sammelten sich die singenden Männer und brüllten ihre langen Verse und trommelten auf ihre Blecheimer, zweifellos nicht ohne die Absicht, die enttäuschten Paviane, die sie schweigend betrachteten, zu verhöhnen und zu reizen. Mitternacht kam heran, und man sah die Dinge kaum mehr in Umrissen, als plötzlich von höher oben, wo die Hüter der Felder weniger zahlreich waren, ein wildes Geschrei herabdrang.

»Die Paviane haben die Kette durchbrochen«, schrien sie. Und in diesem Augenblick kam die große stumme Armee der Affen in gesammelter Stärke auf das Hauptquartier der Kaffern zugesprungen. Oh, was war das für eine wilde Jagd! Große, stierköpfige Hundepaviane mit nackten Klauen und zupackenden, mordlustigen Händen; wütende Mütter an der Spitze ihrer quiekenden Brut, die sie mit in die Schlacht zogen; furchtbare, knochige alte Hexen, die sich auf die Männer stürzten, während die anderen sich an das Korn machten – all das ergoß sich wie eine Schreckensflut über die entsetzten Kaffern, beißend, kratzend, durch die Luft springend, wie grausige Vögel. In einer Sekunde war die Kaffernschar zerstoben, und die Paviane stürzten sich in die Felder.

Acht Männer zerrissen sie zu Stücken, und von den anderen, einigen sechzig, war nicht einer, der nicht seine Wunde hatte – manche Bisse bis auf die Knochen, andere Löcher, wo eiserne Finger zugepackt und sich durch Haut und Fleisch gebohrt hatten. Als sie zu Shadrach kamen, mit der atemlosen Verwirrung geschlagener Männer, und ihn weckten, war es schon zu spät, um mit Flinten in die Felder zurückzukehren. Die Paviane hatten sich übrigens nach ihrem Siege mit kleinen Plünderungen begnügt, und zogen sich jetzt in guter Ordnung in die Felsen zurück; als Shadrach in die Tür trat, sah er die letzten ihrer geordneten Reihen sich schwarz vom Hügel abzeichnen und rasch in die Kloofs verschwinden.

Er rang die Hände wie ein Verzweifelter und fand keine Worte, um sein Herz zu erleichtern. Da stand plötzlich der alte Shangaan-Kaffer vor ihm. Der obere Teil seines rechten Armes war bis auf den Knochen durchgebissen und zerfleischt, und jetzt warf er die Decke von der Schulter zurück und hielt seinem Herrn die zuckende Wunde hin.

»Das hat mir der Anführer der Paviane getan,« rief er, »und er ist nur nachts ein Pavian. Er kam durch ihre Reihen gesprungen, wie ein Felsblock über einen steilen Hügelabhang, und auf mich hatte er es abgesehen. Als er seine Zähne in meinen Arm schlug und sich festbiß, da zog ich meine Nägel über seinen Rücken, damit der Baas die Wahrheit erfahre.«

»Was ist das für ein Wahnsinn!« rief Shadrach.

»Kein Wahnsinn, nur Teufelei,« antwortet der Shangaan, und unter den Kaffern rings um ihn erhob sich ein Gemurmel der Zustimmung. »Der Führer der Paviane ist Naqua, und er hat sie den Streich gelehrt, den sie uns heute nacht gespielt haben.«

»Naqua!« wiederholte Shadrach, und es lief ihm kalt über den Rücken, und seine Knie knickten ein.

»Der Buschmann«, erklärte der Alte. »Der gelbe Mann mit den langen knorrigen Armen, der dem Baas den falschen Rat gegeben hat.«

»Ja, das ist wahr«, ertönte der Chor der Kaffern. »Es ist wahr, wir haben es gesehen.«

Shadrach nahm sich zusammen und griff mit der einen Hand nach dem Türbalken, um sich zu stützen.

»Holt mir Naqua«, gebot er, und ein paar von ihnen gingen, um seinen Befehl auszuführen. Aber sie kamen unverrichteter Dinge zurück: Naqua war nicht in seiner Hütte, und niemand wußte etwas von ihm.

Shadrach entließ die Kaffern und hieß sie, ihre Wunden bepflastern; und als die Sonne aufging, begab er sich in die Felder, wo die acht Kaffern noch im Korn lagen, um zu sehen, welche Spuren das Werk der Nacht zurückgelassen hatte. Er hatte gehofft, in den Fußtapfen einen Schlüssel zu finden, aber die Fußabdrücke der Kaffern und die der Paviane waren so vermengt, daß die Erde stumm war, und auf dem Gras war natürlich kein Zeichen von dem Rückzug der Paviane geblieben. Er war ein kluger Mann, der erste Mann meiner Stiefschwester, und da diese so wilde und schaurige Erklärung die einzige war, die sich ihm bot, wollte er sie nicht verwerfen, bis eine bessere gefunden war. In jedem Falle traf er seine Maßregeln gegen Naqua.

Er hatte sieben Flinten mit entsprechender Munition in seinem Haus, und unter allen Kaffern in seinen Gütern wählte er ein halbes Dutzend Zulus, die, wie ihr wohl wißt, immer lieber kämpfen als essen. Diese waren nur zu gern bereit, es wieder mit den Pavianen aufzunehmen, um so mehr, als sie Flinten in die Hände bekommen sollten; und so dachten sie sich eine Art von Hinterhalt aus. Sie wollten sich in das Korn lagern, so daß sie die Flanke der Tiere beherrschten, und Shadrach sollte in der Mitte liegen und ihnen durch einen Schuß aus seiner eigenen Büchse das Signal zum Feuern geben. Sie hatten auch einen Scheiterhaufen aus Reisig auf einer Unterlage von in Öl getauchtem Stroh gebaut; den sollte einer von ihnen entzünden, sobald das Schießen anfing.

Es war schon dunkel, als sie ihre Plätze einnahmen, und nun begann eine lange und angstvolle Wache im Korn, wo jeder Busch, der knackte, Beunruhigung hervorrief, und jedes kleine Tier des Feldes, das quiekte, die Herzen höher schlagen ließ. Von da, wo Shadrach auf dem Bauche lag, die Flinte vor sich, konnte er den Bergkamm sehen, über den die Paviane kommen mußten; dunkel hoben die Felsen sich von einem nicht viel weniger dunklen Himmel ab; und die Augen unverwandt darauf geheftet, wartete er. Nachher sagte er, daß er nicht auf die Paviane gewartet habe, sondern auf den gelben Mann, Naqua, und er hätte in seinem Kopfe die Vorstellung gehabt, daß alles Übel und Leid, das je war, und alle Sünde, die je sein sollte, ihren Ursprung in diesem Buschmann habe. So kann ein Mann seinen Feind hassen.

Endlich kamen die Paviane. Fünf von ihnen waren plötzlich auf den Felsspitzen zu sehen, aufrechtstehend und nach einer Falle Umschau haltend. Aber Shadrach und seine Männer lagen nun mäuschenstill da, und bald stieß einer der Späher einen Ruf aus, und dann hörte man das Trapptrapp harter Füße, als der Haufe heranrückte. Es war nicht licht genug, um einen vom anderen zu unterscheiden, es sei denn durch die Größe; und wie sie so in die Felder herunterzogen, lag Shadrach da, den zitternden Finger auf dem Hahn, und suchte unter ihnen. Aber er konnte nichts anderes sehen, als eine dunkle Masse, und nachdem er gewartet hatte, bis die meisten an ihm vorbei waren, so daß er nach ihnen schießen konnte, wenn sie wiederkamen, falls sie sich plötzlich zurückziehen sollten, packte er seine Flinte, zielte und drückte los.

Fast im selben Augenblick meldeten sich auch die Flinten der Zulus, und ein Geknatter von Schüssen lief ihre Reihen hinab. Dann blitzte ein Licht auf, der angezündete Scheiterhaufen, und sie sahen, wie das Heer der Paviane in wilder Panik hin und her lief. Wieder und wieder feuerten sie in das Gewühl, und die Bestien begannen sich zu zerstreuen und zu fliehen, und Shadrach und seine Leute richteten sich zu ihrer vollen Höhe auf und schossen immer rascher, und die zottige Armee verschwand besiegt in die Dunkelheit.

Ein wieherndes Gelächter der Zulus folgte ihnen, aber ehe es noch verhallt war, ließ ein Schrei von Shadrach sie wieder zu den Flinten greifen: die Paviane kamen zurück – eine ganze Reihe stürzte aus der Dunkelheit in den Feuerschein und eilte mit großen Sprüngen auf die Männer zu. Wie sie in das Licht kamen, boten sie einen Anblick, der erschreckend war, mit den gefletschten Riesenhauern lautlos zum Angriff übergehend. Shadrach zielte nur aufs Geratewohl und verfehlte zwei, die ihn ansprangen, und im nächsten Augenblick waren sie über ihm. Er hörte das Grunzen des Zulus neben ihm, dem eine riesenhafte Bestie auf die Brust sprang und ihn niederriß; und auch von anderen ertönten wilde Schreie; dann traf ihn etwas Schweres und Geschwindes wie eine Kugel, und er erhob sein Gewehr. Als die Bestie ihn mit eingezogenen Klauen ansprang, schlug er mit aller Macht mit dem Gewehrkolben nach ihr und schmetterte sie zu Boden. Die Flinte schlug auf einen Knochen, er fühlte, wie er krachte und nachgab, und nun lag das Biest zu seinen Füßen.

Wie sie den Angriff zurückschlugen, mit welcher Raserei und Verzweiflung sie die Paviane vertrieben, das hat keiner der vier, als sie wieder sprachen, je erzählen können. Aber es war wohl so, daß die Tiere sich bald, nachdem Shadrach mit dem Kolben dreinzuhauen begann, zerstreuten und kreischend entflohen; und der Farmer stand auf seine Waffe gelehnt da, und ein großer Zulu sprach schweißtriefend auf ihn ein.

»Nie habe ich eine solche Schlacht mitgemacht,« sagte der Zulu, »und werde wohl auch kaum wieder eine solche erleben. Der Baas ist ein großer Häuptling. Ich habe ihn gut beobachtet.«

Da zerrte etwas an Shadrachs Stiefeln, und er zog sich mit einem Schauer von der Gestalt zurück, die zu seinen Füßen lag.

»Bringt mir einen Kienspan aus dem Feuer!« befahl er. »Ich will diesen – diesen Pavian sehen.«

Während der Mann hinlief, ließ er eine Patrone in seine Flinte gleiten, und als die Fackel gebracht war, beugte er sich über den Körper, der auf dem Boden lag.

Ein gelbes Gesicht glotzte ihn kläglich an, und matte gelbe Augen funkelten trübe.

»Tck,« schnalzte der Zulu überrascht, »das ist ja Naqua, der Buschmann! Nein, Baas,« denn Shadrach spannte den Hahn, »erschieße ihn nicht. Behalte ihn und kette ihn an einen Pfahl. Das wird ihm unangenehmer sein.«

»Ich schieße«, antwortete Shadrach und zerschmetterte das teuflische Grinsen, das das Gesicht auf dem Boden verzerrte, mit einem raschen Schuß.

Und wie ich euch schon gesagt habe, seit dieser Nacht fürchtete sich der erste Mann meiner Stiefschwester, Shadrach van Guelder, in der Dunkelheit allein zu sein«, schloß Vrouw Grobelaar. »Es tut nicht gut, einen Pavian zu erschießen, Frikkie.«

»Ich habe keine Angst«, erwiderte Frikkie; und der Pavian im Hofe rasselte mit seiner Kette und schrie gellend auf.

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