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Hahnenschrei

Hans Leifhelm: Hahnenschrei - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
booktitleHahnenschrei
authorHans Leifhelm
year1926
firstpub1926
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart / Berlin / Leipzig
titleHahnenschrei
pages69
created20180323
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Beschwörung

An Annette von Droste-Hülshoff
 

        Es blüht in der Heimat die Heide,
Die scheuen Winde sie rufen
Kehr wieder und wandle die Stufen
Empor aus dem Totenland,
Es schimmert der gelbe Sand,
Es leuchtet der Tau wie Geschmeide.

Des salzigen Westwinds Wehen
Erklingt noch wie einst in den Hainen,
Wallhecken gleich summenden Schreinen
Ertönen im einsamen Land.
Es hocken am Ackerrand
Noch immer die alten Raben,
Die einst dich beschrieen haben,
Sie äugen, ob sie dich sehen.

Du fandest des Lichts Kristall,
So komm und erheitre den Reigen
Den düstern der Heimat – es steigen
Unholde Schatten vom Grunde –
Erhelle die dunkle Stunde –
Es streicht mit verschlossener Lippe
Die Schwermut vorüber so stumm,
Der gärende Bluthaß geht um,
Vergiftend den Hof und die Sippe –
Kehr wieder, laß wieder erklingen
Durchs Land dein erlösendes Singen.
Wie Glöcklein rufen zur Mette,
So ruft's deinen Namen, Annette,
So ruft ihn der Widerhall.

Noch ragen die rauschenden Haine,
Noch ziehen entlang am Raine
Wallhecken im Taugefunkel –
Dein Leib liegt in fremder Erde,
Dein Geist weilt mit treuer Gebärde
Im Lande – es leuchtet dunkel
Wie Gruß aus dem Totenreiche
Dein Antlitz aus laubiger Eiche.

 


 

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