Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hans Leifhelm >

Hahnenschrei

Hans Leifhelm: Hahnenschrei - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
booktitleHahnenschrei
authorHans Leifhelm
year1926
firstpub1926
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart / Berlin / Leipzig
titleHahnenschrei
pages69
created20180323
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Ballade vom unheiligen Werk

        Sie bauen ein Haus, sie schachten aus,
Sie treiben den Spaten in lebenden Grund,
Es klafft das Geviert, wo die Adern bunt
Im Gefüge verlaufen, wo Muscheln kraus
Berichten von einstigem Meeressund.

Sie fällen das Lot nach des Bauherrn Gebot,
Sie winkeln die Kellerkammern aus Stein,
Sie mauern ins Fundament hinein
Den seltsamen Findling, fremd und tot,
Aus des Urgebirges Granitgebein.

Sie merken es nicht, was aus Tiefen spricht,
Sie schaffen verdrossen in böser Fron,
Sie sprechen Spott, sie lachen Hohn,
Sie achten der flüsternden Stimmen nicht,
Sie denken nur an den feilen Lohn.

*     *     *          

Die Kelle klingt, der Aufzug schwingt,
Sie schichten die Ziegel in klugem Verband,
Die Wasserwage in prüfender Hand,
So sorgt der Polier, daß die Mauer gelingt,
Daß sich tragend und fest das Gewölbe spannt.

Sie strecken den Bau, sie richten genau
Jedes Winkels Maß und der Wände Verlauf,
Sie stufen die Treppen, sie rüsten auf
Die Sparren zum Dach, wo unendliche Schau
Vergeblich sich bietet landab, landauf.

Ihre Augen sind für das Ewige blind,
Ihre Herzen sind schon lange verdorrt,
Sie spaßen, sie fluchen, sie bauen fort,
Sie spüren es nicht, daß im irrenden Wind
Die Geister der Heimat verlassen den Ort.

*     *     *          

Im Bau geht stumm das Böse um,
In den Mörtelfugen keimt schon Verrat,
Sie fahren fort in gewöhnlicher Tat,
Sie verlachen die Vorzeichen dreist und dumm,
Wem frommt das Werk? Wer fällt die Mahd?

Und ungebannt schreibt eine Hand
Geheime Zinken an Pfosten und Stein,
Sie lassen die guten Schatten nicht ein –
Es nisten und hecken in First und Wand
Krankheit und Not in bösem Verein.

Das Werk ist beendet, der Bau ist vollendet,
Vom Giebel prahlt der Maien bunt,
Sie bedenken ihr Werk nur nach Pfennig und Pfund,
Der Erde Schoß ist vergeblich verschwendet,
Eine böse Saat ist gesät in den Grund.

*     *     *          

Die Saat sprießt auf in der Jahre Verlauf –
Das Werk ist unheiligem Willen entstammt,
Sie ziehen ein und sind schon verdammt
Zu Verbrechen und Mord – unsichtbar flammt
Der Wimpel des Unheils hoch am Knauf.

 


 

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.