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Grundriß der Naturphilosophie

Wilhelm Ostwald: Grundriß der Naturphilosophie - Kapitel 2
Quellenangabe
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typetractate
authorWilhelm Ostwald
titleGrundriß der Naturphilosophie
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
seriesBücher der Naturwissenschaft
volume1. Band
printrunDritte neu bearbeitete Auflage
editorSiegmund Günther
year1919
firstpub1908
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201111201
projectid0533046f
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Vorworte

Vorwort des Herausgebers zur ersten Auflage

Die vorliegende, durch das Werkchen des Herrn Geh. Hofrats Dr. Ostwald eingeleitete Sammlung hegt die Absicht, ihre Leser in das Gesamtgebiet der Naturwissenschaften einzuführen. Jeder Band ist dazu bestimmt, ein abgeschlossenes Gebiet in gemeinverständlicher Darstellung zu behandeln. Irgendwelche besondere Vorkenntnisse werden dabei nicht vorausgesetzt, sondern jeder einzelne Gegenstand soll in der Weise zur Erledigung gelangen, daß jeder Leser dem Faden der Entwicklung ohne Schwierigkeit zu folgen vermag.

Der nächste Band wird aus der Feder des Unterzeichneten eine »Geschichtliche Übersicht über den Werdegang der Naturwissenschaften« bringen. Es soll dadurch zugleich eine Orientierung über die Gesamtheit der in dieser Sammlung enthaltenen Einzelschriften, über die großen Probleme der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft angestrebt werden.

München, Frühjahr 1908.

S. Günther.

Vorwort zur ersten bis dritten Auflage.

Mit dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ist ein plötzlicher Aufschwung des philosophischen Interesses eingetreten, der sich insbesondere an dem enormen Anwachsen der entsprechenden Literatur erkennen läßt. Bemerkenswerterweise handelt es sich hierbei keineswegs um eine Belebung, die von der Schulphilosophie, wie sie herkömmlicherweise an den Universitäten vertreten ist, ausgegangen wäre. Vielmehr hat die gegenwärtige philosophische Bewegung einen ausgesprochen naturphilosophischen Charakter. Sie rührt daher, daß nach der Spezialforschung des letzten halben Jahrhunderts die synthetischen Faktoren der Wissenschaft sich wieder mit aller Energie zur Geltung bringen. Das Bedürfnis, all die zahllosen Einzelarbeiten endlich einmal unter gemeinsamen Gesichtspunkten zu betrachten und für die eigene Tätigkeit den Zusammenhang mit der Gesamtarbeit der Menschheit zu finden, muß als ausgiebigste Quelle der gegenwärtigen philosophischen Bewegung betrachtet werden, wie es die Quelle der naturphilosophischen Bestrebungen vor hundert Jahren war.

Während aber jene alte Naturphilosophie bald in uferloser Spekulation endete, dürfen wir für die gegenwärtige auf dauerndere Ergebnisse hoffen. Denn die heutige Naturphilosophie baut sich auf breitester erfahrungsmäßiger Unterlage auf. Die Gesetze der Energie in der anorganischen, und die der Entwicklung in der organischen Welt gewähren für die begriffliche Bearbeitung des wissenschaftlichen Materials Denkmittel, welche nicht nur das gegenwärtige Wissen zu vereinheitlichen, sondern auch das kommende hervorzurufen vermögen. Ist es auch nicht zulässig, diese Vereinheitlichungen als erschöpfend und für alle Zeit zureichend anzusehen, so hat doch unsere Zeit noch so viel in der Bearbeitung des Vorhandenen unter den erwähnten Gesichtspunkten nachzuholen, daß zunächst das Bedürfnis der Ordnung befriedigt sein muß, bevor man mit Erfolg den Blick nach weiteren Fernen richten mag.

Das vorliegende Schriftchen ist dazu bestimmt, als erste Hilfe und Führung bei der Gewinnung solcher zusammenfassender Gedanken gegenüber der äußeren Welt und dem inneren Erleben zu dienen. Ein »System der Philosophie« soll es nicht entwickeln und vertreten. Hat sich der Verfasser doch in ausgiebiger Lehrerfahrung davon überzeugt, daß die besten Schüler die sind, welche bald ihre eigenen Wege gehen. Wohl aber soll das Büchlein eine bestimmte Methode vertreten, nämlich die wissenschaftliche (oder wenn man will, naturwissenschaftliche), welche ihre Probleme aus der Erfahrung und für die Erfahrung nimmt und zu lösen versucht. Ergeben sich hierbei auch mancherlei Gesichtspunkte, welche von denen des heutigen Tages abweichen, und daher auch ein abweichendes Verhalten in wichtigen Dingen für die nächste Zukunft fordern, so liegt gerade hierin der Nachweis, daß die heutige Naturphilosophie nicht vom Leben abführt, sondern einen Teil unseres Lebens selbst zu bilden das Bestreben, ja das Recht hat.

 

Groß-Bothen, 1908, 1913 und 1919.

Wilhelm Ostwald.

Wilhelm Ostwald
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