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Grillparzers Liebesroman. Die Schwestern Fröhlich

Joseph August Lux: Grillparzers Liebesroman. Die Schwestern Fröhlich - Kapitel 17
Quellenangabe
authorJoseph August Lux
titleGrillparzers Liebesroman. Die Schwestern Fröhlich
publisherVerlag von Rich. Bong
yearo.J.
firstpub1912
printrunVierundfünfzigstes bis sechsundfünfzigstes Tausend
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171117
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XV.

Die schönen zwanziger Jahre gingen zur Neige. Es war wie ein Sonnenuntergang, die Welt entflammte in Purpur, ehe es Nacht wurde.

Der Winter war diesmal so lange, nie hatte man so das Frühjahr herbeigesehnt. Braun und violett stand das Kahlengebirge in der grellen Märzsonne; die Sehnsucht schmückte es mit Veilchen und Himmelsschlüsseln.

»Wie schön muß es jetzt draußen sein, am Beethovengangl,« seufzte Kathi sentimental schwermütig; »alles blau und gelb und weiß. Das liebe Heiligenstädterbächlein!«

»Wo die Weißfisch drin sind!« frozzelte Grillparzer mit etwas verdrießlichem Humor.

»Forellen, bitte!« rief Kathi.

»Weißfisch!«

»Forellen!«

Schubert, der gerade beim Fenster saß und an einem Notenblatt herumbesserte, vergaß seine Noten und blickte hinaus. Hier war es schön zu sitzen und hinauszusehen. Man war wie auf einem Turm, hoch über der dunstigen Gasthaus- und Kaffeehausluft, aus der man wintersüber nicht herauskam und freute sich jedesmal bei den Fröhlichs diesen Augentrunk tun zu können. Es war noch zu früh an der Jahreszeit um hinauszueilen, die Gegend lag im Winterschlaf. Aber wenigstens von dem Fenster hier hinausspähen zu können, ob sich's nicht schon regte, das war schon ein großer Vorgenuß. Die Veilchen und Himmelsschlüssel, mit denen man die Gegend draußen geschmückt sah, sproßten einstweilen nirgends als in den Herzen der Verlangenden.

»Ja, ja!« Dieses tief aus der Brust heraufgeholte Ja ja! war alles, was das Meisterlein sagte. Es war nicht gesprächig, in diesen zwei Stoßseufzern drückte sich alles aus, was in ihm vorging. Dafür dachte er um so mehr. In einem Monat kann man sich getrost auf die Beine machen. Und wenn's Geld nicht langt, so liegt ja auch das väterliche Haus am Wege, und da hinein: »Frau Mutter, habts nöt ein paar Silberzwanziger im Strumpf? Schauts, da könnt ich mir einen guten Tag antun. Darf ich suchen?« Und d' Frau Mutter hat s' ja eigens für den Zweck im Strumpf und sagt gewiß nicht nein und läßt ihn suchen. Und hat schon dafür gesorgt, daß er nicht umsonst nachschaut. Dann noch ein kleines Lamento über die brotlose Kunst, damit das Herz schwerer wird, wenn schon der Geldbeutel nicht schwer ist, aber ein paar Schritte weiter, bei der Linie, ist alles wieder vergessen.

»Ja ja!« Sein Denken geht weiter. Im Mai, dann ist es gar herrlich draußen. Da werden die Zäune neu gestrichen, die Fenster gewaschen und die Zimmer gelüftet. Und dann sind s' auch schon da die ersten Schwalben, die Sommerfrischler nämlich. Im Winter waren in den leeren muffigen Stuben die Kartoffeln, Äpfel und andre Wintervorräte eingelagert, die müssen jetzt heraus, damit Platz wird für die Stadtleut'. Das alte Gerümpel aufgefrischt, die dreibeinigen Sessel, das zerschlissene Sofa, die ächzenden Betten, alles geklopft, gescheuert, gebürstet, frischen Mais in die Strohsäcke bis sie hart wie Pflastersteine sind, so und dann sind die hochherrschaftlichen Zimmer für die verwöhnten Stadtleute bereit.

»Heuer ist die Gosmar wieder in Döbling,« wirft Netty hin. Die Gosmar ist langjährige Schülerin der Netty und mit Sonnleithner, einem Vetter Grillparzers, verlobt!

»Ach, Döbling!«, das war die Kathi.

»Heuer bringen wir der Gosmar ein Ständchen zu ihrem Geburtstag,« sagt Netty und entwirft den Zukunftsplan für eine schöne Sommernacht. »Alle Schülerinnen z'samm'packt auf drei Stellwagen, abends hinaus nach Döbling, ein Klavier heimlich unters Gartenfenster gestellt und dann drauflosgesungen. Der Schubert macht die Musik, und der Grillparzer ist so gut und schreibt das Ständchen.«

»No ja, wenn mir was einfällt,« sagt Franz.

»No, schau halt, daß dir was einfallt,« sagt die Netty.

»Ja, ja,« sagt Schubert, der noch immer verloren am Fenster steht. Er stiert angestrengt hinaus. Für ihn hat die Gegend draußen ein zweites Gesicht, in den verwühlten Wolken, die jetzt gigantische Schatten auf die Hänge werfen, will er das Antlitz des Leidträgers und Freudverkünders schauen. So groß steht der unnahbare Tragiker vor seiner Seele.

»Bum! bum! bum!« Er summt, rennt ans Klavier, sucht's zu fassen, umsonst! Ein musikalischer Gedanke geht ihm nach, das innere Erlebnis aus der Eroicagasse will ihm nicht aus dem Sinn. Die Klavierbässe dröhnen: »Bum! bum! bum!« Aber seine Seele ist nicht imstande, dieses Gewaltige auszusprechen, das er darin vernimmt. So geht er seit langem schon auf den Spuren eines ganz Großen, des Größten, den er anbetet. Aber er ist zu schwach, sich ihm zu nahen.

»Ich erwisch es halt nicht,« sagt er mutlos und schleicht zum Fenster zurück. Er hatte jenem Größten seine Noten geschickt, eine Auswahl seiner besten Arbeiten, aber auch im Leben vermochte er es nicht, sich ihm zu nahen, so groß ist die Scheu. Nun hätte er gerne gewußt, was jener große Meister von den Sachen hielt. Ein Wort von ihm konnte zwar vernichten, konnte aber auch seligsprechen.

»Ja, ja,« wiederholte er aus tiefster Brust. »Gott schauen!« Er hatte unwillkürlich laut gedacht und hielt erschrocken inne. Aber Grillparzer hinter ihm hatte ihn verstanden; der legt die Hand auf seine Schulter und sagt leise aber eindringlich: »Das ist so eine Sache. Ich war auch Gott schauen, in Weimar. Hätt's vielleicht nicht tun sollen. Man findet sich schwer zurück, ...« Er vollendete hier nicht, so schwer löste sich seine Seele, und so krampfhaft verschloß sie wieder ihre Tiefen.

Ein dunkler Blick, der aus den fernsten Einsamkeiten kam, sah hinter Brillengläsern fragend den Sprecher an. »Was muß dem widerfahren sein?« dachte das Meisterlein. Die Rede war dunkel, aber er glaubte ihren Sinn zu verstehen. Vor allem, weil er in diesem Augenblick vielleicht erkannte, daß der Dichter neben ihm auch in tiefster Seeleneinsamkeit schmachtete, daraus ihn nicht einmal das treue Bemühen der Liebe befreien konnte. Er verglich ihn mit Schober, der ja selber ausgezogen war, seinen Gott zu suchen und heiter, voll strahlender Zufriedenheit zurückgekehrt war. Gegen diesen war der hier ein Büßer. Ja, ja, Schober tat sich leicht! Wie gut hatten es die Seichten! Wie schwer trugen die Tiefen!

»Ob er wohl heuer wieder in der Eroicagasse wohnt?« war Schuberts Frage, mehr an sich als an die anderen gerichtet.

»Wer?« wollte Netty wissen, die das Gemurmel am Fenster nur halb verstanden hatte.

»Nun Er?« wendete sich Schubert um, »Er doch, Beethoven!«

»Hoffentlich rappelt er sich wieder auf bis dahin,« warf Netty hin.

»Ist er denn krank?« erschrak das Meisterlein.

»Schwer krank. Es soll nicht gut stehen um ihn.«

»Das ist nicht möglich! Nein, das ist nicht möglich! Wer hat das gesagt?«

»Lachner hat's gesagt, der wird's doch wissen, er steckt doch immer bei ihm.«

Der liebe, feine, kluge, ernste Lachner, der am Kärntnertor-Theater den Taktstock schwang, der konnte nicht freveln! Wenn der das sagte, dann war es so.

Wie besessen hüpfte das Meisterlein auf einem Bein herum, rannte zur Tür hinaus und fort. Nicht zum Aufhalten.

Rannte zu Lachner, zu seinen Freunden Hüttenbrenner und Jenger und hörte überall dasselbe: »Ja, leider; schwerkrank, stirbt schon seit acht Tagen.«

Das Meisterlein war verzweifelt. Lebte ein ganzes Leben in der Nähe des Gewaltigen, in derselben Stadt, oft nur einige Gassen weit entfernt, hockte lauschend unter seinen Fenstern, träumte das Glück, dem Großen unter die Augen zu treten und ein Wort der Gnade von ihm zu empfangen: und hatte nie den Mut es zu tun. Er konnte ihn nicht anders denn als Gott denken, der dreifach eingehüllt war in den Mantel seiner Einsamkeit, in den Mantel seiner Taubheit, in den Mantel seiner Unnahbarkeit, ihn, der Schüler von keinem und der Meister aller war, ein himmelhoch ragender Fels, gegen den keine Macht anfluten konnte, weil er höher ins Ewige reichte und tiefer ins Menschliche als alle, die um ihn her nach dem Höchsten und Tiefsten trachteten. Daß der Tod über den Mächtigsten Gewalt erlangen sollte? Das konnte dem kleinen Meister, der ein so großes Leidverstehen besaß, nicht einleuchten. Verlohnt es sich denn dann noch zu leben, wenn der starke Held fiel, der dieser kleinlichen Zeit ihre Größe gab? Mußte es nicht Nacht werden, wenn der purpurne Abglanz dieses Gestirns nicht mehr in den Fenstern lag? War es nicht zum Verzagen, wenn er nicht mehr war, der die Sehnsucht der flehenden und wimmernden Menschlein über diesen Garten der Schmerzen hinaushob in das Paradies der überirdischen Seligkeit, wo der Chor der Verklärten sang: »Freude, schöner Götterfunken ...«

Gott schauen, ehe diese Sonne verlöschte, die hell über die zwanziger Jahre strahlte, um wenigstens mit der Erinnerung an dieses Gnadenlicht im Herzen den Weg durch das Dunkel fortsetzen zu können! Lachner, Jenger, Hüttenbrenner, die als treue Diener seiner geliebten Kunst im Vorhof des Tempels standen, darin der Unnahbare herrschte, mußten raten, mußten helfen. Sie sollten ihn bis an die Pforten geleiten, damit er, der Demütige, einen scheuen, ehrfurchtsvollen Blick hineinwerfen konnte, ehe es aus war für immer. Jetzt in der Stunde der Verzweiflung hatte er den Mut dazu, der ihm sonst immer gefehlt hatte. Jetzt mußte es sein, wenn er nicht den Schmerz um ein Versäumtes, Verlorenes und Unwiederbringliches durchs Leben mitschleppen sollte.

So stand er nun mit Jenger und Hüttenbrenner vor dem weitläufigen Haus in der Schwarzspanierstraße, krallte knirschend vor Aufregung die Finger in die Hände seiner Freunde und schwankte mit ihnen über die breite, weiße Treppe in den ersten Stock hinauf. Oben vor der Tür schauerte er wieder zurück. Angstvoll sah er auf die beiden, die hinter ihm gingen. Vor den Toren der Ewigkeit konnte man nicht mehr von Furcht geschüttelt sein, als er es war. Er wäre geflohen, wenn er allein gewesen wäre.

»Vorwärts jetzt,« flüsterten die beiden und schoben ihn hinein. Ein stiller, leidtragender Mann kam ihnen entgegen, fast unhörbar und sprach leise mit den beiden Freunden. Es war Schindler, der Vertraute Beethovens, der als schweigsamer Wächter die störende Außenwelt von dem sterbenden Meister drin fern hielt. Sein trauriger Blick fiel auf Schubert, während die beiden Genossen mit ihm unterhandelten.

»Ich will hineingehen und ihn fragen,« sagte er und entfernte sich ebenso leise, als er gekommen war.

Dann kamen Minuten des fürchterlichen Wartens.

Endlich erschien er wieder und flüsterte: »Schubert soll zuerst kommen.«

Der preßte die Finger ineinander und bebte, als ob's zum Jüngsten Gerichte ginge. Zuerst war ein großes dunkles Zimmer und dann ein zweites gleich großes. Zögernd blieb er an der Schwelle stehen. Er fühlte plötzlich eine Schwäche, daß er um nicht umzufallen, nach der Wand griff, von der ein Stück Tapete losgerissen war. Überall eine fürchterliche, beklemmende Verwahrlosung, als ob der Tod hier schon gehaust und alle Ordnung in ein Chaos verwandelt hätte. In der Ecke des zweiten Zimmers beim Fenster stand das aufgerissene Bett, und dort lag der Tod selber in den zerwühlten Kissen. Der winkte plötzlich lebhaft mit den Händen und sagte ein paar unverständliche Worte. Ein Stoß von Noten lag neben ihm, und obenauf erkannte der junge Meister seine eigenen Kompositionen.

Der ihm da winkte hatte noch die Züge des geliebten Meisters, obzwar sie fremd und furchtbar anzuschauen waren. Die sokratische Häßlichkeit des Antlitzes, nur noch mehr zerklüftet wie eine vom Götterkampf der irdischen und überirdischen Gewalten verheerte Landschaft, und darüber als Thron unsterblicher Schönheit die gewaltige, hochgewölbte Stirn, die eine unsichtbare Dornenkrone trug und ein Leuchten ausstrahlte, als wären diese Dornen eine weltverklärende, über alles Weh des Menschseins hochgelind tönende Himmelskrone gewesen.

Die draußen warteten und warteten, bis die Reihe an sie käme. Endlich ging die Tür wieder auf, heraus huschte der kleine, linkische, unbeholfene Musikant, der glücklich Gepriesene, mit einem schmerzerweckenden Zucken im blassen Gesicht.

»Was hat er gesagt?« Man wollte das nie gelüftete Geheimnis frisch aus seinem Munde hören. Aber der bebende Mund blieb krampfhaft verschlossen, um nicht aufzuschreien und die Weihe im Hause des Todes zu stören. Vorbei rannte das Meisterlein mit diesem entsetzlichen Zerren und Zucken im Gesicht, vorbei an den Freunden und hinaus über die Treppe ohne zu warten, bis die anderen aus dem Sterbezimmer zurückkamen. Den Hut hatte er vergessen, in der linken Hand preßte er das kleine Stückchen Tapete, das ihm in den hilfesuchenden Fingern geblieben war, jetzt ein kostbares Pfand des Todes, ein Vermächtnis des unsterblichen Meisters, der oben in den schrecklichen Zimmern lag. Der Sturm heulte in den Gassen, rüttelte an den Fenstern und jagte in weißen Tüchern von Staub über das Glacis, Märzenwind, scharf und schneidend wie die Sense des Todes, der jenem Gewaltigen oben das Herz bricht, aber auch voll Geläut und Lebenserweckung wie die Osterglocken der Auferstehung.

In wenigen Tagen schon ging der arme Schubert Franzl in dem endlosen Zug, der vom Schwarzspanierhause nach dem Währinger Friedhof hinauswallte mit feierlich nickenden Federn und schwarzen Pferden, und Menschen, unabsehbar wogenden Menschen, die dem großen Toten das letzte Geleit gaben.

»So sind diese Wiener,« sagte mit erstickter Stimme der treue Schindler unterwegs zu seinen Begleitern. »Verhungern hätten s' ihn lassen, verhungern auf dem Krankenbett! Wenn die Engländer nicht gewesen wären, die sich seiner angenommen und Geld geschickt haben, acht Tage vor seinem Tod ...« Er konnte nicht weiter vor Schluchzen. Und dann: »Jetzt kommen's scharenweis daher und erkreuzigen sich ... So sind diese Menschen hier! Keine Katz hat sich früher umg'schaut um ihn! Verhungern hätten s' ihn lassen! Eine Stadt, die ihm so viel zu danken hat! So handeln die Wiener an dem Genius! Sie vertragen die Größe nicht! Nur der gemeine Kerl hat's gut. Wer höher hinaus will, ist schon verdächtig. Und nun gar das Genie, das ist vogelfrei ...«

Grillparzer ging ihm zunächst.

Hörst du es, Dichter? Sie vertragen die Größe nicht!

Der aber ging in sich gekehrt, er, der ein verwandtes Schicksal trug! Und Schubert, dem das gleiche Los des Auserwählten zugefallen war!

»Ach diese Wiener, so sind sie! Ein Volk!«

»Bum! bum! bum!« dröhnte die Musik, ein Trauermarsch, den der verewigte Tragiker auf den Tod eines Heroen geschrieben hatte. Wie fuhren diese entsetzlichen Schläge dem armen Schubert ins Herz!

»Bum! bum! bum!« Nun hatten die abgerissenen Töne, die er einst in der Eroicagasse erlauscht hatte, diese tiefen, schmerzaufpeitschenden Klavierbässe, den dunkel geahnten Sinn bekommen, den er bisher immer vergebens zu enträtseln versucht hatte.

»Bum! bum! bum!« Das große Schreiten war darin, das stolze Nicken der schwarzen Federn auf den Trauerrossen, das jähe Aufschreien des gequälten Herzens, und dieses grauenerregende Pochen, als ob der Tod umherginge und mit seinem ehernen Finger an alle Tore hämmerte. Dann diese Pausen, die sich zu Ewigkeiten dehnten und das Herz stillestehen machten in Angst und Vergehen, und wieder dieses von allen Schrecknissen des Sterbens erfüllte Pochen des Todesfingers.

Mit zerschlagener, aus allen Wunden blutender Seele kam man endlich vor das zyklopenhaft getürmte Tor des Währinger Friedhofs, wo der redegewaltige Anschütz sprach, Worte von Grillparzer, die sich wie Flammen auf die Wunden ergossen, und dazu noch immer dieses gnadenlose Pochen und Hämmern, ein Hagel von Trauer und Todesangst, der immer und immer auf die zertretene Seele niederschlug und unverlöschliche Male zurückließ.

»Darum sind ja von jeher Dichter gewesen und Helden, Sänger und Gotterleuchtete, daß an ihnen die armen zerrütteten Menschen sich aufrichten, ihres Ursprungs gedenken und ihres Ziels!«

Die Welt wollte finster werden, weil er nicht mehr war. Einem wollte es jetzt bedünken, als könnte er sich nicht mehr zurecht finden.

Der arme Schubert Franzl!

Das tragische Los derer, die Gott schauen! Grillparzer hatte ihm ein deutungsschweres Wort gesagt, das dem Nachdenksamen nie mehr aus dem Sinn gehen wollte. Nur ahnend ließ sich das Geheimnis begreifen, das die drei so ähnlich machte, den Verkünder der weltstarken Neunten Symphonie, das de- und wehmütige kleine Meisterlein und der tragische Dichter, der selbst ein Sänger und Gotterleuchteter war, wenn auch unlösbar dicht umsponnen von den Kleinlichkeiten, Launen und Schwächen seines Menschseins.

Zu tiefst aber, im innersten Innern, alle drei: Einsame, die sich zufällig grüßen und weitergehen den einsamen Weg der Seele, von ihrer Zeit nicht immer erkannt und geachtet, von den Niedrigen oft verspottet und verschmäht, Gotterleuchtete und Gottschauende, Sänger und Helden, an denen die Menschheit sich immer aufrichten wird, ihres Ursprungs gedenkend und ihres Ziels!

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