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Griechischer Frühling

Gerhart Hauptmann: Griechischer Frühling - Kapitel 4
Quellenangabe
typediary
authorGerhart Hauptmann
titleGriechischer Frühling
publisherPropyläen Verlag
editorHans-Egon Haß
year1965
firstpub1908
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160705
projectid81d4b60c
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Wir steigen, angelangt in Itea, in einen Wagen, vor den drei Pferde gespannt sind. Die Fahrt beginnt, und wir werden durch Felder grüner Gerste in das Tal von Krisa hineingeführt. Im Getreide tauchen hie und da Ölbäume auf, und mehr und mehr, bis sie zu Hainen zusammentreten und wir zu beiden Seiten der staubigen Straße von Olivenwäldern begleitet sind. Im Halblicht unter den Wipfeln liegen quadratisch begrenzte Wasserflächen. Nicht selten steigt ein gewaltiger Baum daraus empor, scheinbar mit seinem Stamme in einem glattpolierten Spiegel aus dunklem Silber wurzelnd, einem Spiegel, der einen zweiten Olivenbaum, einen rötlichen Abendhimmel und einen anderen, nicht minder strahlenden parnassischen Gipfel zeigt.

Bauern, die aus den Feldern heimwärts nach den Wohnungen im Gebirge streben, werden von uns im Dämmer der Waldstraße überholt. Es scheint ein in mancher Beziehung veredelter deutscher Schlag zu sein, so überaus vertraut in Haltung, Gang und Humor, in den Proportionen des Körpers sowie des Angesichts, mit dem blonden Haar und dem blauen Blick, wirken auf mich die Trupps der Landleute. Wir lassen zur Linken ein eilig wanderndes und mit einer dunklen Genossin plauderndes blondes Mädchen zurück. Sie ist frisch und derb und germanisch kernhaft. Die Art ihres übermütigen Grußes ist zugleich wild, verwegen, ungezogen und treuherzig. Sie würde sich von der jungen und schönen deutschen Bauernmagd, wie ich sie auf den Gütern meiner Heimat gesehen habe, nicht unterscheiden, wenn sie nicht doch ein wenig geschmeidiger und wenn sie nicht eine Tochter aus Hellas wäre.

Und ich gedenke der Pythia.

Religiöses Empfinden hat seine tiefsten Wurzeln in der Natur; und sofern Kultur nicht dazu führt, mit diesem Wurzelsystem stärker, tiefer und weiter verzweigt in die Natur zu dringen, ist sie Feindin der Religion. In diesem großen und zugleich urgesunden Bereich des nahen, großen Mysteriums denkt man nicht an die Götterbilder der Blütezeit, sondern höchstens an primitive Holzbilder, jene Symbole, die, durch Alter geheiligt, der Gottheit menschliche Proportionen nicht aufzwangen. Man gedenkt einer Zeit, wo der Mensch mit allen starken, unverbildeten Sinnen noch gleichsam voll ins Geheimnis hineingeboren war: in das Geheimnis, von dem er sich zeit seines Lebens durchaus umgeben fand und das zu enthüllen er niemals wünschte.

Nicht der Weltweise war der Ersehnte oder Willkommene unter den Menschen jener Zeit, außer wenn er sich gleich dem Jäger oder dem Hirten – der wahre Hirt ist Jäger zugleich! – zur ach so wenig naiven Verehrung eines Idoles, einer beliebigen Rätselerscheinung, der nur im Rätsel belebten Natur, verstand, sondern ersehnt und willkommen war immer wieder nur das Leben, das tiefere Leben, das den Rausch erzeugende Rätsel.

Immer jedoch ist der Mensch dem Menschen Träger und Verkünder der tiefsten Rätsel zugleich gewesen, und so ward das Rätsel stets am höchsten verehrt, wenn es sich durch den Menschen verkündigte, die Gottheit, die durch den Menschen spricht. Und um so höher ward es unter jenen Menschen verehrt, ward die Gottheit verehrt, je mehr sie den schlichten Mann, das gewöhnliche Weib aus dem Hirten- und Jägervolke gewaltsam vor aller Augen umbildete, so daß es, von Grund auf verändert, von einem Gott oder Dämon beherrscht, als Rätsel erschien.

Ein so verändertes Wesen war vor urdenklichen Zeiten die erste bäurische Pythia, und sie erschien in den Händen des bogenführenden Jägers und Rinderherden besitzenden Hirten, in den Händen des Jäger- und Hirtengottes Apollon willenlos. Den Willen des Menschen zerbrach der Gott, wie man ein Schloß zerbrechen muß, das die Tür eines fremden Hauses verschließt, will man als Herrscher und Herr in dieses eintreten; und nicht der menschliche Wille, sondern gleichsam die Knechtschaft im göttlichen, nicht Vernunft, sondern Wahnsinn besaß vor den Menschen damals allein die Staunen und Schauder verbreitende Autorität.

 

Die Pferde beginnen bergan zu klimmen. Mehr und mehr, während wir aus den dunklen Olivenwäldern emportauchen, verdichtet sich um uns die Dämmerung. Die Luft ist warm und bewegungslos. Es ist eine Art tierischer Wärme in der Luft, die aus dem Erdboden, aus den Steinblöcken um uns her, ja überallher zu dunsten scheint. Überall klettern Ziegenherden. Ziegenherden kreuzen den Weg oder trollen ihn mit Geläut zu Tal. Ich fühle auf einmal, wie hier das Hirten- und Jägerleben nicht mehr nur als Idyll zu begreifen ist. In dieser brütenden Atmosphäre, wie sie über den schwarzen Olivenwäldern der Tiefe, in dem weiten, gewaltig zerklüfteten Abgrund zwischen den Wällen schroffer Gebirge steht, wird mein Blut überdies zu einem seltsamen Fieber erregt, und es ist mir, als könne aus dieser buhlerisch warmen, stehenden Luft die Frucht des Lebens unmittelbar hervorgehen. Das Geheimnis ist ringsum nahe um mich. Fast bang empfinde ich seine Berührungen. Es ist, als trennte – sagen wir von den »Müttern«! – nur eine dünne Wand oder als läge das ganze Geheimnis, in dem wir schlummern, in einem zurückgehaltenen göttlichen Atemzug, dessen leisestes Flüstern uns eine Erkenntnis eröffnen könnte, die über die Kraft des Menschen geht.

Ich habe in diesem Augenblick mehr als je zu bedauern, daß mir der musikalische Ausdruck verschlossen ist, denn alles um mich wird mehr und mehr zu einer einzigen, großen, stummen Musik. Das am tiefsten Stumme ist es, was der erhabensten Sprache bedarf, um sich auszudrücken. Allmählich verbreitet sich jenes magische Leuchten in der Natur, das alles vor Eintritt völliger Dunkelheit noch einmal in traumhafter Weise verklärt. Aber Worte besagen nichts, und ich würde, mit der wahrhaft dionysischen Kunst begabt, nach Worten nicht ringen müssen.

Ich empfinde inmitten dieser grenzenlos spielenden Schönheit, die von einem grunderhabenen düsteren Glanze gesättigt ist, immer eine fast schmerzhafte Spannung, als ob ich mich einem redenden Brunnen, einem Urbrunnen aller chthonischen Weisheit gleichsam annäherte, der, wiederum einem Urmunde gleich, unmittelbar aus der Seele der Erde geöffnet sein würde.

Niemals, außer in Träumen, habe ich Farben gesehen so wie hier auf dem Marktplatze von Chryso, in dessen Nähe das alte Krisa zu denken ist. In diesem Bergstädtchen werden unsere Zugtiere getränkt. In Eimern holt man das Wasser aus dem nahen städtischen Brunnen, der im vollen magischen Licht des Abends sich, aus dem Felsen rauschend, in sein steinernes Becken stürzt. Hier drängen sich griechische Mädchen, Männer und Maultiere, während im Schatten des Hauses gegenüber würdige Bauern und Hirten beim Weine von den Lasten des Tages ausruhen. Alles dieses wirkt feierlich schattenhaft. Es ist, als bestünde in dem Menschengedränge des kleinen Platzes die geheiligte Übereinkunft, die innere Sammlung der delphischen Pilger nicht durch laute Worte zu stören.

Unter den schweigsam Trinkenden, die uns mit Würde beobachten und ganz ohne Zudringlichkeit, fällt manche edle Erscheinung auf. Von einem Weißbart vermag ich mein Auge lange nicht abzuwenden. Er ist der geborene Edelmann. Die Haltung des schlanken Greises, der seine eigene Schönheit durchaus zu schätzen weiß, ist durchdrungen von einem Anstand, der eingeboren ist. Aus seinem Antlitz sprechen Güte und Menschlichkeit: ich sehe in ihm das Gegenbild aller Barbarei. An diesem Hirten legt jede Wendung des Hauptes, jede gelassene Bewegung des Armes von edler Herkunft Zeugnis ab: von einer Jahrtausende alten, verfeinerten Hirtenwürde! Denn wo wäre die Freiheit der Haltung, die stolze Gewohnheit des Selbstgenügens, die Würde des Menschen vor dem Tier weniger gestört als im Hirtenberuf!

 

Es ist, nachdem wir die Stadt verlassen haben und weiter die steilen Kehren aufwärtsdringen, als senkte sich von allen Seiten, dichter und dichter, Finsternis über das Geheimnis, dem wir entgegenziehen, schützend herein. Es ist wie eine Art Unschlüssigkeit in der Natur, als deren bevorzugtes Kind sich der gläubige Grieche fühlen muß, die sich mir aber dahin umdeutet, als sollte erst durch die volle Erkenntnis einengender Finsternis der volle Durst zum Orakelbrunnen erzeugt werden.

Noch immer ist die stehende Wärme auch in der fast völligen Dunkelheit verbreitet um mich. Der Himmel hat rötlich zuckende Sterne enthüllt, aber der Blick ist von nun an beengt und eingeschlossen. Die große Empfindung der Götternähe weicht einer gewissen heimlich schleichenden Spukhaftigkeit, und so will ich nun auch eine Vorstellung dieser spukhaften Art aus dem Erlebnis der unvergleichlichen Stunden festhalten.

Mehrmals und immer wieder kam es mir vor, als stiege der Schatten eines einzelnen Mannes mit uns nach dem gleichen Ziele hinan, und zwar auf einem Fußsteige immer die Kehren der großen Straße abschneidend. Kamen wir bis an die Kreuzungsstelle heran, so schien es, als sei er schon vorüber, oder er war zurückgeblieben und stieg weit unten schattenhaft über die Böschung der tieferen Straßenschlinge herauf. Auch jetzt unterliege ich wieder dem Zwang dieser Vorstellung.

Es ist unumgänglich, daß ein bis ins tiefste religiös erregter, christlich erzogener Mensch, auch wenn er das innere Auge abwendet, gleichsam mittels des peripherischen Sehens doch immer auf die Gestalt des Heilands treffen muß: und dies war mir und ist mir noch jetzt jener Schatten. Etwas wie Unruhe, etwas wie Hast und Besorgnis scheint ihn den gleichen Weg zu treiben, und etwas wie der gleiche, immer noch ungestillte Durst.

Und ist nicht auch er wiederum ein Hirt? Sah er sich selbst nicht am liebsten unter dem Bilde des Hirten? Sehen ihn nicht die Völker als Hirten? Und verehren ihn nicht die prunkhaften Hohenpriester von heut, mit dem Symbole des Hirtenstabes in der Hand, als göttlichen Hirten, als Hirtengott?

 

Heut, am frühen Morgen aus meiner Herberge tretend, befinde ich mich auf der sonnigen Dorfstraße eines alpinen Dörfchens. Wenn ich die Straße nach rechts entlangblicke, wo sie, nach mäßiger Steigung, in einiger Ferne abbricht oder in den weißlichen, heißen und wolkenlosen Himmel auszulaufen scheint, so bemerke ich die Spitze eines entfernteren Schneeberges, der sie überragt.

Die Straße läuft meist dicht am Abhang hin. Von ihrem Rande ermesse ich die gewaltige Tiefe eines schluchtartigen Tales, mit steilen Felswänden gegenüber. Die grauen Steinmassen sind durch Thymiansträucher dunkel gefleckt.

Der Grund der Schlucht scheint ein Bachbett zu sein, und wie sich Wasser von seiner hochgelegenen Quelle herniederwindet, bis es am Ende der verbreiterten Schlucht in den weiten See eines größeren Tales tritt, ergießen sich hier, gleichsam wie Wogen aus dunklem Silber, Olivenwaldungen in die Tiefe, wo sie die Fülle des ölreichen Tales von Krisa aufnimmt.

Es ist eine durchaus nur schlichte und ganz gesunde alpine Wonne, die mich erfüllt, jener Zustand des bergluftseligen Müßigganges, in dem man so gern das Morgenidyll dörflichen Lebens beobachtet.

Hähne und Tauben machen das übliche Morgenkonzert. Es wird in der Nähe ein Pferd gestriegelt. Beladene Maultiere trappen vorüber. Alles ist von jener erfrischenden Nüchternheit, die wiederum die gesunde Poesie des Morgens ist.

Kastri heißt das Dorf, in dem wir sind und genächtigt haben. Einige Schritte auf der mit grellstem Lichte blendenden Landstraße um einen Felsenvorsprung herum, und der heilige Tempelbezirk von Delphi soll sich enthüllen.

In diesem Felsenvorsprung, den wir nun erreichen, sind die offenen Höhlen ehemaliger Felsgräber. Nahe dabei haben Wäscherinnen ihren Kessel über ein aromatisches Thymianfeuer gestellt, das uns mit Schwaden erquickenden Weihrauchs umquillt. Schwalben schrillen an uns vorüber, Fliegen summen, irgendwoher dringt das Hungergeschrei junger Nestvögel, und die Sonne scheint, triumphierend gleichsam, bis in die letzten Winkel der leeren Gräber hinein.

Eine zahlreiche Herde schöner Schafe begegnet uns, und minutenlang umgibt uns das freudige Älplergeräusch ihrer Glocken. Ich beobachte eine dicke Glockenform mit tiefem Klang, von der man sagt, daß sie antikem Vorbild entspreche. Inmitten der Herde bewegt sich der dienende Hirt und ein herrenhaft-heiter wandelnder Mann in der knappen, vorwiegend blauen Tracht der Landleute.

Dieser Mann erscheint zugleich jung und alt: insofern jung, als er schlank und elastisch ist, insofern alt, als ein breiter, vollkommen weißer Bart sein Gesicht umrahmt. Doch es ist die Jugend, die in diesem Manne triumphiert: das beweist sein schalkhaft blitzendes Auge, beweist der freie, übermütige Anstand der ganzen Persönlichkeit, eine Art behaglich fröhlichen Stolzes, der weiß, daß er unwiderstehlich fasziniert.

Als Staub und Geläut uns am stärksten umgeben, bemerken wir, wie dieser schöne und glückliche Mann, der übrigens seine Jagdbüchse über der Schulter trägt, den langen Stab aus der Hand seines Hirten nimmt. Gleich darauf tritt er uns entgegen und bietet uns, wirklich aus heiterem Himmel, eben denselben Stab als Gastgeschenk.

 

Die Wendung des Weges ist erreicht. Die Straße zieht sich in einem weiten Bogen eng unter mächtigen roten Felswänden hin, und der erste Blick in dieses schluchtartige delphische Tal sucht vergeblich nach einer geeigneten Stätte für menschliche Ansiedelung. Von den roten, senkrecht starrenden Riesenmauern der Phaidriaden ist ein Böschungsgebiet abgebröckelt, das steil und scheinbar unzugänglich über uns liegt. Überall in den Alpen trifft man ähnliche Schutt- und Geröllhalden, auf denen man, ebenso wie hier, höchstens weidende Ziegen klettern sieht. Selten bemerkt man dort, etwa in Gestalt einer besonders ärmlichen Hütte, Spuren menschlicher Ansiedelung, während hier der unwahrscheinliche Baugrund für ein Gewirr von Tempeln, tempelartigen Schatzhäusern, von Priesterwohnungen, von Theater und Stadion sowie von zahllosen Bildern aus Stein und Erz zu denken ist.

Wir schreiten die weiße Straße langsam fort. Wir scheuchen eine anderthalb Fuß lange grüne Eidechse, die den Weg, ein Wölkchen Staub vor uns aufregend, überquert. Ein Esel, klein, mit einem Berge von Ginster bepackt, begegnet uns: es heißt, daß die Bauern aus Ginster Körbe zur Aufbewahrung für Käse flechten. Ein Maultier schleppt eine Last von bunten Decken gegen Kastri heran, begleitet von einer Handelsfrau, die während des Gehens nicht unterläßt, von dem Wocken aus Ziegenhaar fleißig denselben Faden zu spinnen, aus dem jene Decken gewoben sind.

Immer die steile Böschung des delphischen Tempelbezirks vor Augen, drängt sich mir der Gedanke auf, daß alle die einstigen Priester des Apoll sowohl als die des Dionysos, alle diese Tempel, Theater und Schatzhäuser von ehemals, alle diese zahllosen Säulen und Statuen den Ziegen und einer gewissen Ziegenhirtin gefolgt und nachgeklettert sind.

Das Hirtenleben ist in den meisten Fällen ein Leben der Einsamkeit. Es begünstigt also alle Kräfte visionärer Träumerei. Ruhe der äußeren Sinne und Müßiggang erzeugen die Welt der Einbildung, und es würde auch heut nicht schwerhalten, etwa in den Irrenhäusern der Schweiz ländliche Mädchen zu finden, die, befangen in einem religiösen Wahn, von ähnlichen Dingen überzeugt sind, von ähnlichen Dingen »mit rasendem Munde« sprechen, wie die erste Seherin, die Sibylle oder ihre Nachfolgerin zu Delphi taten. Diese hielten sich etwa für die angetraute Gattin Apolls oder für seine Schwester oder erklärten sich für Töchter von ihm.

Wir klettern die steile Straße innerhalb des Tempelbezirkes empor. Überall zwischen den Fundamenten ehemaliger Tempel, Schatzhäuser, Altäre und Statuen blüht die Kamille in großen Büscheln, ebenso wie in Eleusis und auf der Akropolis. Die Steine der alten und steilen Straße sind glatt, und mit Mühe nur dringen wir, ohne rückwärts zu gleiten, hinan.

Nicht weit von dem Felsenvorsprung, den man den Stein der Sibylle nennt, ruhe ich aus. In heiß duftenden Büscheln der Kamille, zwischen die ich mich niedergelassen habe, tönt ununterbrochen Bienengesumm. Wer möchte an dieser Stelle mit Fug behaupten wollen, daß ihm die ungeheure Vergangenheit dieser steilen Felslehne in allem Besonderen gegenwärtig sei! Der chthonische Quell, jene verwirrende Dämpfe ausströmende Felsspalte, die Koretas entdeckte, quillt, wie es heißt, nicht mehr, und schon zur Zeit des großen Periegeten hatten die Dämonen das Orakel verlassen. Werden sie jemals wiederkehren? Und wird, wie es heißt, wenn sie wiederkehren, das Orakel gleich einem lange ungenutzten Instrument göttlichen Ausdrucks aufs neue erschallen?

Die architektonischen Trümmer umher erregen mir einstweilen nur geringe Aufmerksamkeit. Die Kunst inmitten dieser gewaltigen Felsmassen hatte wohl immer, nur im Vergleich mit ihnen, Pygmäencharakter. Durchaus überragend in wilder, unbeirrbarer Majestät bleibt hier die Natur, und wenn sie auch mit Langmut oder auf Göttergebot die Siedelungen der menschlichen Ameise duldet, die sich, nicht ohne Verwegenheit, hier einnistete, so bleibt die Gewalt ihrer Ruhe, die Gewalt ihrer Sprache, die überragende Macht ihres Daseins das unter allem, hinter allem, über und in allem Gegenwärtige.

Man denkt an Apoll, man denkt an Dionysos, aber an ihre Bilder aus Stein und Erz denkt man in dieser Umgebung nicht: eher wiederum an gewisse Idole, die uralten Holzbilder, deren keines leider auf uns gekommen ist. Man sieht die Götter da und dort, leuchtend, unmaterialisch, visionär, hauptsächlich aber empfindet man sie in der Kraft ihrer Wirkungen. Hier bleiben die Götter das, was unsichtbar gegenwärtig ist: und so bevölkern sie, bevölkern unsichtbare Dämonen die Natur.

Ist wirklich der chthonische Quell versiegt? Haben die Dämonen wirklich die Orakel verlassen? Sind gar die meisten von ihnen tot, wie es heißt, daß der große Pan gestorben ist? Und ist wirklich der große Pan gestorben?

Ich glaube, daß eher jeder andere Quell des vorchristlichen Lebensalters verschüttet ist als der pythische, und glaube, daß der große Pan nicht gestorben ist: nicht aus Schwäche des Alters und ebensowenig unter den jahrtausendelangen Verfluchungen einer christlichen Klerisei. Und hier, zwischen diesen sonnebeschienenen Trümmern, ist mir das ganze totgeglaubte Mysterium, sind mir Dämonen und Götter samt dem totgesagten Pan gegenwärtig.

Noch heut sind unter den »vielen Strömen, die unsere Erde nach oben sendet«, viele, die in den Seelen der Menschen eine Verwirrung und Begeisterung hervorrufen, wie in dem Hirten Koretas jener, der in Delphi zutage trat, auch wenn wir dieser Begeisterung wenig achten und die tiefen Weihen nicht mehr allgemein machen wollen, die mit dem heiligen Rausch verbunden sind.

Dieser Parnaß und diese seine roten Schluchten sind Quellgebiet: Quellgebiet natürlicher Wasserströme und Quellgebiet jenes unversiegbaren, silbernen Stromes der Griechenseele, wie er durch die Jahrtausende fließt. Es ist ein anderer Reiz und Geist, der die Quellen, ein anderer, der den Lasten und Wimpel tragenden Strom umgibt. Seltsam, wie der Ursprung des Stromes und seine Wiege dem urewig Alten am nächsten ist: das ewig Alte der ewigen Jugend. Man kann solche Quellgebiete nicht einmal mit Fug allein griechisch nennen, denn sie sind meist, im Gegensatz zu den Strömen, die sie nähren, namenlos.

Gegenüber, jenseit des Taleinschnitts, tönen von der Felswand, dem Ruf des Hornes von Uri nicht unähnlich, gewaltige Laute eines Dudelsacks, hervorgerufen von Hirten, die unerkennbar mit ihren Ziegen in den Felsen umhersteigen. Diese gesegneten Quellgebiete waren und sind noch heute von Hirten umwohnt. Platon nennt die Seele einen Baum, dessen Wurzeln im Haupte des Menschen sind und der von dort aus mit Stamm, Ästen und Blättern sich in das Bereich des Himmels ausdehnt. Ich betrachte die Welt der Sinne als einen Teil der Seele und zugleich ihr Wurzelgebiet und verlege in das menschliche Hirn einen metaphysischen Keim, aus dem dann der Baum des Himmels mit Stamm, Ästen, Blättern, Blüten und Früchten empordringt.

Nun scheint es mir, daß die Sinne des Jägers, die Sinne des Hirten, die Sinne des Jägerhirten, sagen wir, die feinsten und edelsten Wurzeln sind und daß ein Hirten- und Jägerleben auf Berghöhen der reichste Boden für solche Wurzeln und also die beste Ernährung für den metaphysischen Keim im Menschen ist.

 

Zwischen den Trümmern des steilen Tempelbezirks von Delphi umherzusteigen erfordert einige Mühe und Anstrengung. Am höchsten von allen Baulichkeiten lag wohl das Stadion; ein wenig tiefer, doch mit seinen obersten Sitzen an die unzugängliche Felswand stoßend, ist das Theater dem Felsgrunde abgetrotzt.

Der Eindruck der natürlichen Szenerie, die es umgibt, ist drohend und großartig. Ich empfinde eine Art beengender Bangigkeit in dieser übergewaltigen Nähe der Natur, dieser geharnischten, roten Felsbastionen, die den furchtbarsten Ernst blutiger Schauspiele von den Menschen zu fordern scheinen.

In das Innere dieser Felsmassen scheint übrigens ein dämonisches Leben hineingebannt. Sie wiederholen, in die tiefe Stille über den rötlichen Sitzreihen, die Stimmen unsichtbarer Kinder weit unten im Tal, sie lassen gespenstige Herdenglocken, wie in einem hallenden Saale, durch sich hin läuten und geben die klangvolle Stimme des fernen Hirten aus der Nähe und geläutert zurück. Aus ihrem Innern dringt Hundegebell, und ein fernes und schwaches Dröhnen, aus dem Tale von Krisa her, erregt in ihnen einen klangvoll breiten, feierlich musikalischen Widerhall.

Das ununterbrochene, mitten im heißen Lichte des Mittags gleichsam nächtliche Rauschen der kastalischen Wasser dringt aus der Schlucht der Phaidriaden herauf.

Die Götter waren grausame Zuschauer. Unter den Schauspielen, die man zu ihrer Ehre darstellte – man spielte für Götter und vor Göttern, und die griechischen Zuschauer auf den Sitzreihen trieben, mit schaudernder Seele gegenwärtig, Gottesdienst! –, unter den Schauspielen, sage ich, waren die, die von Blute trieften, den Göttern vor allen anderen heilig und angenehm. Wenn zu Beginn der großen Opferhandlung, die das Schauspiel der Griechen ist, das schwarze Blut des Bocks in die Opfergefäße schoß, so wurde dadurch das spätere höhere, wenn auch nur scheinbare Menschenopfer nur vorbereitet: das Menschenopfer, das die blutige Wurzel der Tragödie ist.

Blutdunst stieg von der Bühne, von der Orchestra in den brausenden Krater der schaudernden Menge und über sie in die olympischen Reihen blutlüsterner Götterschemen hinauf.

Anders als im Theater von Athen, tiefer und grausamer und mit größerer Macht, offenbart sich hier, in der felsichten Pytho, unter der Glut des Tagesgestirns, das Tragische, und zwar als die schaudernde Anerkennung unabirrbarer Blutbeschlüsse der Schicksalsmächte: keine wahre Tragödie ohne den Mord, der zugleich wieder jene Schuld des Lebens ist, ohne die sich das Leben nicht fortsetzt, ja, der zugleich immer Schuld und Sühne ist.

Gleich einem zweiten Koretas brechen mir überall in dem großen parnassischen Seelengebiet – und so auch in der Tiefe des roten Steinkraters, darin ich mich eben befinde – neue chthonische Quellen auf. Es sind jene Urbrunnen, deren Zuflüsse unerschöpflich sind und die noch heute die Seelen der Menschen mit Leben speisen: derjenige aber unter ihnen, der dem inneren Auge der Seele und gleicherweise dem leiblichen Auge vor allen anderen sichtbar und mystisch ist, bleibt immer der springende Brunnen des Bluts.

Ich fühle sehr wohl, welche Gefahren auf den Pilger in solchen parnassischen Brunnengebieten lauern, und vergesse nicht, daß die Dünste aller chthonischen Quellen von einem furchtbaren Wahnsinn schwanger sind. Oft treten sie über dünnen Schichten mürben Grundes ans Tageslicht, unter denen glühende Abgründe lauern. Der Tanz der Musen auf den parnassischen Gipfeln geschah, da sie Göttinnen waren, mit leichten, die Erde nicht belastenden Füßen: das ihnen Verbürgte nimmt uns die Schwere des Körpers, die Schwere des Menschenschicksals nicht.

Auch aus der Tiefe des Blutbrunnens unter mir stieg dumpfer, betäubender Wahnsinn auf. Indem man die grausame Forderung des sonst wohltätigen Gottes im Bocksopfer sinnbildlich darstellte und im darauffolgenden, höheren Sinnbild gotterfüllter dramatischer Kunst, gaben die Felsen den furchtbaren Schrei des Menschenopfers unter der Hand des Rächers, den dumpfen Fall der rächenden Axt, die Chorklänge der Angst, der Drohung, der schrecklichen Bangigkeit, der wilden Verzweiflung und des jubelnden Bluttriumphes zurück.

Es kann nicht geleugnet werden, Tragödie heißt: Feindschaft, Verfolgung, Haß und Liebe als Lebenswut! Tragödie heißt: Angst, Not, Gefahr, Pein, Qual, Marter, heißt Tücke, Verbrechen, Niedertracht, heißt Mord, Blutgier, Blutschande, Schlächterei – wobei die Blutschande nur gewaltsam in das Bereich des Grausens gesteigert ist. Eine wahre Tragödie sehen hieß, beinahe zu Stein erstarrt, das Angesicht der Medusa erblicken, es hieß, das Entsetzen vorwegnehmen, wie es das Leben heimlich immer, selbst für den Günstling des Glücks, in Bereitschaft hat. Der Schrecken herrschte in diesem offenen Theaterraum, und wenn ich bedenke, wie Musik das Wesen einfacher Worte, irgendeines Liedes, erregend erschließt, so fühle ich bei dem Gedanken an die begleitenden Tänze und Klänge der Chöre zu dieser Mordhandlung eisige Schauder im Gebein, Ich stelle mir vor, daß aus dem vieltausendköpfigen Griechengewimmel dieses Halbtrichters zuweilen ein einziger, furchtbarer Hilfeschrei der Furcht, der Angst, des Entsetzens gräßlich betäubend zum Himmel der Götter aufsteigen mußte, damit der grausamste Druck, die grausamste Spannung sich nicht in unrettbaren Wahnsinn überschlug.

 

Man muß es sich eingestehen: das ganze Bereich eines Tempelbezirks, und so auch diese delphische Böschung, ist blutgetränkt. An vielen Altären vollzog sich vor dem versammelten Volk die heilige Schlächterei. Die Priester waren vollkommene Schlächter, und das Röcheln sterbender Opfertiere war ihnen die gewöhnlichste und ganz vertraute Musik. Die Jammertöne der Schlachtopfer machten die Luft erzittern und weckten das Echo zwischen den Tempeln und um die Statuen her: sie drangen bis ins Innere der Schatzhäuser und in die Gespräche der Philosophen hinein.

Der Qualm der Altäre, auf denen die Ziege, das Schaf mit der Wolle verbrannt wurde, wirbelte quellend an den roten Felsen hinauf, und ich stelle mir vor, daß dieser Qualm, sich zerteilend, das Tal überdeckte und so die Sonne verfinsterte. Der Opferpriester, mit Blut besudelt, der einem Kyklopen gleich das geschlachtete Tier zerstückte und ihm das Herz aus dem Leibe riß, war dem Volk ein gewöhnlicher Anblick. Er umgoß den ganzen Altar mit Blut. Diese ganze Schlachthausromantik in solchen heiligen Bezirken ist schrecklich und widerlich, und doch ist es immer vor allem der süßliche Dampf des Bluts, der die Fliegen, die Götter des Himmels, die Menge der Menschen, ja sogar die Schatten des Hades anzieht.

In alledem verrät sich mir wiederum der Hirtenursprung der Götter, ihrer Priester und ihres Gottesdienstes; denn das Blutmysterium mußte sich dem Jägerhirten zuerst aufschließen und dem Hirten mehr als dem Jäger in ihm, wenn er, friedlich, friedlich von ihm gehütete, zahme Tiere abschlachtete, zuerst das Grausen und hernach den festlichen Schmaus genoß.

 

Wir sind den steilen Abhang des delphischen Tempelbezirks bis an den obersten Rand emporgeklommen. Ich bin erstaunt, hier, wo aus dem scheinbar Unzugänglichen die rote unzugängliche Felswand sich erhebt, auf eine schöne, eingeschlossene Fläche zu stoßen, hier oben, gleichsam in der Gegend der Adlernester, zwischen Felsenklippen, auf ein Stadion.

Es ist still. Es ist vollkommen still und einsam hier. Das schöne Oblong der Rennbahn, eingeschlossen von den roten Steinen der Sitzreihen, ist mit zarten Gräsern bedeckt. Inmitten dieser verlassenen Wiese hat sich eine Regenlache gebildet, darin man die roten Umfassungsmauern des Felsendomes mit vielen gelben Blumenbüscheln widergespiegelt sieht.

Ist nicht das Stadion dann am schönsten, wenn der Lärm der Ringer und Renner, wenn die Menge der Zuschauer es verlassen hat? Ich glaube, daß der göttliche Priester Apolls, Plutarch, oft, wie ich jetzt, im leeren Stadion der einzige Zuschauer war und den Gesichten und Stimmen der Stille lauschte.

Es sind Gesichte von Jugend und Glanz, Gesichte der Kraft, Kühnheit und Ehrbegier, es sind Stimmen gottbegeisterter Sänger, die unter sich wetteifernd den Sieger oder den Gott preisen. Es ist der herrlichste Teil der griechischen Phantasmagorie, die hier für den nicht erloschen ist, der gekommen ist, Gesichte zu sehen und Stimmen zu hören.

Die schrecklichen Dünste des Blutbrunnens drangen nicht bis in dieses Bereich, ebensowenig das Todesröcheln der Menschen- und Tieropfer. Hier herrschte das Lachen, hier herrschte die freie, von Erdenschwere befreite, kraftvolle Heiterkeit.

Nur im Stadion, und ganz besonders in dem zu Delphi, das über allen Tempeln und allen Altären des Götterbezirks erhaben ist, atmet man jene leichte, reine und himmlische Luft, die unseren Heroen die Brust mit Begeisterung füllte. Der Schrei und Ruf, der von hier aus über die Welt erscholl, war weder der Ruf des Hirten, der seine Herde lockt, noch war es der wilde Jagdruf des Jägers: es war weder ein Racheschrei noch ein Todesschrei, sondern es war der wild glückselige Schrei und Begeisterungsruf des Lebens.

Mit diesem göttlichen Siegesruf der lebendigen Menschenbrust begrüßte der Grieche den Griechen über die Fjorde und Fjelle seines herrlichen Berglands hinweg, dieses Jauchzen erscholl von Spielplatz zu Spielplatz: von Delphi hinüber nach Korinth, von Korinth nach Argos, von Argos bis Sparta, von Sparta hinüber nach Olympia, von dort gen Athen und umgekehrt.

Ich glaube, nur vom Stadion aus erschließt sich die Griechenseele in alledem, was ihr edelster Ruhm und Reichtum ist; von hier aus gesehen, entwickelt sie ihre reinsten Tugenden. Was wäre die Welt des Griechen ohne friedlichen Wettkampf und Stadion? Was ohne olympischen Ölzweig oder Siegerbinde? Ebendas gleiche erdgebundene Chaos brütender, ringender und quellender Mächte, wie es auch andere Völker darstellen.

Es wird mir nicht leicht, diesen schwebenden und versteckten Spielplatz zwischen parnassischen Klippen zu verlassen, der so wundervoll einsam und wie für Meditationen geschaffen ist. Hier findet sich der sinnende Geist gleichsam in einen nährenden Glanz versenkt, und der Reichtum dessen, was in ihn strömt, kann in seiner Überfülle kaum bewahrt und behalten sein.

Man müßte vom Spiel reden. Man müßte das eigene Denken der Kinder- und Jünglingsjahre heraufrufen und jener Wegeswendung sich erinnern, wo man in eine mißmutige und freudlose Welt einzubiegen gezwungen war, die das Spiel, die höchste Gabe der Götter, verpönt. Man könnte hervorheben, daß bei uns mehr Kinder gemordet werden, als jemals in irgendeinem Bethlehem von irgendeinem Herodes gemordet worden sind: denn man läßt nie das Kind bei uns groß werden, man tötet das Kind im Kinde schon, geschweige, daß man es im Jüngling und Manne leben ließe.

Nackt wurde der Sieger, der Athlet oder Läufer dargestellt, und ehe Praxiteles, ehe Skopas seine Statuen bildete, entstanden ihre Urbilder hier im Stadion. Hier ist für die Schönheit und den Adel der griechischen Seele, für Schönheit und Adel des Körpers der Muttergrund. Hier wurde das schon Geschaffene umgeschaffen, das Umgeschaffene zum ewigen Beispiel und auch als Ansporn für höhere Artung in Erz oder Marmor dargestellt. Hier hatte die Bildung ihre Bildstätte, wenn anders Bildung das Werk eines Bildners ist.

Wer je sein Ohr an die Wände jener Werkstatt gelegt hat, deren Meister den Namen Goethe trug, der wird erkennen, daß nicht nur Wagner, der Famulus, den Menschen mit Göttersinn und Menschenhand zu bilden und hervorzurufen versuchte: alles Sinnen, Grübeln, Wirken, Dichten und Trachten des Meisters war ebendemselben Endzweck rastlos untertan. Und wer nicht in jedweder Bildung seines Geistes und seiner Hände das glühende Ringen nach Inkarnation des neuen und höheren Menschen spürt, der hat den Magier nicht verstanden.

Es ist bekannt, wie gewissen griechischen Weisen, und so dem Lykurg, Bildung ein Bilden im lebendigen Fleische, nicht animalisch unbewußt, sondern bewußt »mit Göttersinn und Menschenhand« bedeutete. Was wäre ein Arzt, der seine Kranken bekleidet sieht, und was ein Erzieher, dem jener Leib samt dem Geiste, dem er höhere Bildung zu geben beabsichtigt, nicht nackt vor der Seele stünde? Aus dem Grunde der Stadien sproßten, nackt, die athletischen Stämme einer göttlichen Saat des Geistes hervor. Und hier, auf dem Boden des delphischen Stadions, gebrauche ich nun zum ersten Male in diesen Aufzeichnungen das Wort Kultur: nämlich als eine fleischliche Bildung zu kraftvoll gefestigter, heiterer, heldenhaft freier Menschlichkeit.

 

Zwei Vögel, unsern Zeisigen ähnlich, stürzen sich plötzlich aus irgendeinem Schlupfloch der Felsen quirlend herab und löschen den Durst aus dem Spiegel der Lache vor mir im Stadion. Ihr piepsendes Spiel weckt Widerhall, und das winzige Leben, der sorglose, dünne Lärm der kleinen Geschöpfe, die niemand stört, offenbaren erst gleichsam das Schicksal dieser Stätte in seiner ganzen Verwunschenheit.

Während ich auf die grüne Erde hinstarre und der Füße jener zahllosen Läufer und Kämpfer gedenke, aller jener göttergleichen, jugendlich kraftvoll schönen Hellenen, die sie erdröhnen machten, vernehme ich wiederum aus den Felsen den gewaltigen Widerhall von Geräuschen, die mir verborgen sind. Aus irgendeinem Grunde erhebe ich mich, rufe laut und erhalte ein sechsfaches mächtiges Echo: sechsfach schallt der Name des delphischen Gottes, des Pythonbesiegers, aus dem Innern der Berge zurück.

Ich bin allein. Die dämonische Antwort der alten parnassischen Wände hat bewirkt, daß mich die Kraft der Vergangenheit mit ihren triumphierenden Gegenwartsschauern durchdringt und erfaßt und daß ich etwas wie ein Bad von Glanz und Feuer empfinde. Beinahe zitternd horche ich in die neu hereingesunkene, fast noch tiefere Stille hier oben hinein.

Der Morgen ist frisch. Wir schrieben den ersten Mai ins Fremdenbuch. Vor der Türe des Gasthauses warten schäbige Esel und Maultiere, die uns nach Hosios Lukas bringen sollen. Ins Freie tretend, beginne ich mit letzten Blicken Abschied zu nehmen. Ich begrüße die Kiona, den weißen Gipfel des Koraxgebirges, dort, wo die Dorfstraße, wie es scheint, in den Luftraum verläuft. Ich begrüße drei kleine Mädchen, die, trödelnd, ebenso viele Schäfchen vor sich hertreiben, begrüße sie mit einer ihnen unverständlichen Herzlichkeit. Eines der hübschen Kinder küßt mir zum Dank für ein kleines, unerbetenes Geschenk die Hand.

Wir lassen die Mäuler voranklingeln. Wieder schreiten wir an den Felsen vorüber, mit den Höhlungen leerer Gräber darin, und wieder erschließt sich dem Auge die steinichte Böschung des delphischen Tempelbezirks. Wer alles dieses tiefer begreifen wollte, müßte mehr als ein flüchtiger Wanderer sein. Immerhin sind mir auch hier die Steine nicht stumm gewesen.

Wir haben den Grund von Delphi, der Stadt, die unterhalb unseres Weges lag, über allerlei Mauern und Treppchen kletternd, durchstreift, und während wir jetzt unsere Reise fortsetzen, zieht uns das Leuchten der Tempeltrümmer zwischen tausendjährigen Ölbäumen, zieht uns der weiße Marmor umgestürzter Säulen an. An den kastalischen Wassern nehmen wir wiederum einen kleinen Aufenthalt. Ich habe mich auf einen großen Felsblock niedergelassen, in der wundervoll hallenden und rauschenden Kluft, den Felsenbassins jenes alten Brunnen- und Baderaums gegenüber, wo die delphischen Pilger von einst sich reinigten.

Ein Tempelchen, mit Nischen der Nymphen, war grottenartig in die Felswand gestellt.

Heut sind die Bachläufe arg verunreinigt, die Wasserbecken mit Schlamm gefüllt. Oben durch die feuchte und kalte Klamm fliegen lange Turmschwalben und jagen einander mit raubvogelartigem, zwitscherndem Pfiff.

 

Wir wiegen uns nun bereits eine gute Weile auf unseren Maultieren. Der Weinstock, das Gewächs des Dionysos, begleitet uns in wohlgepflegten, wohlgeordneten Feldern die parnassischen Höhen hinan. Immer wieder begegnen uns wollige Herden mit ihren Hirten. Ich bemerke plötzlich den mir von gestern bekannten stattlichen Weißbart auf dem Bauche im Grase liegend am Straßenrand und empfinde mit ihm, was sein leise ironisches, überlegen lachendes Antlitz zum Ausdruck bringt. Hinter dem Patriarchen steigen seine Herden zwischen Rainen, Steinen und saftigen Gräsern umher und füllen die Luft mit der Glockenmusik seines reichen Besitzes. Die Sonne strahlt, der Tag wird heiß.

Schon im Altertum wurden solche Wege wie diese auf Mäulern zurückgelegt. So wird auch das Um und An einer Bergreise, an Rufen, Geräuschen und Empfindungen, nicht anders gewesen sein, als es heute ist. Maultiere haben die Eigentümlichkeit, am liebsten nicht in der Mitte des Weges, sondern immer womöglich an steilen Rändern zu schreiten: was dem ungewohnten Reiter zuweilen natürlich Schwindel erregt. Allmählich gewinne ich im Vertrauen auf das sich mehr und mehr entfaltende Klettertalent meines Reittieres eine gewisse schwindelfreie Sorglosigkeit. Immer wilder und einsamer wird die Berggegend, bis hinter Arachowa die Einöde, das heißt die parnassische Höhenzone beginnt. Von der gesamten südlichen Flora ist nichts übriggeblieben. Der letzte Weinstock, der letzte Feigenbaum, die letzte Olive liegen hinter uns. Nun aber tut sich ein weiter und grüner Gebirgssattel vor uns auf, von jener gesunden alpinen Schönheit, die ebenso heimatlich wie über alles erquickend ist.

Der weite Paß, mit flach geschweifter, beinahe ebener Grundfläche, ist Weideland: das heißt, ein saftiger Wiesenplan, auf dem der Huf des schreitenden Maultiers lautlos wird und der Pfad sich verliert. Das helle, ruhige Grün dieser schönen Alm ist eine tiefe Wohltat für Auge und Herz, und der starke, düster-trotzige Föhrenstand, der die steile Flanke einer nahen Bergwand hinaufklettert, fordert heraus, ihm nachzutun. Ich weiß nicht, was in dieser Landschaft so fremdartig sein sollte, daß man es nicht in den deutschen Alpengebirgen, um diese oder jene Sennhütte her, ebenso antreffen könnte, und doch würde der gesunde Jodler des einsamen Sennen hier einen Zauber vernichten, der unaussprechlich ist.

Das hurtige Glöckchen des Maultieres klingelt am Rand einer teichartig weit verbreiteten Wasserlache dahin, die, in den hellen Smaragd der Bergwiese eingefügt, den blauen Abgrund des griechischen Himmels, die ernste Wand der wetterharten Apolloföhren und das hastende, kleine Vögelchen in einem ruhigen Spiegel wiedergibt.

 

Über die Art, wie für den, der sich einmal in das Innere des Mythos hineinbegeben hat, jeder neue sinnliche Eindruck wiederum ganz unlöslich mit diesem Mythos verbunden wird und ihn zu einer fast überzeugenden Wahrheit und Gegenwart steigert, möchte manches zu sagen sein. Es beträfe nicht nur den Prozeß eines gläubigen Wiedererweckerns, sondern jenen, durch den die menschliche Schöpfung der Welt überhaupt entstanden ist, es beträfe das Wesen jener zeugenden Kraft, die im dichtenden Genius eines Volkes lebendig ist und darin sich die Seele des Volkes verklärt.

Plötzlich taucht in der panisch beinahe beängstigenden, nordischen Vision von Bergeinsamkeit die wilde Gestalt eines bärtigen Hirten auf, der uns in schneller Gangart, fünf schwarze Böcke vor sich hertreibend, von jenseit, über die grüne Matte entgegenkommt. Die schönen Tiere, die von gleicher Größe und, wie gesagt, schwarz wie Teufel sind, machen den überraschendsten Eindruck. Noch niemals sah ich ein so unwahrscheinliches Fünfgespann. Wer wollte da, wenn eine auserlesene Koppel solcher Böcke, wie zum Opfer geführt, ihm entgegenkommt, und zwar über einen parnassischen Weidegrund, die Nähe des Gottes ableugnen, der einst durch Zeus in die Gestalt eines Bockes verwandelt ward, um ihn vor Heres Rache zu schützen, und dem diese Höhen geheiligt sind.

Wie diese Tiere einhertrotten, unwillig, durch den rauhen Treiber mehr gestört als in Angst versetzt, mit dem böse funkelnden Blick beobachtend, jeder mit seinem zottligen Bart, jeder unter der Last und gewundenen Krönung eines gewaltigen Hörnerpaares, scheinen sie selber inkarnierte Dämonen zu sein, und in wessen Seele nur etwas von dem alten Urväter-Hirten-Drama noch rumort, der fühlt in diesem klassischen Tier einen wahrhaft dämonischen Ausdruck zeugender Kräfte, dem es leider auch seinen Blocksbergverruf in der verderbten Weltanschauung der christlichen Zeit zu verdanken hat.

 

Wir besteigen nach kurzer Rast unsere Maultiere, die wiederum mager, schäbig und scheinbar kraftlos wie zu Anfang der Reise dastehen. Das unscheinbare Äußere dieser Tiere täuscht uns nicht mehr über den Grad ihrer Zähigkeit.

Zur Linken haben wir nun eine rötlich-graue, senkrechte Wand parnassischer Felsmassen, deren Rand einen Gießbach aus großer Höhe herabschüttet. Es ist ein lautloser Wasserfall, der, ehe er noch den Talgrund erreicht, in Schleiern verweht.

Die Maultiere müssen neben dem Lauf eines ausgetrockneten Felsenflußbettes abwärts klettern und erweisen, mehr und mehr erstaunlich für uns, ihre wundervolle Geschicklichkeit. Man würde vielleicht von diesen Felstälern sagen können, daß sie Einöden sind, wenn ihre zitternde, leuchtende und balsamische Luft nicht überall von den wasserartig glucksenden Lauten zahlloser Herdengeläute erfüllt wäre.

Der parisartige Knabe, der vorhin, während wir Rast hielten, mit zwitschernden Lauten unsere Aufmerksamkeit beanspruchte, war ein Hirt. Hoch auf der Spitze eines vereinzelten Felskegels, der an der Kreuzungsstelle einiger Hochtäler sich erhebt, steht, gegen den Himmel scharf abgegrenzt, wiederum ein romantisch drapierter Ziegenhirt mit dem landesüblichen Hirtenstabe. Sofern uns ein Mensch begegnet, ist es ein Hirt; sofern unser Auge in der felsichten Wildnis Menschengestalt zu unterscheiden vermag, unterscheidet es auch ringsum sogleich ein Gewimmel von Schafen oder Thymian rupfenden Ziegen.

In einem Engpaß, durch den wir müssen, hat sich ein Strom von dicker, wandelnder Wolle gestaut, der sich, wohl oder übel, vor den Hufen des langsam schreitenden Maultiers teilen muß. Der Reiter streift mit den Sohlen über die braunen Vliese hin, nachdem die Leitböcke ihre gewaltigen, tiefgetönten Glocken antiker Form, feurig glotzend, ungnädig prustend, vorübergetragen haben.

Diese steinichten Hochtäler, zwischen Parnaß und Helikon, erklingen – nicht von Kirchengeläut! Aber sie sind beständig und überall durchzittert vom Klange der Herdenglocken. Sie sind von einer Musik erfüllt, die das überall glucksende, rinnende, plätschernde Element einer echten parnassischen Quelle ist. Ob nicht vielleicht die Glocke unter dem Halse des weidenden Tieres die Mutter der Glocke im Turme der Kirche ist, die ja, ins Geistige übertragen, den Parallelismus zum Hirtenleben nirgend verleugnen will? Dann wäre es von besonderem Reiz, den apollinischen Klang zu empfinden, den alten parnassischen Weideklang, der in dem Gedröhne städtischer Sonntagsglocken enthalten sein müßte.

Im Klangelement dieser parnassischen Quelle, dieses Jungbrunnens, bade ich. Es beschleicht mich eine Bezauberung. Ich fühle Apollon unter den Hirten, und zwar in schlichter Menschengestalt, als Schäferknecht, wie wir sagen würden, so, wie er die Herden des Laomedon und Admetos hütete. Ich sehe ihn, wie er in dieser Gestalt jede gewöhnliche Arbeit des Hirten verrichten muß, dabei gelegentlich Mäuse vertilgt und den Eidechsen nachstellt. Ich sehe ihn weiter, wie er, ähnlich mir, in der lieblich monotonen Musik dieser Täler gleichsam aufgelöst und versunken ist und wie es ihm endlich, besser als mir, gelingt, die Chariten auf seine Hand zu nehmen. Chariten, musische Instrumente tragend, auf der Hand, war er zu Delphi dargestellt.

Vorsichtig schreitet mein Reittier über eine große Schildkröte, die von den Treibern nicht beachtet wird; ich lasse sie aufheben, und die lachenden Agogiaten reichen mir das zwischen gewaltigen Schildpattschalen lebhaft protestierende Tier. Ich sehe an den Mienen der Leute, daß die Schildkröte unter ihnen sich der Popularität eines allbeliebten Komikers zu erfreuen hat, eines lustigen Rats, über den man lacht, sobald er erscheint und bevor er den Mund öffnet. In das Vergnügen der Leute mischt sich dabei eine leise Verlegenheit, wie sie den ernsten Landmann unverkennbar überschleicht, der auf den Holzbänken einer Jahrmarktsbude sein Entzücken über die albernen Spaße des Hanswurst nicht zu verbergen vermag. Auch fühlt man heraus, wie das schöne Tier nicht minder geringgeschätzt, ja verachtet ist als beliebt: eine Verachtung, eine Geringschätzung, die in seinem friedlichen Wesen und seiner Hilflosigkeit gegenüber den Menschen, trotz seines doppelten Panzers, ihren Ursprung hat.

Als er sie sah, da lacht' er alsbald und sagte die Worte:
Du glückbringendes Zeichen, ich schmähe dich nicht, sei willkommen.
Freudegeberin heil! Gesellin des Tanzes und Schmauses.

»Als er sie sah, da lacht' er alsbald!«, nämlich Hermes, der Gott, vor Zeiten. Ganz so ergreift unsere kleine Reisegesellschaft beim Anblick des klassischen Tieres unwiderstehliche Heiterkeit.

 

Wir ziehen weiter, nachdem wir das alte homerische Lachen, das Lachen des Gottes, zu Ende gelacht haben. Aber wir töten nicht, wie Hermes, das Tier, sondern nehmen es lebend unter unseren Gepäckstücken mit. Ich denke darüber nach, wie wohl die Leier ausgesehen und wie wohl geklungen hat, die Hermes aus dem Panzer der Schildkröte und aus Schafsdärmen bildete und die in den Händen Apolls ihren Himmel und Erde durchhallenden Ruhm gewann.

Aber wir sind nun in sengenden Gluten des Mittagslichts zu einem wirklichen, reichlich Wasser spendenden parnassischen Brunnen gelangt, aus dem die Tiere und Treiber gierig trinken. Dicke Strahlen köstlichen Wassers stürzen aus ihrer gemauerten Fassung hervor und rauschend und brausend in das steinerne Becken hinein. Es ist wie ein Reichtum, der sich hier ausschüttet, der nirgends so wie in einem heißen und wasserarmen Lande empfunden wird.

Wir ruhen aus in dem wohligen Lärm und dem kühlen Gestäube des lebenspendenden Elementes.

 

Das Kloster Hosios Lukas bietet uns Quartier für die Nacht. Vom behäbigen Prior empfangen, geleitet von dienstfertigen Mönchen, treten wir, durch ein kleines Vorgärtchen, ohne Treppen zu steigen, ins Haus. Gleich linker Hand ist ein Zimmer, das uns überwiesen wird. Auf den gebrechlichen Holzaltan des Zimmerchens tretend, blicken wir in den tiefen Klosterhof und zugleich über die Dächer der Mönchskasernen in das völlig einsame, wilde Hochtal hinaus.

Eng und nur wenig Hofraum lassend, sind die Klostergebäude in, wie es scheint, geschlossenem Kreis um eine alte byzantinische Kirche gestellt, die sie zugleich beschützen und liebevoll einschließen. Das Hauptportal der Kirche liegt schräg in der Tiefe unter uns. Wir können mit den nahen Wipfeln alter Zypressen Zwiesprache halten, die seit Jahrhunderten Wächter vor diesem Eingang sind.

Der Prior wünscht uns die Kirche zu zeigen, die innen ein trauriges Bild der Verarmung ist. Reste von Mosaiken machen wenig Eindruck auf mich, desto mehr ein Geldschrank, der, an sich befremdlich in diesem geweihten Raum, zugleich ein wunderlicher Kontrast zu seinem kahlen, ausgepowerten Zustand ist.

Dem Prior geht ein jugendlich schöner Mönch mit weiblicher Haartracht an die Hand. Er öffnet Truhen und Krypten mit rostigen Schlüsseln. Das Auge des jungen Mönches verfolgt uns unablässig mit bohrendem Blick. Als wir jetzt wiederum auf dem Balkon unseres Zimmers sind, taucht er auf einem nahen Altane neugierig auf.

Während über den Dächern und in der Wildnis draußen noch Helle des sinkenden Tages verbreitet ist, liegt der Hof unter uns bereits in nächtlicher Dämmerung. Ich horche minutenlang in die wundervolle Stille hinunter, die durch das Geplätscher eines lebendigen Brunnens nur noch tiefer und friedlicher wird. Mit einem Male ist es, als sei die Seele dieser alten winkligen Gottesburg aus tausendjährigem Schlummer erwacht. Arme werden hereingelassen, und es wird von den Brüdern unterm Klosterportale ziemlich geräuschvoll Brot verteilt.

Nach einigem Rufen, Treppengehen und Türenschließen tritt wieder die alte verwunschene Stille ein, mit den einsamen Lauten des Röhrenbrunnens. Dann klappert die dicke Bernsteinkette des freundlichen Priors unten im Hof. Man hört genau, wie er sein Spielwerk gewohnheitsmäßig bearbeitet, das heißt die Bernsteinkugeln ununterbrochen durch die Finger gleiten läßt und gegeneinander schiebt.

Ich gehe zur Ruhe, im Ohre feierlich summenden Meßgesang, der schwach aus dem Innern der Kirche dringt.

 

Der Aufbruch von Hosios Lukas geschieht unter vielen freundlichen Worten und Blicken der Mönche, die um uns versammelt sind. Ich komme eben von einer schönen Terrasse des Klosters zurück, die, inmitten der steinichten Ödenei, von alten, vollbelaubten Platanen beschattet ist. Terrassen für den Gemüsebau setzen sich in die Tiefe fort, und hie und da sind dem Felsenschutt des verlassenen Tales Wiesen und Ackerstreifen abgerungen. Ich sah die kleinen »Mädchen für alles« der älteren Brüder und Patres mit Besen und Wassereimern in lebhafter Tätigkeit, die Patres selber, wie sie rotkarierte Betten auf ihren morschen Balkonen ausbreiteten. Die kleinen »Mädchen für alles« sind junge Lehrlinge, deren schönes, langes Haar, wie das von Mädchen, im Nacken zu einem Knoten aufgenommen ist. Es ist ein wolkenlos heiterer Morgen mit einer frühlingshaften Wonne der Luft, die göttlich ist und die in jedem Auge widerleuchtet. Noch klingt mir der Gruß des Bruders Küper, sein frisches καλὴἡμέρα im Ohr, womit er mich grüßte, als ich unten am Brunnen vorüberging, wo er trällernd ein Weinfaß reinigte. Es war ein Gruß, der ebenfalls von dem frischen Glück dieses Morgens widerklang.

 

Kaum hat unsere kleinere Karawane sich nur ein wenig, zwischen Gebüschen von Steineichen hintrottend, aus dem Bereich des Klosteridylls entfernt, und schon umgibt uns wieder das alte ewige Hirtenidyll. Ich unterscheide mit einem Blick vier einzelne Schafherden, deren Geläute herüberdringt, und plötzlich erscheinen, Wölfen gleich, gewaltige Schäferhunde über uns an der Wegböschung. Man scheucht sie mit großen Steinen zurück.

Wir biegen nach einem längeren Ritt in ein abwärtsführendes, enges Tal, das, wie es scheint, recht eigentlich das dionysische ist. Wir müssen zunächst durch eine gedrängte Herde schwarzer Ziegen förmlich hindurchschwimmen, unter denen sich prächtige Böcke auszeichnen, jenen ähnlich, die ich auf der Höhe des Passes sah. Und wie ich die Blicke über die steinichten Talwände forschend ausschicke, sehe ich sie mit schwarzen Ziegen wie mit überall hängenden, kletternden, kleinen schwarzen Dämonen bedeckt.

Der Eingang des schwärzlich wimmelnden Tales wird von dem vollen Glanz des Parnasses beherrscht, der aber endlich dem Auge entschwindet, je weiter wir in das Tal hinabdringen: das Tal der Dämonen, das Tal des Dionysos und des Pan, das immer mehr und mehr von gleichmäßig schwarzen Ziegen wimmelt. Wohl eine Viertelstunde lang und länger ziehen wir mitten durch die Herden dahin, die zu beiden Seiten unseres gestrüppreichen Pfades schnauben, Steineichenblätter abrupfen und hie und da leise meckern dazu. Überall raschelt, reißt, stampft und prustet es zwischen den Felsen, in den Gebüschen: da und dort wird ein Glöckchen geschlenkert. Mitunter kommen wir in ein ganzes Glockenkonzert hinein, dessen Lärm das gesprochene Wort verschlingt.

Ich habe, auf meinem Maultier hängend, Augenblicke, wo mir dies alles nicht mehr wirklich ist. Ein alter Knecht und Geschichtenerzähler fällt mir ein, der mir an ländlichen Winterabenden ähnliche Bilder als Visionen geschildert hat. Er war ein Trinker und als solcher ja auch verknüpft mit Dionysos. In seinen Delirien sah er die Welt, je nachdem, von schwarzen Ziegen oder Katzen erfüllt, wobei er von alpdruckartiger Angst gepeinigt wurde.

Der Schritt des Maultiers, die Glocke des Maultiers, allüberall das Eindringen dieser fremden Welt, dazu die ungewöhnliche Lichtfülle, die Existenz in freier Luft, Ermüdung des Körpers durch ungewöhnliche Reisestrapazen jagen auch mir einen Anflug von Angst ins Blut. Ich habe vielleicht eine Vision, und es ist mir manchmal, als müsse ich diese zahllosen schwarzen Ziegen vor meinen Augen wegwischen, denen mein Blick nicht entgehen kann.

Ein weites Quertal nimmt uns auf, und wie ein Spuk liegt nun die Vision der schwarzglänzenden Ziegen hinter mir. Wir überholen einen reisenden Kaufmann, dessen Maultier von einem kleinen Jungen getrieben wird. So schön und vollständig wie nie zuvor steht der Parnaß, von dem wir bereits Abschied genommen hatten, vor uns aufgerichtet: ein breiter silberner Wall mit weißen Gipfeln. Ich gewinne den Eindruck, der apollinisch strahlende Glanz ströme in das Tal, das der Berg beherrscht.

 

Wir reisen nun schon seit einiger Zeit durch die Ebene hin. Neben flacheren Felsgebieten und einem verzweigten Flußbett, das mit Gebüschen bewachsen ist, breiten sich Flächen grüner Saat, über denen klangreich die Lerche zittert.

Es ist faszinierend, zu sehen, wie der Parnaß nun wiederum diese Ebene überragt. Auf breitester Basis ruhend, baut sich der göttliche Berg aus eitel Glanz in majestätischer Schönheit auf. Hier wird es deutlich, wie die bezwingende Gegenwart solcher Höhen göttlichen Ruhm vor den Menschen, die sie umwohnen, durchsetzen und behaupten muß. Ich empfinde nicht anders, als stammte der trillernde Rausch des Lerchengeschmetters, das leuchtende Grün der Saaten, der zitternde Glanz der Luft von diesem geheiligten Berge ab und nähre sich nur von seinem Glanze.

Oftmals wende ich mich auf meinem Maultier nach der verlassenen Felsenwelt der Hirten und Herden zurück, während sich über mir Parnaß und Helikon mit dem Glanz ihrer silbernen Helme über die weite Ebene grüßen. Flössen doch alle Quellen dieser heiligsten Berge wieder reichlich voll und frisch in die abgestorbenen Gebiete der europäischen Seele hinein! Möchte das starre Leuchten dieser olympischen Vision wiederum in sie hineinwachsen und den übelriechenden Dunst verzehren, mit dem sie, wie ein schlecht gelüftetes Zimmer, beladen ist!

Nun sitze ich, vor der glühenden Sonne nicht ganz geschützt, unterm Vordach einer Weinschenke. Parnassische Hirten und Hirtenhunde umgeben mich, unter den wettergebräunten Männern sind blonde Köpfe, deren antiker Schnitt unverkennbar ist. Der kühne Blick verrät dionysisches Feuer im Blut. Der Bartwuchs, ohne gepflegt zu sein, ähnelt in Form, Dichte und Kräuselung durchaus gewissen antiken Plastiken, die Helden oder Halbgötter darstellen.

Ich teile die Reste meiner Mahlzeit mit einem weißen, gewaltigen Schäferhund. Und nachdem wir einen Blick auf den schmerzvoll grinsenden Löwen von Chaironeia geworfen, ist der parnassische Hirtentraum zu Ende geträumt. Doch nein, an der kleinen Haltestelle der Eisenbahn, die wir erreicht haben und die von einem Sumpfe voll quakender Frösche umgeben ist, finden wir ein gefesseltes schwarzes Lamm. Es hat, mit dem Rücken nach unten, am Sattel eines Maultieres hängend, eine Reise von zehn Stunden, durch die Hochtäler des Parnaß, von Delphi her, im Sonnenbrande zurückgelegt. Es trägt den Ausdruck hoffnungsloser Fügung im Angesicht. Sein Eigentümer ist jener Kaufmann, den wir überholten und dessen Maultier ein Knabe trieb. Er wird um sein Osterlamm beneidet, und Bahnbeamte treten hinzu, fühlen es ab nach Preis und Gewicht und Fettgehalt. Schließlich legt man das arme, unsäglich leidende, schwarze parnassische Lamm mit zusammengebundenen Füßen dicht an die Geleise, damit es leicht zu verladen ist. Ich sehe noch, wie es an seinen Fesseln reißt und verzweifelt emporzuspringen versucht, als die Maschine herandonnert und gewaltig an ihm vorüberdröhnt.

 

Wir haben Athen verlassen, um über Korinth, Mykene, Argos und andere klassische Plätze schließlich nach Sparta zu gelangen. Am Nachmittag ist Korinth erreicht, nach längerer Bahnfahrt, die uns nun schon bekannte Bilder wiederum vor die Augen geführt hat, darunter flüchtige und doch warme Eindrücke von Eleusis, Megara, dem schönen Isthmus und der Aiginetischen Bucht.

Ein Wagen führt uns, unweit vom Rande des Golfes, dem Fuße von Akrokorinth entgegen, einer drohenden Felsmasse, die von den Resten roher Befestigungen verunziert ist.

Über den Golf herüber weht eine frische, fast nordische Luft, aus der Gegend des Helikon, dessen leuchtender Gipfel schemenhaft sichtbar bleibt. Der Wagen rollt auf schlechten Feldwegen zwischen grünen Saaten dahin.

Der korinthische Knabe hatte für Körper und Geist einen weiten, unsäglich mannigfaltigen Tummelplatz. Den furchtbarsten Burgfelsen über sich, schwamm er im Lärm und Getriebe einer Hafenstadt, die im weiten Kreise von grünen oder nackten Hügeln umgeben war. Überall erlangte sein Blick die geheiligten Höhen der Götter- und Hirtenwelt, die wiederum bis in das Herz der Stadt hineinreichte. Für Wanderungen oder Fahrten taten sich Peloponnes und Isthmus auf, und auf diesem herrlichen Erdenfleck genoß er die gleichsam geborgene Schönheit eines südlichen Alpensees und auch die grenzenlose Wonne des freieren Meeres.

 

Wir besteigen Pferde, und diese erklettern nun mühsam den Felsen von Akrokorinth, der mehr und mehr, je weiter wir an ihm hinaufkriechen, wie eine verdammte Stätte erscheint: ein düsteres Tor, durch einen Ring von Befestigungsmauern, führt in ein ödes Felsenbereich.

Wir sind – die Pferde haben wir vor dem ersten Tore zurückgelassen – einer zweiten Ringmauer gegenübergestellt, die abermals ein Tor durchbricht. Eilig klimmen wir weiter aufwärts: eine weißliche Sonne hat sich schon nahe bis an den Horizont herabgesenkt. Kalter Bergwind fegt durch ein zweites ungeheures Trümmerbereich, und wir finden uns vor dem engsten jener Mauerringe, die den Gipfel des Festungsberges einschließen. Diesen Gipfel erklettern wir nun durch ein drittes Tor. Es ist eine Wüstenei, ein Steinchaos. Fremd und schon halb und halb in Schatten gesunken, liegt die gewaltige Bergwelt des Peloponnes unter uns. Wir eilen, aus dieser entsetzlichen Zwingburg durch die Trümmerhöfe wieder hinabzukommen. Wirkliches Grauen, wirkliche Angst tritt uns an.

Nach den geheiligten Hügeln und Bergen, deren Bereich ich in den letzten Wochen betrat oder wenigstens mit dem Blick erreichte, ist dies der erste, der unter einem unabwendbaren Fluch verödet scheint.

 

Seltsam, wie das bange Gefühl, das der nahende Abend einflößt, mit dem kleinen Kreis sonderbar banger Phantasiegestalten in Einstimmung ist, die für mich, seitdem ich ein bewußteres Leben führe, mit dem Namen Korinth verbunden sind. Schon vor etwa achtundzwanzig Jahren, während einer kurzen akademischen Studienzeit, drängten sich mir die rätselvollen Gestalten des Periander, seiner Gattin Melissa und des Lykophron, seines Sohnes, auf. Ich darf wohl sagen, daß die Tragödie dieser drei Menschen in ihrer unsäglich bittersüßen Schwermut all die Jahre meine Seele beschäftigt hat.

Periander! Melissa! Lykophron!

Periander, auf dem Burgfelsen hausend, Tyrann von Korinth, allmählich ähnlich wie Saul, ähnlich wie der spartanische König Pausanias, in einen finsteren Wahnsinn versinkend. Leidend an jenem unausbleiblichen Schicksal großer Herrschernaturen, die nach erreichtem Ziel von jenen Dämonen verfolgt werden, die ihnen dahin lockend voranschritten. Er hatte die Einwohnerschaft Korinths von den furchtbaren Felsen herunter terrorisiert und dezimiert. Er hatte Lyside, die Tochter des Tyrannen Prokles, geheiratet, der zu Epidauros saß. Die Gattin, zärtlich von ihm Melissa genannt, ward später von ihm aus unbekannten Gründen heimlich ermordet: zum wenigsten wurde ihr Tod Periandern zur Last gelegt. Prokles, Lysidens Vater, ließ eines Tages vor den beiden inzwischen herangewachsenen Enkeln, Kypselos und Lykophron, den Söhnen Melissens und Perianders, Worte fallen, die besonders dem Lykophron eine Ahnung von dem Verbrechen des Vaters aufgehen ließen, und diese Ahnung bewirkte nach und nach zwischen Sohn und Vater den tiefsten Zerfall.

Der große Brite hat die Tragödie eines Sohnes geschrieben, dessen Mutter am Morde ihres Gatten, seines Vaters, beteiligt war. Er hat die psychologischen Möglichkeiten, die in dem Vorwurf liegen, nicht bis zu jeder Tiefe erschöpft. Wie denn ein solcher Gegenstand seinem Wesen nach überhaupt unerschöpflich ist, derart zwar, daß er sich selber in immer neuen Formen, aus immer neuen Tiefen manifestieren kann. Vielleicht ist das Problem Periander-Lykophron noch rätselvoller und furchtbarer, als es das Rätsel Hamlets und seiner Mutter ist. Dabei hat dieser göttliche Jüngling Lykophron mit dem Dänenprinzen Ähnlichkeit ... man könnte ihn als den korinthischen, ja den griechischen Hamlet bezeichnen.

Gleichwohl war in seiner Natur ein Zug von finstrer Entschlossenheit.

Während Periander in der wesentlichen Vereinsamung der Herrschbegier – denn der Herrschende will allein herrschen, und wenn er auch andere Herrscher dulden muß, so erreicht er doch die Trennung von allen, das Alleinsein, immer gewiß: er gräbt sich meistens jeden gemütischen Zufluß der Seele ab, wodurch sie denn, wie ein Baum bei Dürre, qualvoll langsam zugrunde geht –, also während Periander, sagte ich, vereinsamt, als Herrscher von Korinth, in seinem Palast auf dem öden Burgfelsen mit den Dämonen und mit dem Schatten Melissens rang, hatte sich Lykophron nicht nur von ihm abgekehrt, sondern von Grund aus alles und jedes – außer das Leben -, was er ihm zu verdanken hatte, alles und jedes, was ihm durch Geburt an Glanz und Prunk mit dem Vater gemeinsam war, dermaßen gründlich von sich getan, daß er, obdachlos und verwahrlost, in den Hallen und Gassen des reichen Korinth umherlungernd, von irgendeinem anderen Bettler nicht mehr zu unterscheiden war.

Hier noch wurde er aber von dem allmächtigen Vater mit rücksichtsloser Strenge verfolgt, dann wieder mit leidenschaftlicher Vaterliebe; doch weder Härte noch Zärtlichkeit vermochten den qualvollen Trotz der vergifteten Liebe abzuschwächen.

Die Tat des Periander wurde mit dem Schicksale dieses Lykophron zum Doppelmord: zum Morde der Gattin und des Sohnes. Und hierin liegt die Eigenart der Tragik, die in der Brust Perianders wütete, daß er einen geliebten und bewunderten Sohn, das köstlichste Gut seines späteren Lebens, plötzlich und unerwartet durch den Fluch seiner häßlichen Tat vernichtet fand. Damit war ihm vielleicht der einzige Zustrom seines Gemütes abgeschnitten, und das Herz des alternden Mannes ward von dem Grauen der großen Leere, der großen Öde umschränkt.

Ich bin überzeugt, daß tiefe Zwiste unter nahen Verwandten unter die grauenvollsten Phänomene der menschlichen Psyche zu rechnen sind. In solchen Kämpfen kann es geschehen, daß glühende Zuneigung und glühender Haß parallel laufen – daß Liebe und Haß in jedem der Kämpfenden gleichzeitig und von gleicher Stärke sind: das bedingt die ausgesuchten Qualen und die Endlosigkeit solcher Gegensätze. Liebe verewigt sie, Haß allein würde sie schnell zum Austrag bringen. Was könnte im übrigen furchtbarer sein, als es die Fremdheit derer, die sich kennen, ist?

Periander sandte Boten an das Totenorakel am Acheron, um irgendeine Frage, die ihn quälte, durch den Schatten Melissens beantwortet zu sehen. Melissa dagegen beklagte sich, statt Antwort zu geben, und erklärte, sie friere, denn man habe bei der Bestattung ihre Kleider nicht mit verbrannt.

Als die Boten heimkehrten, hierher nach Korinth, konnte Periander nicht daran zweifeln, daß wirklich der Schatten Melissens zu ihnen geredet hatte, denn sie brachten in rätselhaften Worten die Andeutung eines Geheimnisses, dessen einziger Hüter Periander zu sein glaubte.

Durch dieses Geheimnis wurde ein perverses Verbrechen des Gatten verdeckt, der seine Gattin nicht allein getötet, sondern noch im Leichnam mißbraucht hatte: eine finstere Tat, die das schreckliche Wesen des Tyrannen gleichsam mit einem höllischen Strahle der Liebe verklärt.

Er ließ nun in einem Anfall schwerer Gewissensangst die Weiber Korinths wie zum Fest in den Tempel der Hera berufen. Dort rissen seine Landsknechte ihnen gewaltsam Zierat und Festkleider ab, und diese wurden zu Ehren Melissens, und um ihren Schatten zu versöhnen, in später Totenfeier verbrannt.

Periander, Melissa, Lykophron. Es hat immer wieder, während beinahe dreier Jahrzehnte, Tage gegeben, wo ich diese Namen lebendig in mir, ja oft auf der Zunge trug. Sie waren es auch, die, Sehnsucht erweckend, vor mir her schwebten, als ich das erstemal den Anker gehoben hatte, um hierherzuziehen. Auch während der kleinen Schiffsreise jüngst, durch den Golf von Korinth, hat mein Mund zuweilen diese drei Namen lautlos geformt, nicht minder oft auf der Fahrt nach Akrokorinth. Und hier, im fröstelnden Schauder heftiger Windstöße, auf dem gespenstischen Gipfel des Burgfelsens, habe ich im kraftlosen Licht einer bleichen Sonne, die unterging, die fröstelnden Schatten Perianders, Melissens und Lykophrons dicht um mich gespürt.

*

 

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