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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 94
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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d. Alkmaeon.

Eine neue Gruppe von Sagen sammelte sich um den Muttermord des Alkmaeon, der dem des Orestes sehr ähnlich ist. 368 Sie wurden in einem Gedichte zusammengefaßt, welches Alkmaeonis (’Αλκμαιωνὶς) hieß und einen Anhang zu dem Gedichte von den Epigonen gebildet zu haben scheint. Zu den Sagen vom thebanischen Kriege verhielt sich dieses Gedicht etwa wie das der Nosten zu dem trojanischen Kriege, indem es reich an localen Traditionen und an sogenannten Gründungsgeschichten (κτίσεις) war, welche immer der spätesten Periode der griechischen Mythenbildung angehören. Und so verräth auch sonst der Charakter der aus der Alkmaeonis überlieferten Sagen ein vorgerücktes Zeitalter, obwohl die überall nach Stoff für ihre Dichtungen aussehenden attischen Tragiker doch auch hier manche Verwicklungen fanden, die sich als sehr fruchtbar für die tragische Bühne bewiesenAristot. Poet. 13 νυ̃ν δὲ περὶ ολίγας οικίας αι κάλλισται τραγωδίαι συντίθενται, οι̃ον περὶ ’Αλκμαίωνα καὶ Οιδίπουν καὶ ’Ορέστην καὶ Μελέαγρον καὶ Θυέστην καὶ Τήλεφον καὶ όσοις άλλοις συμβέβηκεν ὴ παθει̃ν δεινὰ ὴ ποιη̃σαι. Außer der Geschichte des Alkmaeon möchte auch die spätere des Oeneus, ferner die des Atreus und Thyestes in der Alkmaeonis vorgekommen sein. Die Sagen von der Eriphyle hatte Stesichoros überarbeitet. Auf älteren Vasen haben sich bis jetzt von diesen Fabeln keine sicheren Spuren nachweisen lassen..

Nach der gewöhnlichen Erzählung hinterließ Amphiaraos bei seinem Abschiede von Argos seinen Söhnen den Auftrag, seinen Tod an der Mutter zu rächen. Nach Einigen tödtete Alkmaeon die Eriphyle vor dem Zuge der Epigonen, nach der herkömmlichen Sage nach seiner Rückkehr von Theben, wie Orestes angetrieben von dem delphischen ApollApollod. 3, 6, 2; 7, 2. 5, Schol. Od. 11, 326. Nach Sophokles hatte Amphilochos Antheil an dem Morde genommen, nach Andern nicht. Meist liegen bei solchen Abweichungen verschiedene Combinationen der Tragiker zu Grunde.. Immer leidet Alkmaeon nach dem Morde wie Orestes und daran knüpft sich seine weitere Geschichte. Er wird von den Erinyen seiner Mutter verfolgt und irrt verstörten Geistes und schwer krank umher, um Reinigung und eine neue Heimath zu suchen. So kommt er nach Psophis in Arkadien, findet endlich Sühnung beim Phegeus und die treueste Liebe bei seiner Tochter Alphesiboea oder Arsinoe, die Sophokles durch eine seiner Tragödien verherrlicht hatteWelcker Gr. Trag. 278 ff., Ribbeck tr. lat. 323 und über die örtlichen Sagen in Psophis, welches früher Φηγία d. h. die Eichenstadt geheißen hatte, Paus. 8, 24, 4. Man zeigte dort das Grab des Alkmaeon in einem Haine von Kypressen, die man die Jungfrauen nannte.. Aber kaum hat er sich niedergelassen, so entsteht seinetwegen 369 Mißwachs und der Gott treibt ihn weiter an den Acheloos; erst da werde er seine volle Reinheit wiederfinden, erst in einem neuen, nach dem Morde entstandenen Lande der Furien seiner Mutter ledig werden. So wendet er sich zunächst nach Kalydon, wo Oeneus ihn gastlich aufnimmt, dann zu den Thesprotern, die ihn aus ihrem Lande treiben, endlich zu den Quellen des Acheloos, wo er von diesem Flußgotte gereinigt und mit seiner Tochter Kallirrhoe vermählt wird, mit welcher er sich auf den Alluvionen des Flusses an seiner MündungS. oben S. 244. Der Reinigung des Alkmaeon durch das Wasser des Acheloos und andrer derartiger Reinigungen vom vergossenen Blute gedenkt Ovid F. 2, 35 ff., denn diese waren unter dem neuen Lande zu verstehen, niederläßt. Da erregen jene verhängnißvollen Kleinodien des kadmeischen Königshauses, das goldne Halsband und der prächtige Peplos der Harmonia, welche Alkmaeon auf seiner Flucht von Argos mit sich genommen und der Alphesiboea in Psophis hinterlassen hatte, von neuem böse Begierde und Haß und Todtschlag. Kallirrhoe verlangt so dringend nach ihnen daß Alkmaeon sich nach Arkadien aufmacht sie zu holen. Er verlangt sie vom Phegeus mit dem Vorgeben, das Orakel habe ihm Heilung von seinem Uebel versprochen, sobald er Halsband und Peplos nach Delphi weihe. Doch verräth sein Knappe für wen diese kostbaren Geschenke bestimmt sind, was Arsinoe in ihrer Liebe nicht irre macht, wohl aber den Phegeus und seine Söhne bestimmt dem Alkmaeon am Wege aufzulauern und ihn todtzuschlagen. Als Kallirrhoe von diesem Morde hört, bittet sie den Zeus, der sie liebt, ihre beiden noch zarten Söhne vom Alkmaeon, Akarnan und Amphoteros alsbald reife Männer werden zu lassen, damit sie sie zu dem Werke der Rache an den Mördern ihres Vaters aussenden könne. So geschieht es und sie eilen zum Könige Agapenor, dem Sohne des Ankaeos in Tegea (Il. 2, 609), wohin die Söhne des Phegeus ihre unglückliche Schwester gebracht hatten, treffen jene und tödten sie, tödten auch den König Phegeus in Psophis und weihen endlich im Einverständniß mit ihrer Mutter und auf Befehl des Acheloos das Halsband und den Peplos der Harmonia nach DelphiSpäter vergriffen sich die Führer des heiligen Kriegs an diesen Kostbarkeiten und an dem gleichfalls dahin geweihten Halsbande der Helena, um sie ihren Weibern zu schenken, unter denen sie neues Unheil anrichteten, Athen. 6, 22, Parthen. Erot. 25 und Mythogr. lat. 1, 151; 2, 78, wo neue Fabeln und neuer Aberglaube hinzugefügt ist. Das Halsband der Harmonia zeigte man auch zu Amathus im T. der Aphrodite und des Adonis, Paus. 9, 41, 2.. Von da 370 gehen sie nach Epiros, sammeln dort viel Volks und lassen sich in Akarnanien nieder, während Amphilochos, nach Euripides ein Sohn des Alkmaeon und der Manto, der Tochter des Teiresias, nach Anweisung des delphischen Orakels sich in Argos Amphilochikon ansiedeltApollod. 3, 7, 7. Euripides hatte einen Alkmaeon in Psophis und einen Alkmaeon in Korinth gedichtet s. Welcker Gr. Trag. 575 ff., Nauck tr. gr. p. 302, Schöll üb. die Tetralogie d. att. Theaters 53 u. 69. Die Gründung von Argos Amphilochikon wurde bald dem Alkmaeon, bald seinem Bruder bald seinem Sohne Amphilochos zugeschrieben, s. Thuk. 2, 68, Str. 7, 325; 10, 462. Man fabelte dort von einem Flusse Inachos, der am Pindos und Lakmon entspringe, durch das Land der Akarnanen und Amphilochen fließe und dort sein Wasser mit dem des Acheloos vermische, und endlich beim Lyrkeion als argivischer Inachos von neuem zum Vorschein komme, Soph. b. Str. 6, 271 vgl. oben S. 35.. Also war Amphilochos der Sprößling alter Propheten sowohl von väterlicher als von mütterlicher Seite, wie er denn auch selbst als Prophet und als Stammvater der einheimischen Sehergeschlechter sowohl in Akarnanien als in Aetolien verehrt wurdeDurch Alkmaeon und Amphiaraos stammte er aus dem Geschlecht der Melampodiden (S. 351), daher Melampodiden in Akarnanien Herod. 7, 221 vgl. Aristid. 1 p. 78 ’Αμφιάραος μὲν γὰρ καὶ Τροφώνιος εν Βοιωτία καὶ ’Αμφίλοχος εν Αιτωλία χρησμωδου̃σί τε καὶ φαίνονται. Die akarnanischen Seher waren vor andern berühmt, Paus. 9, 31, 4, Lobeck Agl. 310 m..

Mit der Erzählung von den Epigonen und den Schicksalen des Alkmaeon scheint auch die von den letzten Schicksalen des Oeneus zusammengehangen zu haben, auch dieses ein von der attischen Tragödie überarbeiteter Stoff. Oeneus, dieses Bild eines genußreichen Alten, war zugleich von unverwüstlicher Lebensdauer, da er Bellerophon, Herakles, die Jäger des kalydonischen Ebers und nun auch Alkmaeon, alle hinter einander bewirthet. Aber endlich ereilte doch auch ihn das Unglück, da Meleager gestorben und Tydeus nach Argos gegangen war, durch die Söhne des Agrios nehmlich, welche immer als die Feinde seines Hauses erscheinen und den Greis nun einsperrten und mißhandeltenApollod. 1, 8, 6 und über den Oeneus des Euripides Nauck tr. gr. 423. Oeneus irrte in demselben vertrieben umher wie König Lear, Schol. Ar. Ach. 418 περιήει ταπεινός, Ovid Her. 9, 153 solio sedet Agrios alto, Oenea desertum nuda senecta premit. Nach Ephoros b. Str. a. a. O. begleitete Alkmaeon den Diomedes bei dieser That, nach Hygin f. 175 Sthenelos.. Da kommt sein tapfrer Enkel Diomedes ihm zu Hülfe, tödtet seine Feinde und stellt ihn selbst in seiner Herrschaft wieder her. Oder, wie Andre 371 erzählten, er giebt seinem Schwiegersohn Andraemon (Il. 2, 638) die Herrschaft und nimmt den Alten mit sich nach dem Peloponnes, wo derselbe nun doch noch in Arkadien durch einige verlaufene Söhne des Agrios seinen Tod und bei Oenoe auf der argolisch-arkadischen Grenze, in der Nähe seiner alten Feindin, der Artemis, ein Grab findetEr wird nach Apollod. erschlagen περὶ τὴν Τηλέφου εστίαν τη̃ς ’Αρκαδίας (oben S. 241) und begraben ένθα νυ̃ν πόλις απ' εκείνου Οινόη καλει̃ται. Vgl. über die Artemis Οινωα̃τις oben S. 58, [Anmerkung 179]. Wahrscheinlich lag eine Namensverwechslung zu Grunde, wie in der Legende vom Tode Hesiods bei Nemea, Prokl. v. Hesiod. 4, Thuk. 3, 96. Nach Paus. 4, 35, 1 zeugte Oeneus noch im Peloponnes eine Tochter..

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