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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 81
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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d. Veranlassung und Zurüstung zur Fahrt.

Vom Anlaß der abenteuerlichen Fahrt erzählt Pindar Pyth. 4. Pelias weiß durch ein Orakel daß er durch einen seiner Vettern vom Stamme des Aeolos umkommen werde und sich vor dem mit einem Schuh zu hüten habeApollodor: τὸν μονοσάνδαλον φυλάξασθαι. Durch diesen alten Zug der Sage war auch die statuarische Behandlung des Iason als idealer Heldenfigur bestimmt.. Da kommt Iason vom Pelion 321 herab, zwei Lanzen in der Hand, in der magnetischen Landestracht, ein Pardelfell über die Schultern geworfen, hoch schimmerten ihm die wallenden Locken über den ganzen NackenD. h. er hatte sein Haar noch nicht geschoren, wie Achill bei Homer.: ein herrlicher Jüngling, um den das Volk auf dem Markte sich staunend versammelte. Auch Pelias kommt eilends gefahren, sieht den Fremden und daß er blos am rechten Fuße beschuht ist und fragt nach seinem Vaterlande und seiner Abkunft. Iason antwortet ehrlichen und biederen Gemüths: Zwanzig Jahre sei er beim Chiron gewesen, wo dessen Töchter seiner Jugend gepflegt hätten. Nun aber komme er um die königliche Würde seines Vaters zu fordern, die ihm nach dem Rechte des Zeus gebühre. Er sei kein Fremdling, sondern das ächte Kind des Landes und man möge ihm die Wohnung seines Vaters zeigen. Und als er zum Vater kam, da netzte ein Strom heller Freudenthränen die alternden Augen des Aeson, so freute er sich des wunderschönen, des herrlichen Sohnes. Und es kamen die Vettern, als sie von Iason hörten, Pheres von der Quelle Hypereia, Amythaon aus Messene und Admetos und Melampus, alle um seiner froh zu werden. Und Iason schmauste mit ihnen fünf Tage und fünf Nächte lang, dann traten sie alle vor Pelias und Iason nahm das Wort und sprach: Zwar Du hast mich betrogen, aber Friede sei unter uns, da wir so nahe verwandt sind. Die Heerden und die Ländereien, die Pelias seinem Vater genommen, möge er behalten. Den Thron aber möge er freiwillig abtreten, sonst könnte großes Unglück geschehn. Pelias erwiderte ruhig und listig: Dem sei also. Doch bin ich alt und Du bist jung, darum könntest Du unser Haus von schwerem Zorn der Unterirdischen befreien. Phrixos will daß seine Seele heimgeholt werde aus dem Lande des AeetesDer Scholiast bemerkt daß dieses ein Zusatz des Pindar sei und daß die gewöhnliche Sage nur vom goldnen Vließe wisse. und das goldne Vließ des Widders, der ihn einst aus den Fluthen des Meeres und den Nachstellungen der gottlosen Stiefmutter gerettet habe. So habe ihm Phrixos selbst im Traume gesagt und der Gott zu Delphi treibe zur eiligen Sendung. Das möge Iason nun ausführen und komme er heim, dann wolle er ihm gerne die Herrschaft überlassen, das schwöre er ihm beim Zeus, der ihres Stammes erste Wurzel sei.

So Pindar, dahingegen die gewöhnliche Sage wohl die Pflege 322 beim Chiron auf dem Gipfel des Pelion kannteNamentlich erzählte Hesiod davon, Schol. Pind. N. 3, 92, Steph. B. v. Αίσων, Schol. Od. 12, 69, nach welchem Chiron auch bei der Ausrüstung der Argonauten thätig war. Vgl. Pherekydes b. Schol. Pind. P. 4, 133, Apollod. 1, 9, 16, Hygin f. 12. 13., den Iason aber dann unter den übrigen Vettern des Pelias seine Jugend zubringen ließ, auf dem Lande und dem Landbau und der Jagd ergeben. Pelias brachte nach dieser Erzählung einst seinem Gotte und Vater Poseidon ein großes Opfer am Strande von Iolkos, wie Nestor das bekannte am Strande von Pylos. Dazu versammeln sich alle Vettern und Sippen des Geschlechts. Da Iason gerade im boebeischen Felde nahe am Anauros pflügt, geht er baarfuß durch den Fluß und bindet drüben wohl die Sandale unter den rechten Fuß, vergißt aber den linkenNach Apollon. 1, 10 u. Apollod. blieb der eine Schuh im Schlamm des Flusses stecken.. So kommt er zum festlichen Opfermahle, worauf ihn Pelias am andern Morgen zu sich bescheidet. Was er thun würde, wenn ihm geweissagt wäre daß er von einem seiner Vettern sterben werde? Ich würde ihn nach Aea schicken das goldne Vließ vom grimmen Aeetes zu holen, war die Antwort. Das hatte ihm Hera eingegeben, damit Medea nach Iolkos komme, dem Pelias zum Verderben, wird ganz im Sinne der alten Dichtung hinzugesetzt, wo Hera die bewegende Ursache der Fahrt und der schreckliche Ausgang des Pelias durch Medea und die ihm von Akastos gehaltenen Leichenspiele vermuthlich das Ende der Erzählung waren.

Nun sendet Iason Herolde durch ganz Griechenland und es sammeln sich die Helden aus allen Gegenden. Pindar, Apollonios und Valerius Flaccus geben Verzeichnisse ihrer NamenVgl. auch Hygin f. 14, Tzetz. Lyk. 175. Sophokles hatte in den Lemnierinnen, Aeschylos in den Kabiren die Argonauten aufgezählt, Schol. Pind. P. 4, 303. Ein vollständiges Verzeichniß der bekannten Namen b. Burmann zum Valerius Flaccus., bei denen die ältere Erzählung von den späteren Zusätzen der erweiternden und die Sagenkreise combinirenden Dichtung wohl zu unterscheiden ist. Die ältesten Theilnehmer sind die vom Stamme der MinyerPindar P. 4, 69 μετὰ γὰρ κει̃νο πλευσάντων Μινυα̃ν u. s. w., vgl. Apollon. 1, 229 ff. Schol. Auch Ovid, Seneca und das Orphische Gedicht nennen die Argonauten meist Minyer. aus Iolkos, Orchomenos und Pylos, dessen junge Mannschaft bei Pindar den Iason zuerst begrüßt: Akastos, der Sohn des Pelias, ein eben so treuer Freund des Helden wie ihm der Vater widerwärtig war, Admet von Pherae, Euphemos 323 und Periklymenos, dieser der uns schon bekannte Nelide aus Pylos (S. 240). Euphemos, einer der hervorragendsten Helden, weil bei ihm die Sage von der Ansiedelung auf Thera und Kyrene anknüpfte, galt auch für einen Sohn des Poseidon, der ihn nach Pindar mit der Europa, der Tochter des Tityos, an den Ufern des Kephisos d. h. in Orchomenos zeugte, durch seinen Vater von so windesschneller Art und Natur, daß er über die Wogen des Meeres ohne seine Füße zu benetzen dahin laufen konnteApollon. 1, 179 ff., Hygin f. 14, nach denen er aus Taenaron stammte. Nach Hesiod b. Schol. Pind. P. 4, 35 gebar ihn Mekionike dem Poseidon zu Hyrie in Boeotien.. Ferner Erginos von Orchomenos (S. 181), auch dieser ein Sohn des Poseidon, Tiphys ein berühmter Steuermann von der thespischen Rhede Tiphae am krisaeischen MeerbusenApollon. 1, 105 Schol., vgl. Müller Orchom. 264. u. A. Außer diesen Minyern wurde Herakles früh als Theilnehmer der Fahrt genannt, doch waren die Dichter sich nicht einig ob er überhaupt mitgezogen und wie weit er mitgezogen sei, dahingegen in der jüngeren Tradition sein Antheil immer mehr zur Hauptsache wurdeNach der älteren Tradition blieb er schon in Magnesia zurück, Herod. 7, 193, Schol. Apollon. 1, 1289. Nach der jüngeren ist er die Hauptperson neben Iason oder sogar statt seiner der Anführer, Apollon. 1, 341 ff., Diod. 4, 41. Gewöhnlich bleibt er in Mysien.. Auch stellten sich die Dioskuren ein, als Schutzgötter zur See und weil der Faustkampf des Polydeukes mit Amykos eine wesentliche Episode der Dichtung war, die geflügelten Boreaden Zetes und Kalaïs, welche dem Phineus die Harpyien verjagten , Orpheus um die Helden mit seiner Laute zu führen und zu erfreuen, Mopsos um ihnen als Prophet zu dienenOrpheus wird schon bei Pindar als Theilnehmer genannt und zwar als Sohn des Apoll und αοιδα̃ν πατήρ. Also ging er als Aoede mit, nicht als Priester und Zauberer, wie bei Apollonios und in der Orphischen Argonautik. Mopsos wird auch von Pindar genannt. Er heißt Τιταρήσιος und ein Sohn des Ampyx oder Ampykos und der Chloris, Apollon. 1, 65 Schol., Hygin f. 14. Hesiod sc. Herc. 181 nennt ihn unter den Lapithen, auch gab es einen nach ihm benannten Ort Μόψιον in Thessalien, Str. 9, 443, Liv. 42 , 61. Nach Hygin war er unter den Jägern des kalydonischen Ebers. Die spätere Sage weiß von drei Propheten, dem Mopsos, Idmon und Amphiaraos, Schol. Pind. P. 4, 337.. Im Allgemeinen ist zu erwägen daß die Argonautensage nach ihrer ursprünglichen Anlage weit weniger Gelegenheit zu Heldenthaten als zu Abenteuern im Geschmacke der Odyssee und zu dämonisch wunderbaren Vorgängen gab, wo jene Söhne und Abkömmlinge des Poseidon mit ihrer Meereskunde, ihrer stürmischen 324 Schnelligkeit, ihrer Verwandlungsgabe ganz an ihrer Stelle waren, aber nicht die Helden der Keule oder des Schwerdtes und der Lanze, daher diese auch eigentlich nur eine müßige Begleitung des Iason bilden. Vom Herakles deutet es die Sage selbst auf naive Weise an daß er in der Argo nicht an seinem Platze war. Als er sich in dem Schiffe niedergelassen, habe es zu sinken gedroht, und als er zum Ruder gegriffen, sei es gleich in seiner Faust zerbrochen.

Argos, ein Sohn des Phrixos, hatte inzwischen das Schiff Argo gebaut, wobei Athena half und an der Prora einen Splitter von der Dodonaeischen Eiche einließ, der auf der Fahrt gelegentlich ein Wort mitspricht, prophetisch wie der Stamm von welchem er genommen warAuch Aeschylos soll von diesem Splitter gedichtet haben, den man sich nach Analogie des Splitters vom Kreuzdorn zu denken hat, welchen man in die Schiffe einzulassen pflegte, weil man diesem Holze eine abwehrende Kraft zuschrieb, Hygin P. A. 2, 37, Kuhn Herabholung des Feuers S. 237. ’Αργὼ von αργὸς ist eigentlich die Schnelle, vgl. θοαὶ νη̃ες. Ein späterer Schriftsteller nannte den prophetischen Meerdämon Glaukos ihren Erbauer und Steurer, Athen. 7, 47.. Mopsos erforscht dann den Willen der Göttin, Iason opfert und betet zum Zeus, der mit Blitz und Donner antwortet. Also werden die Ruder eingesetzt und es geht rüstig vorwärtsMan schiffte sich ein zu Pagasae, dem Hafen von Iolkos, wonach der Pagasetische Meerbusen heißt. Ein Altar des Apollo άκτιος oder εμβάσιος erinnerte an die Einschiffung. Nach Theokrit 13, 23 begann die Fahrt mit dem Aufgange der Plejaden d. h. mit dem Beginn der guten Jahreszeit. Das Schiff wurde als Funfzigruderer gedacht, daher man funfzig Helden darin unterzubringen suchte.. Der Ruhm dieser Schifffahrt wurde vollends ein außerordentlicher, seitdem man die Argo d. i. eigentlich die Schnelle für das erste Schiff überhaupt zu halten gewohnt warLucan 3, 193 ff., Seneca Med. 2, 301 ff., Valer. Fl. z. A. Auch wird dieses und der Antheil der Minerva gewöhnlich als Grund des Katasterismos angeführt..

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