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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 68
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2. Theseus.

Theseus wurde oft der andre Herakles genannt (άλλος ου̃τος ‛Ηρακλη̃ς), mit dem er in der That große Aehnlichkeit hat, sowohl in dem allgemeinen Charakter der Sage als in vielen einzelnen Zügen. Wie jener ist er ein Befreier seines Volkes und Landes von wilden Thieren und andern Ungethümen und Gefahren, wozu noch kommt daß beide als engverbundene Freunde geschildert werden, wenigstens in der attischen Sage, welche diese Freundschaft immer geflissentlich hervorhob. Nur fehlt beim Theseus die tiefere Naturbedeutung und deren vielseitige Uebertragung in bildlichen und ethischen Vorstellungen. Dahingegen bei ihm so vielmehr das Politische hervortritt, ganz im Sinne der jüngeren Zeit und des attisch-ionischen Schauplatzes, welchem diese Sage vornehmlich angehört.

Das Wesentliche ist daß Theseus der ionische Nationalheros war, daher sein Andenken mit dem des ionischen Poseidonsdienstes aufs engste verbunden war (1, 450), der ideale Sohn und Sprößling dieses Gottes, der seinem Stamm an den Küsten und auf den Halbinseln und Inseln, über die er sich in seiner mythischen Vorzeit ausbreitete, durch tapfere Thaten Raum schaffte und namentlich Athen von schimpflicher Abhängigkeit befreite und zu besserer Ordnung anleitete. Obwohl hinsichtlich dieser nationalen Bedeutung des Theseus zu bemerken bleibt daß der Schauplatz seiner Geschichte nur Troezen, der Isthmos, Attika, Euboea, von den Inseln Skyros, Delos, Naxos und Kreta sind, nicht das asiatische Ionien, welches bis auf unbedeutende Ausnahmen von Theseus und den Thesiden nichts gewußt zu haben scheintIn Smyrna erzählte man in späteren Zeiten daß Tantalos Alt-Smyrna am Sipylos, Theseus Neu-Smyrna nach dem Amazonenkriege gegründet habe, wie denn auch der Name Smyrna der einer Amazone sei. Neben diesen beiden rühmte man sich als dritten Gründers Alexanders d. Gr. Tacit. A. 4. 56, Aristid. 1 p. 372. 425. 431. 436. 440. 763 Ddf., Steph. B. Σμύρνα. Bei Herod. v. Hom. 2 ist Theseus ein Aeoler aus Thessalien und Smyrna seine Frau..

286 Damit mag es zusammenhängen daß diese Namen auch dem älteren Epos unbekannt geblieben sind. Alle Stellen der Ilias und Odyssee, wo von Theseus und seinen Söhnen die Rede ist oder auf die Sage von ihnen angespielt wird, sind mehr oder weniger verdächtigNitzsch z. Od. Bd. 3, 357, Stephani Theseus u. d. Minotauros 6. 7., dahingegen das jüngere Epos des Arktinos und Lesches so wie das Hesiodische einige Hauptzüge aus derselben allerdings kannten.

Immer scheint in Attika, vorzüglich in der Gegend von Marathon und Aphidnae, das Andenken an diesen Helden lebendig geblieben zu sein. Um die Zeit da die attische Bildung und Sage sich selbständiger zu regen anfing d. h. in der des Solon und Pisistratos mögen auch die ältesten Aufzeichnungen und Gedichte von solchem Inhalte entstanden sein, die man allgemein Theseiden nannteWelcker ep. Cycl. 1, 313 ff.; 2, 424, O. Jahn Archäol. Beitr. 271 A. 41, Nitzsch Sagenpoesie 22.. Dann wurde durch die Schlacht von Marathon auch diesen patriotischen Erinnerungen neues Leben verliehen. Man hatte während dieser Schlacht den Theseus gesehen wie er in voller Rüstung seine Landsleute gegen die Barbaren führte, und so wurde denn bald nach den Perserkriegen von der Pythia der Ausspruch gethan daß die Gebeine dieses Helden von der Insel Skyros, wo er sein Ende gefunden, nach Athen gebracht werden müßten. Dieses wurde durch Kimon ausgeführt und darauf mitten in der Stadt das Theseion und ein Festtag zur Feier der Rückkehr von Kreta am achten Pyanepsion gestiftet, neben welchem auch in den übrigen Monaten der erste Tag an ihn und an seinen Vater Poseidon erinnertePlut. Thes. 35. 36, wo die Beziehung der Worte καὶ κει̃ται μὲν εν μέση τη̃ πόλει παρὰ τὸ νυ̃ν γυμνάσιον auf das jetzt gewöhnlich sogenannte Theseion bedenklich ist, s. L. Roß das Theseion u. d. T. des Ares in Athen, Halle 1852 u. B. Stark Philol. 14, 714 ff. Das Fest der Θήσεια wird in attischen Inschriften nicht selten erwähnt. Das Hauptfest am 8. Pyaneps. wurde mit Spielen gefeiert, worunter auch Wettrennen und ein Fackellauf, Hesych ιππόδρομος, Rangabé n. 788, ’Επιγρ. ελλην. der Arch. Ges. in Athen 1, 10, 14, E. Curtius Nachr. der K. G. d. W. z. Gött. 1860 n. 28 S. 340. Auf die übrigen Monate bezieht sich Hesych ογθόδιον θυσία παρὰ ’Αθηναίοις τελουμένη Θησει̃. Am 8. Hekatomb. wurde die Ankunft des Theseus in Athen gefeiert, Plut. Thes. 12.. Seitdem wetteiferten Kunst und Dichtung die Thaten dieses Heroen 287 zu verherrlichen. Die Tempel, die Hallen schmückten sich mit seinen Heldenthaten, mit den Amazonen- und Kentaurenschlachten, in denen der attische Theseus nun eine Hauptfigur wurde, und die attische Bühne wie die attische Sagenschreibung trugen gleichfalls dazu bei sein Bild immer lebendiger zu machen, mit den Alterthümern der Stadt und des Landes zu verschlingen, es im Sinne der Zeit ins Anmuthige und Romantische zu verschönern, bis der Stifter von Athen, der Mutterstadt aller feineren Bildung, zuletzt zum Gemeingut der gebildeten Welt geworden warο τω̃ν καλω̃ν καὶ αοιδίμων οικιστὴς ’Αθηνω̃ν, Plut. Thes. 1. Hauptquellen sind diese Schrift Plutarchs u. Apollodor 3, 15. Daneben außerordentlich viele Bildwerke, s. Müller Handb. § 412, 1. 2.. Auch gab es in der griechischen Heldensage später kaum eine hervorragende That oder ein solches Abenteuer, bei welchem nicht Theseus oder seine Söhne betheiligt worden wärenDaher das Sprichwort ουκ άνευ γε Θησέως Zenob. 5, 33, Plut. Thes. 29..

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