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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 64
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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8. Oetaeische Sagen.

Das Gemeinsame dieser Sagen ist die Beziehung zum pythischen Apoll, zum Könige Keyx und zu der alten oetaeischen Burgfeste Trachis. Für den pythischen Apoll kämpft Herakles, beim Keyx wohnt er mit den Seinigen und führt dort, wie es das Hesiodische Gedicht von der Hochzeit des Keyx schilderte, ein eben so genußreiches Leben wie beim aetolischen Oeneus, endlich Trachis galt gewöhnlich für seine Gründung und seine Feste in dieser Gegend, wie er denn auch bei allen Zügen dieser Sage entweder von ihr ausgeht oder zu ihr zurückkehrt.

Die Entstehung von Trachis wird gewöhnlich in enger Verbindung mit dem Kampfe des Herakles gegen die Dryoper (Holsten) erzählt, einen alten Stamm, welcher die waldichten Gegenden vom Parnaß bis zum Oeta bewohnte und als räuberisch und dem delphischen Apollo feindlich geschildert wird. Die ältere Sage knüpft bei einem Märchen vom Herakles βουφάγος an, welches unter wenig veränderten Umständen auch auf der Insel Rhodos erzählt wurdeApollod. 2, 7, 7, Schol. Apollon. 1, 1212, Kallim. in Dian. 161. Von Rhodos Apollod. 2, 5, 11 u. Philostr. im. 2, 24. Die Fabel spielt hier bei Thermydrae, dem Hafen von Lindos, wo Herakles schon wegen der warmen Quellen verehrt wurde. Theiodamas ist zu einem Bauer geworden, der auf hartem Boden pflügt. Weil er dem Herakles geflucht, fluchte man fort und fort bei dem Opfer des Herakles, zu welchem ein Pflugstier genommen wurde.. Herakles wandert mit Deianeira und dem Knaben Hyllos durch das Land der Dryoper. Unterwegs begegnet ihm ihr König Theiodamas mit einem Ochsengespann. Herakles hungert, er bittet um Speise, sie wird ihm abgeschlagen, da nimmt er den einen Stier vom Joche, schlachtet ihn und verzehrt ihn ganz. Alsbald stürmen die Dryoper wider ihn und er geräth in nicht geringe Gefahr, so daß selbst Deianeira sich wappnen mußte. Doch schlägt er sie zurück, tödtet den König und nimmt seinen Sohn Hylas zu sich. Das Volk der Dryoper wird darauf theils vertrieben theils dem pythischen Apollo dienstbar gemacht oder in der Gegend von Trachis angesiedelt, ihr Land den Maliern gegeben, welche hellenischen Stammes und den Doriern nahe verwandt warenSie sind die Verbündeten des Herakles gegen die Dryoper Herod. 8, 43, Paus. 4, 34, 6, Diod. 4, 37, wo der König der Dryoper Phylas heißt, dessen Tochter Μήδα vom Herakles die Mutter des attischen Eponymen Antiochos wird. Vgl. tab. Farn. 68–78, wo dieser Sohn des Herakles ungenau Ktesippos heißt u. H. Trachis erbaut und Tirynthier darin ansiedelt. Andre Ansiedler kamen der Sage nach aus Kios in Mysien, daher die Fabel vom Hylas auch in der Gegend von Trachis, Apollon. 1, 1354 ff. Schol.. Ihr Fürst 248 ist eben jener dem Herakles so nah befreundete Keyx, bei welchem sich der Held nun zu dauerndem Aufenthalte mit den Seinigen niederläßt. Dahin hat er seinen Sohn Hyllos, den erstgebornen und den Stammvater der dorischen Herakliden, auf eignem Arme aus Aetolien getragen und hier werden ihm von der Deianeira noch zwei Söhne geboren, Gleneus und Hodites.

Von jenem gewöhnlich dem Hesiod zugeschriebenen Gedichte von der Hochzeit des Keyx ist leider nur wenig erhaltenEs ward dem Hesiod von Vielen abgesprochen, Athen. 2, 32, Plut. Symp. 8, 8, 4, wo nach Anleitung dieses Gedichts von Tischen und von Tafelfreuden die Rede ist., doch wissen wir aus dem Schilde des Herakles daß dieser König von Trachis die Sage jener Gegenden als trefflicher und von den Göttern geliebter Fürst eines zahlreichen Volks auch sonst viel beschäftigteHesiod sc. Herc. 352 ff. 469 ff.. Die Hochzeit war jedenfalls ein von ihm ausgerichteter Hochzeitsschmaus, etwa für seinen Sohn oder seine TochterΚήυκος γάμος wie Οινέως γάμος Soph. Tr. 792. Seine Tochter Themistonoe b. Hesiod sc. H. 355, s. Sohn Hippasos b. Apollod. 2, 7, 7. Bei Antonin. L. 26 gilt auch Hylas für einen Sohn des Keyx, weil auch er in Trachis heimisch war., und Herakles erschien bei demselben als ungeladener, aber nichts desto weniger sehr willkommener Gast, was im Sinne des griechischen Alterthums und eines wohlbekannten, diesem Gedichte Hesiods entlehnten Spruchs ein Beweis der engsten Freundschaft und Verbrüderung zwischen Herakles und Keyx warαυτόματοι δ' αγαθοὶ αγαθω̃ν επὶ δαι̃τας ίενται oder ίασιν. Kratin hatte diesen Spruch einen alten genannt p. 111 Mein., Bacchylides und Plato wiederholen ihn Symp. 174 B, Athen. 5, 5, vgl. Zenob. 2, 19 u. dazu Schneidewin u. Schol. Plat. l. c. Die Pointe liegt darin daß nur die allernächsten Freunde und Verwandten das Recht hatten bei solchen Gelegenheiten ungeladen zu erscheinen, Macrob. S. 1, 7, 10, Eustath. Il. 1148, 50.. So waren auch die Angehörigen des Herakles, Deianeira mit ihren Kindern, die stets willkommenen Gastfreunde dieses guten Fürsten von Trachis, vor und nach dem Tode des HeldenSoph. Tr. 39, Apollod. 2, 8, 1.. In der That sind die Könige Keyx und Aegimios, dieser der Fürst der Dorier, dessen Reich in der Heraklesfabel bald in die Hestiaeotis am Olymp, bald in die Landschaft Doris d. h. in jenes Gebiet der überwundenen Dryoper verlegt wird und bei 249 den Traditionen über die Rückkehr der Herakliden jedenfalls hier, also ganz in der Nachbarschaft von Trachis vorausgesetzt werden mußEphoros b. Steph. B. Δυμα̃νες· Αιγίμιος γὰρ η̃ν τω̃ν περὶ τὴν Οίτην Δωριέων βασιλεὺς etc. Vgl. Str. 9, 427. Nach Herod. 1, 56 wohnten die Dorier unter diesem Namen früher im nördlichen Thessalien, am Olymp und der Ossa, dann am Pindos, dann in der Dryopis, von wo sie unter den Herakliden in den Peloponnes zogen., diese beiden mythischen Könige also sind die lebenden Bilder einer tief gewurzelten Verehrung des Herakles in der ganzen Gegend am Oeta und dem wichtigen Passe der Thermopylen, welche sich in vielen einzelnen Zügen nachweisen läßt, wie der Oeta zuletzt ja auch der Ort seiner Apotheose ist. Und nicht allein die Dorier und die Malier, sondern auch die an diesem Küstenstriche ansässigen Lokrer bekannten sich mit Eifer zu der Verehrung des Helden und des Gottes Herakles, sowohl die epiknemidischen mit der Hauptstadt Thronion als die opuntischenOpus und Theben verehren den H. zuerst als Heros, Diod. 4, 39. Auf einer M. von Kynos, dem Hafen von Opus, H. mit dem Skyphos, Bullet. Napol. 1858 t. 11, 2. 3 p. 108. 120. Abderos, der Liebling des H., aus Opus oder Thronion, oben S. 201, [Anmerkung 715]. Die Malier und die epiknemidischen Lokrer bilden das Heer des oetaeischen Herakles, Apollod. 2, 7, 7.. Von jenem Könige Keyx aber der älteren Sage ist wohl zu unterscheiden der Vogel Keyx eines Naturmärchens, welches sich erst in viel späterer Zeit so ausgebildet haben kann daß beide verwechselt wurdenWie dieses namentlich b. Ovid M. 11, 270 ff. geschieht. Daß Aeolos als Vater der Alkyone eigentlich der König der Winde ist, lehrt der Schluß seiner Erzählung v. 745 ff., vgl. Hygin f. 65 Alcyone Aeoli et Aegiales filia d. h. die T. des Königs der Winde und des Meeresstrandes, weil dieser Vogel ein Strandvogel ist, ακταία όρνις b. Apollon. 1, 1087. Nach Aristot. H. A. 5, 8 paßte die oft wiederholte Erzählung von den 14 alkyonischen Tagen am besten auf das Littoral des sikelischen Meeres.. Man nannte ihn einen Sohn des Morgensterns und Gatten der Alkyone, der Tochter des Königs der Winde Aeolos, welcher nach dem Vorgange andrer Dichtungen später mit dem thessalischen Aeolos identificirt wurde, da das Märchen von der Alkyone und den alkyonischen Vögeln früher vielmehr bei den westlichen Griechen heimisch gewesen zu sein scheint. Es ist der Meeresvogel, welcher seine Jungen um die Zeit des kürzesten Tages am Meeresstrande ausbrütet und daher seine Brut leicht in den Stürmen und Wogen dieser Jahreszeit verliert; worüber er zum Bilde einer ängstlichen Sorge und Klage um die Kinder, aber auch einer treuen und zärtlichen Liebe geworden ist. Von jener Seite ist Alkyone schon der 250 Ilias (9, 561) bekanntVgl. Eur. Iph. T. 1089 όρνις, ὰ παρὰ τὰς πετρίνας πόντου δειράδας, αλκυών, έλεγον οι̃τον αείδαις etc. Arist. Ran. 1309 αλκυόνες, αὶ παρ' αενάοις θαλάσσης κύμασι στωμύλλετε, τέγγουσαι νοτίαις πτερω̃ν ρανίσι χρόα δροσιζόμεναι. Apollon. 4, 362 τηλόθι δ' οίη λυγρη̃σιν κατὰ πόντον άμ' αλκυόνεσσι φορευ̃μαι., wo die Erklärer erzählen daß Keyx d. h. der Taucher, auch ein Vogel mit klagendem Tonκήυξ und κήξ, Od. 15, 479 άντλω δ' ενδούπησε πεσου̃σ' ως ειναλίη κήξ, auch κηρύλος d. i. das Männchen der alkyonischen Vögel, nach Antigon. Mirab. 23 (27), wo die Verse Alkmans (fr. 21) wenigstens ein enges Verhältniß zwischen diesem Vogel und den alkyonischen beweisen, vgl. Plin. 32, 86, Schol. Arist. Av. 250. 299. Dieselben Verse Alkmans dienen zur Erklärung von Lukian Okyp. 113 οποι̃α κήυξ εξεθρήνει τὸν πόδα, wie Nauck Philol. 12, 647 für κήρυξ hergestellt hat., und Alkyone d. h. der Eisvogel Mann und Frau und so hochmüthig gewesen wären, daß sie sich mit Zeus und Hera verglichen hätten, worauf die Götter sie in jene Vögel verwandelten. Doch habe Zeus aus Mitleid mit der Alkyone den Winden befohlen während ihrer Brutzeit d. h. sieben Tage vor und sieben Tage nach dem kürzesten Tage nicht zu blasen, daher diese Tage die alkyonischen genannt wurdenSchol. Il. 9, 561, Apollod. 1, 7, 4. Schon Simonides und Pindar haben in diesem Sinne von den alkyonischen Vögeln gesungen, s. Aristot. H. A. 5, 8 u. Schol. Apollon. 1086 und über die alkyonischen Tage Bekker An. 377, 26, Suid. v. αλκυον. ημ., Schol. Arist. Ran. 1309. Der Vergleich mit Zeus und Hera ist durch die Schönheit dieser Vögel und das regenbogenartige Spiel ihrer Farben motivirt, s. Lange verm. Schr. 211.. Andre Dichter heben die treue Liebe dieses Paars hervor, welche sich bis in den Tod bewährt. Keyx, hier der König von Trachis, trennt sich von der zärtlichen, ihn über Alles liebenden Alkyone, weil er auf die See muß. Hier leidet er Schiffbruch, seine Leiche treibt zurück an die Küste der Heimath, dort empfängt Alkyone sie mit so heißen Klagen daß die Götter beide in jene Vögel verwandeln, welche gleich berühmt wegen ihrer ehelichen Zärtlichkeit warenOvid M. 11, 270 ff. 410 ff., Hygin f. 65. Auch Plut. de sol. an. 35 rühmt die Zärtlichkeit dieser Vögel, indem er zugleich den Bau ihrer Nester ausführlich beschreibt.. Oder man nannte sie die verwandelten Töchter des Riesen Alkyoneus, welche sich nach dem Tode ihres Vaters von dem kanastraeischen Vorgebirge der Halbinsel Pallene ins Meer gestürzt hätten und durch Amphitrite in jene Vögel verwandelt worden wärenBekk. An., Suid. Bei Virg. Ge. 1, 398 sind sie Lieblinge der Thetis. Nach der Hedyle b. Athen. 7, 48 bringt der verliebte Glaukos der Skylla bald eine Muschel bald τοὺς αλκυόνων παι̃δας έτ' απτερύγους zum Spiel für die Nymphe.. So lebhaft 251 beschäftigten auch diese Thiere den Geist und die Phantasie der griechischen Küstenbevölkerung.

Ein zweites Abenteuer des Herakles in dieser Gegend und während dieses Aufenthaltes ist der Kampf mit dem kriegerischen Kyknos, einem Sohne des Ares und der Pyrene, von dem in verschiedenen Gegenden erzählt wurde, gewöhnlich mit Beziehung auf Apollinischen Dienst und die pythische Processionsstraße, welche aus dem Tempethale über Larisa und Pherae ans Meer bei Pagasae und dann über Itonos nach Lamia und durch das Land der Malier und Aenianen über den Oeta nach Delphi führte. Bei Hesiod ist der Ort des Kampfes der Pagasaeische Hain des Apoll in der Nähe von IolkosApollo Παγασαι̃ος oder Παγασίτης, durch dessen Hain der Anauros ins Meer floß, s. Scut. Herc. 70. 587 Hesych Παγασίτης ’Απόλλων παρὰ ’Αχαιοι̃ς εν Παγασαι̃ς καὶ παρὰ Θεσσαλοι̃ς, Apollon. 1, 404. 411. Auch Eurip. Herc. f. 389 bezieht sich auf diese Gegend, wo es gleichfalls ein Amphanaea gab., bei Pausanias 1, 27, 7 in der Gegend des Peneios, noch Andre erzählten von diesem Kampfe in der des makedonischen Flusses EchedorosApollod. 2, 5, 11, dahingegen 2, 7, 7 der Kampf in der Gegend von Itonos stattfindet.. Wahrscheinlich ist Kyknos d. h. der Schwan ein Symbol der stürmischen Fluth, in welchem Sinne er den Triton begleitet (1, 468) und in einer andern Personification bei der ersten Landung der Griechen vor Troja mit Achilles kämpft. Immer wird er als gewaltthätig und räuberisch beschrieben, im Hesiodischen Schilde 479. 480 als Wegelagerer, der beim Haine des Apoll den Processionen auflauert, daher Apollo den Herakles gegen ihn aussendet (69). Der Kampf ist auch von Stesichoros geschildert worden und wird von vielen Vasenbildern gefeiert, die wie gewöhnlich mehrere Götter theilnehmen lassenGerhard A. V. 121–124. Außer Athena und Ares sind Zeus und Poseidon zugegen, vgl. Hesiod v. 103, wo Iolaos zum Herakles sagt, Zeus schütze ihn καὶ ταύρεος ’Εννοσίγαιος, ὸς Θήβης κρήδεμνον έχει ρύεται τε πόληα, bisweilen auch Nereus. Poseidon ist der Hippios, dessen Roß Areion den Wagen des Herakles zieht. Auch wird der Kampf gewöhnlich als ritterlich heroischer beschrieben und vorgestellt. Als plastisches Werk sah man ihn am Amyklaeischen Thron und auf der Burg von Athen. Noch ist eine Darstellung der Art als Metope am Theseion erhalten.. Bei Hesiod kommt Herakles im Geleite seines treuen Waffengefährten Iolaos und der Athena, während dem Kyknos sein Vater Ares zur Seite steht, der nach Stesichoros und Pindar den Helden anfangs zurückschlugOl. 11, 15 τράπε δὲ Κύκνεια μάχα καὶ υπέρβιον ‛Ηρακλέα. Nach den Schol. zu vs. 19 mißhandelte Kyknos, ein Sohn des Ares, die Fremden auf der Straße durch Thessalien. Er schnitt ihnen die Köpfe ab, um seinem Vater einen Tempel daraus zu bauen. So lange dieser ihm beistand, konnte H. ihn nicht bezwingen, hernach besiegte und tödtete er ihn unter dem Beistande der Athena. Nach Stesichoros im Kyknos., 252 obwohl derselbe nach Hesiod mit dem stürmischen Kriegsgotte bei dieser Begegnung eben so leicht fertig wurde, wie er bei Pylos mit ihm fertig geworden war. Andre erzählten daß Zeus zuletzt mit seinem Blitze die beiden Söhne getrennt habe. Der gefallene Kyknos wird von dem Könige Keyx nach ritterlicher Weise bestattet, aber Apollo zerstört das Grabmal des Verhaßten durch den stürmischen Fluß Anauros.

Bei Apollodor 2, 7, 7, wo Kyknos dem Helden bei dem Zuge von Trachis gegen die Lapithen im nördlichen Thessalien entgegentritt, folgt nach diesem Kampfe ein gleichartiger mit dem Könige Amyntor von Ormenion, der dem Helden gleichfalls die Straße versperren will, daher er auch ihn tödtetDiod. 4, 37, nach welchem dieses Ormenion in der Pelasgiotis zwischen Pherae und Larisa lag, also identisch mit Armenion war. Amyntor ist Sohn des Ormenos und Vater des Homerischen Phoenix Il. 9, 448. Seine Tochter Astydameia gebiert nach Pindar u. A. s. Schol. Ol. 7, 42 vom Herakles den Tlepolemos, den Archegeten der Rhodier, nach Diodor dagegen den Ktesippos.: in welcher Sage also die Beziehung auf jene heilige Straße von Delphi nach dem Tempethale von neuem hervortritt. In der That erscheint Herakles in diesen Sagen immer als Vorkämpfer des pythischen Apollon am Olymp und am Parnaß, der die Straße dieses Gottes von seinen Feinden säubert und ihm widerspenstige Völker bezwingt: vielleicht nur ein Repräsentant des alten amphiktyonischen Bundes der streitbaren Völker hellenischen Stammes, welche am Parnaß und Oetagebirge wohnten und unter denen sich frühzeitig die Dorier, die Erben der hellenischen Myrmidonen, vor allen übrigen hervorthaten.

Diese dorischen Sagen vom Herakles waren in jenem alten epischen Gedichte Aegimios behandelt, von welchem leider wenig erhalten ist. Auch leidet die Ueberlieferung an Widersprüchen, da zwischen den Wohnsitzen der Dorier am Oeta und denen am Olymp nicht gehörig unterschieden wird. Als Feinde der Dorier erscheinen die mythischen Lapithen und zwar die in der Gegend des Tempepasses unter dem Könige Koronos. Auch bei diesem kehrt Herakles gelegentlich als Gast ein und verzehrt einen ganzen Stier, so daß nicht einmal die Knochen übrig 253 bleibenPhilostr. Imag. 2, 24 nach Pindar s. die Ausgabe von Boeckh 2, 2, 638., was von selbst an die Dryoper und ihren König Theiodamas erinnert. Auch heißt es daß ein Dryoperkönig Laogoras mit den Lapithen verbündet gewesen sei und in seinem Uebermuthe in dem Haine Apollons geschmaust habe, weshalb Herakles ihn tödtet (Apollod. l. c.): so daß die mythischen Lapithen, die Feinde der Dorier, und die historischen Dryoper, die Feinde der den Doriern sehr nahe verwandten Malier, fast wie zwei verschiedene Bilder für dieselbe Thatsache aussehen, zumal da der Kampf des Herakles für Aegimios und die Dorier von Manchen in die Gegend am Oeta verlegt wurdeEphor. u. Strabo l. c. Aegimios soll als permanenter König der Dorier 200 Jahre gelebt haben, Plin. 7, 154. Die Feindseligkeit der Dryoper gegen Apoll findet ihr mythisches Vorbild in den Phlegyern vom Parnaß (S. 14), welche den Lapithen nahe verwandt sind.. Nach der gewöhnlichen Tradition befanden sie sich indessen bei dieser Bedrängniß in der Hestiaeotis d. h. im nördlichen Thessalien, wohin auch die Sage von Koronos, dem Sohne des Kaeneus, weist (S. 11). Denn so sehr war Aegimios, der berühmte Gesetzgeber und König der Dorier, bei diesem Kriege ins Gedränge gerathen, daß er den Herakles zu Hülfe rufen mußte, mit dem Versprechen ihm den dritten Theil seines Gebietes und die königliche Würde abzutretenDiod. 4, 37, Apollod. 2, 7, 7.. Herakles bricht auch zu diesem Zuge von Trachis auf, bezwingt die Lapithen, tödtet den Koronos und übergiebt das Land dem Aegimios, der es für seine Nachkommen aufbewahren möge. Nach dem Tode des Herakles adoptirt Aegimios seinen erstgebornen Sohn den Hyllos, von dem alle folgenden Könige der Dorier abstammten und die eine der drei dorischen Phylen ihren Namen hatte, während die beiden andern sich von den Söhnen des Aegimios herleitetenPindar P. 1, 62; 5, 70, Ephor. l. c. Αιγίμιος γὰρ η̃ν τω̃ν περὶ τὴν Οίτην Δωριέων βασιλεύς. έσχε δὲ δύο παι̃δας Πάμφυλον καὶ Δυμα̃να καὶ τὸν του̃ ‛Ηρακλέους ‛Ύλλον εποιήσατο τρίτον, χάριν αποδιδοὺς ανθ' ω̃ν ‛Ηρακλη̃ς εκπεπτωκότα κατήγαγεν.. Diese dorischen Herakliden waren von ihrer glorreichen Abstammung so fest überzeugt daß sie darauf ihre Ansprüche an Argos und den Peloponnes begründeten und sich sogar nicht für eigentliche Dorier, sondern für Achaeer gehalten wissen wollten (Herod. 5, 72). Indessen möchten sie was jene Abstammung betrifft kein besseres Recht gehabt haben als die zahlreichen anderen Herakliden, welche in 254 Griechenland fast in allen Gegenden und außerhalb Griechenlands auch bei vielen Völkern zu finden waren.

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