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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 62
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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6. Tegeatische Sagen und der Zug gegen Lakedaemon.

Diese tegeatischen Sagen hängen mit dem alterthümlichen Dienste der Athena Alea (1, 156) zusammen. Demselben entsprechend wurde als Landesheros Aleos genannt, dessen Sohn Kepheus König von Tegea ist und dessen Tochter Auge d. i. die Strahlende, ein Bild des Mondes, die Priesterin der Athena heißt. Diese wird vom Herakles im Rausche geschwächt, bei einer Quelle in der Nähe des Tempels der Athena, als sie ihrer Göttin zu Ehren einen Reigentanz aufführt. Sie gebiert darauf einen Sohn und verbirgt das Kind aus Angst vor dem Vater in dem Heiligthume der keuschen Göttin, die das Land ihren Zorn über den Frevel durch eine Pestilenz empfinden läßt. Nun wird Τήλεφος d. i. der Fernleuchtende, der Morgenstern, in das der Artemis geheiligte Jungfrauengebirge (Παρθένιον όρος) auf dem Wege nach Argos getragen, wo eine gehörnte Hirschkuh, das heilige Thier der Artemis, das uns schon bekannte Symbol des Mondes (S. 196) es ernährtΤηλέφου τέμενος auf jenem Berge, Paus. 8, 54, 5 Τηλέφου εστία in der Gegend des Artemision von Oenoe, Apollod. 1, 8, 6. Auf einem Gemälde aus Herculanum b. Zahn 1, 18; 3, 1–3 findet Herakles sein Kind selbst bei der Hirschkuh im Gebirge, etwa so wie in der gleichartigen Sage von Phigalia, Paus. 8, 12, 2. Andre auf diese Sage bezügliche Bildwerke b. O. Jahn Teleph. u. Troilos 46 ff, Archäol. Beitr. 233 ff. Der Name Τήλεφος wurde gewöhnlich durch die Hirschkuh erklärt, θηλὴν υποσχούσης ελάφου Apollod. 3, 9, 1.. Die Mutter wird dem Nauplios übergeben um sie ins Meer zu versenken, doch wird sie erhalten und 242 nach Mysien verschlagen, wo der Landeskönig Teuthras sie zu seiner Gemahlin erhebt. Telephos aber wächst unter den Hirten des Gebirges heran, sucht und findet endlich seine Mutter, wird von Teuthras als Sohn anerkannt und folgt ihm als König. Oder Mutter und Kind werden wie Danae und Perseus zusammen ins Meer gesetzt und gelangen so nach Mysien, wie namentlich Hekataeos von Milet erzählt hattePaus. 8, 4, 6. Auch Euripides hatte so gedichtet, Str. 13, 615. Andre Erzählungen b. Alkidamas Od. p. 670 Bekk., Paus. 8, 48, 5, Diod. 4, 33, Hygin f. 99. 100, Seneca Herc. Oet. 366.. Doch muß die Sage von Telephos auch der einheimischen Ueberlieferung der mysischen Völker vertraut gewesen sein, da er schon der Odyssee 11, 519 als asiatischer König und Held bekannt ist und als solcher noch mehr in dem Sagenkreise der Kyprien hervortrat, in welchem Gedichte vermuthlich die Identität des arkadischen und des mysischen Telephos zuerst ausgesprochen wurde. Nachmals ist die an außerordentlichen Verhängnissen reiche Geschichte der Auge und des Telephos von den drei Meistern der attischen Tragödie, Aeschylos Sophokles und Euripides, dramatisch überarbeitet und dadurch die Fabel noch weiter ins Einzelne ausgebildet und verbreitet wordenEs gehören dahin von Aeschylos die Myser, von Sophokles die Aleaden und die Myser, welche vermuthlich mit dem einmal citirten Telephos identisch waren, von Euripides die Auge. Die Sage daß Herakles den Telephos im Rausch erzeugt habe paßte auch für die Komiker, s. Meineke Com. Gr. 1, 259. 360., daher auch die Künstler sich oft mit ihr beschäftigten. Dazu kam daß Telephos für den Nationalhelden und Archegeten der mysischen Pergamener und ihrer Könige, der Attalen galtΤηλεφίδαι für Pergamener in dem Orakel C. I. n. 3538, 11. Die Pergamenischen Könige rühmten sich durch Telephos vom Herakles und durch Lysidike, die Mutter der Alkmene, vom Pelops abzustammen, s. die Verse Nikanders b. O. Schneider p. 1. 2. Grynus Eurypyli filius, Serv. V. Ecl. 6, 72. Grabmal der Auge bei Pergamon nach Art der lydischen und etrurischen, Paus. 8, 4, 6. Auch in Lykien gab es einen Τηλέφιος δη̃μος und eine Τηλέφου κρήνη, Steph. B., daher er und sein Sohn, der aus der kleinen Ilias bekannte Eurypylos, zu den angesehensten Herakliden gehörten. Die ganze Sage ist auch deshalb von besonderem Interesse, weil die deutlich als Mondgöttin charakterisirteVorzüglich dadurch daß Eileithyia in Tegea Αύγη εν γόνασιν hieß, Paus. 8, 48, 5 vgl. 1, 402. Aber auch durch das parallele Bild der Μαι̃ρα d. h. der Schimmernden, Glänzenden im Gebiete von Mantinea, Paus. 8, 12, 4; 48, 4. Auge dadurch daß sie aus Tegea nach Mysien verschlagen 243 wird eine Parallele zu der aus Amyklae nach Troja entführten Helena darbietet. Sie kann aber auch als Beispiel einer alten Verbindung zwischen Kleinasien und Italien angeführt werden, da auch in diesem Lande, namentlich bei den campanischen Tyrrhenern, die Fabel vom Telephos und seiner wunderbaren Jugend eine nationale warRöm. Myth. 666..

Auch beim Zuge gegen Lakedaemon befindet sich Herakles in Tegea. Seine Feinde sind Hippokoon und die Hippokoontiden, welche den Tyndareos und die Tyndariden vertrieben und dem Herakles einen nahen Verwandten, Oionos den Sohn des Likymnios, zu Tode geprügelt hatten, als das Kind den königlichen Palast besehen wollte und sich gegen einen herausspringenden Hund durch einen Steinwurf vertheidigteApollod. 2, 7, 3 vgl. Clem. Al. Pr. p. 31 P. u. die Scholien dazu p. 107 ed. Klotz, welche sich auf ein Gedicht des Alkman berufen. Vgl. Herod. 5, 60 u. Paus. 3, 15, 3; 19, 7, nach welchem sich ein Denkmal des Οιωνὸς neben dem Herakleion in Sparta befand und der Beiname des Asklepios Κοτυλεὺς von der Heilung des an der Hüfte (κοτύλη]) verwundeten Herakles verstanden wurde. Mehr von den Hippokoontiden oben S. 91.. Man erzählte auch hier daß Herakles, als er diese That alsbald strafen wollte, sich zuerst an der Hand oder an der Hüfte verwundet zurückziehen mußte. Daher fordert er jetzt den König Kepheus von Tegea und seine zwanzig Söhne zur Theilnahme an der Rache auf. Kepheus weigert sich weil er einen Angriff der Argiver auf seine Stadt fürchtet, aber Herakles sichert diese dadurch daß er eine von der Athena empfangene Locke des Medusenhauptes der Tochter des Kepheus Sterope übergiebt um sie beim Herannahen der Feinde dreimal über die Mauer zu haltenApollod. l. c, Paus. 8, 47, 4, wo Kepheus diese Locke von der Athena Polias von Tegea selbst bekommt, welches dadurch für immer uneinnehmbar wird. Auch eine M. von Tegea bezieht sich darauf, s. O. Müller kl. d. Schr. 2, 171. 176. Das Gorgoneion hat in dieser Sage wie oft die Bedeutung eines magischen Schutz- und Schreckmittels.. Als es zum Treffen kommt fallen alle Hippokoontiden, aber auch die große Mehrzahl der Söhne des KepheusDie Namen von zwölf Hippokoontiden b. Apollod. 3, 10, 5. Nach Diod. 4, 33 waren es zwanzig, doch fallen bei ihm nur zehn. Vom Tode des Iphikles in dieser Schlacht Plut. Qu. Ro. 90. Bei Eur. Herakl. 740 spricht der alte Iolaos mit Emphase von derselben.. Darauf setzt Herakles Tyndareos und seine Söhne wieder in ihre Herrschaft ein, nach Einigen mit der Weisung dieselbe für seine Nachkommen aufzubewahren, worunter natürlich die dorischen Herakliden zu verstehen sind. 244

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