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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 60
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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4. Die Aktorionen und der Zug gegen Elis.

Die Sage von den beiden Aktorionen oder Molioniden in Elis, den gewaltigen Streitern des Augeias, die selbst den Herakles zurücktrieben und nur durch List von ihm überwältigt werden konnten, ist eine sehr alte. Sie waren nach der Ilias 23, 641 δίδυμοι, was man gewöhnlich so auffaßte daß sie wie die drei Leiber des Geryon an einander gewachsen waren, wie sie auch durch alte Bildwerke vergegenwärtigt sein mögenNach Schol. v. 638. 639 erklärte Aristarch den Ausdruck δίδυμοι nach Anleitung des Hesiod, der sie τερατώδεις nannte, durch διφυει̃ς, δύο έχοντας σώματα καὶ συμπεφυκότας αλλήλοις, dahingegen Pherekydes nach Schol. Il. 11, 709 jedem einen Leib, zwei Köpfe, vier Hände und vier Füße gab. Die ältere Bildung möchte der des Geryoneus geglichen haben, der auch bisweilen διφυής, nicht τρισώματος ist, s. oben S. 203, [Anmerkung 722]. ‛Ηρ. αποκτείνων τοὺς παι̃δας τοὺς ’Άκτορος am Amyklaeischen Thron Paus. 3, 18, 8 vgl. Welcker A. D. 2, 328 ff. t. 16, 33.. Immer sind sie die Einheit von zwei Personen, daher stets im Dual benannt, ’Ακτορίωνε und Μολίονε oder zugleich ’Ακτορίωνε Μολίονε (Il. 11, 709. 750; 23, 638). Aktorionen hießen sie nach ihrem Vater Aktor d. i. der Führer’Άκτωρ von άγω i. q. ηγεμών, στρατηγός, βασιλεύς, Aesch. Pers. 557 Σουσίδος φίλος άκτωρ, Eum. 399 ’Αχαιω̃ν άκτορές τε καὶ πρόμοι., der für einen Bruder des Augeias und für den Gründer der alten Epeierburg Hyrmine am Meere galt, doch nannte man sie auch Söhne des 238 Poseidon (Il. 11, 751). Molioniden hießen sie als Reisige oder nach der Mutter d. h. als τέκνα Μολιόνης, wie sie bei Hesiod, Pindar und Ibykos genannt werden, welcher letztere sie gleich den Dioskuren aus einem silbern schimmernden Ei geboren werden ließb. Athen. 2, 50 τούς τε λευκίππους κόρους τέκνα Μολιόνας κτάνον, άλικας ισοκεφάλους ενιγυίους (d. h. mit einem und demselben Leibe), αμφοτέρους γεγαω̃τας εν ωέω αργυρέω, ohne Zweifel um ihre engverbundne Zwillingsnatur auszudrücken. Homer benennt Niemanden nach der Mutter, wie Schol. Il. 11, 709 bemerkt. Vielmehr wird in der älteren Dichtersprache Μολίων i. q. μαχητὴς sein, vgl. μόλος ’Άρηος d. i. i. q. μω̃λος u. μόθος und Μόλος den Vater des Meriones. Ein Fest Μώλεια in Arkadien zum Andenken an einen einheimischen Helden und seinen Sieg, μω̃λος γὰρ η μάχη, Schol. Apollon. 1, 164.. Ihre eignen Namen sind Κτέατος und Εύρυτος, was auf reichen Besitz und strömende Fülle deutet. Nestor weiß gewaltige Dinge von den Thaten seiner Jugend selbst wider solche Helden zu erzählen, die er in der Schlacht erlegt hätte, wenn nicht Poseidon ihnen zu Hülfe gekommen wäre, und denen er in einem Wettrennen nur deshalb unterlag, weil sie δίδυμοι und deshalb geschickter zum Wagenfahren warenIl. 11, 750 ff.; 23, 638. Von den Molioniden stammen die Führer der Epeier vor Troja, Amphimachos u. Thalpios, geboren von zwei Zwillingsschwestern, Theronike u. Thereiphone, den Töchtern des Dexamenos von Olenos, Il. 2, 620, Paus. 5, 3, 4. Von einem Zuge der Molioniden gegen Dyme d. i. Olenos dichtete Antimachos.. Die eigentliche Glorie aber dieses Heldenpaars ist die daß selbst Herakles ihnen weichen mußte, wovon gleichfalls alte Sagen erzählten (Pindar Ol. 11, 25 ff.), die wir in der Ueberarbeitung solcher Sagenschreiber kennen, welche sich durch örtliche Ueberlieferungen der arkadischen Stadt Pheneos bestimmen ließen. Denn es ist eine Eigenthümlichkeit des sich hier anschließenden Kriegs gegen Elis, daß Herakles ihn von diesem Orte aus führte, der sich eines längeren Aufenthalts und verschiedener Arbeiten und Stiftungen des argivischen Helden rühmte, namentlich der Anlage der für die Cultur seines eng verschlossenen Thales überaus wichtigen KatabothrenPaus. 8, 14, 2 ff., Catull 68, 109, vgl. Curtius Peloponn. 1, 185 ff. Ueber den Zug, auf welchem H. den Areion geritten haben soll, Paus. 8, 25, 5, Apollod. 2, 7, 2, Diod. 4, 33. Nach Hekataeos b. Str. 8, 341 nahmen auch die Epeier an dem Zerstörungszuge des H. Theil, und spätere Fabulisten ließen Pheneaten und Epeier mit dem H. sogar bis Rom gelangen, Dionys. H. 1, 34. 42.. Der Zug ist gegen den König Augeias von Elis gerichtet, weil derselbe den für die Reinigung seines Stalls bedungenen Lohn geweigert und seinen dem Herakles eng 239 befreundeten und verbündeten Sohn Phyleus vertrieben hatDem Phyleus allein hatte H. sich durch einen Eid verbindlich gemacht, Plut. Qu. Ro. 28.. Die Sache des Augeias wird vertreten von den beiden Aktorionen und von Amarynkeus d. h. dem Strahlenden, dem auch der Ilias bekannten Epeierfürsten von BuprasionIl. 23, 630 vgl. Paus. 5, 1, 7. 8, Schol. Pind. Ol. 11, 46. ’Αμαρυγκεὺς von αμαρύσσω, αμάρυγξ i. q. αμαρυγή.. Beim ersten Angriff wird Herakles von den Molioniden mit großem Verlust zurückgeschlagen, nach Pindar weil sie ihn aus einem Hinterhalte überfielen, nach Andern weil Herakles bei diesem Zuge krank war. Dann aber lauert ihnen Herakles in einem Hinterhalte bei Kleonae auf, als sie eine Procession von Elis nach dem Isthmos zur Feier der dortigen Spiele geleitetenDaher ein Denkmal der Molioniden zu Kleonae Paus. 2, 15, 1 vgl. 5, 2, 1–3, Plut. de Pyth. or. 13, Aelian V. H. 4, 5., erschießt sie und zieht dann von neuem gegen Elis und Augeias, den er jetzt gleichfalls mit seinem Bogen tödtetPanyasis b. Clem. Al. Protr. 31 P. Wie ausgebildet die Sage war, in welche sich manche Erinnerungen aus dem Zuge der Herakliden mischten, sieht man aus Polyb. 4, 59, 5.. Der früher von seinem Vater vertriebene Phyleus kehrt aus Dulichion zurück, die Tochter des Augeias, deren Liebe dem Helden zur Eroberung von Elis geholfen, gebiert von ihm den Thestalos. Die Pheneaten aber zeigten die Denkmäler der auf jenem ersten Zuge Gebliebenen, namentlich das des Iphikles, den Buphagos bestattet habe d. i. wahrscheinlich Herakles selbst unter dem alterthümlichen Cultusnamen des VielfraßPaus. 8, 14, 6. Auch von Herakles selbst zeigte man in Pheneos Siegesdenkmäler, Aristot. Mirab. 58, Antigon. Mirab.131.. Wahrscheinlich stammt auch das Märchen von jenem engverbundenen Zwillingspaare aus einer älteren Natursymbolik, doch muß die Bedeutung dahingestellt bleiben. Die epische Sage sah in ihnen offenbar nur ein mit wunderbaren Kräften ausgestattetes Kriegerpaar.

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