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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 55
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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12. Kerberos.

Dieser Höllenhund ist ein Bild des Erebos, des unterirdischen Dunkels und ewigen Verschlusses (1, 630. 634), so daß der Sinn in welchem Herakles dieses Ungethüm von den Pforten des Aïdes in der Tiefe herauf ans Licht führt kein andrer sein kann, als daß er auch in dieses ewige Dunkel siegreich hineingedrungen und jenen Pforten ihren unüberwindlichen Schrecken genommen hat, ein Bild der Auferstehung wie das der täglichen SonneIn dem Turiner Todtenbuche heißt es u. A. »Ich lebe wiederum auf nach dem Tode wie die tägliche Sonne« Brugsch aegypt. Stud. 195.. Im ältesten Epos war diese Aufgabe des Eurystheus die schwierigste von allen (Od. 11, 623) und die Erzählung schon ziemlich ausgebildet. Hermes und Athena geleiten den Helden, der von der jähen Strömung der Styx verschlungen wäre, wenn Athena nicht geholfen hätte (Il. 8, 367). In dem Thore des Aïdes kam es zum Kampfe mit dem Fürsten der Unterwelt, den Herakles mit einem Pfeil verwundete (Il. 5, 395). Später haben sich örtliche Sagen, das Interesse der Mysterien und combinirende Dichter jüngeren Zeitalters eingemischtStesichoros hatte einen Kerberos gedichtet.. Die gewöhnliche Erzählung war daß Herakles durch den Schlund bei Taenaron hinabgestiegen und wieder heraufgekommen sei, obwohl später die Ansprüche sehr verschiedener Gegenden, 223 namentlich die von Hermione und Troezen und von Herakleia am Pontos auszugleichen warenS. Hekataeos b. Paus. 3, 25, 4, Eurip. herc. f. 23. 615, Xenoph. Anab. 5, 10, 2, Strabo 8, 363, Paus. 2, 31, 2; 9, 34, 4, wo H. mit dem Hunde in Boeotien beim B. Laphystion emporkommt, Schol. Nik. Alexiph. 13.. Die Mysteriensage berief sich auf die Einweihung des Herakles in die attischen Eleusinien, wodurch er von dem vergossenen Blute gereinigt und den herrschenden Mächten der Unterwelt so wohl empfohlen worden sei daß sie ihm den Kerberos freiwillig überließenDas Vasenbild bei Gerhard A. V. t. 69 scheint sich auf diese Einweihung zu beziehn. Unter den Schriftstellern gedenken ihrer zuerst Eurip. Herc. f. 613 u. Plato Axioch. 371 D. Als Grund der Reinigung wurde der Mord der Kentauren angegeben, Apollod. 2, 5, 12, Diod. 4, 14. 24.. Als er in die Unterwelt eintritt, so fährt jene Erzählung fort, verbreitet er einen solchen Schrecken daß alle Verstorbenen fliehen, bis auf Meleager und die GorgoVgl. Od. 11, 605. 634. Durch Perseus war Gorgo zur Verstorbenen geworden. Nach Serv. V. A. 6, 392 las man beim Orpheus daß Charon den Herakles aus Furcht gleich in seinen Kahn aufgenommen hatte und deswegen ein ganzes Jahr lang gefesselt wurde.. Gegen diese zieht er sein Schwerdt, doch erinnert ihn Hermes daß es nur ein wesenloses Bild sei. Meleager bittet ihn sich mit seiner Schwester, der durch seinen Tod vereinsamten Deianeira zu vermählenSchol. Il. 21, 194 nach Pindar. Meleager wurde auch von Polygnot in seiner Unterwelt hervorgehoben, Paus. 10, 31, 1, wahrscheinlich nach dem Vorgange der dort citirten Minyas. Ein Gegenbild zum Achill in der Homerischen Unterwelt.. Nahe bei den Pforten des Hades sieht er die tollkühnen Freunde, Theseus und Peirithoos, die dort sitzend an einem Felsen festgewachsen waren und flehentlich die Hände zu ihm emporstreckten. Den Theseus gelingt es ihm loszureißen, als er es auch beim Peirithoos versucht, erbebt die ErdeAußer Apollodor s. Panyasis b. Paus. 10, 29, 4, Diod. 4, 26, Plut Thes. 35, wo die Geschichte ganz euhemerisirt ist. Das Abreißen des mit dem Gesäß am Felsen festgewachsenen Theseus diente den Komikern zu allerlei Späßen, Schol. Arist. Eq. 1368, Suid. v. λίσποι.. Auch den Askalaphos befreite er von dem auf ihm lastenden Felsen, doch verwandelte ihn Demeter nun in eine EuleApollod. 1, 5, 3; 2, 5, 10. Vgl. Bd. 1, 646, [2038].. Um die Schatten mit Blut zu erquicken schlachtet er eine von den Kühen des Hades, worüber er mit ihrem Hirten Menoites, dem Sohne des Keuthonymos (S. 212, [Anmerkung 751]) in Kampf geräth und ihm beim Ringen die Rippen zerbricht. Endlich gelangt er zum Pluton, der ihm den Kerberos preisgiebt, 224 wenn er seiner ohne Waffen Herr werden könne; daher er ihn nur von seinem Harnisch und der Löwenhaut geschützt mit den Fäusten packt und trotz der Stiche des Schlangenschwanzes so lange würgt bis das Unthier mürbe wird. Darauf führt er ihn durch einen Aufgang in Troezen zu dem diesmals vollends entsetzten Eurystheus und bringt ihn zuletzt wieder in den HadesEs gab in Argos eine Quelle Κυνάδρα, aus welcher die Freigelassenen tranken, daher man sie auch ελευθέριον ύδωρ nannte, jenen Namen aber dadurch erklärte daß der Hund d. h. Kerberos bei ihr ausgerissen sei, Eustath. Od. 1747, 10, Hesych y. ελευθ. ύδωρ.. Auch viele Bildwerke stellen dieses Abenteuer dar und vorzüglich vergegenwärtigen einige Vasenbilder älteren Stils sowohl den Kerberos als den Antheil der begleitenden Götter, der Athena und des Hermes, durch lebendigen AusdruckVasenbilder älteren Stils b. Gerhard A. V. t. 129–131 vgl. das sehr alterthümliche b. dems. D. u. F. 1859 t. 125 u. das von Conze edirte Mon. d. I. 6, 36, Ann. 31, 398 ff., wo Eurystheus wieder einmal in seinem Fasse steckt. Ueber die späteren Darstellungen der Unterwelt, wo die Bändigung des Kerberos durch Herakles eine stehende Gruppe ist, s. 1, 647. Andre Bildwerke b. Zoega Bassiril. 2, 58 sqq..

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