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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 53
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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10. Geryoneus.

Ein Abenteuer welches die Volkssage, die Poesie und Kunst, auch die geographische und ethnographische Tradition und Forschung viel beschäftigt hat und der Erklärung manche Schwierigkeiten bietetVerschiedene Erklärungen b. F. Jacobs verm. Schr. 6, 145–167, Schoemann opusc. 2, 199–205, de Witte Hercule et Geryon, Nouv. Ann. de l'Inst. Arch. P. 1838 p. 107–141, 270–374, Wieseler in d. Hall. A. Encyclop. v. Geryon. Vasenbilder b. Gerhard A. V. t. 104–108 u. 323..

Die zu Grunde liegende Naturanschauung verrathen am meisten die Erzählung bei Hesiod th. 287 ff., einige Reste der Geryoneis des Stesichoros und verschiedene Andeutungen der 203 Volkssage und der ältesten Bilder. Geryon oder GeryoneusDer Name lautet bei den Schriftstellern Γηρυών, Γηρυόνης, Γηρυονεύς, wobei schon die alten Ausleger des Hesiod an den Winter dachten, απὸ του̃ γηρύω του̃ φωνω̃, διὰ τὰς τότε τω̃ν ανεμω̃ν καὶ όμβρων ταραχάς, b. Schoemann p. 201, 82. Auf einem Vasenbilde ältesten Stils lautet der Name Γαρυfόνης., wahrscheinlich von γηρύω, also der Schreier, der Brüller, wird genannt ein Sohn des Chrysaor d. i. des Blitzes (S. 65) und der Okeanine Kallirrhoe d. i. der Schönströmenden. Immer ist er Herr von großen Rinderheerden, recht fetten und strotzenden Kühen und Ochsen von purpurroter Farbe, welche unter der Hut eines Hirten Eurytion d. h. des Strömers und eines zweiköpfigen Hundes Orthros d. h. des mit dem frühen Morgen WachenApollod. 2, 5, 10 ει̃χε δὲ φοινικα̃ς βόας, ω̃ν η̃ν βουκόλος Ευρυτίων, φύλαξ δὲ ’Όρθρος ο κύων u. s. w. Vgl. Hesiod th. 293. 309. Ευρυτίων von ευ u. ρυτός, wie ρυγὰ ύδατα. ’Όρδρος ist mindestens eben so gut (vgl. ορθρογόη χελιδών Hes. O. D. 568) wie ’Όρθος d. i. erectus. Poll. 5, 46 nennt den Hund des Geryon einen Bruder des Kerberos und Gargettios, unter welchem Namen er ein Denkmal in Spanien habe., der vom Typhon und der Echidna abstammt, auf dem okeanischen Eilande Erytheia ihre Weide haben. Dieses Eiland, seinem Namen nach das röthliche, ist das des Sonnenuntergangs, daher auch die Heerden des Helios dort zu Hause sind, aber auch die des Aïdes, weil Sonnenuntergang und die Nacht des Todes sinnverwandte Gedanken sindApollod. 1, 6, 1; 2, 5, 10.. Doch verband man mit dem Bilde von dieser Trift des Geryon und dem von seinem ganzen Wesen nichts desto weniger die Vorstellung einer üppigen und strotzenden Fülle und FruchtbarkeitAuf der komischen Bühne in Athen war Geryones zum Bilde eines großmächtigen Herrn geworden, der seines Leibes mit auserlesenen Leckerbissen pflegte, s. Meineke Com. Gr. 1, 351; 3, 323., obwohl er selbst als ein wahres Ungethüm geschildert und abgebildet wird, mit drei Leibern (τρισώματος, tergeminus), drei Köpfen (τρικάρηνος), also sechs Händen und sechs Füßen, und dazu riesig und ganz gewappnet, furchtbar stark und mit mächtigen Flügeln versehen, wie ihn namentlich Stesichoros schilderte und wie die alterthümlichen Vasenbilder ihn malenStesichoros b. Schol. Hes. th. 287 vgl. Eurip. Herc. f. 1271 wo bei den Τυφω̃νες τρισώματοι Geryoneus gemeint ist, Lucret. 5, 28 tripectora tergemini vis Geryonai, Horat. Od. 2, 14, 7 qui ter amplum Geryon Tityonque tristi conspexit unda, Virg. A. 8, 202, Sil. Ital. 1, 278; 13, 200 u. A. Er wurde mit der Zeit zu einem der populärsten Riesen der griechischen Mythologie, daher sich auch seine Gebeine an verschiedenen Stellen fanden. Die älteren Bildwerke zeigen immer drei zusammengewachsene Männer, s. Paus. 5, 19, 1 τρει̃ς δὲ άνδρες Γηρυόνης εισὶν αλλήλοις προσεχόμενοι, ausnahmsweise auch wohl zwei, was sehr an die Molioniden der Sage von Elis erinnert, s. de Witte p. 123, Gerhard Apul. Vas. t. 10. Die späteren kennen ihn als einen Mann mit drei Köpfen und einer entsprechenden Anzahl von Gliedern, wie auch Apollodor ihn beschreibt: τριω̃ν έχων ανδρω̃ν συμφυὲς σω̃μα συνηγμένον εις ὲν κατὰ τὴν γαστέρα, εχισμένον τε εις τρει̃ς απὸ λαγόνων τε καὶ μηρω̃ν, vgl. Lukian Toxar. 62 οποι̃ον τὸν Γηρυόνην οι γραφει̃ς ενδείκνυται, άνθρωπον εξάχειρα καὶ τρικέφαλον. Der Γηρυόνης τετράπτιλος b. Aristoph. Acharn. 1082 ist Lamachos als unwiderstehlicher Kämpe mit vier Federbüschen.. Was kann dieser dreileibige, brüllende, 204 gewappnete und geflügelte Riese, der Sohn des Blitzes und der Fluth, mit seinen fetten Heerden auf der üppig getränkten Flur des abendlichen Okeanos, woher die Wolken kommen (1, 372), der Nachbar des Sonnenuntergangs und des Todes wohl anders bedeuten als den Sturmriesen des Winters, wie dieser in südlichen Ländern aufzutreten pflegt, mit heftigen Stürmen und Gewittern und RegengüssenDaher χειμών, hiems, vgl. Horat. Epod. 2, 29 tonantis annus hibernus Iovis, 51 intonata hiems, Plin. 2, 136 u. die Beschreibungen solcher Gewitter b. Minutoli Altes u. Neues a. Spanien 1, 22 u. b. Fernan Caballero: Es war eines Abends um die Tag- und Nachtgleiche. Der heitere glänzende Sommer schied und ließ die Erde ausgetrocknet und erschöpft zurück, der kalte strenge Winter kam sie wieder zu beleben, sie mit seinen Stürmen zu schütteln und mit seinem klaren Wasser fruchtbar zu machen. Er kündigte sich an durch ein furchtbares Gewitter, vor dem Alles erbebte, selbst die Gemüther der Menschen., welche letztere die durch den heissen Sommer erschöpfte Natur zugleich erquicken und befruchten. Daher diese zugleich furchtbar drohende und üppig fruchtbare Gestalt, eine riesige, da der Winter als furchtbar starke und wilde Naturmacht auch sonst als solche personificirt wirdGrimm D. M. 719.. Seine eigentlich mit den Heerden des Helios identischen und wie wir gleich sehen werden in örtlichen Ueberlieferungen gewöhnlich neben ihnen genannten Rinder, das sind die Tage des Jahres, wie in jener Fabel von den Heerden des Helios auf der Insel Dreispitz (1, 336) und in der von den Rindern des Apollo, die Hermes entführt (1, 302). Nur daß in dieser Fabel nicht von dem täglichen Wechsel von Licht und Dunkel die Rede ist, sondern von dem jährlichen des Sommers und des Winters, der langen und der kurzen Tage: daher Geryons Stallungen in der Gegend der Nacht und des finstern Aïdes sich befinden, in einer dunklen und schwer zugänglichen Höhle, deren schon die ältesten Dichter gedenkenHesiod th. 294 σταθμω̃ εν ηερόεντι. Stesich. fr. 5 εν κευθμω̃νι πέτρας. Auch die Vedas kennen dieses Bild von der Höhle, in welcher die gestohlenen Himmelskühe versteckt werden, bis Indra sie wieder befreit, doch wird es gewöhnlich anders gedeutet, s. A. Kuhn in Haupts Zeitschr. f. D. Alterth. 6, 119 ff., sein Gegner aber Herakles ist, der 205 stärkere Held des lichten Tages und der lichten Jahreszeit, welcher trotz aller Schrecknisse in seine Höhle dringt, wie Perseus in die der Gorgonen, und die entführten Rinder befreit. Darauf treibt er sie aus der nächtlichen Gegend zurück gegen Morgen, ein Segen und eine große Lust für alle Völker und Länder, durch die ihn der Weg führt, ihn und die Heerde des GeryonEine beliebte Vorstellung sowohl für die Sage als für die Kunst, z. B. am Amyklaeischen Thron ‛Ηρακλη̃ς τὰς Γηρυόνου βου̃ς ελαύνων Paus. 3, 18, 7 und auf Vasenbildern., aber auch ein Gegenstand vieler Nachstellungen von bösen Riesen und gefährlichen Recken, so daß er eine ganze Kette von Abenteuern zu bestehen hatte. Zuletzt werden die Thiere der argivischen Hera, der hehren Königin des Himmels, als Opfer dargebracht.

Diese Fabel war in Griechenland sehr verbreitet, daher man ihr unter verschiedenen Auffassungen begegnet. Scheint es doch selbst in Myken ähnliche Ueberlieferungen gegeben zu haben; wenigstens würden sich die Heerden des Königs Elektryon d. h. des Strahlenden, welche die Söhne des Pterelaos entführen und bei dem Könige Polyxenos von Elis unterbringen, dessen Name von selbst an das Reich der Schatten erinnert, Amphitryon aber der Vater des Herakles nach Myken zurückführtApollod. 2, 4, 6 vgl. Apollon. 1, 747 Schol., Tzetz. Lyk. 932. Πολύξενος wie Πολυδέκτης 1, 626 vgl. Aesch. Suppl. 157 τὸν πολυξενώτατον Ζη̃να τω̃ν κεκμηκότων. Auch die Sagen vom Augeias und von den Molioniden deuten auf sinnverwandte Ueberlieferungen., leicht so deuten lassen. Bestimmter sind die Andeutungen der Fabel in Akarnanien Epiros und Illyrien, in denen ausdrücklich von Geryon und seinen Heerden und von Erytheia und den Heerden des Helios die Rede ist. So namentlich in der Gegend von Apollonia und Orikos am ionischen Meerbusen, wo es ein Gefilde Namens Erytheia gab, auf welchem Geryones der Sage nach seine Heerde geweidet hatteSkylax peripl. p. 26. und zugleich ein Dienst des Helios mit heiligen Heerden bestand, welche unter der Aufsicht der angesehensten Bürger von Apollonia des Tages auf den Weiden des Flusses Aoos geweidet wurden, Nachts aber in einer Höhle fern von der Stadt ihre Stallung hattenHerod. 9, 93, Konon 30.. Also werden wir ähnliche Verhältnisse in andern 206 Gegenden voraussetzen dürfen, wie zu Ambrakia und in dem Lande der Amphilochen, wo nach der Behauptung des alten Geographen Hekataeos Erytheia und das Reich des Geryon zu suchen wäre, nicht in dem fernen Westen außerhalb der Heraklessäulen, wohin es der gewöhnliche Glaube versetzeArrian exp. Alex. 2, 16. Noch jetzt blüht die Viehzucht in diesen Gegenden, Heuzey le Mt. Olympe et l'Acarnanie p. 234 ff., ferner in Epiros und Chaonien, wo eine ausgezeichnete Rindviehzucht sich gleichfalls auf den Vorgang des Geryones berief, so steif und fest glaubte man an die historische Wirklichkeit seiner berühmten RinderVgl. die Nachrichten von den λαρινοὶ βόες, deren Name man bald απὸ Λαρίνου βουκόλου κλέψαντος τὰς ‛Ηρακλέους βου̃ς, bald richtiger von λαρὸν und λαρινεύειν i. q. σιτεύειν ableitete, also in dem Sinne von λιπαροί, Suid. v., Schol. Arist. Av. 465, Aelian N. A. 12, 11. Dahingegen die Πυρρικοὶ βόες und Πυρρικὰ πρόβατα von der Zucht des Königs Pyrrhos abgeleitet wurden, Aristot. H. A. 3, 21; 8, 7, Plin. 8, 176. Selbst in Syrien dachte man bei einer ausgezeichneten Race von Stieren an Geryones, von dem man auch dort erzählte, Oppian Kyneg. 2, 100 ff., Tzetz. Lyk. 697.. Und so hat es offenbar noch manche andre örtliche Tradition von diesen bedeutungsvollen Heerden, den Räubern die sich an ihnen vergriffen, der Strafe des Herakles gegeben, welche später sämmtlich mit den übrigen Erzählungen von der Geryonsfahrt zu einem Ganzen verarbeitet worden sind.

Eins von diesen Abenteuern muß wegen seiner besonderen Eigenthümlichkeit noch vorläufig besprochen werden, da der die Sonnenrinder entführende Riese hier nicht allein unter einem neuen Namen, sondern auch unter ganz neuen Umgebungen auftritt. Es ist dieses der schon bei der Gigantomachie erwähnte Riese Alkyoneus, dessen Name auf Frost und Eis und auf die Zeit der kürzesten Tage hinweist’Αλκυονεὺς vgl. αλκυών, alcedo, algeo, algor, Algidum. Der Spir. asper ist erst durch die falsche Etymologie für die alkyonischen Vögel von εν αλὶ κύειν entstanden. Den Bd. 1, 58 durch Vulcanismus erklärten zweiten Riesen von Phlegra Πορφυρίων würde ich vielleicht besser für einen Meeresriesen gleich dem Aegaeon gehalten haben, vgl. Il. 14, 16 ως δ' ότε πυρφύρη πέλαγος μέγα κύματι κωφω̃. Od. 13, 84 κυ̃μα δ' όπισθεν πυρφύρεον μέγα θυ̃ε πολυφλοίσβοιο θαλάσσης. Eurip. fr. 672 βίος δὲ πορφυρου̃ς θαλάσσιος. Cicero b. Non. Marc. 162 Quid? mare nonne caeruleum? at eius unda, cum est pulsa remis, purpurascit., also eine andre Personification des Winters, obwohl gleichfalls in der Gestalt eines Rinderhirten. Und zwar heißt es von ihm ausdrücklich, er habe die Kühe des Sonnengottes aus Erytheia hinweggetriebenApollod. 1, 6, 1 ου̃τος δὲ καὶ τὰς ‛Ηλίου βόας εξ ’Ερυθείας ήλασε. Vgl. Pind. I. 5, 32 τὸν βουβόταν ούρει ίσον ’Αλκυονη̃. Schol. βουβόταν δὲ τὸν βουκόλον φησί, παρ' ου̃ τὰς ‛Ηλίου βου̃ς απήλασε.. Auch 207 ist Herakles so gut sein Gegner wie der des Geryoneus, worüber wir vorzüglich durch verschiedene merkwürdige Vasenbilder belehrt werden, welche die Wichtigkeit dieser Quellen der mythologischen Tradition besonders einleuchtend machenSie sind herausgegeben und erklärt von O. Jahn Leipz. Ber. 1853 t. 5. 7–9 S. 135–145 und Stephani Parerga Archaeol. 15 S. 587 ff., vgl. Antiq. de Bosph. Cimmer. S. P. 1854 t. 63a n. 1.. Alkyoneus wird auf diesen Bildern immer als ein Riese von kolossaler Größe dargestellt, und zwar entweder in einen tiefen Schlaf versunken oder sich mit Mühe aus demselben aufrichtend, übrigens nach Art der Riesen ungeschlacht und mit einer Keule bewaffnet. Herakles überfällt ihn mit dem gewöhnlichen Beistande der Athena und des Hermes, auch des erstarrenden Todesschlafs, wie es scheint, welcher in Gestalt einer kleinen Flügelfigur nach Art der Keren zur Bezwingung des Riesen beiträgt. Also eigentlich ein Abenteuer für sich, wie es denn auch von Pindar bei wiederholter Erwähnung in diesem Sinne erzählt wird und die Thaten und Abenteuer des Herakles überhaupt erst durch die combinirende Sagendichtung in einen fortlaufenden Zusammenhang verwebt worden sind. So ist auch Alkyoneus später zu einer Episode geworden bald der Gigantomachie von Phlegra bald der Sage von der Heimkehr des Herakles mit den Rindern des Geryon, auf welche der Riese nun auf demselben thrakischen Isthmos von Pallene, wo jene Gigantomachie spielt, einen Angriff macht, einen so gewaltigen Felsen schleudernd (man zeigte ihn an Ort und Stelle), daß zwölf Wagen und vier und zwanzig Mann darunter begraben wurdenSchol. Pind. N. 4, 43 vgl. zu I. 5, 47. In Folge der Theilnahme des Alkyoneus an der Gigantomachie behauptete man später in Neapel daß er unter dem Vesuv liege, 1, 60, [99].. Immer fällt er dem Herakles; doch sieht man leicht daß in der älteren und unabhängigen Erzählung der erstarrende Schlaf, der ihn seiner Wehrkraft beraubte, eine Hauptsache gewesen sein muß. Es ist der Schlaf des Winters, in welchem ihm die Augen fest zufallen, wie jene Bilder es zeigen; wie es in deutschen Liedern, die von dem Kampfe zwischen Sommer und Winter singen, heißt daß dem Winter, wenn der Sommer über ihn kommt, die Augen ausgehn, daß er gefangen daliege, seine Sache ganz verloren habe u. s. w.Grimm D. M. 725. Vgl. über dieses alte Spiel und die dabei gesungenen Lieder Uhland in Pfeiffers Germania 5, 257 ff.. In der That die Parallele ist so einleuchtend wie 208 möglich, nur daß die griechische Mythologie die sinnlich vollen und reichlichen Gestalten der alterthümlichen Naturanschauung gewährt, Herakles als den Helden des Sommers und Alkyoneus oder Geryoneus für den Winter, das deutsche Lied dagegen nur die verkümmerten Nachklänge einer Vergangenheit, welcher durch das Christenthum die Wurzeln ihres Lebens abgeschnitten wurden.

Eine ganz andere Wendung freilich hat die Sage von Geryoneus und von seinem Rothland und von der Fahrt des Herakles in jener genommen. Sie ist, zur Anreihung von geographischen Fabeln und verwandten Märchen der westlichen Völker und Länder von selbst einladend, zu einer Hauptniederlage derartiger Erzählungen geworden.

Entscheidend war in dieser Hinsicht daß man sich das mythische Erytheia als ein Eiland im großen Weltmeere gegen Westen, also außerhalb der Säulen des Herakles dachte. Dadurch wurde man von selbst auf die Gegend von Gadeira oder Gades und auf den gesegneten Landstrich Tartessos im südlichen Spanien d. h. Turdetanien oder die spätere Baetica geführtTartessos der Griechen, das Tarsis der Bibel. Bei Stesichoros (Strabo 3, 148) ist es ein Fluß, nehmlich Baetis oder Quadalquivir, sonst bei den älteren Schriftstellern immer ein Land, das Stromgebiet dieses Flusses, ein altes Colonialgebiet der Phoeniker, erst später eine Stadt, s. Movers Phön. 2, 2, 594 ff., welcher in mehr als einer Hinsicht geeignet war die mythisch schwebende Vorstellung von der Geryonsinsel geographisch zu befestigen. Einmal wegen ihrer ausgezeichneten Fruchtbarkeit und ihres Reichthums an edlen Metallen, da man sich den Riesen, den Sohn des Chrysaor, doch immer als einen sehr reichen Herrn und Erytheia als eine sehr gesegnete Trift vorgestellt hatte. Zweitens wegen des nahen Zusammenhangs der Ueberlieferungen aus dieser Gegend mit denen von Gades und dem dortigen Heraklesdienste, welcher wie die wichtige See- und Handelsstadt Gades und die Cultur von Tartessos phoenikischen Ursprungs und ein alter Anknüpfungspunkt für viele halb mythische halb historische Traditionen der benachbarten Gegenden von Libyen bis Spanien Sardinien Sicilien und Italien war. Herakles erschien in ihnen nach Art des tyrischen Colonialgottes als kühner Seefahrer oder als Heeresführer, welcher an der Spitze eines gemischten Völkerhaufens durch Libyen nach Spanien vorgedrungen sei und dort Gades und viele andre Städte gegründet und den ganzen Westen 209 bezwungen habeAristot. Mirab. 100 (104), wo Iolaos Sardinien in Anspruch nimmt διὰ τὸ πάσης τη̃ς πρὸς εσπέραν κύριον ‛Ηρακλέα γενέσθαι. Vgl. Sallust Iug. 18, Plut. Sertor. 9, Varro b. Plin. 3, 8, Movers 2, 2, 110 ff. Als Gründer von Gades hieß Herakles nach dem Kaiser Claudius b. Et. M. v. Γάδειρα Archaleus (’Αρχαλεύς), welcher Name wohl erst aus dem italischen Hercoles entstanden ist. Gadeira d. i. Gadir, Agadir, Zaun, Mauer, Feste, ist die Insel und die Stadt. Vgl. Strabo 3, 168 ff., Movers 621 ff., bis er endlich zu Gades seinen Tod gefunden hatte, wie Minos in der sicilischen Stadt Minoa. Denn Gades galt zugleich für die Gegend des Sonnenuntergangs und das westliche Ende der Welt, so daß der tyrische Sonnenfürst dort natürlich zur Ruhe kamArnob. 1, 36 Tyrius Hercules – in finibus sepultus Hispaniae, vgl. Stat. Silv. 3, 1, 183, denn man glaubte daß dort, am westlichen Ende der Welt, auch die Sonne untergehe, Sil. Ital. 1, 198 ff. vgl. 3, 399 Tartessos stabulanti conscia Phoebo. Der weit und breit berühmte T. des Herakles lag am östlichen Ende der Stadt Gadeira, ein T. des Kronos d. h. des punischen Saturn am westlichen, Strabo 3, 169. Mehr über diesen Dienst, ein Filial des tyrischen Herakles, auch mit denselben Eigenthümlichkeiten des Cultus, b. Diod. 5, 20, Arrian 2, 16, Appian Hisp. 2, Mela 3, 6 u. A. Vgl. oben S. 168.. Lauter Fabeln welche wie der gaditanische Heraklesdienst, der angesehenste nächst dem tyrischen, das Alterthum viel und lange beschäftigt haben, von der Zeit der ältesten Blüthe der Phoeniken in diesen Gegenden bis zu den letzten des römischen Reichs. Vorzüglich aber haben sie auf die Entwickelung der griechischen Geryonssage und der von den Hesperiden einen bedeutenden Einfluß ausgeübt, da viele Elemente derselben offenbar phoenikischen oder punischen Ursprungs sind. Was das Alter dieser Dichtungen betrifft so waren es bekanntlich die Fahrten der Samier und Phokaeer, welche zuerst in jene von der Fabel und dem Aberglauben ängstlich behüteten Gegenden außerhalb der gaditanischen Meeresenge Licht gebracht habenHerod. 1, 163; 4, 152. Schon Anakreon wußte von dem reichen Tartessos und dem griechenfreundlichen Könige Arganthonios, Str. 3, 151.. Also werden in diesen Zeiten die Anfänge eines Gewebes zu suchen sein, an welchem die Sage, die Dichtung, die Historiographie des Westens weiter fortspann, zuletzt wohl Timaeos, welcher die meisten Fabeln des Westens zusammentrug. Genug es stand seit Hekataeos und Herodot, Aeschylos und Stesichoros fest, daß Erytheia und andre Wunder des westlichen Oceans in der Gegend von Gadeira und Tartessos zu suchen seien.

Die Erzählung selbst zerfällt in die drei Acte der Hinfahrt, des Kampfes und der Rückkehr.

210 Die Hinfahrt ist eine verschiedene je nachdem die alte Okeanosinsel Erytheia oder das geographisch bekannte Tartessos hinter Gadeira vorschwebte. Jene Insel erreichte Herakles nach der älteren Dichtung auf dem Sonnenbecher, von welchem namentlich Pisander, Stesichoros, Panyasis und Pherekydes erzählten und in welchem man den Herakles auch auf einem Vasenbilde durch die Okeanosfluth schiffend siehtVgl. die Auszüge b. Athen. 11, 38, Macrob. S. 5, 21, 19 u. Serv. V. A. 7, 662; 8, 300, wo H. zum Geryon gelangt olla aerea transvectus, tergo leonis velificans. Helios und Selene in Barken, nicht zu Wagen, auch nach aegyptischer Vorstellung, Plut. Is. Os. 34. Herakles in der Sonne, Hermes im Monde ib. 41.. Ohne Zweifel eine alte Vorstellung vom Herakles als dem durch die Fluth schiffenden Sonnengotte, wie bei jenem phoenikischen Bilde von dem Flosse und den verwandten Vorstellungen etruskischer Scarabaeen (S. 169). Die Dichter und Sagenschreiber erzählen daß Herakles sich diesen Becher vom Okeanos oder vom Nereus habe geben lassen, oder er zwingt den Helios ihn für die Fahrt herzugeben, wie Stesichoros dieses dichterisch ausgeführt hatteStesichoros b. Athen. l. c, Pherekydes b. Athen. 11, 39 u. Apollodor erzählen daß Herakles in dieser Gegend des Sonnenuntergangs so von der Sonne verbrannt worden sei, daß er seinen Bogen wider den Sonnengott spannte, worauf dieser aus Bewunderung seiner Tapferkeit den Becher freiwillig hergegeben habe.. Darauf schifft sich der Held also ein, wird aber unterwegs durch eine drohende Erscheinung des Okeanos und eine heftige Wallung der Urfluth beunruhigt, worauf er seinen Bogen spannt und gleich giebt Okeanos sich zur RuhePherekydes b. Athen. l. c. Ein alterthümlicher Zug, der an die Sagen von Apollo Delphinios und von den Dioskuren erinnert.. Nach der späteren Auffassung, wo Gades und Tartessos der Zielpunkt sind, zieht er dagegen im Sinne der phoenikischen Colonialsage mit vielem Volk durch Libyen, richtet die Säulen bei der Meeresenge von Gades auf und gelangt darauf nach Erytheia. Eine Tradition welche vorzüglich auf der Insel Kreta und in Libyen in Folge örtlicher Traditionen eine festere Gestalt gewonnen hatte, da Herakles auf jener Insel ein Heer gesammelt und zu seinem Zuge aufgebrochen sein soll, nachdem er zuvor den heiligen Boden, auf welchem Zeus geboren war, von allen wilden Thieren gereinigt habe, Libyen aber damals zuerst dem Anbau und der menschlichen Ansiedelung zugänglich gemacht und in ihm eine große und volksreiche Stadt Hekatompylos d. h. mit Hundert Thoren gegründet 211 hatteDiod. 4, 17. 18, welcher auch die Abenteuer mit Antaeos u. Busiris hiereinflicht. Zu den Begleitern aus Kreta gehörte Alkon, ein so guter Bogenschütze daß er durch einen auf den Kopf eines Menschen gestellten Ring schoß, Haare mit Pfeilen, Pfeile mit den Spitzen von Schwerdtern und Lanzen spaltete, und eine seinen Sohn umringelnde Schlange so geschickt traf daß sie getödtet, der Sohn nicht verwundet wurde, Serv. V. Ecl. 5, 11. Die Befreiung von wilden Thieren dankt das jetzige Kreta dem Apostel Paulus, Pashley 2, 261. Ueber Hekatompylos in Lybien s. Polyb. 1, 73, Diod. 24, 10.. Was jene oft erwähnten Säulen des Herakles betrifft so waren darüber die verschiedensten Vorstellungen verbreitet, indem man sie bald für Inseln hielt bald für künstliche Aufschüttungen bald für die Vorgebirge der beiden hier in ihren äußersten Spitzen zusammentreffenden Erdtheile bald für Säulen, welche sich in dem Tempel des gaditanischen Herakles befändenStrabo 3, 168–170, Diod. 4, 18, Hesych στήλας διστόμους, Plin. 3, 4 u. A.. Ja nicht einmal die Zahl dieser Säulen stand fest und eben so wenig ihr Ursprung durch Herakles, da Andre den Kronos oder den Meeresriesen Briareos als ihren Urheber nannten, wie denn auch von dem Kampfe zwischen Zeus und den Titanen oder Giganten in diesen Gegenden erzählt wurdeAelian V. H. 5, 3, Hesych Βριάρεω στη̃λω, Schol. Dionys. P. 64 u. 456. Säulen des Aegaeon nennt sie das Fragm. eines Dichters b. Schol. Pind. N. 3, 38. Titanomachie in saltibus Tartessiorum Iustin 44, 4 vgl. Movers Phöniz. 2, 2, 61, 14; 121, 236.. Sicher aber ist daß auch die Vorstellung von diesen Säulen phoenikischen Ursprungs ist, indem sie mit einer gewissen herkömmlichen Symbolik des tyrischen Heraklesdienstes zusammenhängtVgl. die Säulen im T. des H. zu Tyros Herod. 2, 44 und die beiden Säulen vor dem Salomonischen Tempel., und daß das Wesentliche dieser Vorstellung für die Griechen der Glaube war daß da wo sie ständen das westliche Ende der Welt, also auch das der Schifffahrt und überhaupt jedes vernünftigen Strebens seiPind. N. 4, 69 Γαδείρων τὸ πρὸς ζόφον ου περατόν, vgl. Ol. 3, 44, N. 3, 21, I. 4, 12 (3, 30), Str. 3, 170 ὰς Πίνδαρος καλει̃ πύλας Γαδειρίδας, εις ταύτας υστάτας αφι̃χθαι φάσκων τὸν ‛Ηρακλέα, Herod. 2, 33; 4, 8. 42. 43, Aristid. Herc. p. 56 u. A.. Daher man in späteren Zeiten, als die Erfahrung diesen Glauben längst widerlegt hatte, auch wohl von Säulen des Herakles in andern Gegenden erzählte z. B. in den Gewässern der Frisen oder im schwarzen MeereTacit. Germ. 34, Serv. V. A. 11, 262..

Es folgt der Kampf auf der Geryonsinsel, den die Vasenbilder so malen wie Apollodor ihn beschreibt. Als Herakles 212 angekommen lagert er sich auf dem Berge Abas (’Άβας d. i. άβατος). Der Hund des Riesen merkt ihn, springt auf ihn los, wird aber von der Keule des Helden niedergeschmettert, desgleichen der Hirt Eurytion, als er seinem Hunde zu Hülfe eilt. Nun treibt Herakles die Heerde fort längs der fetten Wiesen am Strome der Inselπαρὰ ποταμὸν ’Ανθεμου̃ντα, eine Andeutung der fetten Trift, vgl. Iustin 44, 4 in alia parte Hispaniae – regnum penes Geryonem fuit. In hac tanta pabuli laetitia est, ut nisi abstinentia interpellata sagina fuerit, pecora rumpantur u. Pomp. Mela 3, 6. Auf den Vasenbildern ist Athena zugegen nebst einer andern weiblichen Figur, welche für Geryons Tochter Erytheia zu halten ist, die Herakles nach der gewöhnlichen Sage mit sich fortführte.. Da meldet Menoitios, welcher in derselben Gegend die Heerden des Aïdes weidete, dem Geryones das Vorgefallene. Dieser also eilt dem Helden nach und ein heißer Kampf entbrennt zwischen ihm und dem dreileibigen Riesen, bis auch dieser seinem Bogen fällt. Merkwürdig sind die Heerden des Aïdes und ihr Hirt Menoitios oder MenoitesΜενοίτης Μενοίτας Μενοίτιος s. Bd. 1, 41, [46]. Bei Apollod. 2, 5, 12 heißt er ο Κευθωνύμου d. i. ein Sohn von dem dessen Name nicht genannt werden darf. neben denen des Helios und des Geryones, eine sinnreiche Umschreibung jenes Zwielichts in der Gegend des Sonnenuntergangs, in welcher das Dunkel und der Winter mit seinen kurzen Tagen zu Hause sind. Nach Stesichoros hauste Geryoneus beinahe gegenüber dem berühmten Erytheia (darunter verstand er gewisse Inseln in der Nähe von Gades) an den reichlich strömenden, im Silber wurzelnden Quellen des Flusses Tartessos (des Quadalquivir), in der verborgenen Schlucht eines FelsensStrabo 3, 148. Nach Hygin f. 30 durchbohrt Herakles alle drei Leiber mit einem Schuß. Nach Oppian Kyneg. 2, 112 tödtete er ihn εν σκοπιη̃σιν d. h. zwischen hohen Felsen. Vgl. S. 204, [Anmerkung 725]..

Endlich die Rückkehr von Erytheia nach Myken. Nach der älteren Sage, wie derselbe Stesichoros sie erzählt hatte, stellt Herakles die Rinder in den Sonnenbecher, schifft damit zurück bis Erytheia, giebt den Becher hier dem Helios zurück und setzt darauf seinen Weg zu Fuß die Rinder vor sich her treibend fortHier knüpfen namentlich die Verse des Stesichoros an, wie Helios nun seine Fahrt über den Okeanos zu den Seinigen angetreten habe, 1, 339, worauf von Herakles hinzugesetzt wird, er sei in einen Lorbeerhain getreten. Daß auch Helios mit seinen Pferden in dem Becher fuhr sagt Pherekydes b. Athen. 11, 39.. Der weitere Weg diente zur Anknüpfung vieler örtlichen 213 Sagen, deren Schema sich fortgesetzt erweiterte. Zunächst führt der Weg durch Iberien, wo Herakles bei einem frommen Könige einen Theil der Heerde zurückläßt, die nun zu seiner Ehre fort und fort unterhalten wird und jährlich den schönsten Stier zu seinem Opfer stelltDiod. 4, 18. Der Heraklescult war durch die Phoeniker in Spanien sehr verbreitet, namentlich in der Baetica, Movers 2, 2, 649. Doch verehrte ihn auch Sagunt als seinen Ktistes, Sil. It. 1, 273 ff. Derselbe erzählt ein Märchen vom Hercules und der Pyrene, von welcher das Gebirge seinen Namen bekommen, 3, 420 ff., vgl. Plin. 3, 8.. Weiter kommt der Held zu den Kelten in Gallien, nach Einigen bis nach Britannien, denn auch in diesen Gegenden wie bei den Germanen gingen Sagen und Lieder um von einem Nationalhelden oder einem Gott, welche sich auf den bekannteren Namen des Herakles übertragen ließen. Vorzüglich galt Alesia, die durch Caesar und Vercingetorix berühmt gewordene Bergfeste, ein durch Religion und Sage geheiligter Mittelpunkt des alten Galliens, für eine Gründung dieses keltischen HerculesDiod. l. c. Die Bildung des gallischen Hercules, welcher zugleich Bezwinger wilder Sitten und ein Held der Ueberredung war, beschreibt Lukian Herc., der ihn Ogmios nennt, während Inschriften b. Millin Mon. ined. 1 p. 97 t. 12 einen Hercules Ilunnus oder Astoilunnus kennen. Eine britisch-keltische Fabel, welche der skythischen nachgebildet ist, erzählt Parthen. Erot. 30. Ueber den deutschen Hercules s. Grimm D. M. 337.. Ferner befindet sich zwischen Marseille und der Mündung der Rhone, in der Gegend von Arles ein ödes, kieselbedecktes Steinfeld (πεδίον λιθω̃δες) von bedeutendem Umfange, eine wüste, baumlose, menschenleere Strecke, auf welcher Herakles der Sage nach einen furchtbaren Kampf mit den Ligyern zu bestehen hatte. Schon waren seine Pfeile verschossen, er selbst vor Mattigkeit in die Kniee gesunken, da ließ Zeus seinem Sohne zu Liebe die vielen Steine vom Himmel regnen, mit denen er nun seine Feinde zu Paaren triebDavon dichtete Aeschylos im gelösten Prometheus fr. 193, doch in einem andern Zusammenhange. Dionys v. Hal. 1, 41 u. Hygin P. A. 2, 6 combiniren das Abenteuer mit der Rückkehr von Erytheia, auch Seneca d. m. Claud. 7. An der Mündung der Rhone soll einmal eine Stadt Herakleia gelegen haben, Plin. 3, 33. 34; 21, 37. Ueber jenes Steinfeld s. Stark Städtel. in Frankr. 29.. Dann geht er zuerst über die Alpen, bändigt auch hier die Völker und gründet eine sichre HeerstraßeDiod. l. c. vgl. Aristot. Mirab. 85 u. Sil. It. 3, 496. Namentlich erklärte man sich den Namen der Grajischen Alpen durch seinen Uebergang, Plin. 3, 123. 134. Orakel des Geryon b. Padua, Sueton Tib. 14., durchzieht darauf das Flachland bis in die Gegend von Padua und hat in Ligurien neue Anfechtungen von 214 zwei Söhnen des Poseidon Alebion und Derkynos zu bestehen, die ihm seine fetten Kühe nehmen wollenApollod. ’Αλεβίων ist eine Art Alpenkönig, von dem keltischen Worte ’Άλπια, ’Άλβια. Ein Riese Alpus als Gegner des Bacchus 1, 552, [1748]. Einen König Dercennus im Lande der Aboriginer kennt Virg. A. 11, 850, auch gab es eine Quelle Dercynna in Thessalien u. eine Quelle Dercenna in Spanien, Philol. 10, 354. Bei Pomp. Mela 2, 5 kämpft H. bei Arles contra Albiona et Bergion, Neptuni liberos.. Weiter zieht er durch Tyrrhenien d. h. Etrurien, wo man auch an vielen Orten von ihm erzählte, nach Rom, wo er den Cacus bezwingt, ein Abenteuer welches mit den Zügen einer älteren griechischen Dichtung erst später auf den römischen Boden verpflanzt zu sein scheintRöm. Myth. 648.. Darauf gelangt er an der Küste hinziehend in die Gegend von Cumae, wo er auf den phlegraeischen Feldern mit den Giganten kämpft und am Strande den Damm aufthürmt, welcher ehemals den Averner- und Lucrinersee vom Meere schiedDer Damm der via Herculana, welchen Agrippa bei seiner Anlage des Portus Iulius durchstach, s. m. Bemerk. im Philol. 2, 485 u. Florus Epit. 2, 18. Noch andere Fabeln aus dieser Gegend b. Servius V. A. 7, 662 u. Tzetz. Lyk. 697. 717. Gigantomachie περὶ τὴν άκραν τὴν ’Ιαπυγίαν Arist. Mirab. 97 (100), wo hinzugesetzt wird: λέγουσι δὲ πολλαχου̃ τη̃ς ’Ιταλίας ‛Ηρακλέους ει̃ναι πολλὰ μνημόσυνα εν ται̃ς οδοι̃ς ὰς εκει̃νος επορεύθη. περὶ δὲ Πανδοσίαν τη̃ς ’Ιαπυγίας ίχνη του̃ θεου̃ δείκνυται, εφ' ὰ ουδενὶ επιβατέον. Auch die Münzen bestätigen diese allgemeine Verbreitung der Heraklessage u. des Heraklesdienstes.. In dem Gebirge zwischen Rhegium und Lokri soll er von dem Geschwirre der Cicaden in der Ruhe gestört die Götter um deren Entfernung gebeten haben, worauf sie in dieser Gegend für immer verschwanden. Auf der Wanderung durch das südliche Italien hatte sich ein Stier von der Heerde verlaufen und war bei Rhegium nach Sicilien hinübergeschwommen, daher auch Herakles über die Furt nach dieser Insel hinübersetzt, welche gewöhnlich für die Insel Dreispitz mit den Heerden des Helios galtFür den Ort ihrer Weide und Stallung galt die Halbinsel von Mylae. Schol. Apollon. 4, 965, Schol. Od. 12, 301, Seneca Qu. Nat. 3, 26, 6. und mit Sagen und Erinnerungen an Herakles und seine Rinder ganz erfüllt war. Er soll sich an die Hörner eines Stieres haltend hinübergeschwommen sein, was von selbst an die Sage vom kretischen Stier erinnertS. oben S. 200. Nach Paus. 3, 16, 4 brauchte er auch hier den Sonnenbecher, doch ist die Lesart unsicher. In Messana wurde H. als Heilgott und als Schutzgott in den Gefahren der See verehrt, neben Poseidon, Aristid. p. 59. Das verlaufene Stück der Heerde ist dasselbe welches zu der Benennung Italia Veranlassung gegeben haben soll, Hellanikos b. Dionys. H. 1, 35. Ueber die Skylla 1, 483, [1508]., und unterwegs die Skylla 215 für einen Raub an seiner Heerde gezüchtigt haben. Dann zieht er weiter zunächst an der nördlichen Küste, wo Kephaloidion ihm die Eindämmung seines stürmischen Flusses ThymbrisSchol. Theokr. 1, 118., Himera und Egeste ihre warmen Bäder verdankten, welche die Nymphen zu seiner Erquickung entstehen ließen. Am Berge Eryx hatte er einen harten Kampf mit dem gleichnamigen Riesen zu bestehen, dem Sohne des Butes (wieder ein Rinderhirt) oder des Poseidon und der erycinischen Aphrodite, welcher jenen verlaufenen Stier unter seine Heerde gesteckt hatte und nicht wieder herausgeben wollteApollod. 2, 5, 10, wo H. während des Suchens nach dem Stiere seine Heerde dem Hephaestos anvertraut, doch wohl am Aetna. Vgl. Herod. 5, 43 ff., Diod. 4, 23, Paus. 3, 16, 4, Plut. Pyrrh. 22, Serv. V. A. 1, 570; 5, 411, Mythogr. l. 1, 94., oder, wie Andere erzählten, mit allen Fremden auf den Tod zu kämpfen pflegte, in welcher Absicht er jetzt auch dem Herakles entgegentrat, sein Land gegen die Rinder des Geryon als Preis einsetzend. Doch unterlag er dreimal im Ringen, daher später ein Heraklide aus Sparta Dorieus auf das Land Anspruch zu machen und eine Stadt Herakleia zu gründen wagte, mitten im Gebiet der feindlichen Punier und Elymer, denen er und seine neue Gründung bald erlag. Herakles aber soll von dort weiter gezogen sein durch die ganze Insel, wie man denn fast überall von ihm erzählte. In Syrakus galt er für den Stifter des Gottesdienstes der beiden Göttinnen am Quell Kyane, im Innern für den Sieger über große Schaaren der eingebornen Sikaner und ihrer Anführer und Heroen. Bei Leontini bewunderte er die Schönheit des Thales und hinterließ die Zeichen seiner Gegenwart, bei Agyrion, wo in dem felsigen Boden der Straße die Hufe seiner Rinder zu sehen waren, stiftete er Heiligthümer und Spiele zum Andenken des Geryon und seines Waffenbruders Iolaos, während er sich selbst göttliche Ehren gefallen ließ. Endlich setzte er wieder hinüber nach Italien und zog nun am östlichen Gestade aufwärts an das ionische Meer, nachdem er unterwegs noch einmal einen Räuber seiner Rinder erschlagen hatte, den Lakinios, welcher dem Vorgebirge Lakinion und dem bekannten Dienste der Hera seinen Namen gabAuch der T. der Hera wurde nach Einigen von Herakles gegründet, während Lakinios nach Andern mit Hülfe seiner Göttin den Helden in die Flucht schlug und darauf jenen T. stiftete, Serv. V. A. 3, 552., den Kroton aber ehrenvoll bestattet und den Ruhm der 216 nach ihm benannten Stadt vorher gesagt hatte. Dann ging es weiter hinauf, immer zu Fuß, um das adriatische Meer in die vorerwähnten Gegenden von Illyrien und Epiros, wo man wieder viel von seinen Siegen und von Erytheia und Geryon zu berichten wußte, namentlich in Ambrakia, wo Herakles neben Apollo am meisten verehrt wurdeAntonio. Lib. 4, vgl. oben S. 205.. Am Meerbusen von Ambrakia soll Hera eine Bremse unter die Heerde geschickt haben, so daß sie sich im Gebirge verliefen, bis nach Thrakien, von wo Herakles die gesammelten an den Hellespont trieb, andere aber sind zurückgeblieben und ganz verwildert. Aergerlich über die Hindernisse, die ihm der Strymon beim Zusammentreiben der verlaufenen Thiere bereitet, füllt Herakles diesen Strom mit großen Felsblöcken. Ja die pontischen Griechen ließen ihn bei diesem Abenteuer selbst bis zu den Skythen gelangen, wo neue Wunder von ihm erzählt wurden. Seine Pferde suchend habe er in einer Höhle eine Jungfrau, halb Weib halb Schlange, gefunden und von dieser die Pferde nicht eher wiederbekommen, als nachdem er die drei Stammväter der skythischen Nation, Agathyrsos, Gelonos und Skythes mit ihr gezeugt hatteHerod. 4, 8 vgl. Diod. 2, 43. Auf dasselbe Abenteuer bezieht Zoega ein Relief, wo H. mit der Keule nach einer wie Echidna gebildeten Gestalt ausholt, Bassir. t. 65. Dieselbe Gruppe findet sich auf einer M. von Perinthos, auf alexandrinischen M. des Antonin. P. und auf einem Bildwerk aus Algier, Expl. de l'Alg. t. 26, 1 neben dem Kampf mit dem nemeischen Löwen. Besser denkt man wohl an die lernaeische Hydra, die auch hin und wieder έχιδνα genannt wird, Diod. 4, 38, Ovid M. 9, 69.. Endlich treibt er den Rest der Heerde durch das Land der AenianenNach einer Inschrift von Hypata b. Aristot. Mirab. 145 weihete Herakles an diesem Orte der Aphrodite Phersephassa d. h. der Hekate einen Theil der Heerde und die Eurytheia, eine Tochter Geryons. und über den Isthmos nach Myken, wo Eurystheus die Kühe der argivischen Hera opfert.

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