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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 51
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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6. Augeiasstall. 7. Kretischer Stier.

Beide Fabeln gehören insofern zusammen als der König Augeias in Elis dem Könige Minos von Kreta wenigstens nahe verwandt ist, der kretische Stier aber vollends unmittelbar zu diesem zurückführt.

Augeias der reiche Epeierfürst zu Elis und seine Tochter Agamede, die aller Zauberkräuter auf der weiten Erde kundig ist, wird schon in der Ilias 11, 701. 739 erwähnt. Sein Sitz ist Ephyra, welcher Name sich auch in Korinth und Thesprotien wiederholt, in Korinth und Elis im Zusammenhange der Verehrung der himmlischen Mächte. Αυγέας, Αυγείας ist selbst der StrahlendeVgl. ηλίου αυγή z. B. Aesch. Pers. 504 φλέγων γὰρ αυγαι̃ς λαμπρὸς ηλίου κύκλος μέσον πόρον διη̃κε, Suppl. 213 καλου̃μεν αυγὰς ηλίου σωτηρίους. Schol. Apollon. 1, 172 vom Augeias: εδόκουv δὲ ακτι̃νες απολάμπειν αυτου̃ τω̃ν οφθαλμω̃ν.; man erzählte daß Strahlen von seinem Auge ausgingen, eine Eigenthümlichkeit aller Kinder der Sonne. Er wird ausdrücklich ein Sohn des Helios genannt und seine Tochter Agamede ist deutlich eine Mondgöttin wie Kirke und Medea und Megamede, die Tochter des Thespios (S. 180). Ein stehender Zug der Sage vom Augeias ist sein fabelhafter Reichthum an Heerdenτούτω βου̃ς τω̃ Αυγέα καὶ αιπόλια τοσαυ̃τα εγένετο ως καὶ τη̃ς χώρας αυτω̃ τὰ πολλὰ ήδη διατελει̃ν αργὰ όντα υπὸ τω̃ν βοσκημάτων τη̃ς κόπρου Paus. 5, 1, 7 vgl. Apollod. 2, 5, 5, Diod. 4, 13., daher er zum Bilde des Reichthums überhaupt und sein Schatzhaus eben so berühmt wie das des Minyas geworden war. Von seinen Heerden erzählt mit ländlicher Anschaulichkeit Theokrit id. 25. Es sind Lämmer und Rinder, zahllos wie die Wolken am Himmel, darunter zwölf dem Helios geweihte Stiere, die so weiß wie schimmernde Schwäne sind, einer heißt Phaethon, der wie ein Stern funkelt. Das Gehöfte lag am Flusse Menios, die Aufgabe des Herakles war die unendlichen Stallungen an einem Tage und ganz allein auszumisten. Er erreicht es dadurch daß er eine Oeffnung in den Grundmauern macht und darauf jenen Fluß so abgräbt daß er hindurchströmtNach Hygin f. 30 Iove adiutore. Der Μήνιος, welchen Paus. u. Theokrit nennen, ist wohl ein in Gestalt eines halben Mondes fließender Bach. Andre nannten den Alpheios oder den Peneios.. Es wird noch 200 erzählt daß Augeias ihm vorher den zehnten Theil seiner Heerden versprochen, sich aber hernach weil er sein Werk doch nur als Dienstmann des Eurystheus gethan dessen geweigert habe, wodurch zugleich die Auswanderung des Phyleus nach DulichionIl. 2, 628 Schol. und der spätere Krieg des Herakles gegen Elis motivirt wird. Jene Heerden des Augeias mögen ursprünglich wie die des Minos auf Kreta die himmlischen Heerschaaren der Gestirne, ihr Mist den Unrath des Winters bedeutet haben, dessen Gewölk und Nebel das schöne Gehöft des Himmels ganz bedeckt und entstellt. Herakles schafft eine Oeffnung dadurch daß er eine Rinne macht und mit einer reißenden Strömung hindurchfährt, vgl. Hiob 38, 25 Wer hat dem Wasserguß die Rinne geöffnet und dem donnernden Blitze den Weg? Der Winter kommt und geht im Süden mit heftigen Stürmen und Ungewittern.

Den kretischen Stier d. h. den von Poseidon dem Minos geschenkten, von diesem der Sonnenheerde einverleibten, dann verwilderten und von der Pasiphae brünstig verfolgten kennen wir bereits aus der einheimischen SageAkusilaos b. Apollod. 2, 5, 7 behauptete es sei derselbe Stier gewesen, auf dem Europa nach Kreta gekommen sei, vgl. Diod. 4, 13, Paus. 1, 27, 9, Serv. V. A. 8, 294, wo er Flammen speit, wie die Stiere auf Rhodos, Mythogr. 1. 1, 47.. Die Aufgabe des Herakles ist wieder ihn nach Myken zu bringen. Er begiebt sich also nach Kreta, wo Minos ihn das wilde Thier fangen heißt. Also erst ein Kampf mit dem Stiere, von welcher Seite namentlich die Künstler und die Vasenbilder dieses Abenteuer darstellen. Dann der Transport nach Myken, indem Herakles den gebändigten Stier auf seinem Nacken trägt, durch das Meer aber sich von ihm tragen läßtDiod. τὸ τηλικου̃τον πέλαγος επ' αυτω̃ ναυστοληθείς. Bildliche Darstellungen b. Zoega Bassir. 2, 73, Gerhard A. V. 2, 47 ff. t. 98, Stark Arch. Stud. 90. Das Tragen des Stiers nachgebildet auf Mithrasdenkmälern.. Der weitere Verlauf wurde bald so erzählt daß Eurystheus das Thier der Hera von Myken opfert, bald läuft der Stier verheerend weiter durch die ganze Pelopsinsel und bis Marathon, wo die Theseussage anknüpft. Es ist der Sonnenstier und die schwimmende Fahrt durchs Meer nicht zu übersehn, da ähnliche Sagen in der Furt zwischen Italien und Sicilien und in der zwischen Troas und Lemnos erzählt wurdenSteph. B. Νέαι – απὸ του̃ προσνήξασθαι τὸν ‛Ηρακλέα. Vgl. die Geryonssage.. Wie die Mondkuh in der Iosage, der Stier des Zeus in der der 201 Europa das Meer durchschneidet, so hier der Sonnenstier mit Herakles, dem das Meer bezwingenden Helden im Sinne des Minoischen Kreta, wo Herakles als Heros der Hafenstadt von Knosos verehrt wurde, die deshalb Herakleia hieß.

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