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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 5
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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a. Kadmos.

Die Sage vom Kadmos ist auch deshalb interessant, weil uns in ihr das erste Beispiel eines angeblichen Orientalen in der Geschichte Griechenlands entgegentritt. Eines angeblichen, denn die griechische Geschichtschreibung hat ihn allerdings seit Herodot für einen Phoeniker gehaltenHerod. 2, 49; 4, 147; 5, 57–59. Für einen Aegypter galt er erst weit später, als man nicht mehr zwischen der Kadmeia und der Stadt Theben unterschied und dieses von dem aegyptischen Theben ableitete, Diod. 1, 23, Paus. 9, 12, 2 u. A., so gut wie Danaos in Argos für einen Einwanderer aus Aegypten galt. Doch sind gegen diese Einwanderungen neuerdings wohlbegründete Bedenken erhoben worden, gegen die des Kadmos namentlich dieseO. Müller Orchom. 113 ff. Für die phoenikische Abkunft des Kadmos streitet bes. Movers Phönizier 1, 507 ff. 2, 2, 85 ff., daß sich sowohl sein Name als das was sonst von ihm erzählt werde recht gut aus dem Griechischen erklären lasse, und daß erst die Logographie d. h. die älteste, in Ionien angeregte Geschichtsforschung der Griechen sich durch gewisse Thatsachen der Culturgeschichte habe verleiten lassen, den thebanischen Kadmos mit dem phoenikischen, dem Repräsentanten der phoenikischen Cultur und Ansiedelung im Abendlande zusammenzuwerfen. Insbesondere gilt dieses von der ältesten griechischen Buchstabenschrift, welche die kadmeische d. h. eine aus dem Morgenlande eingeführte genannt wurdeHerod. 5, 58, Bekk. Anecd. 783. Καδμήια γράμματα sind Φοινικήια. Kadmos in dieser Bedeutung von םרק. Von den Goldgruben auf Thasos und am Pangaeos Herod. 6, 47., und von der Technik des Bergbaus, welche durch die Phoeniker hin und wieder an den Küsten und auf den Inseln, namentlich auf der Insel Thasos und an der benachbarten Küste von Thrakien verbreitet war. Waren aber einmal diese beiden mythischen Personen, der griechische und der phoenikische Kadmos, zu einer und derselben geworden, wie sich davon zuerst die kleinasiatischen Ionen überzeugt zu haben scheinen, so konnte es nicht fehlen daß der Grieche Kadmos, der mythische Gründer von Theben, zum Einwanderer aus Phoenikien wurde, zumal diese ersten Versuche der Völkerkunde und Culturgeschichte ohnehin sehr geneigt waren, die bekannten Völker von einer und derselben Wurzel und die griechische Cultur von der orientalischen abzuleiten. Auch gab es verschiedene Geschlechter kadmeischer 23 d. h. altthebanischer Abkunft in IonienHerod. 1, 146. Namentlich lassen sich Καδμει̃οι in Milet und Priene nachweisen. In Milet war Thales von diesem Stamme, daher auch er ein Phoeniker heißt, Herod. 1, 170, Diog. L. 1,22, vermuthlich auch der alte Geschichtschreiber Kadmos. Ueber Priene Hesych v. Καδμει̃οι, Strabo 14, 636., welche sich dadurch daß sie auf diese Weise zu Phoenikern wurden geschmeichelt fühlen mochten. Genug auf diesem Wege scheint jene seit alter Zeit herkömmliche Genealogie entstanden zu sein, nach welcher Belos (Baal, der Herr) und Agenor (der Großmächtige) für Brüder und für die ältesten Könige von Aegypten und Phoenikien, Aegyptos und Danaos für die Söhne des Belos, Kadmos Phoenix und Kilix für die des Agenor, also alle die durch diese Namen repräsentirten Völker und Staaten für Geschlechtsverwandte gehalten wurden: Aegypten Phoenikien Kilikien d. h. die mächtigsten Küstenländer des östlichen Mittelmeeres, und Argos und Theben d. h. die ältesten und mächtigsten Culturstaaten im alten Griechenland.

Dahingegen von denjenigen, welche den einheimischen Ursprung der Sage behaupten, mit Recht bemerkt wird daß Kadmos zunächst nichts Anderes sei als der Repräsentant des ältesten thebanischen Staates und Landes d. h. der Burg und Altstadt Kadmeia und der Bevölkerung dieser Stadt und ihres Gebietes, welche Kadmeer oder Kadmeionen genannt wurden und den ihnen benachbarten Gephyraeern in Tanagra und seinem Gebiete nahe verwandt warenΚαδμείωνες Il. 4, 385; 5, 804, Καδμείοι Il. 4, 388; 5, 808, Hesiod th. 326, sc. Herc. 13 und oft bei den Tragikern, Θήβη Καδμηίδι γαίη Hes. O. D. 162, τὴν νυ̃ν Βοιωτίαν, πρότερον δὲ Καδμηίδα γη̃ν καλουμένην Thuk. 1, 12. Von den Gephyraeern d. h. den Brückenbauern kadmeischen Stammes, welche darüber auch zu Phoenikern geworden sind, Herod. 5, 57. Auch das in Sparta, Thera und Kyrene ansässige Geschlecht der Aegiden (1, 198, [540]) war kadmeischen Ursprungs.. Eine zahlreiche Bevölkerung, deren Geschlechter sich durch spätere Ereignisse vertrieben über Thessalien, den Peloponnes und Attika bis nach Illyrien, Libyen und Kleinasien verbreitet hatten und welche für eine Einwanderung aus Phoenikien nicht wohl gehalten werden darf, so wenig ihr Name und der des Kadmos selbst phoenikischen Ursprungs zu sein scheint. Vielmehr bedeutete dieser Name, welcher sich in den pelasgischen Ueberlieferungen der Insel Samothrake wiederholtHermes Κασμι̃λος oder Καδμι̃λος, auch Κάδμος, wahrscheinlich in der Bedeutung des Ordners, Erhalters, also i. q. Σάων, Σω̃κος s. Bd. 1, 296, [856]; 668, [2099]. Κάδμος nennt diesen Hermes Lykophr. 219, dahingegen Et. Gud. 290, 23 Καδμι̃λος zu schreiben ist. Der Name hängt zusammen mit κόσμος und κεκάσθαι s. Welcker kret.Col. in Theb. 23 ff., L. Meyer Z. f. vgl. Spr. 6, 161 ff., Eustath. Il. 487, 33 δοκει̃ δὲ απὸ του̃ κάζω τὸ κοσμω̃ παρη̃χθαι ο Κάδμος etc., nach griechischer Etymologie vermuthlich den Ordner, 24 den Fürsten schlechthin: eine Auffassung welche allerdings sowohl zu der Sage vom Kadmos als zu der Rolle, welche das kadmeische Theben in der ältesten Geschichte von Griechenland spielt, recht gut passen würde.

Die vollständige Sage, welche sich an die vom Raube der Europa aufs engste anschließt, also diese als bereits existirend voraussetzt, ist nach den uns zugänglichen QuellenEurip. Phoen. 5 ff., 639 ff., Phrix. fr. 816, Apollod. 3, 1, 1; 4, 1. 2, Ovid M. 3, 1–130, Paus. 9, 5, 1; 12, 1–3. Auszüge aus Pherekydes, Hellanikos, Lysimachos u. A. b. Schol. Eur. a. a. O., Schol. Il. 2, 494, Apollon. 3, 1179. Auch Stesichoros hatte davon gesungen. folgende:

Libyen gebiert vom Poseidon zwei Söhne, Belos und Agenor. Jener wird König über Aegypten, dieser über PhoenikienGewöhnlich in Tyros, daher sowohl Kadmos als Europa tyrischer Abkunft sind, Herod. 1, 2; 2, 49, Eurip. Phoen. 639, hin und wieder jedoch in Sidon, Eur. Bacch. 171, Phrix. fr. 816 u. A. Bei Apollod. 3, 1, 1 ist für Ευρώπην wohl zu schreiben εις Συρίαν oder ’Ασσυρίαν vgl. Nonn. 3, 299., wo Telephassa d. h. die FernleuchtendeΤηλέφασσα (auch Τηλεφάασσα u. Τηλεφάη) d. i. Τηλεφάεσσα, vermuthlich Eos als Sinnbild des Morgenlandes, vgl. Τήλεφος und Πασιφάεσσα, Ευρυφάεσσα, Lob. Prol. Path. 40, Meineke z. Mosch, id. 2, 40. Andre nannten sie ’Αργιόπη, d. h. die Glänzende, Schimmernde, Schol. Apollon. 3, 1186, Hygin f. 6. 178. 179. von ihm Europa gebiert und die drei Söhne Kadmos, Phoenix und Kilix. Als Europa verschwunden ist, sendet Agenor diese Söhne aus, sie zu finden oder nicht wiederzukehren. Umsonst war ihr Suchen, daher sich Phoenix in Phoenikien niederläßt, Kilix in dem benachbarten und stammverwandten Kilikien, Kadmos aber im fernen Westen, wo man von seiner Ankunft und seiner Ansiedelung in verschiedenen Gegenden erzählte, namentlich auf Rhodos, auf Thasos und der benachbarten Küste, und auf der Insel TheraVon Thera, wo die Aegiden diese Sage veranlaßt haben mögen, Herod. 4, 147, Paus. 3, 1, 7, von Rhodos Diod. 5, 58, von Thasos, wo der phoenikischen Cultur zu Liebe ein eigner Thasos aus Phoenikien, ein Sohn bald des Agenor, bald des Kilix, bald des Poseidon angenommen wurde, und der thrakischen Küste Herod. 2, 44, Apollod. 3, 1, 1, Paus. 5, 25, 7, Konon 37. Auri metalla et conflaturam Cadmus Phoenix ad Pangaeum montum (invenit) Plin. 7, 197 vgl. Str. 14, 680.. Auf der thrakischen Küste soll er seine Mutter, die mit ihm das verlorne Kind suchte begraben, dann aber nach Delphi25 gegangen sein, um hier nach der Schwester zu fragen. Das Orakel bedeutet ihnDer Spruch selbst b. Schol. Eur. Phoen. 638 ff., offenbar jüngerer Redaction und aus der Sammlung des Mnaseas., er solle nicht länger die Europa suchen, wohl aber einer Kuh, welche ihm begegnen werde, folgen und da, wo sie sich niederlassen werde, eine Stadt gründen. So geschieht es: als er durch Phokis geht, begegnet ihm die KuhDie Kuh begegnet ihm auf den Weiden des Πελάγων ’Αμφιδάμαντος, der sonst nicht erwähnt wird. Nach dem Orakel u. Paus. 9, 12, 1, Hygin f. 178 hatte sie das Zeichen des Mondes an beiden Seiten. Nach Apollon. 3, 1181 war sie von Apoll gesendet. Man erklärte τὸ Θούριον bei Chaeronea, weil die Kuh dem Kadmos hier begegnet sei, θὼρ γὰρ οι Φοίνικες τὴν βου̃ν καλου̃σι, Plut. Sulla 17. und er folgt ihr durch Boeotien, bis sie sich auf der Stätte von Theben niederlegt. Kadmos wollte das Thier seiner Schutzgöttin, der Athena Onka opfern, deren Heiligthum auch für seine Stiftung galtSchol. Eur. Phoen. 1062, Paus. 9, 12, 2, oben 1, 149, [381]. Natürlich galt auch dieser Name für einen phoenikischen., und schickt deshalb nach der benachbarten Aresquelle, um Wasser zur Libation zu holen. Aber ein schrecklicher Drache, welcher diese Quelle bewachte und gewöhnlich für einen Sohn des Ares galtEur. Phoen. 656 ένθα φόνιος η̃ν δράκων ’Άρεος ωμόφρων φύλαξ, Ovid M. 3, 32 ff., oben 1, 256. Genealogen nannten ihn einen Sohn des Ares und der Erinys von Tilphusa, Schol. Soph. Ant. 126, Unger l. c. 117., würgt seine Leute, daher er nun selbst sich aufmacht und das Ungeheuer mit Hülfe der Pallas durch einen Steinwurf oder mit seinem Schwerdte tödtet, ein Vorgang welcher durch verschiedene Vasenbilder vergegenwärtigt wirdDarunter bes. das b. Gerhard etr. u. camp. Vas. t. C, vgl. Welcker A. D. 3, 384 ff. Nach Hellanikos tödtete Kadmos den Drachen durch einen Steinwurf, nach Pherekydes mit dem Schwerdte. Eur. Phoen. 682 ὸν επὶ χέρνιβας μολὼν Κάδμος ώλεσε μαρμάρω. 1062 φίλα Παλλάς, ὰ δράκοντος αι̃μα λιθόβολον κατείργασαι.. Die Zähne dieses Drachen säet dann Athena oder auf ihr Geheiß Kadmos in die ErdeEur. 667 Παλλάδος φραδαι̃ς. Schol. 670 ο Στησίχορος εν Ευρωπεία τὴν ’Αθηνα̃ν εσπαρκέναι τους οδόντας φησίν. 939 von der Erde, ή ποθ' υμι̃ν χρυσοπήληκα στάχυν Σπαρτω̃ν ανη̃κεν., worauf sich aus dieser alsbald geharnischte Männer erheben, welche man nach dieser Aussaat Σπαρτοὶ nannte und welche nach Art des ehernen Geschlechts und der Giganten beschrieben werden. Es sind wilde bewaffnete Recken, deren Grimm durch einen Stein, welchen Kadmos unter sie wirft, 26 alsbald zu solcher Wuth entzündet wird, dass sie sich unter einander aufreiben. Nur fünf blieben übrig, die Stammväter der edelsten Geschlechter im kadmeischen Theben, Ουδαι̃ος d. h. Bodenmann, Χθόνιος d. h. Erdmann, ’Εχίων d. h. Schlangenmann, Πέλωρ d. i. der Riese, ‛Υπερήνωρ der Uebergewaltige, lauter Namen, die auf außerordentliche Kraft und autochthonischen Ursprung deutenPindar in Theb. fr. ὴ Κάδμον ὴ Σπαρτω̃ν ιερὸν γένος ανδρω̃ν ὴ τὰν κυανάμπυκα Θήβαν. Auch Aeschylos hatte jener fünf gedacht, Schol. Phoen. 942.. Kadmos aber mußte wegen des vergossenen Blutes zuerst ein ewiges Jahr d. h. die gewöhnliche pythische Sühnperiode von acht Jahren dienstbar werden, wie Apollo selbst nach der Erlegung des Python (1, 220). Darauf, nachdem er wieder rein und sein Eigner geworden, wurde ihm das höchste Glück beschert, als Athena ihn zum Könige machte, Zeus aber Harmonia, das liebliche Kind des Ares und der Aphrodite herbeiführte, daß sie sein Weib werde, eine Ehe wie die des Peleus und der Thetis und ein beliebtes Thema vieler GesängePindar fr. ὴ γάμον λευκωλένου ‛Αρμονίας υμνήσομεν; vgl. Aristid. 2 p. 383 τὸν Κάδμον φησὶν (Πίνδαρος fr. 9) ακου̃σαι του̃ ’Απόλλωνος μουσικὰν ορθὰν επιδεικνυμένου, Pind. P. 3, 90 ff., Theog. 15–18 (Bd. 1, 378), Eur. Phoen. 822.. Alle Olympier verließen den Himmel um an der Hochzeit auf der Kadmeia theilzunehmen und das junge Paar zu beschenken, und die Musen sangen das Hochzeitslied, und Kadmos schenkte seiner Frau einen herrlichen Peplos, den ihm Athena gewirkt, und das sagenberühmte Halsband, welches Hephaestos dem Kadmos oder nach Pherekydes Zeus der Europa, diese aber dem Bruder geschenkt hatte. Aus dieser Ehe also gingen jene Töchter hervor: Semele, die Mutter des Dionysos (1, 521), Ino, dessen Pflegerin und die Mutter des Melikertes (1, 470), Autonoe, die Geliebte des Aristaeos und Mutter des Aktaeon (1, 358), Agaue, welche von dem Sparten Echion den Pentheus geboren (1, 539), endlich der einzige Sohn Polydoros d. h. der Gabenreiche, der Vater des Labdakos, dessen Sohn Laios der Vater des Oedipus warIno Leukothea kennt schon die Odyssee 5, 333 als T. des Kadmos, alle vier Töchter und den Polydoros Hesiod th. 975–78.. Ein Geschlecht, dessen Ruhm zu allen Sterblichen drang, aber auch ein von so außerordentlichem Verhängniß verfolgtes daß Kadmos zuletzt Theben, der Gründer seine Stadt verlassen und zu den Encheleern in Illyrien ausgewandert sein soll, er und Harmonia, welche in diesen fernen 27 Gegenden einen neuen Thron gründeten und das Volk der Myrier mit einem Stammvater seiner Könige beschenktenEurip. Bacch. 1314 ff., Apollod. 3, 5, 4, Paus. 9, 5, 1, Strabo 7, 326, Diod. 19, 53. Ihr Sohn hieß ’Ιλλύριος, Dionys. P. 95, 389, Schol. Veron. Virg. p. 83 Keil: Hunc serpens spiris suis innexuit et donec ad adultos veniret annos amplexu corporis fovit imbuitque viribus, quibus omnem illam regionem sibi subdidit. Auch diese Sage scheint Euripides gekannt zu haben, fr. 922.. Dort kamen sie endlich auch zur Ruhe, indem sie in Schlangen verwandelt als Genien an ihrem Grabe fortlebten, selbst aber von Zeus nach Elysion versetzt wurdenKadmos, Peleus u. s. w. in Elysion Pind. Ol. 2, 78 vgl. Schol. Pyth. 3, 153. Grab und Hain am Drilon in Illyrien Apollon. 4, 516, Kallim. b. Str. 1, 46, Nikand. Ther. 608, Ovid M. 4, 563–603, Skylax p. 24, Eratosth. b. Steph. B. v. Δυρράχιον, Phylarch b. Athen. 11, 6, Steph. B. v. Βουθόη..

Ohne Zweifel hängt dieser Auszug des Kadmos mit der Eroberung und Zerstörung Thebens durch die Epigonen zusammen, nach welcher die Kadmeer gleichfalls über Thessalien zu den Encheleern ausgewandert sein sollenHerod. 5, 57. 61 vgl. 1, 56.: ein Beweis mehr, daß die ganze Erzählung eine Combination der Mythographie und kein reines Product der Volkssage ist. Wie denn auch der Antheil des Orakels von Delphi und der Pythischen Sühnungsgesetze an der Gründung von Theben auf den Einfluß einer jüngern Zeit hinweist. Im Uebrigen aber sind es alte Vorstellungen der griechischen Heimath und des thebanischen Götterkreises, die uns hier entgegentreten. So die Kuh als Symbol der Ansiedelung, ein eben so sprechendes als gewöhnliches Sinnbild und bei der Gründung des Kadmos um so mehr an seiner Stelle, da er und seine Nachkommen im Heiligthume der Demeter Thesmophoros gewohnt haben sollenPaus. 9, 16, 3. Die Samuiten siedeln sich dort an wo der sie führende Ackerstier sich niederläßt, Str. 5, 250, ein Ochs zeigt die Stelle zum Bau der Kirche von Herforden, Kuhn Sagen u. Gebr. v. Westfalen 1, 266. Alter Demeterdienst auf der Kadmeia Eur. Phoen. 682 Schol. Nach dem Orakel opferte Kadmos die Kuh der Ge. d. h. der Demeter.. Neben dieser Göttin vertritt Athena die Wehrhaftigkeit des Helden und seines Stammes, während die Aresquelle und der an ihr lagernde Drache wie in so vielen anderen Sagen den blutigen Unfrieden des Orts vor aller menschlichen Ansiedelung ausdrückt. Das Märchen von der Drachensaat und den aus ihr entstandenen Gewappneten wiederholt sich in der Argonautensage, so sehr hatte sich dieses Bild für die Streitbarkeit und den einheimischen Ursprung der 28 kadmeischen Geschlechter der Phantasie des Volks empfohlenApollon. 3, 1176 ff. Schol., nach denen Pherekydes erzählt hatte daß Ares und Athena die Hälfte der Drachenzähne dem Kadmos, die andere Hälfte dem Aeetes gegeben hatte, vgl. Schol. Pind. I. 6, 13. Man sagte für Σπαρτοὶ auch Σπαρτια̃ται, daher die den Kureten verwandten Spartiaten auf Kreta, Steph. B. v. Σκυλλήτιον, Lob. Agl. 1147, wo auch von dem Zeichen der Lanzenspitze (λόγχη) am Leibe der Sparten. Pind. I. 6, 10 Σπαρτω̃ν ακαμαντολογχα̃ν.. Die Zähne des Drachen scheinen speciell auf den scharfen Zahn der Lanze hinzuweisen, welche das angeborene Wahrzeichen aller Abkömmlinge der Sparten blieb. Die Erweckung ihres Grimmes durch einen Steinwurf, den Jeder dem Andern Schuld giebt, und das gegenseitige Würgen sind gleichfalls alte und herkömmliche Züge der griechischen SageVgl. die βαλλητὺς der Eleusinier Bd. 1, 618, [1958] u.Lob. Agl. 680.. Der eigenthümlichste und sinnreichste Zug aber ist die Ehe des Kadmos und der Harmonia, obgleich grade diese später zu manchen Künsteleien und Mißverständnissen Anlaß gegeben hat. Eigentlich ist Harmonia ein der Aphrodite, der Peitho, der Hebe, den Chariten, Horen und Musen verwandtes Wesen der Lust und der Liebe und des heiteren LebensgenussesHymn. Ap. P. 16 αυτὰρ ευπλόκαμοι Χάριτες καὶ εύφρονες ‛Ω̃ραι ‛Αρμονίη θ' ‛Ήβη τε Διὸς θυγάτηρ τ' ’Αφροδίτη ορχευ̃ντ' αλλήλων επὶ καρπω̃ χει̃ρας έχουσαι, zum Spiele Apolls und dem Gesang der Musen. Eurip. Med. 830 von Athen, ένθα ποθ' αγνὰς εννέα Πιερίδας Μούσας λέγουσι ξανθὰν ‛Αρμονίαν φυτευ̃σαι. Athen. 10, 25 Harmonia anstatt der Hebe den Göttern Wein schenkend. Aphr. ‛Άρμα in Delphi Plut. Amator. 23, αρμόνια δω̃ρ' ’Αφροδίτης Aesch. Suppl. 1041, harmoniae Veneris Lucr. 5, 1240, ’Αφρ. βασίλεια αρμονίης Coluth. rapt. Helen. 28.. In dieser Sage aber, als Kind des Ares und der Aphrodite, welche in Theben als Stammgötter der Kadmeionen verehrt wurdenBd. 1, 255, [725]. Das Heiligthum lag auf der Burg. Paus. 9, 16, 2 sah drei ξόανα der Aphrodite in Theben, die für Weihgeschenke der Harmonia galten, der Ουρανία, Πάνδημος u. ’Αποστροφία vgl. Bd. 1, 266, [758]. Aphrodisienfeier Xen. Hell. 5, 4, 4, Polyaen 2, 4, 3., ist sie ein Sinnbild jener höheren Ordnung und Blüthe eines Stammes und Staates, in welchem die Streitbarkeit der Männer durch die Liebe und Anmuth der Frauen gemildert wurdePlut. Pelop. 19. Von der Weltordnung des Zeus Aesch. Pr. 551 ούποτε τὰν Διὸς αρμονίαν θνατω̃ν παρεξίασι βουλαί., bis später Philosophen wie Heraklit, Philolaos und Empedokles in der Harmonie das höchste Gesetz der natürlichen und sittlichen Weltordnung erkannten.

In der jüngeren Zeit hat sich die Kadmossage in Folge verschiedener Combinationen noch mehr verändert. Einmal wurde 29 der thebanische Kadmos als identisch mit dem phoenikischen immer mehr zum Träger gewisser Erfindungen, nicht blos der Buchstaben, sondern auch des Bergbaus und der MetallurgieDikaearch Hist. gr. fr. 2 p. 258, Plin. 7, 195, Clem. Al. Str. 1 p. 363, Hygin f. 274.. Zweitens combinirte man ihn in dieser späteren Zeit, so viel wir wissen seit Ephoros, mit jenem Kadmilos oder Kadmos auf Samothrake d. h. dem ithyphallischen Hermes der Pelasger, durch welchen auch verschiedene neuere Mythologen die wahre Bedeutung des thebanischen Kadmos erklärt zu haben glaubenO. Müller Orchom. 461, Proleg. 146 ff., Welcker kret. Col. in Theb. 23 ff., Gr. G. 1, 330, Engel Kypros 2, 50 ff. u. A. Es ist zu beachten daß Hermes, so viel wir wissen, in Theben zu den ältesten und angesehensten Göttern nicht gehörte, wohl aber in dem benachbarten und stammverwandten Tanagra.. Die Folge war daß auch Harmonia nun auf Samothrake einheimisch und zur Tochter des Zeus und der Elektra wurde, welche Kadmos von dort entführt, so daß sie sogar in gewissen Festen auf Samothrake als eine Verschwundene gesucht worden sein sollEphoros b. Schol. Eur. Phoen. 7, vgl. Schol. Apollon. 1, 916, Mnaseas b. Steph. B. v. Δάρδανος, Arrian b. Eustath. Dion. P. 391, Georg. Sync. chronogr. 199, 2, Diod. 5, 48, oben 1, 667. Vielleicht war auch der Name Harmonia in einheimischen Traditionen der Insel gegeben. Kannte doch Pherekydes eine Najade der Landschaft Themiskyra Namens Harmonia, welche vom Ares die Amazonen geboren, Apollon. 2, 990 Schol., oder Kadmos feiert nun auf dieser Insel sein Beilager, nicht mehr in Theben. Ja dieser samothrakisch-thebanische Kadmos, welcher zugleich für Hermes und für den Stammvater des Bacchus gelten konnte, wird endlich auch zum Gehülfen des Zeus bei dem Kampfe mit Typhon, in welchem Sinne namentlich Nonnos die alte Sage in seinem Gedichte von den Thaten des Bacchus von neuem überarbeitet hatKoehler Dionysiaka v. Nonn. v. P. 2–11. Auch der jüngere Pisander hatte von dem Antheil des Kadmos an jenem Kampfe berichtet, da gewöhnlich Hermes und Aegipan genannt wurden, Schoemann op. 2, 373.. Eine andre Folge dieser Wechselwirkung der örtlichen Sage und der combinirenden Poesie war die, dass man von der Flucht und einem Versteck der Europa nun nicht mehr blos auf Kreta, sondern auch in der Gegend von Theben erzählteAntimachos b. Steph. B. v. Τευμησός, Et. M. v. τευμήσατο, Paus. 9, 19, 1. Vgl. Vib. Seq. Lethaeus insulae Cretae ita dictus quod Harmonia Veneris filia Cadmon ibi oblita dicitur u. Euhemeros b. Athen. 14, 77., während andrerseits Harmonia auch wohl auf Kreta genannt oder wie Kadmos für eine geborne Phoenikerin gehalten wurde. 30

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