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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 47
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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II. Der thebanische Herakles.

Geburt und Jugend.

Diese Sage ist reich an eigenthümlichen Zügen und scheint sich ursprünglich unabhängig von der argivischen entwickelt zu haben. Im Zusammenhange der ganzen Geschichte des Helden aber knüpft sie bei dieser an, schaltet dann die örtlichen Ueberlieferungen ein und schließt mit der Raserei des Herakles, in welcher er seine eignen Kinder tödtet und darauf Theben für immer verläßt. Hesiod scheint eine Hauptquelle für diese Sagen gewesen zu sein, wie er es noch im Schilde des Herakles istSc. Herc. 1–56, ein Bruchstück der Eoeen.. Aber auch Pindar hat manche Züge aus diesen Erzählungen von dem ersten Helden seiner Vaterstadt erhalten.

Von den Persiden (oben S. 73, [Anmerkung 237]) hatte Elektryon d. h. der Strahlende’Ηλεκτρύων von ηλέκτωρ d. i. Sol, Bd. 1, 342, [1026]. Dahin führt auch die Ueberlieferung von seinen Heerden, s. unten b. Geryon. eine blühende Schaar von Söhnen, die alle in einem Handgemenge mit den Teleboern umkamen, der seeräuberischen Bevölkerung der an der Küste von Akarnanien gelegenen Inseln, welche das Meer und die Küsten weit und breit beunruhigte. Nur die einzige Tochter Alkmene d. h. die Starke bleibt ihm, die er nun dem Sohne seines Bruders Alkaeos, dem Amphitryon d. h. dem unermüdlichen Kriegsmann verlobt: so drücken schon die Namen der Eltern des Herakles die Grundzüge seiner Natur aus, unverwüstliche Stärke, Muth und Kriegesruhm’Αλκμήνη wie ’Αλκμάων ’Αλκμάν ’Αλκμαίων von άλκιμος, Hes. th. 526 ’Αλκμήνης καλλισφύρου άλκιμος υιός. ’Αμφιτρύων von τρύω ich ermüde und dem verstärkenden αμφί, also der ganz Ermüdende, vgl. ’Ατρυτώνη und ’Αμφίμαχος ’Αμφιάραος ’Αμφίδικος u. s. w. Dessen Vater ’Αλκαι̃ος von αλκή, obwohl auch Herakles selbst, ehe das Delphische Orakel ihm diesen Namen gab, ’Αλκαι̃ος geheißen haben soll, oder ’Αλκείδης, auch dieses von αλκή, denn als Enkel des Alkaeos ist er ’Αλκαίδης, Pind. Ol. 6, 68 σεμνὸν θάλος ’Αλκαιδα̃ν. Vgl. Hesych ’Αλκει̃δαι θεοί τινες παρὰ Λακεδαιμονίοις.. Durch Amphitryons Hand fällt ElektryonNach der gewöhnlichen Erzählung in Folge eines unglücklichen Zufalls, nach Hesiod tödtete ihn Amphitryon ι̃φι δαμάσσας χωσάμενος περὶ βουσί., worauf er mit seiner Verlobten nach Theben flüchtig wird. Noch ist er ihrer nicht froh geworden, denn sie hat ihm das feierliche Gelübde abgenommen ihr nicht eher zu nahen als nachdem er ihre 178 Brüder an den Teleboern gerächt habe, daher er von Theben aus zu diesem Zuge rüstet. Schon hat er den König des feindlichen Volkes Pterelaos d. h. den König der beflügelten RudererΠτερέλαος Πτερέλας Πτερέλεως in dem Sinne wie man πτερὰ νηὸς für die Ruder oder die Segel sagte, Od. 11, 125, Hesiod O. D. 628. Daher sein Sohn Ευήρης Apollod. 2, 4, 6. Seine Tochter heißt Κομαιθώ d. i. Brandhaar. Er selbst ist durch Poseidons Gunst unsterblich, indem er wie Nisos in Megara ein rothes Haar auf seinem Haupte hat, welches Komaetho, wie dort Skylla (1, 485) aus Liebe zum Amphitryon oder zum Kephalos abschneidet, denn auch dieser nahm an dem Zuge Theil, s. oben S. 148. Die Sage von demselben war berühmt und es gab sogar ein eignes Gedicht darüber, s. Schol. Od. 3, 267, vgl. Apollod. 2, 4, 5–7, Tzetz. Lyk. 932. Auch Pindar gedenkt der Thaten des Amphitryon Nem. 10, 15. Attius scheint eine Tragödie von diesem Zuge gedichtet zu haben, s. Ribbeck trag. latin. p. 327 sqq. Vgl. den Amphitruo des Plautus. und alle Inseln bezwungen und schon kehrt er zurück nach Theben, da begiebt sich Zeus in der Gestalt ihres Gemahls zur AlkmenePindar Nem. 10, 15, Isthm. 6, 5, wo Zeus um Mitternacht in einem goldnen Regen herabkommt, welches Bild nach Analogie der Sagen von der Geburt der Athena und des Perseus zu verstehen ist. Das Geschenk des Zeus kannte schon der Künstler des Kypseloskastens, Paus. 5, 18, 1. Vgl. Pherekydes b. Schol. Od. 11, 266., bringt einen goldnen Becher als Pfand des Sieges und ruht bei der reizenden Jungfrau, die späteren Dichter sagen drei Nächte lang, da er die Sonne um einen Tag zurückgehaltenDaher τριέσπερος λέων b. Lykophr. 33 d. h. der Löwe von drei Nächten. Andre dachten an drei Tage und drei Nächte, Lukian D. D. 10, 1, Aristid. 1 p. 53, dagegen Hygin f. 29 in dem oben angedeuteten Sinne zu verstehen ist, vgl. Ovid Am. 1, 13, 45, Seneca Agam. 814 ff. Man behauptete daß Iphikles eine Nacht später empfangen und geboren wurde, Theokr. 24, 2, Plin. 7, 48.. In derselben Nacht kommt Amphitryon, siegesfroh und liebeschmachtend. Dann erfüllt sich die Zeit wo die Frucht der göttlichen und der menschlichen Umarmung ans Licht drängt und Zeus kündigt den Göttern seinen Sohn als den mächtigsten Herrscher der Zukunft an. Hera verleitet ihn zu dem verhängnißvollen Schwur, eilt schnell nach Myken um die Frau des dritten Persiden Sthenelos von dem Siebenmonatskinde Eurystheus zu entbinden und hemmt und erschwert zugleich die Geburt der Alkmene durch bösen Zauber, gerade wie bei der Geburt des Lichtgottes ApolloAuch Wölsungs Geburt war eine schwere, Raszmann D. Heldens. 1, 54. Moschos id. 4, 84 spricht von zehnmonatlicher Schwangerschaft, ein absichtlicher Gegensatz zu dem schwächlichen Siebenmonatskinde Eurystheus.. Geboren werden Herakles und Iphikles, dieser jenem weder an Muth noch an Kräften gleich, 179 aber der Vater seines treuen Freundes Iolaos. Nun sendet Hera die Schlangen, um das kaum geborene Heldenkind zu tödten, eine Dichtung welche schon Pindar Nem. 1, 35 ff. erzählt. Der kleine Herakles aber tritt ihnen muthig entgegen und erwürgt sie mit seinen Händen: das Probestück und anmuthige Sinnbild seiner großen und mühevollen Zukunft und in diesem Sinne von Tiresias gedeutet und später von den Künstlern viel gefeiertVgl. die weitere Ausführung bei Theokrit id. 24. Von Zeuxis gab es ein Gemälde Hercules infans dracones strangulans, Alcmena matre coram pavente et Amphitryone, Plin. 35, 63, vgl. Philostrat. j. 5 u. das Epigramm der Anthol. Planud. 4, 90. Erhalten in Statuen, kleinen Bronzen, Reliefs, Münzen von Theben, Tarent, Kroton, einem Gemälde aus Herculanum, s. Friedrichs Philostr. Bilder 11 ff. Nach Pherek. b. Apollod. 2, 4, 8 schickte Amphitryon die Schlangen, um auf diese Weise zu erfahren welches von den beiden Kindern sein Sohn sei.. Von seiner Nahrung wußte die ältere Dichtung nur daß ihn wie alle Kinder Thebens das kräftige Wasser der Dirke genährt habe, wie Pindar mit patriotischem Stolze rühmt P. 9, 88. Später wurde und zwar im Zusammenhange mit der Apotheose des Herakles erzählt daß Hermes das Kind auf den Olymp getragen und dort an die Brust der Hera gelegt habe, ein Vorgang auf welchen auch verschiedene Vasenbilder hindeutenVgl. Braun Gr. G. § 545, O. Jahn Vasens. z. München n. 611 und den Spiegel b. Gerhard t. 126. Nach Paus. 9, 25, 2 zeigte man in der Nähe von Theben einen Ort wo Hera den Herakles gestillt hatte κατὰ δή τινα απάτην εκ Διός, nach Diod. 4, 9 geschah es in der Nähe von Argos und auf Veranlassung der Athena. Vgl. Lykophr. 1328, das Epigramm εις άγαλμα ‛Ήρας θηλαζούσης τὸν ‛Ηρακλέα Anthol. Pal. 9, 589 u. Bd. 1, 135, [343].. Noch später erklärte man sich die Milchstraße (γάλα ουράνιον, γαλαξίας) aus der bei dieser Gelegenheit vergossenen MilchNach Eratosthenes war es Hermes den Hera stillte, nach Andern Herakles, Hygin P. A. 2, 43, Eratosth. cat. 44..

Im weiteren Verlauf dieser Erzählung mischen sich die Züge von feiner Sitte und Bildung mit denen einer sehr ungestümen Kraft. Man wußte von seiner Erziehung daß ihn die besten Helden und Meister in den ritterlichen Künsten, der fromme Rhadamanthys in Tugend und Weisheit, Linos in der Musik unterrichtete, bis dieser ihn beim Unterrichte züchtigt, worüber der ungestüme Knabe seinen Meister gleich mit der Laute todtschlägt, auch ein beliebtes, von der Kunst und dem attischen Theater verherrlichtes AbenteuerWelcker kl. Schr. 1, 46, O. Jahn Leipz. Ber. 1853 t. 10 S. 145. Linosgrab in Theben Paus. 9, 29, 3. Ursprünglich war sein Tod durch Herakles wohl so gemeint wie der durch Apoll, s. Bd. 1, 361.. Andre Sagen heben eine alte 180 Beziehung zum Dienste des ismenischen Apoll von Theben hervor, was wegen des früher über das Verhältniß zwischen Herakles und Apollo Bemerkten wichtig ist. Als Knabe habe er als Apollinischer Daphnephoros dem Chore der Mädchen den Lorbeer vorgetragen und sein Vater Amphitryon darauf einen Dreifuß für ihn, noch mit dem Namen Alkaeos, in das Heiligthum des ismenischen Apollo geweihtDer für Herakles geweihte ist auf dem Farnesischen Relief abgebildet, als Denkmal seiner Jugend, wie der Altar im Heratempel zu Myken als Denkmal seiner vollendeten α̃θλοι. Die Inschrift des Dreifußes ist: ’Αμφιτρύων υπὲρ ’Αλκαίου τρίποδ' ’Απόλλωνι. Da nur die edlen und eingebornen Familien zu Theben an diesem Dienste theilnahmen und solche Dreifüße weiheten, so hatte dieser zugleich die Bedeutung den Herakles als Καδμογενὴς zu qualificiren, wie Soph. Tr. 116 ihn nennt, vgl. Pind. P. 11, 5 Schol., Herod. 5, 59, Paus. 9, 10, 4.. Noch andre Lieder und entsprechende Kunstwerke betonten vorzüglich das gewaltige Bedürfniß seiner athletischen Natur und das Vorgefühl seiner Bestimmung, er habe schon als Knabe auf einer Löwenhaut geschlafen, Fleisch und Brot in gewaltigen Portionen genossen u. s. w.Theokr. 24, 133 ff. So stellten auch die Künstler oft den kleinen Herakles mit Löwenhaut und Keule vor, zuweilen als Vorbild für die gymnastische Jugend, C. I. n. 5984b ηλικίην παι̃ς ειμι, βρέτας δ' εστήσατο Φη̃λιξ' ‛Ηρακλέους εικώ, οι̃σθά με κακ Προδίκου, die Inschrift zu einem solchen Bilde..

Nachdem er den Linos erschlagen schickt Amphitryon ihn ins Gebirg und unter die Hirten, wo er nach Einigen ganz aufgewachsen ist, wie Amphion und Zethos, Kyros und Romulus. Hier lebt er der Jagd und der freien Natur, wobei das Gewächs seiner Glieder mächtig emporschoß, so daß er länger und stärker als Alle wurde und leuchtendes Feuer aus seinen Augen strahlteHerodor gab ihm eine Länge von vier Ellen und einem Fuß, Ion von Chios eine dreifache Reihe von Zähnen. Der Künstler Euthykrates hatte ihn Thespiis venatorem gebildet, mit Beziehung auf die kithaeronische Löwenjagd, Plin. 34, 66.. Achtzehn Jahre alt tödtete er nach einer örtlichen Sage von Thespiae einen mächtigen Löwen, der auf dem Kithaeron hauste und von dort die Heerden des Amphitryon und die des Thespios, des Königs von Thespiae würgte. Bei diesem herbergte er als er dem Unthier auflauerte und beschlief in einer Nacht die funfzig Töchter des Thespios und der Megamede, die sogenannten Thespiaden, welche wie die funfzig Töchter des Endymion und der Selene, in der Sage von Elis (1, 348) eine kalendarische Bedeutung zu haben scheinen, etwa die der funfzig Monde des pentaeterischen Festcyclus der Erotidien; obwohl 181 man sie später für Landesnymphen nahm, und von ihren funfzig dem Herakles gebornen Söhnen sieben zu Thespiae, drei zu Theben als Landesheroen verehrte, die übrigen vierzig aber mit Iolaos nach Sardinien auswandern ließΘέσπιος heißt auch Θέστιος, wie der aetolische s. oben S. 91, [Anmerkung 302]. Als König von Thespiae galt er für einen S. des attischen Erechtheus. Die Namen der Thespiaden b. Apollod. 2, 7, 8. Heiligthum des Herakles in Thespiae mit einer jungfräulichen Priesterin (daher eine der Thespiaden jungfräulich bleibt, eine andere dafür Zwillinge gebiert) Paus. 9, 27, 5. Pentaeterische Erotidien Plut. Amator. 1. Nach Paus. l. c. beschlief H. alle funfzig Thespiaden in einer Nacht, nach Diod. 4, 29 u. Apollod. 2, 4, 9 in funfzig Nächten, nach Herodor b. Athen. 13, 4 in sieben. Man nannte dieses wohl den dreizehnten Athlos. In Rom gab es Statuen der Thespiaden von Kleomenes, Plin. 36, 33. 39, wahrscheinlich die der sieben zu Thespiae als Mütter der δημου̃χοι verehrten.. Als Herakles von dieser Löwenjagd siegreich zurückkehrt, mit dem Fell bekleidet, der Rachen sein Helm, begegnen ihm die Herolde des Minyerkönigs Erginos von Orchomenos, welche von Theben Tribut forderten. Ein edler Thebaner hatte nehmlich bei den Spielen des Poseidon zu Onchestos den Vater des Erginos durch einen Steinwurf getödtet, weshalb dieser gegen Theben gezogen war und die Thebaner zu einem Tribute von jährlich hundert Rindern auf zwanzig Jahre gezwungen hatte, den jene Herolde jetzt eintreiben wollten. Aber Herakles schneidet ihnen Ohren und Nasen abDaher ein Bild des H. ρινοκολούστης in der Nähe von Theben, Paus. 9, 25, 4. Aehnlich verfahren die Lapithen mit dem Kentauren Eurytion, Od. 21 , 300. Die ganze Geschichte dieses Kriegs gegen die Minyer war sehr populär und Euripides, Isokrates u. A. spielen oft darauf an. Welcker ep. Cycl. 1, 253 ff. bezieht das alte Epos der Minyas auf diese Sage., bindet ihnen die Hände um den Hals und heißt sie diesen Tribut nach Orchomenos bringen. So kommt es zum Kriege, in welchem Amphitryon und seine beiden Söhne Herakles und Iphikles Wunder der Tapferkeit verrichten. Herakles wird von seiner Freundin Athena mit Waffen versehen, stellt sich an die Spitze der Thebaner, erschlägt den Erginos und zwingt die Minyer fortan den doppelten Tribut an Theben zu zahlen. Oder man erzählte genauer daß Herakles die thebanischen Jünglinge bewogen habe sich mit den von den Vätern in den Tempeln geweihten Waffen zu rüsten (denn die Minyer hatten alle Waffen weggenommen) und daß er den Feind darauf in einem Engpasse überfallen, den König und sein ganzes Gefolge erschlagen, die Stadt Orchomenos zerstört und den königlichen Palast verbrannt habeDiod. 4, 10, Apollod. 2, 4, 11. Auch der Cult des H. ιπποδέτης in der Gegend von Onchestos oder in der von Theben wurde durch diesen Krieg erklärt, Hesych v., Paus. 9, 26, 1. Vgl. Plut. Parall. 7, wo H. in einer Fehde mit Euboea den feindlichen König Πυραίχμης durch angebundene Pferde in zwei Stücke zerreißen läßt. Nach Andern verstopfte Herakles in jenem Kriege die bekannten Abzüge (Katabothren) des kephisischen (kopaischen) Sees, verursachte dadurch eine Ueberschwemmung und bezwang so die Stadt Orchomenos, die er mit der Königsburg zerstörte, Paus. 9, 38, 5, tab. Farnes. 3–8 u. Diod. 4, 18.. Amphitryon hatte 182 in diesem Kriege den Tod gefunden. Seine beiden Söhne ehrte Kreon, der damalige König von Theben dadurch daß er ihnen seine Töchter gab, dem Herakles die Megara, welche schon die Odyssee 11, 269 als Gemahlin des Herakles kennt, dem Iphikles die jüngere Pyrrha.

Vermuthlich hatte Hesiod, etwa in den Eoeen, diese Sagen erzählt. Derselbe Dichter hat im Schilde des Herakles auch vom Halbbruder des boeotischen Helden, dem Iphikles und von seinem tapfern Sohne Iolaos, den eine Tochter des Pelopiden Alkathoos von MegaraEine dem thebanischen Herakles verwandte Gestalt, denn auch Alkathoos ist dem Apollo ergeben, erschlägt wie Herakles einen kithaeronischen Löwen und tödtet seinen Sohn mit einem Feuerbrande, Paus. 1, 41, 4; 42, 7. geboren hatte, noch einige Erinnerungen aus älterer Sage aufbewahrt (v. 90 ff.). Iphikles verläßt zuerst Weib und Kind und begiebt sich in den Dienst des Eurystheus, während Herakles und Iolaos von Theben aus für Apollon gegen Kyknos ziehn, bis später der Mord seiner Kinder auch ihn in diesen Dienst treibtVgl. Moschos id. 4, 52 ff., 111 ff. und Nicol. Damasc. fr. 20 (fragm. Hist. gr. 3, 369). Nach der gewöhnlichen Sage blieb Iphikles im Kriege des Herakles gegen Elis oder gegen Lakedaemon.. Iolaos ist hinlänglich bekannt als der treue Freund und Wagenlenker des Herakles, als welcher er diesem bei den ritterlichen Gelegenheiten zur Seite stand und unter den berühmtesten Wagenlenkern der Vorzeit genannt wurdePindar Isthm. 1, 16 εθέλω ὴ Καστορείω ὴ ’Ιολάου εναρμόξαι μιν ύμνω· κει̃νοι γὰρ ηρώων διφρηλάται Λακεδαιμονι καὶ Θήβαις ετέκνωθεν κράτιστοι, vgl. Paus. 5, 8, 1; 17, 4. πολυάρματος Θήβη oder ευάρματος ein oft wiederholtes Epithet, Soph. Antig. 149. 845. Iolaos zu Wagen, Athena ihm zusprechend auf Vasen, Roulez choix t. 9 p. 35. Oft neben Herakles verehrt und als sein Beistand (παραστάτης) angerufen, Plut. de frat. am. 21.. Wie er an den meisten Kämpfen seines Freundes und Waffenbruders theilgenommen, so ist er auch nach dessen Tode der Schutz und Rather seiner Kinder, wovon die Dichtung in rührenden Zügen erzählte, wie diese epischen Freundespaare Herakles und Iolaos, 183 Achill und Patroklus, Orestes und Pylades überhaupt zu den Perlen der griechischen Heldendichtung gehören.

Das Ende der thebanischen Heraklessage ist die Dichtung vom rasenden Herakles (μαινόμενος), der seine eignen Kinder mordet und deshalb sein Vaterland für immer verläßt. Auch dabei scheinen ältere und hieratische Traditionen zu Grunde zu liegen, da namentlich von geistesverwirrenden Krankheiten in mehr als einem Zusammenhange erzählt wurdeSowohl die Aerzte als die Komiker beschäftigten sich mit diesen Affectionen des Herakles. Jene hielten sie für eine ιερὰ νόσος und Epilepsie, diese ließen Silen und seine Satyrn durch ein Klystier Heilung anbieten u. dgl. Von Epicharm gab es einen Herakles παραφόρος. Auch zielt auf diesen H. der Komiker Hyperides pro Lycophr. p. 25 ed. Schneidew. καὶ ταυ̃τα δοκει̃ ὰν υμι̃ν ‛Ηρακλη̃ς εκει̃νος ο μαινόμενος ποιη̃σαι ὴ Μαργίτης ο πάντων αβελτερώτατος., wahrscheinlich in demselben Sinne wie vom Bellerophon (oben S. 87). Und so wird auch der Mord seiner eignen Kinder, welcher sich in der gleichartigen Sage des Alkathoos von Megara wiederholt, ursprünglich wohl dem verzehrenden Sonnengotte gegolten haben. Unter den griechischen Dichtern hatten schon die Kyprien und Stesichoros von dieser blutigen That erzählt, die uns am vollständigsten aus dem rasenden Herakles des Euripides bekannt ist. Hera ist es, die unversöhnliche Feindin, welche auch diese Plage über den Helden schickt, deren Wirkungen Tollwuth und Geistesabwesenheit sind. So fallen alle Kinder seinen PfeilenUeber Zahl und Namen lauten die Berichte wie gewöhnlich sehr verschieden. Pindar I. 3, 81 spricht von acht Kindern der Megara, Pherekydes u. Apollodor, bei denen H. die Kinder ins Feuer wirft, von fünf eignen und zweien des Iphikles. Megara begleitete den Herakles nach der gewöhnlichen Sage nach Tiryns, s. ihre Klage b. Moschos id. 4. Um die Vermählung mit der Deianira zu motiviren erzählte man daß Herakles sie seit diesem Morde gemieden und hernach dem Iolaos vermählt habe., bei Euripides auch seine Mutter, ja nach einer thebanischen Sage wäre selbst sein Vater, hier also noch am Leben, durch ihn gefallen, wenn nicht Athena zu rechter Zeit eingeschritten wäre, indem sie ihm einen Stein an die Brust wirft, worauf der Unsinnige in einen tiefen Schlaf fällt und in diesem wieder zu sich kommtNach Paus. 9, 11, 1 nannte man diesen Stein in Theben den λίθος σωφρονιστήρ. Auch Euripides erzählt davon, obgleich er sonst die Handlung durch Einmischung des attischen Theseus sehr verändert hat.. Nach der gewöhnlichen Ueberlieferung wendet sich Herakles darauf nach Delphi, wird dort von der Pythia in den Dienst des Eurystheus geschickt und bei dieser Gelegenheit zuerst mit 184 dem Namen ‛Ηρακλη̃ς begrüßt, denn es werde ihm auch diese bittre, von der Hera über ihn verhängte Schmach der Dienstbarkeit zum unsterblichen Ruhme gereichenProb. V. Ecl. 7, 61 Alcides Hercules ab Alcaeo avo s. απὸ τη̃ς αλκη̃ς i. e. fortitudine. Pindarus initio Alciden nominatum, postea Herculem dicit ab ‛Ήρα, – quod eius imperiis opinionem famamque virtutis sit consecutus. Vgl. Apollod. 2, 4, 12, Diod. 1, 24; 4, 10, Aelian V. H. 2, 32, Tzetz. Lyk. 663, wo das Orakel den Namen anders deutet: ‛Ηρακλέην δέ σε Φοι̃βος επώνυμον εξονομάζει, η̃ρα γὰρ ανθρώποισι φέρων κλέος άφθιτον έξεις. Vgl. oben S. 158, [Anmerkung 583]..

Man zeigte in Theben die Trümmer des Hauses, wo Amphitryon mit den Seinigen gewohnt habe, das Gemach der Alkmene, das Denkmal der gemordeten Kinder mit entsprechenden Bildwerken. Es war einer der ältesten heroischen Dienste des Herakles, der im Herakleion begangen wurde, das mit älteren und jüngeren Bildern des Helden und mit verzierenden Gruppen aus dem Cyclus seiner Thaten geschmückt warPaus. 9, 11, 2 vgl. Schol. Pind. N. 4, 32. Im Tempel stand ein Bild des H. Πρόμαχος, daher Thrasybul und seine Gefährten, als sie von Theben zur Befreiung Athens aufbrachen, in das thebanische Herakleion zwei Bilder der Athena und des Herakles weiheten. Wunder vor der Schlacht b. Leuktra, Cic. d. Divin 1, 34, 74. Die Gruppen des Giebels waren von Praxiteles.. Dasselbe lag in der Nähe der Heiligthümer des ismenischen Apollo und daran stieß ein Gymnasium und ein Stadium, wo die thebanische Jugend nach dem Vorbilde des großen Heros der körperlichen Uebungen pflegte. Man nannte dieses Gymnasium nach dem Iolaos und feierte ‛Ηράκλεια und ’Ιολάεια, so daß also auch im Cultus und in den Erinnerungen der Jugend die beiden Freunde aufs engste verbunden blieben. Am Tage vor dem Feste wurde der treuen Magd Galanthis oder Galinthias gedacht, des personificirten Hauswiesels, von dem man eine seltsame Geschichte erzählte. Als die Stunde der Alkmene gekommen, habe Hera die Göttinnen der Geburt zu ihr gesendet, nicht um zu helfen, sondern um zu hindern, zu welchem Zwecke sie sich mit verschränkten Händen und Beinen vor die Wochenstube gesetzt hätten. Da habe sie Galanthis aus- und einlaufend bemerkt und durch die falsche Botschaft, es sei ein Knäblein ans Licht getreten, so erschreckt daß sie aufsprangen und die Hände aufschlugen, worauf die Geburt alsbald vor sich ging, Galanthis aber zur Strafe in jenes Thier verwandelt wurdeAntonin. Lib. 29 nach Nikander, Ovid M. 9, 284 ff., Aelian N. A. 12, 5 u. A. b. Welcker kl. Schr. 3, 190 ff. Plin. 28, 59 adsidere gravidis digitis pectinatim inter se inplexis veneficium est idque compertum tradunt Alcmena Herculem pariente; peius si circa unum ambove genua, item poplites alterius genibus imponi. Nach Paus. 9, 11, 2 waren es φαρμακίδες, welche die Niederkunft hinderten, und ‛Ιστορίς, die T. des Tiresias, welche sie durch die gewöhnliche ολολυγὴ bei Geburten hinterging. Hinsichtlich der Zeit des Opfers der Galinthias ist zu vergleichen das des Konnidas bei den Theseen in Athen, Plut. Thes. 4.. Der Tag der Geburt und des Festes war der 185 vierteDaher das Sprichwort τετράδι γέγονας von tüchtigen Menschen, die sich für Andre abmühten, Zenob. 6, 7, Apostol. 16, 34, Hesych τετράδι, Schol. Plat. p. 331. Auch die Apotheose des Herakles wurde auf den vierten verlegt. Vgl. Simonides b. Plat. Protag. 339 B άνδρ' αγαθὸν μὲν αλαθέως γενέσθαι χαλεπόν, χερσίν τε καὶ ποσὶ καὶ νόω τετράγωνον, άνευ ψόγου τετυγμένον., weil Herakles »ein Viereckiger« war in der ausgezeichnetsten Bedeutung des Worts, welches die Griechen von männlicher Tüchtigkeit an Leib und Seele gebrauchten, der Monat fiel vermuthlich in den Sommer, wie der des Herakles zu DelphiDer Delphische Mt. ‛Ηράκλειος entsprach angeblich dem attischen Thargelion. Nach Poll. 1, 30 hieß H. in Theben u. Boeotien Μήλων, weil man ihm μη̃λα ωραι̃α, die in der Gestalt von Böcken aufgeputzt wurden, opferte. Aehnliches wird von dem attischen Heraklesdienste im Quartier Melite erzählt, Hes. Μήλων, Zenob. 5, 22.. Viele Erinnerungen der Landesgeschichte und der örtlichen Sage wiesen zurück auf diesen thebanischen Helden, welcher nach boeotischer Weise vorzugsweise als schwergerüsteter Krieger und als Athlet mit entsprechender körperlicher Bildung gedacht wurde d. h. sehr groß und stämmig, ein gewaltiges Gliedergebäude, das Vorbild der Palaestra und der Athleten von Profession, wie namentlich auch die Künstler, vor allen Lysippos dieses Ideal ausgebildet haben. Wenn Pindar ihn gelegentlich kurz von Gestalt nenntI. 4, 53 (3, 71) μορφὰν βραχύς, ψυχὰν δ' άκαμπτος, vgl. Paus. 5, 8, 3 ει δὲ καὶ ‛Ηρακλει̃ τω̃ Θηβαίω μέγεθος παρισου̃το ο Λύγδαμις εγὼ μὲν ουκ οι̃δα, λεγόμενον δὲ υπὸ Συρακουσίων εστί., so ist das eben nur im Gegensatze zu dem libyschen Riesen Antaeos gesagt. Immer blieb es ein vorzüglicher Ruhm von Theben, daß Dionysos und Herakles dort geboren und dort zuerst erkannt wurden.

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