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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 42
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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b. Herakles und Athena.

Eine andre Eigenthümlichkeit dieses ältesten Gesanges vom Herakles war sein inniges Verhältniß zu Athena, auch dieses in den argivischen Dichtungen von Perseus und Bellerophon vorgebildet und für die gesammte Heldendichtung der späteren Geschlechter gleichfalls etwas Maaßgebendes. »Wie oft«, sagt die Göttin gelegentlich in der IliasIl. 8, 362 ουδέ τι τω̃ν μέμνηται ό οι μάλα πολλάκις υιὸν τειρόμενον σώεσκον υπ' Ευρυσθη̃ος αέθλων. η̃ τοι ο μὲν κλαίεσκε πρὸς ουρανόν, αυτὰρ εμὲ Ζεὺς τω̃ επαλεξήσουσαν απ' ουρανόθεν προίαλλεν., »habe ich dem Lieblingssohne des Zeus helfen müssen, wenn er in seiner Noth, da Eurystheus ihn in immer neue Kämpfe schickte, zum Himmel emporweinte und Zeus mich dann zu seinem Beistande vom Himmel herabsandte! Vollends als er den Hund des Aïdes aus dem Erebos hinaufführen sollte, wäre er ohne mich niemals der schrecklichen Strömung der Styx entkommen.« Auch die spätere Dichtung und Erzählung giebt manche einzelne Züge dieser beständigen Fürsorge der Athena für den größten Heroen der griechischen Sage, aber vorzüglich gewähren hier wieder die älteren Vasenbilder eine außerordentlich reiche Ausbeute, indem sie darin wie oft die ältere epische Ueberlieferung noch treuer widerspiegeln als die gewöhnliche Tradition; daher dieses Verhältniß neuerdings vorzugsweise die mythologische Kunsterklärung beschäftigt hatBraun Tages u. d. Herakles u. der Minerva h. Hochzeit, Münch. 1839, Monum. ed Ann. d. I. 1854 p. 45 sqq., Gerhard A. V. 1, 142 ff., O. Jahn Arch. Aufs. 83–127, Welcker A. D. 3, 31–47, Roulez choix d. vas. p. t. 7 p. 25 sqq.. Die ganze Folge der Kämpfe liegt in einer Reihe eben so alterthümlich gedachter als lebendig anschaulicher Bilder vor und immer sehen wir dabei den Herakles begleitet und umgeben von jenen beiden Göttern die alle Helden schützen, Athena und HermesOd. 11, 626 von dem Abenteuer der Unterwelt: ‛Ερμείας δέ μ' έπεμψεν ιδὲ γλαυκω̃πις ’Αθήνη.: so daß sein ganzes Dasein und alle seine Thätigkeit, vollends wenn man das verborgene Walten des Zeus und der Hera hinzudenkt, durchaus im Geiste des alten Epos nicht als 162 seine oder eine irdische Angelegenheit, sondern als die der ganzen olympischen Götterwelt erscheint. Athena aber ist in solchem Grade seine Freundin daß sie ihn nicht blos in alle Gefahr begleitet, sondern auch in allen Augenblicken der Ruhe und des erlangten Sieges als eine wahre Athena Nike bei ihm ist, indem sie ihm den Preis seiner Anstrengungen reicht oder sich seiner Erholung freut und zu seiner Erquickung beiträgt, bald in idyllischer Natureinsamkeit bald an seinem eignen Heerde mit ihm ausruhend; wie denn auch die gewöhnliche Sage davon zu erzählen wußte daß Athena ihrem Helden zu Liebe einen schönen Peplos gewirkt oder warme Quellen zu einem erquickenden Bade für ihn habe entstehen lassen, ja daß zuletzt, nachdem sie ihn durch alle Gefahren seiner mühseligen Lebensbahn begleitet hatte, auch seine Aufnahme unter die Götter recht eigentlich durch sie bewirkt worden seiPisander b. Schol. Ar. Nub, 1050 u. Zenob. 6, 49. Vgl. Aristid. 1 p. 25 φαίνεται γὰρ αύτη καταλεξαμένη θεὸν εις θεοὺς αυτόν, ει δὴ καὶ ότε η̃ν εν ανθρώποις εις άπαντας ηγει̃το τοὺς άθλους αυτω̃.. Um so weniger werden wir zu der Annahme berechtigt sein daß aller schriftlichen Ueberlieferung und der allgemeinen Ueberzeugung von dem jungfräulichen Charakter der Göttin zuwider ein geheimer Liebesbund zwischen ihr und Herakles bestanden habe, zumal da die Gruppen und Andeutungen jener Vasenbilder, so naiv sie oft die Fürsorge der Göttin für ihren Lieblingshelden und dessen Ehrfurcht vor seiner Schutzgöttin ausdrücken, zur Begründung einer so bedenklichen Annahme doch keineswegs ausreichenSo urtheilt jetzt Welcker, derselbe welcher die erste Veranlassung zu jener Annahme gegeben hatte, Gr. G. 2, 780. Vgl. a. a. O. 44 ff..

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