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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 35
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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d. Kephalos und Prokris.

Auch die Sage vom Kephalos wurde in verschiedenen Gestalten überliefert. Die ältere Poesie und Kunst scheint nur seine Entführung durch Eos gekannt zu habenEurip. Hippol. 451 όσοι μὲν νυ̃ν γραφάς τε τω̃ν παλαιτέρων έχουσιν αυτοί τ' εισιν εν μούσαις αεί, ίσασι μὲν Ζεὺς ώς ποτ' ηράσθη γάμων Σεμέλης, ίσασι δ' ως ανήρπασέν ποτε η καλλιφεγγὴς Κέφαλον ες θεοὺς ‛Έως έρωτος ούτεκ'. Vgl. Paus. 3, 3, 1: 3, 18, 7 und die Vasenbilder b. O. Jahn Archäol. Beitr. 93 ff., Gerhard A. V. 3, 39, 33, Roulez choix d. v. peints. t. 6.. Er war der Schönste 145 unter den Schönen, dabei ein rüstiger Jäger, der früh Morgens in die Berge ging und dort von der Eos seiner Schönheit wegen entführt wurde, denn Eos liebt alle Jäger und ist brünstiger NaturOpitz an die Morgenröthe: Wer seinen Muth will letzen Mit schneller Jagd und Hetzen, Der stehet auf mit Dir. Du bist der Brünste Mutter, Dein Thau erzeugt das Futter Für Wild und alles Thier. Vgl. Bd. 1, 340, [1020].. Das Kind dieser Liebe ist Phaethon d. h. der Abendstern, welchen Aphrodite zum nächtlichen Aufseher ihres Heiligthums machte, wie Hesiod th. 986 erzähltBd. 1, 349.. Oder man berichtete nach attischer Ueberlieferung daß Kephalos ein Sohn des Hermes und der Kekropide Herse gewesen, den Eos nach Syrien entführt habe, wo er durch sie der Vater des Tithonos und durch diesen weiter der Stammvater der ältesten Könige von Syrien, Kilikien und Kypros geworden seiApollod. 3, 14, 3, wo Phaethon ein Sohn des Tithonos ist.. Immer scheint er den Morgenstern zu bedeuten, sowohl als rüstiger Jäger des schönen frischen Morgens mit seiner erquickenden Kühlung und dem belebenden NaßDaher die Abstammung von Hermes, dem Gott des Zwielichts und der Herse, denn auch der Morgenstern spendet Thau, so gut wie Eos, Bd. 1, 343, [1034]; 349, [1057]. Selbst der Name ist wohl in diesem Sinne zu erklären, Κέφαλος von κεφαλή, vgl. den Kopf des Helios und den Lockenkopf des Abendsterns b. Kallimach. Del. 303. als in der Bedeutung eines Repräsentanten des Morgenlandes und seiner Völker und Könige, in welcher Hinsicht er dem Tithonos und dem Memnon gleicht. So wird sich auch seine Liebe zur Prokris am besten in diesem Sinne erklären lassen, denn Πρόκρις ist der Mond unter dem gewöhnlichen Bilde einer Frau von ausgezeichneter Schönheit und WürdeΠρόκρις d. i. η προκεκριμένη, eximia, wie schon Eustath. Od. 1688, 30 erklärt. Hesiod sagte πρόκριν für πρόκρισιν Cramer An. Oxon. 1, 46, 31. Vgl. Hesiod th. 411 von der Hekate: τὴν περὶ πάντων Ζεὺς Κρονίδης τίμησε. 415 αθανάτοις τε θεοι̃ς τετιμημένη., in einer Auffassung welche vorzüglich in Kreta und Attika heimisch war und in Sagen und Volksliedern seit alter Zeit gefeiert wurde. Man sang von ihrer Liebe, ihrer Heilkraft, ihrer männlichen Lust zur Jagd, wodurch sie eine Gefährtin der Artemis geworden, und von ihrem niemals fehlenden Jagdspeere, welcher sogar zum Sprichwort wurdeEustath. 1688, 27 ιστέον δὲ ότι περιάδεται επ' ανδρία καὶ η Πρόκρις αύτη καθὰ καί τις ’Αργανθώνη (eine mysische Heroine, Steph. B. ’Αργανθών) καὶ ετέρα ‛Ροδογούνη (ein persischer Name) καὶ άλλη ’Αταλάντη, καὶ ότι παροιμία εξ αυτη̃ς φέρεται τὸ Πρόκριδος άκοντα von nimmer fehlenden Schützen, vgl. Suid. s. v., Diogen. 7, 55, Apostol. 16, 71, Eurip. Ion 1155 vom Vollmonde: κύκλος δὲ πανσέληνος ηκόντιζ' άνω.. Die Odyssee 11, 321 nennt sie neben den 146 Minostöchtern Phaedra und Ariadne, so daß sie wohl eigentlich nach Kreta gehört. In Attika erzählte man von ihr und ihrer Liebe zum Kephalos vorzüglich in Thorikos an der südöstlichen Küste der Halbinsel, wo kretische Schiffer anzulegen pflegtenHom. H. in Cer. 126 vgl. O. Müller Dor. 1, 230. Von der Einwanderung der Kephaliden und ihrer Verehrung des pythischen Apoll Paus. 1. 37, 4. Neben demselben scheint in Thorikos der Morgenstern verehrt worden zu sein, Konon 7. und das attische Geschlecht der Kephaliden heimisch war. Und zwar erscheint Kephalos in dieser Sage nicht als eingeborner, sondern als eingewanderter Held, ein Sohn des Königs von Phokis Deion oder Deioneus d. h. des Streitbaren, vom Stamme des Aeolos; denn auch in diesen Gegenden erzählte man und zwar seit älterer Zeit vom KephalosDie Nosten kannten ihn als Gemahl der Klymene, einer T. des Minyas, und Vater des Iphiklos, Paus. 10, 29, 3. Δηίων oder Δηιονεὺς von δηιος., auch in Boeotien und auf den kephallenischen Inseln, für deren Eponymos er galt. Prokris wurde nun zur Tochter des attischen Königs ErechtheusBd. 1, 160, [415]., Kephalos zugleich von ihr und von der Eos geliebt, weil der Morgenstern zugleich der Nacht und dem frühen Morgen angehört. So entstand die rührende Geschichte von der zärtlichen und doch so schwer gekränkten, endlich durch ihren Tod besiegelten Liebe der Prokris, welche Pherekydes in ihrer einfacheren Gestalt erzählteSchol. Od. 11, 321. Die Eifersucht des Kephalos wird hier durch die Untreue der Prokris, die der Prokris durch ihren Tod bestraft., Sophokles zu einer Tragödie verarbeitet hatte. Bei den Späteren sind die verschiedenen Ueberlieferungen der attischen, der kretischen, der boeotischen und der kephallenischen Sage zu einem fortlaufenden Ganzen verschmolzen wordenOvid M. 7, 687–758. 796–862, Hygin f. 189, Antonin. Lib. 41.. Es war die zärtlichste Liebe, welche Kephalos und Prokris verband, bis er einst früh Morgens in die Berge ging um zu jagen und nicht wiederzukehren, denn Eos hatte ihn entführtBei Pherekydes gab er eine Blutschuld vor, die ihn auf acht Jahre entferne, kam aber dann in fremder Gestalt und reichem Schmuck zurück um die Treue der erst vor kurzem mit ihm vermählten Prokris in Versuchung zu führen. Nach Apollod. 3, 15, 1 ließ Prokris sich von Pteleon (wohl dem verstellten Kephalos) durch einen goldnen Kranz verführen. Von der Tragödie des Sophokles ist nicht mehr als der Titel Prokris bekannt.. Er aber wollte von 147 keiner anderen Liebe wissen als von seiner Prokris. Da beredet ihn Eos ihre Treue in Versuchung zu führen, indem sie seine Gestalt verwandelte und ihn mit kostbaren Geschenken ausstattete. So ging er zur schmachtenden Prokris, die seiner Verführung nachgab und dann erfahren mußte daß der eigene Gatte ihr Verführer gewesen. Voll von Scham und tiefer Kränkung entwich sie nun nach Kreta, wo sie mit der Artemis jagteKallim. Dian. 209 καὶ Κεφάλου ξανθὴν άλοχον Δηιονίδαο Πότνια σὴν ομόθηρον εθήκαο. Vgl. Paus. 9, 19, 1. und von ihr jenen berühmten Jagdspieß bekam, der niemals fehlte, auch den nicht weniger berühmten Hund Lailaps, dem kein Wild zu entfliehen vermochte. So ausgestattet kehrt sie zurück zum Kephalos, welcher sie reumüthig aufnimmt und für das Geständniß seiner Schuld die Wundergaben der Artemis als Geschenk bekommtWas Ovid nur andeutet erzählen Hygin und Antonin. Lib. genauer.. So sind sie von neuem vereint, doch ist der Stachel des Argwohns einmal in ihrer Brust geweckt. Sie erfährt daß Kephalos früh Morgens auf der Jagd oft und verlangend nach der Aura rufe d. h. nach der frischen MorgenluftOvid M. 7, 811 ff. Nach Pherekydes rief Kephalos auf dem Gipfel eines Berges stehend ω̃ Νεφέλη παραγενου̃, was auf dasselbe Bild hinausläuft, denn Aura und Νεφέλη sind die begleitenden Erscheinungen der Morgenröthe. Also eigentlich wieder die Eos. Zugleich ein Beweis daß beide Dichtungen, die von der Eos und Kephalos und die von der Prokris, ursprünglich getrennt waren., hält diese für eine Nebenbuhlerin und schleicht ihm nach ins Gebirge. Sie versteckt sich im Gebüsch, er sieht sich etwas bewegen, glaubt es sei ein Wild, schleudert den niemals fehlenden Speer und ach! die Gute stirbt durch ihr eignes Geschenk. Ein anmuthiges Bild für den sich versteckenden und erblassenden Mond, wenn der junge Morgen kommt und den Tag heraufführt, wie auf jenem Vasenbilde, welches den Sonnenaufgang darstellt, Eos dem Helios voraneilend nach dem Kephalos hascht, Selene aber auf ihrem Maulthiere langsam in die Tiefe hinabreitet (1, 340). Andre wußten von jenem Hunde daß er ein Kunstwerk des Hephaestos gewesen, von Erz, aber beseelt, ein Geschenk des Zeus an die Europa, der Europa an Minos, des Minos an Prokris, der Prokris an KephalosNikander b. Poll. 5, 38 vgl. Apollod. 3, 15, 1 u. Antonin. Lib. l. c.; denn auch die Geschichte des Minos erzählte von der Prokris, er habe sie geliebt, sie aber habe ihn von einem bösen 148 Zauber befreit, mit welchem ihn seine Gemahlin Pasiphae verzaubert hatte, und dafür zum Lohne als Jägerin jenen Hund und den Speer gefordert. Der Hund aber gab weiter einen Anlaß zur Verschmelzung der attischen Sage mit der boeotischen. Kephalos wird wegen seiner Blutschuld aus Attika verbanntHellanikos b. Schol. Eur. Or. 1643, Paus. 1, 37, 4, Apollod. l. c. und begiebt sich nach Theben um hier dem Amphitryon bei der Jagd des teumessischen Fuchses mit seinem Hunde beizustehn. Dieser Fuchs war ein bösartiges Thier, welches Dionysos oder Poseidon in seinem Grimm über die Kadmeer hatte kommen lassen, die es fraß und beschädigte, Menschenopfer forderndJeden Monat bekam es einen Knaben, sonst würde es viele gefressen haben, Apollod. 2, 4, 7.; dazu konnte es nimmer erjagt werden. So verfolgt der Hund, dem nichts entging, den nimmer erjagbaren Fuchs, eine ewige Jagd, welcher Zeus dadurch ein Ende machte daß er beide Thiere in Stein verwandelteNikander l. c, Ovid M. 7, 759–793, Apollod. 2, 4, 6. 7, Paus. 9, 19, 1, Hygin P. A. 2, 35, Eratosth. cat. 33.. Offenbar ist der Rothfuchs wie in den Märchen andrer Völker ein Bild des Kornbrandesερυσίβη von der rothen Farbe, daher Apollo ερυθίβιος auf Rhodos. Es hängt zusammen mit ερυθρός, robigo, rufus, roth, G. Curtius Grundz. I, 217. Vgl. die Robigalia in Rom Röm. Myth. 437 u. die Fabel bei Babr. II, Simsons Füchse Buch der Richter 15, 4. 5., der Hund das gewöhnliche Bild des Sirios, weil der Kornbrand in der Zeit der größten Hitze am meisten zu fürchten ist. Kephalos aber ist auch hier an seiner Stelle, weil der Morgenthau gegen solche Beschädigung die beste Hülfe gewährt. Endlich begiebt sich der Held mit Amphitryon auf den Zug gegen die Teleboer, wo er sich nach Einigen die Herrschaft über die Kephallenen durch seine Thaten verdiente, nach Andern als verzweifelnder Liebhaber durch den Sprung vom leukadischen Felsen sein Leben endeteStrabo 10, 452, Apollod. l. c, Schol. Il. 2, 631. Der Kopf des Kephalos auf den kephallenischen Münzen..

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