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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 34
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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c. Prokne und Philomela.

Der schöne, aber wehmüthige Gesang der Nachtigall, der in die allgemeine Lust des Frühlings wie ein tiefer Schmerz hineinklingt, hat die Alten zu mehr als einem Märchen veranlaßt. Herkömmlich blieb es den schwermüthigen Vogel als verwandelte Prinzessin zu denken, welche um ihr durch eigne Schuld verlornes Kind Itys oder Itylos (mit dem die langgezogenen Töne nachbildenden Namen) klageAesch. Ag. 1143 ταλαίναις φρεσὶν ’Ίτυν ’Ίτυν στένουσ' αμφιθαλη̃ κακοι̃ς αηδὼν βίον. fr. 283 θρηνει̃ δὲ γόον τὸν αηδόνιον. Soph. El. 107 τεκνολέτειρ' ώς τις αηδών. 148 ὰ ’Ίτυν αιὲν ’Ίτυν ολοφύρεται όρνις ατυζομένα, Διὸς άγγελος (als Frühlingsbote). 1077 α πανοδυρτὸς αηδών. Eurip. Rhes. 550 παιδολέτωρ μελοποιὸς αηδών. Hel. 1110 αηδόνα δακρυόεσσαν. Arist. Av. 212 τὸν πολύδακρυν ’Ίτυν ελελιζομένη διεροι̃ς μέλεσι. ’Ίτυλος ist die Deminutivform von ’Ίτυς, das ι nur der kurze Vorschlag des langgezogenen τύ τύ τύ. Vgl. das Aristophanische τιὸ τιὸ τιὸ τιοτίγξ.; die sonstige Umgebung aber wechselte verschiedentlich. So vergleicht schon Penelope 141 Od. 19, 318 ff. ihre nächtlichen Klagen mit denen der Nachtigall, wenn sie im Frühlinge so wunderschön singe, in den dichtbelaubten Büschen klagend um ihr liebes Kind Itylos, das sie aus Versehn getödtet habe; doch ist die Nachtigall hier eine Tochter des Pandareos, angeblich eines Milesiers von Kreta, der sich durch seinen Diebstahl eines goldnen Hundes, eines Werks des Hephaestos, aus dem Heiligthum des Zeus von Kreta und durch seine Theilnahme am Verrath des Tantalos bekannt gemacht hatteSo erklärte man das traurige Schicksal seiner Töchter, die zuletzt Dienerinnen der Erinyen wurden, Od. 20, 66 vgl. Bd. 1, 286. Πανδάρης Πανδάρεος Πανδάρεως (wie Τυνδάρεως) galt für einen Milesier aus dem kretischen Milet, welcher jenen Hund dem Tantalos am Sipylos überliefert habe und später nach Athen und Sicilien flüchtig geworden sei, Paus. 10, 30, 1, Schol. Od. 19, 518; 20, 66, Eustath. Od. 1875, 32, Schol. Pind. Ol. 1, 90. 97, Antonin. Lib. 36.. Auch ist sie noch nicht mit dem Thrakerkönige Tereus vermählt, sondern mit Zethos, dem Bruder Amphions, daher man nachmals erzählte, sie habe aus Neid über den reichen Kindersegen ihrer Schwägerin Niobe den ältesten Sohn derselben tödten wollen, aber in der Nacht und aus Versehn ihr eignes Kind getroffenPaus. 9, 5, 5, Schol. Od. l. c., Eustath. 1875, 15.. Zu der Nachtigall aber gesellte sich bald die Schwalbe, ein Frühlingsvogel wie jene und als solcher in Griechenland sehr populärHesiod O. D. 568 τὸν δὲ μετ' ορθρογόν (die mit dem frühen Morgen singende) Πανδιονὶς ω̃ρτο χελιδὼν ες φάος ανθρώποις έαρος νέον ισταμένοιο. Simonid. fr. 74 άγγελε κλυτὰ έαρος αδυόδμα, κυανέα χελιδοι̃. Arist. Thesm. 1, Horat. Od. 4, 12, 5, Ep. 1, 7, 13, Grimm D. M. 723. Daher die χελιδονισμοὶ der Knaben d. h. Umzüge durch die Stadt und Bittgesänge, wenn die Schwalben wiederkamen und in die alten bekannten Häuser wieder einkehrten, ώστε χελιδών έστηκ' εν προθύροις ψιλὴ πόδας Hom. Eires. 12, vgl. den Gesang der Knaben auf Rhodos b. Athen. 8, 60, Ahrens dial. Dor. 478., auch ein Sinnbild der Klage wie die Nachtigall, ja man ging so weit der Schwalbe und ihrem Gezwitscher eine Vorbedeutung von frühem Tode und großer Trauer beizulegenArtemid. 2, 66 vgl. Hesych πύθου χελιδόνος u. αδωνηὶς η χελιδών. Auch Isis klagt wie die Schwalbe Plut. Is. Osir. 16. Vgl. Jes. 38, 14 Ich winselte wie eine Schwalbe.. Schon Hesiod O. D. 568 und Sappho nannten sie eine Tochter PandionsSappho fr. 87 Πανδιονὸς ω̃ έραννα χελίδων. Ueber Pandia und ihr Fest Bd. 1, 347, [1046] vgl. Hygin fab. pr. ex Iove et Luna Pandia., dessen Name mit der Feier der Pandia d. h. des Frühlingsvollmondes zusammenzuhängen scheint, so daß diese Genealogie nur eine Umschreibung der Erscheinung der Schwalbe mit dem ersten Frühlinge wäre. Hesiod soll auch die Fabel vom 142 Thrakerkönige Tereus gekannt und die völlige Schlaflosigkeit der Nachtigall, so wie die halbe der Schwalbe durch das in Thrakien begangene Verbrechen erklärt habenAelian V. H. 12, 20 vgl. Hes. αηδόνειος επὶ μὲν ύπνου τὸ ελάχιστον, επὶ δὲ λύπης τὸ σφοδρότατον u. Bekk. An. 349, 8 αηδόνειος ύπνος.. Eine Eigenthümlichkeit der attischen Fabel aber sind die Namen Prokne und Philomela, von welchen jener eigentlich der Nachtigall galt und auf die Süßigkeit ihres Gesangs deuteteΠρόκνη vgl. προκνίς eine Art von Feigen, Athen. 14, 67. Hom. H. in Pan. 17 von der Nachtigall ήτ' έαρος πολυανθέος εν πετάλοισι θρη̃νον επιπροχέουσα ίει μελίγηρυν αοιδήν. Arist. Av. 659 τὴν ηδυμελη̃ ξύμφωνον αηδόνα Μούσαις. Nach Eustath. Od. 1688, 31 war auch Πρόκνις ein weiblicher Eigenname., dieser der Schwalbe, wahrscheinlich um ihre Liebe zu Haus und Hof auszudrückenΦιλομήλα von μη̃λον d. i. Zuchtvieh, daher der Stall ihr Aufenthalt b. Ovid M. 6, 521 in stabula alta trahit silvis obscura vetustis. 596 venit ad stabula avia tandem. Vgl. die Namen Πολυμήλη und Φιλομήλα Bd. 1, 308 u. b. Eustath. Il. 1053, 52, wo auch Εύμηλος und Πόλυβος verglichen werden, Demeter μαλοφόρος Bd. 1, 602, [1913], Artemis als Χρύση Φιλομήλη, bei ihr die Hirschkuh, auf einer Vase b. Gerhard Ant. Bildw. t. 59. Also hieß die Schwalbe Φιλομήλα in demselben Sinne wie Aesch. fr. 52 πέδοικος χελιδὼν sagt d. h. σύνοικος und andre Dichter sie ομορόφιος nennen. Erst als der Name auf die Nachtigall übertragen worden, dachte man an μέλη. Nach der älteren Erzählung, welcher gewiß auch Sophokles folgte, wird Prokne immer zur Nachtigall, Philomela zur Schwalbe, Thuk. 2, 29, Eurip. Herc. f. 1021, Arist. Av. 660 ff., Aristot. rhet. 3, 3, Varro I. I. 5, 76, auch in der Kunst, s. Paus. 1, 24, 3 Prokne im Begriff den Itys zu tödten, ein Werk des Alkamenes. Anders Welcker ep. Cycl. 1, 274. 443 und A. D. 2, 65, welcher sowohl den Namen Εύμηλος als jenen Beinamen der Artemis wie den der Philomela vom Gesange versteht, von μέλος, durch Verlängerung des ε.. Schon dem Tragiker Aeschylos war diese Fabel geläufig, darauf wurde sie durch Sophokles zu einem Stücke von lebhafter dramatischer Wirkung überarbeitetAesch. Ag. 1142, Suppl. 60–67, fr. 297, Welcker Gr. Trag. 374 ff. Später hatte Philokles eine Pandionis gedichtet und Livius und Attius die Fabel für das römische Theater bearbeitet. Die vollständige Erzählung b. Ovid M. 6, 474–674, Apollod. 3, 14, 8, Schol. Ar. Av. 212, Konon 31, Achill. Tat. 5, 5 u. A.. Prokne und Philomela waren beide Töchter des attischen Königs Pandion, also Schwestern. Der Wiedehopf (έποψ) wurde als ihr Widersacher gedacht, weil er sie in der Natur verfolgtέποπες αεὶ αηδόνας καὶ χελιδόνας διώκουσιν. Konon 31. Vgl. Aelian N. A. 2, 3 u. Achill. Tat. l. c. Einige deuteten den Gesang des Wiedehopfs als Klage um Itys, Andre als ein Suchen nach den beiden Schwestern που̃ άρα εισίν; Plato Phaed. 85 A, Zenob. 3, 14, Eustath. Od. 1875, 13., übrigens ein streitbares und 143 kriegerisches Thier, weil sein großer Schnabel und der Helmbusch auf dem Kopfe einen solchen Eindruck machteHesych μακεσίκρανος έποψ διὰ τὸ έχειν επὶ τη̃ς κεφαλη̃ς καθάπερ λόφον. καὶ κορυθαίολον αυτὸν λέγουσι. πολυώνυμον δὲ τὸ ζω̃ον, σίντην τε γὰρ αυτὸν καὶ αλεκτρυόνα καὶ γέλασον λέγουσι. Aesch. fr. 297 θρασὺν πετραι̃ον όρνιν εν παντευχία. Vgl. Arist. Av. 94 ff., Ovid M. 6, 672., daher ein Thrakerkönig und Sohn des Ares. Doch dachte man sich in Athen als seine Heimath nicht das nördliche Thrakerland, sondern die Gegend von Daulis, einer an den Abhängen des Parnaß vor dem Passe von Boeotien nach Phokis gelegenen Stadt, wo man auch von Thrakern fabelte und wo schon der Name Daulis an Gebüsch und Nachtigallenschlag erinnerteΔαυλὶς von δαυλός d. i. δασυλός, δασύς. Thuk. 2, 29 nπολλοι̃ς δὲ καὶ τω̃ν ποιητω̃ν εν αηδόνος μνήμη Δαυλιὰς η όρνις επωνόμασται d. i. eigentlich der Vogel im Busch, Μου̃σα λοχμαία Arist. Av. 737. Vgl. Hes. Δαυλίαν κορώνην, Zenob. 3, 14 und die örtliche Ueberlieferung b. Paus. 10, 4, 5 ff. Die Thraker von Daulis sind wahrscheinlich eine Folge der dortigen Bacchusfeier, an welcher die attischen Thyiaden theilnahmen, Paus. 10, 4, 2. Die Nachtigallen schlagen in den dortigen Gebüschen nach wie vor. Bei Ovid und Hygin f. 45 ist die Handlung im eigentlichen Thrakien.. Man erzählte also daß Pandion, der König von Athen, in einem Kriege mit Labdakos, dem Könige von Theben, den Tereus zum Verbündeten gehabt und ihm zum Lohne für seinen tapfern Beistand seine Tochter Prokne zur Frau gegeben habe. Das Kind dieser Ehe ist Itys. Aber der üppige Barbar begehrt auch der Philomela, die er im Namen der Schwester in Athen abholt und unterwegs schändet. Damit die Geschwätzige nichts verrathe, reißt er ihr die Zunge aus und versteckt sie in einem Stall im Walde: eine Andeutung des gewöhnlichen Aufenthalts der Schwalbe und ihres zugleich geschwätzigen und stammelnden GezwitschersZenob. όθεν έτι καὶ νυ̃ν αι χελιδόνες τετμημένας τὰς γλώσσας έχουσι. Eustath. Od. 1875, 11 διὸ τραχύφωνός εστιν η χελιδών καὶ αηδὴς τὸ μέλος οι̃α κολουσθει̃σα τη̃ς γλώττης καὶ συχνὰ τὸν Τηρέα υποτραυλίζουσα κατὰ στόμα προφέρει. Daher τραυλὲ χελιδών Anth. Planud. 141, 1 und χελιδονίζειν in dem Sinne von βαρβαρίζειν, Aesch. Ag. 1050, Arist. Ran. 681. Ihrer Geschwätzigkeit gelten die χελιδόνων μουσει̃α ib. 93 vgl. Clem. Al. Str. 5, 5 p. 660.. Aber geschickt wie sie ist im Bau der Nester weiß sie der Schwester trotz ihrer Verstümmelung Nachricht zu geben, durch ein kunstreiches Gewand, mittelst dessen sie ihre Geschichte durch eingewebte Bilder und Buchstaben ausdrückteDieser in den meisten Erzählungen hervorgehobene Zug fand sich auch b. Sophokles, Arist. Poet. 16 εν τω̃ Σοφοκλέους Τηρει̃ η τη̃ς κερκίδος φωνή, vgl. Achill. Tat. 5, 5 καὶ πρὸς αυτὴν ὰ πέπονθε τη̃ κερκίδι λαλει̃.. Die Aufregung der 144 nächtlichen Bacchusfeier führte darauf zur Vereinigung beider Schwestern, diese zur blutigen Rache. Der Knabe Itys wird geschlachtet und seinem eignen Vater als Mahl vorgesetzt, eine Nachahmung des Thyestischen Mahls. Tereus verfolgt nun die Schwestern mit geschwungenem SchwerdteTereus die beiden Schwestern verfolgend auf einem apulischen Vasenbilde, Nouv. Ann. de l'Inst. 2, 21., bis alle drei in die Vögel verwandelt werden, deren Naturleben das alte Drama noch immer fortsetzt, Tereus in den Wiedehopf, Prokne in die Nachtigall, Philomela in die Schwalbe. Später, namentlich bei den lateinischen DichternVirg. Ecl. 6, 79, Ge 4, 15. 511, Horat. Od. 4, 12, 5–8, Ovid Am. 2, 6, 7, F. 2, 851, Hygin f. 45, Plut. Symp. 8, 7, 2., haben die Schwestern ihre Rolle vertauscht, worauf das Ausschneiden der Zunge Philomelens auf das Verstummen der Nachtigall nach der Lust des Frühlings gedeutet wurdeHimer, or. 24, 5.. Oder man nannte nun den verwandten und oft mit ihm verwechselten Specht anstatt des Wiedehopfes, indem man jenen im Walde hackenden und hämmernden Vogel zu einem kunstreichen Zimmermann machte, die Schwalbe aber zu einer wasserschöpfenden Magd und Dienerin ihrer Schwester: in welcher Gestalt man sich das Märchen in der Gegend von Ephesos und Kolophon erzählteAntonin. Lib. 11 Πολύτεχνος ο τέκτων wird zuletzt zum πελεκα̃ς d. i. der Specht παρὰ τὸ πελεκα̃ν τὰ ξύλα, daher Tereus bei Apollodor ein Beil gegen die Schwestern schwingt, vgl. Röm. Myth. 298, 1. Pandareos, der Vater der Nachtigall, von Demeter mit unverwüstlicher Verdauungskraft begabt, wird hier zum Seeadler u. s. w.. Oder der thebanische Zethos verwandelt sich in den Boreaden Zetes und sein Kind Itylos in einen ’ΑήτυλοςHellad. b. Phot. bibl. 531. ’Αήτυλος οιονεὶ εξ αήτου γένος έλκων Eustath. Od. 1875..

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