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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 3
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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A. Landschaftliche Sagen.

1. Thessalien.

[a. Lapithen und Kentauren.]

Diese Landschaft und ihre rings begrenzenden Gebirge müssen in einer sehr frühen Zeit außerordentlich reich an Sagen gewesen sein, die sich sowohl durch Kühnheit und Eigenthümlichkeit als dadurch auszeichnen daß das Hellenische sich hier am wenigsten mit ausländischen Elementen vermischt hat. Einzelne Bilder daraus sind der Olymp mit seinen Göttern und Musen, die Berge und Thäler welche das Schlachtfeld der Giganten und Titanen waren, die Aloiden, der Dreizack Poseidons und die ritterlichen Geschlechter welche sich von diesem Gotte ableiteten. Apollons Liebe und Freundschaft und sein Gesang und Lorbeer in dem romantischen Tempethale oder an den Abhängen des Pelion, Iolkos und die Minyer, Peleus und Thetis mit Achill und seinen Hellenen und Myrmidonen. Doch brachte es das Schicksal der fruchtbaren Landschaft mit sich, da sich von jeher viele Herren und viele Völker um ihren Besitz stritten, daß die alte Bevölkerung sich früh zerstreute, daher manche von diesen Sagen in der Landschaft selbst nicht zur völligen Consistenz gelangt sind, sondern sich mit auswandernden Stämmen und Geschlechtern über andere Gegenden zerstreut haben.

Außer den früher behandelten oder später zu behandelnden Sagen thessalischen Ursprungs war es besonders die von den Lapithen und Kentauren, welche zu allen Zeiten Dichtkunst und bildende Kunst sehr viel beschäftigt hat. Ihre Anfänge scheinen mit Naturbeobachtung und denselben Eigenthümlichkeiten der Landschaft zusammenzuhängen, welche sich auch sonst in den thessalischen Sagen widerspiegeln. Aus einem ursprünglich wohl nur märchenhaft gedachten Kampfe der wilden Recken und Kämpen des Gebirgs und seiner steinernen Burgen mit eben so wilden Dämonen des Gebirgs und der niederströmenden Gebirgsfluth hat die Sage und das Epos den berühmten Kampf der Lapithen und Kentauren geschaffen, wie wir ihn noch jetzt in so vielen der schönsten griechischen Bildwerke vergegenwärtigt sehen.

10 Denn von beiden, sowohl den Lapithen als den Kentauren, ging die Sage vorzüglich in den Thessalien rings umgebenden Gebirgen, am Pindos, am Olymp, am Pelion, an der Othrys. Namentlich erzählte von den Lapithen die des Peneiosthales und der kühnen Felsen des Tempepasses unter dem Olymp, namentlich in der Gegend von Gyrton, welche auch als Heimath der Phlegyer genannt wird, der mythischen Doppelgänger der Lapithen; ferner die der Gegend unter dem Pelion, wo der Amyros und der boebeische See die fruchtbare Niederung bewässern, deren in der Sage vom Asklepios und in anderen Sagen gedacht ist. Diese letztere ist auch der Schauplatz jener wilden Kämpfe zwischen den Lapithen und Kentauren, welche immer die Hauptsache in den erhaltenen Traditionen der Dichtung sind.

Man hält die Lapithen gewöhnlich für ein wirkliches Volk und allerdings berichtet die Sage von ihnen in diesem Sinne. Doch machen gewisse Züge derselben und macht vorzüglich der Name entschieden den Eindruck eines mythischen Bildes von kühner Naturkraft und eben so kühnen und wilden Sitten, etwa nach Art unserer Hünen und Riesen. Im Peloponnes hieß noch zur Zeit des Pausanias mehr als ein hohes Felsenhaupt des Gebirges Lapithensitz oder LapithenbergΛαπίθαιον auf dem Taygetos, nicht weit von dem H. der Artemis Derrheatis, Paus. 3, 20, 7 vgl. Apollod. 3, 10, 3 und Bd. 1, 234. Ein Berg Λαπίθας, wo der Anigros entsprang, Paus. 5, 5, 5. Pindus et Othrys Lapitharum sedes Plin. 4, 30. Λαπίθη πόλις Θεσσαλίας Steph. B. ‛Υψεύς König der Lapithen Pind. P. 9, 13. Nach Apollod. 1, 8, 2 und Palaeph. 1 waren Ixion und Peirithoos Könige von Larissa., welcher Name weiter an Lapersa, den Sitz der Dioskuren erinnert. Es scheint daß das Wort mit λα̃ς d. i. Stein, Fels zusammenhängt, nur in einer anderen Form welche sich in dem lateinischen lapis (λίθος) erhalten hat, so daß also bei jenen Benennungen ein felsiges Gebirg, eine felsige Burg gemeint wäre, wie man sie sonst in Griechenland mit dem in vielen Gegenden wiederkehrenden Namen Larissa zu nennen pflegteΛάα (Il. 2, 585) von λα̃ς, mit eingesetztem σ Λάσα, wie auch λα̃σες für λα̃ες gesagt wurde, Hes. v. Λάσαν u. λάσων. Daher Λάρισα oder Λάρισσα. Die Wörter Λαπέρσαι Λαπίθης setzen einen andern Stamm verwandter Bedeutung voraus.. Die Lapithen also sind entweder die auf solchen felsigen Bergen heimischen Riesen und Recken der Vorzeit, wie denn auch die deutsche und nordische Sage sich die Riesen meist auf Felsen und Bergen hausend und ihre 11 ganze Natur demgemäß ausgestattet dachteGrimm D. M. 499.. Oder es ist vielleicht auch hier, wie bei den Dioskuren und beim Eurytos, dem großen Schützen der Bergfeste Oechalia, ein alter Höhencultus vorauszusetzen, worauf namentlich das ebenso eigenthümliche als alterthümliche Symbol vom Rade des Ixion führen möchte. Genug aus solchen sehr alten, durch die Zeit entstellten Elementen des Volksglaubens sind durch Lied und Sage jene unbändigen Helden der Vorzeit geworden, deren wilden Trotz man später durch den sprichwörtlichen Ausdruck λαπίζειν bezeichneteVgl. die Lexic. v. λαπίζω, λάπισμα, λαπιστής., wie in Folge eines ähnlichen Gedankenzusammenhangs das Wort φλεγυα̃ν die Bedeutung des höchsten Frevelmuthes bekommen hat: rechte Seitenstücke zu jenen Aloiden der Flur (1, 80) welche durch die Pflege des fruchtbaren Ackergrundes zu demselben Uebermuthe geführt wurden, wie diese gepanzerten Helden der felsigen Gipfel durch ihr Handwerk der Waffen und den Trotz ihrer kühnen Burgen. Die Ilias 12, 127 ff. schildert zwei Lapithen, den Polypoites und den Leonteus, wie sie vor Troja in dem wildesten Kampfe um die Mauer des griechischen Schiffslagers unerschütterlich fest vor den Thoren stehen »gleich hochragenden Eichen auf dem Gebirge, welche Tag für Tag dem Winde und dem Wetter trotzen, mit den gewaltigen Wurzeln fest in die Erde geklammert.«

Eine von den Sagen der Gegend von Gyrton und Elateia d. h. der Ringmauer und der Fichtenwaldung erzählte vom Kaeneus d. h. dem Würger (καίνω) und von seinem Sohne Koronos, welcher Name auf einen gewundenen Bergesabhang deutet (Bd. 1, 403, [1242]). Kaeneus heißt ein Sohn des Elatos d. h. des Fichtenmannes. Ursprünglich sei er eine schöne Jungfrau gewesen, die Poseidon geliebt und aus Liebe in einen Mann verwandelt und unverwundbar gemacht habeSchol. Il. 1, 264, Schol. Apollon. 1, 51. Aehnliche Verwandlungen b. Antonin. Lib. 17.. Im Kampfe mit den Kentauren wird er von diesen mit Felsen und Baumstämmen ganz überschüttet, bis er zuletzt, noch immer lebendig und unverwundet, in den Grund der Erde fuhr, wie davon schon Pindar dichtetePind.fr. 144 ο δὲ χλωραι̃ς ελάταισι τυπεὶς ώχετ' ες χθόνα σχίσαις ορθω̃ ποδὶ γα̃ν. Vgl. Apollon. 1, 59–64, Orph. Argon. 170–175, Ovid M. 12, 514 ff. und die bekannte Gruppe auf dem Fries von Phigalia, auch auf Vasenbildern, Roulez choix de v. p. t. 11 p. 48, 4. Nach Virg. A. 6, 448 Serv. ward er in der Unterwelt wieder zum Weibe. Nach Ovid M. 12, 172 bewohnte er die Othrys d. h. wohl Larissa Kremaste. und verschiedene Bildwerke die Scene 12 vergegenwärtigen. Andere erzählten daß er seinen Spieß in der Mitte des Marktes in die Erde gestoßen und dem Volke geboten habe, das solle sein Gott seinSchol. Il. u. Apollon. ll. cc. Vgl. Bd. 1, 258, [735].: die mißverstandene Erinnerung an einen alten Dienst des Ares oder einen Blutbann. Von seinem Sohne Koronos erzählte die dorische Stammsage daß er dem Herakles und dem Aegimios gefallen, von seinem Enkel Leonteus, dem Löwenherzigen, daß er einer der Führer vor Troja gewesen sei (Il. 2, 745).

Die andere und bekanntere Sage ist die vom Ixion und Peirithoos, welche gleichfalls Könige von Gyrton genannt werden. Das Weib des Ixion heißt Dia, in der Ilias eine Geliebte des Zeus (14, 317), in der gewöhnlichen Sage Tochter des Deioneus d. h. des Feindlichen, des Kriegerischen und vom Ixion die Mutter des Peirithoos. Als jener um Dia wirbt, verspricht er dem Vater nach alter Sitte viele Brautgeschenke, hält aber nicht Wort. Deioneus legt deshalb auf seine Rosse Beschlag, Ixion aber stürzt den erst Betrogenen nun auf hinterlistige Weise in eine mit feurigen Kohlen gefüllte Grube, so daß er umkommt. Und zwar war dieses Verbrechen an einem stammverwandten Manne das erste in seiner Art, daher Ixion von Aeschylos und Pindar der erste Mörder genannt wird, als welcher er auch zum Beispiel der Blutschuld und ihrer Sühne durch göttliche Gnade wurdeAesch. Eum. 441 σεμνὸς προσίκτωρ εν τρόποις ’Ιξίονος. Auch der Name ’Ιξίων scheint mit ικέτης und ικέσθαι zusammenzuhängen; obwohl Pott Z. f. vgl. Spr. 7, 86 u. G. Curtius Grundz. 1, 107 die Ableitung von der W. ικ–μάς vorziehn.. Die Folge des Verbrechens ist wie in ähnlichen Sagen Wahnsinn (λύσσα) und Ixion kann von diesem nur durch Buße und Sühne errettet werden, die ihm kein Gott und kein Mensch gewähren will, bis er zuletzt vom Zeus gereinigt und an seinem eigenen Heerde als Gastfreund aufgenommen wird. Da gelüstet es den Frechen und ganz Unverbesserlichen nach der hehren Himmelskönigin Hera, die ihm ein Wolkengebild ihrer eigenen Gestalt beilegt, welches darauf vom Ixion die Kentauren gebiert. Der Lapithenkönig ist verblendet genug sich seines vermeintlichen Glückes zu rühmen, worauf Zeus ihn durch Hermes auf das Rad flechten läßt und zum ewigen Strafexempel mit diesem in die Unterwelt versetztPind. P. 2, 21 ff., Pherek. fr. 103, Diod. 4, 69, Schol. Apollon. 3, 62. Ueber den Ixion des Aeschylos s. Nauck tr. gr. fr. p. 22. Pherekydes nannte Ixion einen Sohn des Πείσων, Aeschylos des ’Αντίων, Euripides des Phlegyas, Andre des Ares.. Man sieht wie diese Sage frühzeitig eine 13 didaktische Wendung genommen hatte, die Aeschylos nach seiner frommen und tiefsinnigen Weise noch weiter ins Theologische ausbildete. Ursprünglich bedeutete dieser auf das beflügelte Rad geflochtene und in ewigem Wirbel durch die Luft getriebene Ixionεν πτερόεντι τροχω̃ παντα̃ κυλινδόμενος Pind. l. c, vgl. Schol. Eur. Phoen. 1185 οργισθεὶς δὲ ο Ζεὺς υποπτέρω τροχω̃ τὸν ’Ιξίονα δήσας αφη̃κε τω̃ αέρι φέρεσθαι (oder εν αέρι περιελίσσεσθαι) μαστιζόμενον καὶ λέγοντα· χρὴ τιμα̃ν τοὺς ευεργέτας. οι δὲ ότι εταρτάρωσεν αυτόν, οι δὲ ότι καὶ πύρινος η̃ν τροχός φασιν. An das Sonnenrad dachte schon Panofka Zufluchtsgottheiten S. 286 der Abh. d. Berl. Ak. v. J. 1853, vgl. A. Kuhn Z. f. vgl. Spr. 1, 535, Herabh. d. Feuers 48 ff. 69. 95 ff. Phoebi rota Stat. Silv. 5, 1, 17 und Bd. 1, 72, [142]. vielleicht nur das Rad der Sonne, welches von Indien bis Deutschland den Sagen und Gebräuchen der Völker bekannt ist; in welchem Falle erst dieses mißverstandene Bild der Vorzeit zu dem Glauben an Frevel und Buße geführt hätte. Die Wolke, welche von ihm den ersten Kentauren oder die Kentauren überhaupt und zwar auf dem Gipfel des Pelion bei der Chironischen Höhle gebiert, erklärt sich zum Theil aus der Natur dieses Gebirges, um dessen Häupter sich wie auf dem Gipfel von Aegina und Rhodos die Wolken zu lagern und den Anwohnern das Wetter zu verkündigen pflegtenTheophr. d. sign. pluv. 22 εὰν επὶ τὸ Πήλιον νεφέλη προσίζη, όθεν ὰν προσίζη εντευ̃θεν ύδωρ ὴ άνεμον σημαίνει. Vgl. Bd. 1, 112 u. 115, [269].. Und da die Kentauren, wie wir gleich sehen werden, ein dämonisches Waldgeschlecht sind, so würde auch ihre Abkunft vom Ixion und der Wolke sich auf diese Weise wohl erklären lassen.

Der eigentliche Nationalheld der thessalischen Lapithensage war Peirithoos, der Sohn des Zeus und der Dia (Il. 2, 741; 14, 318), obwohl die spätere Sage nur einzelne Nachklänge alter Dichtung erhalten hatte. Eine merkwürdige Probe derselben ist daß er nicht weniger verwegen als Ixion die Persephone dem Pluton entführen wollte, worüber er in der Unterwelt in ewigen Ketten schmachten mußteHorat. Od. 3, 4, 80 amatorem trecentae Pirithoum cohibent catenae. Vgl. das Vasenbild in der Archäol. Ztg. 1844 t. 15 u. 1, S. 643. Der Name Πειρίθοος scheint einen Umläufer zu bedeuten, Pott a. a. O. 92.. Sonst war er vorzüglich durch seine Hochzeit mit der Deidamia und als deren Gemahl bekannt, die von ihm den Polypoites gebar, den andern Lapithen der 14 trojanischen Sage und der Nostendichtung, nach welcher diese beiden Lapithen zuletzt bis Pamphylien verschlagen wurden.

Später sollen diese Lapithengeschlechter, das vom Stamme des Peirithoos und das vom Stamme des Koronos, theils mit den Herakliden nach Korinth theils nach Attika ausgewandert sein, wo sie sich im engen Anschluß an die ionischen Geschlechter niederließenSuid. Phot. Περιθοι̃δαι, Harp. Κοιρωνίδαι, Steph. B. Φιλαίδαι, Müller Orchom. S. 203. In Korinth galten die Kypseliden für Nachkommen des Kaeneus, Herod. 5, 92 vgl. Paus. 2, 4, 4; 5, 18, 2.. Daher die Sage von der großen Freundschaft und dem brüderlichen Bunde des thessalischen und des attischen Nationalhelden, des Peirithoos und des Theseus, von welchen der letztere dadurch zu einem Theilnehmer an der Kentauromachie und an andern Abenteuern des Peirithoos, namentlich auch an jenem gefährlichen in der Unterwelt geworden ist.

Endlich die Phlegyer erscheinen in der phokischen und boeotischen Sage als nahe Verwandte und Verbündete der Minyer von Orchomenos und als ein kriegerisches Volk (1, 252), das der Schrecken der ganzen Umgegend bis Krisa und Theben war. Die feste Burg ihrer Macht war das hochgelegene Panopeus, welches die gewöhnliche Straße von der boeotischen Thalebene des kephisischen oder kopaischen Sees nach Delphi beherrschte; noch sieht man die Trümmer dieser alten Feste auf einem Berge in der Nähe von Chaeronea. Wie die Phlegyer überhaupt als räuberisch, gewaltthätig und ruchlos geschildert werden, so gelten sie namentlich für Feinde des Delphischen Apoll und Plünderer seines Heiligthums und der zu ihm Wallfahrenden, wie denn auch die Sage von dem Riesen Tityos und von seiner Gewaltthat gegen Leto in dieser Gegend heimisch war. Sie werden zuletzt entweder von Apollon mit seinen Pfeilen oder von Zeus mit seinen Blitzen vertilgtHom. H. in Ap. Pyth. 100, Paus. 9, 36; 10, 4, Müller Orchom. 188 ff. Auch der gewaltige Phorbas, den Apoll überwindet (1, 209), galt für einen König dieser Phlegyer von Panopeus, Ovid M. 11, 414., sie und ihr König Phlegyas, welchen die thessalische Sage als Vater des Ixion und der KoronisPind. P. 3, 8 (14) Schol., Hom. Il. 16, 3, Apollod. 3, 5, 5, Schol. Il. 13, 301, in welchen Stellen Phlegyas und die Phlegyer bald in die Gegend von Gyrton bald in die des Dotischen Gefildes verlegt werden. Phlegyas in der Unterwelt b. Virg. A. 6, 618 Serv., Stat. Theb. 1, 713. Der Dichter Euphorion machte die Phegyer zu ruchlosen Insulanern, welche durch Poseidon ihren Untergang gefunden., 15 die spätere Dichtung als eins der warnenden Beispiele des bestraften Frevels in der Unterwelt kannte.

So unverkennbar nun auch in diesen Sagen alte Ueberlieferungen mit rein mythischen Bildern verschmolzen sind, so einleuchtend scheint die bloße Dämonennatur der Kentauren, welche auch bei den Alten gewöhnlich nur für ein dämonisches Geschlecht gegolten haben, gleich den Satyrn, den Silenen, den Panen, denen sie auch hinsichtlich ihrer Natur und Naturbedeutung ziemlich nahe stehen. Auch die Kentauren sind nehmlich Dämonen des Waldes und des Gebirgs, namentlich des quellenden und fluthenden, in Thessalien vorzüglich des Pelion, in Arkadien, wo Herakles mit ihnen kämpft, des einst ganz bewaldeten Gebirges Pholoe auf der Grenze von Elis, in andern Gegenden anderer Berge und anderer Ströme. Die thessalischen Kentauren des Pelion sind wenn nicht die ältesten, doch die durch die Sage am meisten gefeierten, unter ihnen der weise und heilkundige Chiron (Χείρων), ein Sohn des Kronos, welcher zu dem übrigen ganz rohen und wilden Volke der Kentauren einen merkwürdigen Gegensatz bildet, dem das gleichartige Verhältniß des Pholos zu den arkadischen Kentauren offenbar nachgebildet ist. Ein Gegensatz dessen wahrer Grund in der Natur des thessalischen Pelion zu suchen ist, eines noch immer sehr fruchtbaren und an Quellen reichen, auch reichlich bevölkerten und angebauten Gebirgs, welches vollends in der älteren Zeit der hellenischen Stammesentwickelung ein Mittelpunkt der Bevölkerung und der Sagenbildung war. Namentlich wird in diesen Sagen der höchste Gipfel dieses Gebirgs ausgezeichnet, sowohl als Sitz jenes in der ganzen Umgegend angebeteten Zeus Akraios als wegen der Chironischen Höhle (1, 111. 359) und eines wegen seines Reichthums an heilenden Kräutern berühmten Waldthals in der Nähe dieser Heiligthümer, welches eben wegen dieses Reichthums das Pelethronische hießάφθιτον Χείρων άντρον Pind. I. 7, 41, σεμνὸν άντρον P. 9, 30. Πηλίω εν νιφόεντι Πελεθρόνιον κατὰ βη̃σσαν Nikand. Ther. 440. Πελεθρόνιον νάπος ib. 505 d. i. πολυφάρμακον von θρόνα d. i. φάρμακα, daher auch Chiron ο Πελεθρόνιος schlechthin hieß, Hes. v. Schol. Nik. Ther. 438. 493. Theophr. hist. pl. 9, 15, 4 τω̃ν δὲ περὶ τὴν ‛Ελλάδα τόπων φαρμακωδέστατον τό τε Πήλιον τὸ εν Θετταλία καὶ τὸ Τελέθριον τὸ εν Ευβοία καὶ ο Παρνασός, έτι δὲ καὶ η ’Αρκαδία καὶ η Λακωνική. Dikaearch de Pelio (hist. gr. 2, 262) τὸ δὲ όρος πολυφάρμακόν τε εστὶ καὶ πολλὰς έχον καὶ παντοδαπὰς δυνάμεις.. Dagegen dasselbe Gebirge zu andern Zeiten, wenn Zeus auf der Höhe zürnte, Gewitter und Stürme in 16 den Wäldern hausten, die angeschwollenen Gewässer in der Gestalt wilder Sturzbäche über die Aecker und Pflanzungen der Abhänge sich ergossen, einen nicht weniger unheimlichen Eindruck auf seine Anwohner machen mußte als in Arkadien und Attika (1, 99. 101) die entsprechenden Naturereignisse. Daher die verschiedene Auffassung und Schilderung der Kentauren, deren Name noch nicht mit überzeugender Sicherheit erklärt worden istVerschiedene Etymologieen b. Welcker kl. Schr. 3, 17, indem Einige sie für das mythische Bild eines Volkes, wo Roß und Mann wie zusammengewachsen waren, Andre für berittene Büffeljäger erklären, vgl. Diod. 4, 70, Serv. G. 3, 113. Eher dürfte der Name ein bildlicher und malerischer sein, Κένταυρος wie ’Άναυρος d. i. χείμαρρος (Schol. Apollon. 1, 9), Πληξαύρη, Γαλαξαύρη u. dgl. A. Kuhn Z. f. vgl. Spr. 1, 513 ff. vergleicht die indischen Gandharven., deren halb thierische halb menschliche Gestalt aber sicher nach Analogie jener verwandten Berg- und Waldgeister, der Silene, der Satyrn, der Pane zu erklären ist, sei es nun daß durch die Roßgestalt ein wildes Stürmen der Luft angedeutet werden sollte, da auch die Winde bisweilen in der Gestalt von Rossen auftreten (1, 371), oder daß das galoppirende Wogen der aufgehäuften Fluth, wenn die Bäche sich stürmisch ins Thal ergossenVirg. A. 7, 674 ceu duo nubigenae quom vertice montis ab alto descendunt Centauri Homolem Othrynque nivalem linquentes: dat euntibus ingens silva locum et magno cedunt virgulta fragore, wo der reißende Bergstrom sehr vernehmlich angedeutet wird. Vgl. Sil. Ital. 4, 520 ut torrens celsi praeceps e vertice Pindi cum sonitu ruit in campos magnoque fragore avulsum montis volvit latus, obvia passim armenta immanesque ferae silvaeque trahuntur, spumea saxosis clamat convallibus unda. Fluthen und Rosse 1, 459 ff. Auch die Satyrn haben auf den ältesten Bildwerken gewöhnlich Pferdeschwänze Bd. 1, 571, [1813]., ausgedrückt werden sollte. Auch Chiron ist Kentaur, ja er ist Aeltester und Anführer der KentaurenHom. Κάμινος v. 17 δευ̃ρο δὲ καὶ Χείρων αγέτω πολέας Κενταύρους., also halb Roß und halb Mensch (διφυτής) wie alle übrigen und ein Berggeist und großer Jäger wie sie. Aber er ist weise und gerecht, wohlwollend und hülfreich, ein Freund der Götter und der Heroen, des ApollonIl. 11, 832 vom Achill: ὸν Χείρων εδίδαξε δικαιότατος Κενταύρων. Vgl. Pind. P. 9, 29 ff. und die Schüler Chirons b. Xenoph. d. venat. z. A., des Asklepios, des Iason, des Peleus, des Achill, welcher wie Iason und Asklepios in seiner Höhle und in seiner Zucht herangewachsen ist, ein hülfreicher Freund auch des Herakles, der auf seinen Zügen gerne bei ihm einkehrte, bis zuletzt selbst der Tod des Chiron eine That der rettenden und aufopfernden Liebe ist, indem er sich im Schmerze über die unheilbare 17 Wunde, die ihm der vergiftete Pfeil des Herakles zugefügt, dem Tode als Stellvertreter des Prometheus darbot und seitdem als Verklärter unter den Göttern wohntPaus. 5, 19, 2. Θεὸς b. Soph. Tr. 715. Am Himmel Arat. Phaen. 436, Lucan 6, 393, Hygin P. A. 2, 27 u. A.. Eine Charakteristik welche ohne Zweifel mit den natürlichen Sagen jener Gebirgsgegend der Chironischen Höhle zusammenhängt, zumal da diese eine alte, durch Cultur und Volksglauben geweihte Heil- und Sühnungsstätte gewesen zu sein scheint. Daher Chiron d. h. der Berggeist der heilenden Hand zunächst und vorzugsweise immer als Arzt gedacht und als solcher nicht selten mit Apollon und Asklepios zusammengestellt wurdeAsklepios sein Schüler 1, 104 vgl. Il. 4, 219 wo der Asklepiade Machaon die Wunde des Menelaos mit Kräutern heilt, τά οί ποτε πατρὶ φίλα φρονέων πόρε Χείρων. Nach Iustin M. d. monarch. 6 lernte auch Apollo die Heilkunde von ihm. Auch auf Bildwerken werden diese drei, Apollon Asklepios Chiron, zusammengestellt, z. B. auf einem Gemälde aus Pompeji b. Zahn 3, 47, Ternite 1, 4. Τύριοι μὲν ’Αγηνορίδη, Μάγνητες δὲ Χείρωνι, τοι̃ς πρώτοις ιατρευ̃σαι λεγομένοις, απαρχὰς κομίζουσι· ρίζαι γάρ εισι καὶ βοτάναι δι' ω̃ν ιω̃ντο τοὺς κάμνοντας Plut. Symp. 3, 1, 3 vgl. Plin. 7, 196, Hygin f. 274. Ein Geschlecht in Demetrias, welches sich selbst und seine Kräuterkunde von Chiron ableitete b. Dikaearch l. c., aber auch als ein Erzieher der heroischen Jugend zur Frömmigkeit und Gerechtigkeit und zur Musik, wie es denn sogar eigene Sammlungen frommer und guter Sprüche für die Jugend unter seinem Namen gabΧείρωνος υποθη̃και von Hesiod, Χειρώνεια auf einem Vasenbilde, vgl. Schneidewin de Pittheo Troezen. p. 4–9. ‛Ο σοφώτατος Χείρων, μουσικη̃ς τε άμα ὼν καὶ δικαιοσύνης καὶ ιατρικη̃ς διδάσκαλος Plut. d. Mus. 40, vgl. die Verse der Titanomachie b. Clem. Al. Str. 1 p. 361 είς τε δικαιοσύνην θνητω̃ν γένος ήγαγε δείξας όρκους καὶ θυσίας ιλαρὰς καὶ σχήματ' ’Ολύμπου.. Dahingegen die übrigen Kentauren ganz wilde und ungeschlachte Bestien (θη̃ρες) sind, immer lüstern nach Weibern und nach Wein wie die Satyrn, auf der Jagd in den Bergen herumschweifend und mit wilden Thieren kämpfend oder in wilder Hast ins Thal hinabstürmend, ungestüm und übermüthig wie die Titanen und GigantenVgl. die 1, 57, [188] Citirten u. Pind. P. 2, 42 γόνον υπερφίαλον, ούτ' εν ανδράσι γερασφόρον ούτ' εν θεω̃ν νόμοις, Eurip. Herc. f. 181 τετρασκελὲς ύβρισμα, das Sprichwort aus Pisander νου̃ς ου παρὰ Κενταύροισι Hesych.. Auch die Genealogie ist eine verschiedene, da die wilden Kentauren entweder direct von dem ruchlosen Lapithen Ixion und der Wolke abstammen oder, wie Pindar dichtet, von ihrem Sohne Kentauros, einem von Göttern und Menschen gemiedenen Ungethüm, welches sich auf dem Pelion mit 18 magnetischen Stuten begattetePind. l. c. vgl. Lucan 6, 386 illic semiferos Ixionidas Centauros feta Pelethroniis Nubes effudit in antris, Diod. 4, 69, Eustath. Il. 102, 17. Andre nannten den ersten Kentaur Imbros (d. i. ‛Ίμερος) und den Sohn einer Sklavin der Hera d. h. der Wolke, welcher Ixion und Pegasos in derselben Nacht beigewohnt hatten, Schol. Il. 1, 266, Tzetz. Chil. 7, 36 ff.; 9, 467 ff. Endlich Nonnos kennt dreierlei Kentauren, die gewöhnlichen und gehörnte, diese letzteren theils Söhne der Hyaden, welche Hera verwandelt hat, theils auf Kypros aus dem Samen des die Aphrodite verfolgenden Zeus entstanden, Koehler Nonnos S. 48.. Chiron aber galt gewöhnlich für einen Sohn des Kronos d. h. des gescheuten Urältervaters der Götter und der Okeanide Philyra d. h. der Waldnymphe Linde. Sein Gemahl nannte man Chariklo d. h. die WonnigeΧείρων Φιλυρίδης Hesiod th. 1002, Ουρανίδα γόνος Κρόνου Pind. P. 3, 4, N. 3, 47, vgl. Apollon. 2, 1231 Schol. und Πήλιον ω̃ Φιλύρης νυμφήιον Kallim. Del. 118. Κρόνος ist der Uralte 1, 46, Φιλύρα die Linde, Schoemann op. 2, 128. Iason b. Pindar P. 4, 103 kommt άντροθε πὰρ Χαρικλου̃ς καὶ Φιλύρας, ίνα Κενταύρου με κου̃ραι θρέψαν αγναί, vgl. Schol. v. 181 u. Apollon. 1, 554. Hesiod nannte sein Weib eine Najade. Ein Dichter hatte seine Höhle αυτόχθων εστία genannt, weil er mit den Seinigen im Gebirge wohnte, Hesych..

Eine sehr alte und ganz im Stile der thessalischen Sage gedichtete Fabel ist die von der Kentaurenschlacht bei der Hochzeit des Peirithoos, ob sie uns gleich erst von späteren Dichtern ausführlich erzählt wird. Die kühnsten und wildesten Helden der Vorzeit sind hier mit den wildesten Bergdämonen in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt, dessen furchtbare Bewegung eine Folge von Bildern und Gruppen schuf, welche die Phantasie der Künstler immer sehr viel beschäftigt und eine ganze Reihe ausgezeichneter Kunstwerke veranlaßt haben. In der Ilias 1, 262 ff. erinnert Nestor an diese furchtbaren Kämpfe, durch welche jene Helden, Peirithoos und Dryas und Kaeneus und Exadios und Polyphemos, die gewaltigsten Männer ihrer Zeit die gewaltigsten Ungethüme, die im Gebirge hausenden, zottigen und thierischen Kentauren überwunden hättenΦη̃ρες (ι. θ. gq~hreV> ορεσκω̃οι λαχνήετες, gewöhnliche epische Ausdrücke von den Kentauren, Il. 1, 268; 2, 743. Auch ihre Namen sind die von Wald- und Gebirgsdämonen, Πετραι̃ος, Ούρειος, Πευκείδης, Δρύαλος u. s. w., s. Hesiod l. c. und die Namen auf Vasenbildern b. O. Jahn Einl. in d. Vasenk. CXVIII, 860. Natürlich vermehrten sich diese Namen mit der Zeit, sowohl die der Kentauren als die der Lapithen, deren Porphyrios nach Schol. Il. l. c. sechszig zu nennen wußte.. Die Odyssee 21, 294 bemerkt daß der Wein die erste Ursache des entsetzlichen Handgemenges gewesen sei. Dann berichtet Hesiod sc. Herc. 178 ff. ausführlicher von dieser in alten Liedern ohne 19 Zweifel viel gesungenen Schlacht, von der auch Pindar und Aeschylos gedichtet hatten, bis zuletzt Ovid M. 12, 210 ff. ein lebendiges, aber nach Art der späteren Mythendichtung ausgeführtes Bild des Vorganges giebt. Peirithoos rüstet zu seiner Hochzeit mit der Deidamia (auch Laodamia und Hippodamia) und ladet dazu auch die Kentauren vom benachbarten Gebirge ein. Im Rausche vergreift sich der wilde Eurytion an der Braut, worauf nach der Odyssee die anwesenden Lapithen dem allein Geladenen Nase und Ohren abschneiden und ihn so hinausstoßen, so daß der eigentliche Kampf erst nach der Hochzeit beginnt. Dahingegen nach der späteren und gewöhnlichen Sage die beiden Parteien gleich beim Mahle und im Hochzeitssaale handgemein werden, indem die Kentauren, sobald sie den Duft des Weines wittern, von der ihnen vorgesetzten Milch nichts wissen wollen, sondern in vollen Zügen der Gabe des Bacchus genießen und darauf trunkenen Muthes an den Frauen sich vergreifenPind. b. Athen. 11, 51 ανδροδάμαντα δ' επεὶ Φη̃ρες δάεν ριπὰν μελιαδέος οι̃νου, εσσυμένως απὸ μὲν λευκὸν γάλα χερσὶ τραπεζα̃ν ώθεον, αυτόματοι δ' εξ αργυρέων κεράτων πίνοντες επλάζοντο, vgl. Schol. Pind. P. 2, 85. Immer ist der Wein und der trunkene Muth der Kentauren die erste Ursache des Kampfes, wozu später das Motiv hinzutritt daß Peirithoos durch Vernachlässigung des Ares dessen Zorn verschuldet habe, Theogn. 541 ύβρις – Κενταύρους ωμοφάγους όλεσεν. Horat. Od. 1, 18, 7 ne quis modici transsiliat munera Liberi Centaurea monet cum Lapithis rixa, vgl. 2, 12, 5; 4, 2, 14, Virg. Ge. 2, 455, A. 7, 304.. Alsbald beginnt ein entsetzliches Würgen und Toben in dem der Lust und Freude gewidmeten SaaleSo in dem b. Athen. 11, 48 nach Polemon beschriebenen Gemälde, vgl. Ps. Kallisth. 1, 21 wo der Kampf des Odysseus mit den Freiern verglichen wird. Die Vasenbilder pflegen die erste Gewaltthat des lüsternen Kentauren, den Kampf und den Ausgang des Kaeneus hervorzuheben. Eine der ältesten Darstellungen ist die auf der François-Vase, s. O. Jahn a. a. O. CLV. CCVIII, Roulez choix de v. p. t. 11 p. 45 sqq., indem die Helden mit ihren Schwerdtern, die Kentauren mit Felsen und Baumstämmen kämpfen, bis Theseus und Peirithoos den Kampf zum Vortheile der Lapithen entscheiden. Nach Ilias 2, 744 verjagte Peirithoos die Kentauren in die Gegend der Aethiker d. h. in das höhere Gebirg an der nördlichen Grenze von Thessalien, wo also auch von solchen Dämonen erzählt wurdeAndre ließen die Kentauren in die Gegend des Dotischen Gefildes (Hes. v. Πυρραία) oder nach Arkadien entkommen oder wo sonst von ihnen erzählt wurde, vgl. unten die Kentauromachie des Herakles..

20 In der Tradition der Künstler blieb die Kentauromachie der griechischen Helden zwar immer das beliebteste Thema, indem dieser Kampf wie der mit den Amazonen bald zu einem Symbole des Sieges griechischer Bildung und Menschlichkeit über das Barbarenthum wurde, vorzüglich in den attischen Kunstschulen, da Theseus neben Peirithoos der hervorragendste Held der Kentauromachie war. Doch kannte die Kunst die Kentauren auch noch in einem andern mythischen Zusammenhange, wo sie nun wieder ganz die Dämonen des Waldes und Gebirges sind, nehmlich als Anhänger und Begleiter des Bacchus, dessen Thiasos unter den übrigen halbthierischen Gestalten und Aufgeregten auch diese oft zeigt, namentlich so, daß Kentauren den Triumphwagen des Gottes und seiner Ariadne ziehen. Ihre Bildung war in älterer Zeit insofern von der späteren verschieden, daß vorne ein ganzer Waldmensch zu sehen war, der Leib und die Hinterbeine eines Pferdes in seinem Rücken angewachsenVgl. die Bronze auf der Burg v. Athen b. Roß archäol. Aufs. 104.. Außer den erwähnten Vorgängen sieht man die Kentauren endlich nicht selten in allerlei Scenen des ihnen eigenthümlichen Naturlebens, jagend und zechend, auf alterthümlichen Werken besonders Stiere jagend oder untermischt mit Stieren, deren symbolische Bedeutung auch die der wilden Ströme ist. Die elegantere und gemüthlichere Kunst der späteren Zeit dagegen liebte es das Bild der Kentauren gleich dem der Satyrn immer mehr ins Schöne und Liebenswürdige zu übertragen und neben den Kentaurenmännern ähnliche Kentaurenweiber mit ihren Kindern zu zeigenVgl. das Gemälde des Zeuxis b. Lukian Zeux. 3–6 u. Philostr. im. 2, 3. Ein schönes Kentaurenpaar schildert Ovid M. 12, 393 ff. Schönes Mosaik Mon. d. I. 4 t. 50. oder sie mit Nymphen und Eroten zu gruppiren, als dämonisches Stillleben im Walde oder in der heftigen Aufregung eines Kampfes mit wilden Thieren oder mit bacchischen Attributen. Endlich in der späteren Tradition von den Erfindungen gelten bald die Lapithen bald die Kentauren zugleich für die ersten Reiter und RossebändigerVirg. Ge. 3, 115 ff., Lucan 6, 395 ff., Pind. 7, 202, Hygin f. 274, in welchen Stellen der Name Pelethronios, eigentlich Chiron, bald auf das Volk der Kentauren bald auf das der Lapithen übertragen wird., eine natürliche Folge ihrer aus Roß und Mann zusammengesetzten Bildung und der Sage vom Ursprunge des Rosses in Thessalien. 21

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