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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 29
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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g. Sarpedon.

Als lykischer Heros hinlänglich bekannt aus der Ilias, er und Glaukos, die Anführer der Lykier aus dem Xanthosthale, reich und glänzend, tapfer und vornehm, beide vorn Geschlecht des Bellerophon, Sarpedon ein Sohn des Zeus und der Laodameia und Liebling des Apollo, zu welchem auch Glaukos, der Sohn des Hippolochos als zu dem lykischen Stammgotte betetIl. 2, 876; 5, 479 ff. 635; 6, 196 ff.; 12, 292; 16, 514 ff. 666 ff.. Dagegen später und zwar seit Hesiod ein zweiter Sarpedon auftaucht, den man einen Kreter von Geburt nannte, Sohn des Zeus und der Europa, also Bruder des Minos und Rhadamanthys, welcher in Folge eines Streites mit Minos von Kreta nach Lykien entwichen sei und die den Kretern und Karern verwandten Termilen, die späteren Lykier, dahin geführt habeEurip. Rhes. 28 ὴ τὸν Ευρώπας, Λυκίων αγὸν ανδρω̃ν, wo die Scholien sich auf Hesiod und Hellanikos berufen. Vgl. Herod. 1, 173, Strabo 12, 573, Diod. 5, 79, oben S. 84, [Anmerkung 281].. Man unterschied denselben gewöhnlich von jenem zu Xanthos in einem prächtigen Denkmale verehrten Heros SarpedonDas Σαρπηδόνειον Appian bell. civ. 4, 78. 79. Der Name Σαρπηδών Σαρπηδονίς ist nicht selten in kleinasiatischen, besonders lykischen Inschriften. Vgl. C. I. Vol. 3 n. 4269b p. 1123 Αίχμων ’Απολλοδότου Σαρπηδόνος ναυαρχήσας κατὰ πολεμὸν απάντων Λυκίων – Σαρπηδόνι καὶ Γλαύκω ήρωσι χαριστήριον, nach vielen Siegen zu Wasser und zu Lande. als einen älteren, aber mit Unrecht, da wie gewöhnlich nur andere Traditionen zu Grunde lagen, welche die spätere Chronologie nicht zu vereinigen wußte. Erzählte man doch auch von der Entführung der Europa durch Xanthos, einen König der KreterVarro b. Augustin C. D. 18, 12, C. I. n. 4269c p. 1123 Αίχμων ’Επαφροδίτου του̃ Αίχμωνος Ξάνθιος ιερασάμενος του̃ πατρώου θεου̃ Ξάνθου. Wahrscheinlich der Flußgott als ältester Landeskönig, in welcher Eigenschaft er auch von Diod. 5, 81 Ξάνθος ο Τριόπου τω̃ν εξ ’Άργου βασιλεύων καὶ κατασχὼν μέρος τι τη̃ς Λυκίας χώρας und Steph. B. Ξάνθος – απὸ Ξάνθου Αιγυπτίου ὴ Κρητὸς οικιστου̃ erwähnt wird., offenbar 132 mit Beziehung auf die bekannte Hauptstadt der Lykier und einen Landesgott desselben Namens, während es in dem benachbarten Kilikien in der Nähe von Seleukia auf einem nach Sarpedon benannten Vorgebirge ein Heiligthum des Apollo Sarpedonios und der Artemis Sarpedonia mit einem Orakel gab, welches den Glauben dieser Gegenden noch in den Zeiten Aurelians beschäftigteStrabo 14, 676, Diod. 32, 11 (b. Phot. bibl. p. 377), Zosim. 1, 57, R. Koehler im Rh. Mus. f. Philol. N. F. 14, 471 ff. In Troas gab es ein Traumorakel des Sarpedon, Tertull. d. an. 46.. Man erzählte daß Sarpedon auf diesem Vorgebirge begraben liege oder daß er von Kreta zunächst nach Kilikien zu seinem Oheim Kilix geflohen sei und sich mit dessen Unterstützung eines Theils von Lykien bemächtigt habeApollod. 3, 1, 2 vgl. Aesch. Suppl. 870 κατὰ Σαρπηδόνιον χω̃μα πολυψάμαθον.. Eben jenes Vorgebirge galt aber auch für sehr stürmisch, wodurch wir auf einen neuen und eigenthümlichen Zug dieser Ueberlieferungen geführt werden, denn auch in andern Gegenden wurden verschiedene Gebirge, Küsten und Inseln mit dem Namen Sarpedons benannt, welche dadurch als Sammelpunkte für Sturm und Ungewitter bezeichnet werden sollten. So hatte Simonides gedichtet daß Boreas die Oreithyia nach dem Sarpedonischen Felsen d. h. nach seiner Burg in Thrakien (1, 369, [1137]) entführt habe, und Stesichoros und die Kyprien wußten von einer Sarpedonischen Felseninsel im großen Weltmeere, wo die Gorgonen haustenHerodian π. μον. λεξ. p. 9, 8 Σαρπηδὼν Σαρπηδόνος, είτε ο ήρως είτε η πέτρα είτε η ακτὴ είτε η νη̃σος u. s. w. Vgl. Sophokl. fr. 42. 575, Schol. Apollon. 1, 212, Schol. Eur. Rhes. 28, Hesych Σαρπηδόνιον.. Ja es gab bei Aenos an der thrakischen Küste einen wegen seiner Stürme und brandenden Wogen verrufenen Strand mit einem Heiligthume Poseidons, wo man von einem wilden Recken Sarpedon, einem Sohne Poseidons, erzählte, der durch die Pfeile des Herakles gefallen seiApollod. 2, 5, 9 vgl. Herod. 7, 58, Strabo 7, 331, 52, Zenob. 5, 86. Ganymedes entführt im Hafen ‛Αρπαγίας Schol. Il. 20, 234, oder in Chalkis auf der Stätte ‛Αρπάγιον Athen. 13, 7., und auch der Name Σαρπηδὼν wird sich wie der der Harpyien am natürlichsten durch αρπάζειν erklären lassen. Also scheint bei allen diesen zerstreuten Zügen einer alten Tradition ein Glaube der Kiliker, Lykier und Karer, 133 denn auch bei diesen wurde Sarpedon genannt und zwar als Gründer von MiletEphoros b. Str. 14, 634 vgl. 12, 573 u. Schol. Apollon. 1, 186., vermuthlich auch der alten Kreter zu Grunde zu liegen, der Glaube an einen Gott, welcher zugleich dem Zeus und Apollon oder Helios und auf der andern Seite dem Poseidon verwandt war, also an einen Zenoposeidon, durch welchen Namen die Griechen den karischen Osogos umschrieben (1, 452, [1388]). Sind uns doch auch in der korinthischen und lykischen Sage vom Bellerophon, dem Sonnenheros und Herrn des Donnerrosses Pegasos, welcher für einen Sohn Poseidons gehalten wurde, ähnliche Züge einer Verschmelzung von solarischer und neptunischer Macht bereits begegnet, abgesehn vom Apollo Delphinios und andern Gottesdiensten, wo den himmlischen Mächten zugleich eine Gewalt über das Meer und seine Stürme eingeräumt wurde.

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