Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Preller >

Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 27
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

e. Das Geschlecht des Minos.

Minos ist als ältester König von Kreta zugleich der Repräsentant der ältesten Zeit dieses Landes und Vater von vielen Söhnen und Töchtern, bei denen die Ueberlieferungen nicht blos von Kreta, sondern auch die von vielen andern Inseln, wie von Milet und Attika anknüpftenApollod. 3, 1, 2, Diod. 4, 60. Nach Milet gehört namentlich Ευξάντιος, Sohn des Minos und der Dexithea oder Dosithoe, Vater des Miletos nach Schol. Apollon. 1, 186 vgl. O. Schneider Nicandrea 133.. Unter seinen Töchtern sind die bekanntesten AkakallisSie ist die Mutter des Kydon bald vom Hermes bald vom Apoll, Paus. 8, 53, 2, Steph. B. Κυδωνία, vom Apoll auch die des schönen Milet, nach Antonin. Lib. 30, und des Oaxos, nach welchem die Stadt Oaxos am Ida benannt war. Auch in Libyen soll sie vom Apoll einen Sohn geboren haben, bei dem die dortigen Sagen anknüpften, Apollon. 4, 1491 Schol., Steph. B. ’Όαξος., Ariadne und Phaedra, unter seinen Söhnen Katreus, der Erstgeborne und Nachfolger zu Knosos, Deukalion, der Vater des aus Homer bekannten IdomeneusUnd seines Halbbruders Μόλος, dessen Sohn Μηριόνης der Knappe des Idomeneus ist, Il. 2, 645 ff.; 13, 249. 451; 23, 870, Od. 19, 180, Diod. 5, 79, Apollod. 3, 3, 1 u. A., ferner Glaukos und Androgeos, von denen dieser uns in der Theseussage, jener bei den Erzählungen vom Seher Polyidos beschäftigen wird; abgesehen von verschiedenen andern Namen, welche entweder in den örtlichen Traditionen auf KretaVgl. Diod. 4, 60, wo Minos I, Vater des Lykastos, einer Stadt am Ida, und Minos II, der erste Thalassokrat und Gemahl der Pasiphae unterschieden werden, und Schol. Theokr. 3, 50. oder auf den Inseln genannt werden, namentlich auf ParosVier Minossöhne auf Paros, welche Herakles erschlägt, Apollod. 2, 5, 9; 3, 1, 2, wo zu lesen ist: εκ Παρίας νύμφης. Paros hieß Μίνωα und soll zuerst von Kretern bewohnt gewesen sein, Steph. B. Ευρυάλη, die Mutter des Orion, eine T. des Minos, Clem. Ro. Homil. 5, 17, Bd. 1, 351., wo das Andenken an die Herrschaft des Minos besonders lebendig geblieben war. Dahingegen die Ueberlieferungen vom KatreusApollod. 3, 2, 1, Diod. 5, 59. auf alte Verbindungen mit Rhodos hinweisen, der wichtigsten Insel nächst Kreta, deren älteste Ueberlieferungen gleichfalls von Phoeniken und Karern erzählen. Es heißt nehmlich vom Katreus daß er drei Töchter und einen Sohn gehabt, den Althaemenes, welchen ein Orakelspruch, daß er seinem Vater das Leben nehmen werde, von Kreta vertrieben habe. Er landet auf RhodosDiodor nennt Kameiros als den Ort der Landung, Apollodor Κρητηνία, wofür Κρητινία zu lesen ist, Steph. B. s. v. ed. Meineke. Er lag am Fuße des Atabyrios., besteigt den 128 hochragenden Atabyrios, von dessen Gipfel er weit über die Inseln und bis nach Kreta sehen konnte, und gründet dort in Erinnerung an die Götter seiner Heimath den Dienst des Zeus Atabyrios, welcher wie der des Zeus Asterios auf Kreta phoenikischen Ursprungs und demselben nahe verwandt gewesen zu sein scheintDer Berg heißt bald ’Ατάβυρον bald ’Ατάβυρις. Der Name ist identisch mit Tabor d. i. Berg. Auch dort befand sich in dem H. des Zeus ein heiliger Stier und Kühe von Erz, von denen man Wunderbares erzählte, Cyrill g. Iulian. 3 p. 88 C, Tzetz. Chil. 4, 390 ff., der sich auf Pindar und Kallimachos beruft. Von Rhodos war der Dienst des Z. ’Αταβύριος durch Colonieen nach Agrigent verpflanzt worden, s. Pind. Ol. 7, 87 (159) Schol., Polyb. 9, 27, 7.. Hernach wird Althaemenes zuerst der Mörder seiner Schwester Apemosyne, welche ihm nach Rhodos gefolgt war, dann der seines Vaters. Hermes liebte die schöne Apemosyne und als er sie nicht fangen konnte, denn sie war geschwinder als er, breitete er frische Felle auf ihrem Wege aus, so daß sie ausgleitend seine Beute wurde. Das wollte Althaemenes der Schwester nicht glauben, als er über ihre Schande erbittert sie durch seine Mißhandlungen tödtete. Katreus aber hatte inzwischen seine beiden andern Töchter Aerope und Klymene, weil er sie bei gemeiner Leidenschaft ertappt hatte, dem Nauplios übergeben daß er sie ins Meer versenkeSoph. Ai. 1295 Schol., wo auf die Κρη̃σσαι des Euripides verwiesen wird. Auch Apollod. 2, 1, 5 ext. beruft sich auf Tragiker.. Aber Nauplios behielt die Klymene für sich und überließ Aerope dem Pleisthenes, von dem sie Mutter des Agamemnon und Menelaos wurde, wie Klymene vom Nauplios die des Oeax und Palamedes. Katreus also, nun ganz vereinsamt und bei hohen Jahren, beschließt seinen Sohn auf Rhodos aufzusuchen. Er landet an einer wüsten Stelle, wird mit seiner Schaar für Seeräuber gehalten, es kommt zum Handgemenge, in welchem Katreus, wie ihm vorhergesagt war, durch einen Speerwurf seines Sohnes Althaemenes stirbt. Dieser war darüber so bekümmert, daß er nicht länger leben mochte, sondern einsam umherirrte, bis die Erde ihn verschlang, worauf die Rhodier ihn als Heros verehrten. So die gewöhnliche Erzählung, bei welcher der Einfluß der Tragiker deutlich genug ist. Nach dem ursprünglichen Zusammenhange möchte Katreus vielmehr der Repräsentant der phoenikisch-karischen Vorzeit von Kreta und Rhodos gewesen sein, namentlich ihres Unterliegens 129 unter dem Andrange der hellenischen Ansiedlungen. Wenigstens hängt sein Name höchst wahrscheinlich mit dem von Καίρατος, dem älteren Namen von Knosos zusammenΚατρεὺς galt für den Gründer einer Stadt Κάτρη oder Κατρεὺς, Steph. B., Paus. 8, 53, 2, d. i. vermuthlich Καίρατος, welcher Name sich wahrscheinlich als der der Burg von Knosos behauptete., während Althaemenes, sein Sohn, durch den er fällt, sonst ein Heraklide und Argiver genannt wird, der die Hellenen vom Peloponnes nach Kreta und Rhodos geführt habeStrabo 10, 481, Konon 47.. Thatsache ist daß jene ältere Bevölkerung und Cultur auf beiden Inseln, den wichtigsten in diesen Gewässern, den von Griechenland aus immer lebhafter um sich greifenden Unternehmungen der hellenischen Stämme weichen mußte, worauf die Phoeniker ihre Ansiedlungen mit um so besserem Erfolge auf Sicilien, Afrika und Spanien concentrirten.

 << Kapitel 26  Kapitel 28 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.