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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 26
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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d. Talos.

Eine verwandte Figur desselben kretischen Sterndienstes und zwar vorzugsweise im Culte zu Phaestos; wenigstens zeigen die Münzen dieser Stadt das Bild des Talos in seiner einheimisch kretischen GestaltCavedoni Annal. d. Inst. 7, 154, L. Mercklin die Talossage u. das Sardonische Lachen, Petersb. 1851 t. 1, 1–4, Gerhard D. u. F. 1853 t. 58, 5. Aehnliche Figuren sieht man auf kyprischen Münzen und unter anderen Resten der phoenikischen Kunst.. Es ist eine nackte geflügelte Jünglingsfigur, welche laufend ausschreitet, indem sie zugleich in jeder Hand einen Stein oder was so aussah hält und damit wie zum Wurfe ausholt. Die griechische Dichtung erzählte von diesem Talos in der Argonautensage, s. Apollon. 4, 1638, Apollod. 1, 9, 26. Als die Argonauten an der Küste von Kreta landen wollen, empfängt sie der eherne Talos mit Steinwürfen, ein Ueberbleibsel vom ehernen Geschlechte, den Zeus der Europa als Wächter der Insel geschenkt hat. Dreimal am TageBei Plato Min. 320 C ist daraus eine polizeiliche Person des Minos geworden, die dreimal im Jahre das Land besucht und auf Recht und Ordnung sieht, εν χαλκοι̃ς γραμματείοις έχων γεγραμμένους τοὺς νόμους, όθεν χαλκου̃ς εκλήθη. Vgl. Lukian Philops. 19. läuft er um die Insel, so groß sie war, mit ehernen Füßen und mit einer Schnelligkeit, die in ihrer Art sprichwörtlich geworden warCatull. 55, 23 non custos si fingar ille Cretum. Es gab einen pantomimischen Tanz, welcher τὸν Τάλω τὸν χαλκου̃ν τη̃ς Κρήτης περίπολον darstellte, Lukian de saltat. 49.. Der ganze Mann war von Erz und unverwundbar, daher auch erzählt wurde daß er ein Kunstwerk des Hephaestos und von diesem an Minos geschenkt worden war. Doch hatte er eine kleine, mit zarter Haut bedeckte Blutfistel an der Ferse, und er mußte sterben sobald er hier verletzt wurdeApollon. l. c. Agatharch. b. Phot. bibl. 443, 24 τὴν δὲ ζωὴν μόνον τω̃ν εμψύχων του̃τον εν τω̃ σφυρω̃ κεκτη̃σθαι. Sophokles hatte in seinem Daedalos von ihm gedichtet, u. a. ότι είμαρτο αυτω̃ τελευτη̃σαι ραγείσης τη̃ς σύριγγος, Schol. Apollon. 4, 1638., oder wie Andre erzählten, es lief ihm eine Blutader vom Nacken bis zu den Füßen 126 hinunter, welche durch einen ehernen Nagel geschlossen war. Sobald dieser herausgezogen oder ein Bruch der Ader bewirkt wurde, mußte er sterben. Bei jener Landung der Argonauten bewirkte dieses Medea durch Zaubergesang oder durch List, oder Poeas, der Vater des Philoktet, traf jene Stelle mit dem verhängnißvollen Bogen des Herakles, so daß Talos verbluten mußte und plötzlich zusammensank. Der ganze Vorgang ist auf einem schönen apulischen Vasengemälde dargestellt, wo Talos in Folge des Zaubers der Medea in den Armen der Dioskuren stirbtBullet. Napol. 3 t. 2. 6, Panofka Arch. Ztg. 1846 t. 44. 45 n. 44.. Andre Erzählungen von ihm gehen auf den alten und schwer verständlichen Ausdruck »Sardonisches Gelächter« zurück. Der eherne Talos habe die an den Strand von Kreta Verschlagenen in seine Arme genommen, sei dann mit ihnen ins Feuer gesprungen und habe sie an seine glühende Brust gedrückt, bis sie verbranntenZenob. 5, 85, Eustath. Od. p. 1893, 8, Schol. Plat. rep. 1 p. 396, Suid. v. Σαρδάνιος γέλως.; eine deutliche Hinweisung auf die schauerlichen Menschenopfer des phoenikischen Molochdienstes. Da Apollodor zu seiner Erzählung ausdrücklich hinzufügt daß Talos auch Tauros genannt sei und da die hastige Bewegung der Figur sammt den Steinen in seiner Hand, woraus jene Sage entstanden, der Bildung des Minotauros entsprechen, so wird auch Talos für ein altes Symbol des Sonnengottes zu halten sein, auf welchen die Alten auch seinen Namen deutetenHesych Τάλως ο ήλιος.. Seine Bildung von Erz, um derentwillen ihn schon Simonides ein Werk des Hephaestos genannt hatte, möchte ursprünglich weniger Unverwundbarkeit als strahlenden Glanz ausgedrückt haben, sein eiliger Lauf erinnert an ähnliche Schilderungen des SonnengottesMithra heißt in den Zendbüchern der blendende, mächtig laufende Held. Vgl. Psalm 19, 6 Derselbe gehet heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freuet sich wie ein Held zu laufen den Weg.. Auf den Münzen von Phaestos ist er geflügelt und sein Ansehn ein knabenhaft jugendliches. Ibykos hatte ihn unter den ersten Liebhabern schöner Knaben auf Kreta genannt, namentlich als den des RhadamanthysAthen. 13, 80, Suid. v. Θάμυρις., Kinaethon in seinen Genealogieen den Rhadamanthys einen Sohn des Hephaestos , diesen des Talos und diesen des KresPaus. 8, 53, 2. Nach Schol. Plat. leg. 1 p. 446 galt er bei Manchen für einen dritten Bruder des Minos und Rhadamanthys.. 127

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