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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 25
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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c. Minotauros.

Ein altes Symbol des kretischen Zeusdienstes zu Gortys und Knosos, in einem Bilde das wir uns nach Anleitung von Münzen und von alterthümlichen Vasenbildern, welche den Kampf des Theseus mit dem Minotauros darstellen, noch vergegenwärtigen könnenL. Stephani, der Kampf zwischen Theseus und Minotauros, Leipz. 1842. Vgl. O. Jahn Arch. Beitr. S. 257 ff.. In Gortys scheint es das Bild des Zeus Asterios gewesen zu sein, da Minotauros gleichfalls Asterios oder Asterion und dieser wieder, sonst der Pflegevater des Minos, König von Gortys genannt wirdApollod. 3, 1, 3, Paus. 2, 31, 1, Lykophr. 1301 Tzetzes.. In Knosos dagegen erscheint Minotauros gewöhnlich als Inhaber des Labyrinths, dessen Abbildung auf den Münzen von Knosos sehr gewöhnlich ist. Neben den gangbaren Namen Μινώταυρος oder ταυ̃ρος ΜινώιοςSo auf einer alterthümlichen, den Kampf des Theseus darstellenden Vase. Mon. d. I. 6, 15. oder ο του̃ Μίνω ταυ̃ρος kommt auch der einfachere Ταυ̃ρος d. i. der Stier schlechthin vor, so daß er also von jenem Sonnenstiere des Minos und des Zeus Asterios nur im Bilde und auf mythologische Weise verschieden gewesen sein kann d. h. sofern er für einen Sohn der Pasiphae und jenes der Sage nach von Poseidon dem Minos geschenkten Stiers gehalten wurde. Immer wurde er in menschlicher Gestalt, doch mit einem Stierkopfe gebildet, auf älteren Münzen mit einem Beine knieend, das andre aufgestemmt und den einen Arm nach oben, den andern nach unten gewendet. Ueberdies ist er auf einigen Vasenbildern am Leibe fleckig und hält in den Händen Kugeln oder Steine, welche mit Sternen bezeichnet sind, so daß also wahrscheinlich auch jene Flecken an 124 den gestirnten Himmel erinnern solltenEr erinnert insofern an den Argos Panoptes, den Wächter der Io. Die beiden Kugeln scheinen Sonne und Mond, der gehobene und gesenkte Arm Aufgang und Untergang zu bedeuten.. Ganz wesentlich zum Minotauros gehört ferner immer das bekannte kretische Labyrinth, welches aber weder zu Knosos jemals wirklich existirt noch zu Gortys anders als in einer sehr unvollkommenen Gestalt hat nachgewiesen werden könnenHöck Kreta 1 S. 56 ff. Von dem Geranostanze , der auf Kreta und Delos die verschlungenen Windungen des Labyrinths nachahmend darstellte, s. in der Theseussage. Auf knosischen Münzen zeigt das Labyrinth bald einen Stierkopf in der Mitte, bald einen großen Stern in der Mitte und vier kleinere in den Seitenfeldern, bald im Felde einen Stern oder den Blitz, s. Pashley trav. 1, 202 u. 208.. Höchst wahrscheinlich ist auch hier der Grundgedanke ein allegorischer, das Labyrinth selbst zunächst ein Ding des Glaubens und der Phantasie, welches man, wie gewöhnlich solche symbolische Vorstellungen, in Tänzen und entsprechenden Anlagen nur nachbildete. Und zwar ist auch dieses vermuthlich ein Bild des gestirnten Himmels gewesen, des Himmels mit seinen ins Unendliche verschlungenen Windungen und Bahnen, in denen sich Sonne Mond und Sterne doch so sicher bewegen. Mithin stellte Minotauros in einem Culte, der wie es scheint am meisten in der Hauptstadt Knosos blühte, den Himmelskönig vor, wie er unter den Sternen waltet und nach phoenikischer Weise von den Menschen blutige Opfer forderte, wie Baal Moloch, dessen Cultus dem des kretischen Zeus Asterios oder Kronos im Allgemeinen entsprichtPorphyr. de abstin. 2, 56 ’Ίστρος εν τη̃ συναγωγη̃ τω̃ν Κρητικω̃ν θυσιω̃ν φησὶ τοὺς Κουρη̃τας τὸ παλαιὸν τω̃ Κρόνω θύειν παι̃δας. Zur Zeit des Agathokles wurden dem Kronos in Karthago 200 Knaben aus den besten Familien geopfert, s. Lactant. 1, 21 u. Diod. 20, 14, welcher hinzusetzt: η̃ν δὲ παρ' αυτοι̃ς ανδριὰς Κρόνου χαλκου̃ς εκτετακὼς τὰς χει̃ρας υπτίας εγκεκλιμένας επὶ τὴν γη̃ν, ώστε τὸν επιτεθέντα τω̃ν παίδων αποκυλίεσθαι καὶ πίπτειν είς τι χάσμα πλη̃ρες πυρός. Aehnlich Klitarch b. Schol. Plat. rep. 1 p. 396 Bekk.. So lange Knosos, der Herrschersitz des Minos, über viele Inseln und Küsten gebot, forderte und empfing der Minosstier natürlich seine Opfer und Gaben auch von diesen Inseln und Küsten; namentlich von Athen, dessen Sendungen auserwählter Jünglinge und Jungfrauen zu jener Gattung von Tempelsklaven gehören, welche bei den orientalischen Culten und in Griechenland bei dem des Pythischen Apoll zu Delphi etwas Gewöhnliches warenDie des Minotauros wurden auch als Colonieen in entlegene Gegenden versendet, Plut. Thes. 16, ganz wie die Tempelsklaven des Pythischen Apoll.. Auf eine 125 weite und dauernde Ausdehnung der durch das Symbol des Minotauros vertretenen Herrschaft des Minoischen Kreta läßt auch der merkwürdige Umstand schließen daß selbst die Römer bis zum zweiten Consulate des Marius den Minotauros unter ihren Feldzeichen führten.

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