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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 110
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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a. Die Heroen der Weissagekunst.

Die Weissagung war eine Kunst sofern sie nicht blos auf unmittelbarer Begeisterung und Gemüthserregung beruhte, wie die der Sibyllen (1, 216), sondern zugleich eine künstliche und sinnliche Auslegung der in der Natur d. h. durch Vögelflug, Zeichen der Eingeweide, das Feuer des brennenden Opfers, Stimmen, Begegnisse u. s. w. gegebenen Andeutungen war. Es muß eine Zeit in Griechenland gegeben haben wo ihre Seher in allen diesen Geschäften nicht weniger geübt und gebildet waren als die italischen, und ohne Zweifel würde bei reiferer Entwickelung der theokratischen Elemente eine ähnliche Disciplin wie dort zu Stande gekommen sein, was bekanntlich nicht der Fall war. Wohl aber haben sich manche interessante Sagen von solchen Sehern, ihrer Bildung, ihrer Kunst das Räthselhafte zu enträthseln, ihrem tiefen Einblick in die Geheimnisse der Natur und des Seelenlebens erhalten, welches letztere sie zugleich zu Sühnern und zu den ältesten Aerzten machteVgl. die vielen Seher und Propheten b. Clem. Al. Str. 1, 21, 132. 133 u. Lobeck Agl. 260 sqq. Die älteste und am weitesten verbreitete Art der Weissagung war immer die aus dem Fluge der Vögel, s. Cic. de leg. 2, 13, 33. Iam vero permultorum exemplorum et nostra est plena respublica et omnia regna omnesque populi cunctaeque gentes, augurum praedictis multa incredibiliter vera cecidisse. Neque enim Polyidi neque Melampodis neque Mopsi neque Amphiarai neque Calchantis neque Heleni tantum nomen fuisset neque tot nationes id ad hoc tempus retinuissent, Arabum, Phrygum, Lycaonum, Cilicum maximeque Pisidarum, nisi vetustas ea certa esse docuisset.. Ohne Zweifel hat das Alles zu manchem Aberglauben Anlaß gegeben, aber es ist doch auch nicht zu verkennen daß namentlich diese Uebung auf alles Bedeutungsvolle der Naturerscheinung und des Naturlebens seinen Geist zu richten dem bildlichen Principe der griechischen Mythologie ganz nahe verwandt ist. Gewiß würde manches eigenthümliche Bild dieser Mythologie und der griechischen Religion überhaupt, der ältesten Orakelsprache und der verwandten Poesie von selbst seine Erledigung finden, wenn uns von diesen Räthselspielen und symbolischen Deutungen, von denen solche Sagen erzählen und zu denen sich die Analogieen in den Ueberlieferungen anderer Völker finden, noch mehr erhalten wäre.

474 Die merkwürdigste Erscheinung ist in dieser Hinsicht Melampus d. h. der Schwarzfuß und das Geschlecht der Melampodiden, von denen nach landschaftlichen Sagen von Thessalien, Pylos und Argos ein eignes Gedicht des Hesiod berichteteDie Μελαμποδία welche auch die Geschichte anderer Weissager enthielt s. p. 289 ed. Göttl. Doch hatte Hesiod auch in den großen Eoeen davon erzählt, Schol. Apollon. 1, 118. Vgl. Eckermann Melampus u. sein Geschlecht, Gött. 1840 und zu dem Namen Μελάμπους die Μελάμποδες als Bevölkerung von Aegypten b. Apollod. 2, 1, 5, die λυκόποδες oder λευκόποδες b. Arist. Lys. 665 Schol., die σκιάποδες b. Arist. Av. 1553, Plin. 7, 23 u. dgl. m. Man erklärte sich den Namen dadurch daß die Sonne ihm als kleinen Knaben die Füße verbrannt habe, Schol. Theokr. 3, 43. Eigentlich scheint er ein symbolischer Ausdruck seines Charakters als bacchischen Sühnpriesters und Sehers zu sein, vgl. den Dionysos Νυκτέλιος 1, 537, [1688], die Νυκτίδαι, γένος τι τω̃ν τὰς λοιμικὰς νόσους εκδιωκόντων Hesych, die Κελαινὼ und die Μέλαινα b. Paus. 10, 6, 2, den ’Ορφεύς u. s. w.. Für uns sind die wichtigsten Nachrichten durch die Odyssee 11, 287 ff.; 15, 225 ff., durch Pherekydes und durch Apollodor 1, 9, 11. 12 erhalten.

Die Melampodiden gehörten zu den zahlreichen Geschlechtern welche sich zur Tyro, der Tochter des Salmoneus, als zu ihrer gemeinschaftlichen Ahnfrau bekannten, zunächst zu der Nachkommenschaft des Amythaon. Dieser ging mit Neleus von Thessalien nach Messenien, wo seine Söhne Melampus und Bias neben dem Stamme des Neleus blühten. Neleus will seine Tochter Pero, um die alle Welt freit (S. 315) keinem Andern geben als dem welcher die Heerden des Phylakos an der thessalischen Othrys, ein Erbtheil seiner Mutter Tyro, in seinen Besitz bringen werde. Das bewirkte Melampus für seinen Bruder Bias durch seine Sehergabe und durch seine große Klugheit, denn Amythaons Kinder hatten Verstand wie Wenige und ihre ganze Geschichte war eine Verherrlichung ihrer tiefen und verborgenen Einsicht’Αλκὴν μὲν γὰρ έδωκεν ’Ολύμπιος Αιακίδησι, νου̃ν δ' ’Αμυθαονίδαις u. s. w. s. oben S. 387, [Anmerkung 1355]. Daher heißt die Mutter der Amythaoniden Ειδομένη d. h. die Wissende. Die beiden Brüder Melampus und Bias scheinen List und Gewalt auszudrücken., wie die der Aeakiden eine Verherrlichung des Muthes und der Kraft, die der Atriden der Macht und des Reichthums. Seine Sehergabe verdankte Melampus einer Brut von Schlangen, deren getödtete Eltern er begraben und die er selbst großgezogen hatte, welche Wohlthat sie ihm dadurch vergalten daß sie ihm die Ohren ausleckten, worauf er die Stimmen der Vögel 475 verstand und alle Zukunft zu deuten wußteBei Apollodor wird ihm auch die Weissagung aus Eingeweiden und Apollinische Begeisterung, nachdem er mit Apollo am Alpheios zusammengetroffen sei, zugeschrieben; auch hieß er in den großen Eoeen φίλτατος ’Απόλλωνι, Schol. Apollon. l. c. In Argos galt er mehr für einen Dionysospriester. Die Erzählung von der Reinigung der Ohren durch Schlangen oder Drachen wiederholt sich in der Geschichte der Kassandra und in verwandten Märchen, an die noch Demokrit geglaubt haben soll, Plin. 10, 137; 29, 72 vgl. Schoemann opusc. 2, 351, 4 u. Liebrecht z. Gervas. ot. imp. 155. In einem serbischen Märchen b. Karadschitsch S. 17 rettet ein Hirt einer Schlange das Leben bei einem Waldbrande, worauf ihr Vater, der Schlangenkönig und im Besitze unermeßlicher Schätze, ihn die Thiersprache lehrt, und zwar so daß Hirt und Schlange sich dreimal gegenseitig in den Mund spucken. Der Hirt versteht darauf die Sprache der Vögel und aller Thiere.. Er begiebt sich also nach Phylake, wo jene Heerden von einem Hunde so gut behütet wurden daß weder ein Mensch noch ein Thier in ihre Nähe kommen konnte. Melampus wußte als Seher voraus daß er bei seinem Wagniß ergriffen und eingesteckt werden würde, aber er verließ sich auf unverhoffte Hülfe, die nicht ausblieb. Wirklich wurde er über dem Versuche jene Heerden zu entführen ertappt, gebunden und in harter Verhaftung gehalten. Und schon ist fast ein Jahr vergangen, da hört Melampus in seinem Gefängniß wie die Würmer im Holze des Daches sich unter einander erzählten daß in kurzer Zeit der Balken durchgefressen sein würde, verlangt also schnell in ein andres Gemach geführt zu werden, worauf jenes einstürzt. Phylakos wußte nun daß er es mit einem Seher zu thun habe und befragte ihn wegen seines Sohnes Iphiklos, der von seiner Mutter Klymene, einer Tochter des MinyasDie Odyssee 11, 326 nennt sie unter den berühmten Frauen der Vorzeit und so thaten die Nosten und Polygnot, vgl. Hesiod p. 301 ed. Göttl. Apollonios nennt Iphiklos unter den Argonauten, wo Gleichartiges vom Euphemos erzählt wurde, Schol. Apollon. 1, 45 u. oben S. 323., die Gabe wunderbarer Schnelligkeit hatte (S. 339), aber durch einen unglücklichen Zufall in seiner Jugend die Zeugungsfähigkeit verloren hatte. Melampus verspricht zu helfen, aber unter der Bedingung daß ihm jene Heerden ausgeliefert würden. Er schlachtet also dem Zeus einen Stier, schneidet ihn in Stücke und ruft die Vögel zum Mahle. Melampus fragt sie, aber sie wissen alle nichts, bis auf einen Geier der nicht mitgekommen ist. Also wird er herbeigeholt und erzählt daß Iphiklos als Kind einen heftigen Schreck gehabt habe über ein blutiges Messer, mit welchem Phylakos Böcke verschnitten hatte und dann den Sohn bedrohte; worauf er es in einen Baum gestoßen habe, wo 476 inzwischen der Bast darüber gewachsen sei. Jener Schreck sei die Ursache der UnfruchtbarkeitDieses scheint der älteste Sinn der verschieden erzählten Sage zu sein, s. Pherekydes b. Schol. Od. 11, 287. 290, Apollod. l. c. u. Schol. Theokr. 3, 43. Ein verwandter Aberglaube wird erzählt in K. A. Böttiger, biogr. Skizze v. s. Sohne, Lpz. 1837 S. 80. »Der Großvater heilte sich sympathetisch (von der Gicht) durch einen Span aus einem grünen Baume, der, mit dem Blute des geritzten kranken Gliedes besprengt, wieder in den Baum eingefügt und von der Rinde überwachsen wurde. Mit dem Jäger bestand der Vertrag den Baum nicht umzuhauen. Als dies aber durch einen neuangestellten Förster geschah, stellte sich auch das Uebel furchtbar wieder ein und er starb bald.« Nur daß hier das Uebel in den Baum gebannt, dort aber das mit dem Baum verwachsene Messer, die Ursache des Uebels, wieder abgelöst und sein Rost (wie der der Lanze Achills, oben S. 420) als Medicin gebraucht werden muß. Der Geier gilt auch sonst für ein kluges und menschenfreundliches Thier und seine Erscheinung für ein gutes Zeichen, Plut. Rom. 9.. Gelinge es das Messer wieder aufzufinden, so solle er den Rost davon abschaben, denselben mit Wein vermischen und davon dem Iphiklos zehn Tage lang eingeben; dann werde dieser einen Sohn zeugen. Melampus findet das Messer, thut wie ihm gesagt (worauf Iphiklos Vater des Podarkes wurde), erhält die Kühe, treibt sie nach Pylos, bekommt dafür die schöne Pero und überläßt diese seinem Bruder Bias.

Später erfolgte die Uebersiedelung der beiden Brüder nach Argos, nach den Andeutungen der Odyssee 15, 225 ff. in Folge jenes dem Melampus auferlegten schweren und unbilligen Abenteuers, welches ihn in die äußerste Gefahr gebracht hatte und wofür er sich nach seiner Rückkehr, nachdem die schöne Pero seinem Bruder Bias vermählt worden war, am Neleus rächte; nach der gewöhnlichen Erzählung auf Veranlassung der bösen Krankheit der Töchter des Proetos, durch deren Heilung Melampus für sich und seinen Bruder einen so bedeutenden Antheil an dem Gebiete und der Herrschaft von Argos erwarb (S. 56). Und so erscheint Melampus in der argivischen Sage auch sonst als Sühnpriester und als Stifter mysteriöser Dienste, namentlich bacchischer OrgienHerod. 2, 49 vgl. Bd. 1, 541. Auch die Heilwurzel μελαμπόδιον, eine Art Helleboros, soll durch ihn bekannt geworden sein, Theophr. H. Pl. 9, 10, Plin. 25, 21..

Gewiß ist daß die Amythaoniden seitdem in Argos als mächtiges und blühendes Geschlecht und mit einem die Proetiden verdunkelnden Antheil an der Herrschaft angesiedelt waren, wie sich dieses namentlich in der Geschichte des thebanischen Kriegs und der Epigonen zeigte, wo die ersten Helden der Sage, Adrast, 477 Amphiaraos, Alkmaeon, Amphilochos aus diesem Geschlechte abstammen (S. 351). Der Cultus des Amphiaraos zu Theben und zu Oropos (S. 362) und der des Amphilochos in Akarnanien und Aetolien (S. 370) verbreitete den Ruhm der Melampodiden auch in diese Gegend von Griechenland. Noch andre in alten Sagen berühmte Seher dieses Geschlechtes waren Polypheides, der Sohn des Mantios, durch die Gnade Apollons der beste Seher nach dem Tode des Amphiaraos, und dessen Sohn Theoklymenos, welcher nach einem Todtschlage aus Argos nach Pylos und von dort mit Telemachos nach Ithaka entfloh, wo er bis zu seinem Tode in großen Ehren gelebt haben soll (Od. 15, 249 ff., Schol. v. 223), endlich Polyidos d. h. der Vielwisser, der Sohn des Koiranos (des Herrn), den die Ilias 13, 663 ff. und Pindar Ol. 13, 75 in Korinth kennen und von dem man auch in Megara erzähltePaus. 1, 43, 5, wo auch die vollständigere Genealogie: Πολυείδου, του̃ Κοιράνου του̃ ’Άβαντος του̃ Μελάμποδος. Anders Pherekydes b. Schol. Il. 13, 663. Korinth gilt für die Heimath des Polyidos auch b. Cic. de Divin. 1, 40, 89 Quid? Polyidum Corinthium nonne Homerus et aliis multis et filio ad Troiam proficiscenti mortem praedixisse commemorat?, obwohl die attischen Tragiker ihn gewöhnlich einen Argiver nennen; denn sowohl Aeschylos als Sophokles und Euripides haben von ihm gedichtet und zwar im Zusammenhange der Fabel vom kretischen Glaukos, einem Sohne des Königs Minos und der PasiphaeVon Aeschylos gehören dahin die Κρη̃σσαι, von Sophokles die μάντεις ὴ Πολύιδος, von Euripides der Πολύιδος, vgl. Welcker Gr. Tr. 767 ff. und zur Fabel Hygin f. 136, Apollod. 3, 3, 1. 2, Tzetz. Lyk. 811, Gädechens in der Hall. Encyclop. 69, 187.. Zu Grunde liegt ein altes Sehermärchen allegorischen Inhalts, in welchem zugleich der Triumph der Seherkunst nach ihren drei Functionen der Räthsellösung, der Deutung des Vögelflugs und der Heilkunde geschildert wurde. Glaukos, vermuthlich ein Bild des Morgensterns, fällt als Kind beim Spiele in ein Faß mit Honig: ein Ausdruck für einen frühen Tod, bei dem das Bild vom Honigfaß der im Orient nicht ungewöhnlichen Sitte die Verstorbenen in Honig beizusetzen entlehnt istHerod. 1, 198 von den Babyloniern ταφαὶ δέ σφι εν μέλιτι, vgl. Lucr. 3, 886 ff. es sei gleich ob man sich nach dem Tode von den Thieren zerreißen oder von dem Feuer verbrennen lasse aut in melle situm suffocari etc. Varro b. Non. Marc. 230, 26 quare Heraclides Ponticus plus sapit qui praecipit ut comburerent quam Democritus qui ut in melle servarent, denn man schrieb dem Honig eine conservirende Kraft zu, Plin. 7, 35; 22, 208. Das Spiel des Glaukos scheint mir gleichgültig; bald spielt er Ball, bald verfolgt er eine Fliege oder eine Maus, denn die Lesart ist unsicher (μυι̃αν oder μυ̃ν). Der Morgenstern konnte so gut Glaukos genannt werden wie die Morgenröthe γλαυκὴ heißt b. Theokr. 16, 5 vgl. Bd. 1, 154, [399]. Vgl. die Fabeln vom Atymnos und Miletos oben S. 133.. Die Kureten sagen dem Minos 478 es gebe in seiner Heerde (S. 121) eine Kuh, welche dreimal die Farbe wechsele, indem sie erst weiß, dann roth, dann schwarz sei; offenbar ein Symbol des Mondwechsels. Wer für diese Farbenwandlung das richtige Bild zu finden wisse, der werde ihm auch zu seinem verlornen Sohne helfen. Der große König beruft seine Seher, die einheimischen bleiben die Antwort schuldig, der Fremdling Polyidos aus Argos löst das Räthsel, indem er die Wunderkuh mit der Frucht des Maulbeerbaums vergleicht, dessen Beere gleichfalls zuerst weiß, dann roth, dann schwarz seiHygin l. c. Nach Aeschylos b. Athen. 2, 36 und Apollodor nannte er die Brombeerstaude.. Also wird Polyidos gezwungen das verschwundene Kind des Minos zu suchen und findet es wirklich durch die Zeichen der Vögel, nach Euripides durch das einer Eule (γλαυ̃ξ), welche sich auf den Keller setzte, in dem Glaukos seinen Tod gefunden, und die aus- und einfliegenden Bienen verscheuchteHygin l. c. vgl. Aelian N. A. 5, 2. Ein Seeadler, der aus dem Meere an die Küste flog und dort verweilte, hatte ihn vorher belehrt daß der Knabe nicht ertrunken, sondern auf dem festen Lande umgekommen sei, fr. 637.. Minos fordert nun daß er den Glaukos wieder lebendig mache und steckt ihn, da er widerspenstig ist, mit dem Todten in dieselbe Grabkammer. Da sieht Polyidos eine Schlange an den Todten herankriechen. Als er sie getödtet, kommt eine zweite Schlange mit einem Kraut wodurch sie die getödtete wieder lebendig macht. Mit demselben Kraute ruft nun auch Polyidos den todten Knaben wieder ins Leben, worauf Minos ihn zwingt dem wiedererstandenen Sohne seine Seherkunst zu lehren. Er thut es, heißt aber den Glaukos bei der endlichen Abreise nach Argos in seinen Mund spucken, worüber der Knabe die erlernte Seherkunst wieder vergißtSo wendet Apollo die der Kassandra verliehene Weissagung dadurch zum Unheil daß er ihr in den Mund spuckt, Serv. V. A. 2, 147. Vgl. über den Zauber durch Anspucken, Ausspucken u. s. w. Grimm D. M. 1056, Liebrecht z. Gervas. ot. imp. 122, O. Jahn in den Leipz. Ber. 1855 S. 85.. Eine ganz ähnliche Geschichte wurde in Lydien erzählt von einer kleinen Schlange, welche die Mutter durch ein Kraut wieder ins Leben gerufen, worauf dasselbe Kraut zur Wiederbelebung des Wunderknaben und Landesheroen Tylos, den ein Drache getödtet hatte, angewendet worden. Und auch in 479 Arabien und andern Gegenden wußte man von derselben Wunderkraft gewisser KräuterPlin. 25, 14 vgl. Nonn. 25, 451 ff. Das Wunderkraut hieß βάλλις. Mehr b. O. Jahn Leipz. Ber. 1851 S. 133, Liebrecht a. a. O. 113..

Andre berühmte Sehergeschlechter, in denen sich die Gabe und die Kunst der Weissagung erblich fortpflanzte, waren die Klytiaden, Iamiden und Telliaden, welche in Olympia im Dienste des Zeus (1, 111) weissagten, doch berichtet die Sage von ihnen nur wenig. Iamos, der Stammvater der Iamiden galt für einen Sohn des Apoll und einer arkadischen Nymphe Euadne, einer Tochter Poseidons, der auf einer Veilchenflur geboren (’Ιαμός von ίον), von zwei Schlangen ernährt, durch seinen Vater Apoll nach Olympia geführt und mit einem doppelten Schatze der Weissagung ausgerüstet wird, die Stimmen der Luft zu verstehen und aus den Opfern des Zeus zu weissagen, s. Pindar Ol. 6, 29 ff. Der Stammvater der Klytiaden galt für einen Sohn des Melampodiden Alkmaeon und der Alphesiboea von PsophisPaus. 6, 17, 4 vgl. oben S. 368.. Ferner die Galeoten (Γαλεω̃ται) in Sicilien, eigentlich Weissager aus den Bewegungen der Eidechse, doch waren auch sie Propheten und Sühnpriester im weiteren Sinne des Worts und in und außerhalb Siciliens sehr angesehen. Sie leiteten ihr Geschlecht ab von Galeotes, einem Sohne des Apollo und einer hyperboreischen KönigstochterSteph. B. Γαλεω̃ται vgl. v. ‛Ύβλαι u. Bd. 1, 228, [637]. Bei Suid. v. ακέσματα wird ein berühmter Wahrsager und Sühnpriester aus der Galeotis von Minos nach Kreta gerufen um den verlornen Glaukos wieder aufzufinden.. Auch mag hier noch Bakis genannt werden d. h. der Sprecher (von βάζειν), ein Prophet der Ekstase oder wie die Alten sich ausdrückten ein von den Nymphen Ergriffener (νυμφόληπτος); also das männliche Gegenbild zur weiblichen Sibylle. Die älteren Schriftsteller kennen nur einen Bakis, der aus Eleon in Boeotien gebürtig gewesen sein soll und dessen in Athen gesammelte und nach Art der sibyllinischen Sprüche in Rom befragte Orakel (χρησμοί) sich besonders in der Zeit der Perserkriege bekannt machten. Die späteren kennen auch einen attischen und einen arkadischen Bakis, welcher letztere gelegentlich als heilender Sühnpriester in Sparta auftratHerodot, Aristophanes, Plato, Cic. de Divin. 1, 18, 34, Paus. 10, 12, 5 wissen nur von einem Bakis, Plut. d. Pyth. orac. 10, Aelian V. H. 12, 53, Schol. Arist. Eq. 123, Pac. 1071, Suid. Βάκις von dreien. Vgl. Göttling de Bacide fatiloquo, Jen. 1859. Ein ähnlicher Prophet war Euklos auf Cypern, Paus. 10, 12, 5; 14, 3; 24, 3, Lob. Agl. 300, e..

480 Endlich hat sich in den verschiedenen Kreisen der epischen Dichtung das Andenken von berühmten Sehern der Vorzeit erhalten, welche mit der Zeit wie die andern Helden dieser Sagenkreise mehr und mehr zu mythischen Personen und Gegenständen mannichfachen Aberglaubens geworden sind, in dem troischen das des Kalchas und auf der troischen Seite des Helenos und der Kassandra, in dem thebanischen das des Teiresias, in dem der Argonautensage das des Mopsos. Bei weitem der berühmteste von ihnen ist Teiresias, da nächst dem Epos die Tragödie sich außerordentlich oft mit ihm beschäftigte und seine große Macht über die Natur, seine tiefe Einsicht in alle verborgenen Dinge, die ruhige Würde seines Auftretens in den Verwicklungen der Leidenschaft zu schildern liebte. Seinem Namen nach ist er Zeichendeuter im weiteren Sinne des Wortes, obwohl auch er vorzüglich als Augur d. h. als Beobachter des Vogelflugs geschildert wirdΤειρεσίας von τείρεα d. h. himmlische Zeichen, speciell die Gestirne, verw. mit τέρας, τέρατα d. h. prodigia, portenta, Nägelsbach Hom. Th. 146, Nachhom. Th. 169.. Aus dem Geschlechte der kadmeischen Sparten gebürtig soll er bis zu dem letzten Ausgange des kadmeischen Thebens d. h. bis zur Zerstörung der Stadt durch die Epigonen gelebt haben. Schon bei Homer ist er blind, aber der einzige dem Persephone auch nach seinem Tode Besinnung gelassenOd. 10, 492 ff. vgl. Plat. Men. 100 A. So behält Aethalides, der Sohn des Hermes, sein Gedächtniß im Hades, 1, 317, [932]. Uebrigens ist Teiresias so gut Schatten wie die übrigen, und auch er muß Blut trinken ehe er zum vollen Bewußtsein kommt, Od. 11, 90 ff. Abbildungen der Citation s. oben S. 459, [Anmerkung 1574].; von Odysseus citirt erscheint er mit einem goldenen Scepter. Pindar N. 1, 60 nennt ihn den Propheten des höchsten Zeus, auf der attischen Bühne erschien er gewöhnlich in der Ausstattung der Apollinischen Propheten d. h. mit dem Lorbeerstabe, dem Lorbeerkranze und einem netzartigen, aus Wolle geflochtenen Ueberwurfedem αγρηνόν Poll. 4, 116, Schoene de person. in Eur. Bacch. 54 sqq.. Seine Lebensgeschichte wurde seit Hesiod und Pherekydes mit vielen wunderbaren Zügen erzählt, in denen die drei Merkmale der Blindheit, der prophetischen Erkenntniß und eines ungewöhnlich langen Lebens die vorherrschenden sind; letzteres dauerte nach Hesiod sieben Geschlechter lang. Bald soll er blind geworden sein weil er den Menschen zu viel vom Rathe der Götter mitgetheilt, bald weil er als Knabe die Athena im Bade gesehen, worauf die Göttin ihm seiner Mutter Chariklo zu Liebe, einer Nymphe die ihr sehr 481 theuer war, das Gehör gereinigt habe, so daß er alle Stimmen der Vögel verstand; auch habe sie ihm einen dunklen Stab in die Hand gegeben, mit dem er fortan so sicher wie die Sehenden seine Straße zogPherek. b. Apollod. 3, 6, 7, Kallim. lav. Pall. 58–130, wo die Erblindung des Knaben nach solchem Anblick eine natürliche Folge uralter Gesetze ist, während bei Pherekydes Athena selbst ihn blendet. Vgl. Propert. 4, 9, 57.. Oder man erzählte mit Hesiod die muthwillige Geschichte daß Teiresias einst auf dem Kithaeron oder dem Kyllene ein Schlangenpaar bei der Begattung mißhandelt und darüber in ein Mädchen verwandelt worden sei; einige Zeit darauf aber, als er noch einmal solch ein Schlangenpaar traf und schlug, sei er wieder Mann geworden. Da habe Zeus sich einmal mit der Hera gestritten, welches Geschlecht der Liebe am meisten Genuß verdanke, worüber Teiresias als Schiedsrichter herbeigerufen sei. Als er zu Gunsten des weiblichen Geschlechts entschieden, habe Hera in ihrem Zorn ihn geblendet, Zeus aber ihm zur Entschädigung die Kunst der Weissagung und ein sehr langes Leben verliehenApollod. l. c. Schol., Od. 10, 494, Tzetz. Lyk. 682. 683, Phlegon Trall. mirab. 4, wo auch auf Dikaearch, Kallimachos u. A. verwiesen wird, Ovid M. 3, 316 ff. Hesiod ist bei diesem Sehermärchen der Verf. der Melampodie. Manche erzählen die Geschichte so, daß Teiresias als er das erstemal das Weibchen verwundet, zum Weibe wird, als er hernach das Männchen verwundet, wieder zum Manne. Aehnliche Beispiele von Geschlechtswechsel b. Antonin. Lib. 17 nach Nikander. Zu einer ganzen Kette von Verwandlungen ist die Geschichte des Teiresias ausgesponnen durch Sostratos b. Eustath. Od. 1665, 47 sqq.; nicht zum Heile des Teiresias, wie er selbst beim Hesiod klagte, da er doch immer menschlich zu fühlen und zu denken fortfuhr, also durch seine Seherkunst nicht wenig zu leiden hatteSchon um dieser menschlichen Schwäche willen ist Apollo allein der rechte Prophet, Eur. Phoen. 954 ff. Φοι̃βον ανθρώποις μόνον χρη̃ν θεσπιωδει̃ν, ὸς δέδοικεν ουδένα. Seine Blindheit ließen die Dichter den Teiresias nie bedauern, Cic. Tusc. 5, 39, 115. Tiresias grandaevus sprichwörtlich bei Lucilius.. Die Tragödie ist reich an Beispielen seiner wunderbaren Gabe und an daraus entsprungenen Verwicklungen mit der weltlichen Gewalt, welcher die Dichtung überhaupt die geistliche Gewalt der Priester und der Propheten entgegenzusetzen liebte; auch bewahrte die örtliche Sage von Theben mancherlei Andenken von ihmPaus. 9, 16, 1; 18, 3; 19, 2. Stuhl der Manto zu Theben 9, 10, 3. In OrchomenosΤειρεσίου χρηστήριον Plut. def. or. 44. In Makedonien monimentum Tiresiae Plin. 37, 180.. Zuletzt soll er im Epigonenkriege selbst zum Auszuge 482 aus der Stadt gerathen haben, aber nach dem Auszuge schon in der ersten Nacht gestorben sein in Folge eines Trunkes aus der tilphusischen Quelle in der Gegend von Haliartos, wo man auch sein Grab zeigteApollod. 3, 7, 3. 4, Paus. 7, 3, 1; 9, 33, 1.; so wesentlich gehörte Teiresias zu dem kadmeischen Theben und dieses zu ihm. Seine Tochter Manto soll nach der Eroberung Thebens von den Siegern als edelste Beute nach Delphi geweiht worden sein, wo sie nach Einigen im Dienste des Gottes und als dessen Geweihete bliebDiod. 4, 66, wo sie Daphne und eine Sibylle heißt, von der Homer viel gelernt habe.; dahingegen die gewöhnliche Sage sie nach Kleinasien versetzte. Kalchas der Thestoride, der Beste der Vogelschauer, welcher das Gegenwärtige, das Zukünftige und das Vergangene wußte, ist der Prophet der Griechen vor Troja, welcher ihren Zug leitete durch seine ihm von Apollo verliehene Weissagung (Il. 1, 69 ff.). Sowohl sein eigner Name als der seines Vaters Thestor scheint einen von göttlichem Geiste Bewegten anzudeutenΘέστωρ ist gleichen Stammes mit Θέστιος Θέσπιος s. oben S. 91, [Anmerkung 302] u. G. Curtius Etym. 1, 220. Er galt später für einen Sohn des Apollo und der Aglaja und man erzählte auch von ihm und seinen Töchtern allerlei romantische Abenteuer, Hygin f. 190, Tz. Lyk. 427. Der Name Κάλχας erklärt sich durch Hesych καλχαίνει d. i. ταράσσει, πορφύρει, στένει, φροντίζει, άχθεται, κυκα̃, εκ βυθου̃ ταράσσεται. Vgl. Soph. Ant. 20, Eur. Heraklid. 40.. Von seiner Jugend wissen auch die Späteren nichts zu erzählen. Helenos und Kassandra, die Kinder des Priamos und der Hekabe, sollen nach jüngerer Tradition in ihrer zarten Jugend bei der Feier ihres Geburtsfestes im Heiligthume des thymbraeischen Apollo vergessen worden sein, worauf man sie am andern Morgen wiederfand umringelt von Schlangen, welche ihnen die Ohren ausgeleckt hatten, daher sie die Sprache der Vögel und alle Naturlaute verstanden. Von der Kassandra setzt eine alte Dichtung hinzu daß Apollo ihr aus Liebe die Gabe der Weissagung verliehen, aber völlige Hingebung fordernd und zurückgewiesen seiner Gabe alle Ueberzeugungskraft genommen habe. In der Ilias 24, 700 ein Glied der königlichen Familie, wie alle ihre übrigen Geschwister, dachte man sie sich später in der Einsamkeit weissagend, in einer Felsengrotte, gleich den Sibyllen oder der deutschen Veleda in ihrem ThurmSo bei Lykophron vgl. Tzetz. argum., Eustath. Il. 663, 40, Apollod. 3, 12, 5, Hygin f. 93, Serv. V. A. 2, 247. Die Sage von der verschmähten Liebe des Apollo kennt Aeschylos. Die Kyprien werden zuerst dergleichen erzählt und die späteren Dichter das Ihrige hinzugethan haben.. Nach 483 der Zerstörung Trojas fiel sie dem Agamemnon zu und kam mit ihm nach Myken um mit ihm zugleich den Tod zu leiden, worauf sie in verschiedenen Gegenden neben Apollo unter dem Namen Alexandra verehrt wurdeIn Amyklae und Leuktra, Paus. 3, 19, 5; 26, 3. ’Αλεξάνδρα ist die Männer Abwehrende, die Jungfräuliche, Κασσάνδρα eher das Gegentheil, Ztschr. f. vgl. Spr. 1, 32. Die Geschichte ihres Todes Od. 11, 421, Pind. P. 11, 20, Aesch. Agam. 1146 ff., Paus. 2, 16, 5, der auch von Zwillingen weiß, welche Kassandra dem Agamemnon geboren.. Endlich Mopsos, ein Name welcher wahrscheinlich semitischen Ursprungs ist und in diesen Dialekten dasselbe bedeutete was Teiresias d. h. einen ZeichendeuterΜόψος von תפומ d. h. Zeichen, Wunder.. Die Argonautensage kannte einen Mopsos aus Thessalien, den Sohn des Ampyx (S. 323), den sie zugleich als wehrhaften Krieger und als Seher beschreibt und welcher nach einer späteren Ueberlieferung in Libyen ankam, wo er als Prophet weit und breit verehrt wurdeDie ältere Sage ließ ihn bei den Spielen des Pelias mitkämpfen (S. 339), die jüngere in der libyschen Wüste verunglücken, Apollon. 1, 80; 4, 1502 ff., Hygin f. 14, Seneca Med. 652, Lykophr. 877 ff. Er wurde später gewöhnlich für identisch mit dem kilikischen Mopsos gehalten, s. Ammian. Marc. 14, 8, 3 und dessen intpp.. Ferner weiß dieselbe Ueberlieferung von einem Mopsos oder Mopsopos, nach welchem Attika den Namen Mopsopia bekommen habeStr. 9, 443 vgl. Steph. B. Μοψοπία u. Meineke Anal. Al. 12. Auch Pamphylien soll einmal Μοψοπία geheißen haben d. i. Prophetenland, Plin. 5, 96.. Von diesen beiden also wäre drittens der in den asiatischen Ueberlieferungen d. h. zu Kolophon, aber auch in Pamphylien und Kilikien oft genannte Mopsos, der Sohn der Manto, der Tochter des Teiresias, zu unterscheiden; wenn dieser Name nicht in allen Fällen desselben Ursprungs und nur durch die örtliche und epische Ueberlieferung über verschiedene Personen vertheilt ist. Wußten doch auch von Mopsos, dem Sohne der Manto, schon die älteren Dichter und Sagenschreiber zu erzählen, die Thebais, die Melampodie, Pherekydes u. A. Die Traditionen des berühmten Orakels zu Klaros bei Kolophon und der seit alter Zeit wegen ihrer Weissager und Orakel berühmten Bevölkerung von Pamphylien und Kilikien haben diesen Namen so weit verbreitet und andre griechische, den des Kalchas und des Amphilochos, mit herbeigezogen. Denn auch auf diesem Gebiete wiederholt sich die früher beobachtete Erscheinung, daß die Heroen der Vorzeit mit den Colonieen und dem zunehmenden Verkehre nach Osten und Westen zu wandern 484 beginnen, worauf man von ihren Stiftungen und von ihren Gräbern bald hier bald dort erzählte, eine Folge der gewöhnlichen Zurückführung bestehender Institute auf alte und berühmte Namen.

So erzählten schon die Nosten des Agias daß der Prophet Kalchas nach der Zerstörung Trojas zu Fuß und in Begleitung der beiden Lapithen Leonteus und Polypoites nach Kolophon gewandert sei; wozu Andre noch andre Namen hinzusetzten, den des Amphilochos, den man bald einen Sohn des Amphiaraos bald des Alkmaeon und der Manto nannte (S. 370) und den des Asklepiaden Podaleirios, denn Mantik und Arzneikunde gingen gewöhnlich Hand in Hand, vorzüglich in den später so allgemein verbreiteten TraumorakelnStiehle im Philol. 8, 60 ff. Der Auszug des Proklos aus den Nosten behauptet daß Kalchas zu Kolophon den dort verstorbenen Teiresias begraben hatte, der also mit seiner Tochter Manto von Theben dahin versetzt worden wäre. Auch gab es so gut mehrere Gräber desselben Propheten an verschiedenen Orten als andre Heroengräber. Doch ist hier vermuthlich Kalchas mit Teiresias verwechselt.. In Kolophon oder vielmehr in Klaros soll Kalchas mit Mopsos zusammengetroffen und durch ihn den Tod erlitten haben, wie ihm geweissagt worden war daß er sterben müsse, sobald er einen besseren Propheten als er selbst sei antreffen werde. Sie messen sich im Räthselwettkampf und Mopsos besiegte ihn, der jüngere Prophet den älteren, Mopsos der Sohn der Manto und des Propheten Rhakios, wie man zu Klaros gewöhnlich erzählteοι τὴν Θηβαίδα γεγραφότες b. Schol. Apollon. 1, 308, wo ‛Ράκιος genannt wird Λέβητος υιὸς und Μυκηναι̃ος. Nach Paus. 7, 3, 1 war er ein Kreter. Nach Schol. Nikand. Ther. 958, Alexiph. 11 kam Manto nach Kolophon mit einem Bacchiaden, also wohl aus Korinth, vgl. Apollod. 3, 7, 7. ‛Ράκιος oder Λάκιος scheint gleichfalls ein alter Prophetenname zu sein und dasselbe zu bedeuten was Βάκις, vgl. Welcker ep. Cycl. 1, 209.. Der pythische Apollo zu Delphi habe die ihm von der Beute der Epigonen geweihte Manto nach Kolophon geschickt und dort mit dem Rhakios vermählt: eine Verknüpfung des Apollinischen Orakels zu Klaros mit dem Centralsitze aller Prophetenkunst zu Delphi, welche sich in der Legende des Branchidenorakels zu Didymoi in der Nähe von Milet wiederholt, da auch hier das Geschlecht des Stifters Branchos, des von Apollo geliebten Hirtenknaben, von väterlicher Seite auf Delphi zurückgeführt wurdeKonon 33, Mythogr. lat. 1, 81; 2, 85. Vgl. Bd. 1, 217, [609].. Die Räthsel welche dem Kalchas das Leben kosteten, haben Hesiod und Pherekydes aufbewahrtStr. 14, 642, Tzetz. Lyk. 427–30. 980., der Wettkampf 485 selbst und der Tod des Kalchas wurden von Sophokles nach Kilikien, von jüngeren Dichtern in das Heiligthum des Gryneischen Apollo auf Lesbos verlegtServ. V. Ecl. 6, 72, Meineke Anal. Alex. 78.; so beflissen waren alle diese Institute sich mit den Blumen der älteren griechischen Sage zu schmücken. Namentlich waren Pamphilien und Kilikien, die Stammlande semitischer Nation, ein rechtes Prophetenland, daher sowohl Kalchas als Amphilochos und Mopsos dahin gekommen und vorzüglich die beiden letzteren die angesehensten Orakel dieser Gegenden Mallos und Mopsuestia d. h. den Heerd des Mopsos (Prophetensitz) begründet haben sollen; ja bis nach Syrien und Phoenikien ließen Manche ihre Begleiter gelangen, da bei zunehmender Hellenisirung auch diese Gegenden den Ruhm ihrer Vorzeit bei den Griechen borgtenHerod. 7, 91, Kallinos u. A. b. Str. 14, 668 vgl. 675, Cic. de Divin. 1, 40, 87, Stiehle Philol. 8, 63. Ueber das Orakel zu Mallos G. Wolff de noviss. orac. aet. 30, über Mopsuestia Ritter Asien 9, 2, 97.. Zuletzt, so erzählte man, kamen Mopsos und Amphilochos in einem blutigen Kampfe um die Herrschaft durch einander um, zu Magarsa an der Mündung des Pyramos, wo noch ihre Gräber feindlich geschieden warenStr. 14, 676, Lykophr. 439 ff. Tzetz. Vgl. Euphorion b. Meineke Anal. 90., also in der Nähe von Mallos, dem berühmtesten Orakel zur Zeit der römischen Kaiser, wo die alten Propheten sich wie gewöhnlich durch Träume offenbarten. Endlich im Westen wußte sich besonders das frühzeitig graecisirte Apulien eines Grabes und Traumorakels des Kalchas und des Asklepiaden Podaleirios, ferner eines Heiligthums der Kassandra zu rühmen, zu welchem letzteren die Mädchen in Bedrängnissen der Liebe ihre Zuflucht nahmenLykophr. 1131 ff, Str. 6, 284, Tz. Lyk. 1050.. Aber auch in der Gegend von Siris zeigte man ein Grab das Kalchas, und Ocnus, der Gründer von Mantua, galt für einen Sohn des Tiberflusses und der thebanischen MantoVirg. A. 10, 198 Serv. vgl. Röm. Myth. 460. Von dem Grabe des Kalchas bei Siris, den hier Herakles durch eine Maulschelle getödtet hatte, Lyk. 978 ff. Tz.. Selbst in Spanien führte ein gleichlautender Name zu dem Glauben an eine Einwanderung und den Tod des berühmten Sehers AmphilochosStr. 3, 157, Iustin 44, 3.. 486

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