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Griechische Mythologie II - Heroen

Ludwig Preller: Griechische Mythologie II - Heroen - Kapitel 108
Quellenangabe
typetractate
booktitleGriechische Mythologie II - Heroen
authorLudwig Preller
year1861
firstpub1861
publisherWeidmannsche Buchhandlung
addressBerlin
titleGriechische Mythologie II - Heroen
pages503
created20090607
sendergerd.bouillon@t-online.de
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c. Spätere Nostendichtung.

Auch in diesem Kreise der Nosten wirkte der einmal 465 angeregte Trieb der Sagendichtung fort, so daß die vornehme und stattliche Anknüpfung bei der Rückkehr von der Eroberung Trojas allmälich zum herkömmlichen Anfange der genealogischen und örtlichen Mythographie wurde. Gewöhnlich versuchte man sich auf diese Weise mit den griechischen oder trojanischen Helden des troischen Sagenkreises in Verbindung zu setzen, daher wir diese Heroen, da sie einmal im Wandern waren, in den verschiedensten Gegenden wiederfinden, die meisten zuletzt in Italien und überhaupt im Westen, weil der natürliche Wanderungstrieb der Sage in Uebereinstimmung mit der Geschichte dahin zuletzt seine Richtung nahm. Von den römischen Chroniken ist diese Art das Alte mit dem Neuen zu verschmelzen bekanntlich in die des Mittelalters übergegangen.

Die ältesten Sagen der Art hatten die Nosten des Agias und die Telegonie des Eugammon gesammelt, wo die Andeutungen des älteren Epos, namentlich der Odyssee, mit örtlichen Traditionen des Heroendienstes und der Geschlechtersage auf eigenthümliche Weise ausgeglichen wurdenWelcker ep. Cycl. 2, 281–310, R. Stiehle im Philol. 4, 99–110; 8, 49–77; 10, 151–168; 15, 592–619. Ueber das Verhältniß der Nosten und der Hesiodischen Eoeen zu der Odyssee vgl. Kirchhoff ib. 15, 1–29.. Ihrer Anregung folgten die attischen Tragiker, da sie auch in diesen Gebieten noch manche schicksalsvolle Verknüpfung fanden. Weit weniger hat sich die Kunst mit diesen Sagen beschäftigt, ein Beweis daß sie nicht zu den allgemein volkstümlichen gehörten.

Zu den Merkmalen des jüngeren Zeitalters gehört auch dieses, daß die attischen Heroen sich auf alle Weise geltend zu machen suchen, namentlich die attischen Aeakiden (S. 404) und die Thesiden. Unter jenen beschäftigten die Sage besonders die Heimkehr des Teukros, des Halbbruders des Telamonischen Aias, und die des Eurysakes, welchen die phrygische Königstochter Tekmessa dem Aias vor Troja geboren hatte, endlich die letzten Schicksale des alternden Telamon auf Salamis; wie namentlich Aeschylos und Sophokles und nach ihrem Vorgange verschiedene römische Tragiker diese Ueberlieferungen für die Bühne bearbeitet hattenVon Aeschylos gehören dahin die Σαλαμινίαι, vgl. die Τευ̃κροι θυμολέοντες b. Aristoph. Ran. 1041, von Sophokles der Teukros und der Eurysakes. Ennius hatte einen Telamo, Pacuvius einen Teucer, Attius einen Eurysaces gedichtet. Eurysakes befand sich bei der Rückkehr von Troja auf einem andern Schiffe als Teukros und scheint erst nach manchen Schicksalen auf Salamis angelangt zu sein, Serv. V. A. 1, 619 und die Verse des Pacuvius b. Cic. de Orat. 2, 46, 193. Telamon war inzwischen von Salamis vertrieben worden, Cic. Tusc. 3, 18, 39; 29, 71. Vgl. über diese Stücke bes. Schöll Sophokl. Werke Bd. 4 Anhang.. Besonders war es der kühne und 466 feste Muth des Teukros welcher von den Dichtern oft verherrlicht wurde, wie er, in Salamis von seinem Vater Telamon zurückgewiesen, weil er ohne seinen Bruder und ohne dessen Sohn Eurysakes zurückkehrte, ungebrochenen Sinnes eine neue Heimath suchte und diese nach langem Umherirren auf Cypern fand, wo die Stadt Salamis, ein Mittelpunkt der griechischen Bildung, für seine Gründung galtPind. N. 4, 47, Aesch. Pers. 892, Eur. Hel. 92 ff., Virg. A. 1, 619 ff., Horat. Od. 1, 7, 21 ff.. Auch soll er damals einen Dienst des Zeus zu Salamis mit Menschenopfern gegründet haben, welche erst zur Zeit Hadrians abgeschafft wurdenTacit. A. 3, 62, Lactant. 1, 21, 1 vgl. Str. 14, 672., wie sich denn auch die erblichen Priesterkönige des Zeus zu Olbe oberhalb Soli in Kilikien von seinem und seines Sohnes Aias Stamme zu sein rühmten, welcher auf Cypern noch einmal in den Königen Euagoras und Nikokles von sich reden machteIsokr. Euag. 13 ff., Nikokl. 28.. Dagegen Eurysakes und sein Sohn oder Bruder Philaeos sich der Sage nach von der Insel Salamis nach Athen und Brauron übergesiedelt hatten und die Stifter von blühenden Geschlechtern geworden waren, zu denen sich viele berühmte Männer zählten, Miltiades, Kimon, Alkibiades und der Geschichtschreiber ThukydidesPlut. Solon 10, Paus. 1, 35, 2, Didymos b. Schol. Pind. N. 2, 19 und Marcellin. v. Thuk. 3. Auch der Demos der Philaiden leitete sich ab vom Philaeos, Steph. B. Φιλαίδαι und in Hypate behauptete man sogar daß Teukros, der Eponym der troischen Teukrer, von dort nach Troas übergesiedelt sei, Dionys. H. 1, 63.. Auch gab es auf Salamis ein Heiligthum des Aias und ein Fest der Aianteia, bei welchem sich Athen durch seine Epheben und andre festliche Gebräuche betheiligteHesych v. Αιάντεια, vgl. die von E. Curtius in den Nachr. d. Ges. d. W. zu Göttingen 1860 n. 28 behandelten Inschriften. Auch der Gebrauch des Lectisternium zu Athen b. Schol. Pind. N. 2, 19 bezog sich wohl auf dieses Fest. Nach Hesych v. Αιάκειον gab es auch ein H. des Aeakos in Athen., zumal seitdem Kleisthenes den Aias zu einem der zehn attischen Stammesheroen erhoben und die ruhmvollen Ereignisse der Perserkriege auf ihn und die übrigen Aeakiden von neuem hingewiesen hatten. Weniger berühmt als dieses attische Heroengeschlecht blieben die beiden Thesiden Akamas und Demophon, schon deshalb weil die troische Sage eigentlich nichts von ihnen zu melden hatte. Doch wußte der attische Patriotismus sie dennoch einzuschwärzen, indem 467 man sie als Volontäre den Krieg mitmachen ließ und vorzüglich ihren Antheil an der Zerstörung von Troja hervorhob, wo sie ihre Großmutter Aethra aus der Knechtschaft befreit haben sollenSchon Arktinos erzählte davon in seiner Iliu Persis, dann Polygnot, Paus. 20, 26, 1. Vgl. das trojan. Pferd auf der Burg von Athen P. 1, 23, 10, Soph. Philokt. 562, Eur. Hek. 125 ff. (Schol. v. 119), Virg. A. 2, 262, Demosth. epitaph. 29, Plut. Thes. 35.. Eben diese Aethra und ihr der Ilias 3, 144 bekanntes Verhältniß zur Helena war auch wohl die Ursache weswegen man sie an der Gesandtschaft, als es die Helena zurückzufordern galt, sich betheiligen ließBei dieser Gelegenheit soll sich Laodike, die Frau des Antenoriden Helikaon, eine T. des Priamos, in Akamas oder Demophon (sie werden oft verwechselt) verliebt und einen Sohn Munitos von ihm geboren haben, welcher später in Olynthos durch den Biß einer Schlange umkam, Lykophr. 495 ff., Parthen. 16, Plut. Thes. 34., während die Ansprüche, welche auch Athen auf den Besitz des troischen Palladion erhob, dahin führten daß man von ihnen, namentlich vom Demophon, auch bei dieser Gelegenheit erzählteBald giebt Diomedes das Palladion dem Demophon freiwillig zur Verwahrung, bald wird es ihm oder den Argeiern, die man sich auch wohl von Agamemnon angeführt denkt, bei einer Landung im Hafen Phaleron mit Gewalt abgenommen, Lysias b. Schol. Aristid. p. 320 Ddf., Paus. 1, 28, 9, Poll. 8, 118, Suid. επὶ Παλλαδίω, Clem. Al. Protr. p. 42 P., Polyaen 1, 5. Auch die Vasenbilder heben diesen Antheil der Thesiden an der Entführung des Palladion hervor.. Ja sie bekamen auch ihren Antheil an den Abenteuern der Heimkehr, indem man von Demophon in der Gegend von Amphipolis in Thrakien erzählte, wie seine Geliebte Phyllis aus Sehnsucht nach ihm in einen Mandelbaum verwandelt worden, dessen Verlust und Trieb der Blätter noch von ihrer Liebe zeugteOvid Her. 2, Hygin f. 59, Serv. V. Ecl. 5, 10, Mythogr. lat. 1, 159, Plin. 16, 108, Pallad. de insit. v. 61. 97. 149. Lukian de saltat. 40 nennt Akamas statt Demophon., und Akamas, obgleich auch er seit Kleisthenes einer der attischen Stammesheroen war, den Führer einer Colonie nach Cypern sein ließ, wo es ein Akamantisches Gebirge gabLykophr. 494 Tz., Str. 14, 683, Hesych v. ακάμαντον. Auch nach Großphrygien soll Akamas verschlagen sein, denn auch dort gab es eine Stadt, die an seinen Namen erinnerte, Steph. B. ’Ακαμάντιον und Σύνναδα..

Andre Sagen und Dichtungen beschäftigten sich mit den letzten Schicksalen des Peleus und des Neoptolemos. Dieser kehrte nach den Nosten auf den Rath der Thetis nicht übers Meer, sondern zu Lande, also durch Thrakien zurück, 468 wo dieses Gedicht ihn in Maroneia mit Odysseus zusammentreffen ließ. Er erreichte dann glücklich das Stammland seines Vaters und Großvaters, in welchem der mit ihm zurückgekehrte Phoenix nun sein Grab fand. Neoptolemos begab sich darauf zu den Molottern, wohin er nach andern Ueberlieferungen gleich von Troja und zwar zur See verschlagen wurdePind. N. 4, 51; 7, 35 ff. Auch die Odyssee 11, 534 läßt ihn zu Schiffe heimkehren.. Auch soll er dort den Peleus angetroffen und Helenos und Andromache als Kriegsgefangene mit sich geführt, ja von einem prophetischen Ausspruche des letzteren angeleitet an dem »allnährenden See von Epiros« d. i. wahrscheinlich der acherusische See in der fruchtbaren Gegend von Ephyra (Kichyros) und Pandosia sich niedergelassenSchol. Od. 3, 188, Eustath. 1463, 34. Zur παμβω̃τις λίμνη ’Ηπείρου vgl. Soph. Phil. 391 ορεστέρα παμβω̃τι Γα̃ und die πίειρα άρουρα Od. 2, 328. Auch der Name Πανδοσία und die alte Verehrung der chthonischen Götter deutet auf Fruchtbarkeit. Es ist dieselbe Gegend welche auch in der Heraklidensage und durch das Psychopompeion von Thesprotien berühmt war, s. oben S. 279 u. Bd. 1, 632, [1996]. und König von Epiros d. h. der Thesproter und Molotter geworden sein. Daher der königliche Stamm der Pyrrhiden in Epiros, angebliche Aeakiden, sein Geschlecht von Neoptolemos und der Lanasse vom Stamme des Herakles ableitetePlut. Pyrrh. 1, Iustin 17, 3., und neben dem Pyrrhos oder Neoptolemos auch Peleus und Achilleus, letzterer unter dem Namen Aspetos d. h. der unsäglich Große, in Epiros mit göttlichen Ehren verehrt wurde; während Helenos, nach dem Abzuge des Neoptolemos mit der Andromache vereinigt, ein König der Chaoner in Epiros geworden sein soll und als solcher bei Virgil seinen Landsmann, den Aeneas, auf seiner Fahrt nach Italien an dieser Küste freundlich aufnimmtVirg. A. 3, 290 ff. Nach dem Dichter Simmias b. Schol. Eur. Androm. 14 begleitete auch Aeneas den Neoptolemos als Gefangener nach Epiros.. Neoptolomos nehmlich begab sich zuletzt nach Delphi, nach der gewöhnlichen Tradition um den Apoll wegen des Todes seines Vaters zur Rechenschaft zu ziehen, worüber er durch einen Priester desselben und auf Befehl der Pythia am Opferheerde getödtet wurde, aber darauf in der Nähe des Tempels ein ehrenvolles Grab und heroische Ehren erlangtePind. N. 7, 40 ff. Schol., Str. 9, 421, Paus. 10, 24, 5, Der Tod des Neoptolemos durch Orest auf etruskischen Aschenkisten b. R. Rochette Mon. ined. p. 208 ff., Overbeck 745 ff., eine endliche Ausgleichung der von dem jüngeren 469 Epos immer so stark hervorgehobenen Feindschaft zwischen Achilles und Apoll. Anderen Traditionen folgte die attische Bühne, für welche Sophokles und Euripides, jener im Peleus und in der HermioneNauck tr. gr. n. 140. 189, Vater im Archiv f. Philol. u. Pädag. 17, 166 ff. Auch die Φθιώτιδες des Sophokles gehörten vermuthlich in diesen Zusammenhang., dieser in seiner Andromache diese Sagen bearbeitet hatten. Peleus, schon in der Ilias während der Abwesenheit des Achill bedrängt, wurde nach der späteren Tradition von seinem alten Gegner Akastos (S. 397) vollends vertrieben, bis Neoptolemos aus Troja zurückkehrte und seinen Großvater wieder einsetzteIl. 18, 434; 24, 488 vgl. Eur. Tr. 1126 ff., Horat. A. P. 96.. Seitdem herrschen beide neben einander in Pharsalos und Phthia. Neoptolemos hat von der Andromache einen Sohn, den Molossos, den einzigen Stammhalter der Aeakiden, welcher später mit seiner Mutter nach Epiros auswandert und unter dem Schutze des Helenos heranwächstEur. Andr. 24 ff. 1243 ff., wo auch die Vermählung der Andromache mit dem Helenos angedeutet wird. Die spätere Ueberlieferung kannte drei Söhne des Neoptolemos und der Andromache, den Μολοσσός, Πίελος und Πέργαμος, s. Paus. 1, 11, 1. 2, Hygin f. 123, wo für Amphialum wohl zu schreiben ist Pialum (Piales heißt er b. Iustin 17, 3) und die sehr verdorbenen Schol. Eur. Androm. 24. 32. Μολοσσὸς ist der Eponymus von Molossien, Πίελος galt für den Sohn des Neoptolemos im Stammbaume der Pyrrhiden d. h. der epirotischen Aeakiden, Πέργαμος für den Ktistes von Pergamon in Mysien, wo man ein Grab der Andromache zeigte, die mit ihrem jüngsten Sohne in die Heimath zurückgekehrt sei, Paus. l. c, Serv. V. Ecl. 6, 72. Daher auch die Pergamener Aeakiden zu sein behaupteten, C. I. n. 3538, 32., dahingegen die ihm früher verlobte und nach seiner Rückkehr von Troja vermählte Hermione (S. 451) ohne Kinder bleibt. Deshalb stellt sie mit Hülfe des Menelaos der Andromache nach, welche Peleus rettet, während Orestes der Hermione zu Hülfe kommt, nachdem er den Neoptolemos zu Delphi erschlagen. Nach der peloponnesischen Sage galt nehmlich Hermione gewöhnlich für die Gemahlin des Orestes. Oder man erzählte daß der aus seiner Herrschaft vertriebene Peleus den Neoptolemos vor Troja habe aufsuchen wollen, darüber nach der Insel Kos verschlagen sei und hier ein Grab gefunden habeKallimachos b. Schol. Pind. P. 3, 167 vgl. Schol. Eur. Tr. 1118.. Denn auch auf dieser Insel gab es Aeakiden, welche ihre Stammesheroen mit sich dahin gebracht hatten.

Von den letzten Schicksalen des Odysseus erzählte die Telegonie des Eugammon und zwar mit vielen, von den 470 Andeutungen der Odyssee doch sehr abweichenden Zuthaten späterer Sagenbildung. Nachdem die Leichen der Freier bestattet sind, opfert Odysseus zuerst den Nymphen (vgl. Od. 13, 355 ff.) und begiebt sich darauf nach Elis um nach den Rinderheerden zu sehen, bei welcher Gelegenheit er beim Könige Polyxenos, welcher auch mit vor Troja gewesen war, einkehrt und von ihm mit einem kostbaren Mischgefäße beschenkt wirdAuf demselben war die Geschichte des Trophonios und Agamedes und die vom Schatze des Augeias zu sehen, welche episodisch eingeflochten wurden. Vom Könige Polyxenos Il. 2, 623, Paus. 5, 3, 4.. Darauf kehrt er zurück nach Ithaka, bringt die von Teiresias vorgeschriebenen Opfer und geht dann auf das Festland zu den Thesprotern, ohne Zweifel um die von Teiresias vorgeschriebene Wanderung anzutreten. Er hört von dem Dodonaeischen Orakel daß ihm Gefahr von seinem Sohne drohe, vermählt sich mit der Königin der Thesproter Kallidike und ist der Anführer ihres Volkes in einem Kriege mit den Brygern, wo seine alte Schutzgöttin Athena ihm noch einmal aus der Noth hilft, in welche Ares seine Mannen gebracht hatte, und Apollo den Frieden herstellt. Nach dem Tode der Kallidike übernimmt Polypoites die Herrschaft, ihr Sohn vom Odysseus, den einheimische Sagen also als Stammvater der dortigen Könige nannten, während es den Odysseus doch wieder nach seinem Ithaka zieht. Nicht lange hat er sich von neuem der Heimath erfreut, da erscheint Telegonos, sein Sohn von der Kirke, welcher sich aufgemacht hatte um seinen Vater zu suchen. Da er die Insel plündert, so tritt ihm Odysseus entgegen, wird von ihm mit einem Rochenstachel verwundet, den die Mutter ihm anstatt der Lanzenspitze gegeben hatte, und findet auf diese Weise einen sehr schmerzensvollen Tod: eine spätere Version der Prophezeiung des Teiresias, Odysseus werde seinen Tod εξ αλὸς finden, welche Aeschylos und Andere so erzählten daß Odysseus von dem giftigen Seethiere aus der Höhe getroffen wurde, indem ein Reiher es auf ihn fallen ließAesch. fr. 269 vgl. Sext. Emp. adv. Math. 1, 267 und das Vasenbild b. Welcker A. D. 3, 459. Der andern Version folgte Sophokles in seinem ’Οδυσσεὺς ακανθοπλήξ, den Pacuvius nachgebildet hatte, vgl. Welcker Gr. Tr. 240 ff., Schöll Tetral. 123. 131. Ueber den Rochen (τρυγών) und seinen Stachel Nikand. Ther. 828 ff, Plin. 9, 155, zur Fabel Lykophr. 795, Oppian Halieut. 2, 497 ff, Hygin f. 127, Eustath. Od. 1676, 44 u. A. Telegonus parricida Horat. Od. 3, 29, 8. Es gab von Sophokles auch einen Euryalos, wo dieser, ein Sohn des Odysseus und der Tochter eines epirotischen Gastfreundes, auf Ithaka durch Odysseus selbst umkam, nachdem die Eifersucht der Penelope ihn dazu verleitet hatte, kurz vor seinem eigenen Tode durch Telegonos, Parthen. erot. 3.. Als Telegonos vernommen daß er seinen 471 Vater getödtet, ist er sehr betrübt und nimmt seine Leiche und Penelope und Telemach mit sich in seine Heimath, wo beide unsterblich und Telemach Gemahl der Kirke, Telegonos der der Penelope wirdNach Hygin f. 127 war Latinus ein Sohn der Kirke und des Telemach, Italus der der Penelope und des Telegonus. Andere genealogische Combinationen b. Eustath. Od. 1796, 39 und Tzetz. Lyk. 805. 808.. Die Insel der Kirke wurde bekanntlich nach der jüngeren Tradition in die Gegend von Circeji an der latinischen oder tyrrhenischen Küste verlegt, daher man fortan dort von ihrem Zauber und von ihren Kräutern erzählteTheophr. H. Pl. 5, 8; 9, 15, nach welchem Aeschylos das ganze thyrrhenische Volk ein φαρμακοποιὸν έθνος genannt hatte. Vgl. Plin. H. N. 25, 11. und sowohl Odysseus als Telegonos in der italischen Sagengeschichte viel genannt wurden. Kennt doch schon Hesiod th. 1011–1018 Agrios und Latinos und Telegonos als Söhne des Odysseus und der Kirke und als Könige der Tyrrhener in ferner Inselbucht d. h. in der der Latiner und Etrusker. Und so erzählten auch die Sagen von Cumae und von Cortona von Odysseus oder von Ulixes, wie man ihn in Italien nannte, während die von Tusculum und Praeneste den Telegonus als ihren Ktistes nanntenFest. v. Mamiliorum, Dionys. H. 4, 45, Röm. Myth. 665.. Ja selbst an den spanischen Küsten wußte man von Odysseus und von seinen Abenteuern zu erzählenStr. 1, 22; 3, 149. 157..

Auch viele Andre von den troischen Heroen wurden mit der Zeit in Italien angesiedelt, namentlich Diomedes, und zwar dieser vorzüglich im Küstengebiete des adriatischen Meeres. Er habe, so wird diese Uebersiedelung motivirt, Argos nach seiner Rückkehr wieder verlassen müssen, weil ihm seine Gemahlin Aegialeia, die Tochter des Adrastos, untreu geworden war, wie Klytaemnestra dem Agamemnon. Er rettet sein Leben durch die Flucht, irrt auf dem Meere umher bis Libyen und Iberien, und findet endlich eine neue Heimath in dem italischen Daunien, wo er sich mit der Tochter des Königs Daunus vermählt und verschiedene Städte gründet, namentlich Argos Hippion oder Argyripa. Auch befand sich in dieser Gegend die Diomedeische Insel, auf welcher er (denn Athena hatte ihm Unsterblichkeit verliehen) gleich einem Gotte verehrt wurde, ein Genosse der 472 Dioskuren und bedient von den Diomedeischen Vögeln, in welche sich seine Griechen verwandelt hattenVirg. A. 11, 225 ff., Ovid M. 14, 457 ff., vgl. Lykophr. 592 ff. und Schol. Pind. N. 10, 12, nach welchem schon Ibykos von diesem Culte wußte, u. Röm. Myth. 663. Die Verwandlung seiner Gefährten in Vögel hängt wie die der Memnonischen Vögel ohne Zweifel mit dem Glauben zusammen daß die Seele eines Verstorbenen einem Vogel gleich sei.. Von welchen Mittelpunkten sich dieser Cultus des argivischen Heroen dann weiter verbreitet hatte, sowohl landeinwärts und zu den Griechen in Metapont und Thurii als längs der Küste des adriatischen Meeres bis Ancona und der PomündungSkylax p. 16, Polemo b. Schol. Pind. l. c., Str. 5, 214. 215; 6, 283, Plin. 3, 103 ff. 120. 151.. Andre Uebertragungen der Art sind die von Idomeneus und Meriones aus Kreta nach Italien und SicilienNach kretischem Glauben lagen sie in Knosos begraben und wurden dort in der gewöhnlichen Weise als Heroen verehrt, Aristot. pepl. 15 (23), Diod. 5, 79. Die Ueberlieferung von Italien und Sicilien b. Virg. A. 3, 400 ff., Diod. 4, 79., die von Philoktet aus seiner thessalischen Heimath nach KalabrienLykophr. 911 ff., Apollod. b. Str. 6, 254. Auch seinen Bogen soll Philoktet mit sich nach Italien gebracht und in einem Tempel des Apollo geweiht haben, Aristot. Mirab. 115, Euphorion b. Meineke Anal. 75., endlich der Cultus der Atriden, Tydiden, Aeakiden und Laertiaden und dazu der Agamemnoniden noch insbesondre, also sämmtlicher Heroen des heroischen Sagenkreises in TarentAristot. Mirab. 106..

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